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Bundesverwaltungsgericht 11.10.2011 C-272/2009

11 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,490 mots·~7 min·1

Résumé

Einreiseverbot | Einreiseverbot

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­272/2009 Urteil   v om   1 1 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Andreas Trommer, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien T._______, vertreten durch Anna Schuler­Scheurer, Rechtsanwältin,  Bürgi Nägeli Rechtsanwälte, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Einreiseverbot.

C­272/2009 Sachverhalt: A.  Der  aus  Kroatien  stammende Beschwerdeführer  (geb.  1958) wurde  am  8. November  2008  von  der  Stadtpolizei  Zürich  verhaftet,  nachdem  er  gleichentags  in  einem  Herrenmodegeschäft  an  der  Bahnhofstrasse  in  Zürich zwei Herrenstricknerzmäntel im Gesamtwert von über Fr. 14'000.­  unter seiner Jacke versteckt und mit diesen ohne Bezahlung das fragliche  Geschäft  verlassen  hatte.  Mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  I  des  Kantons Zürich vom 15. Dezember 2008 wurde er wegen Diebstahls zu  einer  (bedingten) Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 100.­ und einer  Busse  von  Fr.  500.­  verurteilt,  unter  Anrechnung  von  38  Tagen  Untersuchungshaft auf diese Geldstrafe. B.  Gestützt  auf  diesen  Sachverhalt  verhängte  die  Vorinstanz  am  16.  Dezember  2008  gegen  den  Beschwerdeführer  ein  dreijähriges  Einreiseverbot  und  entzog  einer  allfälligen  Beschwerde  die  aufschiebende Wirkung. Zur Begründung der Massnahme führte sie unter  Bezugnahme auf Art.  67 Abs.  1 Bst.  a des Ausländergesetzes  vom 16.  Dezember 2005 (AuG, SR 142.20; zur damaligen Fassung vgl. AS 2007  5457) aus, es liege wegen Diebstahls ein Verstoss und eine Gefährdung  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  vor.  Zudem  seien  Sozialhilfekosten  verursacht  worden.  Die  Fernhaltemassnahme  enthielt  im Weitern den Hinweis, dass das Einreiseverbot zu einer Ausschreibung  zur Einreiseverweigerung im Schengener Informationssystem (SIS) führe  und damit auch ein Einreiseverbot für das gesamte Gebiet der Schengen­ Staaten bewirke. C.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  15.  Januar  2009  an  das  Bundeverwaltungsgericht beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung  des Einreiseverbots; eventualiter sei die Dauer der Fernhaltemassnahme  auf ein Jahr zu begrenzen.  In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er  um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde.  Im  Wesentlichen  lässt  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  vorbringen,  ihm  könne  keineswegs  ein  Verhalten  zur  Last  gelegt  werden,  welches  hinsichtlich  der  Schwere  der  Verfehlung  eine  Fernhaltemassnahme  rechtfertige,  zumal  er  sich  lediglich  eines  einmaligen  Verstosses  gegen  gesetzliche Vorschriften schuldig gemacht habe. Er beteuert  im Weitern,  dass  sich eine  solche  (Straf­)Tat,  begangen aus Übermut und aufgrund 

C­272/2009 der  durch  Alkoholgenuss  herabgesetzten  Hemmschwelle,  nicht  wiederholen  werde.  Nicht  nachvollziehbar  sei  die  Begründung  der  Vorinstanz, wonach er Sozialhilfekosten verursacht habe, erziele er doch  als  Mitbesitzer  zweier  Sägewerke  in  Kroatien,  Vermieter  zweier  Eigentumswohnungen,  Verpächter  von  Ländereien  in  Bosnien  sowie  Vermittler  von  Immobiliengeschäften  ein  monatliches  Durchschnittseinkommen  zwischen  Fr.   7'000.­  und  Fr. 8'000.­.  Die  Fernhaltemassnahme  beschränke  ihn  unverhältnismässig  in  der  Ausübung  seiner  beruflichen  Tätigkeit.  Seine  Holzverarbeitungsbetriebe  belieferten  vor  allem Firmen  in  Italien,  aber  auch  in  der Bundesrepublik  Deutschland sowie in weiteren Schengen­Ländern. Zur Ausübung dieser  Tätigkeit sei er darauf angewiesen, die Abnehmer seiner Ware besuchen  und zu Repräsentationszwecken seine Firmen vertreten zu können. Der Eingabe waren  unter  anderem  zwei Strafregisterauszüge  sowie  ein  Ausdruck  der  Internetseite  der  fraglichen  Holzverarbeitungsfirma  beigelegt. D.  Mit  Zwischenverfügung  des Bundesverwaltungsgerichts  vom 30.  Januar  2009  wurde  das  Gesuch  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung der Beschwerde abgewiesen.  E.  Mit  Eingabe  vom  24.  März  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  weitere  Beweismittel  bezüglich  seiner Geschäftsbeziehungen  zu  zwei  Firmen  in  Triest/Italien  sowie  eine  Liste  mit  Namen  und  Adressen  von  Freunden  und Verwandten mit Wohnsitz in Schengen­Staaten zu den Akten.  F.  Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 27. April 2009 auf  Abweisung  der  Beschwerde  und  hält  im  Weitern  fest,  der  Beschwerdeführer  habe  einen Diebstahl mit  beträchtlicher  Deliktsumme  begangen.  Nachdem  dieser  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  selber  bestätigt  habe, dass er  sich geschäftlich  kaum  in der Schweiz,  sondern  hauptsächlich  in  Italien  aufhalten  werde,  stehe  einem  nationalen  Einreiseverbot,  welches  ausschliesslich  für  die  Schweiz  gelte,  nichts  entgegen.  Die  in  der  Verfügung  erwähnten  Sozialhilfekosten  bezögen  sich auf die entstandenen Ausschaffungskosten.

