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Bundesverwaltungsgericht 17.10.2011 C-6482/2008

17 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,813 mots·~9 min·2

Résumé

nach Auflösung der Familiengemeinschaft | Verweigerung der Zustimmung und Wegweisung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­6482/2008 Urteil   v om   1 7 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Elena Avenati­Carpani,  Richter Antonio Imoberdorf, Gerichtsschreiber Julius Longauer. Parteien A._______,  Beschwerdeführer,  vertreten durch lic.iur. Werner Greiner, Rechtsanwalt,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Zustimmung und Wegweisung.

C­6482/2008 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  im  Jahre  1969  geborener  indischer  Staatsangehöriger, gelangte im August 2000 in die Schweiz und ersuchte  um Asyl. Nach  rechtskräftiger Abweisung seines Asylgesuchs durch die  Schweizerische Asylrekurskommission (Urteil vom 3. Januar 2002) wurde  dem Beschwerdeführer eine Frist zur Ausreise aus der Schweiz bis zum  26. Februar  2002  gesetzt.  Der  Beschwerdeführer  kam  der  Ausreiseaufforderung nicht nach. B.  Am 29. August 2002 heiratete der Beschwerdeführer eine 20 Jahre ältere  Schweizer Bürgerin  thailändischer Herkunft, worauf  er  zum Verbleib  bei  ihr  eine  Aufenthaltsbewilligung  im  Kanton  Zürich  erhielt.  Obwohl  die  Ehegatten  zu  keinem  Zeitpunkt  zusammenlebten,  verlängerte  die  kantonale  Migrationsbehörde  die  Aufenthaltsbewilligung  in  eigener  Zuständigkeit  regelmässig  weiter,  letztmals  mit  Wirkung  bis  28. August  2008.  Die  Ehe  des  Beschwerdeführers  wurde  am  3. Dezember  2007  geschieden. C.  Noch zweieinhalb Monate vor seiner Scheidung, am 19. September 2007,  reichte der Beschwerdeführer  bei  der  kantonalen Migrationsbehörde ein  Gesuch  um Erteilung  der Niederlassungsbewilligung  ein  und  berief  sich  dabei auf seinen Status als Ehemann einer Schweizer Bürgerin. Die  kantonale  Migrationsbehörde  beschied  dem  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  8.  Oktober  2007,  dass  er  keinen  Anspruch  auf  Niederlassung habe, weil zwischen ihm und seiner Ehefrau seit geraumer  Zeit  keine  eheliche  Beziehung  bestehe  und  mit  der  Wiederaufnahme  einer  solchen  auch  nicht  gerechnet  werden  könne.  Die  Erteilung  einer  ermessensgelenkten  Niederlassungsbewilligung  falle  jedoch  frühestens  nach zehn Jahren Aufenthalt in Betracht. D.  Nach seiner Scheidung gelangte der Beschwerdeführer am 29. Juli 2008  an  die  kantonale Migrationsbehörde  und  ersuchte  ein  weiteres Mal  um  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung.  Die  kantonale  Migrationsbehörde  stand  der  Fortsetzung  der  Aufenthaltsregelung  befürwortend  gegenüber  und  leitete  die  Angelegenheit  am  5.  August 

