Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 21.02.2012 C-3990/2009

21 février 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,544 mots·~13 min·4

Résumé

Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung | Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­3990/2009 Urteil   v om   2 1 .   Februar   2012 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Jean­Daniel Dubey, Richterin Elena Avenati­Carpani,    Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer. Parteien A._______, vertreten durch Marc Spescha, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung.

C­3990/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  (geb.  1966  im  Kosovo)  reiste  erstmals  am  4. Oktober  1995  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  ein  Asylgesuch  stellte.  Per  23. April 1996 wurde er als verschwunden gemeldet. Auf das Asylgesuch  wurde am 14. Juni 1996 nicht eingetreten. Am  5. März  1998  ersuchte  der  Beschwerdeführer  erneut  um  Asyl.  Auf  dieses  Gesuch  wurde  am  1. Juli  1998  ebenfalls  nicht  eingetreten  und  dem Beschwerdeführer Frist bis zum 31. Juli 1998 zur Ausreise gesetzt.  Am  6. Juli  1999  schliesslich  wurde  der  Beschwerdeführer  gestützt  auf  den Beschluss  des Bundesrates  vom 7. April  1999  betreffend  kollektive  vorläufige  Aufnahme  von  jugoslawischen  Staatsangehörigen  vorläufig  aufgenommen. Die  vorläufige  Aufnahme  wurde  durch  den  Beschluss  des  Bundesrates  vom 11. August 1999 aufgehoben und eine Ausreisefrist bis zum 31. Mai  2000 festgesetzt.  B.  Am  12. November  1999  meldeten  der  Beschwerdeführer  und  die  Schweizer  Bürgerin  B._______  (geb.  1939)  ihr  Eheversprechen  an;  am  7. Januar  2000  wurde  die  Ehe  geschlossen.  In  der  Folge  wurde  dem  Beschwerdeführer eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. C.  Gestützt auf diese Ehe stellte der Beschwerdeführer am 3. Juni 2003 ein  Gesuch  um  erleichterte  Einbürgerung  gemäss  Art.  27  des  Bürgerrechtsgesetzes  vom  29. September  1952  (BüG,  SR  141.0).  Im  Rahmen  des  Einbürgerungsverfahrens  unterzeichneten  er  und  seine  Ehefrau am 19. August 2004 eine gemeinsame Erklärung, wonach sie in  einer  tatsächlichen,  ungetrennten,  stabilen  ehelichen  Gemeinschaft  an  derselben  Adresse  zusammenlebten  und  dass  weder  Trennungs­  noch  Scheidungsabsichten  beständen.  Gleichzeitig  nahmen  sie  unterschriftliche  zur  Kenntnis,  dass  die  erleichterte  Einbürgerung  nicht  möglich sei, wenn vor oder während des Einbürgerungsverfahrens einer  der Ehegatten die Trennung oder Scheidung beantragt habe oder keine  tatsächliche  eheliche  Gemeinschaft  mehr  bestehe.  Ebenso  bestätigten  sie  ihre  Kenntnisnahme  davon,  dass  die  Verheimlichung  solcher  Umstände  gemäss  Art.  41  BüG  zur  Nichtigerklärung  der  Einbürgerung  führen  könne.  Am  16. September  2004  wurde  der  Beschwerdeführer 

C­3990/2009 gestützt  auf  Art.  27  BüG  erleichtert  eingebürgert.  Er  erwarb  dadurch  neben dem Schweizer Bürgerrecht das Bürgerrecht des Kantons Zürich  und das Gemeindebürgerrecht von Erlenbach. D.  Am  28. Oktober  2004  beantragte  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  Eheschutzmassnahmen. Am 8. Dezember 2004 schlossen die Ehegatten  einen  Vergleich  in  Bezug  auf  die  finanziellen  Verpflichtungen  des  Beschwerdeführers  gegenüber  seiner  Ehefrau  sowie  seine  Pflicht,  Auskunft  über  seine  finanziellen  Verhältnisse  zu  geben.  Die  weitergehenden  Anträge  –  namentlich  denjenigen  auf  Bewilligung  des  Getrenntlebens – zog die Ehefrau zurück. Daraufhin wurde das Verfahren  am 19. Januar 2005 als durch Vergleich erledigt abgeschrieben.  Am  28. Juni  2005  wandte  sich  die  Ehefrau  erneut  ans  Zivilgericht  und  erklärte,  seit  der  Verfügung  vom  Januar  sei  die  eheliche  Situation  eskaliert. Mit diesem Schreiben reichte sie u.a. ein am 16. Juni 2005 von  den Ehegatten  unterzeichnetes  gemeinsames Scheidungsbegehren  ein.  Am 18. November  2005 wurde  die Ehe  geschieden;  das Urteil  erwuchs  am 6. Dezember 2005 in Rechtskraft. E.  Mit  Schreiben  vom  15. Dezember  2005  informierte  die  Wohngemeinde  das BFM über die Scheidung des Beschwerdeführers. Aufgrund dessen  eröffnete  die  Vorinstanz  am  1. November  2006  ein  Verfahren  zur  Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung gemäss Art. 41 BüG.  Im  Verlaufe  dieses  Verfahrens  erhielt  der  Beschwerdeführer  zweimal  Gelegenheit,  sich  zu  äussern.  Auch  die  Ex­Ehefrau  äusserte  sich  zweimal: das erste Mal unaufgefordert, das zweite Mal auf eine Anfrage  der Vorinstanz hin. F.  Die  Vorinstanz  erklärte  die  erleichterte  Einbürgerung  des  Beschwerdeführers mit Verfügung vom 19. Mai 2009 gestützt auf Art. 41  BüG  für  nichtig.  Sie  hielt  zunächst  fest,  dass  der  zeitliche  Ablauf  ohne  Weiteres zur tatsächlichen Vermutung im Sinne der Rechtsprechung des  Bundesgerichts  führe,  die  Ehegatten  hätten  bereits  im  Zeitpunkt  der  erleichterten Einbürgerung nicht mehr in stabilen ehelichen Verhältnissen  gelebt.  Zudem  würden  die  Umstände,  die  zur  Eheschliessung  geführt  hätten,  den  Verdacht  wecken,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  von  zweckfremden  Motiven,  namentlich  der  Aufenthaltssicherung  und  der 

