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Bundesverwaltungsgericht 13.02.2012 C-501/2011

13 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·764 mots·~4 min·4

Résumé

Rückvergütung von Beiträgen | Rückvergütung Beiträge AHV/IV; Einspracheentscheid der SAK vom 6. Dezember 2010

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l   Abteilung III C­501/2011 Urteil   v om   1 3 .   Februar   2012 Besetzung Richter Beat Weber (Vorsitz), Richter Daniel Stufetti, Richterin Elena  Avenati­Carpani,  Gerichtsschreiber Daniel Golta. Parteien A._______, (wohnhaft im Kosovo) vertreten durch B._______, (Adresse im Kosovo), Beschwerdeführerin,  gegen Schweizerische Ausgleichskasse SAK,  Vorinstanz.  Gegenstand Rückvergütung Beiträge AHV/IV; Einspracheentscheid der  SAK vom 6. Dezember 2010.

C­501/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass C._______ (geboren im April 1945) in den Jahren 1970­1974 in der  Schweiz  arbeitete  und  Beiträge  an  die  schweizerische  Alters­,  Hinterlassenen­ und Invalidenversicherung bezahlte (vgl. SAK/44), dass C._______ (im Folgenden: Ehemann) und seine Ehefrau A._______  (geboren  1958;  im  Folgenden:  Beschwerdeführerin)  als  kosovarisch­ serbische  Doppelbürger  im  Kosovo  lebten  (vgl.  Akten  der  Schweizerischen Ausgleichskasse [SAK] 6, 8 f.), dass der Ehemann am 28. Januar 2010 die Ausrichtung einer Schweizer  Altersrente beantragte (vgl. SAK/3­6), dass  die  SAK  diesen  Antrag  am  29.  März  2010  mit  der  Begründung  abwies,  dass  mit  dem  Kosovo  ab  April  2010  kein  Staatsvertrag  mehr  bestehe,  der  Ehemann  nicht  in  der  Schweiz  lebe  und  die  Wohnsitzvoraussetzung daher nicht erfüllt sei (SAK/25), dass  der  Ehemann  am  14.  April  2010  die  Rückvergütung  seiner  AHV­ Beiträge beantragte und 22. Juni 2010 verstarb (vgl. SAK/26­29, 43), dass  die  Beschwerdeführerin  am  12.  Juli  2010  zuhanden  der  SAK  schriftlich erklärte, dass ein Antrag auf Rückvergütung gestellt worden sei  und  von  dem  Wegfall  jeglicher  AHV­/IV­Ansprüche  im  Falle  der  Beitragsrückerstattung Kenntnis genommen werde (SAK/40), dass die SAK am 29. Juli 2010 die Rückerstattung von Beiträgen  in der  Höhe von Fr. 5'038.20 verfügte (SAK/48 f.), dass  die  Beschwerdeführerin  am  9.  Oktober  2010  die  Rückerstattung  eines höheren Betrages beantragte (SAK/53 f., 61), dass  die  SAK  mit  Einspracheentscheid  vom  6.  Dezember  2010  diese  Einsprache  –  unter  Aufzeigung  der  Berechnung  des  rückvergüteten  Betrages  –  abwies  und  die  Verfügung  vom  29.  Juli  2010  bestätigte (SAK/56 f.), dass  die  Beschwerdeführerin  am  11.  Januar  2011  gegen  diesen  Einspracheentscheid  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  führte  und  –  unter  Darlegung  der  ihres  Erachtens  zusätzlich  zu  berücksichtigenden  Umstände  –  die  Ausrichtung  eines  höheren  Rückerstattungsbetrages (plus Verzugszinsen) beantragte,

