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Bundesverwaltungsgericht 05.10.2011 C-4655/2009

5 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,227 mots·~16 min·2

Résumé

Personen des Asylrechts | Zustimmung zur Aufenthaltsregelung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­4655/2009 Urteil   v om   5 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Elena Avenati­Carpani, Richterin Marianne Teuscher, Gerichtsschreiber Daniel Grimm. Parteien T._______, vertreten durch Rechtsanwalt Gabriel Püntener, Effingerstrasse 4a, 3001 Bern, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Zustimmung zur Aufenthaltsregelung gemäss Art. 14 Abs. 2  AsylG.

C­4655/2009 Sachverhalt: A.  Der aus der Türkei stammende Beschwerdeführer (geb. […]) reiste nach  eigenen Angaben am 23. September 2003 in die Schweiz ein, wo er am  29. September 2003 um Asyl ersuchte. Mit Verfügung vom 18. Juli 2005  lehnte das BFM das Asylgesuch ab und wies  ihn unter Ansetzung einer  Ausreisefrist  aus  der  Schweiz  weg.  Gegen  diese  Verfügung  erhob  der  Beschwerdeführer  am  18. August  2005  bei  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  Beschwerde.  Am  7. September  2005  teilte  ihm  die  ARK mit,  er  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten. Mit  Urteil  vom  30. Mai  2008 wies  das  inzwischen  für  das Verfahren  zuständige Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerde  ab.  Die  Vorinstanz  setzte  dem  Betroffenen  daraufhin  eine neue Ausreisefrist bis zum 3. Juli 2008. B.  Unmittelbar  vor  Ablauf  der  Ausreisefrist  ersuchte  der  Beschwerdeführer  am 3. Juli 2008 um Revision des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts  vom  30. Mai  2008.  Weil  kein  Kostenvorschuss  geleistet  wurde,  fällte  dieses  am  4. August  2008  einen  Nichteintretensentscheid.  Tags  darauf  wandte  sich  der  Beschwerdeführer  mit  einem  Gesuch  um  Wiedererwägung  des  negativen  Asylentscheids  im  Wegweisungspunkt  und Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  an  das  BFM. Mit  Verfügung  vom 19. August 2008 lehnte die Vorinstanz das Wiedererwägungsgesuch  ab  und  stellte  die  Rechtskraft  und  Vollstreckbarkeit  des  Asylentscheids  vom  18. Juli  2005  fest.  Einer  allfälligen  Beschwerde  entzog  sie  die  aufschiebende  Wirkung.  Das  beschwerdeweise  angerufene  Bundesverwaltungsgericht  lehnte  es  mit  Zwischenverfügung  vom  1. September  2008  ab,  vorsorgliche  Anordnungen  zu  treffen,  und  wies  den  Beschwerdeführer  an,  den  Ausgang  des  Verfahrens  im  Ausland  abzuwarten. Am 8. Oktober 2008  trat das Bundesverwaltungsgericht auf  die Beschwerde mangels Entrichtung des verlangten Kostenvorschusses  nicht ein. C.  Am  27. Oktober  2008  unterbreitete  die  Migrationsbehörde  des  Kantons  Solothurn der Vorinstanz ein Gesuch um Zustimmung zur Erteilung einer  Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art. 14  Abs.  2  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31).

C­4655/2009 Das  BFM  teilte  dem  Beschwerdeführer  am  5. Mai  2009  mit,  dass  erwogen  werde,  die  Zustimmung  zu  einer  entsprechenden  Aufenthaltsregelung  zu  verweigern,  und  räumte  ihm  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  ein.  Der  Beschwerdeführer  liess  sich  am  28. Mai  2009  durch seinen Parteivertreter vernehmen. D.  Mit  Verfügung  vom  10. Juni  2009  verweigerte  die  Vorinstanz  die  Zustimmung zur Erteilung der Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs.  2  AsylG.  Zur  Begründung  führte  sie  im  Wesentlichen  aus,  der  Beschwerdeführer habe sich während der 5 ½­jährigen Aufenthaltsdauer  in der Schweiz offenbar in die hiesigen Verhältnisse eingelebt. Dass sein  Verhalten  in  strafrechtlicher  Hinsicht  zu  keinen  Klagen  Anlass  gegeben  habe, entspreche allerdings den Erwartungen. Zugute zu halten sei  ihm,  dass  er  seinen  Lebensunterhalt  seit  dem  25. Januar  2005  selbst  zu  bestreiten  vermöge,  nachdem  er  von  der  öffentlichen  Hand  zuvor  mit  Fr. 13'406.85  unterstützt  worden  sei.  Dennoch  erscheine  die  bisherige  berufliche und soziale Integration nicht so aussergewöhnlich, dass sie zu  einer besonderen Verwurzelung in der Schweiz hätte führen können. Der  Beschwerdeführer  habe  seither  in  zwei  Betrieben  als  Pizzaiolo  bzw.  Küchenhilfe  gearbeitet.  Eine  entsprechende  Ausbildung  habe  er  nicht  absolviert und sich beruflich, soweit ersichtlich, nicht weitergebildet. Von  einer  starken  beruflichen  Integration  könne  demnach  trotz  persönlicher  Einsatzbereitschaft  und  guter  Referenzen  nicht  ausgegangen  werden.  Dies gelte auch mit Blick auf die  sprachliche  Integration. So sei er  zum  Heimreisegespräch  vom  3. Juli  2008  (recte:  30. Juni  2008)  vor  dem  Kanton in Begleitung eines Dolmetschers erschienen. Auch von daher sei  keine  besondere  Härte  ersichtlich.  Des  Weiteren  sei  der  Beschwerdeführer  alleinstehend  und  er  habe  hierzulande  keine  Familienangehörigen.  Zudem  habe  er  den  grössten  Teil  seines  Lebens  mit den  für die persönliche Entwicklung prägenden Jahren  in der Türkei  verbracht,  weshalb  er  dort  sowohl  über  intakte  berufliche  Lebensperspektiven  als  auch  soziale Kontakte  verfügen dürfte.  Insofern  sei  er  nicht  zwingend  auf  ein  Anwesenheitsrecht  in  der  Schweiz  angewiesen.  Daran  ändere  der  ärztliche  Bericht  der  Psychiatrischen  Dienste  des  Spitals  X._______  vom  30. Juli  2008,  worin  beim  Beschwerdeführer  eine  mittelgradig  depressive  Episode  bei  andauernd  belastender Lebenssituation diagnostiziert worden sei, nichts. Wohl gehe  aus  einem  ärztlichen  Schreiben  vom  13. Mai  2009  hervor,  dass  der  Patient  weiterhin  in  ambulanter  Behandlung  stehe,  das  Bundesamt  erachte  seine  Rückkehr  ins  Heimatland  aber  trotz  des  gegenüber  dem 

