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Bundesverwaltungsgericht 24.01.2012 C-140/2010

24 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,490 mots·~12 min·2

Résumé

Zustimmung zum arbeitsmarktlichen Vorentscheid des Kantons | Verweigerung der Zustimmung zum arbeitsmarktlichen Vorentscheid

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­140/2010 Urteil   v om   2 4 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Blaise Vuille,    Gerichtsschreiberin Viviane Eggenberger. Parteien 1. A._______,  2. X._______, vertreten durch lic. iur. Hans Peter Aeberhard, Fürsprecher, Beschwerdeführerinnen,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zum arbeitsmarktlichen  Vorentscheid.

C­140/2010 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin 1  gehört  zur  Unternehmensgruppe  der  B._______ AG, Bern, und ist seit 2009 für die administrative Abwicklung  der  seit  einigen  Jahren  mit  russischen  Partnern  aufgenommenen  Geschäftsbeziehungen  zuständig.  Am  20. Juli  2009  stellte  sie  bei  der  hierfür  zuständigen  Berner  Wirtschaft  (nachfolgend:  beco)  für  die  Beschwerdeführerin 2  (eine 1981 geborene russische Staatsangehörige)  ein Gesuch um Umwandlung von deren (im September 2007 erteilten und  offenbar  durch  beco  bis  16. September  2009  verlängerten)  Kurzaufenthaltsbewilligung  in  eine  Aufenthaltsbewilligung  bzw.  um  Erteilung einer solchen zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit als Controll­ Managerin. B.  Beco erachtete die arbeitsmarktlichen Voraussetzungen für die Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  nach  Art. 33  des  Ausländergesetzes  vom  16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) als erfüllt und fällte entsprechend  am  12. August  2009  einen  positiven  arbeitsmarktlichen  Vorentscheid.  Diesbezüglich  unterbreitete  es  dem BFM gleichentags  einen Antrag  auf  Zustimmung. C.  Mit  E­Mail­Nachricht  vom  1. September  2009  signalisierte  das  BFM  gegenüber  der  kantonalen  Arbeitsmarktbehörde,  es  werde  dem  eingereichten  Gesuch  nicht  zustimmen,  da  die  Voraussetzungen  von  Art. 21 und 23 AuG nicht als erfüllt gelten könnten. Daraufhin  trat  die  Beschwerdeführerin 1,  welche  diese  Nachricht  weitergeleitet  erhielt,  mehrmals  mit  dem  Bundesamt  in  Kontakt.  Am  30. September  2009  teilte  ihr  dieses  schriftlich  im  Wesentlichen  den  Inhalt der erwähnten E­Mail­Nachricht mit. Die  Beschwerdeführerin 1  wandte  sich  mit  weiteren  E­Mails  und  Schreiben (samt Beilagen betreffend ihre Geschäftstätigkeit in Russland)  an das BFM. D.  Am  16. September  2009  reiste  die  Beschwerdeführerin 2  aus  der  Schweiz aus.

C­140/2010 E.  Mit  Verfügung  vom  23. November  2009  verweigerte  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zum  kantonalen  Vorentscheid  über  die  Bewilligung  zur  Ausübung einer Erwerbstätigkeit. Zur Begründung führte sie aus, von der  Erteilung der Kurzaufenthaltsbewilligung könne kein Anspruch hinsichtlich  der ersuchten Aufenthaltsbewilligung abgeleitet werden. Die Zustimmung  zur  Erteilung  der  Kurzaufenthaltsbewilligung  sei  damals  im  Sinne  eines  Grenzfalls  und  für  maximal  12  Monate  sowie  unter  Auflagen  erteilt  worden; die Verlängerung der Bewilligung auf 24 Monate durch beco sei  gegen  die  Absicht  des  BFM  erfolgt.  Vorliegend  seien  daher  die  Zulassungsvoraussetzungen  nach  Art. 18  –  24  AuG  zu  prüfen.  Der  Inländer­ bzw. EU­/EFTA­Vorrang nach Art. 21 AuG sei nicht eingehalten.  Die  Vakanz  könne  zudem  nicht  in  die  Kategorie  der  hochqualifizierten  Spezialisten eingestuft werden; das vereinbarte Salär weise vielmehr auf  eine  Funktion  auf  mittlerer  Sachbearbeiterstufe  hin.  Zudem  erfülle  die  Beschwerdeführerin 2  die  persönlichen  Voraussetzungen  nach  Art. 23  AuG nicht: Sie verfüge weder über eine eigentliche Controllingausbildung  noch über Berufserfahrung auf Spezialistenstufe. In den Jahren 2002 bis  2006  sei  sie  zwar  (jeweils  während  mehrerer  Monate)  in  der  Schweiz  einer Beschäftigung nachgegangen; diese habe jedoch ausserhalb des in  Frage  stehenden  Tätigkeitsbereiches  gelegen.  Der  mit  der  Kurzaufenthaltsbewilligung  verbundene  Aufenthaltszweck  sei  damit  als  erfüllt zu betrachten. Sollte sich im Rahmen der Tätigkeit von X._______  für die Beschwerdeführerin in Russland punktuell Bedarf nach Einsätzen  (bspw.  geschäftlichen  Besprechungen)  in  der  Schweiz  ergeben,  so  könnte  die Erteilung einer  unkontingentierten Kurzaufenthaltsbewilligung  nach  Art. 19  Abs. 4  Bst. a  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung, Aufenthalt  und Erwerbstätigkeit  (VZAE, SR 142.201) geprüft  werden.  Aus  den  eingereichten  Unterlagen  werde  ersichtlich,  dass  das  "Russlandgeschäft" für die Beschwerdeführerin 1 von Bedeutung sei; den  Schluss  auf  eine  zentrale  bzw. Schlüsselrolle  der Beschwerdeführerin 2  liessen diese Dokumente jedoch nicht zu. Es handle sich bei ihr nicht um  eine Fachperson (bspw. eine Bauingenieurin), deren Einsatz im Rahmen  von  definierten  Projekten  bei  der  Beschwerdeführerin 1  in  Bern  erforderlich wäre. Im Hinblick auf Akquisitionen erscheine ihre Präsenz in  Russland  sinnvoller.  Damit  erwiesen  sich  die  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  an  die  Arbeitnehmerin  als  nicht  erfüllt,  weshalb  die  beantragte  Zustimmung  zum  Vorentscheid  der  kantonalen Arbeitsmarktbehörde zu verweigern sei.

