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Bundesverwaltungsgericht 26.06.2011 C-6417/2009

26 juin 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,713 mots·~9 min·2

Résumé

Alters- und Hinterlassenenversicherung (Übriges) | Berichtigung des individuellen Kontos

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­6417/2009 Urteil   v om   2 6 .   J un i   2011 Besetzung Richter Philippe Weissenberger (Vorsitz), Richter Vito Valenti, Richter Michael Peterli,    Gerichtsschreiber Jean­Marc Wichser. Parteien X._______,   vertreten durch Herr lic. iur. Jürg Birri, Rechtsanwalt,  Badenerstrasse 172, Postfach, 8026 Zürich, Beschwerdeführer,  gegen Ausgleichskasse CHEMIE, Viaduktstrasse 42, Postfach,  4002 Basel,    Vorinstanz.  Gegenstand Berichtigung des individuellen Kontos.

C­6417/2009 Sachverhalt: A.  Mit  Einschreibebrief  vom  26.  Mai  2009  (vgl.  act.  4/2)  beantragte  der  Rechtsvertreter  von  X._______  namens  seines  Klienten  bei  der  Ausgleichskasse  Chemie  gestützt  auf  Art.  41  AHVV  in  Verbindung  mit  Art. 16 Abs. 3 AHVG die Rückerstattung der auf dem Mitarbeitergewinn  bezahlten  AHV­Beiträge  im  Betrage  von  Fr.  22'231.95.  Dieser  Antrag  wurde  im  Wesentlichen  damit  begründet,  dass  X._______  in  den  neunziger  Jahren  bei  der  D._______  GmbH  eine  Erwerbstätigkeit  aufgenommen  habe,  wo  er   –  mit  Ausnahme  eines  fast  zweijährigen  Auslandaufenthalts  für  die  D._______ Gruppe  –  bis  Ende  Januar  2007  tätig blieb. Seit Mai 2007 habe er  in Grossbritannien Wohnsitz. Gemäss  der  Lohnabrechnung  Juni  2008  habe  er  aus  der  Freigabe  von  Mitarbeiteraktien  einen  Gewinn  von  Fr.  440'237.­­  erzielt,  worauf  die  D._______  GmbH  auf  diesen  AHV­Beiträge  von  Fr.  22'231.95  mit  der  Ausgleichskasse Chemie abgerechnet  habe. Da X._______ bis  zu  ihrer  Freigabe  im April 2008 keinen unwiderruflichen Anspruch auf Erhalt der  Mitarbeiteraktien gehabt habe und er zum Zeitpunkt weder in der Schweiz  erwerbstätig  noch  wohnhaft  gewesen  sei,  unterliege  der  Mitarbeiteraktiengewinn nicht der schweizerischen AHV,  so dass ihm die  Beiträge zurückzuerstatten seien. B.  Mit  Verfügung  vom  22.  Juni  2009 wies  die  Ausgleichskasse Chemie  in  Basel  den  Antrag  von  X._______  vom  26.  Mai  2009  ab,  den  sie  als  Antrag  auf  Berichtigung  des  Auszugs  seines  individuellen  Kontos  (IK)  vom 15. Mai 2009 auslegte, und  trat auf den Antrag auf Rückerstattung  von  Sozialversicherungsbeiträgen  nicht  ein.  Sie  führte  dazu  im  Wesentlichen  aus,  dass  ein  direkter  Anspruch  von  X._______  auf  Rückerstattung  von  allenfalls  zuviel  bezahlten  Sozialversicherungsbeiträgen  grundsätzlich  nicht  bestehe.  Anspruchsberechtigt könne nur dessen Arbeitgeber sein. Der Betrag von  Fr.  22'231.95  erscheine  als  solcher  nicht  im  IK.  Ob  der  in  der  Lohnbescheinigung  2008  deklarierte  Betrag  im  Jahre  2007  verbucht  worden  sei,  könne  die  Ausgleichskasse  Chemie  nicht  beurteilen.  Eine  nachträgliche Lohnzahlung unterliege der Beitragspflicht gemäss den  im  Januar  2007  –  dem  Zeitpunkt  des  Austritts  von  X._______  aus  der  D._______ GmbH – geltenden Bestimmungen (act. 1/3). 

