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Bundesverwaltungsgericht 23.02.2011 B-8244/2010

23 février 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,648 mots·~8 min·3

Résumé

Öffentliches Beschaffungswesen | Beschaffungswesen - UPlaNS - N03/70 Kerenzerbergtunnel Verkehrsplanung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II Postfach CH­3000 Bern 14 Telefon +41 (0)58 705 25 60 Fax +41 (0)58 705 29 80 www.bundesverwaltungsgericht.ch Geschäfts­Nr. B­8244/2010 urh/ret/gys Zw i s ch enen t s ch e i d vom   2 3 .   Februar   2011 Besetzung Richter Hans Urech (Vorsitz), Richter Bernard Maitre, Richter Claude Morvant,    Gerichtsschreiber Thomas Reidy. In der Beschwerdesache Parteien A._______,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Strassen ASTRA, Filiale Winterthur,  Grüzefeldstrasse 41, 8404 Winterthur,  Vergabestelle. Gegenstand Beschaffungswesen – UplaNS – N03/70 Kerenzerbergtunnel  Verkehrsplanung,

B­8244/2010 stellt das Bundesverwaltungsgericht fest: A.  Die  Filiale  Winterthur  des  Bundesamtes  für  Strassen  (ASTRA,  Vergabestelle,  Beschaffungsstelle)  schrieb  am  7.  Juli  2010  unter  dem  Projekttitel  "UPlaNS  ­  N03/70  Kerenzerbergtunnel  Verkehrsplanung"  im  offenen  Verfahren  ein  als  Dienstleistungsauftrag  gemäss  Gemeinschaftsvokabular CPV 71322500 ("Technische Planungsleitungen  für Verkehrsanlagen") bezeichnetes Vorhaben auf simap.ch aus.  Laut  ASTRA  soll  der  im  Jahr  1986  in  Betrieb  genommene  Kerenzerbergtunnel gesamtheitlich erneuert und an die heute geltenden  Normen  und  Richtlinien  nicht  zuletzt  in  Bezug  auf  die  Tunnelsicherheit  angepasst  werden.  Dabei  sollten  die  Leistungen  des  Spezialisten  Verkehrsplanung  die  grundsätzliche  Beratung  und  Begleitung  in  allen  verkehrsplanerischen  Fragen  sowohl  in  der  Projektierungs­  als  auch  in  der Realisierungsphase umfassen.  B.  Am 8. November 2010 veröffentlichte die Vergabestelle den Zuschlag auf  simap.ch, wobei sie folgende Begründung anführte: "Nach Evaluation der  eingegangenen  Offerten  wurden  alle  Anbieter  als  geeignet  und  als  wirtschaftlich sowie  finanziell  leistungsfähig qualifiziert. Nach Beurteilung  der  Zuschlagskriterien  erreichte  die  Zuschlagsempfängerin  die  höchste  Punktzahl  aller  Anbieter.  Ihre  Offerte  ist  somit  in  ihrer  Gesamtheit  die  wirtschaftlich  günstigste.  Die  Offerte  der  Zuschlagsempfängerin  überzeugte insbesondere durch die gute Qualität der Auftragsanalyse." In  einem  Schreiben  gleichen  Datums  teilte  die  Vergabestelle  der  Beschwerdeführerin  mit,  aufgrund  der  Bewertung  sämtlicher  Zuschlagskriterien mit einer Punktzahl von 389 (bei maximal 500) sei der  Zuschlag  an  die  B._______,  zum  Preis  von  CHF  648'036.90  erteilt  worden.  Das  Angebot  der  Beschwerdeführerin  habe  die  Punktzahl  370  erreicht.  Zudem  liess  die  Vergabestelle  der  Beschwerdeführerin  eine  anonymisierte  Übersicht  des  Evaluationsergebnisses  zukommen.  Diese  enthielt  ein  Diagramm  und  eine  Tabelle,  die  das  Total  der  von  jedem  Anbieter erreichten Punkte und dessen Rang festhielt. C.  Mit Eingabe vom 26. November 2010  focht die Beschwerdeführerin den 

