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Bundesverwaltungsgericht 24.10.2011 C-798/2008

24 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,456 mots·~7 min·2

Résumé

nach Auflösung der Familiengemeinschaft | Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­798/2008 Urteil   v om   2 4 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Ruth Beutler, Richterin Marianne Teuscher, Gerichtsschreiber Julius Longauer. Parteien A._______, Beschwerdeführer,  vertreten durch Daniel Weber, Fürsprecher, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung.

C­798/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer  (geb.  1978)  ist  kosovarischer Staatsangehöriger.  Nach  seiner  Heirat  vom  1.  Juli  2003  mit  einer  niedergelassenen  Ausländerin erhielt er im Kanton Bern im Rahmen des Familiennachzugs  eine Aufenthaltsbewilligung, die  letztmals mit Wirkung bis 30. November  2007 verlängert wurde. B.  Der  Beschwerdeführer  und  die  (seit  Juni  2004  eingebürgerte)  Ehefrau  trennten sich per 1. Januar 2007 und am 28. August 2007 wurde die Ehe  geschieden. C.  Nach  erfolgter  Scheidung  ersuchte  der  Beschwerdeführer  am  17.  September  2007  um  eine  weitere  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung.  Die  Migrationsbehörde  des  Kantons  Bern  übersteuerte  die  Bewilligungssache  am  21.  September  2007  zwecks  Zustimmung an die Vorinstanz. D.  Am  26.  Oktober  2007  gewährte  die  Vorinstanz  dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche Gehör zu einer möglichen Verweigerung der Zustimmung  und  Wegweisung  aus  der  Schweiz.  Von  der  Möglichkeit  zur  Stellungnahme  machte  der  Beschwerdeführer  am  19.  Dezember  2007  Gebrauch. E.  Mit  Verfügung  vom  4.  Januar  2008  verweigerte  die  Vorinstanz  ihre  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und wies  den  Beschwerdeführer  unter  Ansetzung  einer  Ausreisefrist  aus  der  Schweiz  weg.  F.  Dagegen  gelangte  der  Beschwerdeführer  am  7. Februar  2008  an  das  Bundesverwaltungsgericht und stellte die folgenden Rechtsbegehren: Die  Verfügung  sei  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  die  Angelegenheit  an  die  kantonale  Migrationsbehörde  zurückzuweisen,  damit  diese  in  eigener  Zuständigkeit  über  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  entscheide.  Eventualiter  sei  die  Vorinstanz 

C­798/2008 anzuweisen,  ihre  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. G.  Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 9. April 2008 die  Abweisung der Beschwerde. H.  Mit  verfahrensleitender  Verfügung  vom  3.  Februar  2011  lud  das  Bundesverwaltungsgericht  den Beschwerdeführer  ein,  allfällige  seit  dem  letzten  Schriftenwechsel  eingetretene  Sachverhaltsänderungen  in  das  Verfahren einzubringen. I.  Der  Aufforderung  des  Bundesverwaltungsgerichts  kam  der  Beschwerdeführer mit Eingabe vom 4. März 2011 nach. J.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  sowie  Art.  33  Bst.  d  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem  Bundesgesetz  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3. Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  zur  Beschwerde  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  im  Übrigen  frist­  und  formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 49 ff. VwVG). 2.  2.1.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige 