C­6482/2008 2008 mit  dem Antrag  auf  Zustimmung  zur  Bewilligungsverlängerung  an  die Vorinstanz weiter. E.  Die  Vorinstanz  teilte  dem Beschwerdeführer  am  11.  August  2008  unter  Gewährung des  rechtlichen Gehörs mit, sie erwäge, die Zustimmung zu  verweigern  und  ihn  aus  der  Schweiz  wegzuweisen.  Den  kantonalen  Akten  könne  nämlich  entnommen  werden,  dass  er  und  seine  geschiedene  schweizerische  Ehefrau  nie  zusammen  gelebt  hätten.  Der  Beschwerdeführer  machte  von  der  Äusserungsmöglichkeit  keinen  Gebrauch. F.  Mit  Verfügung  vom  8.  September  2008  verweigerte  die  Vorinstanz  ihre  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und wies  den  Beschwerdeführer aus der Schweiz weg. G.  Gegen  die  vorgenannte  Verfügung  erhob  der  Beschwerdeführer  am  13. Oktober 2008 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht mit   dem  Antrag,  diese  sei  aufzuheben  und  die  Sache  an  die  kantonale  Migrationsbehörde  zur  Erteilung  einer  Niederlassungsbewilligung  zurückzuweisen.  Eventualiter  sei  die  Vorinstanz  anzuweisen,  der  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  durch  den  Kanton  Zürich  zuzustimmen. H.  Die Vorinstanz beantragte  in  ihrer Vernehmlassung vom 7. Januar 2009  die Abweisung der Beschwerde. I.  Auf  Aufforderung  des  Bundesverwaltungsgerichts  begründete  die  kantonale Migrationsbehörde mit  Schreiben  vom  13.  Januar  2009  ihren  Antrag auf Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. J.  Mit Replik  vom 27. Februar  2009 hielt  der Beschwerdeführer  an  seinen  Rechtsbegehren fest. K.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  25.  August  2011  lud  das  Bundesverwaltungsgericht  den Beschwerdeführer  ein,  allfällige  seit  dem 

C­6482/2008 letzten  Schriftenwechsel  eingetretene  Sachverhaltsänderungen  in  das  Verfahren einzubringen. Diese Gelegenheit nahm der Beschwerdeführer  nicht wahr. L.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  sowie  Art.  33  Bst.  d  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR  172.021), soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt  (Art. 37 VGG). 1.3.  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  kann  sein,  worüber  die  Vorinstanz  in Form einer Verfügung entschieden hat oder  richtigerweise  hätte entscheiden müssen.  Im vorliegenden Fall  ist es die Verweigerung  der  Zustimmung  zur  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung,  um  die  der  Beschwerdeführer  selbst  nachgesucht  hat,  sowie  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz.  Soweit  der  Beschwerdeführer  die  Rückweisung  der  Streitsache  an  die  kantonale  Migrationsbehörde  zwecks  Erteilung  einer  Niederlassungsbewilligung verlangt, auf die er einen Anspruch zu haben  meint, erweist sich sein Rechtsmittel als unzulässig. 1.4. Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  zur  Beschwerde  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  im  Übrigen  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  daher  im  oben  dargelegten  Umfang einzutreten (Art. 49 ff. VwVG). 2.  2.1.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  49  VwVG).  Das 

C­6482/2008 Bundesverwaltungsgericht  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht von Amtes wegen an. Es  ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BVGE  2011/1  E.  2).  Inwieweit  Rechtsänderungen  zu  berücksichtigen  sind,  hängt  von  der  massgeblichen  intertemporalen  Regelung  ab.  Fehlt  im  Gesetz  eine  Übergangsbestimmung,  so  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  aufgrund  allgemeiner  intertemporaler  Grundsätze  (ANDRÉ  MOSER  /  MICHAEL  BEUSCH  /  LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.202 mit Hinweisen). 2.2. Am 1. Januar 2008 trat das Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  mit  seinen  Ausführungsverordnungen in Kraft – unter anderem der Verordnung vom  24.  Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201).  Entsprechend  der  intertemporalen  Ordnung  des  Art. 126 AuG ist das neue Verfahrensrecht auf alle Verfahren anwendbar  (Abs.  2),  das  neue materielle  Recht  dagegen  nur  auf  solche,  die  nach  seinem Inkrafttreten rechtshängig wurden (Abs.1; vgl. dazu BVGE 2008/1  E.  2  mit  Hinweisen).  Der  vorliegenden  Streitsache  zugrunde  liegt  das  Gesuch des Beschwerdeführers um Verlängerung seiner bis 28. August  2008  gültigen Aufenthaltsbewilligung,  das  vom 29.  Juli  2008  datiert. Da  das Verlängerungsverfahren  somit  nach  Inkrafttreten  des  neuen Rechts  eingeleitet  wurde,  kann  an  der  grundsätzlichen  Massgeblichkeit  des  neuen Rechts kein Zweifel bestehen. Etwas andere gälte nur dann, wenn  und  soweit  die  Unterstellung  der  Streitsache  unter  das  neue  Recht  zu  einer  echten  Rückwirkung  zu  Lasten  des  Beschwerdeführers  führen  würde.  Eine  solche  müsste  vom  AuG  ausdrücklich  vorgesehen  oder  zumindest seinem Sinn nach eindeutig gewollt sein, was jedoch nicht der  Fall  ist  (vgl.  dazu  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­6133/2008  vom 15. Juli 2011 E. 2.2 mit Hinweisen). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  40  Abs.  1  AuG  sind  die  Kantone  zuständig  für  die  Erteilung  und  Verlängerung  von  Bewilligungen.  Vorbehalten  bleibt  die  Zuständigkeit  des  Bundes  im  Zustimmungsverfahren,  zu  dessen  Ausgestaltung der Bundesrat in Art. 99 AuG ermächtig wird.

