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Bundesverwaltungsgericht 08.08.2011 C-1445/2010

8 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,289 mots·~11 min·2

Résumé

Personen des Asylrechts | Verweigerung der Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ( Art. 14 Abs. 2 AsylG)

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­1445/2010 Urteil   v om   8 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richterin Ruth Beutler,    Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn. Parteien N._______,  vertreten durch Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende,  Bertastrasse 8, Postfach, 8036 Zürich, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Erteilung einer  Aufenthaltsbewilligung (Art. 14 Abs. 2 AsylG).

C­1445/2010 Sachverhalt: A. Die  Beschwerdeführerin,  geboren  1974,  ist  Staatsangehörige  der  Demokratischen Republik  Kongo.  Am  10.  September  2001  reiste  sie  in  die  Schweiz  ein  und  stellte  gleichentags  beim  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  in  Vallorbe  ein  Asylgesuch.  Während  des  Asylverfahrens wurde sie dem Kanton Zürich zugewiesen. Mit Verfügung  vom 13. Juni 2002 lehnte das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF,  heute:  BFM)  das  Asylgesuch  ab  und  ordnet  die  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin aus der Schweiz an.  B. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 12. Juli 2002  bei  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK) Beschwerde. Mit Schreiben vom 24.  Juli  2002 verfügte die ARK,  die  Beschwerdeführerin  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten. Mit Urteil  vom 14. November  2002  trat  die ARK auf  die Beschwerde nicht ein. Die Vorinstanz setzte der Beschwerdeführerin  eine neue Frist bis zum 14. Januar 2003 um die Schweiz zu verlassen.  Der Verpflichtung zur Ausreise kam die Beschwerdeführerin jedoch nicht  nach. C. Am  25.  November  2004  stellte  sie  ein  Gesuch  um  Verlängerung  der  Ausreisefrist,  welches  die  Vorinstanz  mit  Entscheid  vom  2.  Dezember  2004 abwies.  D. Auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  betreffend  Asylgewährung  vom  15.  August 2005 trat die Vorinstanz am 19. August 2005 nicht ein. Dagegen  erhob  die  Beschwerdeführerin  Rekurs  bei  der  ARK.  Mit  Verfügung  der  ARK  vom  1.  November  2005  wurde  das  Gesuch  um  Anordnung  vollzugshemmender  vorsorglicher  Massnahmen  abgewiesen.  Am  31.  März 2008 wies das anschliessend zuständige Bundesverwaltungsgericht  das Rechtsmittel ab. E. Zwischenzeitlich  ersuchte  die  Beschwerdeführerin mit  Eingabe  vom  21.  Mai  2007  das  Migrationsamt  des  Kantons  Zürich  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31).  Die  Beschwerdeführerin  brachte  im 

C­1445/2010 Wesentlichen  vor,  sie  sei  in  der Schweiz  sehr  gut  integriert,  könne  sich  gut  auf Deutsch  unterhalten,  habe  sich  immer  bemüht  zu  arbeiten  oder  einen  Sozialeinsatz  zu  leisten  und  habe  sich  an  die  Rechtsordnung  gehalten.  Aufgrund  der  Berücksichtigung  ihrer  Aufenthaltsdauer,  der  Offenlegung der Identität und der fortgeschrittenen Integration müsse ihr  eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden.  F. Am 9. April  2008  reichte die Beschwerdeführerin bei  der Vorinstanz ein  zweites Wiedererwägungsgesuch in Sachen Asylgewährung ein, welches  mit Verfügung vom 4. Juni 2008 abgewiesen wurde. Dagegen erhob die  Beschwerdeführerin  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Mit  Zwischenverfügung  vom  19.  Juni  2008  lehnte  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  Anordnung  vollzugshemmender vorsorglicher Massnahmen ab. Am 18. Juli 2008 trat  das Bundesverwaltungsgericht auf die Beschwerde nicht ein.  G. Mit Schreiben vom 20. November 2009 ersuchte die Beschwerdeführerin  um  Suspensierung  ihrer  am  10.  April  2008  beim  Committee  Against  Torture (CAT) eingereichten Beschwerde.  H. Am 28. Dezember 2009 ersuchte das Migrationsamt des Kantons Zürich  die Vorinstanz um Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung  gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG.  I. Mit  Verfügung  vom  12.  Februar  2010  verweigerte  die  Vorinstanz  die  Zustimmung zur Erteilung der Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs.  2 AsylG. Dabei führte sie aus, die Beschwerdeführerin sei alleinstehend,  unterhalte  aber  familiäre  Beziehungen  zu  ihrem  in  der  Schweiz  wohnhaften Cousin und dessen Sohn. Es liege jedoch keine derart enge  Beziehung  ­ weder  in  affektiver  noch  in  finanzieller Hinsicht  ­  vor,  dass  eine gegenseitige Abhängigkeit bestehen würde und die Anwesenheit der  Beschwerdeführerin  in  der Schweiz  unbedingt  erforderlich wäre. Sie  sei  erst  im  Alter  von  27  Jahren  in  die  Schweiz  eingereist  und  habe  den  grössten  Teil  ihres  Lebens  im  Heimatland  verbracht.  Gemäss  ihren  Angaben  habe  sie  dort  während  zwölf  Jahren  eine  solide  schulische  Ausbildung  genossen,  diese  mit  der  Matura  abgeschlossen  und  eine  Informatikausbildung  begonnen.  Eine  wirtschaftliche  Reintegration 

