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Bundesverwaltungsgericht 20.02.2012 C-7258/2009

20 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,133 mots·~11 min·3

Résumé

Personen des Asylrechts | Verweigerung der Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (Art. 14 Abs. 2 AsylG)

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­7258/2009 Urteil   v om   2 0 .   Februar   2012 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Blaise Vuille,  Richter Antonio Imoberdorf,    Gerichtsschreiberin Giulia Santangelo. Parteien N._______,  vertreten durch lic. iur. Patricia Müller,  Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende Solothurn  (Rebaso), Rossmarktplatz 2, Postfach 652, 4501 Solothurn, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Erteilung einer  Aufenthaltsbewilligung (Art. 14 Abs. 2 AsylG).

C­7258/2009 Sachverhalt: A.  Der  aus  der  Demokratischen  Republik  Kongo  stammende  Beschwerdeführer  (geb. 1960)  reiste  gemäss  eigenen  Angaben  am  12. Mai  2004  in die Schweiz ein und ersuchte am selben Tag um Asyl.  Mit Verfügung vom 21. September 2006 lehnte das BFM das Asylgesuch  wegen fehlender Flüchtlingseigenschaft ab und wies ihn unter Ansetzung  einer Ausreisefrist aus der Schweiz weg. Gegen diese Verfügung erhob  der Beschwerdeführer am 25. Oktober 2006 bei der damals zuständigen  Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) Beschwerde.  B.  Am  6. Juli  2009  unterbreitete  die  Migrationsbehörde  des  Kantons  Solothurn der Vorinstanz ein Gesuch um Zustimmung zur Erteilung einer  Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art. 14  Abs.  2  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31). Im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  teilte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer am 3. September 2009 mit, dass erwogen werde, die  Zustimmung  zu  einer  entsprechenden  Aufenthaltsregelung  zu  verweigern, und räumte ihm Gelegenheit zur Stellungnahme ein. Er liess  sich  am  28. September  2009  durch  seine  Parteivertreterin  dazu  vernehmen. C.  Mit  Verfügung  vom  19. Oktober  2009  verweigerte  die  Vorinstanz  die  Zustimmung zur Erteilung der Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs.  2  AsylG.  Zur  Begründung  führte  sie  im  Wesentlichen  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  während  der  fünfeinhalb­jährigen  Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz  offenbar  in  die  hiesigen  Verhältnisse  eingelebt  und  zu  keinen  Klagen  Anlass  gegeben.  Dennoch  erscheine  seine  bisherige  berufliche  und  soziale  Integration  nicht  so  aussergewöhnlich, dass sie zu einer Verwurzelung in der Schweiz geführt  hätte. Mit  seiner Anstellung als Hilfsarbeiter  verfüge er weder über eine  anerkannte  Ausbildung  noch  über  spezielle  berufliche  Kenntnisse,  sondern  sei  lediglich  angelernt  worden.  Aus  den  Akten  sei  auch  keine  spezifische  berufliche  Weiterbildung  seit  Beginn  der  Erwerbstätigkeit  ersichtlich.  Dass  die  Kommunikation  am  Arbeitsplatz  offenbar  in  deutscher Sprache erfolge und der Gesuchsteller mehrere Kurse bei der  Caritas  absolviert  habe,  zeige  ein  gewisses  Engagement,  stelle  aber  keine überdurchschnittliche Integration dar. Fünfeinhalb Jahre seien eine 

C­7258/2009 relativ  kurze Aufenthaltsdauer. Die  hiesigen guten Bekanntschaften  und  die  hinreichenden  Sprachkenntnisse  entsprächen  eher  einer  normalen  zeitlichen  Entwicklung.  Positiv  zu  würdigen  sei,  dass  der  Beschwerdeführer  seiner  Schweizer  Partnerin  in  einer  schwierigen  Situation  beistehe.  Ein  besonderes,  über  das  übliche  Mass  hinausgehendes  Abhängigkeitsverhältnis  zwischen  den  Betroffenen  sei  jedoch  nicht  ersichtlich  und werde  auch  nicht  substantiiert  dargetan.  Er  habe den grössten, für die Entwicklung wichtigsten Teil seines Lebens in  seiner Heimat verbracht und sei mit Sprache und Kultur bestens vertraut.  Mit  seiner  Erwerbstätigkeit  in  der  Schweiz  habe  er  eine  gewisse  Flexibilität unter Beweis gestellt, welche ihm bei der Wiedereingliederung  behilflich  sein  könne.  Nicht  ersichtlich  sei,  inwiefern  ihm  vor  dem  Hintergrund  seiner  sehr  guten  Ausbildung,  den  Berufserfahrungen  und  seinem  für  kongolesische  Verhältnisse  überaus  guten  Beziehungsnetz  die  wirtschaftliche  Wiedereingliederung  nicht  gelingen  sollte.  Seine  gesundheitlichen  Gebrechen  könnten  überdies  in  Kinshasa  durchaus  adäquat  weiterbehandelt  werden.  Insgesamt  seien  somit  die  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art. 14 Abs. 2 AsylG nicht erfüllt. D.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  20. November  2009  lässt  der  Beschwerdeführer  beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben  und es sei festzustellen, dass die Voraussetzungen für die Erteilung einer  Aufenthaltsbewilligung  aufgrund  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalles  erfüllt  seien.  Es  sei  die  Vorinstanz  anzuweisen,  dem Antrag  des  Kantons  Solothurn  auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  zuzustimmen.  In  prozessualer  Hinsicht  sei  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  bewilligen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Hierzu  lässt  er  vorbringen,  er  habe  Sozialwissenschaften  und  internationale Beziehungen  studiert.  In  seiner  Heimat habe er als Diplomat und Assistenz­Professor gearbeitet. Es gelte  zu  berücksichtigen,  dass  er  sich  in  einem  laufenden  Asylverfahren  befinde; trotz legalem Aufenthalt sei sein Status prekär. So werfe ihm die  Vorinstanz  vor,  lediglich  Hilfsarbeiter  zu  sein  und  keine  speziellen  Berufskenntnisse erworben zu haben, sondern lediglich angelernt worden  zu sein. Bei diesem Vorwurf werde übersehen, dass er keine Möglichkeit  gehabt habe ein Lehrverhältnis abzuschliessen, da ein solches zumindest  den Status einer  vorläufigen Aufnahme voraussetze.  Im Rahmen seiner  bescheidenen  finanziellen  Möglichkeiten  habe  er  sich  jedoch  immer  weitergebildet.  Er  sei  sich  auch  nie  zu  schade  gewesen,  Hilfsarbeiten 