C­6417/2009 C.  Mit Eingabe vom 21. August 2009 (vgl. act 4/7) erhob X._______ bei der  Ausgleichskasse Chemie eine Einsprache gegen ihre Verfügung vom 22.  Juni  2009  und  beantragte,  die  auf  den Mitarbeiteraktien  abgerechneten  AHV­Arbeitnehmerbeiträge  von  Fr.  22'231.95  –  eventualiter  von  Fr.  12'382.­­  gemäss  der  im  Ausland  getätigten  Gewinne   –  seien  der  Arbeitgeberin D._______ GmbH mit  der Auflage  zurückzuerstatten,  den  Betrag  X._______  gutzuschreiben,  bzw.  es  sei  dessen  IK  im  entsprechenden  Betrag  zu  korrigieren.  Er  wiederholte  dabei  im  Wesentlichen  die  Begründung  seines  ursprünglichen  Antrags,  wonach  gemäss  der  Wegleitung  über  den  massgebenden  Lohn  des  BSV  (Rz.  2016)  Mitarbeiteraktien  in  der  Regel  einen  im  Zeitpunkt  ihres  Erwerbs  massgebenden  Lohn  bilden  würden,  es  sei  denn,  sie  seien  wie  hier  suspensiv bedingt erworben worden. Dann müsse – analog der Regelung  für die Mitarbeiteroptionen – der Zeitpunkt der Freigabe der Aktien für die  Verabgabung massgebend sein. Da X._______ aber zu jenem Zeitpunkt  (April  2008)  keinen  Anknüpfungspunkt  mit  der  Schweiz  ausgewiesen  habe, müssten ihm die Beiträge zurückerstattet werden. D.  Mit  Einspracheentscheid  vom  15.  September  2009  hielt  die  Ausgleichskasse  Chemie,  was  die  Rückerstattung  betraf,  an  ihrem  Nichteintretensentscheid  fest,  da  Arbeitnehmer  nicht  zu  den  Beitragsschuldnern  gehören  würden  und  X._______  nur  seinen  ehemaligen  Arbeitgeber  zu  einer  Rückforderung  bewegen  könne.  Des  Weiteren sei nicht ersichtlich, ob und  inwieweit der Freigabegewinn von  X._______ in dessen IK verzeichnet sei. Jedenfalls unterliege die ihm für  das  Jahr  2007  zugekommene  Zahlung  vollumfänglich  der  AHV­ Beitragspflicht (act. 1/2). E.  Mit  Eingabe  vom  12.  Oktober  2009  erhob  X._______  (nachfolgend  der  Beschwerdeführer)  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  den Einspracheentscheid der Ausgleichskasse Chemie  (nachfolgend die  Vorinstanz)  vom  15.  September  2009  und  beantragte,  der  IK  des  Beschwerdeführers  sei  um  den  Mitarbeiteraktiengewinn  von  Fr.  440'237.10  –  eventualiter  von  Fr.  245'188.­­  –  zu  berichtigen  und  die  entsprechenden darauf  abgerechneten AHV­Arbeitnehmerbeiträge  seien  dem Beschwerdeführer  über  die  Arbeitgeberin  zurückzuerstatten.  Dabei  wiederholte  er  im  Wesentlichen  die  in  seinem  Antrag  und  seiner  Einsprache  vorgebrachte Begründung.  Zudem hielt  er  fest,  dass  der  im 