C­1445/2010 erscheine  deshalb  nicht  zum  vornherein  als  aussichtslos.  Es  könne  zudem angenommen werden, dass sie  im Heimatland über ein soziales  und  familiäres  Beziehungsnetz  verfüge,  das  sie  bei  der  Wiedereingliederung unterstützen werde.  J. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 8. März 2010  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragt  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Zustimmung  zur  Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung.  In formeller Hinsicht beantragt sie  die  unentgeltliche  Rechtspflege.  Zur  Begründung  wird  zur  Hauptsache  ausgeführt,  ihr  Integrationsgrad genüge den gesetzlichen Anforderungen  und  müsse  als  fortgeschritten  und  überdurchschnittlich  bezeichnet  werden.  Sie  verfüge  zudem  über  eine  enge  Beziehung  zum  Kind  ihres  Cousins und sei  ihm eine wichtige Bezugsperson. Weiter bringt  sie vor,  es liege in der Natur der Sache, dass alle alleinstehenden Personen, die  ein Härtefallgesuch  stellen,  den  grössten  Teil  ihres  Lebens  nicht  in  der  Schweiz  verbracht  hätten.  Sie  verfüge  in  ihrem  Heimatland  über  kein  soziales Netz mehr. Ihr Vater sei mit seiner neuen Frau und den Kindern  nach Angola geflüchtet und ihre Mutter lebe auf dem Land, wo sie keine  Zukunftsperspektiven  für  sich  sehe.  Zudem  leide  sie  an  Depressionen  und  Schlafstörungen  und  sei  deshalb  seit  Jahren  immer  wieder  in  ärztlicher Behandlung. K. Mit  Zwischenverfügung  vom  14.  Mai  2010  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  ab. L. Am  7.  Juni  2010  informierte  die  Beschwerdeführerin  das  Bundesverwaltungsgericht über das noch hängige Beschwerdeverfahren  beim CAT. M. Mit Schreiben vom 15. Juni 2010 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass  ihre  Mutter  vor  drei  Tagen  verstorben  sei  und  reichte  einen  Bewerbungsbogen für eine Anstellung  in einer Unterhaltsreinigungsfirma  zu den Akten.

C­1445/2010 N. Die Vorinstanz schliesst  in  ihrer Vernehmlassung vom 29. Juni 2010 auf  Abweisung  der  Beschwerde  und  hält  ergänzend  fest,  die  36  Jahre  alte  Beschwerdeführerin  sei  für  ihre  erfolgreiche Reinteration  im Heimatland  nicht zwingend auf ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz angewiesen  und könne auch nach über acht Jahren Landesabwesenheit allenfalls auf  einen Freundes­ und Bekanntenkreis zurückgreifen.  O. Mit  Replik  vom  16.  August  2010  hält  die  Beschwerdeführerin  am  eingereichten Rechtsmittel sowie den Begehren fest und führt ergänzend  aus, sie habe keinen Kontakt mehr zu früheren Bekannten und Freunden  in  ihrem  Heimatland.  Zudem  habe  sich  ihr  Gesundheitszustand  verschlechtert. Die Blutarmut habe sich verstärkt,  so dass sie  für einige  Tage  ins Kantonsspital X.  habe eingewiesen werden müssen. Seit  dem  Tod  ihrer  Mutter  hätten  sich  zudem  ihre  Depressionen  verstärkt.  Sie  reichte folgende Dokumente zu den Akten: die Todesurkunde ihrer Mutter  im  Original,  ein  ärztliches  Zeugnis  vom  12.  Juli  2010,  ein  Einweisungsschreiben des Kantonsspitals X. vom 2. August 2010 sowie  ein  Schreiben  ihres  Cousins  und  ein  weiteres  Schreiben  der  geschiedenen Ehefrau ihres Cousins. P. Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1  Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetz  vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Darunter  fallen u.a. Verfügungen des BFM – als eine der  in Art. 33 Bst. d VGG  genannten  Vorinstanzen  –  betreffend  Verweigerung  der  Zustimmung  zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art.  14  Abs.  2  AsylG.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig (vgl. Art. 1 Abs. 2 VGG in Verbindung mit Art. 83 Bst. c Ziff. 2  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]; 

