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Bundesverwaltungsgericht 31.10.2011 C-1591/2010

31 octobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,484 mots·~12 min·3

Résumé

Personen des Asylrechts | Zustimmung zur Aufenthaltsregelung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­1591/2010 Urteil   v om   3 1 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Andreas Trommer, Richterin Marianne Teuscher, Gerichtsschreiber Daniel Grimm. Parteien B._______,  vertreten durch lic.iur. LL.M. Tarig Hassan,  Advokatur Kanonengasse, Militärstrasse 76, Postfach 2115,  8021 Zürich, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Zustimmung zur Aufenthaltsregelung gemäss Art. 14 Abs. 2  AsylG.

C­1591/2010 Sachverhalt: A.  Die aus Äthiopien  stammende Beschwerdeführerin  (geb.  […])  reiste  am  27. August  2003  in  die  Schweiz  ein,  wo  sie  gleichentags  um  Asyl  ersuchte.  Mit  Verfügung  vom  10. Januar  2005  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch ab und wies sie unter Ansetzung einer Ausreisefrist aus der  Schweiz weg. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am  30. Januar  2005  bei  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  Beschwerde.  Auf  das  Rechtsmittel  wurde  mit  Urteil  vom  1. April  2005  mangels  Leistung  des  einverlangten  Kostenvorschusses nicht eingetreten und die Ausreisefrist vom BFM auf  den 2. Juni 2005 angesetzt. B.  Im  März  2006  stellte  die  äthiopische  Vertretung  in  der  Schweiz  der  Beschwerdeführerin  ein  Laissez­passer  aus, worauf  die Rückreise  nach  Äthiopien  für den 4. Mai 2006 geplant war. Unmittelbar davor stellte die  Beschwerdeführerin  am  3. Mai  2006  ein  zweites  Asylgesuch,  welches  vom BFM mit  Verfügung  vom  6. September  2006  abgelehnt  wurde. Mit  Urteil vom 3. Juli 2009 wies das inzwischen für das Verfahren zuständige  Bundesverwaltungsgericht die zweite Beschwerde ab. Am 22. September  2009 stellte die Beschwerdeführerin ein drittes Asylgesuch, welches die  Vorinstanz  mit  Entscheid  vom  11. Dezember  2009  wiederum  ablehnte.  Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom  17. Februar  2010  ebenfalls  ab.  Das  BFM  setzte  ihr  daraufhin eine Ausreisefrist bis zum 22. März 2010. C.  Zwischenzeitlich unterbreitete die Migrationsbehörde des Kantons Luzern  der  Vorinstanz  am  20. November  2009  auf  Anweisung  des  kantonalen  Justiz­  und  Sicherheitsdepartements  ein  Gesuch  um  Zustimmung  zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art. 14  Abs.  2  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31). Das  BFM  teilte  der  Beschwerdeführerin  am  18. Januar  2010  mit,  dass  erwogen  werde,  die  Zustimmung  zu  einer  entsprechenden  Aufenthaltsregelung  zu  verweigern,  und  räumte  ihr  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  ein.  Die  Beschwerdeführerin  liess  sich  am  26. Januar  2010 durch ihren Parteivertreter vernehmen.

C­1591/2010 D.  Mit  Verfügung  vom  25. Februar  2010  verweigerte  die  Vorinstanz  die  Zustimmung zur Erteilung der Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs.  2 AsylG. Dabei  führte sie  im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin  habe sich seit  ihrer Einreise  in die Schweiz offenbar gut  in die hiesigen  Verhältnisse eingelebt. Dass  ihr Verhalten  in  strafrechtlicher Hinsicht  zu  keinen  Klagen  Anlass  gegeben  habe,  entspreche  allerdings  den  Erwartungen.  Zu  Gute  zu  halten  sei  ihr,  dass  sie  seit  Dezember  2009  (recte: Dezember 2006) beim gleichen Arbeitgeber einer Erwerbstätigkeit  nachgegangen  sei  und  verschiedene  Ausbildungskurse  besucht  habe.  Zudem  habe  sie  keine  Fürsorgeleistungen  bezogen  und  ihren  Lebensunterhalt selbständig zu bestreiten vermögen. Dennoch erscheine  die  bisherige  berufliche  und  soziale  Integration  nicht  so  aussergewöhnlich,  dass  sie  zu  einer  besonderen  Verwurzelung  hätte  führen  können,  die  eine  Rückkehr  in  die  Heimat  unzumutbar  machen  würde. Des Weiteren sei die Beschwerdeführerin alleinstehend und habe  hierzulande  keine  Familienangehörigen.  Erst  als  23­jährige  in  die  Schweiz gekommen, habe sie die prägenden Kinder­ und Jugendjahre in  ihrer  Heimat  verbracht.  Die  absolvierte  Ausbildung  wie  auch  die  in  Äthiopien  und  der Schweiz  gesammelte Berufserfahrung  sollten  ihr  den  Wiedereinstieg  in  den  heimatlichen  Arbeitsmarkt  erleichtern.  Mit  der  Mutter und mehreren Geschwistern an ihrem ehemaligen Wohnort Addis  Abeba  verfüge  sie  dort  im  Übrigen  noch  über  ein  soziales  Beziehungsnetz,  was  ihr  die  Wiedereingliederung  erleichtere.  Bei  einer  Rückkehr dorthin wäre sie nicht grösseren Nachteilen ausgesetzt als die  einheimische  Bevölkerung,  geschweige  denn  als  andere  zur  Rückkehr  verpflichtete Landsleute. E.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  15. März  2010  beantragt  die  Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Ferner  sei  das  Vorliegen  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalles  festzustellen  und  das  BFM  anzuweisen,  die  Zustimmung  zur  Erteilung  einer Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG zu erteilen.  In  formeller  Hinsicht  ersucht  sie  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege und den Erlass vorsorglicher Massnahmen. Hierzu lässt sie  vorbringen,  sie  sei  nach  sechseinhalb  Jahren  in  der  Schweiz  sowohl  beruflich  als  auch  sozial  und  sprachlich  ausserordentlich  gut  integriert.  Insbesondere  aufgrund  der mehrjährigen Erwerbstätigkeit  für  denselben  Arbeitgeber  müsse  von  einer  besonderen  Verwurzelung  ausgegangen  werden. Auch nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