C­4655/2009 Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  30. Mai  2008  veränderten  Gesundheitszustandes  nach  wie  vor  als  zumutbar.  Die  psychischen  Probleme seien zwar ernst zu nehmen, jedoch nicht als so gravierend zu  beurteilen, dass es ihm nicht möglich wäre, in die Türkei zurückzukehren.  Die aktuellen psychischen Leiden könne er auch dort adäquat behandeln  lassen.  Dies  gelte  vor  allem  für  Istanbul,  wo  der  Betroffene  lange  Zeit  gelebt  und  auch  gearbeitet  habe.  Überdies  sei  rechtskräftig  festgestellt  worden,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seinem  Heimatland  keiner  Verfolgung ausgesetzt gewesen sei, weshalb ihm auch in dieser Hinsicht  keine  ernsthaften Nachteile  drohten. Aus  den  genannten Gründen  liege  kein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  nach  Art. 14  Abs.  2  AsylG  vor. E.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  20. Juli  2009  beantragt  der  Beschwerdeführer,  die  vorgenannte  Verfügung  sei  aufzuheben  und  die  Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen  Sachverhalts  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen;  eventualiter  ersucht  er  um  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  Zustimmung  zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung.  Hierzu  lässt  er  vorbringen,  die  angefochtene Verfügung leide am grundsätzlichen Mangel, dass sich das  BFM  seitenweise  zur  Integration  äussere,  ohne  –  beispielsweise  im  Rahmen einer Anhörung – direkten Kontakt  zum Betroffenen gehabt  zu  haben.  Damit  setze  es  sich  über  die  klare  Einschätzung  einer  überdurchschnittlichen Integration durch das Amt für Ausländerfragen des  Kantons  Solothurn  hinweg. Deshalb  rechtfertige  sich  eine Rückweisung  an  die  Vorinstanz.  Andernfalls  werde  eine  Anhörung  des  Beschwerdeführers  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  verlangt.  Aufgrund eigener Erfahrung wisse der Rechtsvertreter nämlich, dass die  Vorinstanz die Zustimmung  in ähnlich gelagerten Fällen erteilt habe und  das Gleichheitsgebot vorliegend somit verletzt sei. Zum Beweis habe das  BFM  gegenüber  dem  Bundesverwaltungsgericht  zu  dokumentieren,  welche  vergleichbaren  Anträge  der  Kantone  statistisch  gesehen  gutgeheissen  oder  abgelehnt  worden  seien.  Die  urteilende  Behörde  werde  um  eine  entsprechende  Verfügung  ersucht.  Überdies  hingen  die  Chancen  auf  Zustimmung  zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  davon ab, in welcher Sektion ein vorinstanzlicher Entscheid gefällt werde.  Unter dem Gesichtspunkt der Rechtsgleichheit sei dies ein unerträglicher  Zustand.  Des Weiteren  werde  der  sogenannte  Ausnahmecharakter  von  Art.  14  Abs.  2  AsylG  überbetont.  Hierbei  werde  ausser  Acht  gelassen,  dass die politische Hauptmotivation besagter Regelung zum einen darin 

C­4655/2009 bestanden habe, den Kantonen eine eigene Kompetenz zur Beantragung  solcher  Aufenthaltsbewilligungen  zu  Gunsten  Asylsuchender  und  vorläufig  Aufgenommener  zu  geben,  zum  andern  sei  damit  das  seit  langem  notwendige  Signal  gesetzt  worden,  dass  es  sich  für  die  betreffenden  Personengruppen  lohnen  solle,  sich  hier  überdurchschnittlich  zu  integrieren.  Würde  der  Argumentationslinie  im  angefochtenen Entscheid gefolgt, so würde dem klaren, von der Mehrheit  der Bevölkerung getragenen politischen Auftrag entgegengewirkt und ein  falsches  Signal  gesetzt.  Die  mit  der  Rechtsmitteleingabe  eingereichten  Unterlagen  zeigten  im  Übrigen,  dass  die  Integration  des  Beschwerdeführers  weiter  fortschreite  und  er  sich  nach  wie  vor  völlig  klaglos  verhalte.  Auch  wenn  die  Bundesbehörden  bei  ihm  im  Asylverfahren  trotz  seiner  gesundheitlichen  Situation  (psychische  Erkrankung)  von  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  ausgegangen seien, könne hier schliesslich nicht abgeleitet werden, dass  der  Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  kein  Element  für  das  Vorliegen einer grossen persönlichen Härte im Fall einer Rückkehr in die  Türkei darstellte. Dazu  reichte  der  Rechtsvertreter  eine  Bestätigung  des  früheren  Arbeitgebers,  die  Lohnabrechnungen  der  Monate  März  2009  bis  Juni  2009  sowie  ein  Referenzschreiben  einer  Bekannten  seines  Mandanten  ein. F.  In ihrer Vernehmlassung vom 8. Oktober 2009 spricht sich die Vorinstanz  unter  Erläuterung  der  bisher  genannten  Gründe  für  die  Abweisung  der  Beschwerde  aus  und  betont,  in  Zustimmungsverfahren  dürfe  der  Bund  sein Ermessen an die Stelle jenes des Kantons setzen. G.  Replikweise  hält  der  Parteivertreter  am  16. November  2009  am  eingereichten  Rechtsmittel  sowie  den  Begehren  fest,  wobei  er  das  Kriterium  der  im  Falle  des  Beschwerdeführers  seiner  Auffassung  nach  fehlenden  Möglichkeit  der  Wiedereingliederung  im  Herkunftsstaat  hervorhebt. Mit Nachträgen vom 3. September 2010 und 11. Oktober 2010 reichte der  Rechtsvertreter zusätzliche Beweismittel ein (worunter drei Bestätigungen  für  besuchte  Deutschkurse,  ein  Zwischenzeugnis  des  jetzigen  Arbeitgebers und drei weitere Referenzschreiben).

C­4655/2009 H.  Am 16. September 2010 ordnete das Bundesverwaltungsgericht  zwecks  Aktualisierung  und  Ergänzung  des  Sachverhalts  einen  zweiten  Schriftenwechsel an. Mit  ergänzender  Vernehmlassung  vom  17. November  2010  hält  die  Vorinstanz an ihrem Standpunkt fest. Der Parteivertreter machte hierzu am 12. Januar 2011 (unter Einreichung  einer  Kopie  des  positiven  kantonalen  Antrages  vom  27. Oktober  2008)  abschliessende  Bemerkungen.  Zwei  Tage  später  reichte  er  einen  vom  11. Januar 2011 datierenden Therapieverlaufsbericht der Psychiatrischen  Dienste Y._______ nach. I.  Am  16. August  2011  zog  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Akten  des  Kantons Solothurn bei. J.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art. 33  VGG  genannten  Behörden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Verweigerung  der  Zustimmung  zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art.  14  Abs.  2  AsylG.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig  (vgl.  Art. 1 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 83 Bst. c Ziff. 2 des Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110], siehe in Bezug auf Art. 14 Abs. 2  AsylG auch Urteil des Bundesgerichts 2C_692/2010 vom 13. September  2010 E. 3).