C­1445/2010 siehe  in  Bezug  auf  Art.  14  Abs.  2  AsylG  auch  Urteil  des  Bundesgerichts 2C_692/2010 vom 13. September 2010 E. 3). 1.2  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsbetroffene zur Erhebung  des Rechtsmittels  legitimiert  (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die  frist­ und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (Art.  50  und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung  von Bundesrecht  einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  ­  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  ­  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  49  VwVG,  Art.  106  Abs.  1  AsylG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen oder  abweisen. Massgebend  ist  grundsätzlich die Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  E. 1.2  des  Urteils 2A.451/2002 vom 28. März 2003 teilweise publiziert in BGE 129  II 215). 3. 3.1  Gemäss  Art.  14  Abs.  2  AsylG  kann  der  Kanton  mit  Zustimmung  des BFM einer  ihm nach  dem Asylgesetz  zugewiesenen Person  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilen,  wenn  die  betroffene  Person  sich  seit  Einreichung  des Asylgesuches mindestens  fünf  Jahre  in  der Schweiz  aufhält  (Bst.  a),  der  Aufenthaltsort  der  betroffenen  Person  den  Behörden immer bekannt war (Bst. b) und wegen der fortgeschrittenen  Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt (Bst. c).  Dabei geht es nur um die Frage, ob der Kanton ermächtigt wird, eine  Aufenthaltsbewilligung  zu  erteilen  bzw.  ein  Aufenthaltsverfahren  durchzuführen  (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts 2C_853/2008  vom  28.  Januar  2009  E.  3.1;  vgl.  auch  BGE  2D_41/2010  vom  15.12.2010 E. 3.1.2 mit Hinweisen). Anwendbar ist die im Rahmen der  Asylgesetzrevision  vom  16. Dezember  2005  per  1. Januar  2007  in 

C­1445/2010 Kraft getretene Härtefallregelung von Art. 14 Abs. 2 AsylG sowohl auf  Personen, die ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen haben, als auch  auf Personen, die sich noch  im Asylverfahren befinden. Sie stellt eine  Ausnahme vom Grundsatz der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens  dar  (PETER  NIDERÖST,  Sans­Papiers  in  der  Schweiz,  in:  Peter  Uebersax/Beat  Rudin/Thomas  Hugi  Yar/Thomas  Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, Handbücher  für die Anwaltspraxis Bd. VIII, 2. Auflage  Basel  2009,  Rz. 9.35). 3.2  Bereits  vor  der  Revision  vom  16.  Dezember  2005  sah  das  Asylgesetz in Art. 44 Abs. 3 bis 5 (AS 1999 2273) die Möglichkeit vor,  in  Fällen  einer  schwerwiegenden  persönlichen  Notlage  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen,  sofern  vier  Jahre  nach  Einreichen  des  Asylgesuchs  noch  kein  rechtskräftiger  Entscheid  ergangen  war.  Bereits  rechtskräftig  abgewiesene  Asylsuchende  waren  von  der  Möglichkeit  der  vorläufigen  Aufnahme  ausgeschlossen.  Die  nunmehr  geltende  Regelung  von  Art. 14  Abs.  2  AsylG  enthält  nicht  nur  eine  Ausweitung des Anwendungsbereiches auf  rechtskräftig abgewiesene  Asylsuchende,  sondern  bringt  der  betroffenen  Person  auch  insoweit  eine  rechtliche  Besserstellung,  als  ihr  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  und  nicht  mehr  nur  die  vorläufige  Aufnahme  gewährt  werden  kann  (zur  Entstehung  des  heutigen  Art.  14  Abs.  2  AsylG  vgl.  BVGE  2009/40  E.  3.1). 3.3 Gemäss Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des  Asylgesetztes  vom  16.  Dezember  2005  gilt  für  die  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens dieser Gesetzesänderung hängigen Verfahren das neue  Recht. Für das vorliegende Verfahren hat dies zur Folge, dass die zum  Zeitpunkt  des  Urteils  geltenden  Kriterien  für  die  Beurteilung,  ob  die  Voraussetzungen  für  das  Vorliegen  eines  schwerwiegenden  persönlichen Härtefalles gegeben sind, beizuziehen sind. (Art. 14 Abs.  2 AsylG i.V.m. Art. 31 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201);  vgl.  dazu  BVGE  2009/40  E.  3.5). 4. 4.1  Die  Beschwerdeführerin  hält  sich  seit  Einreichung  ihres  Asylgesuchs  seit  mehr  als  fünf  Jahren  in  der  Schweiz  auf,  wobei  ihr  Aufenthaltsort  den  Behörden  immer  bekannt  war.  Die  Anforderungen  von 