B­8244/2010 am  8.  November  2010  veröffentlichten  Zuschlagsentscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht an. Sie stellt folgende Rechtsbegehren: "1.  Es  sei  der  Vergabeentscheid  in  Sachen  Projekt  070191,  publiziert  im  SIMAP vom 8.11.2010, aufzuheben; 2. es  sei  das  Vergabeverfahren  gemäss  SIMAP­Ausschreibung  vom  7.7.2010/Projekt 070191 zu wiederholen; 3. das Vergabekriterium "Plausibilität der Stundenkategorien" sei aus dem  Bewertungs­Katalog  herauszunehmen  oder  beim  Vergabekriterium  "Plausibilität der Stundenkategorien" seien alle Angebote mit einer Note  3 (genügend) zu bewerten; 4. der vorliegenden Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen; 5. die Kosten dieses Verfahrens seien dem Staat aufzuerlegen." Zur  Begründung  bringt  die  Beschwerdeführerin  insbesondere  vor,  sie  habe  beim  Zuschlagskriterium  Preis  unter  Punkt  1.2  "Plausibilität  der  Stundenverteilung" lediglich die Note 2 erhalten. Die Bewertung bezüglich  der  Verteilung  der  Honorarkategorien  sei  im  Vergleich  zu  den  weiteren  Anbietern  willkürlich  erfolgt.  Die  Vergabebehörde  bezahle  denn  auch  nicht einzelne Honorarpositionen, sondern einen  im Voraus  festgelegten  bzw.  offerierten  Projektgesamtpreis.  Wie  in  diesem  Total  die  Stunden  durch  den  Unternehmer  einzeln  alloziert  würden  sei  unerheblich  und  stelle  letztlich  ein  ökonomisches  Risiko  des  Unternehmers  dar.  Die  Bewertung  der  Honorarallokation  sei  ein  nicht  erforderliches  Kriterium  und  sei  folglich  unzulässig,  zumal  die  Qualitätsaspekte  im  Zuschlagsentscheid separat erwogen und gewichtet würden. D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  29.  November  2010  ordnete  das  Bundesverwaltungsgericht  an,  dass  bis  zu  seinem  Entscheid  über  den  Antrag  betreffend  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  alle  Vollzugsvorkehrungen,  welche  den  Ausgang  des  hängigen  Beschwerdeverfahrens  präjudizieren  können,  namentlich  der  Vertragsschluss mit der Zuschlagsempfängerin, zu unterbleiben haben. Gleichzeitig  gab es  der Vergabebestelle  und der Zuschlagsempfängerin  die  Gelegenheit,  bis  zum  14.  Dezember  2010  zum  Antrag  der  Beschwerdeführerin, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu  erteilen,  Stellung  zu  nehmen. Dabei  wies  es  die  Zuschlagsempfängerin  darauf hin, dass sie, insbesondere in Bezug auf das mit der Parteistellung 

B­8244/2010 verbundene  Kostenrisiko,  als  eigentliche  Gegenpartei  behandelt  werde,  sofern sie im vorliegenden Verfahren formelle Anträge stelle. E.  Auf  entsprechendes  Gesuch  gewährte  der  Instruktionsrichter  der  Vergabestelle zur Einreichung der Vernehmlassung eine Fristerstreckung  bis 14. Januar 2011.  Während  die  Zuschlagsempfängerin  keine  Stellungnahme  einreichte,  beantragte die Vergabestelle mit Vernehmlassung vom 14. Januar 2011  die  kostenfällige  Abweisung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung.  Zudem  sei  über  das  Gesuch  ohne  weiteren  Schriftenwechsel  und  ohne  Verzug  zu  entscheiden.  Eventuell  sei  die  Beschwerde  abzuweisen.  Die  Vergabestelle  zeigt  ihre  Gründe  auf,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  aus  ihrer  Sicht  als  Zuschlagsempfängerin nicht in Frage komme. Da folglich die Beschwerde  aussichtslos sei, sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren, auch wenn  wie  in  casu aufgrund der Projektierungs­ und Ausführungsphasen keine  Dringlichkeit gegeben sei.   F.  Am 19. Januar 2011 wurde die Vernehmlassung der Vergabestelle vom  14. Januar 2011 der Beschwerdeführerin zur Kenntnisnahme zugestellt. G.  Auf die dargelegten und weitere Vorbringen der Parteien wird, soweit sie  für  den  Entscheid  wesentlich  sind,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gegen  Verfügungen  über  den  Zuschlag  in  Vergabeverfahren  steht  die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht  offen  (Art.  27 Abs. 1  i.V.m. Art. 29 Bst. a des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 1994 über  das  öffentliche  Beschaffungswesen  (BöB,  SR  172.056.1).  Dabei  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  auch  über  Gesuche  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  (Art.  28  Abs.  2  BöB).  Für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  sind  die  Vorschriften  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 