C­4655/2009 1.2. Das Verfahren  richtet  sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz,  dem  Verwaltungsgerichtsgesetz  und  dem  Bundesgerichtsgesetz,  soweit  das  Asylgesetz  –  sofern  anwendbar  –  nichts  anderes  bestimmt  (Art.  6  AsylG).  1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  gemäss  Art. 48  Abs.  1 VwVG zur Beschwerde  legitimiert. Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (vgl.  Art.  50  und  52  VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art. 62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3.  Auf  Beschwerdeebene  wird  als  Hauptantrag  um  Rückweisung  der  Angelegenheit  an  die  Vorinstanz  –  insbesondere  zwecks  persönlicher  Befragung  des  Beschwerdeführers  –  ersucht.  Für  den  Fall  der  Nichtrückweisung  wird  eine  entsprechende  Anhörung  durch  das  Bundesverwaltungsgericht beantragt. 3.1.  Im  Verwaltungs(beschwerde)verfahren  gilt  grundsätzlich  das  Untersuchungsprinzip,  das  durch  die  Mitwirkungspflicht  der  Parteien  ergänzt  wird  (vgl.  Art. 12  und  Art. 13  VwVG).  Der  Untersuchungsgrundsatz  bedeutet,  dass  die  Verwaltungs­  und  Justizbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen abklären. Sie sind für  die  Beschaffung  der  Entscheidgrundlagen  verantwortlich.  Hierfür  bedienen  sie  sich  nötigenfalls  der  in  Art. 12  VwVG  genannten  Beweismittel.  Das  Verwaltungsrechtspflegeverfahren  ist  sodann  vom  Grundsatz  der  Schriftlichkeit  geprägt  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem 

C­4655/2009 Bundesverwaltungsgericht, Lausanne/Zürich/Bern 2008, Rz. 3.85/3.86 S.  143  ff.  oder  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­955/2008  vom  15. Juli  2011  E.  8.2  mit  Hinweisen)  und  ein  Anspruch  auf  mündliche  Anhörung  besteht  nicht  (BGE  134  I  140  E.  5.3  S.  148).  Art. 19  VwVG  i.V.m.  Art. 37  des  Bundesgesetzes  über  den  Bundeszivilprozess  vom  4. Dezember 1947 (BZP, SR 273) sieht das Parteiverhör gemäss Art. 62  BZP nicht vor und verpflichtet die Behörde des Weiteren nicht, alles und  jedes,  was  wünschbar  wäre,  abzuklären.  Bei  der  Auswahl  der  Beweismittel  berücksichtigt  sie  vielmehr  deren  Tauglichkeit  und  Beweiskraft  (vgl.  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz. 276).  Zusätzliche  Abklärungen  sind  nur  dann  vorzunehmen,  wenn  hierzu  aufgrund  der  Parteivorbringen  oder  anderer  sich  aus  den  Akten  ergebender Anhaltspunkte Anlass besteht. 3.2. Von  beantragten  Beweisvorkehren  kann  abgesehen  werden,  wenn  der Sachverhalt, den eine Partei beweisen will, nicht  rechtserheblich  ist,  wenn bereits Feststehendes bewiesen werden soll, wenn von vornherein  gewiss  ist,  dass  der  angebotene  Beweis  keine  wesentlich  neuen  Erkenntnisse  zu  vermitteln  vermag  oder  wenn  die  Behörde  den  Sachverhalt  aufgrund  eigener  Sachkunde  ausreichend  würdigen  kann  (vgl. KÖLZ/HÄNER, a.a.O., Rz. 319 und 320; BGE 122 V 157 E. 1d S. 162  mit Hinweis). Gelangt die Behörde bei pflichtgemässer Beweiswürdigung  zur  Überzeugung,  der  zu  beweisende  Sachverhalt  sei  nicht  rechtserheblich  oder  der  angebotene  Beweis  nicht  geeignet,  weitere  Abklärungen  herbeizuführen,  kann  auf  ein  beantragtes  Beweismittel  verzichtet werden (zur antizipierten Beweiswürdigung vgl. Art. 33 Abs. 1  VwVG,  BGE  136  I  229 E.  5.3  S.  236 f. mit  Hinweisen  oder Urteile  des  Bundesgerichts  1C_193/2010  vom  4.  November  2010  E.  2.8  und  1C_460/2008  vom  3. Februar  2009  E.  3.1  mit  Hinweisen).  Bei  nicht  anfechtbaren Entscheiden kann der Entscheid über die Beweisanträge im  Endurteil  erfolgen  (BERNHARD  WALDMANN/JÜRG  BICKEL,  in:  Praxiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Zürich 2009,  Art. 33 N 36). 3.3.  Eine  solche  Situation  liegt  auch  hier  vor.  Der  Beschwerdeführer  wurde vom Ausländeramt des Kantons Solothurn am 30. Juni 2008 und  15. September 2008 –  im Rahmen von Heimreisegesprächen – zweimal  persönlich angehört und der Betroffene konnte seine Sichtweise damals  darlegen.  Es  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  eine  persönliche  Vorsprache  beim  BFM  oder  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  zu 

C­4655/2009 massgebenden  neuen  Erkenntnissen  führen  würde,  geben  die  herangezogenen  Akten,  zusammen  mit  den  vom  Parteivertreter  im  Verlaufe  des  Verfahrens  eingereichten  Unterlagen,  über  die  in  einem  Härtefallverfahren gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG mitzuberücksichtigenden  Aspekte  (vgl.  nachfolgende   E.  5.2)  doch  hinreichend  Aufschluss.  Miteinzubeziehen ist ferner die bisherige Praxis der Fachinstanzen (siehe  E. 6.1 – 6.3 hiernach). Nicht  anzuschliessen  vermag  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  insbesondere  der  vom  Rechtsvertreter  wiederholt  geäusserten  Auffassung,  die  Vorinstanz  hätte  den  Beschwerdeführer  im  Falle  einer  von  der  kantonalen  Haltung  abweichenden  Einschätzung  zwingend  anhören  müssen.  Er  verkennt  in  dieser  Hinsicht  die  Besonderheit  des  Zustimmungsverfahrens  nach  Art. 14  Abs.  2  AsylG.  Demnach  ist  es  nämlich  Aufgabe  des  BFM,  die  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  der  Zustimmung  umfassend  zu  prüfen.  Eine  umfassende,  originäre  Sachentscheidskompetenz  des  BFM  gilt  ganz  generell  für  das  ausländerrechtliche  Zustimmungsverfahren  gemäss  Art. 40  Abs.  1  AuG  i.V.m.  Art. 99  AuG  (zum  alten,  aber  gleich  ausgestalteten  Recht:  BGE  127 II 49 E. 3a S. 51 f. und BGE 120 Ib 6 E. 3a S. 9 f.). Vorliegend ist es  somit an der Vorinstanz zu beurteilen, ob die Voraussetzungen gemäss  Art. 14 Abs. 2 Bst. a – c AsylG erfüllt  sind. Dass die dafür notwendigen  Sachverhaltsabklärungen  in  der  Regel  von  den  antragstellenden  Kantonen  durchgeführt  werden,  vermag  daran  nichts  zu  ändern  (zum  Ganzen  siehe  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7265/2007  vom  24. März  2010  E.  3.4).  Weder  das  BFM  noch  das  Bundesverwaltungsgericht  sind  mithin  an  die  Einschätzung  der  kantonalen  Behörde  gebunden.  Unter  den  konkreten  Begebenheiten  besteht denn, wie eben dargetan, kein Anlass, den Sachverhalt im Sinne  besagter Beweisanträge zu ergänzen, womit auch dem Hauptantrag auf  Rückweisung der Sache an das BFM nicht stattzugeben ist.  4.  4.1. Gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG kann der Kanton mit Zustimmung des  BFM  einer  ihm  nach  dem  Asylgesetz  zugewiesenen  Person  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilen,  wenn  die  betroffene  Person  sich  seit  Einreichung  des  Asylgesuches  mindestens  fünf  Jahre  in  der  Schweiz  aufhält (Bst. a), der Aufenthaltsort der betroffenen Person den Behörden  immer bekannt war  (Bst. b) und wegen der  fortgeschrittenen  Integration  ein  schwerwiegender  persönlicher Härtefall  vorliegt  (Bst.  c).  Dabei  geht  es  nur  um  die  Frage,  ob  der  Kanton  ermächtigt  wird,  eine 