C­1445/2010 Art. 14 Abs. 2 Bst. a und b AsylG sind damit erfüllt. Zu prüfen bleibt, ob  nach  Massgabe  von  Art.  14  Abs.  2  Bst.  c  AsylG  wegen  fortgeschrittener  Integration  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  vorliegt.  Diese  Frage  beurteilt  sich  auf  der  Grundlage  der  umfangreichen  Rechtsprechung  zum  Härtefallbegriff  gemäss  Art.  13  Bst.  f  der  bis  zum  31. Dezember  2007  geltenden  Verordnung  vom  6. Oktober  1986  über  die  Begrenzung  der  Zahl  der  Ausländer  (Begrenzungsverordnung, BVO, AS 1986 1791; vgl. heute Art. 30 Abs.  1  Bst.  b  des  Ausländergesetzes  vom  16. Dezember  2005  [AuG,  SR  142.20]).  Mit              Art.  14  Abs.  2  Bst.  c  AsylG  hat  der  Gesetzgeber  nämlich keinen eigenen Härtefallbegriff  schaffen, sondern den bereits  im  Kontext  des  Ausländerrechts  bestehenden  und  von  der  Rechtsprechung konkretisierten Härtefallbegriff auch für das Asylrecht  anwendbar machen wollen  (vgl.  dazu  eingehend BVGE 2009/40 E.  5  mit Hinweisen).    4.2  In Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesgerichts hat der  Verordnungsgeber  in  Art.  31  Abs.  1  VZAE  eine  entsprechende  Kriterienliste aufgestellt,  die  sich sowohl auf Art.  14 Abs. 2 AsylG als  auch  auf  den  Anwendungsbereich  des  AuG  (Art.  30  Abs.  1  Bst.  b,  Art. 50  Abs.  1  Bst.  b  und  Art.  84  Abs.  5  AuG)  bezieht.  Im  Einzelnen  werden  folgende  Kriterien  genannt:  die  Integration  (Bst. a),  die  Respektierung  der  Rechtsordnung  (Bst.  b),  die  Familienverhältnisse  (Bst. c), die  finanziellen Verhältnisse sowie der Wille zur Teilhabe am  Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung  (Bst. d), die Dauer der  Anwesenheit  (Bst.  e),  der  Gesundheitszustand  (Bst.  f)  und  die  Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat (Bst. g). 5. 5.1  Im  Hinblick  auf  die  Rechtsprechung  zum Härtefallbegriff  von  Art.  13  Bst.  f  BVO  und  die  diesbezüglich  in  Art.  31  Abs.  1  VZAE  aufgestellten  Kriterien  darf  auch  im  Anwendungsbereich  des  Asylgesetzes  ein  schwerwiegender  persönlicher  Härtefall  nicht  leichthin  angenommen  werden.  Erforderlich  ist,  dass  sich  die  ausländische  Person  in  einer  persönlichen  Notlage  befindet,  was  bedeutet, dass  ihre Lebens­ und Existenzbedingungen, gemessen am  durchschnittlichen  Schicksal  von  ausländischen  Personen,  in  gesteigertem Mass in Frage gestellt sind bzw. die Verweigerung einer  Aufenthaltsbewilligung  für  sie  mit  schweren  Nachteilen  verbunden  wäre. 