C­6482/2008 3.2. Die  Notwendigkeit  der  Zustimmung  durch  das  BFM  ergibt  sich  im  Falle  des  Beschwerdeführers  aus  Art.  85  Abs.  1  Bst.  a  VZAE  in  Verbindung  mit  Ziff.  1.3.1.4  Bst.  e  der  Weisungen  des  BFM  im  Ausländerbereich  in  der  Fassung  vom  30.  September  2011  (online  abrufbar  unter:  www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  Rechtliche  Grundlagen > Weisungen und Kreisschreiben >  I. Ausländerbereich > 1  Verfahren  und  Zuständigkeiten).  Danach  ist  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung einer Ausländerin oder eines Ausländers nach der  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem  schweizerischen  oder  ausländischen  Ehegatten  oder  nach  dessen  Tod,  falls  die  Ausländerin  oder der Ausländer nicht aus einem Mitgliedstaat der EG oder der EFTA  stammt, dem BFM zur Zustimmung zu unterbreiten. Nichts anderes galt  entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers bereits unter dem alten  Recht (vgl. statt vieler Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­195/2008  vom 25. Mai 2011 E. 4.1).  3.3.  Das  BFM  kann  die  Zustimmung  verweigern,  den  kantonalen  Entscheid  einschränken  oder mit  Bedingungen  verbinden  (Art.  99  AuG,  Art.  86  Abs.  1  VZAE).  Es  verweigert  seine  Zustimmung  unter  anderem  dann, wenn die Zulassungsvoraussetzungen nicht oder nicht mehr erfüllt  sind (Art. 86 Abs. 2 Bst. a und Bst. c Ziff. 2 VZAE).  4.  4.1.  Ausländische  Ehegatten  von  Schweizer  Bürgern  haben  unter  Vorbehalt  von  Art.  51  Abs.  1  AuG  einen  Anspruch  auf  Erteilung  und  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammen  wohnen  (Art.  42  Abs.  1  AuG).  Nach  einem  ordnungsgemässen  und  ununterbrochenen  Aufenthalt  von  fünf  Jahren  erwerben  sie  einen  Anspruch  auf  Erteilung  der  Niederlassungsbewilligung  (Art.  42  Abs.  3  AuG),  der  vom weiteren Schicksal  der  Ehe  unabhängig  ist  (vgl.  Art.  34  Abs. 1 AuG; Urteil des Bundesgerichts 2C_241/2009 vom 23. September  2009 E. 3). A fortiori verfügen sie über einen Anspruch auf Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung. Wird  die  eheliche Haushaltgemeinschaft  vor  Ablauf  dieser  fünfjährigen  Frist  aufgegeben,  besteht  ein  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  weiter,  wenn  die  Ehegatten  mindestens drei  Jahre  in der Schweiz zusammen gewohnt haben  (BGE  136 II 113 E. 3.2   und E. 3.3 S. 117 ff.) und eine erfolgreiche Integration  besteht  (Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG)  oder  wenn  wichtige  persönliche  Gründe  vorliegen,  die  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich machen  (Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG).  Das  kann  namentlich  dann  der  Fall  sein,  wenn  der  ausländische  Ehegatte  Opfer  ehelicher 