C­1591/2010 liege der Schwerpunkt auf der Verankerung  in der Schweiz. Die primäre  Voraussetzung  für  die  Annahme  eines  Härtefalles  sei  vorliegend  somit  gegeben.  Ausserdem  sei  die  Beschwerdeführerin  nicht  nur  Teil  der  "Association des Ethiopiens en Suisse (AES)", sondern auch Mitglied der  Partei Ginbot  7. Wegen  ihrer  diesbezüglichen exilpolitischen Tätigkeiten  müsse  sie  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  damit  rechnen,  im  Falle  einer  Rückkehr  inhaftiert  zu  werden.  Überdies  seien  die  Arbeitsplätze  in  Äthiopien  nach  wie  vor  rar  und  speziell  für  schlecht  qualifizierte  Arbeitskräfte wie sie bestünden  fast keine wirtschaftlichen Perspektiven.  Daraus  werde  klar,  dass  sich  eine  Wiedereingliederung  in  das  Heimatland  für  die Beschwerdeführerin  als  unzumutbar  erwiese und  sie  dort  grösseren Nachteilen  als  die  einheimische Bevölkerung  ausgesetzt  wäre.  Das  Rechtsmittel  war  mit  einer  Fürsorgebestätigung  der  Caritas  vom  7. Januar 2010 ergänzt. Mit  Eingabe  vom  25. März  2010  wiederholte  der  Parteivertreter  sein  Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen. F.  Am  26. März  2010  hielt  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  es  gehe  davon  aus,  dass  der  Aufenthalt  der  Beschwerdeführerin  hierzulande  während des hängigen Rechtsmittelverfahrens nicht gefährdet  sei, habe  sich  der  Kanton  Luzern  doch  bereit  erklärt,  zu  einer  Aufenthaltsbewilligung Hand zu bieten. Dem  Gesuch  um  Erlass  von  aufenthaltssichernden  vorsorglichen  Massnahmen  als  solchem  wurde mit  Zwischenverfügung  vom  29. März  2010 in der Folge nicht stattgegeben. G.  Mit  Zwischenverfügung  vom  4. Mai  2010  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  mangels  hinreichender  Erfolgsaussichten  ab. Am  17. Mai  2010  ersuchte  der  Parteivertreter  um  den  wiedererwägungsweisen  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  reichte  eine  Beschwerdeergänzung  ein.  Der  entsprechende Kostenvorschuss war am 14. Mai 2010 entrichtet worden.

C­1591/2010 H.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  14. Juni  2010  spricht  sich  die  Vorinstanz  unter  Erläuterung  der  bisher  genannten  Gründe  für  die  Abweisung  der  Beschwerde aus. I.  Replikweise hält der Parteivertreter am 9. August 2010 am eingereichten  Beweismittel  sowie  den  Begehren  fest.  Dazu  reichte  er  mehrere  Beweismittel  ein  (Referenzschreiben  des  letzten  Arbeitgebers,  des  früheren direkten Vorgesetzten und zweier Schweizer Kolleginnen). J.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen  des  BFM  –  als  eine  der  in  Art. 33  Bst.  d  VGG  genannten  Vorinstanzen  –  betreffend  Verweigerung der Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung  gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet  in diesem Bereich endgültig (vgl. Art. 1 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 83 Bst. c  Ziff.  2  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110],  siehe  in  Bezug  auf  Art.  14  Abs.  2  AsylG  auch  Urteil  des  Bundesgerichts 2C_692/2010 vom 13. September 2010 E. 3). 1.2. Das Verfahren  richtet  sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz,  dem  Verwaltungsgerichtsgesetz  und  dem  Bundesgerichtsgesetz,  soweit  das  Asylgesetz  –  sofern  anwendbar  –  nichts  anderes  bestimmt  (Art.  6  AsylG). 1.3. Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin gemäss Art. 48  Abs.  1 VwVG zur Beschwerde  legitimiert. Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (vgl.  Art.  50  und  52  VwVG). 