C­1445/2010 5.2  Die  Anerkennung  als  Härtefall  muss  allerdings  nicht  bereits  deshalb  erfolgen,  weil  sich  die  Anwesenheit  in  der  Schweiz  als  einziges Mittel  zur  Verhinderung  einer  persönlichen Notlage  darstellt.  Es  genügt  auch  nicht,  wenn  sich  die  ausländische  Person  während  längerer  Zeit  in  der  Schweiz  aufgehalten,  sich  in  sozialer  und  beruflicher  Hinsicht  gut  integriert  und  sich  nichts  hat  zuschulden  kommen  lassen.  Vielmehr  bedarf  es  einer  so  engen  Beziehung  zur  Schweiz,  dass  es  ihr  nicht  zugemutet  werden  kann,  im  Ausland,  insbesondere  in  ihrem  Heimatland,  zu  leben  (BGE  130  II  39  E.  3;  BVGE 2007/16 E.  5.1);  die  in  diesem Kontext  anwendbaren Kriterien  von Art. 31 Abs. 1 VZAE stellen weder einen abschliessenden Katalog  dar noch müssen sie kumulativ erfüllt sein (vgl. BVGE 2009/40 E. 6.2).  Immerhin  werden  bei  einem  sehr  langen  Aufenthalt  weniger  hohe  Anforderungen an das Vorliegen besonderer Umstände wie etwa eine  überdurchschnittliche  Integration  oder  andere  Faktoren  gestellt,  welche  die  Rückkehr  ins  Heimatland  als  ausgesprochen  schwierig  erscheinen lassen (BGE 124 II 110 E. 3 S. 113). 5.3 Zu beachten gilt es, dass die ausländerrechtliche Zulassung wegen  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalles  nicht  das  Ziel  verfolgt,  eine  ausländische  Person  gegen  die  Folgen  eines  Krieges  oder  des  Missbrauchs  staatlicher  Gewalt  zu  schützen.  Solche  Erwägungen  betreffen  einerseits  die  Frage  der  Asylgewährung,  andererseits  sind  sie  für  die  Beurteilung  der  Vollziehbarkeit  einer  verfügten  Wegweisung  von  Bedeutung  (vgl.  Art.  14a  des  Bundesgesetzes  vom  26.  März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung der Ausländer [ANAG, AS 49 279] und Art. 83 AuG). Im  Zusammenhang mit dem schwerwiegenden persönlichen Härtefall sind  ausschliesslich  humanitäre  Gesichtspunkte  ausschlaggebend,  wobei  der  Schwerpunkt  auf  der  Verankerung  in  der  Schweiz  liegt.  Im  Rahmen  einer  Gesamtschau  sind  jedoch  seit  jeher  auch  der  Gesundheitszustand  einer  Person  sowie  die  Möglichkeiten  einer  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  mitzuberücksichtigen  (heute  sind  diese  von  der  Rechtsprechung  entwickelten  Kriterien  in  Art.  31  Abs.  1  Bst.  f  und  g  VZAE  positivrechtlich  verankert).  Diese  Prüfung  kann  nicht  losgelöst  von  den  persönlichen,  familiären  und  ökonomischen  Schwierigkeiten  erfolgen,  denen  eine  ausländische  Person in ihrem Heimatland ausgesetzt wäre (vgl. BGE 123 II 125 E. 3  S.  128).  Daraus  ergibt  sich  eine  gewisse  Überschneidung  von  Gründen,  die  den  Wegweisungsvollzug  betreffen,  und  solchen,  die  einen Härtefall (mit)begründen können. Das ist nicht zu vermeiden und 

C­1445/2010 in  Kauf  zu  nehmen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­ 140/2009 vom 11. Dezember 2009 E. 6.3). 5.4  Rechtswidrige  Aufenthalte  werden  bei  der  Härtefallprüfung  grundsätzlich  nicht  berücksichtigt  (anders  Aufenthalte  im  Rahmen  eines Verfahrens auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung, vgl. dazu  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­4551/2008 vom 23. Dezember  2009 E. 5.2 mit Hinweis). In solchen Fällen hat die Behörde jedoch zu  prüfen,  ob  sich  die  betroffene  Person  aus  anderen Gründen  in  einer  schwerwiegenden  persönlichen  Notlage  befindet.  Dazu  ist  auf  ihre  familiären Beziehungen in der Schweiz und in ihrem Heimatland sowie  auf  ihre  gesundheitliche  und  berufliche  Situation,  ihre  soziale  Integration sowie die weiteren Umstände des Einzelfalles abzustellen.  In  diesem  Zusammenhang  ist  auch  das  Verhalten  der  Behörden –  beispielsweise  ein  nachlässiger  Wegweisungsvollzug  –  zu  berücksichtigen (vgl. BGE 130 II 39 E. 3 S. 42 mit Hinweis). 6. 6.1 Das Asylgesuch der Beschwerdeführerin wurde am 13. Juni 2002  abgewiesen  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  angeordnet.  Der  negative Asylentscheid erwuchs mit dem Nichteintretensentscheid der  ARK  vom  14.  November  2002  in  Rechtskraft,  woraus  folgt,  dass  sie  sich  seitdem  (bzw.  nach  Ablauf  der  Ausreisefrist,  vgl.  vorstehend  Sachverhalt  Bst.  B)  rechtswidrig  in  der  Schweiz  aufgehalten  hat.  Die  illegale  Anwesenheit  dauerte  bis  zum  Beginn  des  vorliegenden  Verfahrens  (21.  Mai  2007).  Aus  der  mittlerweile  bald  zehnjährigen  Anwesenheitsdauer  (wovon  bloss  rund  16  Monate  im  Rahmen  des  Asylverfahrens  und  vier  Jahre  und  ein  paar  Monate  im  Rahmen  des  Härtefallverfahrens  anzurechnen  sind)  kann  sie  somit  nichts  zu  ihren  Gunsten  ableiten  (zum  Ganzen  vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7265/2007  vom  24.  März  2010  E.  6.2,  C­4551/2008  vom  23.  Dezember  2009  E.  5.2  und  6  sowie  C­ 4306/2007  vom  11.  Dezember  2009                      E.  6.4).  Es  stellt  sich  lediglich die Frage, wie die sonstigen Umstände ihres Aufenthalts und  Verhaltens zu würdigen sind bzw. ob sich für sie allenfalls daraus eine  schwerwiegende  persönliche  Notlage  ergibt  (siehe  auch  E.  5.4  hiervor). 6.2  Eng  mit  der  Missachtung  der  Ausreisefrist  und  dem  illegalen  Aufenthalt  zusammen hängen die verletzten Mitwirkungspflichten. Die  der  Beschwerdeführerin  auferlegte  Ausreisepflicht  beschränkt  sich 