C­798/2008 Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht von Amtes wegen an. Es  ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BVGE  2011/1  E.2).  Unter  Vorbehalt des Verbots echter Rückwirkung ist in gleicher Weise das zum  Zeitpunkt des Entscheids  in Kraft stehende Recht anzuwenden. Dessen  Übergangsbestimmungen  können  freilich  für  gewisse  Sachverhalte  die  Nachwirkung des alten Rechts vorsehen. 2.2.  Am  1.  Januar  2008  traten  das  neue  Bundesgesetz  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  und  seine  Ausführungsverordnungen  in  Kraft  –  unter  anderem  die  Verordnung  vom  24.  Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201).  In  Verfahren,  die  vor  diesem  Zeitpunkt anhängig gemacht wurden, wie es vorliegend der Fall ist, bleibt  nach  der  übergangsrechtlichen  Ordnung  des  AuG  das  alte  materielle  Recht  anwendbar.  Dabei  ist  entgegen  dem  zu  engen Wortlaut  des  Art.  126 Abs. 1 AuG ohne Belang, ob das Verfahren auf Gesuch hin oder von  Amtes  wegen  eröffnet  wurde  (vgl.  BVGE  2008/1  E.  2  mit  Hinweisen).  Einschlägig  sind das Bundesgesetz  vom 26. März  1931 über Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121),  die  Vollziehungsverordnung  vom  1. März  1949  zum  Bundesgesetz  über  Aufenthalt  und Niederlassung der Ausländer  (ANAV, AS 1949 228),  die  Verordnung  vom  20. April  1983  über  das  Zustimmungsverfahren  im  Ausländerrecht  (nachfolgend:  Zustimmungsverordnung,  AS  1983  535)  und die Verordnung vom 6. Oktober 1986 über die Begrenzung der Zahl  der  Ausländer  (Begrenzungsverordnung,  BVO,  AS  1986  1791).  Das  Verfahren  selbst  folgt  grundsätzlich  dem  neuen  Verfahrens­  und  Organisationsrecht (Art. 126 Abs. 2 AuG). 3.  3.1. Der  Beschwerdeführer  spricht  der  Vorinstanz  die  Zuständigkeit  ab,  an  der  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung  in  Gestalt  der  Zustimmung mitzuwirken. Die Entscheidkompetenz liege gestützt auf Art.  4 ANAG allein beim Kanton. Diese nicht weiter begründete Auffassung ist  unzutreffend.  Die  Zuständigkeit  der  Vorinstanz  ergibt  sich  im 

C­798/2008 vorliegenden  Fall  aus  Art.  1  Abs.  1  Bst.  a  Zustimmungsverordnung  in  Verbindung  mit  den  Weisungen  und  Erläuterungen  des  BFM  über  Einreise, Aufenthalt  und Arbeitsmarkt  (ANAG­Weisungen,  3. Aufl.,  Bern,  Mai  2006).  Letztere  sehen  unter  Ziff.  132.4  Bst.  e  vor,  dass  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  einer  ausländischen  Person  nach Scheidung vom schweizerischen Ehegatten oder nach dessen Tod  dem  BFM  zur  Zustimmung  zu  unterbreiten  ist,  falls  die  ausländische  Person  nicht  aus  einem  Mitgliedstaat  der  EFTA  oder  der  EG  stammt.  Gemäss  Art. 19  Abs.  5  ANAV  darf  eine  entsprechende  kantonale  Bewilligung  erst  ausgestellt  werden,  wenn  die  Zustimmung  des  BFM  vorliegt; sie gilt ansonsten als ungültig. 3.2. Die Ehe des Beschwerdeführers  ist  geschieden worden,  bevor  ihm  als Ehemann einer Schweizer Bürgerin aus Art.  7 Abs. 1 Satz 2 ANAG  bzw.  als  Ehemann  einer  Niedergelassenen  aus  Art.  17  Abs.  2  Satz  2  ANAG  ein  zivilstandsunabhängiger  Anspruch  auf  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung  erwachsen  konnte  (BGE  135  II  1  E.  1.2.2  S.  4;  BGE  130  II  49  E.  3.2  S.  53  ff.).  Eine  andere  Anspruchsgrundlage  des  Landes­  und  Völkerrechts  besteht  nicht.  Eine  solche  kann  namentlich  nicht  in  Art.  50  AuG  erblickt  werden,  der  zwar  neue  Ansprüche  auf  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der Ehe schafft,  auf  die  vorliegende  Streitsache  jedoch  wegen  der  intertemporalen  Unterstellung unter das alte Recht nicht anwendbar ist (vgl. oben Ziff. 2.2,  ferner  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_245/2008  vom  27. März  2008  E.  2.2.2  und  2C_451/2007  vom  22. Januar  2008  E.  1.2).  Bei  dieser  Rechtslage liegt der Entscheid über die Erteilung oder Verweigerung der  Zustimmung im pflichtgemässen Ermessen des BFM (Art. 4 ANAG). Eine  Bindung an die kantonale Beurteilung besteht nicht. Das gilt selbst dann,  wenn auf kantonaler Ebene ein Gericht auf Erteilung oder Verlängerung  der Aufenthaltsbewilligung erkannt  hat  (vgl.  grundlegend BGE 127  II  49  E. 3 S. 51 ff; ferner Entscheid des Eidg. Justiz­ und Polizeidepartements  vom  15.  April  2005  E. 12  in:  Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden  [VPB] 69.76). 4.  Der  Begriff  der  "pflichtgemässen  Ermessensausübung"  impliziert  die  Beachtung  rechtlicher  Schranken  bei  der  Ausfüllung  der  Ermessensspielräume.  Vorliegend  steht  der  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  von  Verwaltungsakten  im  Vordergrund.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  der  Verhältnismässigkeit  ist  eine  wertende  Abwägung  vorzunehmen  zwischen  dem  öffentlichen  Interesse  an  der 

