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Bundesverwaltungsgericht 04.01.2012 C-3374/2010

4 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,833 mots·~14 min·1

Résumé

nach Auflösung der Familiengemeinschaft | Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung sowie Wegweisung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­3374/2010 Urteil   v om   4 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Andreas Trommer,  Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer. Parteien A._______, vertreten durch lic. iur. Donato Del Duca, Rechtsanwalt,  Rechtsberatungsstelle für sozial Benachteiligte, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung sowie Wegweisung.

C­3374/2010 Sachverhalt: A.  Der  kosovarische  Staatsangehörige  A._______,  geboren  1978  (nachfolgend:  Beschwerdeführer),  reiste  am  12.  November  2003  in  die  Schweiz  ein,  nachdem  er  am  16.  Juli  2003  eine  in  der  Schweiz  niedergelassene  Landsfrau  geheiratet  hatte.  Daraufhin  wurde  ihm  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt,  welche  letztmals  bis  zum  30.  November  2009  verlängert  wurde.  Am  28.  Februar  2005  wurde  die  gemeinsame  Tochter B._______ geboren. B.  Die  Gerichtspräsidentin  des  Gerichtspräsidiums  Rheinfelden  stellte  mit  Urteil  vom  16.  Juni  2006  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  seit  Anfang  Dezember  2005  getrennt  lebten,  und  gestattete  ihnen,  auch  fortan  getrennt  zu  leben.  Weiter  wurde  die  gemeinsame  Tochter  unter  die  elterliche  Obhut  der  Mutter  gestellt.  Dem  Beschwerdeführer wurde das Recht zugesprochen, seine Tochter  je am  1. und 3. Sonntag des Monats von 13 Uhr bis 19 Uhr zu sich auf Besuch  zu  nehmen.  Schliesslich  wurde  der  Beschwerdeführer  verpflichtet,  der  Ehefrau,  unter  Anrechnung  der  bereits  geleisteten  Beiträge  von  Fr.  1'194.­,  an  den  Unterhalt  des  Kindes  B._______  monatliche,  vorauszahlbare Beiträge zu bezahlen. Auf  entsprechendes  Begehren  hin  verpflichtete  die  Gerichtspräsidentin  des  Gerichtspräsidiums  Rheinfelden  die  Ehefrau  am  19.  August  2009,  dem  Beschwerdeführer  die  gemeinsame  Tochter  an  jedem  1. und  3. Sonntag  im Monat  von  13.00 Uhr  bis  19.00 Uhr  herauszugeben  und  die Tochter zum persönlichen Verkehr anzuhalten.  C.  Mit Schreiben vom 4. Juli 2009 ersuchte die Ehefrau beim Migrationsamt  des  Kantons  Aargau  um  Abschiebung  ihres  Ehemannes,  da  sie  ihm  Gewaltanwendung sowie ein verschwenderisches Leben vorwarf. Zudem  zählte  sie  die  Punkte  auf,  welche  aus  ihrer  Sicht  dazu  geführt  hatten,  dass sie die Scheidung beantragte.  D.  Mit  Urteil  des  Bezirksgerichts  Rheinfelden  vom  11.  November  2009  wurde  die  Ehe  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  seiner  Ehefrau  geschieden. Die elterliche Sorge über das gemeinsamte Kind wurde der  Ehegattin zugeteilt. Dem Beschwerdeführer wurde ein Besuchsrecht am 

C­3374/2010 1. und 3. Sonntag eines  jeden Monats von 13.00 Uhr bis 19.00 Uhr bis  Ende Februar 2010, von 09.00 Uhr bis 19.00 Uhr bis Ende Februar 2011  und  jedes  1.  und  3.  Wochenende  ab  März  2011  eingeräumt.  Ein  weitergehendes  Besuchs­  und  Ferienrecht  blieb  der  Parteiabsprache  vorbehalten.  Ab  dem  6.  Altersjahr  von  B._______  wurde  der  Vater  berechtigt erklärt, 2 Wochen Ferien mit seiner Tochter zu verbringen. Des  Weiteren wurde der Beschwerdeführer verpflichtet, seiner Ex­Ehefrau an  den Unterhalt  der  gemeinsamen  Tochter  ab Rechtskraft  der  Scheidung  monatlich vorschüssig Unterhaltsbeiträge zu bezahlen. E.  Mit  Urteil  des  Obergerichts  des  Kantons  Aargau  vom  27.  April  2010  wurde der Entscheid des Gerichtspräsidiums Rheinfelden vom 19. August  2009 dahingehend ergänzt,  dass der Ehefrau  im Falle  der Missachtung  des Besuchsrechts eine Bestrafung mit Busse angedroht wurde. F.  Im  Oktober  2009  stellte  der  Beschwerdeführer  das  Gesuch  um  eine  weitere  Verlängerung  seiner  Aufenthaltsbewilligung.  Die  kantonale  Migrationsbehörde  unterbreitete  die  Angelegenheit  im  Dezember  2009  dem  BFM  mit  dem  Antrag  auf  Erteilung  der  Zustimmung  zur  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. G.  Da das BFM in Erwägung zog, die beantragte Zustimmung zu verweigern  und den Beschwerdeführer aus der Schweiz wegzuweisen, gewährte es  ihm hierzu mit Schreiben vom 15. Dezember 2009 das rechtliche Gehör.  In diesem Rahmen äusserte sich der Beschwerdeführer am 17. Februar  2010 durch seinen Rechtsvertreter und machte insbesondere geltend, die  Aufenthaltsbewilligung  sei  seit  der  Trennung  der  Ehegatten  und  seit  Erlass  des  Eheschutzurteils  des  Gerichtspräsidiums  Rheinfelden  vom  16. Juni  2006  bereits  mehrfach  verlängert  worden.  Er  pflege  entgegen  den  Behauptungen  seiner  Ex­Ehefrau  einen  regelmässigen  Kontakt  zu  seiner Tochter und er bemühe sich in engagierter Weise, ein guter Vater  zu  sein.  Insgesamt  bestünden  wichtige  persönliche  und  wirtschaftliche  Gründe für einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz. H.  Mit  Verfügung  vom  7.  April  2010  verweigerte  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  Gleichzeitig  wurde  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  verfügt,  und  es  wurde 