C­1445/2010 nicht darauf, sich den Behörden zur Verfügung zu halten und allfällige  aufenthaltsbeendende  Massnahmen  ohne  Widerstand  über  sich  ergehen zu lassen. Die ausreisepflichtige Person ist vielmehr gehalten,  von  sich  aus  die  Schweiz  zu  verlassen  und  im  Vorfeld  der  Ausreise  alles zu unternehmen, um dies zu ermöglichen, was offenkundig nicht  geschah. Auch eine faktische Duldung der rechtswidrigen Anwesenheit  seitens  der  Behörden  ist  nicht  erkennbar.  Im  Gegenteil  wurde  die  Beschwerdeführerin  wiederholt  auf  die  im  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  gebotenen  Mitwirkungspflichten  aufmerksam  gemacht,  namentlich  auch  darauf,  bei  der  Papierbeschaffung  aktiv  mitzuwirken.  Dass  die  Ausreiseverpflichtung  nicht  mit  Zwangsmitteln  durchsetzbar war, lag in ihrem Falle denn zur Hauptsache daran, dass  sie  nie  ein  gültiges  heimatliches  Reisepapier  vorlegte.  Während  des  Asylverfahrens hatte sie sich nämlich lediglich mit einer Identitätskarte  ausgewiesen. Wie  schon  die  frühere  Regelung  soll  auch  die  heutige  Härtefallregelung  nach  Art.  14  Abs.  2  AsylG  nur  für  Personen  in  Betracht  fallen,  die  nach  Abweisung  ihres  Asylgesuches  aus  nicht  selbst verschuldeten oder nicht selbst zu verantwortenden Gründen in  der  Schweiz  geblieben  sind.  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­8270/2008  vom  10. Mai  2010                E.  6.2.  mit  Hinweis).  Eine  solche  Situation  ist  hier,  wie  angetönt,  nicht  gegeben.  Die  diplomatische  Vertretung  der  Demokratischen Republik  Kongo  stellt  in  der  Schweiz  auf  Gesuch  hin  Ersatzreisepapiere  aus,  allerdings  nur  an  freiwillig  zurückkehrende  Personen,  welche  ihre  diesbezügliche  Bereitschaft  gegenüber  der  Botschaft  persönlich  bestätigen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­8270/2008  vom  10.  Mai  2010  E.  6.2.).  Da  gemäss  Asylentscheid  vom  13.  Juni  2002  keine  Asylgründe  vorliegen,  hätte  es  die  Beschwerdeführerin  mithin  ohne  weiteres  in  der  Hand  gehabt,  ein  entsprechendes  Reisedokument zu erlangen. Bislang hat sie sich jedoch geweigert, ein  solches  Dokument  zu  besorgen.  Das  Verhalten  der  Beschwerdeführerin,  sprich  die  Verletzung  von  Mitwirkungspflichten  und  das  absichtliche  Hinauszögern  des  Aufenthalts,  dürfen  daher  im  Rahmen  der  Härtefallprüfung  bzw.  des  Kriterienkatalogs  von  Art.  31  Abs.  1  VZAE  (insbesondere  von  Art.  31  Abs.  1  Bst.  b  VZAE)  nicht  ausser Acht gelassen werden. 6.3  Zur  Frage  der  persönlichen  und  sozialen  Integration  sowie  der  Familienverhältnisse  (Art.  31  Abs.  1  Bst.  a  und  c  VZAE)  führt  die  Beschwerdeführerin  aus,  ihr  Integrationsgrad  sei  fortgeschritten  und  überdurchschnittlich.  Zudem  habe  sie  Deutschkenntnisse  der  Stufe 