C­7258/2009 durchzuführen.  Nur  wenigen  Asylsuchenden  gelinge  es  überhaupt  eine  Arbeitsstelle  zu  finden,  weshalb  seine  berufliche  Integration  überdurchschnittlich  sei.  Auch  habe  er  überdurchschnittliches  soziales  Engagement gezeigt,  indem er regelmässig Schulklassen besucht habe,  als  Mitglied  des  Cercle  Romand  de  Soleure  Vorträge  halte  und  sehr  engagiert  sei.  Zudem  sei  er  als  Sänger  im  Chor  der  Nationen  ausserordentlich  beliebt.  Seit  zwei  Jahren  lebe  er  mit  der  Schweizerin  S._______  zusammen.  Er  unterstütze  die  an  Krebs  erkrankte  Frau  in  allen  Belangen,  kaufe  ein,  putze  das  Haus, mache  die Wäsche,  koche  und stehe ihr grundsätzlich zur Seite. Sie sei auf seine Hilfe angewiesen.  Dies sei  jedoch nicht der Grund  für  ihr Zusammenleben. Schon vor der  Erkrankung seien sie ein Liebespaar gewesen. Nun lebten sie zusammen  in einem gefestigten Konkubinat.  Im Kongo sei er noch verheiratet, aber  eine Scheidung könne nicht eingeleitet werden, weil er als Asylsuchender  nicht mit  den  heimatlichen  Behörden  in  Kontakt  treten  könne.  In  seiner  Heimat habe er keine Familie mehr. Die älteste Tochter lebe in Brasilien,  ein Sohn in Togo. Ein weiterer Sohn studiere und wohne sporadisch bei  der  Mutter.  Die  jüngste  Tochter  lebe  bei  seinem  Bruder.  Seine  Mutter  lebe  mit  einer  Schwester  in  den  USA.  Durch  seine  Diabetes  II  ­  Erkrankung geschwächt, werde auch sein gesundheitlicher Zustand eine  Reintegration erschweren. E.  Mit  Urteil  vom  15.  Dezember  2009  wurde  die  Asylbeschwerde  abgewiesen. Das BFM setzte dem Beschwerdeführer eine neue Frist zur  Ausreise  bis  zum  19.  Januar  2010. Mit  Schreiben  des Migrationsamtes  des Kantons Solothurn vom 23. April 2010 wurde sein weiterer Aufenthalt  in der Schweiz vorläufig geduldet. F.  Mit  Zwischenverfügung  vom  18.  Dezember  2009  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Prozessführung gut. G.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  23. Dezember  2009  spricht  sich  die  Vorinstanz  unter  Erläuterung  der  bisher  genannten  Gründe  für  die  Abweisung  der  Beschwerde  aus.  Sie  betont  zudem  die  klare  Unterscheidung  zum  Asylverfahren;  im  Härtefallverfahren  seien  keine  Wegweisungs­ oder Vollzugshindernisse zu prüfen.