C­3374/2010 ihm eine Ausreisefrist von acht Wochen ab Eintritt der Rechtskraft dieser  Verfügung eingeräumt. Zur  Begründung  führte  die  Vorinstanz  aus,  ein  Anspruch  auf  Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art.  50 Abs. 1 Bst.  a des  Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005  (AuG, SR 142.20) bestehe  nicht, da im vorliegenden Fall der gemeinsame Haushalt nach rund zwei  Jahren  Ehegemeinschaft  aufgelöst  worden  sei.  Weiter  sei  der  Beschwerdeführer weder Opfer ehelicher Gewalt geworden noch sei eine  Rückkehr  in  den  Kosovo  als  problematisch  zu  erachten,  weshalb  kein  wichtiger persönlicher Grund gemäss Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG vorliege.  Unter dem Gesichtspunkt von Art. 8 Ziff. 1 und Ziff. 2 der Konvention vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  sei  es  ausreichend,  wenn  das  Besuchsrecht  im  Rahmen  von  Kurzaufenthalten  vom  Ausland  her  ausgeübt  werden  könne.  Gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  könne  ein  weiter  gehender  Anspruch  nur  dann  bestehen,  wenn  in  wirtschaftlicher  und  affektiver  Hinsicht  eine  besonders  enge  Beziehung  zum Kind bestehe, diese Beziehung wegen der Distanz zum Heimatland  des Ausländers praktisch nicht aufrecht erhalten werden könne und das  bisherige  Verhalten  des  Ausländers  in  der  Schweiz  zu  keinerlei  Klagen  Anlass  gegeben  habe;  dies  sei  vorliegend  nicht  der  Fall.  Es  sei  festzustellen, dass das Verhalten des Beschwerdeführers in der Schweiz  zu Klagen Anlass gegeben habe. Schliesslich sei er erst im Alter von 25  Jahren in die Schweiz eingereist, so dass es ihm jetzt, nach acht Jahren,  zumutbar sei, wieder in sein Heimatland zurückzukehren. Der Vollzug der  Wegweisung sei in seinem Fall auch möglich, zulässig und zumutbar. I.  Am 10. Mai  2010 erhob der Rechtsvertreter  namens seines Mandanten  Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht mit den Anträgen, es sei  die  vorinstanzliche  Verfügung  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  dem  Antrag  des  Kantons  Aargau  auf  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  zuzustimmen.  Es  wird  geltend  gemacht,  die  Voraussetzungen  von  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  seien  erfüllt,  da  die  Beziehung zur hier lebenden Tochter einen wichtigen persönlichen Grund  für  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  darstelle.  Da  der  Beschwerdeführer über einen Arbeitsvertrag verfüge und sich problemlos  auf Deutsch  ausdrücken  könne,  sei  er  des Weiteren  sehr  gut  integriert.  Zudem werde Art. 8 EMRK verletzt,  falls er keine Aufenthaltsbewilligung  mehr  erhalte.  Er  habe  sich  stets  um  ein  Besuchsrecht  bemüht  und  es 

C­3374/2010 bestehe  eine  sehr  enge  Beziehung  zu  seiner  Tochter.  Schliesslich  sei  sein  Vertrauen  auf  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  auch  nach  dem  Vertrauensgrundsatz  zu  schützen,  da  die  Aufenthaltsbewilligung  bis  zum  heutigen  Zeitpunkt  mehrfach  verlängert  worden sei. J.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  17.  Juni  2010  beantragt  die  Vorinstanz  unter Bezugnahme auf die bisher dargelegten Gründe die Abweisung der  Beschwerde. K.  Mit  Eingabe  vom  1.  Februar  2011  reicht  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  einen  neuen  Arbeitsvertrag  sowie  den  aktuellen  Mietvertrag des Beschwerdeführers zu den Akten. Zudem weist er darauf  hin,  dass  das  Besuchsrecht  ab  März  2011  auf  jedes  erste  und  dritte  Wochenende im Monat ausgedehnt wurde. L.  Mit  Zwischenverfügung  vom  4.  November  2011  erhielt  der  Beschwerdeführer  Gelegenheit,  den  Sachverhalt  zu  aktualisieren  und  abschliessende Bemerkungen einzureichen, was er mit Eingabe vom 21.  November 2011 tat. Darin führte er unter Verweis auf seine Eingabe vom  1. Februar 2011 aus, weiterhin als Eisenleger im Stundenlohn bei der […]  in Delémont zu arbeiten. M.  Der weitere Inhalt der vorinstanzlichen und der beigezogenen kantonalen  Akten  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in  den  Erwägungen  Berücksichtigung finden. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht,  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen,  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), die von einer  in Art. 33 VGG  aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen Verfügungen des 

C­3374/2010 BFM,  welche  die  Zustimmung  zur  Erteilung  bzw.  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  oder  die  Wegweisung  betreffen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig,  soweit  nicht  die  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  offen  steht  (vgl.  Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  und  4  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  Verwaltungsverfahrensgesetz,  soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt. 1.3.  Als  Adressat  der  Verfügung  ist  der  Beschwerdeführer  zu  deren  Anfechtung  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerechte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  sind  grundsätzlich  die  tatsächlichen  Verhältnisse  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BVGE  2011/1  E.  2  sowie  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­2682/2007 vom 7. Oktober 2010 E. 1.2 und  1.3). 3.  Am  1.  Januar  2008  traten  das  Ausländergesetz  und  seine  Ausführungsbestimmungen in Kraft – unter anderem die Verordnung vom  24.  Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201).  In  Verfahren,  die  vor  diesem  Zeitpunkt  anhängig  gemacht  wurden,  bleibt  nach  der  übergangsrechtlichen  Ordnung  des  Ausländergesetzes das alte materielle Recht anwendbar, wobei es ohne  Belang ist, ob das Verfahren auf Gesuch hin – so explizit Art. 126 Abs. 1  AuG – oder von Amtes wegen eröffnet wurde (vgl. BVGE 2008/1 E. 2).