C­6482/2008 Gewalt  wurde  und  die  soziale  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG).  4.2.  Vom  Erfordernis  des  Zusammenlebens  wird  gemäss  Art.  49  AuG  abgesehen,  wenn  die  Familiengemeinschaft  weiter  besteht  und  für  getrennte  Wohnorte  wichtige  Gründe  vorliegen.  Diese  können  sich  namentlich  aus  beruflichen  Verpflichtungen  ergeben  oder  bei  vorübergehender  Trennung  wegen  erheblicher  familiärer  Probleme  entstehen (Art. 76 VZAE). Zu beachten ist, dass Art. 49 AuG nicht darauf  abzielt,  den  Ehegatten  ein  längerfristiges  oder  gar  dauerhaftes  Getrenntleben in der Schweiz zu ermöglichen (Urteil des Bundesgerichts  2C_488/2010  vom  2.  November  2010  E.  3.2).  Art.  49  AuG  trägt  den  Charakter einer Ausnahmebestimmung, die in besonderen, nicht leichthin  anzunehmenden Konstellationen  von der  grundsätzlichen Notwendigkeit  des  ehelichen  Zusammenlebens  befreit  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_635/2009  vom  26.  März  2010  E.  4.4).  Allgemein  lässt  sich  sagen,  dass wichtige Gründe objektivierbar sein und eine gewisse Erheblichkeit  aufweisen müssen. Sie werden umso eher angenommen werden können,  je  weniger  die  Ehegatten  auf  die  Situation  des Getrenntlebens  Einfluss  nehmen  können,  ohne  schwere  Nachteile  in  Kauf  nehmen  zu  müssen  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_544/2010  vom  23.  Dezember  2010  E.  2.3.1). 5.  5.1.  Die  Ehe  des  Beschwerdeführers  wurde  am  3.  Dezember  2007  geschieden.  Als  Anspruchsgrundlage  fällt  deshalb  Art.  42  Abs.  1  AuG  ausser Betracht. Da die Ehegatten unbestrittenermassen nie zusammen  in  einem  gemeinsamen Haushalt  gelebt  haben,  liesse  sich  sodann  aus  Art.  42  Abs.  3  AuG  bzw.  Art.  50  Abs.  1  AuG  nur  dann  ein  die  Ehe  überdauernder  Verlängerungsanspruch  ableiten,  wenn  die  Ehegatten  in  Anwendung  von  Art.  49  AuG  während  der  jeweiligen  anspruchsbegründenden Zeitspanne (fünf Jahre bei Art. 42 Abs. 3 AuG,  drei  Jahre  bei  Art. 50  Abs.  1  Bst.  a  AuG)  vom  Erfordernis  des  Zusammenlebens befreit gewesen wären oder wenn im Sinne von Art. 50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  wichtige  persönliche  Gründe  vorlägen,  die  einen  weiteren  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  erforderten.  Darauf ist nachfolgend einzugehen. 5.2. Während seiner fünf Jahre und drei Monate dauernden Ehe lebte der  Beschwerdeführer  in Untermiete  in  einer möblierten Einzimmerwohnung  in Zürich, während seine Ehefrau eine Einzimmerwohnung in W._______ 