C­272/2009 In  ihren Erläuterungen zur Vernehmlassung vom 14. Mai 2009 bestätigt  die  Vorinstanz  bezüglich  des  räumlichen  Geltungsbereichs  der  angefochtenen  Fernhaltemassnahme,  dass  in  casu  –  entgegen  dem  entsprechenden  Vermerk  in  der  angefochtenen  Verfügung  –  eine  Ausschreibung im SIS (noch) nicht erfolgt sei, weist allerdings darauf hin,  dass  verbindliche  Auskünfte  über  Ausschreibungen  im  SIS  letztlich  nur  die  im  Übereinkommen  vom  19.  Juni  1990  zur  Durchführung  des  Übereinkommens  betreffend  den  schrittweisen Abbau  der Kontrollen  an  den gemeinsamen Grenzen (Schengener Durchführungsübereinkommen  [SDÜ],  Abl.  L  239  vom  22.  September  2000,  S.  19­62)  vorgesehene  nationale Kontrollinstanz – das SIRENE­Büro – erteilen könne (Art. 49 ff.  der  Verordnung  vom  7.  Mai  2008  über  den  nationalen  Teil  des  Schengener Informationssystems [N­SIS] und das SIRENE­Büro [N­SIS­ Verordnung, SR 362.0]).  G.  Mit  Replik  vom  8.  Juli  2009  hält  der  Beschwerdeführer  an  seinen  Rechtsbegehren und deren Begründung vollumfänglich fest und nimmt im  Weitern  zur  Kenntnis,  dass  das  BFM  von  einem  ausschliesslich  für  die  Schweiz  geltenden,  nationalen  Einreiseverbot  ausgehe,  welches  nur  ausnahmsweise verhängt werde, und eine Ausschreibung  im SIS bisher  (noch) nicht erfolgt sei. H.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  im  Sinne  von  Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG  genannten  Behörden.  Dazu  gehört  auch  das  BFM,  das  mit  der  Anordnung  eines  Einreiseverbotes  eine  Verfügung  im  erwähnten  Sinne  und  daher  ein  zulässiges  Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt  nicht vor.

C­272/2009 1.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet  sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3. Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsbetroffener  zur  Erhebung  des  Rechtsmittels  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (Art.  49  ff.  VwVG). 1.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig  (vgl.  Art.  83  Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [BGG, SR  173.110]. 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie  –  wenn  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen oder abweisen. Massgebend  ist grundsätzlich die Sach­ und  Rechtslage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3.  Wird gegen eine Person, welche nicht Angehörige eines Staates  ist, der  durch  eines  der  Schengen­Assozierungsabkommen  gebunden  ist  (vgl.  Anhang 1 Ziffer  1 AuG),  ein Einreiseverbot  nach Art.  67 AuG verhängt,  wird diese Person gestützt auf Art. 94 Abs. 1 und Art. 96 SDÜ und Art. 16  Abs.  2  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  13.  Juni  2008  über  die  polizeilichen  Informationssysteme  des  Bundes  (BPI,  SR  361)  grundsätzlich im Schengener Informationssystem ([SIS], vgl. dazu Art. 92  ff.  SDÜ)  zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben.  Eine  solche  Ausschreibung  einer  Person  im  SIS  zur  Einreiseverweigerung  aufgrund  einer  vom  BFM  verhängten  Fernhaltemassnahme  bewirkt,  dass  ihr  die  Einreise  in  das  Hoheitsgebiet  der  Schengen­Mitgliedstaaten  verweigert  wird  (vgl.  Art.  13  Abs.  1  der  Verordnung  [EG]  Nr.  562/2006  des  Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen  Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen 