C­7258/2009 H.  Mit  Replik  vom  25.  Januar  2010  hält  die  Parteivertreterin  am  eingereichten Rechtsmittel sowie den Begehren fest. Ergänzend weist sie  auf das Medienecho  im Zusammenhang mit der geplanten Wegweisung  des  Beschwerdeführers  im  Januar  2010  hin.  Die  Lebenspartnerin  habe  sich  an  die  Medien  gewandt.  Eine  Heirat  zwischen  ihr  und  dem  Beschwerdeführer sei nicht möglich, weil sich dessen Ehefrau nicht von  ihm scheiden  lassen wolle und eine Scheidung mittels Scheidungsklage  sehr lange dauern würde.  I.  Mit Eingabe vom 25. November 2011  lässt der Beschwerdeführer – zur  Aktualisierung  aufgefordert  ­  im  Wesentlichen  vorbringen,  seine  langjährige,  tiefe  Partnerschaft  unterstehe  dem  Schutz  von  Art.  8  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101). Seine jüngste Tochter werde mit  der Mutter, welche einen Schweizer Bürger geheiratet habe definitiv in die  Schweiz kommen. J.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art. 33  VGG  genannten  Behörden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Verweigerung  der  Zustimmung  zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art.  14  Abs.  2  AsylG.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig  (vgl.  Art. 1 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 83 Bst. c Ziff. 2 des Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110], siehe in Bezug auf Art. 14 Abs. 2  AsylG auch Urteil des Bundesgerichts 2C_692/2010 vom 13. September  2010 E. 3).

C­7258/2009 1.2. Das Verfahren  richtet  sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz,  dem  Verwaltungsgerichtsgesetz  und  dem  Bundesgerichtsgesetz,  soweit  das  Asylgesetz  –  sofern  anwendbar  –  nichts  anderes  bestimmt  (Art.  6  AsylG).  1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  gemäss  Art. 48  Abs.  1 VwVG zur Beschwerde  legitimiert. Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (vgl.  Art.  50  und  52  VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art. 62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3.  3.1. Gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG kann der Kanton mit Zustimmung des  BFM  einer  ihm  nach  dem  Asylgesetz  zugewiesenen  Person  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilen,  wenn  die  betroffene  Person  sich  seit  Einreichung  des  Asylgesuches  mindestens  fünf  Jahre  in  der  Schweiz  aufhält (Bst. a), der Aufenthaltsort der betroffenen Person den Behörden  immer bekannt war  (Bst. b) und wegen der  fortgeschrittenen  Integration  ein  schwerwiegender  persönlicher Härtefall  vorliegt  (Bst.  c).  Dabei  geht  es  nur  um  die  Frage,  ob  der  Kanton  ermächtigt  wird,  eine  Aufenthaltsbewilligung  zu  erteilen  bzw.  ein  Aufenthaltsverfahren  durchzuführen.  Anwendbar  ist  die  im  Rahmen  der  Asylgesetzrevision  vom  16.  Dezember  2005  per  1. Januar  2007  in  Kraft  getretene  Härtefallregelung von Art. 14 Abs. 2 AsylG sowohl auf Personen, die ein  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  haben,  als  auch  auf  Personen,  die  sich  noch  im  Asylverfahren  befinden.  Sie  stellt  eine  Ausnahme  vom  Grundsatz  der  Ausschliesslichkeit  des  Asylverfahrens  dar  (PETER  NIDERÖST,  Sans­Papiers  in  der  Schweiz,  in:  Peter  Uebersax/Beat 

C­7258/2009 Rudin/Thomas  Hugi  Yar/Thomas  Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2.  Auflage  Basel  2009,  Rz. 9.35;  zur  Rechtsnatur  dieses  Verfahrens  vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7265/2007  vom  24. März  2010  E. 3).  3.2.  Bereits  vor  der  Revision  vom  16.  Dezember  2005  sah  das  Asylgesetz in Art. 44 Abs. 3 bis 5 (AS 1999 2273) die Möglichkeit vor,  in  Fällen  einer  schwerwiegenden  persönlichen Notlage  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen,  sofern  vier  Jahre  nach  Einreichen  des  Asylgesuchs  noch  kein  rechtskräftiger  Entscheid  ergangen  war.  Rechtskräftig  abgewiesene  Asylsuchende  waren  von  der  Möglichkeit  der  vorläufigen  Aufnahme  ausgeschlossen.  Die  nunmehr  geltende  Regelung von Art. 14 Abs. 2 AsylG enthält nicht nur eine Ausweitung  des  Anwendungsbereiches  auf  rechtskräftig  abgewiesene  Asyl­ suchende,  sondern  bringt  der  betroffenen  Person  auch  insoweit  eine  rechtliche  Besserstellung,  als  ihr  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  und nicht mehr nur die vorläufige Aufnahme gewährt werden kann (zur  Entstehung des heutigen Art. 14 Abs. 2 AsylG vgl. BVGE 2009/40 E.  3.1). 4.  4.1.  Der  Beschwerdeführer  hält  sich  seit  der  Einreichung  des  Asylgesuches  mehr  als  fünf  Jahre  in  der  Schweiz  auf,  wobei  sein  Aufenthaltsort  den  Behörden  immer  bekannt  war.  Die  in  Art.  14  Abs.  2  Bst. a und b AsylG genannten Anforderungen sind damit erfüllt. Zu prüfen  bleibt,  ob  nach Massgabe  von  Art.  14  Abs.  2  Bst.  c  AsylG  "wegen  der  fortgeschrittenen  Integration  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  vorliegt". Diese Frage beurteilt sich auf der Grundlage der umfangreichen  Rechtsprechung  zum Härtefallbegriff  gemäss Art.  13 Bst.  f  der  bis  zum  31. Dezember 2007 geltenden Verordnung vom 6. Oktober 1986 über die  Begrenzung der Zahl der Ausländer  (Begrenzungsverordnung, BVO, AS  1986 1791; vgl. heute Art. 30 Abs. 1 Bst. b des Ausländergesetzes vom  16. Dezember 2005  [AuG, SR 142.20]). Mit Art.  14 Abs. 2 Bst.  c AsylG  hat  der  Gesetzgeber  nämlich  keinen  eigenen  Härtefallbegriff  schaffen,  sondern  den  bereits  im  Kontext  des  Ausländerrechts  bestehenden  und  von  der  Rechtsprechung  konkretisierten  Härtefallbegriff  auch  für  das  Asylrecht  anwendbar  machen  wollen  (vgl.  dazu  eingehend  BVGE  2009/40 E. 5 mit Hinweisen).  4.2.  In  Anlehnung  an  die  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  hat  der  Verordnungsgeber  in  Art.  31  Abs.  1  der  Verordnung  vom  24. Oktober 