C­6417/2009 Jahre  2008  realisierte  Mitarbeiteraktiengewinn  von  Fr.  440'231.­­  im  Bruttolohn  2008  von  Fr.  529'696.­­  enthalten  sei,  welcher  in  seinem  IK  ausgewiesen sei. Der Eventualantrag gehe vom Umstand aus, dass der  Teilbetrag  von  Fr.  245'188.­­  im  Oman  und  in  Grossbritannien  verdient  worden sei (act. 1). F.  Mit Vernehmlassung vom 4. November 2009 beantragte die Vorinstanz,  die  Beschwerde  sei  abzuweisen  und  die  Arbeitnehmerin  des  Beschwerdeführers,  die  D._______  GmbH,  sei  zum  Verfahren  beizuladen.  Zum  letztgenannten  Antrag  führte  die  Vorinstanz  aus,  die  Arbeitgeberin  sei  als  Beitragspflichtige  vom  vorliegenden  Verfahren  betroffen,  weshalb  sie  zu  diesem  beizuladen  und  anzuhören  sei.  Zum  Beschwerdeantrag, es sei der IK des Beschwerdeführers zu berichtigen,  legte  die  Vorinstanz  dar,  dass  für  eine  solche  Berichtigung  der  volle  Beweis erbracht werden müsse, was vorliegend nicht der Fall sei. Einen  offensichtlichen  Eintragungsfehler  mache  der  Beschwerdeführer  denn  auch  nicht  geltend.  Die  Freigabe  von  Mitarbeiteraktien  sei  bei  der  Auflösung  des Arbeitsverhältnisses Ende  Januar  2007  erfolgt, wobei  im   IK ein Betrag von Fr. 440'237.­­ fehle. Dass dieser ein Teil des Betrages  von  Fr.  529'696.­­  darstelle,  sei  erst  mit  der  Beschwerde  behauptet  worden.  Wenn  der  Beschwerdeführer  der  Auffassung  sei,  seine  Arbeitgeberin  habe  ihm  zu  hohe  Beiträge  abgezogen,  so  müsse  er  zivilrechtlich  gegen  die  Letztgenannte  vorgehen.  Vorliegend  unterliege  die  Lohnzahlung  der  Arbeitgeberin  der  AHV­Beitragspflicht,  da  die  Parteien  im  Zeitpunkt  der  Zahlung  dem Schweizer  Recht  unterstanden.  Die Beiträge seien entsprechend den Rechtsbeziehungen zum Zeitpunkt  der Beendigung des Arbeitsverhältnisses geschuldet (act. 4). G.  Mit Replik vom 9. Dezember 2009 hielt der Beschwerdeführer an seinen  Beschwerdeanträgen und an seiner Begründung  fest. Mit der Beiladung  der  Arbeitgeberin  erklärte  er  sich  einverstanden.  Zudem  machte  er  im  Wesentlichen geltend, dass die Freigabe der Aktien nicht im Rahmen der  Auflösung  des  Arbeitsverhältnisses  per  Ende  Januar  2007,  sondern  im  April  2007  bzw.  im  April  2008  erfolgt  sei.  Bei  Anwendung  des  Stichtagprinzips  hätte  die  Schweiz  kein  Recht  auf  Erhebung  von  AHV­ Beiträgen,  da  der  Beschwerdeführer  das  Einkommen  aus  Mitarbeiteraktien  in  der  Schweiz  und  im  Ausland  verdient,  aber  erst  im  Ausland realisiert habe. Gemäss Eventualantrag  des Beschwerdeführers  könnte die Schweiz im Sinne einer steuerrechtlichen Beurteilung, auf die 

C­6417/2009 sich die Ausgleichskassen abstützen sollten, den Mitarbeiteraktiengewinn  anteilsmässig  gemäss  seinem  jeweiligen  Wohnsitz  während  der  Verdienstperiode verabgaben (act. 7). H.  Mit  Stellungnahme  vom  26.  Februar  2010  beantragte  die  beigezogene  Arbeitgeberin (nachfolgend die Beigeladene), die vom Beschwerdeführer  gestellten  Anträge  seien  abzuweisen,  soweit  darauf  einzutreten  sei.  Zudem stellte sie den prozessualen Antrag, auch auf die Replik Stellung  nehmen zu können, da sie im bisherigen Prozessverlauf erst Gelegenheit  gehabt habe, auf die Beschwerde Stellung nehmen. Zur Begründung des  materiellen Antrages  führte  die Beigeladene  im Wesentlichen aus,  dass  nach  ihren  konzerninternen Regeln  die Anzahl Mitarbeiteraktien  für  das  massgebende  Jahr  berechnet  werde,  welche  dem  Mitarbeiter  zugeteilt  würden. Diese fest zugeteilten Aktien seien jeweils für eine Dauer von 5  Jahren  gesperrt.  Bei  Erreichung  des  Konzernzieles  erfolge  die  Abgabe  der  vor  5  Jahren  festgelegten  Aktien  multipliziert  mit  dem  Zielerreichungsfaktor  X.  Ein  Ausübungsrecht  des  Mitarbeiters  gebe  es  nicht. Mit dem Ausscheiden aus dem Konzern blieben die Aktien bis zum  Ablauf  der  Sperrfrist  zugesichert  und  würden  zum  jeweiligen  Zeitpunkt  freigegeben,  unabhängig  des  Verdienstes  des  Mitarbeiters.  Steuerrechtliche Grundsätze seien hier nicht anwendbar, zumal das BSV  auf eine Anpassung der entsprechenden Wegleitung verzichtet habe und  es  sich  vorliegend  jedenfalls  nicht  um  Mitarbeiter­Optionen  handle.  Im  Übrigen verwies die Beigeladene auf die AHV­rechtliche Würdigung der  Vorinstanz, welche sie teile (act. 21). I.  Mit  Duplik  vom  16.  März  2010  bestätigte  auch  die  Vorinstanz  ihre  Begehren  und  ihre  Begründung.  Sie  wies  im  Übrigen  auf  die  für  sie  inhaltlich  zutreffende  Stellungnahme  der  Beigeladenen  hin,  wonach  es  sich  um  Mitarbeiteraktien  und  nicht  um  Optionen  gehandelt  habe,  und  zwar  für  Perioden,  in  welchen  der  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  versichert gewesen sei (act. 23). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