C­3374/2010 3.1.  Dem  Beschwerdeführer  ist  zwar  noch  unter  dem  Geltungsbereich  des  Bundesgesetzes  vom  26.  März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  eine  erstmalige  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  worden;  da  er  jedoch  mit  Gesuch  vom  5.  Oktober  2009  die Verlängerung  dieser  Bewilligung  beantragt  hat,  ist  im  vorliegenden Verfahren neues Recht anwendbar. 3.2. Gemäss Art. 40 AuG sind die Kantone zuständig für die Erteilung und  Verlängerung  von  Bewilligungen.  Vorbehalten  bleibt  jedoch  die  Zustimmung durch das BFM. Das Zustimmungserfordernis ergibt sich im  vorliegenden  Fall  aus  Art.  99  AuG  i.V.m.  Art.  85  Abs.  1  Bst.  a  VZAE.  Letztgenannte Bestimmung wird präzisiert durch die Weisungen des BFM  im  Ausländerbereich  in  der  Fassung  vom  30.  September  2011  (www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  Rechtliche  Grundlagen  >  Weisungen und Kreisschreiben). Diese sehen in Ziffer 1.3.1.4 Bst. e vor,  dass die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach der Auflösung der  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem  schweizerischen  oder  ausländischen  Ehegatten  oder  nach  dessen  Tod  dem  BFM  zur  Zustimmung  zu  unterbreiten ist, falls die betroffene ausländische Person nicht aus einem  Mitgliedstaat  der  EFTA  oder  der  EG  stammt.  Der  Ausweis  darf  erst  ausgestellt werden, wenn die Zustimmung des BFM vorliegt (Art. 86 Abs.  5 VZAE). 4.  Gemäss  Art.  43  Abs.  1  AuG  haben  ausländische  Ehegatten  von  Personen   mit  Niederlassungsbewilligung,  wenn  sie  mit  diesen  zusammenwohnen,  Anspruch  auf  Erteilung  und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und  –  nach  einem  ordnungsgemässen  und  ununterbrochenen  Aufenthalt  von  fünf  Jahren  –  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Niederlassungsbewilligung  (Art.  43  Abs.  2  AuG).  Nach  Auflösung  der  Ehe  oder  Familiengemeinschaft  –  mitgemeint  ist  auch  die  eheliche  Gemeinschaft – besteht der Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung  weiter,  wenn  die  Ehegemeinschaft  mindestens  drei  Jahre  bestanden  hat  und  eine  erfolgreiche  Integration  besteht  (Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG)  oder  wenn  wichtige  persönliche  Gründe  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich machen  (Art.  50  Abs.  1  Bst. b AuG). 5.  5.1.  Der  Beschwerdeführer  macht  geltend,  die  Nichtverlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  verstosse  gegen  den  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben,  da  ihm  diese  mehrmals  um  jeweils  ein  Jahr,  zuletzt  bis  zum 

C­3374/2010 30. November  2009,  verlängert  wurde,  obwohl  es  bereits  im  Dezember  2005  zur  Trennung  von  seiner  Ehefrau  gekommen  war.  Das  Migrationsamt  des  Kantons  Aargau  habe  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung im Dezember 2009 der Vorinstanz mit dem Antrag  auf  Erteilung  der  Zustimmung  unterbreitet.  Aufgrund  dieser  Umstände  habe der Beschwerdeführer nach den Regeln von Treu und Glauben mit  einer weiteren Verlängerung rechnen dürfen. 5.2.  Der  in  Art.  9  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101)  verankerte  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben  verleiht  einer  Person  Anspruch  auf  Schutz  des  berechtigten  Vertrauens  in  behördliche  Auskünfte  und  Zusicherungen.  Er  kann  dazu  führen,  dass  ein  Rechtsverhältnis  abweichend vom objektiven Recht zu regeln ist. Voraussetzung dafür ist,  dass  die  Auskunft  bzw.  die  Zusicherung  für  einen  konkreten  Einzelfall  aufgrund  einer  vollständigen  Darstellung  des  Sachverhalts  vorbehaltlos  erteilt wurde, dass die Amtsstelle für die Auskunftserteilung zuständig war  oder der Bürger sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten  durfte, dass die anfragende Person die Unrichtigkeit bei pflichtgemässer  Aufmerksamkeit  nicht  ohne  Weiteres  erkennen  konnte,  dass  sie  im  berechtigten Vertrauen auf die Auskunft eine nicht wieder rückgängig zu  machende  Disposition  getroffen  hat  und  dass  die  Rechtslage  sich  seit  Erteilung  der  Auskunft  nicht  geändert  hat  (vgl.  BGE  137  I  69  E.  2.5.1,  BGE  131  II  627  E.  6.1,  je  mit  weiteren  Hinweisen;  Urteile  des  Bundesgerichts  2D_43/2011  vom  29.  August  2011  E.  2.3.1  und  2P.245/2006 vom 6. November 2006 E. 2.3.1, je mit Hinweisen). 5.3. Die  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  nach  der  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem  hier  niedergelassenen  Ehegatten  oder  nach  dessen  Tod  bedarf  der  Zustimmung  des  BFM.  Eine  ohne  Zustimmung  ausgestellte  Aufenthaltsbewilligung  ist  ungültig.  Diese  Rechtslage wurde weiter oben bereits dargelegt (E. 3.2). Mit Wegfall der  Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 43 Abs. 1 AuG fehlt damit dem Amt  für Migration des Kantons Aargau die Zuständigkeit, die Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung  in  eigener Kompetenz  vorbehaltlos  vorzunehmen  (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_594/2011 vom 21. Juli 2011 E. 2.2 mit  Hinweisen). Unbestritten  ist vorliegend, dass den Ehegatten mit Eheschutzverfügung  vom  16.  Juni  2006  das  Getrenntleben  bewilligt  wurde.  Die  Ende  November  2006  bzw.  2007  anstehende  Verlängerung  der 