B­8244/2010 Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  massgebend,  soweit  das  BöB  und  Verwaltungsgerichtsgesetz  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32) nichts anderes bestimmen (Art. 26 Abs. 1 BöB und Art. 37 VGG).  Gemäss  Art.  31  BöB  kann  die  Unangemessenheit  vor  Bundesverwaltungsgericht nicht gerügt werden. 1.2. Über  das  Begehren  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  im  Rahmen  der  Anfechtung  eines  Zuschlags  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  gemäss  ständiger  Praxis  in  Dreierbesetzung  (Zwischenentscheid  B­3402/2009  vom  2.  Juli  2009,  auszugsweise  publiziert in BVGE 2009/19, E. 1.2 mit Hinweisen). 2.  Im  Unterschied  zu  Art.  55  Abs.  1  VwVG  sieht  Art.  28  Abs.  1  BöB  vor,  dass  der  Beschwerde  keine  aufschiebende  Wirkung  zukommt.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  diese  jedoch  auf  Gesuch  hin  erteilen  (Art. 28 Abs. 2 BöB). 2.1. Das BöB selbst nennt die Kriterien, welche beim Entscheid über die  aufschiebende Wirkung zu berücksichtigen sind, nicht. Es können jedoch  diejenigen  Grundsätze  übernommen  werden,  welche  Rechtsprechung  und Lehre zu Art. 55 VwVG entwickelt haben. Danach ist aufgrund einer  Interessenabwägung  zu  prüfen,  ob  die  Gründe,  die  für  sofortige  Vollstreckbarkeit  sprechen,  gewichtiger  sind  als  jene,  welche  für  die  gegenteilige  Lösung  angeführt  werden  können  (BGE  117  V  185  E.  2b,  110 V 40 E. 5b, 106  Ib 115 E. 2a, 105 V 266 E. 2; ULRICH HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6.  Aufl.,  Zürich/St.  Gallen 2010, N.  1802  f.; PIERRE MOOR, Droit  administratif,  Bd.  II,  2. Aufl.,  Bern 2002, S. 680 f.). Die Behörde beschränkt sich dabei auf eine prima­ facie­Beurteilung.  Diese  Überlegungen  sind  grundsätzlich  auch  im  Bereich  des  öffentlichen  Beschaffungswesens  massgebend.  Dass  der  Suspensiveffekt im BöB, anders als im VwVG, nicht von Gesetzes wegen  gewährt  wird,  zeigt,  dass  sich  der  Gesetzgeber  der  Bedeutung  dieser  Anordnung  im  Submissionsrecht  bewusst  war  und  eine  individuelle  Prüfung  für  notwendig  erachtete  (BVGE  2007/13  E.  2.1,  Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­7393/2008  vom  14. Januar 2009 E. 2.1, je mit Hinweisen). 2.2.  Liegt  ein  Gesuch  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  vor,  muss  in  einem  ersten  Schritt  mittels  einer  prima­facie­Würdigung  der  materiellen Rechtslage geprüft werden, ob die Beschwerde aufgrund der 