C­6482/2008 bewohnte.  Der  Beschwerdeführer  macht  in  diesem  Zusammenhang  geltend,  die  Suche  nach  einer  erschwinglichen  Wohnung  habe  sich  wegen  der  prekären  wirtschaftlichen  Situation  der  Ehegatten  als  schwierig  erwiesen.  Bis  Januar  2004  habe  er  nur  kurzfristige  Arbeitsverhältnisse  gehabt  und  sei  zwischendurch  arbeitslos  gewesen,  während  seine  Ehefrau  von  der  Sozialhilfe  habe  unterstützt  werden  müssen. Unter diesen Umständen sei verständlicherweise kein Vermieter  zum  Abschluss  eines  Mietvertrags  bereit  gewesen.  Die  ohnehin  schwierige  Wohnungssuche  sei  zusätzlich  dadurch  erschwert  worden,  dass seine Ehefrau nicht aus der Gemeinde W._______ habe wegziehen  wollen, wo sie seit ihrem Zuzug in die Schweiz immer gewohnt habe. Ab  dem  Jahr  2004  seien  Praktikabilitätserwägungen  hinzugetreten.  Angesichts  seiner Arbeitszeiten  bis  spät  in  den Abend hinein  habe  sich  als sehr vorteilhaft erwiesen, dass seine Wohnung in unmittelbarer Nähe  des  Arbeitsorts  gelegen  habe.  Da  eine  gemeinsame  Wohnung  seiner  Arbeitszeiten  und  des  längeren  Arbeitswegs  wegen  nicht  zu  mehr  gemeinsam  verbrachter  Zeit  geführt  hätte,  habe  für  eine  Intensivierung  der  Suche  kein  Anlass  bestanden.  Dass man  sich mit  dem  status  quo  arrangiert habe, sei deshalb nachvollziehbar. 5.3. Es mag zutreffen, dass erschwingliche Wohnungen im Raum Zürich  nicht  einfach  zu  finden  sind.  Dass  es  den  Ehegatten  im Gegensatz  zu  zahlreichen anderen Personen in ähnlicher Situation und trotz ernsthafter  Bemühungen während der gesamten Ehedauer von mehr als fünf Jahren  nicht  möglich  gewesen  wäre,  das  eheliche  Zusammenleben  in  einer  gemeinsamen Wohnung zu verwirklichen, ohne dadurch schwerwiegende  Nachteile  auf  sich  zu  nehmen,  muss  aber  vernünftigerweise  ausgeschlossen werden. Der Beschwerdeführer unterlässt es denn auch,  seine  angeblich  zahlreichen  aber  erfolglosen  Versuche  substantiiert  vorzutragen  oder  gar  zu  belegen.  Stattdessen  verweist  er  auf  seine  prekären finanziellen Verhältnisse, was schon deswegen nicht greift, weil  sich  diese  im  Januar  2004 mit  dem Antritt  einer  festen  Anstellung  zum  Besseren  wendeten,  ohne  dass  sich  anschliessend  etwas  an  der  Wohnsituation  geändert  hätte.  Im  Übrigen  liegt  es  auf  der  Hand,  dass  weder  die  fehlende  Bereitschaft  der  Ehefrau,  das  eheliche  Zusammenleben  ausserhalb  ihrer  bisherigen  Wohngemeinde  zu  verwirklichen,  noch  ein  möglicherweise  längerer  Arbeitsweg  in  der  geltend  gemachten  Form  Elemente  darstellen,  welche  die  Ehegatten  ausnahmsweise  vom  Erfordernis  des  Zusammenlebens  dispensieren  würden. Ein wichtiger Grund  im Sinne von Art. 49 AuG  liegt klarerweise  nicht vor.