C­272/2009 [Schengener Grenzkodex bzw. SGK, Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1­ 32]). In seiner Vernehmlassung hat das BFM jedoch festgehalten, dass es sich  bei  der  gegen  den  Beschwerdeführer  verhängten  Fernhaltemassnahme  lediglich  um  ein  nationales  Einreiseverbot  handle,  welches  ausschliesslich  für  die  Schweiz  gelte,  und  im Weitern  bestätigt,  dass –  entgegen dem Vermerk  in der angefochtenen Verfügung – bisher  keine  Ausschreibung im SIS erfolgt sei.  4.  4.1.  Das  in  Art.  67  AuG  geregelte  Einreiseverbot  entspricht  der  altrechtlichen  Einreisesperre  des  Art.  13  des  Bundesgesetzes  vom  26.  März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG, BS  1 121). Auf den 1. Januar 2011 trat als Folge der Weiterentwicklung des  Schengen­Besitzstandes  eine  neue  Fassung  in  Kraft  (zum Ganzen  vgl.  BBl  2009  8881  und AS 2010  5925). Nach Art.  67 Abs.  1 AuG wird  ein  Einreiseverbot  vom  BFM  unter  Vorbehalt  von  Abs.  5  nun  gegenüber  weggewiesenen  Ausländerinnen  und  Ausländern  verfügt,  wenn  die  Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2 Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird  (Art.  67  Abs.  1  Bst.  a  AuG)  oder  die  betroffene  Person  der  Ausreiseverpflichtung  nicht  nachgekommen  ist  (Art.  67  Abs.  1  Bst.  b  AuG).  Es  kann  nach  Art.  67  Abs.  2  AuG  sodann  gegen  ausländische  Personen  erlassen  werden,  die  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der Schweiz  oder  im Ausland  verstossen  haben oder  diese  gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a), Sozialhilfekosten verursacht haben (Art.  67  Abs.  2  Bst.  b)  oder  in  Vorbereitungs­,  Ausschaffungs­  oder  Durchsetzungshaft  genommen werden mussten  (Art.  67  Abs.  2  Bst.  c).  Das  Einreiseverbot  wird  für  eine  Dauer  von  höchstens  fünf  Jahren  verhängt.  Es  kann  für  eine  längere  Dauer  verfügt  werden,  wenn  die  betroffene  Person  eine  schwerwiegende  Gefahr  für  die  öffentliche  Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Schliesslich kann  die  verfügende  Behörde  aus  humanitären  oder  anderen  wichtigen  Gründen  von  der  Verhängung  eines  Einreiseverbots  absehen  oder  ein  Einreiseverbot  vollständig oder  vorübergehend aufheben  (Art.  67 Abs. 5  AuG).  Die  bisher  bestehende  Praxis  der  Vorinstanz  bei  der  Ansetzung  von  Fernhaltemassnahmen  ist  in  der  vorliegenden  Konstellation  mit  den  obgenannten Grundsätzen vereinbar (vgl. BBl 2009 8896 ad Art. 67 Abs.  3  in  fine),  zumal  kein Einreiseverbot mit  einer Dauer  von mehr  als  fünf 