B­8244/2010 vorhandenen  Akten  als  offensichtlich  unbegründet  erscheint.  Trifft  dies  zu, so ist die aufschiebende Wirkung von vornherein nicht zu gewähren.  Werden  der  Beschwerde  hingegen  Erfolgschancen  zuerkannt  oder  bestehen  diesbezüglich  Zweifel,  so  ist  aufgrund  der  erwähnten  Interessenabwägung zu entscheiden. Dem öffentlichen Interesse an einer  möglichst  raschen  Umsetzung  des  Vergabeentscheids  kommt  dabei  erhebliches  Gewicht  zu  (Zwischenentscheide  des  Bundesverwaltungsgerichts B­7393/2008 vom 14. Januar 2009 E. 2.2, B­ 7252/2007  vom  6.  Februar  2008  E.  2.2  und  B­5838/2007  vom  6.  Dezember  2007  E.  3.3  mit  Hinweisen).  Einzubeziehen  sind  nach  ständiger  Praxis  auch  die  Interessen  der  Beschwerdeführer  sowie  allfällige  private  Interessen  Dritter,  insbesondere  der  übrigen  an  einem  Beschaffungsgeschäft  Beteiligten.  Ausgangspunkt  muss  dabei  die  Gewährung  wirksamen  Rechtsschutzes  und  die  Verhinderung  von  Zuständen  sein,  welche  das  Rechtsmittel  illusorisch  werden  lassen  (BVGE  2007/13  E.  2.2  mit  Hinweisen;  Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­3803/2010  vom  23.  Juni  2010  E.  2  mit  Hinweisen). 3.  3.1.  Ob  die  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind  und  ob  auf  eine  Beschwerde (bzw. vorliegend auf einen prozessualen Antrag) einzutreten  ist, prüft das Bundesverwaltungsgericht von Amtes wegen und mit  freier  Kognition  (BVGE  2007/6  E.  1  mit  Hinweisen;  BVGE  2008/48,  nicht  publizierte  E.  1.2).  Ist  prima  facie  davon  auszugehen,  dass  auf  die  Beschwerde aller Voraussicht nach nicht eingetreten werden kann, dringt  die Beschwerdeführerin mit prozessualen Anträgen von vornherein nicht  durch (Zwischenentscheide des Bundesverwaltungsgerichts B­4860/2010  vom 30.  Juli  2010 E.  2  und B­6177/2008  vom 20. Oktober  2008 E.  2.2  i.V.m. E. 3.1). 3.2. Das  BöB  erfasst  nur  Beschaffungen,  welche  dem Übereinkommen  vom  15.  April  1994  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen  (ÜöB,  SR  0.632.231.422)  unterstellt  sind.  Alle  übrigen  Beschaffungen  sind  in  der  Verordnung  vom  11.  Dezember  1995  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen (VöB, SR 172.056.11) geregelt. Die Beschwerde an  das  Bundesverwaltungsgericht  gemäss  dem  5.  Abschnitt  des  BöB  ist  nach  der  Konzeption  dieses  Gesetzes  nur  zulässig  gegen  Beschaffungen,  die  in  den Geltungsbereich  des  BöB  fallen  (e  contrario  Art. 2 Abs. 3 Satz 4 BöB, vgl. auch Art. 39 VöB; BVGE 2008/61 E. 3.1, 