C­1591/2010 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art. 62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2 mit Hinweis). 3.  3.1. Gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG kann der Kanton mit Zustimmung des  BFM  einer  ihm  nach  dem  Asylgesetz  zugewiesenen  Person  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilen,  wenn  die  betroffene  Person  sich  seit  Einreichung  des  Asylgesuches  mindestens  fünf  Jahre  in  der  Schweiz  aufhält (Bst. a), der Aufenthaltsort der betroffenen Person den Behörden  immer bekannt war  (Bst. b) und wegen der  fortgeschrittenen  Integration  ein  schwerwiegender  persönlicher Härtefall  vorliegt  (Bst.  c).  Dabei  geht  es  nur  um  die  Frage,  ob  der  Kanton  ermächtigt  wird,  eine  Aufenthaltsbewilligung  zu  erteilen  bzw.  ein  Aufenthaltsverfahren  durchzuführen  (vgl.  dazu  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_853/2008  vom  28. Januar  2009  E.  3.1).   Anwendbar  ist  die  im  Rahmen  der  Asylgesetzrevision vom 16. Dezember 2005 per 1. Januar 2007  in Kraft  getretene  Härtefallregelung  von  Art.  14  Abs.  2  AsylG  sowohl  auf  Personen,  die  ein  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  haben,  als  auch  auf  Personen,  die  sich  noch  im  Asylverfahren  befinden.  Sie  stellt  eine  Ausnahme vom Grundsatz der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens dar  (PETER NIDERÖST, Sans­Papiers in der Schweiz, in: Peter Uebersax/Beat  Rudin/Thomas  Hugi  Yar/Thomas  Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2.  Auflage Basel 2009, Rz. 9.35). 3.2.  Bereits  vor  der  Revision  vom  16.  Dezember  2005  sah  das  Asylgesetz in Art. 44 Abs. 3 bis 5 (AS 1999 2273) die Möglichkeit vor,  in  Fällen  einer  schwerwiegenden  persönlichen Notlage  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen,  sofern  vier  Jahre  nach  Einreichen  des  Asylgesuchs  noch  kein  rechtskräftiger  Entscheid  ergangen  war.  Rechtskräftig  abgewiesene  Asylsuchende  waren  von  der  Möglichkeit 

C­1591/2010 der  vorläufigen  Aufnahme  ausgeschlossen.  Die  nunmehr  geltende  Regelung von Art. 14 Abs. 2 AsylG enthält nicht nur eine Ausweitung  des  Anwendungsbereiches  auf  rechtskräftig  abgewiesene  Asylsuchende,  sondern  bringt  der  betroffenen  Person  auch  insoweit  eine  rechtliche  Besserstellung,  als  ihr  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  und  nicht  mehr  nur  die  vorläufige  Aufnahme  gewährt  werden  kann  (zur  Entstehung  des  heutigen  Art.  14  Abs.  2  AsylG  vgl.  BVGE  2009/40 E. 3.1).  3.3.  Soweit  auf  Beschwerdeebene  in  diesem  Zusammenhang  argumentiert  wird,  der  Kanton  Luzern  verfolge  bei  der  Erteilung  von  Härtefallbewilligungen eine ausserordentlich strenge Praxis, weshalb hier  kein Anlass dazu bestanden hätte, der Empfehlung des antragstellenden  Kantons  keine  Folge  zu  leisten,  verkennt  der  Parteivertreter  die  Besonderheiten des Zustimmungsverfahrens nach Art. 14 Abs. 2 AsylG.  Demnach ist es nämlich Aufgabe des BFM, die Voraussetzungen für die  Erteilung  der  Zustimmung  umfassend  zu  prüfen.  Eine  umfassende,  originäre Sachentscheidskompetenz der Vorinstanz gilt übrigens auch für  das  ausländerrechtliche  Zustimmungsverfahren  gemäss  Art. 40  Abs.  1  des  Ausländergesetzes  vom  16. Dezember  2005  (AuG,  SR  142.20)   i.V.m.  Art. 99  AuG  (zum  alten,  aber  gleich  ausgestalteten  Recht:  BGE  127 II 49 E. 3a S. 51 f. und BGE 120 Ib 6 E. 3a S. 9 f.). Vorliegend ist es  somit an der Vorinstanz zu beurteilen, ob die Voraussetzungen gemäss  Art. 14 Abs. 2 Bst. a – c AsylG erfüllt  sind. Dass die dafür notwendigen  Sachverhaltsabklärungen  in  der  Regel  von  den  antragstellenden  Kantonen  durchgeführt  werden,  vermag  daran  nichts  zu  ändern  (siehe  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7265/2007  vom  24. März  2010  E. 3). Weder das BFM noch das Bundesverwaltungsgericht sind mithin an  die  Einschätzung  der  kantonalen  Behörde  gebunden  (zum Ganzen  vgl.  auch E. 4.1 – 5.4 hiernach). 4.  4.1.  Die  Beschwerdeführerin  hält  sich  seit  der  Einreichung  des  ersten  Asylgesuches  mehr  als  fünf  Jahre  in  der  Schweiz  auf,  wobei  ihr  Aufenthaltsort  den  Behörden  immer  bekannt  war.  Die  in  Art.  14  Abs.  2  Bst. a und b AsylG genannten Anforderungen sind damit erfüllt. Zu prüfen  bleibt,  ob  nach Massgabe  von  Art.  14  Abs.  2  Bst.  c  AsylG  "wegen  der  fortgeschrittenen  Integration  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  vorliegt". Diese Frage beurteilt sich auf der Grundlage der umfangreichen  Rechtsprechung  zum Härtefallbegriff  gemäss Art.  13 Bst.  f  der  bis  zum  31. Dezember 2007 geltenden Verordnung vom 6. Oktober 1986 über die 