C­1445/2010 B2/3. Die Beschwerdeführerin besitzt einerseits zwar verhältnismässig  gute  Deutschkenntnisse,  andererseits  kann  jedoch  nicht  von  besonders  engen  persönlichen  und  familiären  Beziehungen,  deren  Auflösung zu einer besonderen Härte führen würde, die Rede sein. Die  Beschwerdeführerin  ist  ledig.  Soweit  sie  geltend  macht,  sie  sei  eine  wichtige  Bezugsperson  für  das  Kind  ihres  Cousins,  unter  anderem  auch deshalb, weil sie ausser dem Vater seine einzige Verwandte aus  der  Demokratischen  Republik  Kongo  in  der  Schweiz  sei,  ist  festzuhalten,  dass  sich  der  Härtefall  grundsätzlich  in  der  gesuchstellenden  Person  selber  verwirklichen  muss  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.89/2000  vom  21.  März  2000  E.  1a).  Von  dieser  Regel wird praxisgemäss – in analoger Anwendung der aus Art. 8 der  Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  abgeleiteten  Kriterien  –  nur  dann  ausnahmsweise  abgewichen,  wenn  in  der  Schweiz  lebende  Angehörige  in  einem  besonderen  Abhängigkeitsverhältnis  zur  gesuchstellenden  Person  stehen  bzw.  eine  besonders  enge  persönliche und affektive Beziehung zu dieser unterhalten (vgl. Urteile  des Bundesgerichts 2A.92/2007 vom 21. Juni 2007 E. 4.3, 2A.76/2007  vom 12. Juni 2007 E. 5.1 und 2A.627/2006 vom 28. November 2006 E.  4.2.1).  Art. 8 EMRK schützt in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft  der Ehegatten mit  ihren minderjährigen Kindern  (vgl. BGE 135  I  143 E.  1.3. S. 145 oder BGE 127 II 60 E. 1d/aa S. 64f.). Geht es um Personen,  die  nicht  der  eigentlichen  Kernfamilie  zuzurechnen  sind,  setzt  eine  schützenswerte  familiäre  Beziehung  voraus,  dass  die  um  eine  ausländerrechtliche  Bewilligung  ersuchende  ausländische  Person  vom  hier  Anwesenheitsberechtigten  abhängig  ist.  Die  Abhängigkeit  eines  Menschen von einem andern kann sich unabhängig vom Alter ergeben,  namentlich aus besonderen Betreuungs­ und Pflegebedürfnissen wie bei  körperlichen  oder  geistigen  Behinderungen  und  schwerwiegenden  Krankheiten (BGE 120 Ib 257 E. 1/d­e S. 260 ff. oder BVGE 2007/45 E.  5.3,  je mit Hinweisen). Eine solche Konstellation  liegt hier nicht vor. Die  Beschwerdeführerin ist weder pflege­ noch betreuungsbedürftig, sondern  eher auf wohlwollende moralische und eventuell finanzielle Unterstützung  durch ihre Verwandten angewiesen. Der Kontakt kann jedoch anders als  mit  einer  Härtefallregelung  aufrechterhalten  werden  (Briefverkehr,  Videotelefonie,  Telefonate  oder  durch  Reisen  in  den  Aufenthaltsstaat  der  Beschwerdeführerin). 