B­8244/2010 2008/48 E. 2.1; Entscheid der BRK vom 11. Oktober 2001, veröffentlicht  in VPB 66.4, E. 1b mit Hinweisen). 3.3.  Die  Vergabestelle  ist  als  Bundesamt  Teil  der  allgemeinen  Bundesverwaltung  und  untersteht  daher  dem BöB  (Art.  2 Abs.  1 Bst.  a  BöB). 3.4. Gemäss Art. 6 Abs. 1 Bst. b BöB i.V.m. Art. 1 Bst. b der Verordnung  des EVD vom 11. Juni 2010 über die Anpassung der Schwellenwerte im  öffentlichen  Beschaffungswesen  für  das  zweite  Semester  des  Jahres  2010 und das Jahr 2011 (SR 172.056.12) ist das BöB anwendbar, wenn  der  geschätzte  Wert  des  zu  vergebenden  Dienstleistungsauftrags  den  Schwellenwert (ohne MWST) von Fr. 230'000.− erreicht. Laut Publikation  vom 8. November 2010 auf simap.ch wurde der Zuschlag zum Preis von  CHF 648'036.90 erteilt. Demnach wird der für die Anwendbarkeit des BöB  massgebliche Schwellenwert im vorliegenden Fall überschritten. 4.  4.1. Als durch Beschwerde selbständig anfechtbare Verfügungen gelten  nach Art. 29 BöB  insbesondere die Ausschreibung des Auftrags (Bst. b)  und  der  Zuschlag  (Bst.  a).  Einwände,  welche  die  Ausschreibung  betreffen, können im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens gegen einen  späteren  Verfügungsgegenstand  grundsätzlich  nicht  mehr  vorgebracht  werden  (BGE  130  I  241  E.  4.3;  vgl.  [betreffend  Eignungskriterien]  Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­1688/2010  vom  19.  Juli  2010  E.  4.3  mit  Hinweisen;  Entscheid  der  Eidgenössischen  Rekurskommission für das öffentliche Beschaffungswesen, BRK, vom 16.  November  2001,  BRK  2001­011,  publiziert  in:  VPB  66.38,  E.  2c/aa mit  Hinweisen);  dies  gilt  jedenfalls  in  dem  Masse,  wie  Bedeutung  und  Tragweite  der  getroffenen  Anordnungen  ohne Weiteres  erkennbar  sind  (Zwischenentscheid  des Bundesverwaltungsgerichts  B­504/2009  vom 3.  März  2009  E.  5.3  mit  Hinweisen;  MARC  STEINER,  Das  Verfahren  vor  Bundesverwaltungsgericht  in Vergabesachen,  in: Michael  Leupold  et  al.  (Hrsg.), Der Weg zum Recht, Festschrift für Alfred Bühler, Zürich 2008, S.  405  ff.,  S.  412  mit  Hinweisen).  Behauptete  Mängel  in  den  Ausschreibungsunterlagen sind dagegen grundsätzlich nicht selbständig,  sondern  mit  dem  nächstfolgenden  Verfahrensschritt,  der  in  eine  Verfügung  gemäss  Art.  29  BöB  mündet,  in  der  Regel  also  mit  dem  Zuschlag,  anzufechten  (Entscheid  der  BRK  vom  16.  November  2001,  BRK 2001­011, publiziert in VPB 66.38, E. 3c/cc).