C­6417/2009 1.1.  Gemäss  Art.  31  VGG  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Zu  den  anfechtbaren  Verfügungen  gehören  jene  der  Schweizerischen  Ausgleichskasse,  die  den  Vorinstanzen  des  Bundesverwaltungsgerichts zuzuordnen  ist  (Art. 33  lit. d VGG; vgl. auch  Art.  85bis  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  über  die  Alters­,  Hinterlassenen­  und Invalidenversicherung vom 20. Dezember 1946 [AHVG, SR 831.10]).  Eine Ausnahme, was das Sachgebiet angeht,  ist  in  casu nicht gegeben  (Art. 32 VGG). 1.2.   Das VwVG findet keine Anwendung  in Sozialversicherungssachen,  soweit  das  Bundesgesetz  vom  6.  Oktober  2000  über  den  Allgemeinen  Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist (Art.  3 Bst. dbis VwVG). Dies trifft hier zu, da gemäss Art. 1 Abs. 1 AHVG die  Bestimmungen  des  ATSG  auf  die  im  ersten  Teil  geregelte  Alters­  und  Hinterlassenenversicherung  anwendbar  sind,  soweit  das  AHVG  nicht  ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht, was hier nicht der Fall  ist. 1.3.  Anfechtungsgegenstand  des  vorliegenden  Verfahrens  ist  der  Einspracheentscheid  der  Schweizerischen  Ausgleichskasse  vom  15.  September  2009,  womit  die  Einsprache  gegen  ihre  Verfügung  vom  22.  Juni  2009  bestätigt  worden  ist,  den  Antrag  des  Beschwerdeführers  auf  Berichtigung  des  IK­Auszugs  abzuweisen  und  auf  dessen  Antrag  auf  Rückerstattung  von  Sozialversicherungsbeiträgen  nicht  einzutreten.  Der  Beschwerdeführer hat frist­ und formgerecht Beschwerde erhoben. Durch  die  Verfügung  ist  er  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse an deren Änderung oder Aufhebung (Art. 59 ATSG). Damit  ist  auf das ergriffene Rechtsmittel einzutreten. 2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  prüft  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit,  wenn  nicht  eine  kantonale  Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat (Art. 49 VwVG). 3.  Im  vorliegenden  Fall  beantragt  der  Beschwerdeführer  bei  der  Ausgleichskasse  seiner  ehemaligen   Arbeitgeberin  zum  einen  die 