C­798/2008 Verweigerung  der  Zustimmung  einerseits  und  den  durch  die  Verweigerung  beeinträchtigten  privaten  Interessen  des  (oder  der)  Betroffenen andererseits (vgl. statt vieler ULRICH HÄFELIN / GEORG MÜLLER  / FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,  6. Aufl.,  Zürich und St.  Gallen 2010, S. 138 f.). 5.  5.1. Richtschnur und äusseren Rahmen der  Interessenabwägung bilden  die Grundentscheidungen  des Ausländerrechts,  namentlich  die  in Art.  1  BVO  formulierten  migrationspolitischen  Ziele  und  die  damit  zusammenhängende  restriktive  Einwanderungspolitik  gegenüber  erwerbstätigen  ausländischen Personen aus  dem Nicht­EU/EFTA­Raum  (in der Folge: Drittstaatsangehörige). Diese Politik  findet  ihren Ausdruck  unter  anderem  in  den  strengen  Zulassungsbeschränkungen  der  Begrenzungsverordnung,  denen  erwerbstätige  Drittstaatsangehörige  namentlich in Gestalt hoher Anforderungen an die berufliche Qualifikation  (Art. 8 BVO) und der Höchstzahlen (Art. 12 BVO) unterworfen sind. Das  erhebliche Gewicht des öffentlichen Interesses an der Durchsetzung der  restriktiven Einwanderungspolitik gegenüber Drittstaatsangehörigen zeigt  sich  daran,  dass  humanitäre  Gründe  in  diesem  rechtlichen  Zusammenhang  erst  Bedeutung  erlangen,  wenn  die  Betroffenheit  des  Einzelnen  die  Grenze  zum  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefall  im  Sinne von Art. 13 Bst. f BVO überschreitet. Nach der Auflösung der Ehe,  die  sie  von  restriktiven  qualitativen  und  quantitativen  Zulassungsvoraussetzungen  der  Begrenzungsverordnung  ausnehmen,  muss die ausländische Person dieses öffentliche Interesse grundsätzlich  wieder gegen sich gelten lassen, auch wenn sie nach Massgabe von Art.  12  Abs.  2  zweiter  Satz  BVO  den  Höchstzahlen  der  Begrenzungsverordnung nach wie vor nicht untersteht. Es ist deshalb ein  vergleichsweise  strenger  Massstab  angebracht,  wenn  es  zu  beurteilen  gilt,  ob  nach  Wegfall  des  Privilegierungsgrundes  private  Interessen  bestehen,  denen  gegenüber  das  öffentliche  Interesse  an  der  Durchsetzung  der  restriktiven  Migrationspolitik  zurückzustehen  hat.  Dementsprechend geht das Bundesverwaltungsgericht mit der Vorinstanz  davon  aus,  dass  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  nach  Auflösung  der  Ehe  in  erster  Linie  ein  Instrument  zur  Vermeidung  von  Härtefällen  darstellt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­1786/2007 vom 7. Juni 2010 E. 7.1 mit Hinweis; ferner Ziff. 654 ANAG­ Weisungen).