C­6482/2008 5.4.  Da  die  Ehegatten  während  der  gesamten  Dauer  der  Ehe  nicht  zusammen  gelebt  haben,  ohne  dass  sie  vom  Erfordernis  des  Zusammenlebens  dispensiert  gewesen  wären,  kann  der  Beschwerdeführer weder aus Art. 42 Abs. 3 AuG noch aus Art. 50 Abs. 1  Bst. a AuG einen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung  ableiten. Wichtige persönliche Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 Bst. b  AuG, die den weiteren Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz  erforderlich  machen  würden  und  ihm  deshalb  einen  Anspruch  auf  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung  vermitteln  könnten,  werden  weder behauptet noch ergeben sie sich aus den Akten. Da zudem Art. 50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  keine  ermessensgesteuerte  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  kennt  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­ 6133/2008  vom  15.  Juli  2011  E.  8.2),  ist  eine  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  gestützt  auf  die  genannte  Bestimmung ausgeschlossen. 6.  6.1. Ein möglicher Zulassungsgrund könnte sich allenfalls ergeben, wenn  der  Beschwerdeführer  vor  dem  Inkrafttreten  des  neuen  Rechts  den  altrechtlichen  Anspruchstatbestand  des  Art.  7  Abs.  1  zweiter  Satz  des  Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  erfüllt  hätte,  der  auf  Erteilung  der  Niederlassungsbewilligung  gerichtet  ist  und  a  fortiori  auch  die  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  umfasst.  Der  Verweigerung  der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gestützt auf  das neue Recht könnte in diesem Fall das Verbot der echten belastenden  Rückwirkung  entgegenstehen  (vgl.  oben  E.  2.2,  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­6133/2008 vom 15. Juli 2011 E. 4.2). 6.2.  Art.  7  Abs.  1  zweiter  Satz  ANAG  vermittelte  dem  ausländischen  Ehegatten  eines Schweizer Bürgers  nach  einem ununterbrochenen  und  ordnungsgemässen  Aufenthalt  von  fünf  Jahren  einen  vom  weiteren  Schicksal  der  Ehe  unabhängigen  Anspruch  auf  Erteilung  der  Niederlassungsbewilligung.  Im  Gegensatz  zu  Art.  42  AuG,  der  ein  Zusammenleben  verlangt,  knüpfte  das  alte  Recht  an  den  formellen  Bestand  der  Ehe  an.  Aus  dem  allgemeinen  Verbot  des  Rechtsmissbrauchs  leitete  die  Rechtsprechung  jedoch  ab,  dass  ein  zivilstandsunabhängiger  Anspruch  auf weitere Aufenthaltsregelung  nicht  nur  dann  dahinfällt,  wenn  die  Ehe  eingegangen  wurde,  um  die  ausländerrechtlichen Bestimmungen zu umgehen  (Art. 7 Abs. 2 ANAG),  sondern auch dann, wenn die Ehe nachträglich inhaltsleer wurde und nur 

C­6482/2008 noch  der  Form  nach  bestand.  Voraussetzung  war  jedoch,  dass  diese  Situation  vor  Ablauf  der  Fünfjahresfrist  des  Art.  7  Abs.  1  zweiter  Satz  ANAG eintrat  (vgl. dazu BGE 128 II 145 mit zahlreichen Hinweisen; vgl.  ferner Urteil des Bundesgerichts 2C_699/2008 vom 30. September 2008  E. 2.1 und 2C_408/2008 vom 11. September 2008 E. 3). 6.3. Die Fünfjahresfrist endete in casu am 29. August 2007, d.h. noch vor  dem  Inkrafttreten  des  neuen  Rechts. Wenig  später,  am  19.  September  2007,  ersuchte  der  Beschwerdeführer  die  kantonale  Migrationsbehörde  um  Ausstellung  einer  Niederlassungsbewilligung,  was  diese  mit  Schreiben vom 8. Oktober 2007 ablehnte, weil zwischen den Ehegatten  seit  geraumer  Zeit  keine  eheliche  Beziehung  bestand  und  mit  einer  solchen  auch  nicht  mehr  gerechnet  werden  konnte.  Der  Beschwerdeführer macht geltend, die Abweisung sei  zu Unrecht erfolgt.  Der Anspruch auf Niederlassungsbewilligung bestehe nach wie vor, denn  es  liege  diesbezüglich  keine  anfechtbare,  inzwischen  rechtskräftige  Verfügung vor.  6.4.  Dem  Beschwerdeführer  kann  nicht  gefolgt  werden.  Wohl  war  das  Schreiben  der  kantonalen  Migrationsbehörde,  das  alle  inhaltlichen  Strukturelemente  einer  Verfügung  enthält,  weder  als  solche  bezeichnet  noch mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen. Das heisst  jedoch nicht,  dass der Beschwerdeführer berechtigt wäre, die kantonale Entscheidung  beliebig  lange  und  gegenüber  jeder  Behörde  in  Frage  zu  stellen.  Nach  Treu  und  Glaube  wäre  er  vielmehr  gehalten  gewesen,  sie  innert  zumutbarer  Frist  anzufechten  oder  sich  nach  dem  zulässigen  Rechtsmittel  zu  erkundigen  (vgl.  FELIX UHLMANN  / ALEXANDRA SCHWANK,  in:  Bernhard  Waldmann  /  Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  VwVG –  Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich  etc.  2009,  N.14  und  18  zu  Art.  38  mit  Hinweisen).  Der  Beschwerdeführer, der die abschlägige Antwort des Kantons erstmals im  Rahmen seines Rechtsmittels an das Bundesverwaltungsgericht mehr als  ein  Jahr  später  in  Frage  stellt,  erfüllt  diese  Voraussetzung  klarerweise  nicht.  Er  muss  sich  daher  den  kantonalen  Entscheid  als  rechtskräftige  Verfügung  über  den  Bestand  eines  Anspruchs  auf  Erhalt  der  Niederlassungsbewilligung entgegenhalten lassen. 6.5.  Nur  der  Vollständigkeit  halber  sei  angefügt,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beurteilung  der  kantonalen  Migrationsbehörde teilt. Es ist etwa darauf hinzuweisen, dass die Ehe des  Beschwerdeführers  drei  Monate  nach  Ablauf  der  Fünfjahresfrist  bereits 