B­8244/2010 4.2.  In  der  simap­Ausschreibung  für  das  Projekt  "UPlaNS  –  N03/70  Kerenzerbergtunnel  Verkehrsplanung"  vom  7.  Juli  2010  wurden  den  Anbietern die Zuschlagskriterien sowie die Subkriterien bekannt gegeben.  Das Zuschlagskriterium 1 "Preis", mit einer Gewichtung von 40 %, wurde  dabei  unterteilt  in:  "Angebotssumme",  mit  einer  Gewichtung  von  30 %,  und  "Plausibilität  der  Stundenverteilung  auf  die  Honorarkategorien  im  Hinblick  auf  die  vorliegende Aufgabe", mit  einer Gewichtung  von  10 %.  Gleichzeitig  wurde  unter  Ziff.  3.13  bekannt  gegeben,  dass  die  Ausschreibungsunterlagen  ab  dem  7.  Juli  2010  via  simap.ch  bezogen  werden  könnten. Entsprechend  wendet  die  Vergabestelle  zu  Recht  ein,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  bei  allfälligen  Unklarheiten  bezüglich  der  Ausschreibung  oder  bezüglich  der  Zuschlagskriterien  sowie  deren  Subkriterien  und/oder  Gewichtung,  während  der  vorgesehenen  Fragerunde hätte Klarheit verschaffen können.  Die  Rügen  der  Beschwerdeführerin  beziehen  sich  vor  allem  auf  das  Zuschlagskriterium  "Plausibilität  der  Stundenverteilung  auf  die  Honorarkategorien  im  Hinblick  auf  die  vorliegende  Aufgabe".  Es  ist  jedenfalls  nicht  ersichtlich  und  wird  von  der  Beschwerdeführerin  auch  nicht  geltend  gemacht,  dass  die  Bedeutung  und  die  Tragweite  dieses  Zuschlagskriteriums  nicht  eindeutig  oder  dieses  allenfalls  missverständlich formuliert gewesen wäre.  Ohnehin  hätten  solche  Einwände  gegen  die  Ausschreibung  sowie  die  Ausschreibungsunterlagen  prima  facie  unmittelbar  nach  Erkennen  des  Mangels  und  nicht  erst  mit  einer  Beschwerde  gegen  den  Zuschlag  vorgebracht werden müssen. Sofern und soweit die strittigen Anordnungen in der Ausschreibung bzw.  in  den  Ausschreibungsunterlagen  ohne  Weiteres  erkennbar  waren,  müsste  die  Beschwerde  daher  mit  der  Folge  des  Nichteintretens  als  verspätet betrachtet werden. 4.3.  Mit  ihrer  Beschwerde  beanstandet  die  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen,  dass  sie  beim  Zuschlagskriterium  Preis  unter  Punkt  1.2  "Plausibilität  der  Stundenverteilung"  lediglich  mit  einer  Note  2  (sehr  schlechte Erfüllung des Kriteriums) bewertet worden sei. Die Begründung  der Vergabestelle, wonach sich die Note 2 aus einer zu geringen Menge  von  Stunden  der  Honorarkategorie  B  im  Vergleich  zu  den  anderen 

B­8244/2010 Anbietern ergebe, sei nicht stichhaltig. Schliesslich sei ihr bewährtes und  eingespieltes Team aus dem Projekt  "Gesamterneuerung Stadttangente  Bern"  mit  identischer  Honorarkategoriezuteilung  für  das  vorliegende  Projekt vorgesehen.  4.4.  Gemäss  Ziff.  2.8  und  2.9  der  Ausschreibung  (Varianten/Teilangebote) war weder die Abgabe von Varianten noch von  Teilangeboten zugelassen. Auch Abänderungen am Angebotstext waren  nicht zulässig.  Ziff. 3.9 der Ausschreibung nennt folgende Zuschlagskriterien: ZK 1: Preis (Gewichtung 40%) Der Preis wurde hinsichtlich folgender Unterkriterien bewertet: ­ Angebotssumme (Gewichtung 30%) ­ Plausibilität der Stundenverteilung auf die Honorarkategorien im Hinblick  auf die vorliegende Aufgabe (Gewichtung 10%). ZK 2: Fachtechnischer Bericht (Gewichtung 30%) unterteilt in: ­ Qualität der Aufgabenanalyse (Gewichtung 15%) ­ Qualität der Risikoanalyse (Gewichtung 15%) ZK  3:  Referenzen  der  Schlüsselpersonen,  Qualität  und  Adäquanz  im  Hinblick auf die vorliegende Aufgabe (Gewichtung 30%) unterteilt in: ­ Verkehrsingenieur (Gewichtung 20%) ­ Verkehrsingenieur Stv. (Gewichtung 10%). Für  die  Preisbewertung  gilt:  Das  tiefste  bereinigte  Angebot  erhält  die  maximale Punktzahl. Angebote, deren Preis 100% oder mehr über dem  tiefsten  Angebot  liegen,  erhalten  0  Punkte.  Dazwischen  erfolgt  die  Bewertung linear.