C­798/2008 5.2. Unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit  ist zu prüfen, ob  die Durchsetzung der restriktiven Migrationspolitik im konkreten Einzelfall  zu  unbilligen,  vom  öffentlichen  Interesse  an  der  Durchsetzung  einer  restriktiven  Einwanderungspolitik  nicht  gedeckten  Härten  bei  der  betroffenen  ausländischen  Person  führt.  Entscheidend  ist,  inwieweit  es  der  ausländischen  Person  in  persönlicher,  wirtschaftlicher  und  sozialer  Hinsicht  zugemutet  werden  kann,  den  Aufenthalt  in  der  Schweiz  aufzugeben, in ihre Heimat zurückzukehren und dort zu leben. Zu diesem  Zweck  ist  ihre  zukünftige  Situation  im  Ausland  den  persönlichen  Verhältnissen in der Schweiz gegenüberzustellen. Über die Zumutbarkeit  ist nach Massgabe der gesamten Umstände des Einzelfalles zu befinden.  Dazu gehören allgemeine,  von der Ehe unabhängige Elemente, wie die  Dauer  des  Aufenthaltes  in  der  Schweiz,  der  Grad  der  sozialen  und  wirtschaftlichen Integration in die hiesigen Verhältnisse, das Alter und der  gesundheitliche Zustand, soweit Kinder vorhanden sind, deren Alter und  schulische  Integration,  aber  auch  die  Unterkunft  und  die  Reintegrationsmöglichkeiten  in  der  Heimat,  ferner  ehespezifische  Elemente,  wie  die  Dauer  der  Ehe  und  die  Umstände,  die  zu  deren  Auflösung geführt haben. Steht fest, dass der ausländischen Person eine  Weiterführung  der  ehelichen  Beziehung  nicht  länger  zugemutet  werden  konnte, namentlich weil sie Opfer von Misshandlungen geworden war, so  ist  dies  besonders  zu  berücksichtigen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­1786/2007  vom  7.  Juni  2010  E.  7.2  mit  Hinweis; ferner Ziff. 654 ANAG­Weisungen). 5.3. Welcher  Grad  an  Betroffenheit  in  den  persönlichen  Verhältnissen  notwendig  ist,  damit  das  öffentliche  Interesse  an  der  Durchsetzung  der  restriktiven  Migrationspolitik  gegenüber  Drittausländern  zurückzustehen  hat,  ist  vorab  mit  Blick  auf  die  Regelung  des  Art.  7  Abs.  1  ANAG  zu  beantworten,  der  ausländischen  Ehegatten  nach  fünf  Jahren  Ehe  auf  schweizerischem  Territorium  einen  vom  weiteren  Bestand  der  Ehe  unabhängigen  Anspruch  auf  Aufenthalt  vermittelt.  Vor  dem  Erreichen  dieser  zeitlichen  Grenze  kommt  es  entscheidend  darauf  an,  welche  Bedeutung  den  ehespezifischen  Elementen  im  jeweiligen  Einzelfall  zukommt,  das  heisst  der  Dauer  der  ehelichen  Gemeinschaft  auf  schweizerischem  Territorium,  den  Umständen  der  Auflösung  der  ehelichen Gemeinschaft und –  in  letzterem Zusammenhang – allfälligen  Gewalterfahrungen  in der Ehe sowie der Existenz gemeinsamer Kinder.  Je  mehr  diese  Elemente  ins  Gewicht  fallen,  umso  eher  wird  man  von  einer  hinreichend  schweren Betroffenheit  ausgehen  können. Umgekehrt  rechtfertigt sich ein umso strengerer Massstab, als sich die Härtesituation 