C­7258/2009 2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201) eine entsprechende Kriterienliste aufgestellt, die sich sowohl auf  Art.  14  Abs.  2  AsylG  als  auch  auf  den  Anwendungsbereich  des  AuG  (Art. 30  Abs.  1  Bst.  b,  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  und  Art.  84  Abs.  5  AuG)  bezieht. Im Einzelnen werden folgende Kriterien genannt: Die Integration  (Bst.  a),  die  Respektierung  der  Rechtsordnung  (Bst.  b),  die  Familienverhältnisse (Bst. c), die finanziellen Verhältnisse sowie der Wille  zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung (Bst. d),  die Dauer der Anwesenheit (Bst. e), der Gesundheitszustand (Bst. f) und  die Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im Herkunftsland (Bst. g).  4.3.  Im  Weiteren  statuiert  die  auf  die  soeben  genannten  Härtefallregelungen nach AsylG und AuG anwendbare Bestimmung von  Art.  31  Abs.  2  VZAE,  dass  die  gesuchstellende  Person  ihre  Identität  offenlegen muss. Dieses Erfordernis steht im Zusammenhang mit Art. 13  und  Art.  90  AuG,  wonach  die  gesuchstellende  Person  im  Bewilligungs­  und  Anmeldeverfahren  ein  gültiges  Ausweispapier  vorlegen  und  diesbezüglich  zutreffende  und  vollständige  Angaben  machen  muss.  Werden diese zwingenden Vorschriften verletzt, kann dies den Wiederruf  einer Bewilligung zur Folge haben (Art. 62 Bst. a und Art. 63 Abs. 1 Bst. a  AuG) und zu Zwangsmassnahmen (Art. 76 Abs. 1 Bst. b Ziff. 3 AuG und  Art. 77 Abs. 1 Bst. c AuG) oder gar strafrechtlichen Sanktionen (Art. 120  Abs. 1 Bst. e AuG) führen (PETER UEBERSAX, Einreise und Aufenthalt, in:  Ausländerrecht,  a.a.O.,  Rz.  7.272  ff.).  Einen  weiterreichenden  Regelungsumfang  hat  die  insoweit  nur  deklaratorische  Verordnungsbestimmung  von Art.  31 Abs.  2 VZAE  (abgesehen  von der  wohl ungenauen Übersetzung im französischen Text) nicht.  5.  5.1.  Im Hinblick auf die Rechtsprechung zum Härtefallbegriff von Art. 13  Bst.  f  BVO  und  die  diesbezüglich  in  Art.  31  Abs.  1  VZAE  aufgestellten  Kriterien  darf  auch  im  Anwendungsbereich  des  Asylgesetzes  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  nicht  leichthin  angenommen  werden.  Erforderlich  ist,  dass  sich  die  ausländische  Person  in  einer  persönlichen  Notlage  befindet,  was  bedeutet,  dass  ihre  Lebens­  und  Existenzbedingungen,  gemessen  am  durchschnittlichen  Schicksal  von  ausländischen  Personen,  in  gesteigertem  Mass  in  Frage  gestellt  sind  bzw. die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung für sie mit schweren  Nachteilen verbunden wäre. 