B­8244/2010 4.5.  Die  Beschwerdeführerin  verteilte  in  ihrer  Offerte  vom  26.  August  2010 von den  insgesamt zu verteilenden 4'000 Stunden nur 790 auf die  Schlüsselpersonen  "Verkehrsingenieur"  und  "Verkehrsingenieur  Stv".  Dies  entspricht  einem  prozentualen  Anteil  von  19,75  %.  Die  Vergabestelle weist zu Recht darauf hin, dass die Beschwerdeführerin mit  dieser  Stundenverteilung  zum  Ausdruck  bringt,  wie  bzw.  mit  welchen  Personen sie die gestellten Aufgaben vor allem abzuwickeln gedenkt.  Gemäss  den  Ausschreibungsunterlagen  soll  der  Kerenzerbergtunnel  während der Bauarbeiten periodisch für den Verkehr freigegeben werden.  Entsprechend  hoch  sind  die  sicherheitstechnischen  und  verkehrsplanerischen  Anforderungen.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  zumindest  nach  erster  Betrachtung  nicht  zu  bemängeln,  wenn  die  Vergabestelle angesichts der Komplexität der Aufgabe erwartet, dass ein  grosser  Anteil  der  Stunden  durch  die  Schlüsselpersonen  in  den  entsprechenden  Honorarkategorien  abgewickelt  werden  sollen.  Dies  unterstrich  die  Vergabestelle  nicht  zuletzt  mit  dem  Umstand,  dass  sie  nebst  dem  Gesamtpreis  auch  ein  Hauptaugenmerk  betreffend  eine  plausible  Stundenverteilung  auf  die  Honorarkategorien  gelegt  und  ein  entsprechendes  Subkriterium  in  die  Bewertung  einbezogen  hat.  Damit  musste auch  für die Beschwerdeführerin ohne Weiteres erkennbar sein,  dass nicht nur die Gesamthonorarsumme für die Bewertung massgebend  sein sollte. 4.6. Der Hinweis der Beschwerdeführerin, wonach ihr eingespieltes Team  aus  dem  Projekt  "Gesamterneuerung  Stadttangente  Bern"  für  das  vorliegende  Projekt  eine  identische  Honorarkategorie­Zuteilung  vorgenommen  habe,  führt  zu  keiner  anderen  Betrachtungsweise.  Die  Vergabestelle zeigt in diesem Zusammenhang mittels ins Recht gelegten  Abrechnungen  nachvollziehbar  auf,  dass  die  Beschwerdeführerin  beim  Projekt  "Gesamterneuerung  Stadttangente  Bern"  bis  anhin  einen  Anteil  von über 34 % und damit weit mehr als  im vorliegend zu beurteilenden  Projekt  (19,75  %)  der  verrechneten  Stunden  den  Schlüsselpersonen  zugerechnet hat. 4.7.  Schliesslich  führt  die  Beschwerdeführerin  aus,  die  Vergabestelle  bezahle schliesslich nicht einzelne Honorarpositionen, sondern einen  im  Voraus  festgelegten  Projekt­Gesamtpreis.  Deshalb  sei  es  unerheblich,  wie in diesem Total die Stunden durch den Unternehmer alloziert würden,  weil  dies  letztlich  im ökonomischen Risiko des Unternehmens  liege. Mit  diesem  Argument  verkennt  die  Beschwerdeführerin,  dass  sie  in  ihrer 