C­1445/2010 Die  Beschwerdeführerin  ist  zwar  bemüht,  sich  in  der  Schweiz  zu  integrieren. Es kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass ihre  diesbezüglichen Anstrengungen  zu  einer weit  fortgeschrittenen  sozialen  Integration  in  der  Schweiz  geführt  hätten.  Daran  können  auch  die  Empfehlungsschreiben  von  Privatpersonen  für  die  Beschwerdeführerin  nichts  ändern.  Sie  zeigen  zwar  ein  gewisses  Beziehungsnetz  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  auf,  lassen  jedoch  nicht  auf  enge  persönliche und affektive Beziehungen  schliessen. Sie  beinhalten  damit  keine  hinreichenden  Nachweise  für  eine  aussergewöhnliche  soziale  Integration,  welche  über  die  während  des  mehrjährigen  Aufenthalts  geknüpften  freundschaftlichen  und  nachbarschaftlichen  Beziehungen  hinaus gehen würde. 6.4  Des  Weiteren  nennt  Art.  31  Abs.  1  VZAE  die  finanziellen  Verhältnisse  sowie  den Willen  zur  Teilhabe  am Wirtschaftsleben  und  zum Erwerb von Bildung (Bst. d), den Gesundheitszustand (Bst. f) und  die  Möglichkeiten  für  eine  Wiedereingliederung  im  Herkunftsstaat  (Bst. g)  als  Kriterien  für  das  Vorliegen  eines  schwerwiegenden  persönlichen Härtefalls. 6.4.1  Die  Beschwerdeführerin  war  nie  erwerbstätig  was  insoweit  entschuldbar  ist,  als  sie  als  rechtskräftig  abgewiesene  Asylsuchende  seit dem 14. Januar 2003 einem Arbeitsverbot untersteht. Demzufolge  wurde sie während der gesamten Aufenthaltsdauer von der Sozialhilfe  unterstützt. Positiv zu werten ist ihre Leistung von Freiwilligenarbeit. 6.4.2  Die  Beschwerdeführerin macht  unter  Hinweis  auf  ein  ärztliches  Zeugnis  vom  12.  Juli  2010,  wonach  sie  an  Depressionen  und  an  Blutarmut  leide,  schliesslich  geltend,  eine  Rückkehr  könne  ihr  nicht  zugemutet werden  und wäre mit  grösseren Risiken  verbunden  (keine  Behandlungsmöglichkeit  von  Depressionen).  Gemäss  den  Ausführungen  von  Herrn  Dr.  H._______  würden  gegen  die  Depressionen  Medikamente  nur  beschränkt  wirken.  Viel  mehr  würde  eine  sinnvolle  Arbeitstätigkeit  und  eine  geordnete  soziale  Situation  bringen.  Eine  medizinische  Behandlung  sollte  auch  in  Zukunft  fortgesetzt werden. Weiter  bringt  die Beschwerdeführerin  vor,  am 10.  August  2010  wegen  ihrer  Blutarmut  einige  Tage  im  Kantonsspital  Winterthur verbracht zu haben. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass sich das ärztliche Zeugnis zu den  unmittelbaren  Auswirkungen  auf  den  Gesundheitszustand  der 

C­1445/2010 Beschwerdeführerin  bei  einer  Wegweisung  äussert,  was  bezüglich  der  Depression  bereits  Gegenstand  des  Wiedererwägungsgesuchs  vom  9.  April  2008  war,  über  welches  rechtskräftig  befunden  wurde  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  18.  Juli  2008).  Insofern  sie  Blutarmut  aufgrund starker Blutungen während der Menstruation geltend macht, die  gemäss  ärztlichem  Zeugnis  vom  12.  Juli  2010  mit  Eiseninfusionen  behandelt werden muss und eventuell  einer gynäkologischen Abklärung  bedarf, kann festgehalten werden, dass in Kinshasa gynäkologische Hilfe  sogar  gratis  erhältlich  ist  (Quelle:  http://www.doktor­ omnibus.ch/601/index.html Seite besucht im Juli 2011). 6.4.3  Vor  rund  10  Jahren  ist  die  Beschwerdeführerin  als  27­jährige  Erwachsene  in  die  Schweiz  gekommen.  Sie  hat  somit  den  grössten  Teil  ihres  Lebens,  welcher  für  die  Persönlichkeitsbildung  und  die  Sozialisierung wichtige Phasen umfasst, in ihrer Heimat verbracht. Die  Rückkehr in ihren Herkunftsstaat erscheint daher nicht mit besonderen  Schwierigkeiten  verbunden. Zum Vorteil  gereicht  ihr  hier  sicher  auch,  dass  sie  die  Matura  und  eine  Ausbildung  zur  Air  Hostess  absolviert  sowie eine Informatikausbildung begonnen hat. 7. Damit  ist  abschliessend  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  Kriterien  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalls  nicht  erfüllt.  Trotz langjährigem Aufenthalt in der Schweiz ist davon auszugehen, dass  die  Beschwerdeführerin  noch  einen  Bezug  zum  Heimatland  aufweist,  bzw.  dort  über  ein  soziales  Beziehungsnetz  verfügt  (gemäss  Befragungsprotokoll  des  Transitzentrums  Altstätten  vom  27.  September  2001  lebt  noch  ein Bruder  an  ihrem  früheren Aufenthaltsort Kinshasa) und mit den  dortigen Gegebenheiten nach den üblichen anfänglichen Schwierigkeiten  wieder  vertraut  sein  wird.  Zu  Recht  hat  die  Vorinstanz  daher  im  vorliegenden  Fall  die  Zustimmung  zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG verweigert. 8. Aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  rechtmässig  ist  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  demzufolge abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin die  Kosten  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  1  ff.  des 

C­1445/2010 Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]) (Dispositiv nächste Seite)  

C­1445/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.­­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt  und  mit  dem  am  12.  Juni  2010  geleisteten  Kostenvorschuss  gleicher Höhe verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] retour) – das Migrationsamt des Kantons Zürich (Akten Ref­Nr. […] retour) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn Versand:

C-1445/2010 — Bundesverwaltungsgericht 08.08.2011 C-1445/2010 — Swissrulings