C­798/2008 nicht  gerade  aus  den  oben  genannten  ehespezifischen  Elementen  ableiten  lässt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­1786/2007  vom  7. Juni  2010  E.  7.3  mit  Hinweis;  vgl.  schliesslich  die  abgestufte  Regelung in Art. 50 AuG). Dabei darf  jedoch nicht ausser Acht gelassen  werden, dass der Verordnungsgeber  in Art. 12 Abs. 2 zweiter Satz BVO  unter anderem ausländische Ehegatten von Schweizer Bürgern von den  Höchstzahlen  der  Begrenzungsverordnung  auch  für  die  Zeit  nach  Auflösung der Ehe ausnimmt und auf diese Weise ihrer besonderen Lage  Rechnung trägt. 6.  6.1.  Die  Ehe  des  Beschwerdeführers  hatte  4  Jahre  und  2  Monate  Bestand.  Sie  blieb  kinderlos  und  irgendwelche  Besonderheiten  im  Zusammenhang  mit  ihrem  Scheitern,  die  es  in  vorliegendem  Zusammenhang zu berücksichtigen gälte,  sind nicht  bekannt. Allerdings  dauerte  das  eheliche  Zusammenleben  mit  3  Jahren  und  6  Monaten  vergleichsweise lang. Darin ist ein Element zu erblicken, das im Sinne der  obenstehenden  Erwägungen  geeignet  ist,  die  Anforderungen  an  die  Betroffenheit  zu  senken.  Es  ist  diesbezüglich  auf  Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG zu  verweisen,  der  in bewusster Anlehnung an eine  vorbestehende  Verlängerungspraxis  zahlreicher  Kantone  nach  drei  Jahren  ehelicher  Haushaltsgemeinschaft  einen  Anspruch  auf  Verlängerung  entstehen  lässt,  wenn  die  Integration  der  ausländischen  Person  ansonsten  erfolgreich verlaufen  ist (vgl. dazu die Voten von Bundesrat Blocher und  Kommissionssprecher  Beck  im  Rahmen  der  parlamentarischen  Beratungen,  AB  2004  N  1064;  ferner  RAHEL  MARTIN­KÜTTEL,  Aufenthaltsbeendigung  nach  altem  und  neuem  Recht,  in:  Alberto  Achermann und andere [Hrsg.], Jahrbuch für Migrationsrecht 2006/2007,  dort  S.  14;  Marc  Spescha,  Handbuch  zum  Ausländerrecht,  Bern  usw.  1999, S. 162 N. 16 und S. 241  ff.). Auch wenn das neue Recht auf die  vorliegende  Streitsache  nicht  anwendbar  ist,  so  kann  der  in  ihm  zum  Ausdruck kommende Wandel gesellschaftlicher Grundwertungen bei der  Ausfüllung altrechtlicher Ermessensspielräume nicht gänzlich unbeachtet  bleiben. 6.2. Der heute 33 Jahre alte Beschwerdeführer  lebt seit gut acht Jahren  in der Schweiz, nachdem er sich hier Ende der 90­er Jahre bereits zwei  Jahre  als  Asylbewerber  aufgehalten  hatte.  Bis  auf  einen  im  Jahr  2003  erwirkten  Strafbefehl  wegen  Zuwiderhandlungen  gegen  das  Ausländerrecht  ist  er  unbescholten  und  kommt  seinen  finanziellen  Verpflichtungen nach. Kurz nach seiner Einreise im Jahr 2003 nahm der 