B­8244/2010 Offerte  kein  Festpreisangebot  abgegeben  hat,  sondern  eine  Vergütung  nach  dem erbrachten  Zeitaufwand mit  Kostendach  nach  den  offerierten  Stundenansätzen  je  nach  Honorarkategorie.  Entsprechend  ist  das  einzugehende  unternehmerische  Risiko  auch  nicht  gleich  hoch  einzuschätzen, wie es bei der Abgabe eines Festpreisangebotes der Fall  wäre. 4.8.  Prima  facie  hat  die  Vergabestelle  dem  Transparenzgebot  Genüge  getan,  indem sie sämtliche Zuschlagskriterien, die sie bei der Evaluation  der  Angebote  in  Betracht  zu  ziehen  beabsichtigte,  vorgängig  in  der  Reihenfolge  ihrer  Bedeutung  aufgeführt  bzw.  zum  Voraus  deutlich  präzisiert und bekanntgeben hat (vgl. Art. 21 Abs. 2 BöB; BGE 130 I 241  E. 5.1; Entscheid der BRK vom 18. Mai 2006, BRK 2005­025, E. 3a/aa,  unter Hinweis auf BGE 125 II 86 E. 7c sowie den Entscheid der BRK vom  15. Juni 2004, BRK 2003­032, E. 3a). Auch die Subkriterien, welche sie  zu  verwenden  gedachte,  hat  sie  unter  Nennung  ihrer  jeweiligen  Gewichtung den Offerenten ebenfalls im Voraus mitgeteilt.  Ferner  dokumentierte  die  Vergabestelle  die  Prüfung  der  Offerten  aufgrund der Zuschlagskriterien (Art. 25 VöB) in nachvollziehbarer Weise.  5.  Unter  Berücksichtigung,  dass  die  Vergabebehörde  bei  der  Auswahl  und  Gewichtung  der  einzelnen  Zuschlagskriterien  über  einen  breiten  Ermessensspielraum  verfügt,  in  welchen  das  Bundesverwaltungsgericht  nur  unter  qualifizierten  Voraussetzungen  eingreift  (Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­4717/2010  vom  23.  September  2010  E.  6.2;  vgl.  Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­ 3311/2009  vom  16.  Juli  2009  E.  6.2  mit  Hinweisen),  ist  aufgrund  der  Akten davon auszugehen, dass die Vergabestelle dieses  ihr zustehende  Ermessen  weder  überschritten  noch  missbraucht  hat.  Die  Nichtberücksichtigung  der  Beschwerdeführerin  im  Rahmen  der  Zuschlagserteilung ist somit prima facie nicht zu beanstanden.  Angesichts  dieser  Ausgangslage  darf  dem  Begehren  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  nicht  entsprochen  werden,  auch  wenn  die  Vergabestelle  in  ihrer Vernehmlassung  vom 14.  Januar  2010 ausführte,  es  bestünden  zwar  öffentliche  Interessen  an  einer  sorgfältigen  Verkehrsplanung,  damit  es  während  der  Bauphase  zu  keinen  sicherheitsrelevanten  Verkehrsbehinderungen  komme,  jedoch  keine  Dringlichkeit.

B­8244/2010 Eine  Abwägung  der  auf  dem Spiele  stehenden  Interessen  erübrigt  sich  (vgl. E.  2.2  hiervor). Damit  fällt  die Verfügung  vom 29. November  2010  betreffend  superprovisorische  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  dahin. 6.  Über die Kosten­ und Entschädigungsfolgen dieses Zwischenentscheides  ist mit dem Endentscheid zu befinden. Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das  Gesuch  der  Beschwerdeführerin  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung wird abgewiesen. 2.  Über die Kosten­ und Entschädigungsfolgen dieses Zwischenentscheids  wird mit dem Endentscheid befunden. 3.  Dieser Zwischenentscheid geht (vorab per Fax) an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben mit Rückschein) – die  Vergabestelle  (Ref­Nr.  Simap  7.7.2010  Meldungs  Nr.  510705;  Einschreiben mit Rückschein) – die Zuschlagsempfängerin (A­Post, auszugsweise). Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Urech Thomas Reidy Rechtsmittelbelehrung:

B­8244/2010 Dieser  Zwischenentscheid  kann,  soweit  davon  auszugehen  ist,  dass  er  einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (Art. 93 Abs.  1  Bst.  a  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005,  BGG,  SR  173.110),  gemäss  Art.  100  Abs.  1  BGG  innerhalb  von  30  Tagen  seit  Eröffnung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden,  wenn  der  geschätzte  Wert  des  zu  vergebenden  Auftrags  den  massgebenden  Schwellenwert  erreicht  und  sich  eine  Rechtsfrage  von  grundsätzlicher Bedeutung stellt (Art. 83 Bst. f Ziff. 1 und 2 BGG). Versand: 24. Februar 2011

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