C­4655/2009 Aufenthaltsbewilligung  zu  erteilen  bzw.  ein  Aufenthaltsverfahren  durchzuführen.  Anwendbar  ist  die  im  Rahmen  der  Asylgesetzrevision  vom  16.  Dezember  2005  per  1. Januar  2007  in  Kraft  getretene  Härtefallregelung von Art. 14 Abs. 2 AsylG sowohl auf Personen, die ein  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  haben,  als  auch  auf  Personen,  die  sich  noch  im  Asylverfahren  befinden.  Sie  stellt  eine  Ausnahme  vom  Grundsatz  der  Ausschliesslichkeit  des  Asylverfahrens  dar  (PETER  NIDERÖST,  Sans­Papiers  in  der  Schweiz,  in:  Peter  Uebersax/Beat  Rudin/Thomas  Hugi  Yar/Thomas  Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2.  Auflage  Basel  2009,  Rz. 9.35;  zur  Rechtsnatur  dieses  Verfahrens  vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7265/2007  vom  24. März  2010  E. 3).  4.2.  Bereits  vor  der  Revision  vom  16.  Dezember  2005  sah  das  Asylgesetz in Art. 44 Abs. 3 bis 5 (AS 1999 2273) die Möglichkeit vor,  in  Fällen  einer  schwerwiegenden  persönlichen Notlage  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen,  sofern  vier  Jahre  nach  Einreichen  des  Asylgesuchs  noch  kein  rechtskräftiger  Entscheid  ergangen  war.  Rechtskräftig  abgewiesene  Asylsuchende  waren  von  der  Möglichkeit  der  vorläufigen  Aufnahme  ausgeschlossen.  Die  nunmehr  geltende  Regelung von Art. 14 Abs. 2 AsylG enthält nicht nur eine Ausweitung  des  Anwendungsbereiches  auf  rechtskräftig  abgewiesene  Asyl­ suchende,  sondern  bringt  der  betroffenen  Person  auch  insoweit  eine  rechtliche  Besserstellung,  als  ihr  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  und nicht mehr nur die vorläufige Aufnahme gewährt werden kann (zur  Entstehung  des  heutigen  Art.  14  Abs.  2  AsylG  vgl.  BVGE  2009/40       E. 3.1). 5.  5.1.  Der  Beschwerdeführer  hält  sich  seit  der  Einreichung  des  Asylgesuches  mehr  als  fünf  Jahre  in  der  Schweiz  auf,  wobei  sein  Aufenthaltsort  den  Behörden  immer  bekannt  war.  Die  in  Art.  14  Abs.  2  Bst. a und b AsylG genannten Anforderungen sind damit erfüllt. Zu prüfen  bleibt,  ob  nach Massgabe  von  Art.  14  Abs.  2  Bst.  c  AsylG  "wegen  der  fortgeschrittenen  Integration  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  vorliegt". Diese Frage beurteilt sich auf der Grundlage der umfangreichen  Rechtsprechung  zum Härtefallbegriff  gemäss Art.  13 Bst.  f  der  bis  zum  31. Dezember 2007 geltenden Verordnung vom 6. Oktober 1986 über die  Begrenzung der Zahl der Ausländer  (Begrenzungsverordnung, BVO, AS  1986 1791; vgl. heute Art. 30 Abs. 1 Bst. b des Ausländergesetzes vom  16. Dezember 2005  [AuG, SR 142.20]). Mit Art.  14 Abs. 2 Bst.  c AsylG 

C­4655/2009 hat  der  Gesetzgeber  nämlich  keinen  eigenen  Härtefallbegriff  schaffen,  sondern  den  bereits  im  Kontext  des  Ausländerrechts  bestehenden  und  von  der  Rechtsprechung  konkretisierten  Härtefallbegriff  auch  für  das  Asylrecht  anwendbar  machen  wollen  (vgl.  dazu  eingehend  BVGE  2009/40 E. 5 mit Hinweisen).  5.2.  In  Anlehnung  an  die  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  hat  der  Verordnungsgeber  in  Art.  31  Abs.  1  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201) eine entsprechende Kriterienliste aufgestellt, die sich sowohl auf  Art.  14  Abs.  2  AsylG  als  auch  auf  den  Anwendungsbereich  des  AuG  (Art. 30  Abs.  1  Bst.  b,  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  und  Art.  84  Abs.  5  AuG)  bezieht. Im Einzelnen werden folgende Kriterien genannt: Die Integration  (Bst.  a),  die  Respektierung  der  Rechtsordnung  (Bst.  b),  die  Familienverhältnisse (Bst. c), die finanziellen Verhältnisse sowie der Wille  zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung (Bst. d),  die Dauer der Anwesenheit (Bst. e), der Gesundheitszustand (Bst. f) und  die Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im Herkunftsland (Bst. g).  5.3.  Im  Weiteren  statuiert  die  auf  die  soeben  genannten  Härtefallregelungen nach AsylG und AuG anwendbare Bestimmung von  Art.  31  Abs.  2  VZAE,  dass  die  gesuchstellende  Person  ihre  Identität  offenlegen muss. Dieses Erfordernis steht im Zusammenhang mit Art. 13  und  Art.  90  AuG,  wonach  die  gesuchstellende  Person  im  Bewilligungs­  und  Anmeldeverfahren  ein  gültiges  Ausweispapier  vorlegen  und  diesbezüglich  zutreffende  und  vollständige  Angaben  machen  muss.  Werden diese zwingenden Vorschriften verletzt, kann dies den Wiederruf  einer Bewilligung zur Folge haben (Art. 62 Bst. a und Art. 63 Abs. 1 Bst. a  AuG) und zu Zwangsmassnahmen (Art. 76 Abs. 1 Bst. b Ziff. 3 AuG und  Art. 77 Abs. 1 Bst. c AuG) oder gar strafrechtlichen Sanktionen (Art. 120  Abs. 1 Bst. e AuG) führen (PETER UEBERSAX, Einreise und Aufenthalt,  in  Ausländerrecht,  a.a.O.,  Rz.  7.272  ff.).  Einen  weiterreichenden  Regelungsumfang  hat  die  insoweit  nur  deklaratorische  Verordnungsbestimmung  von Art.  31 Abs.  2 VZAE  (abgesehen  von der  wohl ungenauen Übersetzung im französischen Text) nicht.  6.  6.1.  Im Hinblick auf die Rechtsprechung zum Härtefallbegriff von Art. 13  Bst.  f  BVO  und  die  diesbezüglich  in  Art.  31  Abs.  1  VZAE  aufgestellten  Kriterien  darf  auch  im  Anwendungsbereich  des  Asylgesetzes  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  nicht  leichthin  angenommen 

C­4655/2009 werden.  Erforderlich  ist,  dass  sich  die  ausländische  Person  in  einer  persönlichen  Notlage  befindet,  was  bedeutet,  dass  ihre  Lebens­  und  Existenzbedingungen,  gemessen  am  durchschnittlichen  Schicksal  von  ausländischen  Personen,  in  gesteigertem  Mass  in  Frage  gestellt  sind  bzw. die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung für sie mit schweren  Nachteilen verbunden wäre.  6.2. Die Anerkennung als Härtefall muss allerdings nicht bereits deshalb  erfolgen, weil sich die Anwesenheit in der Schweiz als einziges Mittel zur  Verhinderung einer persönlichen Notlage darstellt. Es genügt auch nicht,  wenn sich die ausländische Person während längerer Zeit in der Schweiz  aufgehalten,  sich  in  sozialer  und  beruflicher  Hinsicht  gut  integriert  und  sich nichts hat zuschulden kommen  lassen. Vielmehr bedarf es einer so  engen Beziehung zur Schweiz, dass es ihr nicht zugemutet werden kann,  im Ausland, insbesondere in ihrem Heimatland, zu leben (BGE 130 II 39  E. 3; BVGE 2007/16 E. 5.1); die in diesem Kontext anwendbaren Kriterien  von  Art.  31  Abs.  1  VZAE  stellen weder  einen  abschliessenden Katalog  dar  noch müssen  sie  kumulativ  erfüllt  sein  (vgl. BVGE 2009/40 E.  6.2).  Immerhin  werden  bei  einem  sehr  langen  Aufenthalt  weniger  hohe  Anforderungen  an  das  Vorliegen  besonderer  Umstände  wie  etwa  eine  überdurchschnittliche  Integration  oder  andere  Faktoren  gestellt,  welche  die  Rückkehr  ins  Heimatland  als  ausgesprochen  schwierig  erscheinen  lassen (BGE 124 II 110 E. 3 S. 112 f.). 6.3. Zu  beachten  gilt  es  ferner,  dass  die  ausländerrechtliche Zulassung  wegen  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalles  nicht  das  Ziel  verfolgt, eine ausländische Person gegen die Folgen eines Krieges oder  des  Missbrauchs  staatlicher  Gewalt  zu  schützen.  Solche  Erwägungen  betreffen  einerseits  die Frage  der Asylgewährung,  andererseits  sind  sie  für  die  Beurteilung  der  Vollziehbarkeit  einer  verfügten Wegweisung  von  Bedeutung  (vgl.  Art.  83  AuG).  Im  Zusammenhang  mit  dem  schwerwiegenden persönlichen Härtefall sind ausschliesslich humanitäre  Gesichtspunkte  ausschlaggebend,  wobei  der  Schwerpunkt  auf  der  Verankerung  in  der Schweiz  liegt.  Im Rahmen  einer Gesamtschau  sind  jedoch  seit  jeher  auch  der Gesundheitszustand  einer  Person  sowie  die  Möglichkeiten  einer  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  mitzuberücksichtigen  (heute  sind  diese  von  der  Rechtsprechung  entwickelten Kriterien in Art. 31 Abs. 1 Bst. f und g VZAE positivrechtlich  verankert).  Diese  Prüfung  kann  nicht  losgelöst  von  den  persönlichen,  familiären  und  ökonomischen  Schwierigkeiten  erfolgen,  denen  eine  ausländische Person in ihrem Heimatland ausgesetzt wäre (vgl. BGE 123 

C­4655/2009 II 125 E. 3 S. 128). Daraus ergibt sich eine gewisse Überschneidung von  Gründen, die den Wegweisungsvollzug betreffen, und solchen, die einen  Härtefall (mit)begründen können. Das ist nicht zu vermeiden und in Kauf  zu nehmen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­8270/2008 vom  10. Mai 2010 E. 5.3 mit Hinweis).  Nur  schon vor diesem Hintergrund greift  der  in der Rechtsmitteleingabe  vom 20. Juli 2009 erhobene allgemeine Vorwurf, das BFM setze mit der  angefochtenen  Verfügung  ein  falsches  Signal,  zu  kurz.  Wie  die  nachfolgenden  Ausführungen  aufzeigen,  erweist  sich  besagter  Einwand  im konkreten Fall auch als unbegründet. 7.  7.1. Der Beschwerdeführer reiste im September 2003 als Asylbewerber in  die Schweiz ein. Sein Asylgesuch vom 29. September 2003 wurde vom  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom  30. Mai  2008  letztinstanzlich  abgewiesen. Von den zuständigen Behörden war ihm die Anwesenheit in  der Schweiz bis zum Abschluss des ordentlichen Asylverfahrens gestattet  worden (vgl. Zwischenverfügung der ARK vom 7. September 2005). Das  BFM setzte dem Beschwerdeführer daraufhin eine Ausreisefrist bis zum  3. Juli 2008. Ebenfalls an die Gesamtdauer des Aufenthalts angerechnet  werden  kann  die  Anwesenheit  des  Beschwerdeführers  im  vorliegenden  Verfahren (ab 27. Oktober 2008 bis heute). Anders verhält es sich mit der  Zeitspanne  zwischen  Ablauf  der  Ausreisefrist  nach  Abschluss  des  Asylverfahrens und Einleitung des Härtefallverfahrens durch den Kanton,  war der Aufenthalt  des Betroffenen  in  jener Periode  (ausser  vom 4. Juli  2008  bis  10. Juli  2008  sowie  vom  28. August  2008  bis  1. September  2008)  doch  nicht  mehr  geregelt.  Im  Gegenteil  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  ihn  in  einem  vom  Parteivertreter  angestrengten  Wiedererwägungsverfahren  mit  Zwischenverfügung  vom  1. September 2008 damals ausdrücklich angewiesen,  den Ausgang des  Verfahrens  im Ausland abzuwarten  (vgl. Sachverhalt Bst. B vorstehend;  zur  Problematik  solcher  Aufenthalte  siehe  ferner  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­8270/2008  vom  10. Mai  2010  E.  5.4  mit  Hinweisen).  Für  den  Ausgang  dieses  Verfahrens  sind  diese  knapp  vier  Monate  allerdings  kaum  von  Belang.  Insgesamt  ist  somit  von  einer  Aufenthaltsdauer von etwas mehr als siebeneinhalb Jahren auszugehen. 7.2. Laut einem Urteil des Bundesgerichts  ist bei einem Asylsuchenden,  der  sich  seit  zehn  Jahren  in  der  Schweiz  aufhält,  in  der  Regel  vom  Vorliegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles auszugehen, 

C­4655/2009 sofern er  finanziell unabhängig, sozial und beruflich gut  integriert  ist und  sich  bis  dahin  klaglos  verhalten  hat.  Im  Weiteren  darf  die  Dauer  des  Aufenthalts  nicht  absichtlich  durch  das  missbräuchliche  Ergreifen  von  Rechtsmitteln zum Zwecke der Verzögerung verlängert worden sein (vgl.  BGE  124  II  110  E.  3  S.  112  f.).  Was  die  Aufenthaltsdauer  des  Beschwerdeführers anbelangt,  so  ist  sie von daher nicht als derart  lang  einzuschätzen,  dass  ohne  Vorliegen  besonderer  Umstände  auf  einen  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefall  geschlossen  werden  könnte.  Hingegen stellt sich die Frage, ob sich aus den sonstigen Umständen des  Aufenthalts und Verhaltens des Beschwerdeführers eine schwerwiegende  persönliche Notlage ableiten lässt. 7.3. Der Rechtsvertreter  führt  in dieser Hinsicht aus, die  Integration des  unbescholtenen  Beschwerdeführers  schreite  voran.  Dieser  gehe  regelmässig  einer  Erwerbstätigkeit  nach,  sei  wirtschaftlich  selbständig  und besuche systematisch Deutschkurse. Zahlreiche Referenzschreiben  von  Freunden,  Bekannten,  Arbeitgebern  und  Nachbarn  zeugten  von  seinem  angenehmen  Wesen  und  dessen  guter  sozialer  Integration.  Hierzu wäre vorweg anzumerken, dass aus den kantonalen Akten weder  hervorgeht,  dass  der  Kanton  Solothurn  von  der  überdurchschnittlichen  Integration des Betroffenen überzeugt war noch dass er die klare Ansicht  vertrat,  es  liege  ein  schwerwiegenden  persönlicher  Härtefall  vor.  Die  beiden  Berichte  zu  den  Heimreisegesprächen  vom  30. Juni  2008  und  15. September 2008 sprechen für sich. Ausschlaggebend für die spätere  Antragstellung durch den Kanton waren  laut Schreiben der  zuständigen  Migrationsbehörde  vom  27. Oktober  2008  an  den  Rechtsvertreter  vielmehr  das  zwischenzeitlich  erfüllte  zeitliche  Kriterium  (Art. 14  Abs.  2  Bst. a AsylG) und die Äusserung des Beschwerdeführers, in der Schweiz  bleiben zu wollen. Ebenfalls kein Argument zu seinen Gunsten stellt der  Umstand  dar,  dass  er  beim  Kanton  kein  Härtefallgesuch  gestellt  hat,  kommt  ihm  im  Bewilligungsverfahren  nach  Art. 14  Abs.  2  AsylG  doch  ohnehin  erst  im  Zustimmungsverfahren  vor  dem  Bundesamt  Parteistellung  zu  (Art. 14  Abs.  4  AsylG;  siehe  dazu  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7265/2007  vom  24. März  2010  E.  3.3).  Abgesehen  davon  hat  er  die  Frage  einer  Härtefallbewilligung  bereits  anlässlich der Heimreisegespräche thematisiert. 7.4. Der Beschwerdeführer hat sich bis auf die hier eher als unbedeutend  zu  taxierende  Missachtung  der  Ausreisefrist  nach  Abschluss  des  Asylverfahrens  klaglos  verhalten  und  er  geniesst  einen  unbescholtenen  Leumund. Was die sprachliche Integration anbelangt, so tat er sich damit 

C­4655/2009 anfänglich allerdings schwer. Wohl scheint er sich im Jahre 2004 mit drei  Kursen  um  das  Erlernen  der  deutschen  Sprache  bemüht  zu  haben.  Zu  den  beiden  Heimreisegesprächen  im  Sommer  2008  erschien  er  jedoch  jeweils  in  Begleitung  eines  Dolmetschers.  In  der  Wahrnehmung  der  Verfasserin  der  entsprechenden  Berichte  verstand  und  sprach  der  Beschwerdeführer  damals  nicht  gut  Hochdeutsch  (Bericht  vom  30. Juni  2008)  bzw.  verstand  und  sprach  er  wenig  Hochdeutsch  (Bericht  vom  15. September 2008). In der Überweisung des Kantons vom 27. Oktober  2008 an das BFM ist davon die Rede, dass er einigermassen gut Deutsch  spreche.  Danach  unternahm  der  Beschwerdeführer  diesbezüglich  vermehrt Anstrengungen. Dank Deutschkursen im Herbst 2009 sowie das  ganze Jahr 2010 hindurch hat er inzwischen das Referenzniveau A2 des  Europäischen  Sprachenportfolios  erreicht.  Ungeachtet  besagter  Entwicklung  lässt  sich  noch  nicht  sagen,  dass  seine  Bemühungen  in  dieser  Richtung  zu  einer  über  das  übliche  Mass  hinausgehenden  Integration geführt hätten. 7.5.  Nicht  anders  verhält  es  sich  mit  der  beruflichen  Integration.  Der  Beschwerdeführer  ist  seit  Januar  2005  (ausser  einer  kurzen  Lücke  im  Sommer  2008)  praktisch  ununterbrochen  einer  Erwerbstätigkeit  nachgegangen und seither nicht mehr von Sozialhilfe abhängig. Bis und  mit März 2009 war er als Küchenhilfe und Pizzaiolo in einem Restaurant  in A._______ angestellt, nun arbeitet er als Pizzaiolo  für die "Z._______  GmbH" in B._______ und verdient monatlich zwischen Fr. 2'400.­ und Fr.  2'900.­.  Aus  der  Arbeitsbestätigung  vom  19. Mai  2009  (erster  Arbeitgeber)  und  dem  Zwischenzeugnis  vom  29. August  2010  (zweiter  Arbeitgeber)  geht  hervor,  dass  er  zuverlässig,  speditiv,  selbständig,  konstruktiv und engagiert arbeite. Zudem wird sein Verhalten gegenüber  Vorgesetzten,  Mitarbeitenden  und  Kunden  als  stets  freundlich,  zuvorkommend  und  korrekt  bzw.  vorbildlich  beschrieben.  Von  einer  aussergewöhnlichen  beruflichen  Integration  –  die  über  diejenige  einer  Vielzahl  seit mehreren  Jahren  in  der  Schweiz  lebender  Ausländerinnen  und Ausländer hinausgeht – kann aber  trotz der guten Arbeitszeugnisse  und  der  mit  der  Vollzeitbeschäftigung  verbundenen  finanziellen  Unabhängigkeit  nicht  ausgegangen  werden.  So  hat  der  Beschwerdeführer  während  der  Zeit  seiner  beruflichen  Tätigkeit  weder  Fach­  oder  Spezialkenntnisse  erworben  noch  sich  sonst  weitergebildet.  Er  hat mithin  keine  beachtenswerte  berufliche Entwicklung  durchlaufen,  die  im  Vergleich  mit  derjenigen  von  anderen  in  der  Schweiz  lebenden  ausländischen  Personen  in  seiner  Lage  als  überdurchschnittlich  bezeichnet werden könnte. Um die  Integration  in beruflicher Hinsicht als 

C­4655/2009 überdurchschnittlich  zu  bezeichnen,  dürfen  ungeachtet  des  Bildungsstandes gewisse Anstrengungen  im Berufsleben  (z.B. Aus­ und  Weiterbildung)  durchaus  erwartet  werden  (so  etwa  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­1207/2009 vom 6. Januar 2011 E. 6.6.1). 7.6.  Auch  daneben  hat  der  Beschwerdeführer  Anstrengungen  unternommen, um  in seinem sozialen Umfeld akzeptiert  zu werden. Die  für  ihn  zu  den  Akten  gereichten  Unterstützungs­  und  Empfehlungsschreiben  von  Privatpersonen  zeigen  zwar  ein  gewisses  Beziehungsnetz des Beschwerdeführers zur Schweiz auf,  lassen  jedoch  nicht  auf  enge  persönliche  und  affektive  Beziehungen  schliessen.  Sie  beinhalten  damit  keine  hinreichenden  Nachweise  für  eine  aussergewöhnliche  soziale  Integration,  welche  über  die  während  des  mehrjährigen Aufenthalts geknüpften beruflichen,  freundschaftlichen und  nachbarschaftlichen Beziehungen hinaus gehen würde. Für die Annahme  eines  persönlichen  Härtefalles  genügt  es  denn  nicht,  wenn  solche  Beziehungen aufgegeben werden müssen (vgl. BVGE 2009/40 E. 6.2 mit  Hinweis). 7.7. Zu prüfen gilt es schliesslich, wie es sich mit dem vom Parteivertreter  hervorgehobenen  Aspekt  der  Wiedereingliederung  im  Herkunftsstaat  (Art. 31  Abs.  1  Bst.  g  VZAE)  verhält.  Der  alleinstehende  Beschwerdeführer,  der  hierzulande  ausser  einer  Schwester  keine  Familienangehörigen hat,  ist  im Alter vom 26 Jahren aus  Istanbul  in die  Schweiz gelangt. Er hat somit den grössten Teil seines Lebens, welcher  für  die  Persönlichkeitsbildung  und  die  Sozialisierung  wichtige  Phasen  umfasst,  in  der  Türkei  verbracht.  Zudem  verfügt  er  über  ein  familiäres  Beziehungsnetz  (gemäss  den  Asylakten  und  dem  Bericht  über  das  Heimreisegespräch vom 30. Juni 2008 die Mutter, eine Schwester,  zwei  Brüder), das ihm dort in sozialer Hinsicht einen gewissen Rückhalt geben  könnte.  Die  ersten  Berufserfahrungen  in  der  Türkei  und  die  jetzige  Erwerbstätigkeit  dürften  ihm  bei  der  Wiedereingliederung  auch  in  wirtschaftlicher  Hinsicht  zum  Vorteil  gereichen.  Dass  dem  Beschwerdeführer politische Verfolgung drohen könnte, wurde bereits im  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. Mai 2008 betreffend Asyl  und  Wegweisung  verneint.  Die  Rückkehr  in  seinen  Herkunftsstaat  erscheint insofern nicht mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. 7.8. Die Möglichkeit  der Wiedereingliederung  des Beschwerdeführers  in  sein  Heimatland  wird  vom  Rechtsvertreter  hauptsächlich  wegen  des  psychischen Zustandes seines Mandanten in Frage gestellt.

C­4655/2009 7.8.1. Aus den Akten geht hervor, dass sich der Beschwerdeführer wegen  psychischer Probleme ab dem 23. Juli 2008 während rund zwei Wochen  in  der  Psychiatrie  des  Spitals  X._______  in  stationärer  Behandlung  befand.  Seither  wird  er  ambulant  betreut.  In  einem  Arztbericht  vom  30. Juli 2008 wurde eine mittelgradig depressive Episode bei andauernd  belastender  Lebenssituation  diagnostiziert.  Als  Ursachen  aufgeführt  wurden die drohende Ausschaffung und allgemeine Perspektivenlosigkeit  aufgrund  der  ungeklärten  Aufenthaltssituation.  Gegenüber  damals  hat  sich  die  gesundheitliche  Situation  gemäss  einem  Kurzbericht  der  Psychiatrischen  Dienste  Y._______  vom  13. Mai  2009  nicht  verändert  und  es  waren  keine  neuen  Erkenntnisse  zu  verzeichnen.  Hinzugekommen  ist  inzwischen  ein  Therapieverlaufsbericht  der  Psychiatrischen  Dienste  Y._______  vom  11. Januar  2011.  Demnach  präsentiert  sich  der  Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  bei  einer  relativen  Stabilität  gegenüber  den  früheren  Arztberichten  unverändert.  Er  erfülle  nach  wie  vor  die  Kriterien  für  eine  anhaltende,  aktuell  leichtgradige depressive Episode. Bei  dieser Sachlage erübrigen  sich zusätzliche Abklärungen. Dem Antrag auf Ansetzung einer Frist zur  Einreichung  eines  ausführlichen  psychiatrischen  Gutachtens  ist,  soweit  durch den eingereichten Therapieverlaufsbericht nicht hinfällig geworden,  demnach nicht stattzugeben. 7.8.2.  Psychische  Probleme  wurden  erstmals  im  Wiedererwägungsgesuch  vom  5. August  2008  betreffend  Vollzug  der  Wegweisung  geltend  gemacht.  Zuvor  –  selbst  in  dem  gegen  das Urteil  des  Bundesverwaltungsgericht  vom  30. Mai  2008  gerichteten  Revisionsgesuch vom 3. Juli 2008 – war davon erstaunlicherweise nie die  Rede. Im fraglichen Wiedererwägungsverfahren legte der Rechtsvertreter  auch  den  ersten,  vom  30. Juli  2008  datierenden Arztbericht,  vor.  Damit  hat  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  im  entsprechenden  Rechtsmittelverfahren  (Geschäfts­Nr.  D­5508/2008)  mit  Zwischenverfügung  vom  1. September  2008  eingehender  auseinandergesetzt und befunden, der Wegweisungsvollzug werde nicht  ausgesetzt und der Beschwerdeführer habe den Ausgang des Verfahrens  im  Ausland  abzuwarten.  Zu  einer  abschliessenden  materiellen  Beurteilung  kam  es,  weil  der  verlangte  Kostenvorschuss  nicht  geleistet  worden  war,  nicht.  In  der  Zwischenzeit  hat  sich  der  gesundheitliche  Zustand  eher  leicht  verbessert  (vgl.  Therapieverlaufsbericht  vom  11. Januar  2011).  Als  Quintessenz  ergibt  sich  aus  den  fraglichen  medizinischen  Unterlagen,  dass  der  Beschwerdeführer  an  leicht­  bis  mittelgradig  depressiven  Störungen  leidet,  die  regelmässiger 

C­4655/2009 fachärztlicher  Betreuung  und  medikamentöser  Behandlung  bedürfen.  Weitergehende Schlussfolgerungen lassen die drei vorhandenen Berichte  der Psychiatrischen Dienste X._______  bzw. Y._______  nicht  zu. Nicht  bestätigt  hat  sich  aufgrund  dieser  ärztlichen Angaben  insbesondere  die  wiederholt  geäusserte  Vermutung  des  Parteivertreters,  die  psychische  Erkrankung  sei  auf  die  (beengten)  familiären  und  gesellschaftlichen  Umstände  im Heimatland zurückzuführen. Auch  in den Asylakten  finden  sich keinerlei Anhaltspunkte für eine derartige Annahme. Von daher steht  einer  Rückkehr  in  das  ursprüngliche  Umfeld  nichts  entgegen.  Dass  die  notwendige  medizinische  Versorgung  und  Betreuung  in  der  Türkei  gewährleistet und im konkreten Fall auch erhältlich wäre, wird ansonsten  nicht bestritten. In Istanbul, wo der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise  zuletzt einige Jahre gelebt hat, kommt die medizinische Versorgung denn  dem Standard westeuropäischer Länder nahe  (vgl.  beispielsweise Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts C­635/2006 vom 23. November 2009 E.  7.3 mit Hinweis). Vom Beschwerdeführer kann mithin auch unter diesem  Blickwinkel verlangt werden, in den Herkunftsstaat zurückzukehren. 7.8.3. Die  beim  Beschwerdeführer  festgestellten  Symptome  stehen  wie  eben  dargelegt  im  Zusammenhang  mit  der  drohenden  Rückführung  in  sein  Heimatland.  Psychische  Störungen  und  daraus  resultierende  Beeinträchtigungen, welche  ihre Ursache nicht  in den Verhältnissen des  Ziellandes  sondern  im  Vorgang  des Wegweisungsvollzugs  als  solchem  haben,  vermögen  Letzteren  grundsätzlich  nicht  in  Frage  zu  stellen  (vgl.  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­2637/2007 vom 12. Mai 2009 E.  7.3 mit Hinweisen). Dazu zählen unter anderem Depressionen (mit oder  ohne Suizidgedanken) als Folge des durch die Wegweisung verursachten  Verlusts von Lebensperspektiven in der Schweiz. Der vollziehende Staat  hat  solchen  Umständen  gegebenenfalls  durch  entsprechende  Ausgestaltung  der  Vollzugsmodalitäten  –  wie  beispielsweise  einer  adäquaten  medizinischen  Betreuung  im  Rahmen  der  Rückführung –  Rechnung  zu  tragen  (siehe  die  dem  Parteivertreter  bekannte  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  1. September  2008  im  Verfahren  D­5508/2008  mit  Hinweisen).  Konkrete  Suizidgedanken  werden  im  Arztbericht  vom  30. Juli  2008  verneint.  Neuere  Erkenntnisse  hierzu  gibt  es  nicht,  sondern  es  wird  seitens  der  behandelnden Ärzte stets auf den ersten ärztlichen Bericht verwiesen. Zu  ergänzen  wäre  an  dieser  Stelle,  dass  der  Beschwerdeführer  zum  Zeitpunkt  der  beiden  Heimreisegespräche  im  Sommer  2008  unter  gewissen Voraussetzungen (wenn er keine Aufenthaltsbewilligung kriege)  bereit  gewesen  wäre,  freiwillig  auszureisen.  Davon  nahm  er  nach  dem 

C­4655/2009 Entscheid  der  kantonalen  Migrationsbehörde,  beim  BFM  ein  Härtefallgesuch  zu  stellen,  Abstand.  Alles  in  allem  lassen  die  gesundheitlichen  Indikationen  eine  Wiedereingliederung  in  der  Türkei  also nicht als besondere Härte erscheinen. 7.9.  Schliesslich  beklagt  der  Rechtsvertreter  eine  Ungleichbehandlung,  weil  das BFM die Zustimmung  in ähnlich gelagerten Fällen erteilt  habe.  Die  Chancen  auf  Zustimmung  hingen  mitunter  davon  ab,  in  welcher  Sektion  ein  solcher  vorinstanzlicher  Entscheid  gefällt  werde.  Die  rechtsanwendenden  Behörden  sind  gestützt  auf  Art. 8  Abs.  1  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  (BV,  SR  101)  gehalten,  gleiche  Sachverhalte  mit  gleichen  relevanten  Tatsachen  auch  gleich  zu  behandeln  (zum  Gleichbehandlungsgebot  vgl.  RAINER  J.  SCHWEIZER,  in:  Bernhard  Ehrenzeller/Philippe Mastronardi/Rainer J. Schweizer/Klaus A. Vallender,  Die  schweizerische  Bundesverfassung,  Zürich  2002,  N.  42  zu  Art.  8;  ferner BGE 129 I 346 E. 6 S. 357, BGE 129 I 113 E. 5.1 S. 125 f., BGE  123 I 1 E. 6a S. 7 oder BGE 117 Ia 257 E. 3b S. 259). Eine vergleichende  Beurteilung  ist  hier  allerdings  nur  schon  deshalb  nicht  möglich,  da  der  Parteivertreter die Verhältnisse  in den angeführten Vergleichsfällen nicht  im  dazu  erforderlichen  Mass  spezifiziert  hat.  Die  Rüge  der  Ungleichbehandlung  kann  daher  nicht  auf  ihre  Erheblichkeit  geprüft  werden. Dass es bei der Umsetzung der Zulassungspraxis zu Art. 14 Abs. 2 AsylG  zu Ungleichbehandlungen kommen kann, soll  im Übrigen keineswegs  in  Abrede gestellt werden. Nur schon das Risiko, dass die Kantone bei der  Übermittlung  der  Härtefallgesuche  unterschiedliche  Massstäbe  anwenden,  garantiert  keine  absolute  Gleichbehandlung.  Allerdings  besteht  laut  Lehre  und  Rechtsprechung  kein  Anspruch  auf  Gleichbehandlung  im  Unrecht.  Vielmehr  geht  der  Grundsatz  der  Gesetzmässigkeit  der  Verwaltung  dem  Rechtsgleichheitsprinzip  in  der  Regel vor. Wendet eine Behörde das Gesetz  in einem Fall nicht korrekt  an,  gibt  das  den  Privaten,  die  sich  in  der  gleichen  Lage  befinden,  grundsätzlich  keinen  Anspruch  darauf,  ebenfalls  abweichend  von  der  Norm  behandelt  zu  werden.  Anders  verhält  es  sich,  wenn  die  abweichende  Behandlung  nicht  bloss  in  einigen  wenigen  Fällen  geschieht, sondern eine eigentliche gesetzeswidrige Praxis besteht (zum  Ganzen vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6.  vollständig  überarbeitete  Aufl.,  Zürich/St.  Gallen  2010, Rz. 518). Anhaltspunkte  für eine solche Konstellation  liegen nicht 

C­4655/2009 vor,  orientiert  sich  das  BFM  doch  im  Wesentlichen  an  der  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  zum  Härtefallbegriff  und  (seit  1. Januar  2007)  derjenigen  des  Bundesverwaltungsgerichts  zu  Art.  14  Abs.  2  AsylG.  Ungleichheiten  zwischen  einzelnen  Sektionen  der  Vorinstanz  werden  überdies  von  der  zuständigen  Rechtsmittelinstanz  korrigiert  oder  zumindest  angeglichen.  Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es  sich, vom BFM verfügungsweise zu verlangen, seine Praxis im Sinne des  Rechtsvertreters zu dokumentieren. 8.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  zum  Schluss,  dass  beim  Beschwerdeführer  trotz  gewisser  Integrationsleistungen  kein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall vorliegt, wenn er die Schweiz verlassen muss. Zu Recht hat die  Vorinstanz daher im vorliegenden Fall die Zustimmung zur Erteilung einer  Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG verweigert. 9.  Aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  rechtmässig  ist  (Art. 49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  demzufolge abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv Seite 21

C­4655/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 800.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie werden mit  dem am 7. September  2009  in  gleicher Höhe  geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] und ZEMIS […] retour) – das  Amt  für  Migration  und  Schweizer  Ausweise  des  Kantons  Solothurn mit den Akten Ref­Nr. […] (in Kopie) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Antonio Imoberdorf Daniel Grimm Versand:

C-4655/2009 — Bundesverwaltungsgericht 05.10.2011 C-4655/2009 — Swissrulings