C­3990/2009 Möglichkeit der erleichterten Einbürgerung leiten lassen. Sodann kam die  Vorinstanz nach ausführlicher Prüfung des Sachverhalts zum Schluss, es  sei  dem Beschwerdeführer  nicht  gelungen,  nachvollziehbar  zu  erklären,  wie  die  Ehe  innerhalb  weniger  Wochen  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  zerbrechen  konnte.  Aus  den  Akten  des  Zivilgerichts  X._______  gehe  vielmehr  hervor,  dass  die  Ehe  schon  seit  Jahren  belastet  gewesen  sei.  Diese  Belastung  sei  offenbar  zum  Zeitpunkt  der  erleichterten Einbürgerung  schon  so weit  fortgeschritten  gewesen,  dass  die  Ehe  innert  weniger Wochen  zerbrochen  sei.  Mit  der  vorbehaltlosen  Unterzeichnung  der  Erklärung  betreffend  ehelicher  Gemeinschaft  habe  der  Beschwerdeführer  bei  der  Einbürgerungsbehörde  einen  falschen  Eindruck  erweckt,  so  dass  die  materielle  Voraussetzung  für  die  Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung erfüllt sei. G.  Gegen  diese  Verfügung  liess  der  Beschwerdeführer  am  19. Juni  2009  Beschwerde  führen. Der Rechtsvertreter  beantragt  die Gutheissung  der  Beschwerde und die Aufhebung der Verfügung.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  er  um  unentgeltliche  Prozessführung  und  seine  Einsetzung als unentgeltlicher Rechtsbeistand. In  der Begründung wird  ausgeführt,  die Ehe  sei  im Zusammenhang mit  der  finanziellen  Situation  nicht  konfliktfrei  gewesen,  dies  mache  sie  jedoch nicht zu einer instabilen Ehe. Dass die Ehe zu den massgeblichen  Zeitpunkten tatsächlich als intakt gelten könne, würden die zahlreichen im  Rahmen  des Einbürgerungsverfahrens  eingereichten Referenzschreiben  belegen.  Dies  werde  auch  durch  das  der  Beschwerdeschrift  beigelegte  Schreiben  des  Gemeindeschreibers  der  Wohnsitzgemeinde  bestätigt.  Indem  sich  die  Vorinstanz  ohne  plausible  Argumente  über  die  Erklärungen  der Gemeindebehörden  hinweggesetzt  habe,  habe  sie  den  Sachverhalt  willkürlich  gewürdigt.  Dies  gelte  auch  in  Bezug  auf  die  Würdigung  der  Alkoholkrankheit  der  Ehefrau.  Dass  die  Krankheit  nicht  früher  zur  Sprache  gekommen  sei,  sei  angesichts  der  empfundenen  Scham und der Beistandspflicht des Beschwerdeführers nachvollziehbar.  Er  habe gelernt, mit  der Krankheit  zu  leben,  sie wäre  für  ihn  auch  kein  Scheidungsgrund  gewesen.  Erst  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  hätten die bei der Ehefrau durch die Krankheit ausgelösten sprunghaften  und  irritierenden  Reaktionen  ein  Ausmass  angenommen,  das  ehegefährdend  gewesen  sei  und  schliesslich  zur  Auflösung  der  Ehe  geführt  habe.  Dass  bei  beiden  Ehegatten  auch  nach  dem  Eheschutzverfahren der Bindungswille weiterhin bestanden habe, werde 