C­7258/2009 5.2. Die Anerkennung als Härtefall muss allerdings nicht bereits deshalb  erfolgen, weil sich die Anwesenheit in der Schweiz als einziges Mittel zur  Verhinderung einer persönlichen Notlage darstellt. Es genügt auch nicht,  wenn sich die ausländische Person während längerer Zeit in der Schweiz  aufgehalten,  sich  in  sozialer  und  beruflicher  Hinsicht  gut  integriert  und  sich nichts hat zuschulden kommen  lassen. Vielmehr bedarf es einer so  engen Beziehung zur Schweiz, dass es ihr nicht zugemutet werden kann,  im Ausland, insbesondere in ihrem Heimatland, zu leben (BGE 130 II 39  E. 3; BVGE 2007/16 E. 5.1); die in diesem Kontext anwendbaren Kriterien  von  Art.  31  Abs.  1  VZAE  stellen weder  einen  abschliessenden Katalog  dar  noch müssen  sie  kumulativ  erfüllt  sein  (vgl. BVGE 2009/40 E.  6.2).  Immerhin  werden  bei  einem  sehr  langen  Aufenthalt  weniger  hohe  Anforderungen  an  das  Vorliegen  besonderer  Umstände  wie  etwa  eine  überdurchschnittliche  Integration  oder  andere  Faktoren  gestellt,  welche  die  Rückkehr  ins  Heimatland  als  ausgesprochen  schwierig  erscheinen  lassen (BGE 124 II 110 E. 3 S. 112 f.). 5.3. Zu  beachten  gilt  es  ferner,  dass  die  ausländerrechtliche Zulassung  wegen  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalles  nicht  das  Ziel  verfolgt, eine ausländische Person gegen die Folgen eines Krieges oder  des  Missbrauchs  staatlicher  Gewalt  zu  schützen.  Solche  Erwägungen  betreffen  einerseits  die Frage  der Asylgewährung,  andererseits  sind  sie  für  die  Beurteilung  der  Vollziehbarkeit  einer  verfügten Wegweisung  von  Bedeutung  (vgl.  Art.  83  AuG).  Im  Zusammenhang  mit  dem  schwerwiegenden persönlichen Härtefall sind ausschliesslich humanitäre  Gesichtspunkte  ausschlaggebend,  wobei  der  Schwerpunkt  auf  der  Verankerung  in  der Schweiz  liegt.  Im Rahmen  einer Gesamtschau  sind  jedoch  seit  jeher  auch  der Gesundheitszustand  einer  Person  sowie  die  Möglichkeiten  einer  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  mitzuberücksichtigen  (heute  sind  diese  von  der  Rechtsprechung  entwickelten Kriterien in Art. 31 Abs. 1 Bst. f und g VZAE positivrechtlich  verankert).  Diese  Prüfung  kann  nicht  losgelöst  von  den  persönlichen,  familiären  und  ökonomischen  Schwierigkeiten  erfolgen,  denen  eine  ausländische Person in ihrem Heimatland ausgesetzt wäre (vgl. BGE 123  II 125 E. 3 S. 128). Daraus ergibt sich eine gewisse Überschneidung von  Gründen, die den Wegweisungsvollzug betreffen, und solchen, die einen  Härtefall (mit)begründen können. Das ist nicht zu vermeiden und in Kauf  zu nehmen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­8270/2008 vom  10. Mai 2010 E. 5.3 mit Hinweis). 

C­7258/2009 Nur schon vor diesem Hintergrund greift  der  in der Rechtsmitteleingabe  vom 20. Juli 2009 erhobene allgemeine Vorwurf, das BFM setze mit der  angefochtenen  Verfügung  ein  falsches  Signal,  zu  kurz.  Wie  die  nachfolgenden  Ausführungen  aufzeigen,  erweist  sich  besagter  Einwand  im konkreten Fall auch als unbegründet. 6.  6.1. Der Beschwerdeführer hält sich seit gut siebeneinhalb Jahren in der  Schweiz auf, was  im Vergleich  keiner  sehr  langen Dauer entspricht. So  hat das Bundesgericht  in einem Urteil  aus dem Jahr 1998 entschieden,  dass  bei  einer  ausländischen  Person,  die  sich  seit  zehn  Jahren  in  der  Schweiz  aufhält,  in  der  Regel  vom  Vorliegen  eines  schwerwiegenden  persönlichen Härtefalles auszugehen ist, sofern sie finanziell unabhängig,  sozial und beruflich gut  integriert  ist und sich bis dahin klaglos verhalten  hat, vorausgesetzt, dass sie die Dauer des Aufenthaltes nicht absichtlich  durch  das  missbräuchliche  Ergreifen  von  Rechtsmitteln  verlängert  hat.  Allerdings  bezieht  sich  diese  Rechtsprechung  auf  Asylbewerber,  über  deren Asylgesuch nach zehn Jahren  immer noch nicht  befunden wurde  (vgl. BGE 124 II 110 E. 3 S. 112 f.). Damit wird der besonderen Situation  dieser Personenkategorie Rechnung getragen, die von Verfahrens wegen  gezwungen ist, den Kontakt zum Herkunftsland abzubrechen (BGE 123 II  125  E.  3  S.  128;  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.542/2005  vom  11.  November  2005  E.  3.2.1).  Der  Beschwerdeführer  befindet  sich  in  einer  anderen  Situation.  Das  Asylverfahren  wurde  nach  etwas  mehr  als  fünf  Jahren  Aufenthalt  am  15.  Dezember  2009  rechtskräftig  entschieden,  worauf er eine Frist zur Ausreise aus der Schweiz erhielt. Sein Aufenthalt  über die Ausreisefrist hinaus gründet sich ausschliesslich auf die Duldung  durch  den  Wohnkanton  während  der  Rechtshängigkeit  des  ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahrens. Weder war er in dieser Zeit  ­ anders als im Asylverfahren ­ gezwungen, den Kontakt zu seiner Heimat  abgebrochen zu halten, noch durfte er davon ausgehen, sein Aufenthalt  werde definitiv geregelt. Somit stellt sich die Frage, ob aus den sonstigen  Umständen des Aufenthalts und Verhaltens des Beschwerdeführers eine  schwerwiegende persönliche Notlage abzuleiten ist. 6.2.  Die  soziale  Integration  des  Beschwerdeführers  während  seines  Aufenthaltes muss als überdurchschnittlich bewertet werden. Den Akten  kann  entnommen  werden,  dass  er  sich  sehr  um  den  Erwerb  der  deutschen  Sprache  bemühte,  indem  er  diverse  Kurse,  sogar  einen  Schweizerdeutschkurs besucht hat (Basiskurs Modul 1­3 bei der Caritas,  Deutsch als Fremdsprache Niveau C1 und Schwyzerdütsch B1/B2 an der 