C­3374/2010 Aufenthaltsbewilligung  war  allerdings  noch  im  Lichte  von  Art.  7  Abs.  1  ANAG zu prüfen, der den Aufenthaltsanspruch an den formellen Bestand  der  Ehe  knüpfte.  Im Gegensatz  dazu  richtete  sich  die  Verlängerung  im  Jahr  2008  (für  die  Periode  1. Dezember  2008  bis  30. November  2009)  nach  den  Bestimmungen  des  Ausländergesetzes.  Ob  die  zuständige  Behörde  allenfalls  die  Voraussetzungen  von  Art.  49  AuG  als  erfüllt  betrachtet  oder  mit  einer Wiederaufnahme  der  ehelichen  Gemeinschaft  gerechnet  hat,  ist  unklar.  Festzustellen  ist,  dass  die  Bewilligung  stets  gestützt  auf  die  (noch)  bestehende  Ehe  erteilt  wurde  und  dass  damit  keine  Änderung  des  Zulassungsgrundes  verbunden  war.  Dem  Beschwerdeführer  muss  demnach  stets  klar  gewesen  sein,  dass  seine  Anwesenheit  in  der  Schweiz  vom  Bestand  der  Ehe  bzw.  der  ehelichen  Gemeinschaft  abhing.  Gegenteilige  Zusicherungen  wurden  ihm  denn  auch  seitens  des  kantonalen  Migrationsamtes  nie  gemacht.  Von  einer  Verletzung des Vertrauensgrundsatzes gemäss Art. 9 BV kann vorliegend  nicht die Rede sein. 6.  Festzuhalten  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  aus  Art.  43  Abs.  1  AuG  keinen  Anspruch  mehr  ableiten  kann,  da  die  Ehegatten  mit  Urteil  vom  11. November  2009  geschieden  wurden.  Wie  in  E.  4  ausgeführt,  kann  sich ein Anspruch auf Aufenthalt allenfalls aus Art. 50 AuG ergeben. Aus  den  vorliegenden  Akten  geht  hervor,  dass  sich  die  Ehegatten  im  Dezember 2005 nach einer Ehedauer von zwei Jahren und fünf Monaten  getrennt  haben  (vgl.  das  erwähnte  Urteil  vom  16.  Juni  2006).  Der  Beschwerdeführer  macht  nicht  geltend  –  zudem  ergeben  sich  aus  den  Vorakten  keine entsprechenden Anhaltspunkte  –,  dass wichtige Gründe  gemäss  Art. 49  AuG  für  eine  getrennte  Wohnsitznahme  bestanden  hätten. Damit steht fest, dass die eheliche Gemeinschaft weniger als drei  Jahre  gedauert  hat,  so  dass  der  Beschwerdeführer  aus  Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG  keine  Ansprüche  ableiten  kann  (zur  strikten  Massgabe  der  Dreijahresfrist  von  Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG  vgl.  BGE  137  II  345  E.  3.1.3).  7.  Damit stellt sich die Frage, ob wichtige persönliche Gründe im Sinne von  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  den  weiteren  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  in  der Schweiz  erforderlich machen. Solche Gründe  können namentlich – so explizit Art. 50 Abs. 2 AuG – vorliegen, wenn der  betreffende  Ehegatte  Opfer  ehelicher  Gewalt  wurde  und  seine  soziale 

C­3374/2010 Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  stark  gefährdet  erscheint;  beide  Bedingungen müssen nicht kumulativ erfüllt sein (vgl. BGE 136 II 1 E. 5).  Weitere  wichtige,  im  Zusammenhang  mit  der  Ehe  stehenden  Gründe  können  sich  auch  daraus  ergeben,  dass  der  in  der  Schweiz  lebende  Ehepartner gestorben  ist  oder gemeinsame Kinder  vorhanden sind  (vgl.  MARC  SPESCHA  in:  Spescha/Thür/Zünd/Bölzli,  Kommentar  Migrationsrecht,  Zürich  2009,  AuG 50  N 7  sowie  MARTINA  CARONI  in:  Caroni/Gächter/Thurnherr  [Hrsg.],  Stämpflis  Handkommentar  zum  Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Art. 50 N 23  f.).  Auch  die  in  Art.  31 Abs.  1  VZAE  genannten,  aber  nicht  erschöpfenden  Kriterien  können  für  die  Beurteilung  eines  sogenannten  "nachehelichen  Härtefalls" herangezogen werden (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2 mit weiteren  Hinweisen). 8.  Im  Falle  des  Beschwerdeführers  fällt  in  Betracht,  dass  er  Vater  eines  Kindes  ist, das hier  in der Schweiz über eine Niederlassungsbewilligung  verfügt.  Er  hat  aufgrund  dessen  geltend  gemacht,  die  Verweigerung  seines weiteren Aufenthalts stelle eine Verletzung des durch Art. 8 EMRK  geschützten Rechts auf Familienleben dar. 8.1. Art. 8 Ziff. 1 EMRK und der insoweit gleichbedeutende Art. 13 Abs. 1  BV gewährleisten das Recht auf Achtung des Privat­ und Familienlebens.  Hat  ein  Ausländer  nahe  Verwandte  mit  einem  gefestigten  Anwesenheitsrecht  in  der  Schweiz  und  wird  die  zu  ihnen  bestehende  intakte Beziehung tatsächlich gelebt, so kann Art. 8 Ziff. 1 EMRK verletzt  sein, wenn ihm die Anwesenheit in der Schweiz untersagt und damit sein  Familienleben  vereitelt  wird  (vgl.  BGE  135  I  143  E.  1.3.1 mit  Hinweis).  Der  entsprechende  Schutz  gilt  jedoch  nicht  absolut;  vielmehr  gestattet  Art. 8 Ziff. 2 EMRK einen Eingriff in das von Ziff. 1 geschützte Rechtsgut,  wenn  er  gesetzlich  vorgesehen  und  unter  den  dort  aufgeführten  Voraussetzungen  –  insbesondere  sicherheits­  und  ordnungspolitischer  Art – notwendig ist. Insofern erfordert der Eingriff eine Abwägung der sich  gegenüberstehenden  privaten  Interessen  an  der  Bewilligungserteilung  und  den  öffentlichen  Interessen  an  deren  Verweigerung;  diese müssen  jene  in dem Sinne überwiegen, dass sich der Eingriff  in das Privat­ und  Familienleben  als  notwendig  erweist  (vgl.  BGE  137  I  247  E.  4.1.1  mit  Hinweisen). 8.2.  Bei  dieser  Interessenlage  fällt  es  zugunsten  der  um  Aufenthalt  ersuchenden  Person  ins  Gewicht,  wenn  diese  mit  der  in  der  Schweiz 