C­3990/2009 durch  den Umstand  belegt,  dass  die  beiden  sogar  nach  der Scheidung  während  fünf  Monaten  im  Konkubinat  zusammengelebt  hätten.  Die  Beziehung  sei  somit  erst  nach  Auflösung  des  nachehelichen  Konkubinats,  d.h.  Ende  2006,  definitiv  zerrüttet  gewesen.  Dieser  Beziehungsverlauf  widerlege  die  Annahme  der  Vorinstanz,  es  habe  bei  der Einbürgerung kein zukunftsgerichteter Ehewille mehr bestanden. Der  Alkoholismus der Ehefrau habe im massgeblichen Zeitpunkt die Ehe nicht  stark gefährdet und den Ehewillen des Beschwerdeführers nicht in Frage  gestellt. Dies gelte auch in Bezug auf die zeitweilige finanzielle Belastung  der  Eheleute.  Hätte  der  Beschwerdeführer  die  Alkoholprobleme  seiner  Ehefrau offen gelegt, hätte er die eheliche Beistandspflicht verletzt. H.  Die Vorinstanz  beantragt mit  Vernehmlassung  vom  11. November  2009  die Abweisung  der Beschwerde. Die Umstände  der Eheschliessung mit  einer um 27 Jahre älteren Schweizerin sowie die Familienverhältnisse im  Kosovo deuteten darauf hin, dass der Beschwerdeführer während seiner  Ehe  in  der  Schweiz  im  Kosovo  eine  Parallelfamilie  unterhalten  habe.  Wenn der Beschwerdeführer  geltend mache,  die Alkoholerkrankung der  Ehefrau sei ursächlich für das Scheitern der ehelichen Gemeinschaft, und  als  Beweis  für  die  Krankheit  einen  Autounfall  unter  Alkoholeinfluss  im  September  2003  anführe,  so  sei  festzustellen,  dass  sich  der  Unfall  ein  Jahr  vor  der  erleichterten  Einbürgerung  ereignet  habe,  die  Alkoholerkrankung somit bereits zu diesem Zeitpunkt akut gewesen sei.  Es  sei  deshalb  nicht  nachvollziehbar  und  lebensfremd,  dass  die  Ehegatten  zum  Zeitpunkt  der  erleichterten  Einbürgerung  in  stabilen  ehelichen  Verhältnissen  gelebt  haben  sollen.  Ob  die  Verschlechterung  der Beziehung Folge der Krankheit der Ehefrau oder der Streitigkeiten in  finanziellen  Angelegenheiten  gewesen  sei,  könne  daher  offen  bleiben.  Der Beschwerdeführer bringe  jedenfalls keine Gründe vor, die erst nach  der erleichterten Einbürgerung für ihn unvorhersehbar und überraschend  eingetreten seien. I.  In  seiner  Stellungnahme  vom  14. Dezember  2009  bestreitet  der  Beschwerdeführer  zunächst,  dass  er  eine  Parallelfamilie  unterhalten  habe.  Die  Schlussfolgerung  der  Vorinstanz  sei  auf  ein  offensichtliches  Versehen  in  der  Geburtsurkunde  des  Sohnes  zurückzuführen.  Sodann  bestreitet er, dass der Ereignisablauf zur tatsächlichen Vermutung führe,  wonach die eheliche Gemeinschaft bereits  im Zeitpunkt der erleichterten  Einbürgerung  nicht  mehr  stabil  gewesen  sei.  Die  Alkoholkrankheit  der 

C­3990/2009 Ehefrau habe die Beziehung  lange Zeit nicht nennenswert belastet; erst  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  habe  die  Ehefrau  sprunghafte  Verhaltensweisen  gezeigt,  wodurch  die  Ehe  belastet  worden  sei.  Widerlegt werde die Auffassung der Vorinstanz durch die Tatsache, dass  der  Beschwerdeführer  und  seine  Ex­Ehefrau  nach  der  Scheidung  von  August  bis  Dezember  2006  erneut  zusammengelebt  hätten. Weder  die  Alkoholprobleme  der  Ehefrau  noch  die  finanziell  bedingten  Probleme  hätten  die  Ehe  vor  dem  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  im  Oktober  2004  im  Kosovo  offensichtlich  bedroht;  sie  seien  daher  nicht  voraussehbar  gewesen.  Die  Pflicht,  der  Vorinstanz  Sachumstände  offenzulegen,  die  für  die  Beurteilung  des  Einbürgerungsgesuches  von  Bedeutung  sind,  finde  überdies  dort  ihre  Grenze,  wo  ein  Gesuchsteller  die  eheliche  Beistandspflicht  und  die  verfassungsmässig  geschützte  Privatsphäre des Ehepartners verletzen müsste. J.  Mit Verfügung vom 15. Januar 2010 hiess das Bundesverwaltungsgericht  (BVGer) das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gut und setzte den  Rechtsvertreter als amtlichen Anwalt ein. K.  Auf  den weiteren Akteninhalt wird  –  soweit  entscheiderheblich  –  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  BVGer  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen  des  BFM  betreffend die Nichtigerklärung einer erleichterten Einbürgerung (vgl. Art.  51 BüG). 1.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  BVGer  nach  dem  Verwaltungsverfahrensgesetz (Art. 37 VGG).