C­6417/2009 Berichtigung seines individuellen Kontos (IK) über die eingezahlten AHV­ Beiträge  und  zum  andern  die  Rückerstattung  gewisser  Beiträge  an  ihn  über seine Arbeitgeberin. Demgegenüber weist die Vorinstanz darauf hin,  dass  ein  offensichtlicher  Eintragungsfehler  nicht  bestehe  und  vom  Beschwerdeführer  auch  nicht  geltend  gemacht  werde.  Nur  ein  solcher  könne  eine  Berichtigung  des  IK  nach  sich  ziehen.  Was  die  Rückerstattung  anbelange,  könne  sie,  wenn  überhaupt,  jedenfalls  nicht  an den Beschwerdeführer erfolgen. Die beigezogene Arbeitgeberin  teilte  diese  AHV­rechtliche  Würdigung  der  Vorinstanz  und  wies  darauf  hin,  dass  steuerrechtliche  Grundsätze  in  diesem  Zusammenhang  nicht  heranzuziehen  seien.  Wie  es  sich  damit  verhält,  ist  nachfolgend  zu  prüfen. 4.  4.1. Für  alle  beitragspflichtigen Versicherten werden  individuelle Konten  geführt, in welche die für die Berechnung der ordentlichen AHV­ oder IV­ Renten  erforderlichen  Angaben  eingetragen  werden  (Art.  30ter  Abs.  1  AHVG).  Darin  werden  auch  die  von  einem  Arbeitnehmer  erzielten  Erwerbseinkommen  eingetragen,  von  welchen  der  Arbeitgeber  die  gesetzlichen Beiträge zwar abgezogen hat, die entsprechenden Beiträge  aber  der  Ausgleichskasse  nicht  entrichtet  hat  (Art.  30ter  Abs.  2  AHVG).  Gemäss  Art.  141  Abs.  1  ff.  AHVV  können  die  Versicherten  einen  Kontenauszug  verlangen  und  innert  30  Tagen  seit  Zustellung  eine  Berichtigung verlangen. Wird kein Kontenauszug oder keine Berichtigung  verlangt,  oder  wird  das  Berichtigungsbegehren  abgelehnt,  so  kann  bei  Eintritt  des  Versicherungsfalles  die  Berichtigung  von  Eintragungen  im  individuellen  Konto  nur  verlangt  werden,  soweit  deren  Unrichtigkeit  offenkundig ist oder dafür der volle Beweis erbracht wird (Art. 141 Abs. 3  AHVV). Dies gilt nicht nur für unrichtige, sondern auch für unvollständige  Eintragungen  im  individuellen  Konto,  wie  beispielsweise  die  Nichtregistrierung  tatsächlich  geleisteter  Zahlungen  (BGE  117 V  261 E.  3a  mit  Hinweisen).  Für  den  vollen  Beweis  genügt  es  nicht,  lediglich  nachzuweisen,  dass  ein  Anstellungsverhältnis  bestanden  hat;  vielmehr  muss  erstellt  sein,  dass  der  Arbeitgeber  die  Beiträge  tatsächlich  abgezogen  hat  oder  eine  Nettolohnvereinbarung  getroffen  worden  war  (BGE  130  V  335  E.  4.1).  Für  eine  Kontoberichtigung  bei  Eintritt  des  Versicherungsfalls  stellt  Art.  141  Abs.  3  AHVV  zwar  eine  qualifizierte  Beweisanforderung  auf,  wonach  der  volle  Beweis  erbracht  sein  muss.  Diese  Bestimmung  überträgt  aber  die  Beweisführungslast  nicht  dem  Versicherten,  das heisst,  es gilt  auch hier  der Untersuchungsgrundsatz. 

C­6417/2009 Allerdings  kommt  der  Mitwirkungspflicht  des  Versicherten  erhöhtes  Gewicht zu, indem er von sich aus alles ihm Zumutbare zu unternehmen  hat,  um  die  Verwaltung  (oder  das  Gericht)  in  der  Beschaffung  des  Beweismaterials zu unterstützen (BGE 117 V 261 E. 3d). 4.2.  4.2.1. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat betreffend das  IK  die  Weisungen  über  Versicherungsausweis  und  individuelles  Konto  (WL VA/IK, Stand 1. Juli 2008) herausgegeben. Daraus ist unter anderem  zu  entnehmen,  dass  an   das  Berichtigungsbegehren  keine  grossen  formellen  Anforderungen  gestellt  werden  dürfen  und  jede  schriftliche  Äusserung,  mit  welcher  der  materielle  Inhalt  des  IK­Auszuges  beanstandet  oder  bezweifelt  wird,  als  Berichtigungsbegehren  zu  behandeln  ist  (VA/IK,  Rz.  2510).  Korrektureintragungen  dürfen  nur  vorgenommen werden, soweit hiefür der volle Beweis erbracht wird oder  wenn offensichtlich ein Eintragungsfehler vorliegt  (VA/IK, Rz. 2512). Die  Ausgleichskasse  entscheidet  über Berichtigungsbegehren  in  Form einer  der  Einsprache  unterliegenden  Verfügung,  der  gegebenenfalls  ein  bereinigter IK­Auszug beizulegen ist (VA/IK, Rz. 2513). 4.2.2.  Verwaltungsweisungen  richten  sich  an  die  Durchführungsstellen  und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll  sie  bei  seiner  Entscheidung  aber  berücksichtigen,  sofern  sie  eine  dem  Einzelfall  angepasste  und  gerecht  werdende  Auslegung  der  anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht  also  nicht  ohne  triftigen  Grund  von  Verwaltungsweisungen  ab,  wenn  diese  eine  überzeugende  Konkretisierung  der  rechtlichen  Vorgaben  darstellen.  Insofern  wird  dem  Bestreben  der  Verwaltung,  durch  interne  Weisungen  eine  rechtsgleiche  Gesetzesanwendung  zu  gewährleisten,  Rechnung getragen (Urteil des BGer 8C_713/2010 vom 23. März 2011 E.  3, BGE 133 V 587 E. 6.1, BGE 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen). 4.2.3. Vorliegend hat der Beschwerdeführer nach Erhalt des IK­Auszugs  vom  15. Mai  2009  innert  der  vom Gesetz  vorgeschriebenen  30­tägigen  Frist  nach   Auffassung  der  Vorinstanz  mit  dem  Rückerstattungsantrag  sinngemäss  auch  einen  Berichtigungsantrag  gestellt.  Jedenfalls  hat  die  Vorinstanz  das  Begehren  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  ihre  genannte Wegleitung WL VA/IK, Rz. 2510, so entgegengenommen. Das  Gericht sieht umso weniger Gründe, von dieser Verwaltungsweisung und  deren  Anwendung  durch  die  Vorinstanz  abzuweichen,  als  der 