C­1591/2010 Begrenzung der Zahl der Ausländer  (Begrenzungsverordnung, BVO, AS  1986 1791; vgl. heute Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG). Mit Art. 14 Abs. 2 Bst. c  AsylG  hat  der  Gesetzgeber  nämlich  keinen  eigenen  Härtefallbegriff  schaffen,  sondern  den  bereits  im  Kontext  des  Ausländerrechts  bestehenden und von der Rechtsprechung konkretisierten Härtefallbegriff  auch  für das Asylrecht anwendbar machen wollen  (vgl. dazu eingehend  BVGE 2009/40 E. 5 mit Hinweisen). 4.2.  In  Anlehnung  an  die  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  hat  der  Verordnungsgeber  in  Art.  31  Abs.  1  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201) eine entsprechende Kriterienliste aufgestellt, die sich sowohl auf  Art.  14  Abs.  2  AsylG  als  auch  auf  den  Anwendungsbereich  des  AuG  (Art. 30  Abs.  1  Bst.  b,  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  und  Art.  84  Abs.  5  AuG)  bezieht. Im Einzelnen werden folgende Kriterien genannt: Die Integration  (Bst.  a),  die  Respektierung  der  Rechtsordnung  (Bst.  b),  die  Familienverhältnisse (Bst. c), die finanziellen Verhältnisse sowie der Wille  zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung (Bst. d),  die Dauer der Anwesenheit (Bst. e), der Gesundheitszustand (Bst. f) und  die Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im Herkunftsland (Bst. g).  5.  5.1.  Im Hinblick auf die Rechtsprechung zum Härtefallbegriff von Art. 13  Bst.  f  BVO  und  die  diesbezüglich  in  Art.  31  Abs.  1  VZAE  aufgestellten  Kriterien  darf  auch  im  Anwendungsbereich  des  Asylgesetzes  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  nicht  leichthin  angenommen  werden.  Erforderlich  ist,  dass  sich  die  ausländische  Person  in  einer  persönlichen  Notlage  befindet,  was  bedeutet,  dass  ihre  Lebens­  und  Existenzbedingungen,  gemessen  am  durchschnittlichen  Schicksal  von  ausländischen  Personen,  in  gesteigertem  Mass  in  Frage  gestellt  sind  bzw. die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung für sie mit schweren  Nachteilen verbunden wäre. 5.2. Die Anerkennung als Härtefall muss allerdings nicht bereits deshalb  erfolgen, weil sich die Anwesenheit in der Schweiz als einziges Mittel zur  Verhinderung einer persönlichen Notlage darstellt. Es genügt auch nicht,  wenn sich die ausländische Person während längerer Zeit in der Schweiz  aufgehalten,  sich  in  sozialer  und  beruflicher  Hinsicht  gut  integriert  und  sich nichts hat zuschulden kommen  lassen. Vielmehr bedarf es einer so  engen Beziehung zur Schweiz, dass es ihr nicht zugemutet werden kann,  im Ausland, insbesondere in ihrem Heimatland, zu leben (BGE 130 II 39 