C­7258/2009 Volkshochschule).  Entsprechend  gut  sind  heute  seine  Deutschkenntnisse. Er verfügt zudem über einen grossen Bekanntenkreis  und ist in diversen sozialen Einrichtungen engagiert. Bei der Solothurner  Gruppe von Amnesty International hilft er seit 2007 als Mitglied aktiv bei  Standaktionen  mit  und  nimmt  an  regelmässigen  Treffen  zum  Briefeschreiben  teil  (vgl. Schreiben vom 20. Februar 2010). Er singt seit  2007  im Chor  der Nationen  und  ist  seit Mai  2008 aktives Mitglied  beim  Cercle Romand Soleure. Zahlreiche Referenzschreiben beschreiben  ihn  übereinstimmend als  freundliche, korrekte, zuverlässige, kommunikative,  sehr  gut  integrierte  und  integrierende  Persönlichkeit  mit  hoher  sozialer  Kompetenz  und  grosser  Einsatzbereitschaft.  Ins  Gewicht  fällt,  dass  die  Unterstützungsschreiben  nicht  den  Eindruck  von  vorformulierten  Bestätigungen  erwecken,  sondern  echte  Anteilnahme  und  Sympathie  erkennen  lassen.  In dieses Bild  fügt sich auch die  ­  im Hinblick auf den  Ablauf der Ausreisefrist am 19. Januar 2010 ­ mittels öffentlicher Aktionen  getätigte Unterstützung durch seine Mitbürger. 6.3. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht hat sich der Beschwerdeführer stark  engagiert  gezeigt.  So  war  er  zunächst  im  Rahmen  von  Beschäftigungsprogrammen  und  gemeinnützigen  Projekten  tätig.  Dabei  wurde er wegen seiner Zuverlässigkeit sehr geschätzt. Dass er bereits  ­  kurz  nach  seiner  Einreise  ­  am  4.  Juni  2004  den  ersten  Einsatz  der  Caritas  zur  Räumung  und  Instandstellung  einer  Asylbewerberunterkunft  antrat,  verdeutlicht  den  seit  der  Einreise  bestehenden  Willen  zur  Integration.  In  den  Jahren  2005  bis  2008  wirkte  er  im Wohnkanton  an  schulischen Veranstaltungen zum Thema Gospelmusik und ihrer Herkunft  mit.  Ebenso  wurde  er  als  Referent  zum  Unterrichtsthema  Beziehungen  zwischen Europa und Afrika eingeladen. Daneben weist er Bestätigungen  zu Basiskursen Modul I­III, PC und Büroarbeiten, Informatique et gestion  d'entreprise, Kochkurs und Ausbildungskurs sowie Gesundheitsförderung  der Caritas  vor,  an welchen er  in den Jahren 2004 bis 2006 erfolgreich  teilgenommen  hat.  Die  Arbeitssuche  gestaltete  sich  zunächst  etwas  schwierig, was nicht zuletzt auch durch seinen Aufenthaltsstatus bedingt  war. Ab  dem 25.  Juni  2008  erlangte  er  eine  unbefristete Anstellung  als  Hilfsarbeiter.  Seither  ist  er  finanziell  unabhängig  und  seinen  diesbezüglichen  Verpflichtungen  auch  stets  nachgekommen.  Aus  dem  Zwischenzeugnis vom 22. Juni 2009 und der Arbeitsbestätigung vom 10.  November 2011 geht hervor, dass er  seine Aufgaben gewissenhaft und  sorgfältig  ausführe,  das  erworbene  Wissen  gezielt  einsetzt  und  durch  seine hilfsbereite und freundliche Art von Vorgesetzten sowie Mitarbeitern  geachtet und geschätzt wird. Nicht zu Unrecht bemängelt die Vorinstanz, 