C­501/2011 dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerdeführerin  am  25.  Januar  2011  dazu  aufforderte,  eine  Zustelladresse  in  der  Schweiz  zu  bezeichnen,  ansonsten  künftige  Anordnungen  und  Entscheide  im  vorliegenden  Verfahren  der  Beschwerdeführerin  durch  Publikation  im  Bundesblatt eröffnet würden (vgl. act. 3 der Beschwerdeakten),  dass  die  entsprechende  Verfügung  dem  Vertreter  der  Beschwerdeführerin am 9. Februar 2011 auf diplomatischen Weg eröffnet  wurde (vgl. act. 6), dass die SAK mit Vernehmlassung vom 24. Februar 2011 die Abweisung  der Beschwerde  und  die Bestätigung  des Einspracheentscheids  vom 6.  Dezember 2010 sowie der Verfügung vom 29. Juli 2010 beantragte (act.  5), dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom  26.  Februar  2011  die  Gutheissung  der  Beschwerde  und  die  Aufhebung  des  Einspracheentscheids sowie die Rückerstattung eines höheren Betrages  beantragte und zugleich erklärte, über kein Zustelldomizil  in der Schweiz  zu verfügen (act. 7), dass  das  Bundesverwaltungsgericht  der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom  8.  März  2011  –  am  22.  März  2011  im  Bundesblatt  publiziert  –  Gelegenheit  bot,  am  Sitz  des  Bundesverwaltungsgerichts  Einsicht in die Vernehmlassung der Vorinstanz vom 24. Februar 2011 zu  nehmen und eine Replik einzureichen und das Bundesverwaltungsgericht  zugleich  bei  Nichteinreichung  einer  Replik  den  Schriftenwechsel  als  abgeschlossen erklärte, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom  9.  November  2011  darlegte,  dass  beim  damaligen  Verfahrensstand jeder Anspruch auf eine Beitragsrückerstattung verneint  werden  und  damit  auch  eine  Rückzahlung  der  bereits  ausbezahlten  Beiträge an die Schweizerische Ausgleichskasse erfolgen müsste, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerdeführerin  mit  der  gleichen Verfügung  –  am  22. November  2011  im Bundesblatt  publiziert  und  per  Post  zur  Kenntnisnahme  an  den  Vertreter  der  Beschwerdeführerin  gesandt  –  dazu  aufforderte,  zur  beabsichtigten  Aufhebung  des  Einspracheentscheids  und  dem  Absprechen  jeglichen  Rückerstattungsanspruches  Stellung  zu  nehmen  und  ihre  Beschwerde 

C­501/2011 allenfalls  zurückzuziehen,  ansonsten  von  der  Aufrechterhaltung  der  Beschwerde ausgegangen werde, dass  die  Beschwerdeführerin  sich  in  der  Folge  bis  dato  nicht  hat  vernehmen lassen, dass  gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beurteilt, dass  als  Vorinstanzen  die  in  Art.  33  VGG  genannten  Behörden  gelten,  wozu nach Art. 33 Bst. d VGG auch die SAK gehört,  dass  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  gemäss  Art. 37  VGG  nach  dem  VwVG  richtet,  soweit  das  VGG  nichts  anderes  bestimmt, dass  indes  das  VwVG  aufgrund  von  Art.  3  Bst.  dbis  VwVG  keine  Anwendung  in  Sozialversicherungssachen  findet,  soweit  das  Bundesgesetz  vom  6. Oktober  2000  über  den  Allgemeinen  Teil  des  Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist, dass  die  Beschwerdeführerin  durch  den  angefochtenen  Einspracheentscheid  vom  6.  Dezember  2010  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  dessen Aufhebung  oder  Änderung  hat,  so  dass sie im Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegitimiert ist, dass die Beschwerde im Übrigen frist­ und formgerecht eingereicht wurde  (Art.  60  ATSG  und  Art.  52  VwVG),  weshalb  auf  die  Beschwerde  einzutreten ist, dass  gemäss  schweizerischem  Recht  (nur)  Ausländern,  die  ihren  Wohnsitz  im  Ausland  haben  und  mit  deren  Heimatstaat  keine  zwischenstaatliche Vereinbarung besteht, sowie ihren Hinterlassenen die  gemäss  den Artikeln  5,  6,  8,  10  oder  13  des Bundesgesetzes  über  die  Alters­ und Hinterlassenenversicherung vom 20. Dezember 1946 (AHVG,  SR  831.10)  bezahlten  Beiträge  rückvergütet  werden  können,  wobei  der  Bundesrat  die  Einzelheiten,  insbesondere  das  Ausmass  der  Rückvergütung regelt (Art. 18 Abs. 3 AHVG), dass gemäss Art. 3 Satz 1 der Verordnung vom 29. November 1995 über  die  Rückvergütung  der  von  Ausländern  an  die  Alters­  und 