C­1591/2010 E. 3; BVGE 2007/16 E. 5.1); die in diesem Kontext anwendbaren Kriterien  von  Art.  31  Abs.  1  VZAE  stellen weder  einen  abschliessenden Katalog  dar  noch müssen  sie  kumulativ  erfüllt  sein  (vgl. BVGE 2009/40 E.  6.2).  Immerhin  werden  bei  einem  sehr  langen  Aufenthalt  weniger  hohe  Anforderungen  an  das  Vorliegen  besonderer  Umstände  wie  etwa  eine  überdurchschnittliche  Integration  oder  andere  Faktoren  gestellt,  welche  die  Rückkehr  ins  Heimatland  als  ausgesprochen  schwierig  erscheinen  lassen (BGE 124 II 110 E. 3 S. 112 f.). 5.3. Zu  beachten  gilt  es  ferner,  dass  die  ausländerrechtliche Zulassung  wegen  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalles  nicht  das  Ziel  verfolgt, eine ausländische Person gegen die Folgen eines Krieges oder  des  Missbrauchs  staatlicher  Gewalt  zu  schützen.  Solche  Erwägungen  betreffen  einerseits  die Frage  der Asylgewährung,  andererseits  sind  sie  für  die  Beurteilung  der  Vollziehbarkeit  einer  verfügten Wegweisung  von  Bedeutung  (vgl.  Art.  83  AuG).  Im  Zusammenhang  mit  dem  schwerwiegenden persönlichen Härtefall sind ausschliesslich humanitäre  Gesichtspunkte  ausschlaggebend,  wobei  der  Schwerpunkt  auf  der  Verankerung  in  der Schweiz  liegt.  Im Rahmen  einer Gesamtschau  sind  jedoch  seit  jeher  auch  der Gesundheitszustand  einer  Person  sowie  die  Möglichkeiten  einer  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  mitzuberücksichtigen  (heute  sind  diese  von  der  Rechtsprechung  entwickelten Kriterien in Art. 31 Abs. 1 Bst. f und g VZAE positivrechtlich  verankert).  Diese  Prüfung  kann  nicht  losgelöst  von  den  persönlichen,  familiären  und  ökonomischen  Schwierigkeiten  erfolgen,  denen  eine  ausländische Person in ihrem Heimatland ausgesetzt wäre (vgl. BGE 123  II 125 E. 3 S. 128). Daraus ergibt sich eine gewisse Überschneidung von  Gründen, die den Wegweisungsvollzug betreffen, und solchen, die einen  Härtefall (mit)begründen können. Das ist nicht zu vermeiden und in Kauf  zu nehmen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­8270/2008 vom  10. Mai 2010 E. 5.3 mit Hinweis). 5.4.  Rechtswidrige  Aufenthalte  werden  bei  der  Härtefallprüfung  grundsätzlich  nicht  berücksichtigt  (anders  Anwesenheiten  im  Rahmen  eines  Verfahrens  auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung,  vgl.  dazu  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­4551/2008  vom  23. Dezember  2009 E.  5.2 mit  Hinweis).  In  solchen  Fällen  hat  die  Behörde  jedoch  zu  prüfen,  ob  sich  die  betroffene  Person  aus  anderen  Gründen  in  einer  schwerwiegenden  persönlichen  Notlage  befindet.  Dazu  ist  auf  ihre  familiären  Beziehungen  in  der  Schweiz  und  in  ihrem Heimatland  sowie  auf  ihre gesundheitliche und berufliche Situation,  ihre soziale  Integration 

C­1591/2010 sowie  die  weiteren  Umstände  des  Einzelfalles  abzustellen.  In  diesem  Zusammenhang  ist  auch  das  Verhalten  der  Behörden  –  so  etwa  ein  nachlässiger Wegweisungsvollzug – zu berücksichtigen (vgl. BGE 130 II  39 E. 3 S. 42 in fine mit Hinweis). 6.  6.1. Das erste Asylgesuch der Beschwerdeführerin wurde am 10. Januar  2005 abgewiesen und die Wegweisung aus der Schweiz angeordnet. Der  negative  Asylentscheid  erwuchs  mit  dem  Nichteintretensentscheid  der  ARK  vom  1. April  2005  in  Rechtskraft.  Von  den  zuständigen  Behörden  war  ihr  die  Anwesenheit  in  der  Schweiz  bis  zum  Abschluss  des  ordentlichen  Asylverfahrens  gestattet  worden.  Das  BFM  setzte  der  Beschwerdeführerin  daraufhin  eine  Ausreisefrist  bis  zum  2. Juni  2005.  Ebenfalls  an  die  Gesamtdauer  des  Aufenthalts  angerechnet  werden  können  die  Anwesenheiten  während  des  zweiten  und  dritten  Asylverfahrens  (3. Mai  2006  bis  5. August  2009  [Datum  Ausreisefrist]  bzw. 22. September 2009 bis 22. März 2010 [Datum Ausreisefrist]), denn  auch  für  diese  Zeit  wurde  der  Beschwerdeführerin  jeweils  erlaubt,  sich  hierzulande  aufzuhalten.  Mitzuberücksichtigen  ist  schliesslich  ihre  Anwesenheit  im  vorliegenden  Zustimmungsverfahren  (ab  20. November  2009  bis  heute),  welches  das  dritte  Asylverfahren  teilweise  überlagert.  Anders  verhält  es  sich  mit  den  Zeitspannen  zwischen  den  einzelnen  Asylverfahren.  Deswegen  wurde  die  Betroffene  vom  Amtsstatthalteramt  Luzern  wegen  illegalen  Aufenthalts  strafrechtlich  zur  Rechenschaft  gezogen  (gemäss  Strafverfügung  vom  3. April  2006  zu  drei  Wochen  Gefängnis  [abgeurteilte  Zeitspanne:  21. Dezember  2005  bis  3. April  2006],  gemäss  Strafverfügung  vom  11. August  2009  zu  einer  unbedingten  Geldstrafe  von  30  Tagessätzen  à  Fr.  50.­  [Begehungszeitpunkt:  5. August  bis  12. August  2009];  zur  Problematik  solcher  Aufenthalte  siehe  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­ 8270/2008  vom  10. Mai  2010  E.  5.4).  Insgesamt  kann  somit  eine  Aufenthaltsdauer  von  rund  sieben  Jahren  angerechnet  werden.  Daraus  vermag die Beschwerdeführerin, wie nachfolgend aufzuzeigen  ist, nichts  zu ihren Gunsten abzuleiten. 6.2. Laut einem Urteil des Bundesgerichts  ist bei einem Asylsuchenden,  der  sich  seit  zehn  Jahren  in  der  Schweiz  aufhält,  in  der  Regel  vom  Vorliegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles auszugehen,  sofern er  finanziell unabhängig, sozial und beruflich gut  integriert  ist und  sich  bis  dahin  klaglos  verhalten  hat.  Im  Weiteren  darf  die  Dauer  des  Aufenthalts  nicht  absichtlich  durch  das  missbräuchliche  Ergreifen  von 