C­7258/2009 der Beschwerdeführer habe während der Zeit seiner beruflichen Tätigkeit  weder  Fach­  oder  Spezialkenntnisse  erworben  noch  sich  sonst  weitergebildet.  Diesbezüglich  gilt  es  jedoch  anzumerken,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  nachweislich  an  der  Volkshochschule  in  der  Deutschen und Schweizerdeutschen Sprache um Weiterbildung bemüht  hat. Überdies blieb von der Vorinstanz unbeachtet, dass er  im Zeitpunkt  des  Erlasses  der  Verfügung  erst  etwas  mehr  als  ein  Jahr  arbeitete,  weshalb  die  Anforderungen  an  den  Erwerb  weiterer  Bildung  herabzusetzen  sind.  Unberücksichtigt  blieb  zudem,  dass  er,  bedingt  durch  die  schwere  Erkrankung  seiner  Lebensgefährtin,  ausserhalb  der  Arbeitszeiten  bereits  genügend  ausgelastet  gewesen  sein  dürfte,  um  noch  Zeit  für  weitere  Kurse  aufbringen  zu  können.  Zudem  wird  im  Bestätigungsschreiben  vom 10. November 2011  festgehalten,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  innerhalb  kurzer  Zeit  ein  beachtliches  Wissen  angeeignet  habe  und  er  zu  einem  wichtigen  Bestandteil  der  Konditorei  geworden  sei.  Dies  spricht  für  seinen  Willen  zur  Teilhabe  am  Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung. 6.4. Hinsichtlich  seiner  familiären Verhältnisse  ist  der Beschwerdeführer  seit  viereinhalb  Jahren  mit  einer  verwitweten  Schweizer  Bürgerin  liiert.  Seit September 2008  führen  sie einen gemeinsamen Haushalt.  Im April  2009  wurde  bei  der  Lebenspartnerin  ein  Brustkrebs  der  rechten  Seite  diagnostiziert,  welcher  operative  sowie  chemotherapeutische  Behandlungen erforderlich machte. Die Akten lassen erkennen, dass der  Beschwerdeführer eine grosse Stütze  für seine Lebenspartnerin  ist, was  die Vorinstanz auch so anerkannt hatte. Er betreut jene, übernimmt einen  grossen Teil der Haushaltsarbeiten und ist ihr im Alltag eine Stütze. Dass  er auch während dieser Zeit  Integrationsbemühungen nachweisen kann,  verdient vorliegend besondere Anerkennung.  Der Beschwerdeführer bringt in seiner Replik vom 25. Januar 2010 vor, er  könnte  nun,  nach  Abschluss  des  Asylverfahrens  in  seiner  Heimat  das  Scheidungsverfahren anheben. Es sei  jedoch mit einer Verfahrensdauer  von einem bis zwei Jahren zu rechnen. Obwohl  inzwischen bereits zwei  Jahre vergangen sind, wurden keine Unterlagen eingereicht, welche die  Anhebung  eines  Verfahrens  belegt  hätten.  Die  tatsächlichen  Absichten  des  Beschwerdeführers  erscheinen  in  diesem  Lichte  etwas  zweifelhaft,  was  das  Bestehen  von  Heiratsabsichten  mit  der  derzeitigen  Lebenspartnerin  in  Frage  stellt.  Vor  diesem  Hintergrund  sowie  unter  Berücksichtigung  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  (vgl.  Urteil  des Bundesgerichts 2C_25/2010 vom 2. November 2010) erscheint eine 

C­7258/2009 erfolgreiche Berufung auf Art.  8 EMRK  fraglich. Dies bedeutet  indessen  nicht,  dass  die  gelebte  Beziehung  bei  der  vorliegenden  Beurteilung  unberücksichtigt  zu  bleiben  hat.  Hinsichtlich  der  weiteren  familiären  Verhältnisse gibt der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 25. November  2011 bekannt, dass die Mutter seiner  jüngsten Tochter einen Schweizer  Bürger  geheiratet  habe  und  die  Tochter  künftig  in  der  Schweiz  leben  werde.  Daraus  kann  er  jedoch  für  das  vorliegende  Verfahren  nichts  zu  seinen Gunsten ableiten, gab er doch in der Replik an, seine Tochter sei  bei seinem Bruder aufgewachsen und wolle nicht bei ihm leben. 6.5.  Zu  prüfen  gilt  es  weiter,  wie  es  sich  mit  einer  allfälligen  Wiedereingliederung im Herkunftsstaat verhält. Der Beschwerdeführer ist  im Alter von 44 Jahren aus dem Kongo in die Schweiz gekommen. Er hat  somit  den  grössten  Teil  seines  Lebens,  welcher  für  die  Persönlichkeitsbildung und die Sozialisierung wichtige Phasen umfasst, in  Kongo verbracht. Obwohl viele seiner nächsten Verwandten nicht mehr in  der Heimat  leben, besteht dennoch ein  familiäres Beziehungsnetz  (zwei  Brüder  sowie  ein  erwachsenes  Kind),  das  ihm  in  sozialer  Hinsicht  Halt  geben und ihn zumindest indirekt bei der Eingliederung in wirtschaftlicher  Hinsicht  unterstützen  könnte.  Zum  Vorteil  gereichen  würden  ihm  ferner  sein Hochschulabschluss, die  langjährige Berufserfahrung  in der Heimat  sowie  die  in  der  Schweiz  erworbenen  Berufserfahrungen  und  Sprachkenntnisse. Dennoch  ist  davon  auszugehen,  dass  es  dem heute  51­jährigen  nur  mit  erheblichem  Aufwand  möglich  wäre,  sich  wieder  einzugliedern und wirtschaftlich Fuss zu fassen.  6.6.  6.6.1.  Schliesslich  ist  auf  die  gesundheitliche  Situation  des  Beschwerdeführers  einzugehen. Er macht  geltend,  an Diabetes mellitus  zu leiden und täglich Medikamente zu nehmen. Es sei jederzeit möglich,  dass  sich  die  Blutzuckerwerte  verschlechtern  könnten  und  mit  der  Insulintherapie  begonnen  werden  müsste.  Zudem  leidet  er  an  Gichtarthritis. 6.6.2. Der Gesundheitszustand stellt ein Kriterium dar, das in Verbindung  mit  anderen  Elementen  zur  Anerkennung  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalls  nach  Art.  14  Abs.  2  AsylG  führen  kann.  Voraussetzung  ist  allerdings,  dass  der  Betroffene  an  einer  ernsthaften  gesundheitlichen  Beeinträchtigung  leidet,  die  während  einer  langen  Zeitspanne dauernde ärztliche Behandlung oder punktuelle medizinische  Notfallmassnahmen  notwendig  macht,  welche  im  Herkunftsland  nicht 