C­501/2011 Hinterlassenenversicherung  bezahlten  Beiträge  (RV­AHV,  SR  831.131.12) der Anspruch auf die Rückvergütung im Todesfall der Witwe  oder dem Witwer zusteht, dass  eine  zwischenstaatliche  Vereinbarung  einen  Anspruch  auf  eine  Rückvergütung  der  bezahlten  Beiträge  ausschliesst,  aber  Ausländern  sowie  ihren  Hinterlassenen  einen  Anspruch  auf  ordentliche  Leistungen  der  schweizerischen  AHV  einräumen  kann  (vgl.  Art.  18  Abs.  2  AHVG,  Art. 18 Abs. 3 AHVG e contrario), dass  sich  gemäss  den  Bestimmungen  des  Abkommens  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Föderativen  Volksrepublik  Jugoslawien  über  Sozialversicherung  vom  8.  Juni  1962  (SR 0.831.109.818.1;  im  Folgenden:  Abkommen)  die  Frage,  ob  und  gegebenenfalls  ab  wann  Anspruch  auf  Leistungen  der  schweizerischen  AHV  (z.B.  eine Witwenrente)  besteht,  soweit  dieser Staatsvertrag  keine  abweichende  Regelung  enthält,  allein  aufgrund  der  schweizerischen  Rechtsvorschriften bestimmt (vgl. Art. 1, 2 und 4 des Abkommens sowie  Ziffern 2 und 3 des dazugehörigen Schlussprotokolls), dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  inzwischen  rechtskräftigem  Grundsatzurteil C­4828/2010 vom 7. März 2011 befunden hat, dass das  besagte Abkommen auf Bürger von Kosovo auch nach dem 1. April 2010  anwendbar ist (mehrfach vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt, z.B. in  den Urteilen C­6243/2010 vom 7. Dezember 2010 und C­6629/2010 vom  22. Dezember 2011), dass das Sozialversicherungsabkommen demnach auch im vorliegenden  Fall weiterhin anwendbar ist,  dass die Vorinstanz daher zu Unrecht – unter Berufung auf ein fehlendes  gültiges  Sozialversicherungsabkommen  mit  dem  Kosovo  –  die  Beitragsrückerstattung an die Beschwerdeführerin verfügt hat, dass  eine  Änderung  der  angefochtenen  Verfügung  zuungunsten  einer  Partei  zulässig  ist,  wenn  die  Verfügung  Bundesrecht  verletzt  oder  auf  einer  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des  Sachverhalts  beruht (reformatio in peius; Art. 62 Abs. 2 VwVG), dass  die  Beschwerdeinstanz  einer  Partei  die  Absicht,  die  angefochtene  Verfügung zu ihren Ungunsten zu ändern, zur Kenntnis zu bringen und ihr  Gelegenheit  zur  Gegenäusserung  einzuräumen  hat  (Art.  62  Abs.  3 

C­501/2011 VwVG), was vorliegend mittels Publikation im Bundesblatt erfolgt ist (act.  15), dass  demnach  die  Beschwerde  abzuweisen  ist  und  der  angefochtene  Einspracheentscheid  vom  6.  Dezember  2010  sowie  die  Rückerstattungsverfügung vom 29. Juli 2010 aufzuheben sind,  dass  die  Vorinstanz  aufzufordern  ist,  das  ursprünglich  gestellte  Rentengesuch erneut zu prüfen und, falls ein Rentenanspruch zu bejahen  ist, den Anspruch mit der Forderung aus vorliegend zu Unrecht erfolgter  Rückerstattung zu verrechnen (Art. 20 Abs. 2 AHVG), dass das Verfahren gemäss Art. 85bis Abs. 2 AHVG kostenlos ist und da­ her im vorliegenden Fall keine Verfahrenskosten zur erheben sind, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Parteientschädigung zu­ zusprechen  ist  (Art.  64 Abs.  1 VwVG e  contrario und Art.  7 Abs.  3 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

C­501/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Der angefochtene Einspracheentscheid vom 6. Dezember 2010 und die  Rückerstattungsverfügung  vom  29.  Juli  2010  werden  aufgehoben.  Die  Vorinstanz  wird  aufgefordert,  im  Sinne  der  Erwägungen  den  Rentenanspruch zu prüfen und gegebenenfalls zu verrechnen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Ediktalweg; Notifikation im Bundesblatt) – die Vorinstanz (Ref­Nr. […]) – das Bundesamt für Sozialversicherungen Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Beat Weber Daniel Golta Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat  die  Begehren,  deren  Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer  in  Händen  hat,  beizulegen (Art. 42 BGG).

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