C­1591/2010 Rechtsmitteln zum Zwecke der Verzögerung verlängert worden sein (vgl.  BGE  124  II  110  E.  3  S.  112  f.).  Was  die  Aufenthaltsdauer  der  Beschwerdeführerin anbelangt, so  ist sie von daher nicht als derart  lang  einzuschätzen,  dass  ohne  Vorliegen  besonderer  Umstände  auf  einen  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefall  geschlossen  werden  könnte.  Hingegen stellt sich die Frage, ob sich aus den sonstigen Umständen des  Aufenthalts  und  Verhaltens  der  Beschwerdeführerin  eine  schwerwiegende persönliche Notlage ableiten lässt. 6.3.  Die  Beschwerdeführerin  hat  nicht  nur  mehrmals  Ausreisefristen  missachtet  (siehe  E.  6.1  hiervor),  sondern  sie  muss  sich  in  diesem  Zusammenhang  auch  den Vorwurf  gefallen  lassen, Mitwirkungspflichten  verletzt  zu  haben.  Die  einer  um  Asyl  nachsuchenden  Person  nach  rechtskräftigem Abschluss  des Asylverfahrens  auferlegte  Ausreisepflicht  beschränkt sich nicht darauf, sich den Behörden zur Verfügung zu halten  und allfällige aufenthaltsbeendende Massnahmen ohne Widerstand über  sich  ergehen  zu  lassen.  Die  ausreisepflichtige  Person  ist  vielmehr  gehalten,  von  sich  aus  die  Schweiz  zu  verlassen  und  im  Vorfeld  der  Ausreise  alles  zu  unternehmen,  um  dies  zu  ermöglichen,  was  hier  offenkundig  nicht  geschah.  Auch  eine  faktische  Duldung  der  rechtswidrigen Anwesenheit seitens der Behörden ist nicht erkennbar. Im  Gegenteil  wurde  die  Beschwerdeführerin  auf  die  im  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  gebotenen  Mitwirkungspflichten  wiederholt  aufmerksam  gemacht,  namentlich  auch  darauf,  bei  der  Papierbeschaffung  aktiv  mitzuwirken.  Dass  die  Ausreiseverpflichtung  nicht  mit  Zwangsmitteln  durchsetzbar  war,  lag  in  ihrem  Falle  denn  zur  Hauptsache  daran,  dass  sie  nie  ein  gültiges  heimatliches  Reisepapier  vorlegte.  Wohl  hat  die  äthiopische  Vertretung  in  der  Schweiz  der  Betroffenen  im  März  2006  ein  Laissez­passer  ausgestellt.  Der  für  den  4. Mai  2006  gebuchte  Rückflug musste  kurzfristig  annulliert  werden,  da  sich  die  Beschwerdeführerin  am  3. Mai  2006  stattdessen  dazu  entschloss, ein zweites Asylgesuch einzureichen (vgl. Sachverhalt Bst.  B  vorstehend). Gemäss einer Mitteilung der kantonalen Migrationsbehörde  vom 27. Juni 2006 an die Vorinstanz hatte die Frau einige Tage vor dem  Flugdatum  an  einer  Demonstration  vor  dem  Sitz  des  Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen  (UNHCR)  in Genf  teilgenommen  und  damit  versucht,  subjektive  Nachfluchtgründe  zu  schaffen. Wie schon die  frühere Regelung soll  auch die heutige Härtefallregelung  nach Art. 14 Abs. 2 AsylG nur  für Personen  in Betracht  fallen, die nach 