C­7258/2009 erhältlich  sind,  so  dass  eine  Ausreise  aus  der  Schweiz  die  Gefahr  schwerwiegender  Folgen  für  seine  Gesundheit  nach  sich  zieht.  Der  Tatsache  allein,  dass  die  medizinische  Versorgung  in  der  Schweiz  höheren Standards entspricht, ist dagegen nicht relevant (BGE 128 II 200  E. 5.3 S. 209; Urteile des Bundesgerichts 2C_316/2011 vom 17. Oktober  2011 E. 3.3 und 2C_216/2009 vom 20. August 2009 E. 4.2 6.6.3. Wie  im Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts  vom 15. Dezember  2009  betreffend  Asyl  und  Wegweisung  bereits  festgehalten,  besteht  in  Kinshasa  die  Möglichkeit,  die  gesundheitlichen  Beschwerden  angemessen  behandeln  zu  lassen.  Zudem  ist  der  Gesundheitszustand  des Beschwerdeführers in den vergangenen Jahren einigermassen stabil  geblieben.  Sollte  eine  Verschlechterung  eintreten,  könnte  er  in  seiner  Heimat  die  notwendige  Insulintherapie  beanspruchen.  Der  Gesundheitszustand  steht  somit  unter  dem  Blickwinkel  des  schwerwiegenden persönlichen Härtefalles für sich alleine einer Rückkehr  in den Heimatstaat nicht entgegen. Allerdings  ist nicht von der Hand zu  weisen,  dass  die  gesundheitlichen  Probleme  eine  gewisse  Erschwernis  darstellen würden, was im Kontext zu würdigen ist. 7.  Nach dem Gesagten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss,  dass  das  Vorliegen  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalls  in  Anbetracht der im heutigen Zeitpunkt bereits weit fortgeschrittenen, guten  wirtschaftlichen,  sozialen  und  auch  persönlichen  Integration  sowie  der  nachgewiesenen  grossen  Anstrengungen  seit  Beginn  des  Aufenthaltes,  des  überdurchschnittlichen  sozialen  Engagements  sowie  des  menschlichen Beistands  im  privaten  Bereich,  insgesamt  zu  bejahen  ist.  Die  angefochtene  Verfügung  erweist  sich  daher  als  bundesrechtswidrig  (Art. 49 VwVG). Sie  ist  in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und  die Zustimmung im Sinne von Art. 14 Abs. 2 AsylG ist zu erteilen. 8.  Für dieses Verfahren sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und  2  VwVG),  womit  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  hinfällig wird. Weiter ist dem Beschwerdeführer zu Lasten der Vorinstanz  für die ihm erwachsenen Kosten eine angemessene Parteientschädigung  zuzusprechen  (vgl.  Art.  64  Abs.  1  VwVG).  Es  wurde  keine  Kostennote  eingereicht,  so  dass  das  Gericht  die  Parteientschädigung  aufgrund  der  Akten  (vgl.  Art.  14  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die 

C­7258/2009 Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2]) festsetzt. Dispositiv Seite 15

C­7258/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die  angefochtene  Verfügung  wird  aufgehoben,  und  die  Zustimmung  im  Sinne von Art. 14 Abs. 2 AsylG wird erteilt. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Die  Vorinstanz  hat  den  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht mit Fr. 1'500.­ (inkl. MwST) zu entschädigen. 5.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. ZEMIS 12839409 und N 467 306) – das Migrationsamt des Kantons Solothurn (ad SO 227 793) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Marianne Teuscher Giulia Santangelo Versand:

C-7258/2009 — Bundesverwaltungsgericht 20.02.2012 C-7258/2009 — Swissrulings