C­6417/2009 Beschwerdeführer  selbst  in  seiner  Beschwerde  einen  Antrag  um  Berichtigung  seines  IK  gestellt  hat.  Die  Entgegennahme  des  Antrages  des  Beschwerdeführers  als  Berichtigungsbegehren  ist  somit  nicht  zu  beanstanden. 4.3.  4.3.1. Inhaltlich beantragte der Beschwerdeführer die Berichtigung seines  IK  um  den  angeblichen  Mitarbeitergewinn,  weil  dieser  aus  steuerrechtlichen  Überlegungen,  welche  die  Ausgleichskassen  bei  der  Beurteilung  des  massgebenden  Lohnes  zu  beachten  hätten  (vgl.  BGE  133 V 346 E. 4 betreffend gevesteter Mitarbeiteroptionen), nicht der AHV  unterliege.   Demgegenüber weist die Vorinstanz wie erwähnt darauf hin,  dass  Korrektureintragungen  nur  vorgenommen  werden  dürfen,  soweit  hierfür  der  volle  Beweis  erbracht  werde  oder  wenn  offensichtlich  ein  Eintragungsfehler vorliege. Beides liege ihrer Ansicht nach nicht vor. 4.3.2.  Vergleicht  man  den  letzten  Lohnausweis  der  Arbeitgeberin,  welcher die Beteiligungsrechte im Betrage von Fr. 441'806.­­ und mit den  Performance  Dividents  eine  gesamte  Leistung  von  Fr.  529'696.­­  ausweist  (vgl.  act.  1/7),  mit  den  letzten  Eintragungen  im  IK  des  Beschwerdeführers (vgl. act. 4/1), ist ohne Weiteres feststellbar, dass der  besagte  IK  keinen  offensichtlichen  Eintragungsfehler  enthält.  Dies  wird  vom Beschwerdeführer auch nicht ernsthaft behauptet.  4.3.3.  Der Beschwerdeführer macht hingegen insbesondere geltend, die  Mitarbeiteraktien seien im Jahre 2008 freigegeben worden, also zu einer  Zeit, als er bereits aus dem Betrieb seiner Arbeitgeberin ausgeschieden  war  (die  Auflösung  des  Arbeitsverhältnisses  erfolgte  per  Ende  Januar  2007).  Die  Vorinstanz  legt  demgegenüber  überzeugend  dar,  dass  die  Freigabe  der  gebundenen  Mitarbeiteraktien  sozialversicherungsrechtlich  gesehen  im Rahmen  der  Auflösung  des  Arbeitsverhältnisses  erfolgt  ist,  auch wenn die Aktien effektiv  zu einem späteren Zeitpunkt nach Ablauf  der fünfjährigen Sperrfrist realisiert wurden. Es kann nicht sein, dass nach  Auflösung  des  Arbeitsverhältnisses  noch  nachgezahlter,  massgebender  Lohn – zu denen  freigegebene Mitarbeiteraktien gestützt auf Art. 7  lit.  c  AHVV  zweifellos  gehören  –  jeweils  einfach  deshalb  der  AHV­ Beitragspflicht  nicht mehr  unterstehen würde, weil  die Arbeitnehmer  die  Schweiz  inzwischen  verlassen  haben.  Mit  dieser  Argumentation  würde  ein  nachträglich  ausgezahlter  massgebender  Lohn  in  solchen  Konstellationen  gar  nie  der  Beitragspflicht  unterstehen,  was  nicht  die 