C­1591/2010 Abweisung ihres Asylgesuches aus nicht selbst verschuldeten oder nicht  selbst  zu  verantwortenden Gründen  in der Schweiz geblieben  sind  (vgl.  Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts C­1445/2010 vom 8. August 2011  E.  6.2  mit  Hinweis).  Eine  solche  Situation  ist  hier,  wie  angetönt,  nicht  gegeben. Da sämtliche materiellen Asylentscheide  (drei Entscheide des  BFM,  zwei  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts)  zum  Ergebnis  kommen,  dass  keine  Asylgründe  vorliegen,  hätte  es  die  Beschwerdeführerin in der Hand gehabt, ein Reisedokument zu erlangen.  Bislang hat sie sich  jedoch nicht bereit erklärt, ein solches Dokument zu  besorgen oder freiwillig zurückzukehren und in dieser Hinsicht überhaupt  jegliche Kooperation mit  den Behörden  verweigert.  Ihr Verhalten,  sprich  die  Verletzung  von  Mitwirkungspflichten  und  das  absichtliche  Hinauszögern  des  Aufenthalts,  dürfen  daher  im  Rahmen  der  Härtefallprüfung  bzw.  des  Kriterienkatalogs  von  Art. 31  Abs.  1  VZAE  (insbesondere  von  Art. 31  Abs.  1  Bst.  b  VZAE)  nicht  ausser  Acht  gelassen werden. 6.4.  Die  herangezogen  Akten  lassen  erkennen,  dass  die  Beschwerdeführerin sich ansonsten anscheinend recht gut in die hiesigen  Verhältnisse eingelebt hat. Was die sprachliche Integration anbelangt, so  sprach  sie  allerdings  lange  Zeit  –  bis  ins  Jahr  2006  –  nur  gebrochen  Deutsch  (vgl.  dazu  das  der  Replik  beigelegte  Referenzschreiben  eines  Teamleiters des Seniorenzentrums X._______ oder die Asylakten). Erst  nach  der  Aufnahme  einer  Erwerbstätigkeit  bemühte  sie  sich  ernsthaft  darum, sich Kenntnisse einer Landesssprache anzueignen. So besuchte  sie  vom  Februar  2008  bis  Januar  2009  regelmässig  Deutschkurse.  Inzwischen  hat  sie  das  Referenzniveau  A2  des  Europäischen  Sprachenportfolios  erreicht.  Der  Überweisung  des  Amtes  für  Migration  des Kantons Luzern vom 20. November 2009 zufolge kann sie sich heute  in  deutscher  Sprache  verständigen.  Ihre  diesbezüglichen  Bemühungen  bewegen  sich  aber  im  üblichen  Rahmen.  Ebenso  wenig  kann  von  besonders  engen  Bindungen,  deren  Auflösung  zu  einer  besonderen  Härte  führen  würde,  die  Rede  sein.  Die  Beschwerdeführerin  ist  alleinstehend  und  hat  in  der  Schweiz  keine  Familienangehörigen. Wohl  hat sie Anstrengungen unternommen, um in ihrem sozialen und vor allem  beruflichen Umfeld akzeptiert zu werden. Davon zeugen die vier mit der  Replik  eingereichten  Unterstützungs­  und  Empfehlungsschreiben.  Sie  zeigen  ein  gewisses  Beziehungsnetz  der  Beschwerdeführerin  zur  Schweiz  auf,  lassen  jedoch  nicht  auf  enge  persönliche  und  affektive  Beziehungen  schliessen.  Sonstige  derartige  Kontakte  sind  im  Übrigen  nicht  aktenkundig.  Die  fraglichen  Unterlagen  beinhalten  damit  keine 

C­1591/2010 hinreichenden Nachweise für eine aussergewöhnliche soziale Integration,  welche  über  die  während  des  mehrjährigen  Aufenthalts  geknüpften  beruflichen,  freundschaftlichen  und  nachbarschaftlichen  Beziehungen  hinaus  gehen  würde.  Für  die  Annahme  eines  persönlichen  Härtefalles  genügt  es  denn  nicht,  wenn  solche  Beziehungen  aufgegeben  werden  müssen (vgl. BVGE 2009/40 E. 6.2). 6.5. Die  Beschwerdeführerin  ist  von  Mitte  Dezember  2006  bis  anfangs  August  2009  in  einem  Seniorenzentrum  in  X._______  als  Küchenhilfe  einer Erwerbstätigkeit  nachgegangen. Aus einem Zwischenzeugnis  vom  27. Februar 2009 geht hervor, dass der Arbeitgeber mit ihren Leistungen  sehr  zufrieden  war.  Auch  die  Empfehlungsschreiben  des  Leiters  des  Alterszentrums  vom  30. Juli  2010  und  eines  früheren  direkten  Vorgesetzten  attestieren  ihr,  eine  motivierte,  selbständig  arbeitende,  verantwortungsbewusste,  aufgestellte  und  liebenswürdige  Angestellte  gewesen zu sein. Seit August 2009 bezieht sie  im Rahmen der Nothilfe  Sozialhilfeleistungen,  was  insoweit  entschuldbar  ist,  als  sie  seit  der  rechtskräftigen  Ablehnung  des  zweiten  Asylgesuches  einem  Arbeitsverbot  untersteht  (vgl.  aber  die  vorangehende E.  6.3).  Positiv  zu  werten  ist,  dass  die  Beschwerdeführerin  zwischen  Mai  und  November  2004  einen  Gesundheits­  und  Krankenpflegekurs  des  Schweizerischen  Roten  Kreuzes  (SRK)  und  im  Jahre  2006  zwei  Informatikkurse  (einen  Grundkurs und einen solchen für Fortgeschrittene) besucht hat. Von einer  aussergewöhnlichen  oder  unüblich  starken  Integration  –  die  über  diejenige  einer  Vielzahl  seit  mehreren  Jahren  in  der  Schweiz  lebender  Ausländerinnen  und  Ausländer  hinausgeht  –  kann  aber  trotz  der  Referenzen  des  früheren  Arbeitgebers  auch  in  dieser  Hinsicht  nicht  ausgegangen  werden.  Der  Parteivertreter  selber  bezeichnet  seine  Mandantin  in der Replik denn als wenig qualifizierte Arbeitskraft. Dem in  der  Eingabe  vom  17. Mai  2010  zitierten  Vergleichsfall  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­4447/2008 vom 15. März 2010) wiederum  liegt keine vergleichbare Konstellation zu Grunde. In jenem Fall handelte  es  sich  um  eine  ledige  Frau,  deren  besonders  enge  Beziehungen  zur  Schweiz vor allem aus den zwei hierzulande geborenen Kindern, wovon  eines mit  Schweizer  Bürgerrecht,  abgeleitet  wurde.  Alles  in  allem  kann  mithin nicht von einer Verankerung oder Verwurzelung in der Schweiz im  Sinne  der  Rechtsprechung  (siehe  E.  5.1  –  5.3  hiervor)  ausgegangen  werden. 6.6.  Zu  prüfen  gilt  es,  wie  es  sich  mit  dem  Aspekt  der  Wiedereingliederung  im  Herkunftsstaat  verhält  (Art. 31  Abs.  1  Bst.  g 