C­272/2009 Jahren zur Diskussion steht. Für den Beschwerdeführer ändert die am 1.  Januar 2011 in Kraft gesetzte neue Fassung von Art. 67 AuG im Ergebnis  nichts  (vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­820/2009 vom  9. März 2011 E. 5.1. mit Hinweis).  4.2. Wie  bereits  die  altrechtliche  Einreisesperre  ist  das  Einreiseverbot  keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten, sondern eine Massnahme  zur  Abwendung  künftiger  Störungen  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  (siehe  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002  [nachfolgend:  Botschaft],  BBl  2002  3709, 3813). Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67  Abs. 2 Bst. a AuG (welcher der alten Fassung von Art. 67 Abs. 1 Bst. a  AuG  entspricht)  bildet  den  Oberbegriff  für  die  Gesamtheit  der  polizeilichen  Schutzgüter.  Sie  umfasst  unter  anderem  die  Unverletzlichkeit  der  objektiven  Rechtsordnung;  deren  Verletzung  ist  namentlich gegeben bei erheblichen oder wiederholten Verstössen gegen  gesetzliche  Vorschriften  oder  behördliche  Verfügungen  sowie  bei  Nichterfüllung  öffentlichrechtlicher  oder  privatrechtlicher  Verpflichtungen  (Botschaft,  a.a.O.,  3809;  vgl.  auch  Art.  80  Abs.  1  Bst.  a  und  b  der  Verordnung  vom  24.  Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201] sowie RAINER J. SCHWEIZER/PATRICK  SUTTER/NINA WIDMER,  in:  Rainer  J.  Schweizer  [Hrsg.],  Sicherheits­  und  Ordnungsrecht des Bundes, SBVR Bd.  III/1, Basel  2008, Teil B, Rz. 12  und 13 mit Hinweisen).  5.  5.1.  Mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  I  des  Kantons  Zürich  vom  15. Dezember  2008  wurde  der  Beschwerdeführer  wegen  Diebstahls  zu  einer  (bedingten) Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 100.­ und einer  Busse  von  Fr.  500.­  verurteilt,  unter  Anrechnung  von  38  Tagen  Untersuchungshaft auf diese Geldstrafe. Das Gericht warf ihm dabei vor,  am  8. November  2008  in  einem  Herrenmodegeschäft  an  der  Bahnhofstrasse  in  Zürich  zwei  Herrenstricknerzmäntel  im  Gesamtwert  von  über  Fr. 14'000.­  gestohlen  zu  haben.  Obwohl  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  keine  Gefährdung  von  Leib  und  Leben  darstellte,  kann  schon  aufgrund  des  hohen  Deliktsbetrages  von  einem  leichten  Verstoss  gegen  die  Rechtsordnung,  wie  die  Parteivertreterin  anzunehmen scheint, keine Rede sein. Es steht ausser Zweifel, dass er  damit gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67  Abs. 2 Bst. a AuG i.V.m. Art. 80 Abs. 1 Bst. a VZAE verstossen hat, was  grundsätzlich die Verhängung einer Fernhaltemassnahme rechtfertigte.

C­272/2009 5.2. Die Vorinstanz begründet das verhängte Einreiseverbot weiter damit,  der  Beschwerdeführer  habe  durch  die  entstandenen  Ausschaffungskosten  Sozialhilfekosten  verursacht.  Die  Botschaft  führt  hierzu  aus,  ein  Einreiseverbot  solle  insbesondere  dann  angeordnet  werden, wenn die Gefahr bestehe, dass bei einer Wiedereinreise erneut  Sozialhilfe­  und  Rückreisekosten  entstünden  (vgl.  Botschaft,  a.a.O.,  3813).  Dies  spricht  dafür,  die  bisherige,  unter  Geltung  des  ANAG  entwickelte  Praxis  zum  Fernhaltegrund  der  sogenannt  "vorsorglich  armenrechtlichen  Gründe"  im  Rahmen  des  –  in  der  erwähnten  Bestimmung nunmehr kodifizierten – Fernhaltegrundes der Verursachung  von  Sozialhilfekosten  weiterzuführen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­4921/2010 vom 11. August 2011 E. 9 mit  weiteren  Hinweisen).  Eine  Fernhaltemassnahme  kann  demnach  gegen  mittellose  ausländische  Personen  verhängt  werden,  welche  bereits  Sozialhilfekosten  verursacht  haben,  da  in  diesen  Fällen  die  Gefahr  besteht,  dass  sie  erneut  auf  sozialhilferechtliche  Unterstützung  angewiesen  sein  könnten.  Ob  eine  solche  Gefahr  besteht,  lässt  sich  naturgemäss  nur  anhand  einer  Prognose  beurteilen,  die  sich  auf  das  bisherige Verhalten der ausländischen Person abstützt. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, dass der Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  Sozialhilfe  bezogen  hätte.  Nicht  bestritten  wird  von  ihm  hingegen der  in der Vernehmlassung präzisierte Vorwurf der Vorinstanz,  wonach  die  entstandenen  Ausschaffungskosten  (Rückschaffung  nach  Zagreb)  von  der  öffentlichen  Hand  übernommen  werden  mussten.  Es  besteht daher die ernstzunehmende Gefahr, dass der Beschwerdeführer  im Falle einer Wiedereinreise erneut entsprechende Kosten verursachen  würde.  Damit  ist  auch  diese  –  alternative  –  Voraussetzung  für  die  Verhängung  eines  Einreiseverbots  als  erfüllt  zu  betrachten  (vgl.  Art.  67  Abs. 2 Bst. b AuG). 6.  6.1.  Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  die  angeordnete  Massnahme  in  richtiger  Ausübung des Ermessens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  steht  dabei  im  Vordergrund.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  ist eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem  öffentlichen  Interesse  an  der  Massnahme  einerseits  und  den  von  der  Massnahme  beeinträchtigten  privaten  Interessen  des  Betroffenen  andererseits.  Die  Stellung  der  verletzten  oder  gefährdeten Rechtsgüter,  die  Besonderheiten  des  ordnungswidrigen  Verhaltens  und  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Verfügungsbelasteten  bilden  dabei  den 