C­6417/2009 Absicht  des  Gesetzgebers  sein  kann,  wie  die  Arbeitgeberin  zu  Recht  ausführt. Diese unterstützt  denn auch vollumfänglich die AHV­rechtliche  Würdigung der Vorinstanz, der auch nichts Wesentliches beizufügen ist.  Wenn  nämlich  Art.  7  lit.  c   AHVV  vorschreibt,  dass  bei  gebundenen  Arbeitnehmeraktien sich Wert und Zeitpunkt der Einkommensrealisierung  nach  den  Vorschriften  der  direkten  Bundessteuer  bestimmt,  dann  kann  dies  jedenfalls  nicht  zur  Folge  haben,  dass  arbeitsrechtliche  und  AHV­ rechtliche Grundsätze damit völlig ausser Acht gelassen werden. Wie die  Vorinstanz  zu  Recht  ausführt,  ist  hier  massgebend,  dass  die  nachträgliche  Zahlung  sich  auf  ein  Arbeitsverhältnis  bezieht,  das  zu  einem Zeitpunkt  aufgelöst worden  ist,  als  der Arbeitnehmer  noch  in  der  Schweiz  lebte.  Der  Begriff  "Zeitpunkt"  in  Art.  7  lit.  c  AHVV  ist  nicht  ein  absoluter,  sondern  ist  als  Hilfe  für  die  Berechnung  des massgebenden  Lohns  zu  verstehen;  als  Anknüpfungszeitpunkt  im  Zusammenhang  mit  der AHV­Beitragspflicht kann er nicht herangezogen werden. Im Übrigen ist auch der Hinweis des Beschwerdeführers auf BGE 133 V  346 E. 4 unbehelflich. Wie die Arbeitgeberin richtig bemerkt, ging es bei  jenem Fall um gevestete Mitarbeiteroptionen und nicht wie vorliegend um  Mitarbeiteraktien, die unabhängig von der Tätigkeit, der Stellung und der  individuellen  Leistung  des  Mitarbeiters  in  den  5  Jahren  nach  dem  der  Berechnung zugrundeliegenden Jahr ausbezahlt werden, sondern einzig  aufgrund der Konzernresultate nach einer Sperrfrist von 5 Jahren. 4.3.4.  Daraus folgt, dass der IK­Eintrag des Beschwerdeführers zu Recht  nicht  berichtigt  worden  ist  und  die  Beschwerde  in  diesem  Hauptpunkt  abzuweisen ist. 4.4.  Damit würde es sich erübrigen, den Antrag des Beschwerdeführers  auf  Rückerstattung  zu  prüfen.  Auf  diesen  könnte  das  Gericht  aber  ohnehin nicht eintreten, da dem Beschwerdeführer, wie die Vorinstanz zu  Recht  geltend  macht,  gestützt  auf  Art.  41  AHVV  kein  Anspruch  darauf  bestehen kann. Aufgrund  dieser  Erwägungen  ist  die  Beschwerde  vollumfänglich  abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 5.  . 5.1.    Das  Verfahren  ist  für  die  Parteien  kostenlos  (Art.  85bis  Abs.  2  AHVG), so dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind.

C­6417/2009 5.2.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  hat  die  Beschwerdeführerin  keine  Anspruch  auf  eine  Parteientschädigung.  Als  Bundesbehörde  hat  die  obsiegende  Vorinstanz  ebenfalls  keinen  Anspruch  auf  eine  Parteientschädigung  (Art.  64  Abs.  1  VwVG  [e  contrario] und Art. 7 Abs. 1 [e contrario] und Abs. 3 des Reglements vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173. 320.2]).  Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben  und  keine  Parteientschädigung zugesprochen. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. _________) – das Bundesamt für Sozialversicherungen Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Philippe Weissenberger Jean­Marc Wichser Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in 

C­6417/2009 öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat  die  Begehren,  deren  Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer  in  Händen  hat,  beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-6417/2009 — Bundesverwaltungsgericht 26.06.2011 C-6417/2009 — Swissrulings