C­1591/2010 VZAE).  Die  Beschwerdeführerin  ist  im  Alter  von  23  Jahren  aus  Addis  Abeba  in  die  Schweiz  gelangt.  Sie  hat  somit  den  grössten  Teil  ihres  bisherigen  Lebens,  welcher  die  für  die  Persönlichkeitsbildung  wichtigen  Kinder­  und  Jugendjahre  umfasst,  in  Äthiopien  verbracht.  Sie  ist  wie  erwähnt  alleinstehend  und  hat  keinen  familiären  Bezug  zur  Schweiz.  Dagegen  verfügt  die  Beschwerdeführerin  in  ihrem  Heimatland  über  ein  familiäres  Beziehungsnetz  (gemäss  ihren  Angaben  leben  die  Mutter  sowie mehrere Geschwister an ihrem ehemaligen Wohnort Addis Abeba).  Dass  ihr  wegen  exilpolitischer  Tätigkeiten  bei  einer  Rückkehr  Repressionen  drohen  könnten,  wurde  bereits  in  den  Urteilen  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  3. Juli  2009  und  17. Februar  2010  betreffend  Asyl  und  Wegweisung  klar  verneint.  Die  Rückkehr  in  den  Herkunftsstaat  erscheint  insofern  nicht  mit  besonderen  Schwierigkeiten  verbunden.  Mit  Blick  auf  den  in  der  Replik  angeführten  Bericht  der  Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) gilt es sodann anzumerken, dass  von den darin erörterten wirtschaftlichen Schwierigkeiten die äthiopischen  Frauen  im  Allgemeinen  betroffen  sind,  was  für  sich  allein  nicht  ein  Hindernis  darstellt,  das  einer  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  entgegenstehen  könnte.  Vielmehr  geht  es  darum,  ob  die  zur  Ausreise  verpflichtete  Person  bei  einer  Rückkehr  gegenüber  der  dortigen  Bevölkerung  wesentlich  benachteiligt  wäre  (siehe  Urteil  des  Bundesgerichts 2A.512/2006 vom 18. Oktober 2006 E. 2.2 oder BGE 123  II 125 E. 5b/dd S. 133). Dies trifft hier nur schon deswegen nicht zu, weil  die  Beschwerdeführerin  in  Äthiopien  (wie  eben  dargetan)  auf  ein  familiäres  Netzwerk  zurückgreifen  kann.  Zum  Vorteil  gereichen  werden  ihr  ferner  die  zwölfjährige  Schulausbildung  in  Heimatstaat,  die  Berufserfahrungen  aus  der  Zeit,  als  sie  im  Geschäft  ihres  Vaters  mitarbeitete  sowie  die  in  der  Schweiz  im  Gesundheits­  und  Informatikbereich  besuchten  Kurse  und  die  knapp  dreijährige  Erwerbstätigkeit  im Seniorenzentrum. Nur schon vor diesem Hintergrund  vermag  die  sich  in  guter  gesundheitlicher  Verfassung  befindliche  Beschwerdeführerin aus dem fraglichen Bericht der SFH nichts zu  ihren  Gunsten abzuleiten. Alles in allem lassen die aufgelisteten Faktoren eine  Wiedereingliederung  in  Äthiopien  somit  nicht  als  besondere  Härte  erscheinen. 7.  Damit  ist  abschliessend  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  Kriterien eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles nicht erfüllt. Zu  Recht hat die Vorinstanz daher im vorliegenden Fall die Zustimmung zur 

C­1591/2010 Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art. 14  Abs.  2  AsylG  verweigert. 8.  Aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  rechtmässig  ist  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  demzufolge abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  der  Beschwerdeführerin  die  Kosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art. 1  ff.  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch  vom 17. Mai 2010 um wiedererwägungsweisen Verzicht auf die Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ist  durch  den  am  14. Mai  2010  fristgerecht  geleisteten  Kostenvorschuss  hinfällig  geworden.  Über  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  als  solches  ist  bereits  mit  Zwischenverfügung vom 4. Mai 2010 befunden worden.

C­1591/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 700.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt  und  mit  dem  am  14. Mai  2010  geleisteten  Kostenvorschuss  gleicher Höhe verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. ZEMIS […] und […] retour – das Amt für Migration des Kantons Luzern (in Kopie) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Antonio Imoberdorf Daniel Grimm Versand:

C-1591/2010 — Bundesverwaltungsgericht 31.10.2011 C-1591/2010 — Swissrulings