C­6482/2008 geschieden  war,  dass  sich  die  Ehefrau  ein  Jahr  zuvor  bei  ihrer  polizeilichen  Einvernahme  vom  27.  November  2006  zur  Scheidung  entschlossen zeigte und die Realisierung der Scheidungsabsicht von der  Verbesserung  des  ausländerrechtlichen  Status  des  Beschwerdeführers  abhängig machte,  ferner  dass  die Ehegatten  ohne  zureichende Gründe  zu keinem Zeitpunkt eine eheliche Wohngemeinschaft begründet haben.  Es  kann  daher  mit  der  kantonalen  Migrationsbehörde  ohne  weiteres  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Ehe  des  Beschwerdeführers  bereits  vor  der  Erreichung  der  anspruchsbegründenden  Fünfjahresfrist  des Art. 7 Abs. 1 zweiter Satz ANAG inhaltleer wurde, falls sie überhaupt  jemals mehr  als  eine  ausländerrechtliche Zweckgemeinschaft  darstellte,  weshalb  dem  Beschwerdeführer  ein  Anspruch  auf  Niederlassungsbewilligung nicht erwachsen konnte. 7.  Aus  den  vorstehenden Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  Verweigerung  der  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  nicht  zu  beanstanden ist.  8.  Aus  der  Rechtmässigkeit  der  Zustimmungsverweigerung  folgt  ohne  weiteres die Rechtmässigkeit der Wegweisung aus der Schweiz (vgl. Art.  64 Abs. 1 Bst. c AuG). Es bliebe zu prüfen, ob dem Wegweisungsvollzug  Hindernisse im Sinne von Art. 83 AuG entgegenstehen. Da solche jedoch  weder geltend gemacht werden noch sich aus den Akten ergeben, ist die  angefochtene  Verfügung  auch  unter  diesem  Gesichtspunkt  nicht  zu  beanstanden. 9.  Zusammenfassend ist festzustellen, dass die angefochtene Verfügung zu  Recht  ergangen  ist  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  deshalb  abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. 10.  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Die  Verfahrenskosten sind auf Fr. 700.­ festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3  Bst.  b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).

C­6482/2008 Dispositiv S. 12

C­6482/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  darauf  eingetreten  werden  kann. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 700.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (…) – die Vorinstanz (…) – das Migrationsamt des Kantons Zürich (…) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Julius Longauer

C­6482/2008 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden,  sofern  die  Voraussetzungen  gemäss  den Art. 82  ff., 90  ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005  (BGG,  SR  173.110)  gegeben  sind.  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die Begehren,  deren Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-6482/2008 — Bundesverwaltungsgericht 17.10.2011 C-6482/2008 — Swissrulings