C­3374/2010 anwesenheitsberechtigten Person zusammenlebt. Im Verhältnis zwischen  getrennt  lebenden  Eltern  und  ihren  minderjährigen  Kindern  gilt  dies  jedenfalls  für  den Elternteil,  dem  die  elterliche Sorge  zusteht  (vgl.  BGE  137 I 247 E. 4.2). Der nicht sorgeberechtigte Elternteil kann die familiäre  Beziehung  von  Vornherein  nur  in  einem  beschränkten  Rahmen –  innerhalb  des  ihm  eingeräumten  Besuchsrechts  –  ausüben.  Hierfür  ist  regelmässig nicht erforderlich, dass er sich dauernd im gleichen Land wie  das  Kind  aufhält;  vielmehr  genügt  es  den  Anforderungen  von  Art.  8  EMRK, wenn er das Besuchsrecht – unter den geeigneten Modalitäten –  vom  Ausland  her  ausüben  kann.  Ein  weitergehender  Anspruch  –  der  auch dem nichtsorgeberechtigten Elternteil ein Aufenthaltsrecht vermitteln  würde – kann aber dann bestehen, wenn in wirtschaftlicher und affektiver  Hinsicht eine besonders enge Beziehung zum Kind besteht, diese wegen  der  Distanz  zum  Heimatland  des  Ausländers  praktisch  nicht  mehr  aufrecht  erhalten  werden  könnte  und  das  bisherige  Verhalten  des  Betroffenen in der Schweiz zu keinerlei Klagen Anlass gegeben hat (vgl.  BGE  120  Ib  1  E. 3c,  BGE  120  Ib  22  E.  4a/b  und  Urteil  des  Bundesgerichts 2C_171/2009 vom 3. August 2009 E. 2.2 mit Hinweisen).  Die geforderte besondere Intensität der affektiven Beziehung kann in der  Regel  nur  dann  bejaht  werden,  wenn  ein  grosszügig  ausgestaltetes  Besuchsrecht  eingeräumt  ist  und  dieses  kontinuierlich,  spontan  und  reibungslos ausgeübt wird (Urteil des Bundesgerichts 2C_799/2010 vom  20. Februar 2011 E. 3.3.1 mit Hinweisen). 8.3.  Der  Beschwerdeführer  hat  geltend  gemacht,  er  pflege  zu  seiner  Tochter  eine  sehr  enge  Beziehung.  Er  habe  sich  sein  Besuchsrecht  regelrecht gerichtlich erstreiten müssen, da die Ex­Ehefrau alle möglichen  rechtlichen Schritte eingeleitet habe, um sein Besuchsrecht zu verhindern  bzw.  einzuschränken.  Dass  entsprechende  gerichtliche  Auseinandersetzungen  stattgefunden  haben,  ist  aus  den  Akten  ersichtlich; es wird denn auch nicht  in Abrede gestellt, dass eine  intakte  Beziehung  zwischen Vater  und Tochter  besteht. Die Schilderungen  des  Beschwerdeführers  können  aber  keinen  Aufschluss  darüber  geben,  ob  die  geschilderte  Beziehung  zur  Tochter  eine  gefühlsmässig  enge  Verbundenheit  im  Sinne  der  oben  (E. 8.2)  beschriebenen  Kriterien  darstellt – gerade in Anbetracht dessen, dass die beschriebene väterliche  Beziehung  von  der  Ex­Ehefrau  rundweg  anders  dargestellt  wird  (vgl.  Schreiben der Ehefrau vom 4. Juli 2009 betreffend das Gesuch  für eine  Abschiebung von A._______). Zudem stellt sich insbesondere die Frage,  ob  der  zeitliche  Umfang  der  getroffenen  Besuchsregelung  überhaupt 