C­272/2009 Ausgangspunkt  der  Überlegungen  (vgl.  statt  vieler  ULRICH  HÄFELIN  /  GEORG  MÜLLER  /  FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6.  vollständig überarbeitete Auflage, Zürich/St. Gallen 2010, Rz 613 ff.). 6.2.  Wie  oben  ausgeführt,  hat  der  Beschwerdeführer  nicht  nur  den  Fernhaltegrund  von  Art.  67  Abs.  2  Bst.  b  AuG  (Verursachung  von  Sozialhilfekosten)  gesetzt,  sondern  mit  seinem  Verhalten  (Diebstahl)  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  verstossen.  Allein  schon  das  generalpräventiv  motivierte  öffentliche  Interesse,  die  gesetzliche  Ordnung  durch  eine  konsequente  Massnahmenpraxis  gegenüber  ausländischen Personen zu schützen, ist gewichtig; umso mehr, wenn es  um einen Deliktsbetrag von über Fr. 14'000.­ geht. Persönliche Interessen macht der Beschwerdeführer insofern geltend, als  er angibt, die Fernhaltemassnahme beschränke ihn unverhältnismässig in  der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit, sei er doch aus geschäftlichen  Gründen  auf  ungehinderte  Einreisen  in  den  Schengenraum,  namentlich  nach  Italien,  angewiesen.  Die  erwähnten  Beeinträchtigungen  gilt  es  insofern zu relativieren, als das BFM in seiner Vernehmlassung in diesem  Zusammenhang  festgehalten  hat,  bei  der  gegen  den Beschwerdeführer  verhängten  Fernhaltemassnahme  handle  es  lediglich  um  ein  nationales  Einreiseverbot,  welches  ausschliesslich  für  die  Schweiz  gelte,  und  im  Weitern  bestätigt  hat,  dass  keine  Ausschreibung  im  SIS  erfolgt  sei.  Darauf ist in casu abzustellen. Nicht  zutreffend  ist  schliesslich  die  Auffassung  des  Beschwerdeführers,  aufgrund  eines  einmaligen  Verstosses  (gegen  strafrechtliche  Bestimmungen)  sei  gegen  ihn  ein  Einreiseverbot  mit  der  zeitlichen  Höchstdauer  von  drei  Jahren  verhängt  worden,  hielt  doch  das  Ausländergesetz  in  seiner  ursprünglichen Fassung  bezüglich  der Dauer  der  Fernhaltemassnahme  lediglich  fest,  das  Einreiseverbot  werde  befristet oder  in schwerwiegenden Fällen unbefristet verfügt (vgl. Art. 67  Abs.  3  AuG  in  der  Fassung  vom  1.  Januar  2008,  AS  2007  5457).  Demgegenüber  sieht  die  geltende  Fassung  zwar  eine  grundsätzliche  Beschränkung  des  Einreiseverbots  auf  fünf  Jahre,  bei  einer  schwerwiegenden  Gefahr  für  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  durch  die  betroffene  Person  jedoch  auch  eine  längere  Dauer  der  Fernhaltemassnahme vor. 6.3. Eine wertende Gewichtung der sich entgegenstehenden öffentlichen  und  privaten  Interessen  führt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum 

C­272/2009 Schluss,  dass  das  auf  drei  Jahre  befristete  Einreiseverbot  sowohl  vom  Grundsatz her als auch in Bezug auf seine Dauer eine verhältnismässige  und  angemessene  Massnahme  zum  Schutz  der  öffentlichen  Sicherheit  und Ordnung darstellt. 7.  Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im  Lichte  von Art.  49 VwVG nicht  zu  beanstanden  ist. Die Beschwerde  ist  somit abzuweisen.  8.  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Die  Verfahrenskosten sind auf Fr. 800.­ festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3  Bst.  b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). Dispositiv nächste Seite

C­272/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  am  17.  März  2009  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] zurück) – das Migrationsamt des Kantons Zürich mit den Akten […] Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand:

C-272/2009 — Bundesverwaltungsgericht 11.10.2011 C-272/2009 — Swissrulings