C­140/2010 F.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  11. Januar  2010  haben  die  Beschwerdeführerinnen  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen diese Verfügung erhoben und ihre Aufhebung und die Zustimmung  zum  arbeitsmarktlichen  Vorentscheid  beantragt.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht beantragten sie die Verlängerung der Kurzaufenthaltsbewilligung  der  Beschwerdeführerin 2  bis  zum  Entscheid  im  Beschwerdeverfahren.  Zur Begründung führen sie aus, für die Betreuung des Engagements der  Beschwerdeführerin 1  in Russland  sei  diese  auf  eine Person  russischer  Muttersprache  angewiesen,  die  in  der  Lage  sei,  die  russischen  Niederlassungen  in  administrativen  Belangen  zu  betreuen,  und  auf  der  persönlichen  Ebene  zudem  das  volle  Vertrauen  sowohl  der  russischen  Geschäftspartner  als  auch  von  Z._______  (dem  einzelzeichnungsberechtigten  Verwaltungsrat  der  Beschwerdeführerin 1)  geniesse.  Eine  solche  Person  habe  Letzterer  zwei  Jahre  zuvor  in  der  Beschwerdeführerin 2  gefunden. Der  Kanton Bern  habe  einen  positiven  arbeitsmarktlichen Vorentscheid gefällt und das kantonale Kontingent sei  nicht  ausgeschöpft.  Vorliegend  sei  lediglich  strittig,  ob  die  Voraussetzungen  von  Art. 21  (Vorrang)  und  Art. 23  AuG  (persönliche  Voraussetzungen)  erfüllt  seien.  Die  Beschwerdeführerin 2  erfülle  die  persönlichen  Voraussetzungen,  da  sie  russischer  Muttersprache  und  Staatsangehörigkeit  sowie  mit  den  "aktuellen  russischen  Eigenarten"  vertraut  sei  und  den  russischen  Geschäftspartnern  gegenüber  als  "waschechte  Russin"  auftreten  könne.  Einzig  eine  zu  diesem  Zweck  in  Russland  rekrutierte  Person  weiblichen  Geschlechts,  russischer  Muttersprache  und  Staatsangehörigkeit  sei  in  der  Lage,  diese  "Brückenfunktion"  zu  übernehmen.  Als  persönliche  Vertraute  von  Z._______ sei die Beschwerdeführerin 2 als Führungskraft zu betrachten.  Ihre "Spezialität" liege insbesondere in ihren persönlichen Qualitäten und  der  "gemeinsamen  Ebene"  mit  Z._______.  Diese  besondere  Stellung  liesse gar eine Zulassung nach Art. 23 Abs. 3 AuG, mithin in Abweichung  von  den  in  den  Absätzen  1  und  2  vorgesehenen Voraussetzungen,  als  gerechtfertigt erscheinen.  G.  Mit  Zwischenverfügung  vom  9. Februar  2010  trat  das  Bundesverwaltungsgericht auf das sinngemässe Gesuch um Anordnung  vorsorglicher Massnahmen mangels Zuständigkeit nicht ein. H.  In  ihrer Vernehmlassung  vom 14. April  2010  spricht  sich  die Vorinstanz 