C­798/2008 Beschwerdeführer  eine  Erwerbstätigkeit  als  Raumpfleger  bei  einem  Reinigungsunternehmen  auf.  Daneben  arbeitete  er  als  nebenamtlicher  Hauswart in mehreren Liegenschaften eines Immobilienunternehmens. In  beiden  Funktionen  wurde  und  wird  er  von  seinen  Arbeitgebern,  Mitarbeitern  und  Kunden  bzw.  Mietern  geschätzt.  Dank  seinem  Erwerbseinkommen war er stets  in der Lage, für seinen Lebensunterhalt  ohne  Inanspruchnahme  der  öffentlichen  Sozialhilfe  aufzukommen.  Die  sprachliche  Integration  des Beschwerdeführers  ist  –  soweit  erkennbar –  gut,  und  was  die  soziale  Integration  anbetrifft,  ist  nichts  Nachteiliges  bekannt.  Es  ist  im Gegenteil  davon  Vermerk  zu  nehmen,  dass  sich  im  Rahmen des Bewilligungsverfahrens etliche Personen  für  ihn eingesetzt  haben, was auf eine nachhaltige soziale Verankerung hier in der Schweiz  hinweist.  Seine  Integration  ist  damit  als  gelungen  zu  beurteilen.  Anzufügen bleibt, dass beim Beschwerdeführer im Jahr 2008 Darmkrebs  diagnostiziert  wurde,  was  mehrere  Hospitalisationen  und  operative  Eingriffe  notwendig  machte.  Zur  Zeit  scheint  der  Beschwerdeführer  geheilt zu sein. Nachkontrollen sind jedoch notwendig.  6.3. Zwar sind keine Gründe ersichtlich, die eine Wiedereingliederung des  Beschwerdeführers  in  seinem  Heimatland  ernsthaft  beeinträchtigen  könnten.  Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  jedoch  auf  der  Grundlage  des  milderen  Beurteilungsmassstabs,  den  es  vorliegend  anzuwenden  gilt,  und  unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  zum  Schluss,  dass  eine  Nichterneuerung  der  Aufenthaltsbewilligung  in  rechtserheblicher  Weise  in  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Beschwerdeführers  eingreift.  Das  öffentliche  Interesse  an  der  Durchsetzung  der  restriktiven  Migrationspolitik  –  Personen  aus  dem  Nicht­EFTA/EU­Raum  betreffend  –  muss  unter  den  gegebenen  Umständen  gegenüber  dem  Interesse  des  Beschwerdeführers  an  einer  weiteren  ausländerrechtlichen  Regelung  seines  Aufenthaltes  zurückstehen. Indem die Vorinstanz dem öffentlichen Interesse grösseres  Gewicht  beigemessen  und  gestützt  darauf  die  Zustimmung  zur  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert hat, erweist sich ihre  Anordnung als unverhältnismässig.  7.  Aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht verletzt (Art. 49 Bst. a VwVG). Die angefochtene  Verfügung ist deshalb aufzuheben und der Verlängerung der kantonalen  Aufenthaltsbewilligung ist die Zustimmung zu erteilen. In diesem Sinne ist  die Beschwerde gutzuheissen.

C­798/2008 8.  Zwar  ist  der  Beschwerdeführer  mit  seinem  Hauptbegehren  auf  Rückweisung  an  den  Kanton  gescheitert.  Bei  der  massgebenden  materiellen Betrachtungsweise gilt  er  jedoch als ganz obsiegend. Daher  sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),  und es  ist  dem Beschwerdeführer gestützt  auf Art.  64 VwVG zu Lasten  der Vorinstanz eine Parteientschädigung zuzusprechen. Diese ist gestützt  auf  die  Kostennote  seines  Rechtsvertreters,  die  zu  keinen  grundsätzlichen  Beanstandungen  Anlass  gibt,  auf  Fr.  2'952.45  (MwSt.  inkl.) festzusetzen ( Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2]). 9.  Das vorliegende Urteil  ist endgültig  (Art. 83 Bst. c Ziff. 2 und Ziff. 4 des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110])

C­798/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben, und der Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung wird die Zustimmung erteilt. 3.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  geleistete  Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 700.­ wird zurückerstattet. 4.  Die  Vorinstanz  hat  den  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht mit Fr. 2'952.45 (inkl. MwSt.) zu entschädigen. 5.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (…) – die Vorinstanz zum Vollzug (…) – den Migrationsdienst des Kantons Bern (…) – die Fremdenpolizei der Stadt Bern (…) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Julius Longauer Versand:

C-798/2008 — Bundesverwaltungsgericht 24.10.2011 C-798/2008 — Swissrulings