C­3374/2010 ausreicht,  um  in  affektiver Hinsicht  eine  besonders  enge Vater­Tochter­ Beziehung annehmen zu können. 8.4. Unbestritten  ist, dass mit Urteil des Gerichtspräsidiums Rheinfelden  vom 16. Juni 2006 dem Beschwerdeführer ein väterliches Besuchsrecht  zugestanden  wurde,  welches  vom  Beschwerdeführer  durch  ein  Vollstreckungsbegehren  erwirkt  werden  musste.  Gemäss  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  wurde  das  Besuchsrecht  seither  immer  wahrgenommen  (vgl.  Replik  vom  1.  Februar  2011).  Ferner  weitete  das  Bezirksgericht Rheinfelden im Scheidungsurteil vom 11. November 2009  sein  Besuchsrecht  aus.  Demnach  sieht  der  Beschwerdeführer  seine  Tochter seit März 2011 jedes 1. und 3. Wochenende im Monat, was vier  Tagen  im Monat entspricht. Ab dem 6. Altersjahr von B._______  ist der  Vater berechtigt, 2 Wochen Ferien mit seiner Tochter zu verbringen – aus  den  Akten  ist  nicht  ersichtlich,  ob  der  Beschwerdeführer  bereits  davon  Gebrauch machen konnte.  Die  zeitliche  Ausgestaltung  des  Besuchsrechts  für  die  Tochter  des  Beschwerdeführers  entspricht  den  üblichen  Vereinbarungen,  welche  Kindeseltern  –  jedenfalls  Eltern  kleinerer  Kinder  –  anlässlich  einer  Trennung oder Scheidung vornehmen. Ein vierzehntägiges Besuchsrecht  am  Samstag  und  Sonntag  ist  sozusagen  der  Mindeststandard,  der  es  dem nichtsorgeberechtigten Elternteil erlaubt, seine Beziehung zum Kind  aufrechtzuerhalten. Von einem grosszügig ausgestalteten, kontinuierlich,  spontan  und  reibungslos  ausgeübten  Besuchsrecht  –  Zeichen  für  eine  besonders  intensive  affektive  Beziehung  –  kann  bei  einer  solchen  Vereinbarung  jedoch  nicht  die  Rede  sein.  Dementsprechend  hat  das  Bundesgericht eine enge gefühlsmässige Vater­Kind­Beziehung auch nur  in  den  Fällen  bejaht,  in  denen  der  Kontakt  über  das  übliche  Mass  hinausging  (vgl.  BGE  120  Ib  1  E.  3a,  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_718/2010  vom  2. März  2011  E.  3.2.1  mit  Hinweisen,  Urteil  des  Bundesgerichts 2C_787/2010 vom 16. Juni 2011 E. 3.2.2). 8.5.  Entscheidend  ist,  wie  sich  die  Beziehung  zwischen  dem  Beschwerdeführer  als  nichtsorgeberechtigtem  Elternteil  und  Kind  im  gegenwärtigen Zeitpunkt darstellt, nicht, wie sie unter den bestmöglichen  Voraussetzungen gelebt werden könnte. Zugegebenermassen kann es in  der  Praxis  nur  dann  ein  grosszügig  ausgeübtes  Besuchsrecht  geben,  wenn diesbezüglich zwischen beiden Elternteilen Einvernehmen herrscht.  Anders  ist  ein  solches  Besuchsrecht,  das  eine  gewisse  Offenheit  und  gegenseitiges  Vertrauen  der  Beteiligten  erfordert,  aber  auch  gar  nicht 

C­3374/2010 denkbar,  denn  die  wesentlichen  Eigenschaften,  die  ein  solches  Besuchsrecht ausmachen, lassen sich gegenüber dem sorgeberechtigten  Elternteil nicht zwangsweise durchsetzen. Es ist daher unerheblich, dass  der  Beschwerdeführer  –  sinngemäss  –  mehrmals  ausführt,  die  Kindesmutter  sei  für  die  heutige  Besuchsregelung  verantwortlich  (vgl.  bspw. Eingabe vom 21. November 2011). In  seiner Eingabe  vom 21. November  2011  führt  der Beschwerdeführer  aus,  seine  bisherigen  Besuchsrechte  seien  "mehrheitlich  wahrgenommen"  worden.  Weiter  werde  seine  Beziehung  zu  seiner  Tochter B._______  in affektiver Hinsicht  "zunehmend enger" sein, da er  gewillt und fähig sei, "regelmässig die Besuchskontakte zu seiner Tochter  wahrzunehmen". Er äussert sich jedoch nicht dazu, ob er vom Recht, mit  seiner Tochter zwei Wochen Ferien zu verbringen (vgl. Sachverhalt Bst.  D), bereits Gebrauch gemacht hat.  Folglich  liefern  weder  die  vorliegenden  Akten  noch  die  Beschwerdevorbringen  einschliesslich  der  vorgelegten  Beweismittel  Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer zu seiner Tochter eine  besonders  intensive  affektive  Beziehung  im  Sinne  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  unterhält.  Verneint  man  das  Vorliegen einer intensiven gefühlsmässigen Vater­Tochter­Beziehung, so  kommt  es  auch  nicht  mehr  darauf  an,  mit  welchen  (räumlichen  und  finanziellen)  Einschränkungen  der  Beschwerdeführer  den  Kontakt  zu  seiner  Tochter  von  seinem  Heimatland  aus  weiterführen  kann.  Diese  Frage wäre  nur  –  bei Bejahung  einer  intensiven  affektiven Beziehung –  kumulativ zu prüfen. Dem Beschwerdeführer ist es somit zuzumuten, den  Kontakt  zu  seiner  Tochter  auf  andere Weise  als  bisher  zu  pflegen  und  sein  Besuchsrecht  –  dessen  Modalitäten  in  diesem  Fall  anzupassen  wären  –  im  Rahmen  von  Kurzaufenthalten  vom  Heimatland  her  auszuüben. Den Anforderungen, die Art. 8 EMRK an die Möglichkeit, ein  Familienleben  zu  führen,  stellt,  ist  damit  Genüge  getan  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­8103/2009 vom 24. Oktober 2011 E. 7.5). 9.  Anspruchsbegründend  können  auch  sonstige  wichtige  persönliche  Gründe  sein,  da  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  bewusst  auf  eine  abschliessende  Aufzählung  der  Gründe  verzichtet  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­4625/2009  vom  31.  März  2011  E.  7.2).  Entscheidend ist hierbei die persönliche Situation des Betroffenen. Die in  Art.  31  Abs.  1  VZAE  aufgelisteten,  aber  nicht  erschöpfenden  Kriterien 