C­3990/2009 1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  im Übrigen  frist­  und  formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50–52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  BVGer  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die Unangemessenheit  gerügt werden  (Art.  49  VwVG).  Das  BVGer  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht von Amtes wegen an. Es  ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts­ und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BVGE  2011/1  E. 2,  BVGE 2007/41 E. 2 und Urteil  des BVGer A­2682/2007 vom 7. Oktober  2010 E. 1.2. und 1.3). 3.  3.1. Gemäss Art. 27 Abs. 1 BüG kann eine ausländische Person nach der  Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um erleichterte  Einbürgerung  stellen,  wenn  sie  insgesamt  fünf  Jahre  in  der  Schweiz  gewohnt  hat  (Bst.  a),  seit  einem  Jahr  hier  wohnt  (Bst.  b)  und  seit  drei  Jahren  in  ehelicher  Gemeinschaft  mit  einem  Schweizer  Bürger  lebt  (Bst. c).  Die  Einbürgerung  setzt  zudem  voraus,  dass  die  ausländische  Person  in  der  Schweiz  integriert  ist,  die  schweizerische Rechtsordnung  beachtet  und  die  innere  oder  äussere  Sicherheit  der  Schweiz  nicht  gefährdet  (vgl.  Art.  26  Abs.  1  BüG).  Sämtliche  Einbürgerungsvoraussetzungen  müssen  sowohl  im  Zeitpunkt  der  Gesuchseinreichung  als  auch  anlässlich  der  Einbürgerungsverfügung  erfüllt  sein.  Fehlt  es  im  Zeitpunkt  des  Einbürgerungsentscheids  an  der  ehelichen  Gemeinschaft,  darf  die  erleichterte  Einbürgerung  nicht  ausgesprochen werden (vgl. BGE 135 II 161 E. 2 mit Hinweisen). 3.2.  Der  Begriff  der  ehelichen  Gemeinschaft  im  Sinne  des  Bürgerrechtsgesetzes bedeutet mehr als nur das formelle Bestehen einer  Ehe.  Verlangt  wird  vielmehr  eine  tatsächliche  Lebensgemeinschaft,  getragen  vom  beidseitigen  Willen,  die  Ehe  auch  künftig  aufrechtzuerhalten  (vgl. BGE 130  II  482 E. 2, BGE 130  II  169 E. 2.3.1,  BGE  128  II  97 E.  3a,  BGE  121  II  49 E.  2b). Hintergrund  hierfür  ist  die 

C­3990/2009 Absicht  des  Gesetzgebers,  dem  ausländischen  Ehegatten  eines  Schweizer Bürgers die erleichterte Einbürgerung zu ermöglichen, um die  Einheit  des  Bürgerrechts  im  Hinblick  auf  ihre  gemeinsame  Zukunft  zu  fördern  (vgl. Botschaft zur Änderung des Bürgerrechtsgesetzes vom 27.  August 1987, BBl 1987 III 310). Ein Hinweis auf den fehlenden Willen der  Ehegatten,  die  eheliche  Gemeinschaft  aufrechtzuerhalten,  kann  im  Umstand liegen, dass kurze Zeit nach der erleichterten Einbürgerung die  Trennung erfolgt oder die Scheidung eingeleitet wird (vgl. BGE 135 II 161  E. 2 mit Hinweisen). 4.  4.1. Gemäss der hier anwendbaren, bis zum 28. Februar 2011 geltenden  Fassung  von  Art.  41  Abs.  1  BüG  (vgl.  AS  1952  1087)  kann  die  Einbürgerung vom BFM mit Zustimmung der Behörde des Heimatkantons  innerhalb von fünf Jahren nichtig erklärt werden, wenn sie durch falsche  Angaben oder Verheimlichung erheblicher Tatsachen erschlichen worden  ist. 4.2.  Die  formellen  Voraussetzungen  für  eine  Nichtigerklärung  sind  vorliegend  erfüllt:  Der  Kanton  Zürich  hat  am  11. Mai  2009  die  Zustimmung  zur  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung  erteilt  und  die  Nichtigerklärung  ist  von  der  zuständigen  Instanz  innerhalb  der  gesetzlichen Frist ergangen. 4.3. Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob die materiellen Voraussetzungen für  eine  Nichterklärung  gegeben  sind.  Das  blosse  Fehlen  einer  Einbürgerungsvoraussetzung  genügt  dabei  nicht.  Die  Nichtigerklärung  setzt  vielmehr  voraus,  dass  die  erleichterte  Einbürgerung  erschlichen,  das  heisst  mit  einem  unlauteren  und  täuschenden  Verhalten  erwirkt  worden  ist. Arglist  im Sinne des strafrechtlichen Betrugstatbestandes  ist  nicht  erforderlich.  Immerhin  ist  notwendig,  dass  die  betroffene  Person  bewusst  falsche Angaben macht bzw. die Behörde bewusst  in  falschem  Glauben  lässt  und  so  den  Vorwurf  auf  sich  zieht,  es  unterlassen  zu  haben,  die  Behörde  über  eine  erhebliche  Tatsache  zu  informieren  (vgl.  BGE 135  II  161 E.  2 mit Hinweis). Hat  die betroffene Person erklärt,  in  einer stabilen Ehe zu leben und weiss sie, dass die Voraussetzungen für  die erleichterte Einbürgerung auch  im Zeitpunkt der Verfügung vorliegen  müssen, so muss sie gestützt auf den Grundsatz von Treu und Glauben  sowie die Mitwirkungs­ bzw. Auskunftspflicht gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a  VwVG die Behörde unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung der  Verhältnisse  orientieren,  von  der  sie weiss  oder wissen muss,  dass  sie 

C­3990/2009 einer  Einbürgerung  entgegensteht.  Die  Behörde  darf  sich  ihrerseits  darauf  verlassen,  dass  die  vormals  erteilten  Auskünfte  bei  passivem  Verhalten  der  Person  nach  wie  vor  der  Wirklichkeit  entsprechen  (vgl.  BGE 132 II 113 E. 3.2). 5.  5.1. Das  Verfahren  zur  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung  richtet sich nach den Bestimmungen des Verwaltungsverfahrensgesetzes  (vgl. Art. 1 Abs. 1 und Abs. 2 Bst. a VwVG). Danach obliegt es gemäss  Art. 12  VwVG  der  Behörde,  den  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  abzuklären.  Sie  hat  zu  untersuchen,  ob  der  betroffenen  Person  die  Täuschung über  eine Einbürgerungsvoraussetzung  vorgeworfen werden  kann,  wozu  insbesondere  ein  beidseitig  intakter  und  gelebter  Ehewille  gehört.  Da  die  Nichtigerklärung  in  die  Rechte  der  betroffenen  Person  eingreift,  liegt die Beweislast  bei  der Behörde. Allerdings geht es  in der  Regel um innere, dem Kern der Privatsphäre zugehörende Sachverhalte,  die  der  Behörde  nicht  bekannt  und  einem  Beweis  naturgemäss  kaum  zugänglich  sind.  Sie  kann  sich  daher  veranlasst  sehen,  von  bekannten  Tatsachen  (Vermutungsbasis)  auf  unbekannte  (Vermutungsfolge)  zu  schliessen.  Solche  sogenannt  natürlichen  bzw.  tatsächlichen  Vermutungen  können  sich  in  allen  Bereichen  der  Rechtsanwendung  ergeben,  namentlich  auch  im  öffentlichen  Recht.  Es  handelt  sich  um  Wahrscheinlichkeitsfolgerungen,  die  auf  Grund  der  Lebenserfahrung  gezogen  werden.  Die  betroffene  Person  ist  verpflichtet,  bei  der  Sachverhaltsermittlung  mitzuwirken  (vgl.  BGE  135  II  161  E.  3  mit  Hinweisen).  5.2. Die  natürliche  Vermutung  gehört  zur  freien  Beweiswürdigung  (vgl.  Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947  über  den  Bundeszivilprozess  [BZP,  SR  273]).  Sie  stellt  eine  Beweislasterleichterung  dar,  indem  eine  bereits  vorhandene,  aber  nicht  mit  letzter  Schlüssigkeit  mögliche  Beweisführung  unterstützt  wird.  Eine  Umkehrung  der Beweislast  hat  sie  jedoch  nicht  zur  Folge. Wenn  daher  bestimmte Tatsachen – beispielsweise die Chronologie der Ereignisse –  die natürliche Vermutung begründen, dass die erleichterte Einbürgerung  erschlichen wurde, muss die betroffene Person nicht den Beweis für das  Gegenteil erbringen. Es genügt, wenn sie einen Grund anführt, der es als  wahrscheinlich  erscheinen  lässt,  dass  sie  die  Behörde  nicht  getäuscht  hat. Bei diesem Grund kann es sich um ein ausserordentliches Ereignis  handeln, das zum raschen Scheitern der Ehe führte, oder die betroffene  Person kann plausibel darlegen, weshalb sie die Schwere der ehelichen 

C­3990/2009 Probleme  nicht  erkannt  hat  und  den  wirklichen  Willen  hatte,  mit  dem  Schweizer  Ehepartner  auch  weiterhin  in  einer  stabilen  ehelichen  Gemeinschaft zu leben (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 mit Hinweisen). 6.  6.1.  Aus  den  Akten  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  der  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  und  der  Festsetzung  der  Ausreisefrist  am  7. Januar  2000  eine  um  27 Jahre  ältere  Schweizerin  heiratete.  Am  3. Juni  2003  stellte  er  das  Gesuch  um  erleichterte  Einbürgerung.  Im  Rahmen  dieses  Verfahrens  unterzeichneten  die  Ehegatten  am  19. August  2004  die  Erklärung  zur  ehelichen  Gemeinschaft, woraufhin der Beschwerdeführer am 16. September 2004  erleichtert  eingebürgert  wurde.  Sechs  Wochen  später,  am  28. Oktober  2004,  ersuchte  die  Ehefrau  um  Eheschutzmassnahmen.  Dieses  Verfahren  wurde  durch  Vergleich  im  Januar  2005  beendet.  Ein  halbes  Jahr  später,  am 28. Juni  2005,  reichte  die Ehefrau  beim Zivilgericht  ein  vom 16. Juni 2005 datierendes, gemeinsames Scheidungsbegehren ein.  Mit  Urteil  vom  18. November  2005,  das  am  6. Dezember  2005  in  Rechtskraft  erwuchs,  wurde  die  Ehe  geschieden.  Von  August  2006  bis  Ende desselben Jahres lebten die Ehegatten erneut zusammen. 6.2. Bereits die äusseren Umstände (Heirat einer wesentlich älteren Frau  zu einem Zeitpunkt, in dem die vorläufige Aufnahme aufgehoben war und  die  Ausreisefrist  bereits  feststand;  Antrag  auf  Eheschutzmassnahmen  sechs  Wochen  bzw.  Unterzeichnung  des  gemeinsamen  Scheidungsbegehrens neun Monate nach der erleichterten Einbürgerung)  begründen ohne Weiteres die tatsächliche Vermutung, die Ehe sei schon  vor dem Zeitpunkt der Erklärung betreffend eheliche Gemeinschaft bzw.  der  erleichterten  Einbürgerung  nicht  intakt  und  nicht  auf  eine  gemeinsame Zukunft ausgerichtet gewesen. 6.3.  Besteht  aufgrund  des  Ereignisablaufs  die  tatsächliche  Vermutung,  die  Einbürgerung  sei  erschlichen  worden,  obliegt  es  dem  Betroffenen,  diese Vermutung durch eine plausible Erklärung umzustossen. Dies kann  gelingen,  indem  er  Gründe  bzw.  Sachumstände  aufzeigt,  die  es  überzeugend  bzw.  nachvollziehbar  erscheinen  lassen,  dass  eine  angeblich  noch  wenige  Monate  zuvor  bestehende  tatsächliche,  ungetrennte eheliche Gemeinschaft  in der Zwischenzeit dergestalt  in die  Brüche gegangen  ist, dass es zur Scheidung kam (vgl. BGE 130  II 482  E. 3.2). 