C­140/2010 unter  Erläuterung  der  bereits  erwähnten Gründe  für  die  Abweisung  der  Beschwerde aus. Ergänzend hebt  sie erneut hervor, das BFM habe mit  Verfügung  vom  2. August  2007  einem  Aufenthalt  der  Beschwerdeführerin 2  von  maximal  12  Monaten  zu  Aus­  bzw.  Weiterbildungszwecken  bzw.  zur  Vorbereitung  ihres  Einsatzes  für  die  Beschwerdeführerin 1  in  Russland  zugestimmt.  Die  Kurzaufenthaltsbewilligung sei durch beco entgegen dem ausdrücklichen  Wortlaut  der  erwähnten Verfügung  um  ein  Jahr  verlängert worden.  Aus  diesem  Umstand  lasse  sich  daher  im  Hinblick  auf  die  Erteilung  der  ersuchten  Aufenthaltsbewilligung  nichts  ableiten.  Weiter  führt  die  Vorinstanz  aus,  die  Beschwerdeführerin 2  erfülle  die  persönlichen  Voraussetzungen  gemäss  Art. 23  AuG  nicht.  Gefordert  sei  in  diesem  Zusammenhang praxisgemäss ein Hochschul­Abschluss oder langjährige  (einschlägige) Berufserfahrung. Die Beschwerdeführerin 2 verfüge jedoch  lediglich  über  einen  Berufsabschluss  (aus  dem  Jahre  2000)  auf  nicht­ universitärer Stufe. In den Jahren 2002 und 2006 sei sie jeweils zeitweise  in  der Schweiz  als Cabaret­Tänzerin  tätig  gewesen, während  sie  in  der  übrigen Zeit  in Russland als Buchhalterin und Steuerberaterin gearbeitet  habe.  Im  Mai  2008  (recte:  2009)  habe  sie  in  der  Schweiz  in  einem  nebenberuflichen  Lehrgang  ein  "Bürofachdiplom  VSH"  erworben.  Damit  verfüge sie  jedoch erst  über eine kaufmännische Grundausbildung.  Ihre  Funktion  als  "Controll­Managerin"  umfasse  gemäss  Arbeitsvertrag  vom  3. Juli  2007  die  Erledigung  von  Buchhaltungs­/Planungs­  und  administrativen  Arbeiten  sowie  das  Erstellen  von  Verträgen  und  Übersetzungen.  Damit  sowie  mit  dem  vereinbarten  Monatslohn  von  Fr. 6'500.­  (brutto)  sei  von  einer  Funktion  auf  mittlerer  Sachbearbeiterstufe auszugehen. Die Beschwerdeführerinnen würden  in  ihrer Argumentation denn auch nicht die beruflichen Qualifikationen und  Fähigkeiten  der  Beschwerdeführerin 2  hervorheben,  sondern  insbesondere sprachliche und persönliche Aspekte (namentlich das gute  Verhältnis bzw. Vertrauen und Sympathie zwischen Z._______ und  ihr).  Bei  der  vorzunehmenden  Beurteilung  könnten  jedoch  ausschliesslich  objektive  Gesichtspunkte  berücksichtigt  werden;  subjektive,  auf  der  zwischenmenschlichen  Ebene  oder  in  persönlichen  "Qualitäten"  beruhende  Aspekte  könnten  nicht  massgeblich  sein.  Verlange  der  Arbeitgeber  spezifische  persönliche  Kompetenzen  (einschliesslich  Sprachkenntnisse), habe er diese bei Personen zu suchen, die zunächst  die Anforderungen des AuG erfüllten – was bei der Beschwerdeführerin 2  gerade  nicht  der  Fall  sei.  Dass  der  Kanton  einen  positiven  arbeitsmarktlichen  Vorentscheid  gefällt  habe,  sei  im  vorliegenden  Verfahren  nicht  massgeblich.  Des  Weiteren  sei  namentlich  auch  das 

C­140/2010 Kriterium  des  Vorrangs  gemäss  Art. 21  AuG  nicht  erfüllt.  Auf  die  entsprechenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung sei in der  Beschwerde  nicht  eingegangen  worden  und  Nachweise  von  Suchbemühungen seien nicht beigebracht worden.  I.  Mit  verfahrensleitender  Anordnung  vom  20. April  2010  wurde  den  Beschwerdeführerinnen  die  Möglichkeit  gewährt,  zur  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  Stellung  zu  nehmen.  Die  hierfür  gesetzte  Frist  blieb  ungenutzt. J.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Zustimmung  zum  arbeitsmarktlichen  Vorentscheid  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  sowie  Art.  33  Bst.  d  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  endgültig  (Art.  1  Abs.  2  VGG  i.V.m.  Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet  sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3.  Die  Beschwerdeführerin 1  ist  als  Adressatin  der  angefochtenen  Verfügung zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist­  und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52  VwVG). Die  Beschwerdeerhebung  erfolgte  –  den  Ausführungen  des  Vertreters  zufolge – auch namens und auftrags der Beschwerdeführerin 2.  Jedoch  findet sich bei den vorinstanzlichen Akten keine entsprechende Vollmacht 

C­140/2010 und eine solche wurde – entgegen einer entsprechenden Ankündigung in  der Beschwerde – im Zuge des Verfahrens nicht nachgereicht. Die Frage  der  Legitimation  braucht  jedoch  nicht  abschliessend  geklärt  zu  werden,  da auf die vorliegende Rechtsmitteleingabe ohnehin einzutreten ist. 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  – sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2, BVGE 2007/41 E. 2). 3.  Als  Beweismassnahme  wird  die  gerichtliche  Befragung  von  X._______  und Z._______ (für die Beschwerdeführerin 1) beantragt. Der  Behörde  kommt  grundsätzlich  die  Pflicht  zu,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  zu  ermitteln  (Art.  12  VwVG).  Gemäss  Art. 12  Bst. a  –  e  VwVG  kommen  als  Beweismittel  für  die  Behörde  Urkunden,  Auskünfte  der  Parteien,  Augenscheine,  Auskünfte  und  Zeugnisse  von Drittpersonen  sowie Gutachten  von Sachverständigen  in  Betracht.  Grundsätzlich  werden  Auskünfte  von  Drittpersonen  schriftlich  eingeholt  (PATRICK  L.  KRAUSKOPF/KATRIN  EMMENEGGER,  in:  Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009,  N 115  mit  Verweis  auf  N  104  f.  zu  Art.  12).  Im  Rahmen  der  Sachverhaltsermittlung  sind  die  Behörden  verpflichtet,  die  von  den  Parteien angebotenen Beweise abzunehmen, sofern diese geeignet sind,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  zu  erhellen  (BGE  137  II  266  E. 3.2  S. 270).  Kommt  die  Behörde  bei  pflichtgemässer  Beweiswürdigung  zur  Überzeugung,  die  Akten  erlaubten  die  richtige  und  vollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  oder  die  behauptete  Tatsache sei  für die Entscheidung der Streitsache nicht von Bedeutung,  kann sie auf die Erhebung weiterer Beweise verzichten, ohne durch diese  antizipierte  Beweiswürdigung  den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör 

C­140/2010 gemäss  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101)  zu  verletzen  (vgl.  zum Ganzen BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 mit weiteren Hinweisen). Vorliegend  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  eine  persönliche  Vorsprache  von  Z._______  (für  die  Arbeitgeberin)  bzw.  X._______  zu  massgeblichen  neuen  Erkenntnissen  führen  würde,  zumal  ihre  mündlichen  Ausführungen  in  der  Substanz  nicht  über  die  schriftlichen  Vorbringen hinausgehen dürften. Die beigezogenen Akten der Vorinstanz  und  der  kantonalen  Arbeitsmarktbehörde  geben  hinreichend  Aufschluss  hinsichtlich des entscheiderheblichen Sachverhalts. Von der beantragten  Anhörung kann daher  in antizipierter Beweiswürdigung ohne Verletzung  des rechtlichen Gehörs abgesehen werden. 4.  X._______  untersteht  als  russische  Staatsangehörige  weder  dem  Abkommen  vom  21.  Juni  1999  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  einerseits  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  und  ihren  Mitgliedstaaten  andererseits  über  die  Freizügigkeit  (Freizügigkeitsabkommen  bzw.  FZA  SR  0.142.112.681)  noch  dem  Abkommen vom 21. Juni 2001 zur Änderung des Übereinkommens vom  4. Januar  1960  zur  Errichtung  der  Europäischen  Freihandelsassoziation  (EFTA­Übereinkommen,  SR  0.632.31).  Ihre  Zulassung  als  sogenannte  Drittstaatsangehörige  zum  schweizerischen  Arbeitsmarkt  richtet  sich  deshalb  nach  dem  AuG  und  seinen  Ausführungsverordnungen,  insbesondere der VZAE. 5.  5.1.  Gemäss  Art.  99  AuG  legt  der  Bundesrat  fest,  in  welchen  Fällen  Kurzaufenthalts­,  Aufenthalts­  und  Niederlassungsbewilligungen  sowie  kantonale arbeitsmarktliche Vorentscheide dem BFM zur Zustimmung zu  unterbreiten  sind.  Dieses  kann  die  Zustimmung  verweigern  oder  den  kantonalen Entscheid einschränken. 5.2. Vor der Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung (Art. 32 AuG) oder  einer  Aufenthaltsbewilligung  (Art.  33  AuG) mit  Erwerbstätigkeit  sind  die  arbeitsmarktlichen  Vorentscheide  im  Sinne  von  Art.  83  VZAE  der  Vorinstanz zur Zustimmung zu unterbreiten (Art. 85 Abs. 2 VZAE). Damit  war  auch  der  Vorentscheid  der  kantonalen  Arbeitsmarktbehörde  vom  12. August 2009 zustimmungsbedürftig. Das BFM kann die Zustimmung 

C­140/2010 aus  den  in  Art.  86  VZAE  genannten  Gründen  verweigern.  Es  befindet  über  das  Vorliegen  der  entsprechenden  Voraussetzungen  in  Ausübung  einer originären Sachentscheidskompetenz des Bundes ohne Bindung an  die Beurteilung durch die kantonalen Behörden (vgl. BGE 127 II 49 E. 3a  S. 51  f.  und  BGE  120  Ib  6  E. 3b f.  S. 11  f.;  ferner  Entscheide  des  Eidgenössischen und  Justiz­  und Polizeidepartements  [EJPD],  publiziert  in  Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden  [VPB]  70.23,  67.62  und  66.66). 5.3.  Gemäss  Art.  18  AuG  können  Ausländerinnen  und  Ausländer  zur  Ausübung  einer  unselbständigen  Erwerbstätigkeit  zugelassen  werden,  wenn dies dem gesamtwirtschaftlichen  Interesse entspricht  (Bst. a), das  Gesuch  eines  Arbeitgebers  vorliegt  (Bst.  b)  und  die  Voraussetzungen  nach  den  Art.  20  –  25  AuG  erfüllt  sind  (Bst.  c).  Zu  beachten  gilt  es  in  diesem Zusammenhang die Begrenzungsmassnahmen (Art. 20 AuG), die  Bestimmungen  zum  Vorrang  (Art.  21  AuG),  die  Lohn­  und  Arbeitsbedingungen  (Art.  22  AuG),  die  persönlichen  Voraussetzungen  (Art.  23  AuG)  sowie  das  Erfordernis  einer  bedarfsgerechten  Wohnung  (Art. 24 AuG).  5.4. Art. 21 AuG regelt den Vorrang von inländischen Arbeitskräften und  solchen  aus  dem  EU/EFTA­Raum.  Nach  dessen  Abs.  1  können  Drittstaatsangehörige  zum  schweizerischen  Arbeitsmarkt  nur  dann  zugelassen  werden,  wenn  nachgewiesen  wird,  dass  keine  dafür  geeigneten Erwerbstätigen aus der Schweiz oder einem EU/EFTA­Staat,  mit  welchem  ein  Freizügigkeitsabkommen  abgeschlossen  wurde,  gefunden  werden  können.  Für  Ausländerinnen  und  Ausländer  mit  Schweizer  Hochschulabschluss  gilt  seit  dem  1.  Januar  2011  eine  spezielle  Regelung  (Art.  21  Abs. 3  AuG  [zum  Ganzen  vgl.  AS  2010  5957]). Eine Anstellung ist ferner nur möglich, wenn gleichzeitig die orts­,  berufs­ und branchenüblichen Lohn­ und Arbeitsbedingungen eingehalten  werden (Art. 22 AuG). 5.5.  Kurzaufenthalts­  und  Aufenthaltsbewilligungen  an  Drittstaatsangehörige  können  sodann  nur  Führungskräften,  Spezialistinnen und Spezialisten und anderen qualifizierten Arbeitskräften  erteilt  werden  (Art.  23  Abs.  1  AuG).  Zusätzlich  müssen  die  berufliche  Qualifikation,  die  berufliche  und  soziale  Anpassungsfähigkeit,  die  Sprachkenntnisse  und  das  Alter  eine  nachhaltige  Integration  in  den  schweizerischen Arbeitsmarkt und das gesellschaftliche Umfeld erwarten  lassen  (Art. 23  Abs.  2  AuG).  Das  duale  System  zu  Gunsten  von 

C­140/2010 Schweizerinnen  und  Schweizern  sowie  Angehörigen  der  EU/EFTA­ Staaten  wird  durch  die  Ausnahmegründe  von  Art.  23  Abs.  3  AuG  durchbrochen und zwar wenn einer der folgenden Tatbestände erfüllt ist:  Die  Drittstaatsangehörigen  sind  Investorinnen  und  Investoren  sowie  Unternehmerinnen  und  Unternehmer,  die  Arbeitsplätze  erhalten  oder  neue  schaffen  (Bst.  a);  es  handelt  sich  um  anerkannte  Personen  aus  Wissenschaft,  Kultur  und  Sport  (Bst.  b);  Personen  mit  besonderen  beruflichen Kenntnissen oder Fähigkeiten, sofern für deren Zulassung ein  Bedarf  ausgewiesen  ist  (Bst.  c);  Personen  im  Rahmen  des  Kadertransfers  von  international  tätigen  Unternehmen  (Bst.  d)  oder  schliesslich  Personen,  deren  Tätigkeit  in  der  Schweiz  im  Rahmen  von  wirtschaftlich  bedeutenden  internationalen  Geschäftsbeziehungen  unerlässlich ist (Bst. e).  6.  6.1. Strittig  ist vorliegend, ob die Voraussetzungen von Art. 21 AuG und  Art.  23  AuG  erfüllt  sind.  Deren  Vorliegen  kann  nicht  leichthin  angenommen  werden,  soll  die  Absicht  des  Gesetzgebers  verwirklicht  werden,  die  Zuwanderung  aus  dem  Nicht­EU/EFTA­Raum  restriktiv  zu  gestalten,  konsequent  einem  längerfristigen  gesamtwirtschaftlichen  Interesse  unterzuordnen  und  vermehrt  an  den  übergeordneten  integrations­,  gesellschafts­  und  staatspolitischen  Zielen  zu  orientieren.  Damit  einher  geht  das  Bestreben,  weder  eine  Strukturerhaltung  durch  wenig  qualifizierte  Arbeitskräfte  mit  tiefen  Löhnen  zu  fördern,  noch  Partikularinteressen  innerhalb  der  Wirtschaft  zu  schützen.  Die  arbeitsmarktlich motivierte Zuwanderung aus dem Ausland soll  vielmehr  auf die langfristige Integration der Ausländerinnen und Ausländer auf dem  Arbeitsmarkt  und  in  der  Gesellschaft  ausgerichtet  sein  und  zu  einer  ausgeglichenen Beschäftigung und einer Verbesserung der Struktur des  Arbeitsmarktes  führen,  wie  dies  schon  die  per  1.  Januar  2008  aufgehobene Verordnung vom 6. Oktober 1986 über die Begrenzung der  Zahl  der  Ausländer  (BVO,  AS  1986  1791,  zum  vollständigen  Quellennachweis  vgl.  Art.  91  Ziff.  5  VZAE)  vorgesehen  hatte  (zum  Ganzen  vgl.  Botschaft  vom  8. März  2002  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen und Ausländer, in BBl 2002 3709, insb. Ziff. 1.2.3 S. 3724  ff.; zu den früheren materiellen Zulassungsvoraussetzungen, die sich von  den heutigen in grundsätzlicher Hinsicht nicht unterscheiden, siehe ferner  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­4349/2008  vom  3. April  2009  E. 6.1 mit weiteren Hinweisen).

C­140/2010 6.2. Wie  aus  den  Akten  ersichtlich  ist,  ging  X._______  in  den  Jahren  2002  bis  2006  während  jeweils  mehrmonatiger  Aufenthalte  einer  Erwerbstätigkeit  in  diversen  Nachtclubs  nach.  Mit  Verfügung  vom  2. August  2007  stimmte  die  Vorinstanz  einem  arbeitsmarktlichen  Vorentscheid  von  beco  vom  26. Juni  2007  betreffend  Erteilung  einer  Kurzaufenthaltsbewilligung  an  X._______  für  einen  Aufenthalt  von  maximal 12 Monaten zu Weiterbildungszwecken zu. Zuvor war das BFM  mit der Beschwerdeführerin 1 übereingekommen, dass der Aufenthalt der  Arbeitnehmerin in der Schweiz zum Zwecke einer (teils betriebsinternen)  Weiterbildung  im  Hinblick  auf  den  künftigen  Einsatz  für  die  Beschwerdeführerin 1  in  Russland  erfolgen  und  12  Monate  nicht  überschreiten  sollte.  Diese  hatte  sich  – entgegen  der  aktenwidrigen  Darstellung  in  der  Beschwerdeschrift  (vgl.  S. 3)  – mit  diesen  Vorgaben  ausdrücklich einverstanden erklärt und mitgeteilt, sie sehe daher von der  bis  dahin  beantragten  Erteilung  einer  Jahresaufenthaltsbewilligung  ab  (vgl.  Schreiben  vom  27. Juli  2007).  Gemäss  dem  Arbeitsvertrag  vom  26. Juli 2007 sollte X._______ per 20. August 2007  ihre Tätigkeit  für die  Beschwerdeführerin 1  aufnehmen  und  nebst  einer  externen  Weiterbildung  (im  Hinblick  auf  den  Erwerb  eines  Bürofachdiploms)  betriebsintern unter anderem Controlling­Aufgaben übernehmen. Effektiv  erfolgte  die  Arbeitsaufnahme  in  der  Schweiz  am  18. September  2007  (vgl.  Schreiben  von  Z._______  vom  9. Juli  2009).  Offenbar  verlängerte  beco  in  der  Folge  auf  entsprechendes  Ersuchen  der  Beschwerdeführerin 1 hin die Kurzaufenthaltsbewilligung von X._______  mit Gültigkeit bis zum 16. September 2009 (vgl. Beschwerde S. 3). Gemäss einem neuen, vom 3. Juli 2009 datierenden Arbeitsvertrag sollte  per  1. Oktober  2009  eine  Anstellung  von  X._______  als  "Controll­ Managerin"  bei  der  Beschwerdeführerin 1  erfolgen.  Im  Hinblick  auf  die  Aufnahme  dieser  Tätigkeit  ersuchte  Letztere  am  20. Juli  2009  bei  beco  um  Umwandlung  der  Kurzaufenthaltsbewilligung  in  eine  Aufenthaltsbewilligung nach Art. 33 AuG (vgl. Sachverhalt Bst. A). Aus  der  Erteilung  und  Verlängerung  der  Kurzaufenthaltsbewilligung  vermag  die  Beschwerdeführerin 1  keinen  Anspruch  im  Hinblick  auf  die  ersuchte  Aufenthaltsbewilligung  zur  Ausübung  einer  Erwerbstätigkeit  abzuleiten. Zum einen handelt es sich vorliegend ohnehin um ein neues,  andersartiges Verfahren,  in welchem ausschliesslich geprüft wird, ob die  in Art. 18 – 24 AuG aufgelisteten Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind  (vgl. Art. 40 Abs. 2 AuG i.V.m. Art. 83 ff. VZAE sowie auch Art. 54 VZAE).  Zum  anderen  hatte  das  BFM  am  2. August  2007  bereits  seine 

C­140/2010 Zustimmung  zum  arbeitsmarktlichen  Vorentscheid  von  beco  erst  nach  einem  längeren  Verfahren  sowie  unter  klaren  Vorgaben  hinsichtlich  Dauer  und  Zweck  des  Aufenthalts  erteilt,  mit  welchen  sich  die  Beschwerdeführerin 1  – wie  erwähnt –  einverstanden  erklärt  hatte.  Diesen Vorgaben des BFM (sowie auch ihrer eigenen Versicherung, sich  mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung von maximal 12 Monaten zufrieden  zu  geben)  zum  Trotz  beantragte  die  Beschwerdeführerin 1  offenbar  die  Verlängerung  der  Bewilligung  bei  beco,  welches  dem  Begehren  somit  vorgabenwidrig entsprach. 6.3.  X._______  geniesst  als  Drittstaatsangehörige  keine  Rekrutierungspriorität,  was  zur  Folge  hat,  dass  ihre  Zulassung  erst  möglich  wäre,  wenn  für  die  Vakanz  bei  der  Beschwerdeführerin  weder  einheimische  Erwerbstätige  noch  solche  aus  dem  EU­/EFTA­Raum  rekrutiert  werden  könnten  (siehe  E. 5.4  hievor).  Das  Prinzip  des  Vorranges inländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach Art.  21  AuG  ist  in  jedem  Fall  und  unabhängig  von  der  Wirtschafts­  und  Arbeitsmarktlage  zu  beachten.  Hierbei  müssen  die  Arbeitgeberinnen  und  Arbeitgeber  belegen,  dass  sie  trotz  umfassender  Suchbemühungen keine geeigneten Arbeitskräfte aus dem Inland oder  einem EU­/EFTA­Staat finden konnten; sie haben mit anderen Worten  den  Nachweis  zu  erbringen,  die  Stelle  vergeblich  über  die  branchenüblichen  Rekrutierungskanäle  –  beispielsweise  durch  Inserate  in  der  Fach­  und  Tagespresse  oder  mittels  elektronischer  Medien – ausgeschrieben zu haben. Wichtige Instrumente stellen auch  die  öffentliche  und  private  Arbeitsvermittlung  dar.  Verlangt  werden  inhaltlich  zweckmässige  und  echte  Bemühungen  über  einen  angemessenen  Zeitraum  hinweg,  die  Stelle  mit  Leuten  aus  den  Vorrang geniessenden Gebieten zu besetzen. Es  reicht  insbesondere  nicht  aus,  wenn  derartige  Suchbemühungen  als  blosse  Erforderniserbringung  erfolgen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­2216/2010 vom 12. August 2010 E. 7.3).  Zudem  dürfen  Personen  mit  Vorrang  nicht  aufgrund  fachlich  nicht  relevanter  Kriterien  praktisch  ausgeschlossen  werden.  Als  Beispiel  genannt  werden  etwa  für  einen  Tätigkeitsbereich  nicht  zwingend  erforderliche  Sprachkenntnisse  oder  Fachkenntnisse,  die  nur  einen  geringen  Zusammenhang  mit  dem  Tätigkeitsbereich  haben  (vgl.  Weisungen des BFM zum Ausländerbereich, Ziffer 4.3.2, online unter:  www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  Rechtliche  Grundlagen  >  Weisungen  und  Kreisschreiben  >  I.  Ausländerbereich  >  4  Aufenthalt  mit Erwerbstätigkeit [nachfolgend: Weisungen]).

C­140/2010 6.4. Was  die  Auslegung  von  Art.  21  AuG  und  Art.  23  AuG  anbelangt,  stützt die Vorinstanz  ihre ablehnende Haltung nicht zuletzt auf die eben  erwähnten Weisungen zum Ausländerbereich. Als Verwaltungsweisungen  bestehen  ihre Hauptfunktionen darin, eine einheitliche und rechtsgleiche  Handhabung des Verwaltungsrechts sicherzustellen,  indem sie Leitlinien  und  Gesichtspunkte  zur  Konkretisierung  des  Verwaltungsermessens  festlegen.  Verwaltungsgerichte  sind  in  der  Regel  nicht  an  Verwaltungsweisungen  gebunden.  Freilich  pflegt  eine  Beschwerdebehörde  selbst  im Rahmen  einer  Angemessenheitskontrolle  nicht ohne Not von der Ermessenswaltung der Vorinstanz abzuweichen,  zumal  wenn  wie  hier  Verwaltungsweisungen  vorliegen,  welche  das  Ermessen konkretisieren und eine dem Einzelfall angepasste und gerecht  werdende  Auslegung  der  anwendbaren  gesetzlichen  Bestimmungen  zulassen  (PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI/MARKUS  MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  3. Aufl.,  Bern  2009,  §  41  Rz.  11  ff.;  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 123 ff.; BGE 133 V  257 E. 3.2 S. 258 f.,  BGE  130 V  163 E.  4.3.1 S. 171 f.,  BGE  129 V  67  E. 1.1.1  S. 68  je  mit  Hinweisen).  Eine  solche  Zurückhaltung  rechtfertigt  sich  umso  mehr,  wenn  die  Weisungen  –  wie  vorliegend  geschehen –  unter  Mitwirkung  der  interessierten  Fachverbände  verfasst  wurden  und  deshalb für sich die Vermutung eines sachgerechten und ausgewogenen  Interessenausgleichs  beanspruchen  können  (vgl.  statt  vieler  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­4642/2007 vom 7. Dezember 2007 E. 5.1). 6.5.  Die  Vorinstanz  hatte  die  Beschwerdeführerin 1  vor  Erlass  der  angefochtenen Verfügung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie die  Voraussetzungen  für  eine  Bewilligungserteilung  als  nicht  gegeben  erachte, insbesondere da das Erfordernis des Vorrangs nach Art. 21 AuG  die  Erfolglosigkeit  vorausgehender  "ausführlicher  europaweiter  Suchbemühungen"  seitens  der  Arbeitgeberin  nach  geeigneten  "inländischen  Personen"  im  Sinne  von  Art. 21  Abs. 2  AuG  bzw.  Erwerbstätigen  aus  EU­/EFTA­Staaten,  die  sich  auf  Freizügigkeitsabkommen mit  der  Schweiz  berufen  können,  voraussetze  (vgl.  E­Mail  vom  1. September  2009,  Schreiben  vom  30. September  2009). Aus den Akten geht hervor, dass X._______ ihre am 18. September 2007  aufgenommene Tätigkeit bei der Beschwerdeführerin 1 weiterführte, ohne  dass  von  deren  Seite  überhaupt  Suchbemühungen  getätigt  worden  wären.  Zu  keinem Zeitpunkt,  in  keinem  einzigen Medium  (weder  in  der 

C­140/2010 Schweiz  noch  im  europäischen  Raum)  wurde  die  fragliche  Stelle  ausgeschrieben, was die Beschwerdeführerin 1  im Übrigen auch nicht  in  Abrede  stellt.  Mit  keinem  Wort  wird  hierzu  und  zum  entsprechenden  vorinstanzlichen  Vorhalt  in  der  Beschwerdeschrift  Stellung  genommen.  Der  unter  grossem persönlichen Engagement  von Z._______  geleistete  Einsatz  der  Beschwerdeführerin 1  dafür,  gerade  diese  Arbeitnehmerin  beschäftigen  zu  können  (unter  Betonung  insbesondere  der  hervorragenden  persönlichen  Beziehung  zwischen  X._______  und  Z._______),  lässt vielmehr darauf schliessen, dass es  ihr  in erster Linie  um die Anstellung gerade dieser Person  ging und nicht  so  sehr um die  Besetzung einer Stelle. Dass allenfalls eine andere Person die  fragliche  Tätigkeit  hätte  übernehmen  können,  scheint  von  der  Beschwerdeführerin 1  nicht  einmal  theoretisch  in  Betracht  gezogen  worden  zu  sein  (vgl.  bspw.  ihr  Schreiben  vom  5. September  2009;  die  Vorinstanz  spricht  aus  diesem  Grund  –  wie  es  scheint,  nicht  ganz  unzutreffend – von einer "Fixierung auf X._______" [vgl. Vernehmlassung  S. 5]). Schon  aufgrund  dessen  erweisen  sich  vorliegend  die  Zulassungsvoraussetzungen nach Art. 18 – 24 AuG als nicht erfüllt. 6.6. Eine Prüfung der weiteren Zulassungsvoraussetzungen erübrigt sich  damit.  Lediglich  der  Vollständigkeit  halber  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  auch die persönlichen Voraussetzungen nach Art. 23 AuG nicht als erfüllt  betrachtet werden können. Im  Juni  2000  schloss  X._______  nach  einer  knapp  dreijährigen  Ausbildung das "Chemische College" in Uvarovo/Russland ab, wobei sie  die  "Qualifikation"  "Buchhalter  im  Fach  Wirtschaft,  Buchhaltung  und  Controlling"  erhielt  (vgl.  Diplom  vom  25. Juni  2000).  Aus  der  Auflistung  der besuchten Fächer ergibt sich, dass es sich dabei um eine allgemeine  Ausbildung  auf  Mittelschul­Stufe  mit  Schwerpunkt  auf  wirtschaftlichen  bzw.  betriebsökonomischen  Fächern  handelte.  Im Mai  2009  erwarb  sie  (nach  einer  berufsbegleitenden  Weiterbildung)  in  Zürich  ein  "Bürofachdiplom"  des  Vereins  Schweizerischer  Handelsschulen  (vgl.  Diplom  vom  8. Mai  2009).  Im  Hinblick  auf  die  Tätigkeit  als  "Controll­ Managerin"  bei  der  Beschwerdeführerin,  für  welche  sie  vorgesehen  ist,  lässt sie die von ihr abgeschlossene Aus­ und Weiterbildung wie auch die  seit  September  2007  für  die  Beschwerdeführerin  ausgeübte  Tätigkeit  nicht  als  in  besonderem  Masse  qualifiziert  erscheinen.  Die  Weisungen  setzen  insoweit  einen  Universitätsabschluss,  ein  Fachhochschuldiplom, 

C­140/2010 eine  besondere  fachliche  Ausbildung  mit  mehrjähriger  Berufserfahrung,  einen  Beruf  mit  Zusatzausbildung  oder  ausserordentliche,  unerlässliche  Spezialkenntnisse  in  spezifischen  Bereichen  voraus  (vgl.  Weisungen  Ziff. 4.3.4).  Dass  die  Arbeitnehmerin  damit  die  Voraussetzungen  von  Art. 23 Abs. 1 und 2 AuG nicht erfüllt,  liegt damit ohne weiteres auf der  Hand.  Geradezu  abwegig  erscheinen  sodann  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin, wenn sie eine Zulassung gestützt auf Art. 23 Abs. 3  AuG fordert (vgl. Beschwerde S. 4). Wie  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  zu  Recht  hervorhebt,  begründet  die  Beschwerdeführerin 1  ihren  Wunsch,  X._______  weiterbeschäftigen  zu  können,  auch  nicht  in  erster  Linie  mit  ihrer  beruflichen  Qualifikation  und  fachlichen  Fähigkeiten.  Vielmehr  hebt  sie  besonders hervor, sie sei eine Frau und zudem russischer Muttersprache  und  Staatsangehörigkeit  (so  dass  sie  russischen  Geschäftspartnern  gegenüber  als  "waschechte  Russin"  auftreten  könne)  und  mit  der  russischen  Bürokratie  vertraut  (vgl.  Beschwerde  S. 3  und  4).  Diese  "Merkmale" weist  jedoch  jede  in der Schweiz oder  in einem EG­/EFTA­ Staat ansässige Frau mit entsprechender Herkunft bzw. Hintergrund auf  und können nicht als X._______ besonders qualifizierende Eigenschaften  gelten.  Den  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin 1  im  vorinstanzlichen  Verfahren wie auch ihrer Rechtsmitteleingabe ist vielmehr – wie erwähnt  – zu entnehmen, dass ihr Wunsch (und ihr grosser Einsatz dafür), gerade  diese  Arbeitnehmerin  zu  beschäftigen,  in  der  guten  persönlichen  Beziehung  zwischen  Z._______  und  ihr  gründet.  Dieses  hervorragende  persönliche  Einvernehmen  wirkt  sich  sicherlich  positiv  auf  das  Arbeitsklima aus und erscheint  insofern erfreulich;  zudem mag sich das  X._______  angeblich  auch  von  den  russischen  Geschäftspartnern  entgegengebrachte  Vertrauen  als  im  Hinblick  auf  die  Akquisition  von  Aufträgen durchaus förderlich erweisen. Im vorliegenden Zusammenhang  erweist  es  sich  jedoch  als  irrelevant:  Die  Voraussetzungen  für  die  Zulassung  zum  schweizerischen  Arbeitsmarkt  ergeben  sich  aus  dem  Wortlaut  des  Gesetzes  und  den  vorinstanzlichen  Weisungen,  denn  lediglich objektive bzw. objektivierbare (und mithin überprüfbare) Kriterien  können für einen solchen Entscheid ausschlaggebend sein – was letztlich  auch  für  die  Beschwerdeführerin  einsichtig  sein  dürfte.  In  diesem  Zusammenhang  kann  vollumfänglich  auf  die  Ausführungen  der  Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung bzw. in der Vernehmlassung  verwiesen  werden  (vgl.  insb.  Vernehmlassung  S. 3  und  4  sowie  Sachverhalt Bst. H). 

C­140/2010 7.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Zulassungsvoraussetzungen  nach  Art. 18  –  24  AuG  nicht  erfüllt  sind,  weshalb  die  angefochtene  Verfügung zu Recht ergangen ist (vgl. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist  dementsprechend abzuweisen. 8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin 1 die  Kosten aufzuerlegen  (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG  i.V.m. Art. 1, Art. 2 und  Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die Verfahrenskosten von Fr. 800.­ werden den Beschwerdeführerinnen  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  am  9. März  2010  in  gleicher  Höhe  geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerinnen (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] retour) – den Migrationsdienst des Kantons Bern (in Kopie) – beco, Berner Wirtschaft, Münsterplatz 3, 3011 Bern (in Kopie, mit den  Akten) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Viviane Eggenberger Versand:

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