C­3374/2010 können  für  die Beurteilung  eines Härtefalles  herangezogen werden  und  eine  wesentliche  Rolle  spielen,  auch  wenn  sie  einzeln  betrachtet  grundsätzlich  noch  keinen  Härtefall  zu  begründen  vermögen  (vgl.  den  erwähnten  BGE  137  II  345  E. 3.2.3).  Als  insofern  relevante  Auslegungskriterien  (vgl. E.  7 am Ende)  nennt Art. 31 Abs.  1 VZAE die  Integration  (Bst.  a),  die  Respektierung  der  Rechtsordnung  (Bst.  b),  die  Familienverhältnisse (Bst. c), die finanziellen Verhältnisse sowie der Wille  zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung (Bst. d),  die Dauer der Anwesenheit (Bst. e), der Gesundheitszustand (Bst. f) und  die  Möglichkeiten  der  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  (Bst.  g)  (siehe auch MARTINA CARONI in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O.,  Art. 50 N 23 f.). 9.1. Im Falle des Beschwerdeführers sind jedoch keine spezifischen, auf  seiner Ehe bzw. deren Auflösung beruhenden Gründe ersichtlich, die ihm  einen  Anspruch  auf  weiteren  Verbleib  in  der  Schweiz  verschaffen  könnten.  Der  Umstand,  dass  seine  Ehe  gescheitert  ist,  lässt  nicht  erkennen,  dass  seine  soziale  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  (Kosovo) stark gefährdet wäre.  9.2. Der Beschwerdeführer hat  insbesondere betont, er habe sich  in der  Schweiz erfolgreich integriert und diesbezüglich auf seine berufliche und  soziale Integration verwiesen. Seit dem 1. Februar 2011 verfüge er über  eine  unbefristete  Arbeitsstelle  als  Eisenleger  in  Delémont  (vgl.  Eingabe  vom  1.  Februar  2011).  Weiter  zeige  er  durch  seine  beruflichen  Bemühungen ein überdurchschnittlich hohes Mass an  Integrationswillen,  was  insbesondere  auch  an  der  sprachlichen  Entwicklung  zu  erkennen  sei. So könne er sich problemlos auf Deutsch ausdrücken. Zudem habe  er nie Sozialhilfegelder bezogen. Schliesslich handle es sich bei den vier  Strafbefehlen,  welche  gegen  ihn  erlassen  wurden,  lediglich  um  Bagatelldelikte. Diese würden zudem schon lange Zeit zurückliegen. 9.3. Dem  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  über  eine  unbefristete  Arbeitsstelle verfügt, kommt angesichts der arbeitsmarktlichen Interessen  der Schweiz  jedoch  kein besonderes Gewicht  zu. Auch die erworbenen  Sprachkenntnisse  zeigen  lediglich  auf,  dass  die  bisherige Eingliederung  des Beschwerdeführers einer normalen zeitlichen Entwicklung, nicht aber  einer  besonderen  –  und  auf  eine  enge  Beziehung  zur  Schweiz  hinweisenden – Integrationsleistung entspricht. 

C­3374/2010 Unklar ist im Übrigen der gegenwärtige Wohnort des Beschwerdeführers.  Aus  den  Akten  des  Migrationsamtes  des  Kantons  Aargau  geht  diesbezüglich  hervor,  dass  er  sich  am  28.  Februar  2011  bei  der  Einwohnerkontrolle Frick abmeldete und – offenbar ohne im Besitz einer  Bewilligung zum Kantonswechsel zu sein – nach Delémont zog. Hierauf  forderte  ihn  die  zuständige Behörde  des Kantons  Jura  auf,  den Kanton  wieder  zu  verlassen  und  die  ohne Bewilligung  angetretene Arbeitsstelle  aufzugeben  (vgl.  Schreiben  des  Service  de  la  population  vom  22.  Juni  2011,  bei  den  BFM­Akten).  Ob  er  dieser  Aufforderung  nachgekommen  ist, erscheint fraglich. Zwar gelangte er am 19. August 2011 in Eiken/AG  wieder  zur  Anmeldung,  die  allerdings  aufgrund  der  Hängigkeit  des  vorliegenden Verfahrens noch pendent  ist  (vgl. Notiz vom 5. September  2011  in  den  Akten  des  Kantons  Aargau).  Laut  Eingabe  des  Beschwerdeführers  vom  21.  November  2011  arbeitet  er  jedoch  immer  noch  beim  gleichen  Arbeitgeber  in  Delémont  und  die  eingereichten  Lohnabrechnungen  für  die  Monate  Juni,  September  und  Oktober  2011  nennen  eine  Wohnadresse  in  Delémont.  Der  genannten  Eingabe  lässt  sich  diesbezüglich  nichts  entnehmen.  Ebenso  wenig  äussert  sich  der  Beschwerdeführer zur Rechtmässigkeit seiner Erwerbstätigkeit; jedenfalls  macht  er  nicht  geltend,  ihm  wäre  nachträglich  die  Arbeitsaufnahme  im  Kanton Jura gestattet worden. 9.4.  Festzuhalten  ist  auch,  dass  die  Aufenthaltsdauer  von  acht  Jahren  angesichts  seines Alters – der Beschwerdeführer  reiste  im Alter  von 25  Jahren in die Schweiz ein – nicht als sehr lang anzusehen ist. Da der Beschwerdeführer den grössten Teil seines bisherigen Lebens in  seinem  Heimatland  verbracht  und  mithin  die  persönlichkeitsbildenden  Jahre  dort  verlebt  hat,  ist  er  mit  den  dortigen  kulturellen  und  gesellschaftlichen  Gepflogenheiten  vertraut.  Deswegen  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  nach  seiner  Rückkehr  soziale  Anknüpfungspunkte  haben  wird,  welche  seine  Reintegration  erleichtern  dürften. Die hier erworbenen Fähigkeiten werden ihm bei der beruflichen  Wiedereingliederung von Nutzen sein. Ohne Belang  ist es, wenn er dort  wirtschaftliche  Verhältnisse  vorfindet,  die  nicht  denjenigen  der  Schweiz  entsprechen.  Schliesslich  ist  ebenfalls  der  Umstand  in  Betracht  zu  ziehen,  dass  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  zu  Klagen  Anlass  gegeben  hat.  Abgesehen  von  drei  Verstössen  gegen  das  Strassenverkehrsgesetz ist vor allem der Strafbefehl betreffend häusliche 