C­3990/2009 6.4.  Dementsprechend  stellt  sich  die  Frage,  ob  die  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachten  Argumente  geeignet  sind,  die  eben  umschriebene tatsächliche Vermutung umzustossen. 7.  Der Beschwerdeführer machte  im Verfahren vor der Vorinstanz geltend,  dass seine Ex­Ehefrau alkoholkrank sei, und führte  ihr Verhalten, das er  als  "irritierend"  und  "zunehmend  sprunghaft"  beschrieb,  darauf  zurück.  Der Alkoholismus der Ehefrau habe die Ehe lange Zeit nicht nennenswert  belastet,  erst  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  sei  das  Verhalten  "ehegefährdend" geworden.  8.  8.1.  Unbestritten  ist,  dass  die  Ehegatten  sich  in  finanziellen  Belangen  schon  längere  Zeit  vor  der  erleichterten  Einbürgerung  des  Beschwerdeführers  nicht  einig  waren.  Die  Alkoholkrankheit  der  Ehefrau  wird erstmals im Rahmen des durch die Vorinstanz gewährten rechtlichen  Gehörs  erwähnt.  Allerdings  fällt  auf,  dass  es  eine  aussenstehende  Person  war  (der  Gemeindeschreiber  der  Wohngemeinde),  die  dieses  Thema  sowohl  gegenüber  der  Vorinstanz  (Schreiben  vom  9. Oktober  2009)  als  auch  auf  Beschwerdeebene  (Schreiben  vom  17. Juni  2009)  einbrachte. In dieser Hinsicht wird auch vorgebracht, die Ehefrau habe im  September  2003  in  alkoholisiertem  Zustand  einen  Verkehrsunfall  verursacht. Die Ex­Ehefrau  ist  in  ihrer Stellungnahme vom 8. November  2008 ausdrücklich nicht auf dieses Thema eingegangen. Trotzdem kann  aufgrund  der  Akten  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Ex­Ehefrau  des  Beschwerdeführers  mit  Alkoholproblemen  zu  kämpfen  hatte.  Umstritten  ist  jedoch,  wie  stark  sich  diese  beiden  Umstände  –  die  finanziellen  Probleme  und  die  Alkoholkrankheit  –  auf  die  eheliche  Gemeinschaft ausgewirkt haben. 8.2.  8.2.1. Aus Sicht des Beschwerdeführers haben die Probleme die Ehe vor  der  erleichterten  Einbürgerung  nicht  erheblich  belastet.  Er  verweist  in  dieser  Hinsicht  auf  die  im  Rahmen  des  Einbürgerungsverfahrens  eingeholten  Referenzen.  Diese  bestätigen,  dass  der  Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  in  einer  stabilen  Ehe  gelebt  hätten.  Mehrmals  wird  auch  hervorgehoben,  wie  umsichtig  und  liebevoll  sich  der  Beschwerdeführer  zusammen  mit  seiner  Ehefrau  um  seine  Schwiegermutter  gekümmert  habe.  Nach  Auffassung  des  Beschwerdeführers  ist  die  Ehe  zwar  in  finanziellen  Belangen  nicht 

C­3990/2009 konfliktfrei  gewesen,  er  sei  jedoch  bereit  gewesen,  seinen  finanziellen  Verpflichtungen  nachzukommen,  was  er  durch  den  Abschluss  des  Vergleichs im Eheschutzverfahren bewiesen habe. Bei beiden Ehegatten  sei der Wille, die Ehe weiterzuführen, zu den massgeblichen Zeitpunkten  vorhanden  gewesen. Der  Beschwerdeführer macht  die  Alkoholkrankheit  seiner  Ehefrau  für  den  Bruch  der  Ehe  kurz  nach  seiner  erleichterten  Einbürgerung verantwortlich. Das Verhalten der Ehefrau sei zunehmend  sprunghaft  und  irritierend  gewesen.  Sie  sei  ungeduldig  und  aggressiv  geworden, was für diese Krankheit nicht aussergewöhnlich sei. Konkreter  Anlass für die "überstürzte" Einleitung des Eheschutzverfahrens durch die  Ehefrau  sei  die Tatsache gewesen,  dass es  ihm nicht  gelungen  sei,  im  Kosovo ein Grundstück zu verkaufen und deshalb ohne Geld nachhause  gekommen  sei.  Aus  den  zahlreichen  Empfehlungsschreiben,  die  die  Vorinstanz im Rahmen des Einbürgerungsverfahren eingeholt habe, gehe  hervor, dass die Ehe dazumal intakt gewesen sei. Der Beschwerdeführer  führt  im Weiteren aus, er habe gegenüber den Behörden nichts über die  Alkoholkrankheit  seiner  Ehefrau  gesagt,  weil  er  damit  die  eheliche  Beistands­ und Treuepflicht verletzt hätte. Dass die Beziehung erst lange  nach  der  erleichterten  Einbürgerung,  ja  sogar  erst  nach  der  Scheidung  endgültig zerrüttet war, zeige sich daran, dass der Beschwerdeführer und  seine  Ex­Ehefrau  im  Jahr  2006  während  fünf  Monaten  erneut  zusammengelebt hätten. 8.2.2.  Aus  Sicht  der  Ehefrau  belastete  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  die  Ehe  erheblich.  Sie  wirft  ihm  mangelnde  Transparenz vor, nicht nur  in  finanzieller Hinsicht: So macht sie geltend,  vom  Sohn  des  Beschwerdeführers  erst  nach  der  Heirat  und  auf  Umwegen  erfahren  zu  haben.  Der  Beschwerdeführer  habe  Schulden  gemacht  und  sich  geweigert,  sie  umfassend  darüber  zu  informieren.  Er  habe  auch  ihre  Vereinbarung  über  die  Rückzahlung  der  von  ihr  gewährten Darlehen nicht eingehalten. Sie habe nicht gewusst, wozu er  das Geld benötigt habe.  Ihrer beiden Einkommen und Vermögen hätten  vollauf  für ein bescheidenes Leben genügt.  In Wirklichkeit habe sie den  Lebensunterhalt  für  beide  bestritten.  Der  Beschwerdeführer  sei  im  Oktober  2004  in  den  Kosovo  gereist,  um  ein  Stück  Land  zu  verkaufen  und  mit  dem  Erlös  seine  Schulden  zu  tilgen.  Als  er  dann  ohne  das  versprochene  Geld  zurückgekehrt  sei,  habe  sie  sich  aus  Angst,  ihre  Altersvorsorge  zu  verlieren,  gezwungen  gesehen,  Eheschutzmassnahmen  zu  beantragen.  Dieses  Verfahren  wurde  nach  Abschluss  einer  Vereinbarung  über  die  finanzielle  Beteiligung  des 

C­3990/2009 Beschwerdeführers an den Lebenshaltungskosten und über den Umgang  mit den Schulden am 19. Januar 2005 abgeschrieben. Am  28. Juni  2005  leitete  die  Ehefrau  das  Ehescheidungsverfahren  ein.  Diesem  lag  ein  gemeinsames  Scheidungsbegehren  der  Ehegatten  vom  16. Juni 2005 zugrunde.  In  ihrer Eingabe erwähnte sie, die Situation sei  nach  Abschluss  des  Eheschutzverfahrens  eskaliert:  Die  verbalen  Auseinandersetzungen  hätten  zugenommen,  sie  werde  angelogen  und  bestohlen. Der Beschwerdeführer  informiere sie nicht über seine Reisen  zu  seiner  Familie  und  seine  sonstigen  Abwesenheiten.  Er  setze  sogar  seine  Arbeitsstelle  aufs  Spiel  und  überlasse  es  ihr,  sich  mit  dem  Arbeitgeber auseinanderzusetzen. Trotz schriftlicher Abmachung habe er  die Darlehen nicht zurückgezahlt, weshalb sie nicht nur  ihre  finanziellen  Reserven verloren habe, sondern auch ihre Gesundheit gefährdet sei. 8.2.3. Die Darlegungen des Beschwerdeführers vermögen nicht plausibel  zu  erklären,  warum  eine  angeblich  kurze  Zeit  vorher  intakte  eheliche  Gemeinschaft  plötzlich  zerbricht.  Vielmehr  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Ehe  bereits  seit  längerem  stark  belastet  war.  Dieser  Umstand  hat  dazu geführt, dass die Ehefrau in Bezug auf die Eheschutzmassnahmen  und das nachfolgende Scheidungsverfahrung zur  treibende Kraft wurde.  Angesichts  des  vom  Beschwerdeführer  nicht  grundsätzlich  bestrittenen  Verhaltens  in  finanzieller Hinsicht  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  Krankheit  der  Ehefrau  ursächlich  für  den  Bruch  in  der  Ehe  war.  Das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  hat  offenbar  bereits  lange  vor  der  erleichterten  Einbürgerung  zu  Diskussionen  Anlass  gegeben,  die  ihm  hätten  klar  machen  müssen,  dass  die  Situation  für  seine  Frau,  die  insbesondere  ihre  Altersvorsorge  in  Gefahr  sah,  sehr  belastend  war.  Diese  Befürchtungen  und  die  damit  verbundenen  und  –  wie  sich  im  Eheschutz­  und  Ehescheidungsverfahren  gezeigt  hat  –  legitimen  Ansprüche  der  Ehefrau,  hat  der  Beschwerdeführer  ignoriert.  So  hat  er  sich  offenbar  geweigert,  seiner  Ehefrau  Auskunft  über  seine  finanzielle  Situation  zu  geben  und  den  Grund  für  das  Eingehen  von  Schulden  zu  nennen.  Er  hat  es  ihr  überlassen,  für  die  gemeinsamen  Lebenshaltungskosten  aufzukommen.  Erst  unter  dem  (Ein­)Druck  des  Eheschutzverfahrens  erklärte  er  sich  bereit,  seinen  Anteil  dazu  beizutragen.  Der  Beschwerdeführer  hat  somit  über  mehrere  Jahre  mit  seinem  Verhalten  die  Ehe  stark  belastet.  Dieses  Verhalten  zeugt  von  einer grossen Gleichgültigkeit der ehelichen Gemeinschaft gegenüber, da  er damit bewusst deren Bruch in Kauf nahm.

C­3990/2009 Dieser  Umstand musste  ihm  bereits  zu  den  im  vorliegenden  Verfahren  massgeblichen  Zeitpunkten  –  der  Unterzeichnung  der  Erklärung  zur  ehelichen  Gemeinschaft  und  der  erleichterten  Einbürgerung  –  bewusst  gewesen  sein.  Indem  er  trotzdem  die  Erklärung  zur  ehelichen  Gemeinschaft  vorbehaltslos  unterzeichnete,  liess  er  die  Einbürgerungsbehörde im (falschen) Glauben, die eheliche Gemeinschaft  sei  intakt.  Damit  ist  der  Tatbestand  der  Erschleichung  der  erleichterten  Einbürgerung gemäss Art. 41 BüG erfüllt. Dass zu jenem Zeitpunkt weder  beim  Beschwerdeführer  noch  bei  seiner  damaligen  Ehefrau  konkrete  Absichten  bestanden,  sich  zu  trennen  oder  sich  scheiden  zu  lassen,  vermag  an  dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern.  Entscheidend  ist  vielmehr, dass die eheliche Gemeinschaft so sehr belastet war, dass es  nur  eines  unter  normalen  Umständen  harmlosen  Ereignisses  bedurfte,  dass  entsprechende  Schritte  eingeleitet  wurden.  Es  kann  daher  nicht  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Ehe  zum  Zeitpunkt  der  erleichterten Einbürgerung intakt und auf die Zukunft gerichtet war.  8.3.  Aus  diesen  Erwägungen  folgt  auch,  dass  der  Einwand  des  Beschwerdeführers,  er  hätte  die  Behörden  über  die  Alkoholkrankheit  seiner  Ehefrau  nicht  informieren  können,  ohne  die  eheliche  Beistandspflicht  zu  verletzen,  ohne Bedeutung  ist. Ob  dieses Vorgehen  durch  die  eheliche Treue­  und Beistandspflicht  gemäss Art.  159 Abs.  3  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuchs  vom  10. Dezember  1907  (ZGB,  SR  210)  gedeckt  ist,  kann  offen  gelassen  werden,  da  nicht  die  Alkoholkrankheit  die  Ehe  primär  belastet  hat.  Immerhin  sei  angemerkt,  dass es widersprüchlich erscheint, dass der Beschwerdeführer sich zwar  auf die eheliche Treue­ und Beistandspflicht beruft, wenn es darum geht,  den Vorwurf  zu  kontern,  Tatsachen  verschwiegen  zu  haben,  die  für  die  Beurteilung des Einbürgerungsgesuches wichtig gewesen wären, dass er  jedoch  auf  der  anderen  Seite  einer  elementaren  Ausprägung  der  ehelichen  Treuepflicht,  nämlich  der  finanziellen  Beteiligung  an  den  Lebenshaltungskosten  (vgl.  Art.  163  ZGB),  offensichtlich  ebenso  wenig  nachgekommen ist wie einem anderen Aspekt der allgemeinen ehelichen  Treu­  und  Beistandspflicht,  der  Auskunft  über  Einkommen,  Vermögen  und  Schulden  (vgl.  Art.  170  ZGB).  Zudem wird  dem  Beschwerdeführer  nicht  in  erster  Linie  vorgeworfen,  die  Alkoholkrankheit  verschwiegen  zu  haben,  sondern, dass er die Behörden über den Zustand der ehelichen  Gemeinschaft,  die  durch  die Unstimmigkeiten  bezüglich  der  finanziellen  Situation stark belastet war, getäuscht hat.

C­3990/2009 9.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  die  erleichterte  Einbürgerung  erschlichen  hat,  indem  er  die  Einbürgerungsbehörde  im  falschen  Glauben  gelassen  hat,  die  eheliche  Gemeinschaft  sei  intakt.  Die  angefochtene  Verfügung  ist  somit  im  Ergebnis  nicht  zu  beanstanden.  Die  Beschwerde  ist  demnach  abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  entstandenen  Verfahrenskosten  grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm die unentgeltliche Rechtspflege samt  Rechtsverbeiständung gewährt wurde, ist er jedoch davon befreit, für die  Kosten  aufzukommen.  Aus  demselben  Grund  sind  die  Kosten  der  Rechtsvertretung  von  der  erkennenden  Behörde  zu  übernehmen,  und  dem Rechtsbeistand gemäss Art. 9  ff. des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine – in Ermangelung  einer Kostennote durch das Gericht festzusetzende – Entschädigung von  Fr.  2'500.­  (inkl.  MWST)  auszurichten.  Diesen  Betrag  hat  der  Beschwerdeführer  dem  Bundesverwaltungsgericht  zurückzuerstatten,  sollte  er  später  zu  hinreichenden  Mitteln  gelangen  (vgl.  Art.  65  Abs.  4  VwVG). (Dispositiv S. 16)

C­3990/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Für  seine  anwaltschaftlichen  Bemühungen  wird  Rechtsanwalt  Marc  Spescha aus der Gerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 2'500.­ (inkl.  MWST) ausgerichtet. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die  Vorinstanz  (Akten  Ref­Nr.  […]  inkl.  Originalakten  Bezirksgericht  X._______  […]  [Eheschutz]  und  […]  [Ehescheidung]  sowie  […]  zurück; gegen Empfangsbestätigung) – das Gemeindeamt des Kantons Zürich, Abteilung Einbürgerungen Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Kradolfer

C­3990/2009 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-3990/2009 — Bundesverwaltungsgericht 21.02.2012 C-3990/2009 — Swissrulings