C­3374/2010 Gewalt zu erwähnen ist (vgl. Strafbefehle vom 17. und 30. August 2005,  18.  Juni  2006  sowie  27.  Mai  2008).  Keineswegs  können  die  Vorkommnisse als Bagatelldelikte bezeichnet werden. Zudem erstrecken  sich  die  Verurteilungen  gegen  den  Beschwerdeführer  über  mehrere  Jahre,  sodass  es  den  Anschein  macht,  er  wolle  sein  Verhalten  nicht  ändern. Da  der  Beschwerdeführer  offensichtlich  auch  keine  gesundheitlichen  Probleme  hat,  gibt  es  in  Anbetracht  seiner  gesamten  Situation  keine  wichtigen  Gründe,  die  gemäss  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  die  Verlängerung seines Aufenthaltes erfordern würden. Zu betonen ist, dass  derartige  Gründe  nur  dann  anzunehmen  sind,  wenn  die  persönliche,  berufliche  und  familiäre  Wiedereingliederung  stark  gefährdet  erscheint  und  nicht  bereits  dann, wenn  ein  Leben  in  der Schweiz  einfacher wäre  (vgl. den erwähnten BGE 137 II 345 E. 3.2.3). 10.  Der  Beschwerdeführer  besitzt  somit  gestützt  auf  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  (wichtige  persönliche  Gründe)  keinen  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  Dafür,  dass  die  Vorinstanz  innerhalb  des  Beurteilungsspielraums  der  Art.  18  –  30  AuG  einen  fehlerhaften  Ermessensentscheid  getroffen  haben  könnte,  bestehen  keine  Anhaltspunkte;  insbesondere  wäre  in  diesem  Rahmen  auch  keine  Härtefallregelung nach Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG in Betracht gekommen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­6133/2008  vom  15.  Juli  2011  E.  8).  Dass  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  verweigert  hat,  kann  daher  nicht  beanstandet  werden. 11.  Als gesetzliche Folge der nicht mehr verlängerten Aufenthaltsbewilligung  hat der Beschwerdeführer die Schweiz zu verlassen (Art. 64 Abs. 1 Bst. c  AuG). Es bleibt aber zu prüfen, ob Hinderungsgründe für den Vollzug der  Wegweisung anzunehmen sind  (Art.  83 Abs.  2  –  4 AuG) und das BFM  gestützt hierauf die vorläufige Aufnahme hätte verfügen müssen. 11.1. Die Möglichkeit und Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs stehen  im vorliegenden Fall ausser Frage. Demzufolge wäre allenfalls  relevant,  ob  die  zwangsweise Rückkehr  für  den Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefährdung mit sich brächte und damit nicht zumutbar wäre.

C­3374/2010 11.2.  Der  Wegweisungsvollzug  kann  für  die  betroffene  Person  unzumutbar  sein,  wenn  sie  in  ihrem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  oder  einer  medizinischen Notlage ausgesetzt wäre. Wirtschaftliche Schwierigkeiten,  von  welchen  die  ansässige  Bevölkerung  regelmässig  betroffen  ist,  wie  Wohnungsnot oder ein schwieriger Arbeitsmarkt, vermögen jedoch keine  konkrete  Gefährdung  zu  begründen.  Dagegen  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zumutbar,  wenn  dieser  für  die  ausländische  Person  höchstwahrscheinlich  zu  einer  existenziellen  Bedrohung  führen  würde,  beispielsweise  dann,  wenn  sie  nach  ihrer  Rückkehr  mit  völliger  Armut,  Hunger,  Invalidität  oder  Tod  konfrontiert  wäre  (vgl.  BVGE  E­6220/2006  vom 27. Oktober 2011 E. 11.1 mit Hinweis). 11.3.  Der  Beschwerdeführer  hat  im  vorliegenden  Verfahren  keine  konkrete  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  substantiiert  behauptet.  Zudem  hat  er  sich  nicht  zur  Situation  in  seinem Heimatland  geäussert, geschweige denn zu den Lebensumständen, die er bei seiner  Rückkehr in den Kosovo vorfinden würde. Schon angesichts dessen kann  nicht davon ausgegangen werden, dass der Vollzug der Wegweisung ihn  dort  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  lassen  würde  und  deshalb  als  unzumutbar  zu  erachten  wäre.  Des  Weiteren  ist  der  Beschwerdeführer weder gesundheitlich gefährdet  noch sonst  von einer  ernsthaften  Krankheit  betroffen,  deren  medizinische  Behandlung  im  Heimatland nicht gewährleistet wäre. Die Hinweise auf die angeblich gute  Integration  in  der  Schweiz  sind  bei  der  Prüfung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  derweil  unbeachtlich  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts     C­626/2006  vom  14.  Juni  2007  E.  6.2.2  sowie  Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden  [VPB]  62.52).  Dass  der  Beschwerdeführer  im  Kosovo  andere  Lebensverhältnisse  als  in  der  Schweiz antreffen wird,  ist, wie bereits gesagt, unerheblich. Der Vollzug  seiner Wegweisung ist somit als zumutbar zu erachten. 12.  Aus  diesen  Darlegungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  als  rechtmässig  zu  bestätigen  ist  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  demzufolge abzuweisen. 13.  Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer  die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 und Art. 3 des 

C­3374/2010 Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv S. 18

C­3374/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  900.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. […]; Akten retour) – das Amt für Migration des Kantons Aargau Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Kradolfer Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: