Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 07.07.2011 B-7407/2009

7 juillet 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·4,629 mots·~23 min·1

Résumé

Privatversicherung | Tarifanpassung in der Privatversicherung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II B­7407/2009 Urteil   v om   7 .   Juli   2011 Besetzung Richterin Eva Schneeberger (Vorsitz), Richter Jean­Luc Baechler, Richter Ronald Flury, Gerichtsschreiberin M. Senn. Parteien X._______ vertreten durch Dr. iur. Claudia Camastral, Rechtsanwältin,  Beschwerdeführerin, gegen Y._______ Beschwerdegegnerin, Eidg. Finanzmarktaufsicht FINMA Vorinstanz, Gegenstand Tarifanpassung in der Privatversicherung.

B­7407/2009 Sachverhalt: A.  X._______  (Beschwerdeführerin)  ist  Versicherungsnehmerin  der  Y._______ (Beschwerdegegnerin). Mit  Tarifeingabe  vom  (…)  2009  bei  der  Eidgenössischen  Finanzmarktaufsicht  FINMA  (Vorinstanz)  beantragte  die  Beschwerdegegnerin  die  Genehmigung  von  Tarifanpassungen  für  die  Krankenzusatzversicherungsprodukte  Spitalversicherung  halbprivat,  Spitalversicherung  privat,  Kur­  und  Pflegeversicherung,  Notfallversicherung,  Zahnpflegeversicherung,  Alternativversicherung  und  Versicherung für Chronisch­Krankenpflege. Mit  Verfügung  vom  (…)  2009  genehmigte  die  Vorinstanz  die  vorgesehenen  Tarifanpassungen.  Die  Verfügung  wurde  am  (…)  2009  auszugsweise im Bundesblatt publiziert. B.  Mit Eingabe  vom  (…)  2009  erhebt  die Beschwerdeführerin Beschwerde  gegen  die  Tarifgenehmigungsverfügung  vom  (…)  2009  und  beantragt  deren  Aufhebung.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragt  sie  die  volle  Einsichtnahme  in  sämtliche  Verfahrensakten  und  in  die  genehmigten  Tarife,  eine  schriftliche  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Möglichkeit  zur  Ergänzung  ihrer  Beschwerde  nach  der  Gewährung  der  Akteneinsicht sowie die Durchführung eines mündlichen und öffentlichen  Verfahrens. C.  Mit Verfügung vom 2. Februar 2010 stellte die Instruktionsrichterin es der  Vorinstanz  und  der  Beschwerdegegnerin  frei,  ihre  Stellungnahmen  vorerst auf die Eintretensfrage zu beschränken. D.  Mit  Beschwerdeantwort  vom  5.  März  2010  beantragt  die  Beschwerdegegnerin, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. E.  Die Vorinstanz äussert sich  in  ihrer Vernehmlassung vom 5. März 2010  nur  zur  Frage  des  Eintretens.  Es  sei  zu  prüfen,  ob  die  Beschwerdeführerin  über  einen  Versicherungsvertrag  verfüge,  der  Versicherungsprodukte betreffe, die Gegenstand der in Frage stehenden 

B­7407/2009 Tarifanpassungen seien, und ob sie von der Prämienerhöhung betroffen  sei.  Das  Verfahren  sei   auch  bezüglich  der  Beurteilung  des  Akteneinsichtsrechts  auf  die  Rechtsmittelinstanz  übergegangen.  Diese  habe  über  den  Umfang  und  die  Modalitäten  der  Akteneinsicht  zu  entscheiden.  Es  sei  Sache  der  Beschwerdegegnerin  darzulegen,  inwieweit die Akten schutzwürdige Geschäftsgeheimnisse enthielten. F.  Mit  Verfügung  vom  24.  März  2010  forderte  die  Instruktionsrichterin  die  Beschwerdegegnerin  auf,  allfällige  Geheimhaltungsinteressen,  die  einer  Einsicht  der  Beschwerdeführerin  in  die  Vorakten  entgegen  stehen  könnten, geltend zu machen. G.  Mit Stellungnahme vom 6. Mai 2010 beantragte die Beschwerdegegnerin,  das Akteneinsichtsgesuch der Beschwerdeführerin sei  in Bezug auf den  separaten  Beilagenordner  der  Beschwerdegegnerin,  die  Korrespondenz  vom (…) 2009 mit der Vorinstanz und den Prüfbericht der Vorinstanz vom  (…) 2009 abzuweisen. H.  Mit  Verfügung  vom  16.  Juli  2010  gewährte  die  Instruktionsrichterin  der  Beschwerdeführerin Einsicht  in die vorinstanzlichen Akten,  jedoch nur  in  dem  von  der  Beschwerdegegnerin  zugestandenen,  sehr  beschränkten  Umfang.  Soweit  weitergehend,  wurde  der  Antrag  auf  Akteneinsicht  abgewiesen. I.  Mit Eingabe vom 19. Oktober 2010 beantragte die Beschwerdegegnerin,  es  sei  mittels  eigenständigem  Zwischenentscheid  über  die  Eintretensfrage zu entscheiden, und hielt an ihrem Rechtsbegehren fest,  dass auf die Beschwerde nicht einzutreten sei. J.  Mit Eingabe vom 19. Oktober 2010 ergänzte die Beschwerdeführerin ihre  Beschwerde.  Sie  stelle  fest,  dass  ihr  das  Akteneinsichtsrecht  vollumfänglich  verweigert  worden  sei.  Obwohl  sie  eine  unmittelbar  betroffene  Partei  sei,  habe  sie  keine  Kenntnis  von  den  wesentlichen  Unterlagen  und  Akten  erhalten.  Sie  behalte  sich  vor,  diese  unrechtmässige  Verweigerung  des  rechtlichen  Gehörs  bei  der  Anfechtung des Endentscheides zu rügen.

B­7407/2009 K.  Mit  Zwischenverfügung  vom  22.  Oktober  2010  wies  die  Instruktionsrichterin  den  Antrag  der  Beschwerdegegnerin  ab,  einen  Zwischenentscheid über die Eintretensfrage zu erlassen. L.  Mit Eingabe vom 10. Dezember 2010 ergänzte die Beschwerdegegnerin  ihre  Beschwerdeantwort.  Sie  beantragt  die  vollumfängliche  Abweisung  der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. M.  Mit Eingabe vom 15. Dezember 2010 zog die Beschwerdeführerin  ihren  Antrag auf Durchführung eines öffentlichen Verfahrens zurück. N.  In der Vernehmlassung vom 2. Februar 2011 beantragt die Vorinstanz die  Abweisung der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Die  Beschwerdegegnerin  bestreitet,  dass  die  Beschwerdeführerin  zur  Beschwerde  legitimiert sei. Das Bundesverwaltungsgericht prüft ohnehin  von  Amtes  wegen  und  mit  voller  Kognition,  ob  die  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind  und  auf  eine  Beschwerde  einzutreten ist. 1.1.  Die  vorliegende  Beschwerde  richtet  sich  gegen  die  Tarifgenehmigung  der  Vorinstanz  vom  (…)  2009.  Diese  stellt  eine  Verfügung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (Verwaltungsverfahrensgesetz,  VwVG,  SR  172.021)  dar.  Verfügungen  der  Vorinstanz  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31  und  33  Bst.  e  des  Bundesgesetzes  über  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  17.  Juni  2005  [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG] SR 173.32). Ein Ausschlussgrund (vgl.  Art. 32 VGG) liegt nicht vor. 1.2. Die Beschwerde wurde  innerhalb  der  gesetzlichen Frist  eingereicht  (vgl.  Art.  84  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  betreffend  die  Aufsicht  über 

B­7407/2009 Versicherungsunternehmen  vom  17.  Dezember  2004  [Versicherungsaufsichtsgesetz, VAG] SR 961.01). Die Anforderungen an  Form  und  Inhalt  der  Rechtsschrift  sind  erfüllt.  Eine  rechtsgültige  Vollmacht der Rechtsvertreterin liegt vor und der Kostenvorschuss wurde  rechtzeitig geleistet (Art. 52 und 63 Abs. 4 VwVG). 1.3. Zur Beschwerde ist berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren  teilgenommen  hat  oder  keine  Möglichkeit  zur  Teilnahme  erhalten  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist,  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder  Änderung  hat  (Art.  48 Abs. 1 VwVG). 1.3.1.  Die  Kriterien  von  Art.  48  VwVG  sollen  die  Popularbeschwerde  ausschliessen und den Charakter des allgemeinen Beschwerderechts als  Instrument  des  Individualrechtsschutzes  unterstreichen.  Neben  der  formellen  Beschwer  und  der  spezifischen  Beziehungsnähe  zur  Streitsache  muss  der  Beschwerdeführer  einen  praktischen  Nutzen  aus  einer allfälligen Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids  ziehen, d.h. seine Situation muss durch den Ausgang des Verfahrens  in  relevanter Weise beeinflusst werden können. Ein bloss mittelbares oder  ausschliesslich  allgemeines  öffentliches  Interesse  –  ohne  die  erforderliche  Beziehungsnähe  zur  Streitsache  selber  –  berechtigt  nicht  zur  Verwaltungsbeschwerde.  Das  relevante  Interesse  kann  rechtlicher  oder  tatsächlicher  Natur  sein  und  braucht  nicht  mit  jenem  übereinzustimmen,  das  durch  die  als  verletzt  bezeichnete  Norm  geschützt  wird.  Es  genügt,  dass  der  Beschwerdeführer  durch  den  angefochtenen  Entscheid  "stärker  als  jedermann"  betroffen  ist  und  "in  einer  besonderen,  beachtenswerten,  nahen  Beziehung  zur  Streitsache"  steht.  Die  Voraussetzungen  der  Beziehungsnähe  und  des  schutzwürdigen Interesses hängen eng zusammen (vgl. BGE 135 II 172  E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). 1.3.2.  Vorliegend  hat  die  Beschwerdeführerin  zwar  nicht  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  dazu  aber  auch  keine  Möglichkeit  erhalten.  Tarife  der  Zusatzversicherung  zur  sozialen  Krankenversicherung  sind  Bestandteil  des  Geschäftsplans  der  Versicherungen  und  unterliegen  der  Bewilligung  durch  die  zuständige  Aufsichtsbehörde  beziehungsweise  die  Vorinstanz.  Die  Versicherungen  sind verpflichtet,  diesbezügliche Änderungen  jeweils  vor der Umsetzung  der Vorinstanz zur Genehmigung zu unterbreiten (Art. 4 Abs. 2 Bst. r und  5  Abs.  1  VAG).  Das Gesetz  sieht  nicht  vor,  dass  beziehungsweise  auf 

B­7407/2009 welche  Weise  allen  Versicherten,  auf  die  sich  die  betreffenden  Tarifänderungen auswirken würden, die Möglichkeit einer Beteiligung  im  Verfahren der Tarifgenehmigung eingeräumt werden sollte. Eine derartige  Beteiligung  erschiene  denn  auch  aus  verschiedenen  Gründen  als  offensichtlich problematisch. Das Gesetz geht vielmehr davon aus, dass  diejenigen  Versicherten,  die  aufgrund  eines  laufenden  Versicherungsvertrags durch eine allfällige Tariferhöhung betroffen sind,  erst  durch  die  auszugsweise  Publikation  der  Tarifgenehmigungsverfügung  über  das Verfahren  informiert  werden  und  in der Folge gegebenenfalls zur Beschwerde legitimiert sind (vgl. Art. 84  VAG). Die  Beschwerdeführerin  gilt  daher,  obwohl  sie  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz nicht teilgenommen hat, als formell beschwert. 1.3.3. Die Beschwerdeführerin hat weiter nachgewiesen, dass sie bei der  Beschwerdegegnerin  für  die  Produkte  Standardversicherung,  Alternativversicherung,  Notfallversicherung  sowie  Kur­  und  Pflegeversicherung  versichert  ist,  wovon  indessen  nur  die  letzten  drei  Gegenstand  von  Tarifanpassungen  waren.  Die  Beschwerdeführerin  ist  daher durch die angefochtene Verfügung  insofern direkt berührt, als die  Tarifgenehmigung  für  sie  selbst  zu  einer  Erhöhung  der  Prämien  dieser  drei Versicherungsprodukte führt (vgl. BGE 99 Ib 51 E. 1b). Die  fragliche Prämienerhöhung  für  alle  drei  Produkte  beträgt  insgesamt  lediglich CHF 2.10 pro Monat beziehungsweise CHF 25.20 pro Jahr. Die  Beschwerdegegnerin  erachtet  diese Beträge  offenbar  als  zu  gering,  um  die  Beschwerdelegitimation  der  Beschwerdeführerin  zur  Anfechtung  der  Tarifgenehmigung zu begründen. Die Frage, ob die Beschwerdeführerin  durch den angefochtenen Entscheid "stärker als jedermann" betroffen ist  und  "in  einer  besonderen,  beachtenswerten,  nahen  Beziehung  zur  Streitsache"  steht,  ist  indessen  ausschliesslich  qualitativer,  nicht  quantitativer  Art.  So  wenig  ein  betragsmässig  sehr  grosses,  aber  nur  indirektes  Interesse  die  Beschwerdelegitimation  begründen  kann,  so  wenig  kann  einem  direkt  Betroffenen  die  Beschwerdelegitimation  abgesprochen  werden,  nur  weil  der  Streitwert  gering  ist.  Das  Verwaltungsgerichtsgesetz  kennt  keine Streitwertgrenze  für den Zugang  an  das  Bundesverwaltungsgericht.  Dieser  Entscheid  des  Gesetzgebers  ist verbindlich; eine faktische Streitwertgrenze kann daher nicht über die  Auslegung der Legitimationsvoraussetzungen eingeführt werden.

B­7407/2009 Entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdegegnerin  spielt  die  Geringfügigkeit des Streitwerts daher keine Rolle bei der Frage nach der  Beschwer  und  der  Schutzwürdigkeit  des  Interesses  der  Beschwerdeführerin. Hingegen  ist die Beschwerdeführerin durch die angefochtene Verfügung  offensichtlich  nur  insoweit  beschwert,  als  diese  für  sie  selbst  Prämienerhöhungen zur Folge hat. Ihre Beschwerdelegitimation ist daher  lediglich  in  diesem Umfang  zu  bejahen  und  insbesondere  nur  in Bezug  auf  die  Prämienerhöhung  der  Versicherungsprodukte  Alternativversicherung,  Notfallversicherung  sowie  Kur­  und  Pflegeversicherung. 1.3.4.  Die  Beschwerdegegnerin  macht  weiter  geltend,  nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  begründe  die  Genehmigung  von  Prämientarifen  die  Vermutung,  dass  die  angefochtenen  Tarife  angemessen  seien.  Ein  rechtlich  oder  tatsächlich  besonders  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Aufhebung  oder  Änderung  der  angefochtenen Verfügung sei daher nicht leichthin zu bejahen. Die  Beschwerdegegnerin  gibt  die  Aussage  des  von  ihr  angeführten  Urteils (BGE 135 V 39) teilweise unzutreffend wieder. Auch weist dieses  Urteil  verschiedene  wesentliche  Unterschiede  zu  der  Konstellation  im  vorliegenden Fall auf.  Insbesondere war die Tarifgenehmigung  in  jenem  Fall nicht das Anfechtungsobjekt, sondern bereits in formelle Rechtskraft  erwachsen. Aus jenem Urteil kann daher für den vorliegenden Fall nichts  abgeleitet werden. Entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdegegnerin  hat  das  Bundesgericht  die  Beschwerdelegitimation  der  Versicherungsnehmer  gegen  Tarifgenehmigungsverfügungen,  die  laufende  Versicherungsverträge betreffen, vielmehr grundsätzlich bejaht (vgl. Urteil  des Bundesgerichts 2A.691/2004 vom 17. Mai 2005 E. 1.2.1 mit weiteren  Hinweisen). 1.3.5.  Es  ergibt  sich  somit,  dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene Verfügung  insoweit  beschwert  ist,  als  diese  für  sie  selbst  Prämienerhöhungen zur Folge hat. Ihre Beschwerdelegitimation ist daher  lediglich  in  diesem Umfang  zu  bejahen  und  insbesondere  nur  in Bezug  auf  die  Prämienerhöhung  der  Versicherungsprodukte 

B­7407/2009 Alternativversicherung,  Notfallversicherung  sowie  Kur­  und  Pflegeversicherung. Soweit  ihr Beschwerdebegehren weiter gefasst  ist, kann darauf mangels  Beschwer nicht eingetreten werden. 1.3.6. Auf die Beschwerde ist daher im dargelegten Umfang einzutreten. 2.  In  formeller  Hinsicht  rügt  die  Beschwerdeführerin  eine  Verletzung  ihres  Anspruchs  auf  rechtliches Gehör.  Als  Partei  habe  sie  ein  umfassendes  Akteneinsichtsrecht, das Voraussetzung dafür sei, die eigenen Interessen  zu  verteidigen.  Es  gebe  kein  Geheimhaltungsinteresse  der  Versicherungsgesellschaften gegenüber den Versicherungsnehmern. Sie  habe weiter einen Anspruch darauf, dass die Vorinstanz  ihre Verfügung  so  ausführlich  begründe,  dass  sie  in  der  Lage  sei,  die  wesentlichen  Gründe  für  den  Entscheid  nachzuvollziehen  und  die  Verfügung  sachgerecht  anzufechten.  Insbesondere  müsse  nachvollziehbar  sein,  weshalb  die  bewilligte  Prämienerhöhung  erfolgen  müsse,  wie  viel  von  dieser Prämienerhöhung durch höhere Kosten bedingt sei und wie stark  sie  nur  dazu  diene,  die  Gewinne  der  Versicherung  zu  halten  oder  allenfalls zu erhöhen. In  der  angefochtenen  Verfügung  hatte  die  Vorinstanz  dargelegt,  von  welchen rechtlichen Überlegungen sie sich hatte leiten lassen und welche  Aspekte sie überprüfte. So habe sie geprüft, ob die Tarife sich  in einem  Rahmen  bewegten,  der  einerseits  die  Solvenz  des  Versicherungsunternehmens  und  andererseits  den  Schutz  der  Versicherten vor Missbrauch gewährleiste. Dies bedeute  indessen keine  Angemessenheitskontrolle.  Die  konkreten  Zahlen,  auf  die  sie  bei  dieser  Überprüfung  abstellte,  legte  die  Vorinstanz  in  der  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  nicht  dar.  In  ihrer  Vernehmlassung  führt  sie  weiter  aus,  es  entspreche  der  bereits  vom  Bundesamt  für  Privatversicherungen  entwickelten  und  nun  durch  sie  als  zuständige  Aufsichtsbehörde  weitergeführten  ständigen  Praxis,  dass  Verfügungen  über  die Genehmigung  von  Tarifen  nur  summarisch  begründet  würden,  um  die  berechtigten  Interessen  der  Versicherungsunternehmen  an  der  Geheimhaltung ihrer Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Die  Beschwerdegegnerin  beantragt,  der  Beschwerdeführerin  sei  die  Einsicht  in  die  vorinstanzlichen  Akten,  insbesondere  in  den  separaten 

B­7407/2009 Beilagenordner, die Korrespondenz vom (…) 2009 mit der Vorinstanz und  den  Prüfbericht  der  Vorinstanz  vom  (…)  2009  zu  verweigern.  Diese  Dokumente enthielten detailliertes Zahlen­ und Kalkulationsmaterial, das  nur  einem  beschränkten  Kreis  der  Mitarbeiter  sowie  der  Vorinstanz  zugänglich  sei.  Es  handle  sich  um  vertraulichste  Kennzahlen,  welche  insbesondere  vor  der  Konkurrenz  geheim  gehalten  werden  müssten,  damit  diese  ihre  Prämienkalkulation  nicht  mit  Blick  auf  die  Datenlage  einer  der  grössten  Mitstreiterinnen  auf  dem  Markt  festlegen  und  sich  dadurch  unrechtmässige  sowie  marktverzerrende  Vorteile  bei  der  Prämienfestsetzung  verschaffen  könne.  Die  Dokumente  enthielten  die  wesentlichen Berechnungsgrundlagen über einen Zeitraum von 2006 bis  2010  aufgeschlüsselt  nach  mehreren  Versicherungsprodukten,  wie  die  Prämieneinnahmen,  die  Leistungszahlen,  die  Bruttomarge,  die  Entwicklung  des  Versichertenbestandes,  die  Schadensquote  und  die  Rückstellungen.  Es  liege  auf  der  Hand,  dass  dies  geheimes  Zahlenmaterial  sei,  welches  für  Dritte  weitreichende  Rückschlüsse  auf  ihre finanzielle Situation und damit auf ihre Marktposition zulasse. Dieses  Zahlenmaterial  stelle  einen  unmittelbaren  wirtschaftlichen  Wert  dar.  Gerade  wegen  dieser  Geheimhaltungsinteressen  erfolge  die  Prämienfestsetzung  und  ­anpassung  über  ein  nicht  öffentliches  Bewilligungsverfahren.  Die  Vorinstanz  übernehme  dabei  durch  ihren  Entscheid  die Gewähr  für  die  Rechtmässigkeit  der  bewilligten  Prämien.  Ein  Interesse  einer  einzelnen  versicherten  Person  auf  Einsicht  in  diese  geheimen  Kennzahlen  der  Versicherung  sei  weder  erkenn­  noch  begründbar.  Würde  einem  einzelnen  Versicherten  Einsicht  in  diese  geheimen Kennzahlen gewährt,  so würde damit  sein Partikularinteresse  höher  gewertet  als  das  kollektive  Interesse  eines  gesamten  Versichertenbestandes,  denn  die  Akteneinsicht  würde  die  Versicherung  gegenüber  den  Mitbewerbern  benachteiligen,  was  sich  negativ  auf  die  Prämienhöhe  auswirken  und  schliesslich  zu  Lasten  des  gesamten  Versichertenbestandes gehen würde. Eine Erhöhung von insgesamt CHF  25.50  pro  Jahr  sei  nicht  erheblich  genug,  um  ein  Interesse  eines  Versicherten  an  der  Aktenedition  zu  begründen.  Die  beantragte  Akteneinsicht  wäre  daher  unverhältnismässig.  Das  Gericht  könne  im  Rahmen der Offizialmaxime den zu beurteilenden Sachverhalt klären und  einen  Entscheid  fällen.  Zudem  bestehe  die  Gefahr  von  Scheinbeschwerden  von  Konkurrenten,  welche  versuchen  könnten,  die  Beschwerdeverfahren  zum  Zwecke  der  Datenbeschaffung  zu  missbrauchen.

B­7407/2009 2.1.  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  richtet  sich  nach  Art.  26  ff.  VwVG  sowie  nach  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101). Das  rechtliche  Gehör  dient  einerseits  der  Sachaufklärung,  andererseits  stellt  es  ein  persönlichkeitsbezogenes  Mitwirkungsrecht  beim  Erlass  eines  Entscheides  dar,  welcher  in  die  Rechtsstellung  des  Einzelnen  eingreift.  Dazu  gehört  insbesondere  auch  das  Recht  des  Betroffenen,  sich  vor  Erlass  eines  solchen  Entscheides  zur  Sache  zu  äussern,  erhebliche Beweise  beizubringen,  Einsicht  in  die  Akten  zu  nehmen, mit  erheblichen  Beweisanträgen  gehört  zu  werden  und  an  der  Erhebung  wesentlicher  Beweise  entweder  mitzuwirken  oder  sich  zumindest  zum  Beweisergebnis zu äussern, sofern dieses geeignet ist, den Entscheid zu  beeinflussen.  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  umfasst  als  Mitwirkungsrecht  somit  alle  Befugnisse,  die  einer  Partei  einzuräumen  sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung  bringen kann (BGE 132 II 485 E. 3.2). Das  Akteneinsichtsrecht  findet  indessen  seine  Grenzen  an  überwiegenden  öffentlichen  Interessen  oder  an  berechtigten  Geheimhaltungsinteressen  privater  Dritter.  Diesfalls  sind  die  einander  entgegenstehenden  Interessen  an  der  Akteneinsicht  einerseits  und  an  deren  Verweigerung  andererseits  sorgfältig  gegeneinander  abzuwägen  (BGE  129  I  249  E.  3).  Gemäss  Art.  27  Abs.  1  Bst.  b  VwVG  darf  die  Einsichtnahme  in  die  Akten  unter  anderem  dann  verweigert  werden,  wenn wesentliche  private  Interessen,  insbesondere  von Gegenparteien,  die  Geheimhaltung  erfordern.  Dazu  zählen  namentlich  die  Geschäftsgeheimnisse.  Die  Verweigerung  der  Einsichtnahme  darf  sich  gemäss Art. 27 Abs. 2 VwVG nur auf die Aktenstücke erstrecken, für die  Geheimhaltungsgründe bestehen. Wird einer Partei die Einsichtnahme in  ein Aktenstück verweigert, so darf auf dieses gemäss Art. 28 VwVG zum  Nachteil  der  Partei  nur  abgestellt  werden,  wenn  ihr  die  Behörde  von  seinem  für  die  Sache  wesentlichen  Inhalt  mündlich  oder  schriftlich  Kenntnis  und  ihr  ausserdem Gelegenheit  gegeben hat,  sich  zu äussern  und  Gegenbeweismittel  zu  bezeichnen  (vgl.  STEPHAN  C.  BRUNNER,  in:  Auer / Müller / Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das  Verwaltungsverfahren (VwVG), Zürich 2008, Rz. 30 zu Art. 27; BERNHARD  WALDMANN  /  MAGNUS  OESCHGER,  in:  VwVG,  Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich,  2009,  N.  35  zu  Art. 27; Urteil des Bundesgerichts 2A.651/2005 vom 21. November 2006  E. 2.5).

B­7407/2009 2.2. Aus der Garantie  des  rechtlichen Gehörs wird weiter  der Anspruch  abgeleitet,  dass  die Behörde  die Vorbringen  der  in  ihrer Rechtsstellung  Betroffenen  sorgfältig  und  ernsthaft  prüft  und  beim  Entscheid  berücksichtigt.  Folge  dieser  Prüfungspflicht  ist  insbesondere  die  behördliche  Begründungspflicht.  Der  Bürger  soll  wissen,  warum  die  Behörde  entgegen  seinem  Antrag  entschieden  hat.  Zudem  kann  durch  die  Verpflichtung  zur  Offenlegung  der  Entscheidgründe  verhindert  werden, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt. Die  Begründungspflicht erscheint  so nicht nur als ein bedeutsames Element  transparenter  Entscheidfindung,  sondern  dient  zugleich  auch  der  wirksamen Selbstkontrolle der Behörde. Wie das Bundesgericht dazu  in  BGE  112  Ia  107  E.  2b  S.  110  ausführte,  lassen  sich  aufgrund  des  allgemeinen  verfassungsrechtlichen  Anspruchs  allerdings  keine  generellen  Regeln  aufstellen,  denen  eine  Begründung  zu  genügen  hat.  Die Anforderungen seien vielmehr unter Berücksichtigung aller Umstände  des Einzelfalles sowie der  Interessen der Betroffenen  im Blick auf die  in  der  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  entwickelten  Grundsätze  festzulegen.  Die  Begründung  eines  Verwaltungsakts  oder  eines  Entscheids  muss  so  abgefasst  sein,  dass  die  Betroffenen  ihn  gegebenenfalls  sachgerecht  anfechten  können.  Das  ist  nur  möglich,  wenn  sich  sowohl  die  Betroffenen  als  auch  die  Rechts­mittelinstanzen  über  die  Tragweite  des Entscheids  ein  Bild machen  können.  In  diesem  Sinne müssen wenigstens  kurz  die Überlegungen  genannt werden,  von  denen sich die Behörde hat  leiten  lassen und auf die sich  ihr Entscheid  stützt (BGE 134 I 88 E. 4.1; 129 I 236 E. 3.2). Die Begründung muss nicht  zwingend  in  der  Verfügung  selbst  enthalten  sein.  Es  ist  auch  zulässig,  wenn  die  Behörde  diesbezüglich  auf  ein  anderes  Schriftstück  verweist  (BGE 113  II 204 E. 2 mit Hinweisen). Darüber hinaus  lassen sich keine  allgemeinen Regeln aufstellen, denen eine Begründung zu genügen hat.  Die Anforderungen sind vielmehr unter Berücksichtigung aller Umstände  des  Einzelfalls  sowie  der  Interessen  der  Betroffenen  festzulegen.  Die  erforderliche Begründungsdichte ist insofern namentlich abhängig von der  Eingriffsschwere  eines  Entscheids,  dem  Entscheidungsspielraum,  welcher der Behörde zukommt, sowie der Komplexität des Sachverhalts  und den  rechtlichen Fragen, die zur Beurteilung stehen  (vgl. BGE 129  I  232  E.  3.3  mit  Hinweisen).  Je  grösser  der  Spielraum,  welcher  der  Behörde  infolge  Ermessens  oder  unbestimmter  Rechtsbegriffe  eingeräumt  ist,  und  je  stärker  ein  Entscheid  in  die  individuellen  Rechte  eingreift,  desto  höhere  Anforderungen  sind  an  die  Begründung  eines  Entscheids zu stellen (BGE 112 Ia 107 E. 2b).

B­7407/2009 Entsprechend diesen Grundsätzen gilt es als zulässig, dass die Behörde  auf  eine  Begründung  sogar  ganz  verzichten  kann,  wenn  sie  den  Begehren  der  Parteien  voll  entspricht  (vgl.  Art.  35  Abs.  3  VwVG).  Zu  berücksichtigen  ist  indessen,  dass  der  Anspruch  auf  Begründung  einer  Verfügung  nicht  auf  deren  Adressaten  beschränkt  ist:  Gibt  es  direkt  betroffene Dritte, die zu einer allfälligen Beschwerde legitimiert wären, so  können  auch  sie  sich  auf  die  Garantie  des  rechtlichen Gehörs  und  die  daraus  fliessenden  Rechte  berufen.  Verfügungen,  mit  denen  den  Begehren der Gesuchsteller voll entsprochen wird, sind daher  jedenfalls  dann  zu  begründen,  wenn  entsprechende  Gegenparteien  im  Verfahren  beteiligt  sind  beziehungsweise  am  Verfahren  nicht  teilnehmen  konnten,  aber die Verfügung nachher anfechten. Geheimhaltungsinteressen  von  Gegenparteien  sind  auch  bei  der  Frage  des  richtigen  Begründungsmasses  zu  berücksichtigen.  Enthalten  die  Akten  Geschäftsgeheimnisse  einer  Partei,  an  denen  diese  ein  erhebliches  Geheimhaltungsinteresse  geltend  macht,  so  dass  die  Behörde der anderen Partei die Einsicht in die entsprechenden Akten zu  verweigern  hat,  wäre  es  dementsprechend  nicht  zulässig,  derartige  Geheimnisse  durch  die  Entscheidbegründung  zu  lüften.  Dies  kann  erfordern, dass die Erwägungen namentlich  in sachverhaltlicher Hinsicht  knapp  gehalten  werden  (LORENZ  KNEUBÜHLER,  in:  Auer  /  Müller  /  Schindler, a.a.O., Rz. 16 zu Art. 35). Die Geheimhaltungspflicht kann so  weit  gehen,  dass  auf  eine  eingehende  Begründung  aufgrund  des  rechtserheblichen Sachverhalts verzichtet werden muss, weil andernfalls  gerade  solche  Einzelheiten  des  Sachverhalts  aufgedeckt  werden  müssten, die es geheim zu halten gilt (VPB 62.28, 51.60, 53.6). 2.3. Sowohl  bezüglich  der  Frage,  inwieweit  das Akteneinsichtsrecht  der  Beschwerdeführerin  wegen  der  Geheimhaltungsinteressen  der  Beschwerdegegnerin zu beschränken  ist, wie auch bezüglich der Frage,  inwieweit  die  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung  aus  dem  gleichen  Grund  knapp  zu  halten  war,  sind  die  gleichen  Grundsätze  zu  beachten.  Weder  der  verfassungsmässige  Anspruch  der  Beschwerdeführerin  auf  rechtliches  Gehör  noch  der  Anspruch  der  Beschwerdegegnerin  auf  Geheimhaltung  ihrer  Geschäftsgeheimnisse  gelten als absolut. Vielmehr  ist eine  Interessenabwägung zwischen dem  Interesse der Beschwerdeführerin auf eine wirksame Prozessführung und  dem  Interesse  der  Beschwerdegegnerin  auf  Geheimhaltung  ihrer  Geschäftsgeheimnisse vorzunehmen.

B­7407/2009 2.4.  Umstritten  ist  vorliegend  der  Antrag  der  Beschwerdeführerin  auf  Einsicht  in  den  separaten  Beilagenordner  zum  Gesuch  der  Beschwerdegegnerin um Tarifgenehmigung sowie  in die Korrespondenz  zwischen  der  Beschwerdegegnerin  und  der  Vorinstanz  vom  (…)  2009  und in den Prüfbericht der Vorinstanz vom (…) 2009. Diese Dokumente zeigen die wesentlichen Berechnungsgrundlagen über  den  Zeitraum  von  2006  bis  2010  und  aufgeschlüsselt  nach  mehreren  Versicherungsprodukten  auf.  Sie  enthalten  detailliertes  Zahlen­  und  Kalkulationsmaterial, insbesondere bezüglich der Prämieneinnahmen, der  Leistungszahlen,  der  Bruttomarge,  der  Entwicklung  des  Versichertenbestandes, der Schadensquote und der Rückstellungen. Die  Beschwerdegegnerin macht daher glaubhaft geltend, es handle sich bei  diesen Dokumenten um vertraulichste Kennzahlen, welche insbesondere  vor  der  Konkurrenz  geheim  gehalten  werden  müssten  und  einen  erheblichen wirtschaftlichen Wert repräsentierten. Auf  Seiten  der  Beschwerdeführerin  ist  zwar  der  verfassungsmässige  Anspruch auf rechtliches Gehör zu berücksichtigen. Dies ändert indessen  nichts  daran,  dass  der  Streitwert  in  diesem  Verfahren  und  damit  das  Interesse  der  Beschwerdeführerin  mit  insgesamt  CHF  2.10  pro  Monat  beziehungsweise CHF 25.20 pro Jahr zu beziffern ist. Hinzu kommt – wie  in  der  Folge  noch  darzulegen  sein  wird  –  dass  der  geheimhaltungsbedürftige Teil der Vorakten für die Beantwortung der  im  vorliegenden Fall entscheidenden Fragen gar nicht relevant ist. Die  Interessenabwägung  führt somit zum eindeutigen Resultat, dass die  Geheimhaltungsinteressen  der  Beschwerdegegnerin  überwiegen.  Dem  Antrag  der  Beschwerdeführerin  auf  Einsicht  in  die  umstrittenen  Dokumente  beziehungsweise  auf  Bekanntgabe  der  darin  enthaltenen  Zahlen kann daher nicht stattgegeben werden. 2.5.  Die  Beschwerdegegnerin  äussert  den  Verdacht,  das  vorliegende  Verfahren  sei  rechtsmissbräuchlich  erhoben  worden,  hinter  der  Beschwerdeführerin  stünden  in  Wirklichkeit  Konkurrenten,  welche  mit  Hilfe dieses Verfahrens Einsicht  in  ihre Geschäftsgeheimnisse gewinnen  wollten.  In der Tat erscheint es als  realitätsfremd, dass eine Versicherte  wegen  eines  Streitwerts  von  CHF  25.20  pro  Jahr  ein  derartiges  Prozesskostenrisiko  auf  sich  nimmt.  Wie  es  sich  damit  verhält,  kann  indessen  letztlich  offen  gelassen  werden,  da  dem  Antrag  auf  Akteneinsicht  oder  anderweitige  Bekanntgabe  der  in  den  Vorakten 

B­7407/2009 enthaltenen  Geschäftsgeheimnisse  der  Beschwerdegegnerin,  wie  dargelegt, ohnehin nicht stattgegeben werden kann. 3.  In materieller Hinsicht  rügt die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe  die  in  Frage  stehenden  Prämien  zu  Unrecht  genehmigt.  Sie  seien  missbräuchlich,  weil  missbräuchlich  hohe  Gewinne  vorgesehen  seien.  Die Vorinstanz habe nie definiert, was sie unter Missbräuchlichkeit bei der  Festsetzung  von  Versicherungsprämien  verstehe.  Es  gebe  aber  keine  Gründe,  warum  die  Vorinstanz  sich  im  Zusammenhang  mit  der  Bestimmung eines missbräuchlichen Gewinnes nicht an die bestehende  Rechtsprechung  zum  Preisüberwachungsgesetz  halten  sollte.  Zwar  sei  unbestritten,  dass  der  Gewinn  eine  übliche  Verzinsung  und  eine  marktgerechte  Risikoprämie  umfassen  dürfe.  Die  Preisüberwachung  erwähne einen Zinssatz von 5,2 %, der sich aus einem Zins für risikofreie  Anlagen  von  3,4  %  und  einem  Zuschlag  für  das  branchenspezifische  Risiko  zusammensetze.  Das  Bundesgericht  habe  diese  Auffassung  geschützt. Das intransparente Verhalten der Vorinstanz lasse befürchten,  dass  die  Vorinstanz  einen  Prämientarif  genehmigt  habe,  der  einen  weitaus  höheren Gewinn  in  die  Prämienkalkulation  einbeziehe,  als  dies  gemäss  Preisüberwachungsgesetz  zulässig  sei.  Die  Vermutung  liege  zudem  nahe,  dass  die  Vorinstanz  je  nach  Versicherer  willkürlich  unterschiedliche  Ansätze  anwende  oder  eine  solche  Prüfung  nur  bei  bestimmten  Versicherern  nicht  vornehme.  Ebenso  liege  die  Vermutung  nahe,  dass  die  Vorinstanz  bei  unterschiedlichen  Risikogruppen  unterschiedliche Deckungsbeiträge an Gewinn und Kosten einberechne.  Je  abhängiger  ein  Versicherter  sei,  d.h.  je  älter  und  je  kränker,  umso  höher  sei  sein  Beitrag  an  Gewinn  und  Verwaltungskosten,  denn  er  sei  dem  Versicherer  ausgeliefert.  Die  Prämien  seien  auch  darum  missbräuchlich,  weil  die  Unternehmerlöhne  missbräuchlich  hoch  seien.  Es  könne  nicht  nachvollzogen  werden,  weshalb  die  Vorinstanz  es  unterlassen  habe,  sich  zum Thema  der  Löhne  bei  den Versicherern  zu  äussern.  Diese  seien  aber  für  die  Bestimmung  der  Höhe  der  Versicherungsprämien  relevant  und  das  Bundesgericht  habe  klare  Richtlinien für die Festsetzung eines angemessenen Unternehmerlohnes  festgelegt.  Die  Prämien  seien  auch  wegen  missbräuchlichen  Kalkulationen  missbräuchlich  hoch.  Die  Tarifgestaltung  müsse  die  Solidarität  unter  den  Generationen  im  Tarif  berücksichtigen.  Es  gebe  Abhängigkeiten vor allem bei älteren und kranken Versicherten, was ein  grosses  Missbrauchspotential  in  sich  berge.  Einige  Versicherer  nutzten  diese  Lage  missbräuchlich  durch  zu  hohe  Altersprogressionen  im  Tarif 

B­7407/2009 aus  und  subventionierten  damit  nicht  kostendeckende Dumpingprämien  in  der  Grundversicherung.  Die  Vorinstanz  habe  den  Nachweis  nicht  erbracht, dass sie gewillt sei, solche missbräuchlichen Zahlungsflüsse zu  unterbinden. Die  Vorinstanz  erachtet  die  Rügen  der  Beschwerdeführerin  als  unbegründet.  Sie  hält  fest,  dass  es  nicht  ihre  Aufgabe  sei,  die  Angemessenheit der Tariferhöhungen vollständig zu prüfen. Diese seien  zu genehmigen, wenn sie sich  im gesetzlichen Rahmen bewegten, was  eine Ermessensfrage sei. Vorliegend sei dieses Ermessen pflichtgemäss  und  unter  Wahrung  der  verfassungsmässigen  Grundsätze  ausgeübt  worden.  Hinweise  auf  einen  Ermessensfehler  seien  nicht  vorgebracht  worden. Auch  die  Beschwerdegegnerin  erachtet  die  Rügen  der  Beschwerdeführerin  als  unbegründet.  Die  Beschwerdeführerin  begnüge  sich  mit  pauschalen  Verdächtigungen.  Sie  argumentiere  mit  der  Praxis  zum Preisüberwachungsgesetz; diese Analogie sei aber ungeeignet, weil  in  Bezug  auf  die  Versicherungsaufsicht  andere  Bestimmungen  zur  Anwendung gelangten. Die Vorinstanz müsse bei der Genehmigung der  Prämien  prüfen,  ob  die  Solvenz  der  einzelnen  Versicherungseinrichtungen  und  der  Schutz  der  Versicherten  vor  Missbrauch  gewährleistet  seien.  Zentrale Missbrauchstatbestände  seien  beispielhaft  auf  Verordnungsstufe  aufgezählt.  Die  Lehre  vertrete  die  Meinung,  dass  diese  Gesetzesbestimmung  nicht  dazu  herangezogen  werden  könne,  der  Versicherungswirtschaft  Vorschriften  aufzuerlegen,  die sich nicht bereits aus dem Gesetz im formellen Sinn herleiten liessen.  Allfällige  Interventionen  hätten  sich  auf  das  öffentliche  Interesse  zu  beschränken, dürften nur wirtschafts­ und gewerbepolitisch motiviert sein  und  müssten  sich  als  verhältnismässig  erweisen.  Die  Vorinstanz  dürfe  daher im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nicht übermässig in die  Privatautonomie  der  Versicherungsunternehmen  eingreifen.  Im  Übrigen  sei  ein  analoger  Rückgriff  auf  das  Preisüberwachungsgesetz  ohnehin  nicht  möglich,  weil  die  Vorinstanz  ihre  Prüfungspflicht  nicht  danach,  sondern  nach  den  Bestimmungen  des  Versicherungsaufsichtsgesetzes  auszurichten  habe.  Die  beiden  Gesetze  verfolgten  diametral  unterschiedliche  Zielsetzungen.  Das  Preisüberwachungsgesetz  sei  ein  Konsumentenschutzgesetz,  während  das  Versicherungsaufsichtsgesetz  die  Sicherstellung  eines  geordneten  Versicherungswesens  bezwecke.  Das  Rundschreiben  der  Vorinstanz  vom  März  2010  zur  Krankenversicherung  lege  die  Merkmale  dar,  die  bei  der  Berechnung 

B­7407/2009 eines  solvenzsichernden,  aber  nicht  unnötig  hohen  Prämientarifes  zu  berücksichtigen  seien.  Im  Vergleich  zu  diesen  Merkmalen  seien  die  analog  herangezogenen  Prüfungskriterien  des  Preisüberwachungsgesetzes  schlicht  untauglich.  Im  vorliegenden  Fall  habe  die  Vorinstanz  dieses  Rundschreiben  angewandt  und  alle  notwendigen  Daten  und  Unterlagen  entsprechend  den  versicherungstechnischen  Vorgaben  geprüft.  Es  gebe  weder  Hinweise  noch Beweise für ein unkorrektes Verhalten der Vorinstanz anlässlich der  Prüfung des vorgelegten Tarifes. Die Rüge, wonach missbräuchlich hohe  Unternehmerlöhne bezahlt würden, werde nicht begründet und greife ins  Leere.  Die  Vorinstanz  sei  nicht  gehalten,  die  Unternehmerlöhne  zu  begutachten.  Deren  Festsetzung  liege  in  der  alleinigen  Autonomie  der  Beschwerdegegnerin.  Sie  seien  denn  auch  sicherlich  nicht  missbräuchlich  hoch,  sondern  lägen  im  Branchendurchschnitt  beziehungsweise unter denjenigen mancher Mitbewerber auf dem Markt.  Auch der Vorwurf einer missbräuchlichen Kalkulation gehe fehl. Es gebe  keine  zu  hohe  Altersprogression,  mit  deren  hohem  Gewinn  die  Grundversicherung  systematisch  quersubventioniert  würde.  Die  altersprogressiven  Tarife  seien  Bestandteil  der  Prüfung  und  begründet  gewesen. Schon aus Marktüberlegungen  liege es nicht  im  Interesse der  Beschwerdegegnerin,  ihre Zusatzversicherungstarife zu erhöhen, um mit  allfälligen  Überschüssen  systematisch  die  Grundversicherung  zu  subventionieren.  Die  Wechselbereitschaft  der  Kunden  nehme  aufgrund  des steigenden Alters zwar ab, bestehe aber aufgrund der medizinischen  Entwicklung  bis  ins  hohe  Alter  fort  und  werde  auch  genutzt.  Versicherungsstatistisch  sei  es  so,  dass  die  Leistungskosten  im  Durchschnitt  mit  zunehmendem  Alter  stiegen.  Dieser  Umstand  finde  seinen Niederschlag in der zulässigen Bildung von Tarifaltersgruppen und  einer  altersgruppenwechselbedingten  regelmässigen Tarifanpassung mit  fortschreitendem  Alter.  Diese  Anpassungen  zielten  nicht  darauf  hin,  übermässig  hohe  Gewinne  zu  erzielen,  um  dieses  Geld  systematisch  seinem  zugedachten  Zweck  zu  entfremden.  Die  Prüfung  durch  die  Vorinstanz  biete  Gewähr  für  die  Einhaltung  der  versicherungstechnisch  vorgegebenen  Parameter.  Die  vorliegend  relevanten  Zusatzversicherungen wiesen keinen altersprogressiven Tarif  auf. Diese  Rüge der Beschwerdeführerin greife daher auch darum ins Leere. 3.1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 Bst. g des Bundesgesetzes vom 22. Juni 2007  über  die  Eidgenössische  Finanzmarktaufsicht  (Finanzmarktaufsichtsgesetz,  FINMAG,  SR  956.1)  und  Art.  46  VAG  obliegt  der  Vorinstanz  die  Aufsicht  über  die  Versicherungsunternehmen 

B­7407/2009 (Art.  4  Abs.  2  FINMAG).  Sie  wacht  insbesondere  darüber,  dass  die  Versicherungsunternehmen solvent sind, die technischen Rückstellungen  vorschriftsgemäss  bilden  und  die  Vermögenswerte  ordnungsgemäss  verwalten  und  anlegen  (Art.  46  Abs.  1  Bst.  d  VAG).  Sie  schützt  die  Versicherten gegen Missbräuche der Versicherungsunternehmen (Art. 46  Abs. 1 Bst. f VAG). Im Rahmen ihrer Aufsichtstätigkeit hat die Vorinstanz auch verschiedene  Tarife  –  unter  anderem  die  Tarife  der  Zusatzversicherung  zur  sozialen  Krankenversicherung  –  zu  genehmigen  (Art.  4  Abs.  2  Bst.  r,  5  Abs.  1  erster Satz  und 38 VAG). Bei  der Prüfung der  genehmigungspflichtigen  Tarife  prüft  sie  auf  Grund  der  von  den  Versicherungsunternehmen  vorgelegten  Tarifberechnungen,  ob  sich  die  vorgesehenen  Prämien  in  einem  Rahmen  halten,  der  einerseits  die  Solvenz  der  einzelnen  Versicherungseinrichtungen  sicherstellt  und  anderseits  den  Schutz  der  Versicherten vor Missbrauch gewährleistet (Art. 38 VAG). 3.2. Der Ausdruck  "Missbrauch" stellt einen unbestimmten Rechtsbegriff  dar.  Die  Auslegung  und  Anwendung  unbestimmter  Rechtsbegriffe  stellt  gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  eine  Rechtsfrage  dar,  die  grundsätzlich  ohne  Beschränkung  der  richterlichen  Kognition  zu  überprüfen  ist.  Nach  konstanter  Praxis  und  Lehrmeinung  ist  jedoch  Zurückhaltung auszuüben und der rechtsanwendenden Behörde ist dann  ein  gewisser  Beurteilungsspielraum  zuzugestehen,  wenn  diese  den  örtlichen,  technischen oder persönlichen Verhältnissen näher  steht  oder  über  spezifische  Fachkenntnisse  verfügt.  Der  Richter  hat  solange  nicht  einzugreifen,  als  die  Auslegung  der  Verwaltungsbehörde  als  vertretbar  erscheint  (vgl.  ULRICH  HÄFELIN  /  GEORG  MÜLLER  /  FELIX  UHLMANN,  Allgemeines Verwaltungsrecht,  6. Aufl.,  Zürich  / Basel  / Genf  2010, Rz.  445 ff., mit weiteren Hinweisen). Für die Auslegung ist  insbesondere auf  die Entstehungsgeschichte der Norm und ihren Zweck, auf die dem Text  zu Grunde liegenden Wertungen sowie auf die Bedeutung, die der Norm  im  Kontext  mit  anderen  Bestimmungen  zukommt,  abzustellen.  Die  Gesetzesmaterialien  sind  zwar  nicht  unmittelbar  entscheidend,  dienen  aber als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen. Namentlich bei  neueren Texten kommt den Materialien eine besondere Stellung zu, weil  veränderte  Umstände  oder  ein  gewandeltes  Rechtsverständnis  eine  andere Lösung weniger nahelegen (vgl. zur Auslegung allgemein HÄFELIN  / MÜLLER / UHLMANN, a.a.O., Rz. 214 ff. mit weiteren Hinweisen; ERNST A.  KRAMER,  Juristische Methodenlehre,  3. Aufl.,  Bern  2010, S.  53  ff.). Das 

B­7407/2009 Bundesgericht hat sich bei der Auslegung von Erlassen stets von einem  Methodenpluralismus leiten lassen (BGE 134 I 184 E. 5.1 mit Hinweisen). 3.3.  In  historischer  Hinsicht  ergibt  sich  aus  den  Materialien,  dass  der  Entwurf  zu  einem  neuen  Versicherungsaufsichtsgesetz  vom  Frühjahr  2003  zunächst  noch  keine  spezifische  Bestimmung  über  eine  Prüfung  von genehmigungspflichtigen Tarifen enthielt. Dieser Entwurf war darauf  ausgerichtet,  das  System  der  präventiven  Produktekontrolle,  das  im  Art. 20  des  alten  Versicherungsaufsichtsgesetzes  vom  23.  Juni  1978  (aVAG,  AS  1978  1836)  angewendet  worden war,  durch  eine  verstärkte  und  verfeinerte  Solvenzkontrolle  und  durch  wirksamere  Aufsichtsinstrumente  in  den  Bereichen  "Corporate  Governance",  Transparenz  und  Konsumentenschutz  abzulösen.  Es  war  daher  vorgesehen  gewesen,  auf  systematische,  präventive  Tarifkontrollen  selbst  für  an  die  Sozialversicherungen  gebundene  Versicherungsprodukte  ganz  zu  verzichten  (vgl.  Botschaft  zu  einem  Gesetz  betreffend  die  Aufsicht  über  Versicherungsunternehmen  [Versicherungsaufsichtsgesetz,  VAG]  und  zur  Änderung  des  Bundesgesetzes  über  den  Versicherungsvertrag  vom  9.  Mai  2003,  BBl  2003, 3789 ff., 3794, 3799; Botschaft zu einem neuen Bundesgesetz über  die  Beaufsichtigung  privater  Versicherungseinrichtungen  vom  5.  Mai  1976, BBl 1976 II 873 Ziff. 232; Ausführungen von Bundesrat Villiger  im  Ständerat, Amtl. Bull. StR 2003, 1026). Im  Laufe  der  parlamentarischen  Beratungen  zum  Entwurf  eines  neuen  Versicherungsaufsichtsgesetzes  wurde  dann  aber  beschlossen,  die  Krankenzusatzversicherung  und  die  berufliche  Vorsorge  weiterhin  einer  präventiven Prämien­ und Tarifkontrolle  zu unterstellen, wie dies bereits  in Art.  20 aVAG der Fall  gewesen war. Entsprechend dieser  bisherigen  Regelung  wurde  vorgesehen,  dass  die  behördliche  Prüfungspflicht  sich  auf die Solvenz und die Verhinderung von Missbräuchen zu beschränken  habe.  Zwar  wurde  anlässlich  der  Erstbehandlung  im  Nationalrat  eine  Formulierung  beantragt,  die  ausdrücklich  vorsah,  dass  die  Aufsichtsbehörden auch kontrollieren müssten, ob die Tarife angemessen  seien.  Dieser  Antrag  unterlag  aber  in  der  Folge  im  Differenzbereinigungsverfahren.  Die  Vertreter  der  Mehrheitsmeinung  begründeten  ihre Auffassung damit, dass eine Angemessenheitsprüfung  bedeuten  würde,  dass  der  Wettbewerb  ausgeschaltet  und  die  Verantwortung  für  die  Prämienfestsetzung  letztlich  den  Behörden  übertragen  würde.  Damit  würde  man  sich  deutlich  von  den  marktwirtschaftlichen  Prinzipien  im  Bereich  der  Privatversicherung 

B­7407/2009 abwenden  und  eher  planwirtschaftliche  Prinzipien  zum  Zuge  kommen  lassen.  Der  Markt  würde  von  den  Behörden  nicht  mehr  kontrolliert,  sondern er würde letztlich von ihnen gesteuert. Das Resultat behördlicher  Preisfestsetzungen  sei  in  vielen  Fällen,  dass  ineffiziente  Strukturen  aufrechterhalten  blieben,  die  dann  nicht  mehr  wettbewerbsfähig  seien.  Die Mehrheit  vertrat  daher  die Auffassung,  dass  die Tarifprüfungspflicht  sich auf die Solvenzfrage einerseits und die Missbrauchsfrage anderseits  zu  beschränken  habe.  Die  Angemessenheit  solle  durch  den  Markt  geregelt  werden  (vgl.  Amtl.  Bull.  StR,  03.035,  18.12.2003,  10.06.2004,  07.12.2004, NR 21.09.2004, 13.12.2004). Aus den Materialien ergibt sich somit, dass anlässlich der Einführung von  Art.  38  VAG  beziehungsweise  der  Beibehaltung  von  Art.  20  aVAG  ausdrücklich  beschlossen  wurde,  von  einer  eigentlichen  Angemessenheitskontrolle durch die Aufsichtsbehörden abzusehen. 3.4.  Der  Begriff  des  "Missbrauchs",  vor  dem  die  Vorinstanz  die  Versicherten zu schützen hat, findet sich im Gesetz nicht nur im Kontext  der  präventiven  Tarifgenehmigung  gemäss  Art.  38  VAG,  sondern  vor  allem in Art. 46 Abs. 1 Bst. f VAG. Dieser Tatbestand wird in Art. 117 der  Verordnung  über  die  Beaufsichtigung  von  privaten  Versicherungsunternehmen  (Aufsichtsverordnung,  AVO,  SR  961.011)  näher konkretisiert. Demnach gelten Benachteiligungen von Versicherten  oder Anspruchsberechtigten  als Missbrauch, wenn  sie  sich wiederholen  oder  einen  breiten  Personenkreis  betreffen  könnten  (Art.  117  Abs.  1  AVO).  Als  Missbrauch  gilt  auch  die  Benachteiligung  einer  versicherten  oder  anspruchsberechtigten  Person  durch  eine  juristisch  oder  versicherungstechnisch  nicht  begründbare  erhebliche  Ungleichbehandlung (Art. 117 Abs. 2 AVO). Das  Gesetz  selbst  räumt  dem  Bundesrat  nur  eine  Vollzugskompetenz  ein,  nicht  aber  die  Befugnis,  den  Begriff  des  Missbrauchs  näher  zu  konkretisieren. Die dargelegte Konkretisierung  in Art. 117 AVO ist daher  nicht  als  abschliessend  aufzufassen  (vgl.  ROLF  H.  WEBER  /  PATRICK  UMBACH, Versicherungsaufsichtsrecht, Bern 2006, Rz. 152 zu § 6). 3.5.  Im  massgeblichen  Zeitpunkt  des  Erlasses  der  angefochtenen  Verfügung war noch das Rundschreiben RS 5/2008 des Bundesamts für  Privatversicherungen  BPV,  einer  Vorgängerorganisation  der  Vorinstanz,  in  Kraft.  Dieses  enthält  keine  ausdrückliche  Definition  des  Missbrauchsbegriffs.

B­7407/2009 Die  Beschwerdeführerin  bezieht  sich  in  ihrer  Beschwerde  auf  den  Erläuterungsbericht  der  Vorinstanz  zum  Entwurfs  des  Rundschreibens  2009/x  "Zusatzversicherung  zur  sozialen  Krankenversicherung  und  Spezialfragen der  privaten Krankenversicherung"  vom 31. August  2009.  Dieser  Entwurf  sieht  vor,  dass  eine  versicherungstechnische  Ungleichbehandlung im Sinn von Art. 117 Abs. 2 AVO vorliege, wenn für  ein  vergleichbar  hohes  Risiko  stark  unterschiedliche  Prämien  verlangt  oder  wenn  für  die  gleiche  Prämie  deutlich  unterschiedliche  Risiken  gedeckt  würden.  Insbesondere  sei  zu  vermeiden,  dass  ein  Teil  der  Versicherten  zu  tiefe  Prämien  zu  Lasten  anderer  Versicherter  bezahle  (Rundschreiben 2009/x, Rz. 33). Die Vorinstanz  ihrerseits  legte mit  ihrer  Vernehmlassung  vom  2.  Februar  2011  die  definitive  Fassung  dieses  Rundschreibens,  das  Rundschreiben  2010/3  "Zusatzversicherung  zur  sozialen  Krankenversicherung  und  Spezialfragen  der  privaten  Krankenversicherung" vom 18. März 2010,  in Kraft seit 1. Mai 2010,  ins  Recht. Dieses enthält den gleichen Passus wie der Entwurf. Rundschreiben sind Verwaltungsverordnungen und als solche nur für die  Durchführungsorgane  verbindlich.  Verwaltungsverordnungen  begründen  – im Gegensatz zu Rechtsverordnungen – keine Rechte oder Pflichten für  Private.  Ihre  Hauptfunktion  besteht  vielmehr  darin,  insbesondere  im  Ermessensbereich  der  Behörde  eine  einheitliche  und  rechtsgleiche  Verwaltungspraxis zu gewährleisten. Auch sind sie in der Regel Ausdruck  des  Wissens  und  der  Erfahrung  einer  Fachstelle.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  als  verwaltungsunabhängige  Gerichtsinstanz  (Art.  2  VGG)  nicht  an  Verwaltungsverordnungen  gebunden,  sondern  bei  deren  Überprüfung  frei.  Sofern  Verwaltungsverordnungen  aber  eine  dem  Einzelfall  angepasste  und  gerecht  werdende  Auslegung  der  anwendbaren  gesetzlichen  Bestimmungen  zulassen,  werden  sie  von  den  Gerichten  bei  der  Entscheidfindung mitberücksichtigt  (vgl. BGE 132 V 200 E. 5.1.2, BGE  130  V  163  E.  4.3.1;  HÄFELIN  / MÜLLER  / UHLMANN,  a.a.O., Rz.  123  ff.;  PIERRE  TSCHANNEN  /  ULRICH  ZIMMERLI  /  MARKUS  MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, § 14 Rz. 9 ff. und § 41 Rz. 11 ff.). Die  im Rundschreiben  2010/3  beziehungsweise  bereits  im Entwurf  vom  31.  August  2009  enthaltene  Formulierung  ist  somit  für  das  Bundesverwaltungsgericht  nicht  verbindlich;  einerseits,  weil  Verwaltungsverordnungen für ein Gericht nicht verbindlich sind, soweit es  um  die  Auslegung  von  unbestimmten  Rechtsbegriffen  geht,  und  andererseits,  weil  das  betreffende  Rundschreiben  im  massgeblichen 

B­7407/2009 Zeitpunkt  noch  nicht  in  Kraft  war.  Indessen  illustriert  die  betreffende  Passage  im  Entwurf  beziehungsweise  im  Rundschreiben  2010/3,  von  welcher  Auslegung  die  Vorinstanz  ausgeht,  was  als  missbräuchliche  Prämie im Sinn von Art. 38 VAG zu verstehen sei. 3.6.  In  der  neueren  Lehre  zu  Art.  38  VAG  wird  verschiedentlich  die  Auffassung  vertreten,  eine  präventive  Tarifgenehmigung  durch  die  Aufsichtsbehörde sei nur  insoweit mit der Wirtschaftsfreiheit (Art. 94 BV)  vereinbar,  als  sie  der  Solvenzerhaltung  des  betreffenden  Versicherungsunternehmens  diene.  Der  Schutz  der  Versicherungsnehmer vor  (vermeintlich)  zu hohen Prämien dagegen sei  nicht  verfassungskonform  (vgl. WEBER  / UMBACH,  a.a.O.,  Rz.  7  zu  §  3;  RETO  JACOBS,  in:  Die  schweizerische  Bundesverfassung,  Kommentar,  Bernhard Ehrenzeller et al.  [Hrsg.], 2. Aufl., Zürich 2008, Rz. 16 zu Art.  98;  ANDREAS  BURKI  /  PETER  PFUND  /  JÜRG WALDMEIER,  Rechtliches,  in:  Jürg  Waldmeier  [Hrsg.],  Versicherungsaufsicht,  Solvenz,  Risikomanagement,  Verantwortlicher  Aktuar,  Kontrollsysteme,  Gruppen  und Konglomerate, Versicherungsvermittler, Zürich, 2007, S. 5­7). Wie  bereits  erwähnt,  stellt  Art.  38  VAG  keine  neue  Bestimmung  dar,  sondern eine Beibehaltung von Art. 20 aVAG, beschränkt auf die Lebens­  und die Krankenzusatzversicherung. Es erscheint daher als angezeigt, für  die  Auslegung  von Art.  38  VAG  auch  die  Literatur  zu  Art.  20  aVAG  zu  berücksichtigen. Darin wurde etwa ausgeführt, ein Missbrauch könne z.B.  darin  bestehen,  dass  einzelne  Gruppen  von  Prämienzahlern  innerhalb  des Tarifes viel stärker als andere Gruppen belastet würden, obwohl dies  sachlich  nicht  gerechtfertigt  sei  (ALFRED  MAURER,  Schweizerisches  Privatversicherungsrecht, 3. Aufl. Bern 1995, S. 115). 3.7. Bezüglich der Frage, ob für die Auslegung des Begriffs "Missbrauch"  im  Sinn  von  Art.  38  VAG  die  Beurteilungskriterien  des  Preisüberwachungsgesetzes  analog  heranzuziehen  sind,  wie  dies  die  Beschwerdeführerin  verlangt,  ist  im  Kontext  der  systematischen  Auslegung auch das Preisüberwachungsgesetz vom 20. Dezember 1985  (PüG, SR 942.20) selbst zu betrachten. 3.7.1.  Dieses  Gesetz  nennt  verschiedene  Beurteilungskriterien  für  die  Beurteilung, ob eine missbräuchliche Erhöhung oder Beibehaltung eines  Preises  vorliegt,  wie  insbesondere  die  Preisentwicklung  auf  Vergleichsmärkten,  die  Notwendigkeit  der  Erzielung  angemessener  Gewinne, die Kostenentwicklung, besondere Unternehmerleistungen und 

B­7407/2009 besondere Marktverhältnisse. Bei  der Überprüfung  der Kosten  kann  der  Preisüberwacher auch den Ausgangspreis  (Preissockel)  berücksichtigen  (Art.  13  PüG).  Die  Frage  einer  allfälligen  analogen  Anwendung  dieser  Beurteilungskriterien  anlässlich  einer  in  einem  anderen  Gesetz  vorgesehenen  Preiskontrolle  ist  im  Preisüberwachungsgesetz  ausdrücklich  geregelt:  Ist  eine  andere  Behörde  anstelle  des  Preisüberwachers  zuständig,  verabredete  Preise  oder  Preise  eines  marktmächtigen  Unternehmens  aufgrund  anderer  bundesrechtlicher  Vorschriften  zu  kontrollieren,  hat  sich  diese  Behörde  nach  dem  Preisüberwachungsgesetz  zu  richten,  soweit  dies  mit  den  Zielen  der  spezialgesetzlichen Überwachung vereinbar ist (vgl. Art. 15 Abs. 2 PüG). 3.7.2.  In der Lehre wird diesbezüglich die Auffassung vertreten, dass  in  Bezug  auf  die  Tarifkontrolle  für  Privatversicherungen  eine  derartige  Konkurrenz zwischen der Vorinstanz und dem Preisüberwacher bestehe.  Während  die  Prüfung  gemäss  dem  Preisüberwachungsgesetz  einseitig  auf  Missbrauchskontrolle  ausgerichtet  sei,  finde  im  Rahmen  der  Versicherungsaufsicht  sowohl  eine  Solvenzüberprüfung  als  auch  eine  Missbrauchskontrolle  statt.  Die  beiden  Prüfungsweisen  hätten  daher  einen  unterschiedlichen  Gehalt.  Der  umfassenderen  Perspektive  der  Prüfung  durch  die  Versicherungsaufsicht  sei  diesbezüglich  der  Vorrang  vor  der  Preisüberwachung  nach  dem  Preisüberwachungsgesetz  zu  geben  (vgl.  JACQUES  BONVIN,  in:  Tercier/Bovet  [Hrsg.],  Commentaire  romand,  Droit  de  la  concurrence,  Genf  /  Basel  /  München  2002  [nachfolgend:  CR  Concurrence],  Basel  2002,  Art. 15  PüG,  Rz. 23  ff.;  STEFANIE GEY, Aufgaben und Bedeutung der staatlichen Aufsicht über die  schweizerischen  Privatversicherungen  zu  Beginn  des  21.  Jahrhunderts,  Bern, 2003, S. 168 f.). 3.7.3. Art.  15 Abs.  2 PüG  sieht  ausdrücklich  vor,  dass  sich  die  andere,  aufgrund eines anderen Bundesgesetzes zuständige Behörde nur soweit  nach  dem  Preisüberwachungsgesetz  zu  richten  hat,  als  dies  mit  den  Zielen der spezialgesetzlichen Überwachung vereinbar  ist. Aufgrund der  der  Vorinstanz  in  erster  Linie  aufgetragenen  Solvenzprüfung  ist  zweifelhaft,  ob  im  Verhältnis  von  Versicherungsaufsichtsgesetz  und  Preisüberwachungsgesetz  eine  genügende  Übereinstimmung  besteht,  um die Beurteilungskriterien von Art. 13 PüG analog heranzuziehen. Ob  beziehungsweise  in  welchem  Ausmass  dies  möglich  wäre,  kann  im  vorliegenden  Fall  indessen  offen  gelassen  werden,  da  eine  (analoge)  Anwendung  der  Beurteilungskriterien  von  Art.  13  PüG  anlässlich  der  Tarifkontrolle  durch  die  Vorinstanz  ohnehin  bereits  aus  Gründen 

B­7407/2009 ausgeschlossen sind, die sich aus dem Preisüberwachungsgesetz selbst  ergeben: 3.7.4.  Das  Preisüberwachungsgesetz  legt  als  wettbewerbspolitischen  Grundsatz fest, dass ein Preismissbrauch nur dann vorliegen kann, wenn  die  Preise  auf  dem  betreffenden  Markt  nicht  das  Ergebnis  eines  wirksamen Wettbewerbs sind. Dieser Grundsatz ergibt sich auch aus der  Definition  des  persönlichen  Geltungsbereichs  des  Preisüberwachungsgesetzes (vgl. Art. 2 PüG). In gleicher Weise stellt er  auch  eine  Vorbedingung  für  eine  allfällige  analoge  Anwendung  der  Bestimmungen  des  Preisüberwachungsgesetzes  durch  eine  andere  Behörde  im  Sinn  von  Art.  15  PüG  dar,  denn  diese  Bestimmung  setzt  ausdrücklich  voraus,  dass  es  sich  um  "verabredete"  Preise  oder Preise  eines "marktmächtigen Unternehmens" handelt (vgl. Art. 15 Abs. 1 PüG). Wirksamer Wettbewerb besteht insbesondere dann, wenn die Abnehmer  die  Möglichkeit  haben,  ohne  erheblichen  Aufwand  auf  vergleichbare  Angebote  auszuweichen  (Art.  12  PüG).  Bei  der  Abklärung,  ob  ein  Preismissbrauch  im  Sinn  des  Preisüberwachungsgesetzes  vorliegt  oder  nicht,  ist  daher  zweistufig  vorzugehen:  Zuerst  ist  zu  prüfen,  ob  im  fraglichen Marktsegment  wirksamer Wettbewerb  herrscht  oder  nicht.  Ist  diese Voraussetzung nicht erfüllt, gilt es zu prüfen, ob die Preiserhöhung  oder  die  Preisbeibehaltung  sich  durch  die  Beurteilungskriterien  von Art.  13 PüG  rechtfertigen  lässt  (BONVIN,  a.a.O., Art. 12 PüG, Rz. 6; ROLF H.  WEBER, Preisüberwachungsgesetz, Bern 2009, Rz. 4 zu Art. 12 PüG). 3.7.5. Weder das Preisüberwachungsgesetz noch das Kartellgesetz vom  6. Oktober  1995  (KG,  SR  251)  enthalten  eine  ausdrückliche  Definition  des Begriffs des wirksamen Wettbewerbs.  In der Lehre zum Kartellrecht  wird  etwa  davon  ausgegangen,  dass  wirksamer  Wettbewerb  dann  vorliegt,  wenn  zentrale  Wettbewerbsfunktionen  gewährleistet  sind,  wie  insbesondere die Optimierung des Ressourceneinsatzes, die Anpassung  von  Produkten  und  Produktionskapazitäten  an  veränderte  äussere  Bedingungen  sowie  die  Entwicklung  neuer  Produkte  und  Produktionsverfahren  (eingehend  zum  Begriff  des  wirksamen  Wettbewerbs:  PETER  HETTICH,  Wirksamer  Wettbewerb,  Theoretisches  Konzept  und  Praxis,  St.Galler  Studien  zum  Privat­,  Handels­  und  Wirtschaftsrecht,  Bern  2003,  S.  38  ff.; PATRICK  L. KRAUSKOPF  / OLIVIER  SCHALLER, in: Basler Kommentar zum Kartellgesetz, Marc Amstutz / Mani  Reinert [Hrsg.], Basel 2009, Nr. 68 ff. zu Art. 5; PHILIPPE GUGLER / PHILIPP  ZURKINDEN, in: CR Concurrence, a.a.O., Rz. 25 ff. zu Art. 5 KG).

B­7407/2009 Allgemeine  Kriterien,  die  für  das  Vorhandensein  von  wirksamem  Wettbewerb  im  Sinn  von  Art.  12  PüG  sprechen,  sind  die  Zahl  der  Wettbewerber,  der  Organisationsgrad,  das  Vorhandensein  von  Aussenseitern und das Marktergebnis. Selbst wenn eine grössere Anzahl  von Anbietern vorhanden sind,  können das gleichförmige Verhalten,  ein  Referenzpreissystem  oder  eine  grosse  Reglementierungsdichte  staatlicher  oder  privater  Natur  Anhaltspunkte  dafür  sein,  dass  möglicherweise  kein  wirksamer  Wettbewerb  im  Sinn  des  Preisüberwachungsgesetzes  stattfindet  (vgl.  BONVIN,  a.a.O.,  Rz.  23  zu  Art. 13 PüG; WEBER, a.a.O., Rz. 15 zu Art. 12 PüG). 3.7.6.  Im  vorliegenden  Fall  hat  die  Beschwerdeführerin  weder  ausdrücklich  noch  sinngemäss  geltend  gemacht,  die  Beschwerdegegnerin  habe  auf  dem  Markt  für  Krankenzusatzversicherungen eine marktmächtige Stellung inne oder die  in Frage  stehenden Prämien  seien das Resultat  von Abreden  zwischen  den  verschiedenen  Anbietern.  Vielmehr  sind  unbestrittenermassen  eine  Vielzahl  von  Versicherungsunternehmen  auf  dem  Markt,  die  vergleichbare  Produkte  der  Krankenzusatzversicherung  anbieten.  So  geht aus dem Jahresbericht 2009 der Vorinstanz hervor, dass gleichzeitig  mit  der  Beschwerdegegnerin  45  andere  Krankenkassen  oder  Versicherungen  geplante  Anpassungen  ihrer  Tarife  von  Krankenzusatzversicherungsprodukten der Vorinstanz zur Genehmigung  vorgelegt hatten, was  indessen – die Produkte der Beschwerdegegnerin  eingeschlossen  –  lediglich  55  %  des  Marktes  für  die  Krankenzusatzversicherung darstelle (FINMA Jahresbericht 2009 S. 63).  Anhaltspunkte  für  allfällige  wettbewerbshindernde  Absprachen  oder  andere Umstände, die  trotz dieser grossen Anzahl von Anbietern gegen  das Vorliegen von wirksamem Wettbewerb sprechen würden, sind für das  Bundesverwaltungsgericht nicht ersichtlich. Unter  diesen  Umständen  ist  in  sachverhaltlicher  Hinsicht  davon  auszugehen,  dass  auf  dem  Markt  für  Krankenzusatzversicherungsprodukte  unbestrittenermassen  wirksamer  Wettbewerb  besteht  und  die  in  Frage  stehenden  Prämien  das  Produkt  dieses wirksamen Wettbewerbs  sind.  Für  eine  analoge Anwendung  der  Beurteilungskriterien  von  Art.  13  PüG  i.V.m.  Art.  15  PüG  gibt  es  daher  keine Grundlage. Wie konkret allfällige Anhaltspunkte für eine marktmächtige Stellung oder  wettbewerbshindernde  Absprachen  sein  müssten,  damit  die  Vorinstanz 

B­7407/2009 diese  Vorfrage  abzuklären  hätte,  und  in  welchem  Verfahren  beziehungsweise  in  Zusammenarbeit  mit  welchen  anderen  Behörden  diese Abklärung zu erfolgen hätte, kann daher im vorliegenden Fall offen  gelassen werden. 3.8. Das Grundverständnis, dass Preise nicht missbräuchlich sind, sofern  sie das Ergebnis von wirksamem Wettbewerb sind, ergibt sich nicht nur  aus  dem  Preisüberwachungsgesetz,  sondern  auch  aus  der  Bundesverfassung.  Die  Zuständigkeit  des  Bundes, Massnahmen  gegen  missbräuchliche  Preise  zu  treffen,  ist  ausdrücklich  beschränkt  auf  Missbräuche in der Preisbildung durch marktmächtige Unternehmen und  Organisationen (vgl. Art. 96 Abs. 2 Bst. a BV). Diese Kompetenzdefinition  sowie die Grundrechte der Eigentumsgarantie und der Wirtschaftsfreiheit  (vgl.  Art.  26  und  27  BV)  beruhen  auf  einem  wirtschaftsystematischen  Grundverständnis,  das  impliziert,  dass  missbräuchliche  Preise  nur  vorliegen  können,  sofern  auf  dem  betroffenen  Markt  kein  wirksamer  Wettbewerb  herrscht.  Durch  wirksamen  Wettbewerb  werden  die  Preisfestsetzungsspielräume automatisch auf ein nicht missbräuchliches  Niveau beschränkt (vgl. JACOBS, a.a.O., Rz. 34 ff. zu Art. 96 BV). 3.9.  Als  Ergebnis  der  Auslegung  des  unbestimmten  Rechtsbegriffs  "Missbrauch"  im  Sinn  von  Art.  38  VAG  ergibt  sich  somit,  dass  die  Vorinstanz bei der  ihr obliegenden Prüfung der genehmigungspflichtigen  Tarife  der  Zusatzversicherung  zur  sozialen  Krankenversicherung  keine  Angemessenheitsprüfung analog den Beurteilungselementen von Art. 13  PüG  vorzunehmen  hat,  sofern  –  wie  im  vorliegenden  Fall  –  davon  auszugehen ist, dass die darin vorgesehenen Prämien das Ergebnis von  wirksamem  Wettbewerb  sind.  Die  Rüge  der  Beschwerdeführerin,  die  Vorinstanz  hätte  die  Prämienkalkulation  der  Beschwerdegegnerin  daraufhin  kontrollieren  müssen,  dass  darin  nicht  zu  hohe  Gewinne,  zu  hohe  Unternehmerlöhne  oder  überhaupt  eine  zu  grosse  Diskrepanz  zwischen Risiko­  und  Tarifprämie  vorgesehen  seien,  erweist  sich  daher  als unbegründet. 4.  Die  Beschwerdeführerin  macht  weiter  geltend,  einzelne  Versicherte,  nämlich  ältere  und  kranke  Personen,  seien  de  facto  an  ihren  Versicherungsvertrag  gebunden  und  könnten  nicht  wie  junge  und  gesunde  Personen  die  Versicherung  wechseln.  Je  abhängiger  ein  Versicherter sei, d.h. je älter und je kränker, umso höher sei sein Beitrag  an  Gewinn  und  Verwaltungskosten,  denn  er  sei  dem  Versicherer 

B­7407/2009 ausgeliefert. Einige Versicherer nutzten diese Lage missbräuchlich durch  zu  hohe  Altersprogressionen  im  Tarif  aus  und  subventionierten  damit  nicht kostendeckende Dumpingprämien in der Grundversicherung. Die Beschwerdegegnerin ihrerseits bestreitet dies teilweise. 4.1.  In  sachverhaltlicher  Hinsicht  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführerin weder substantiiert noch nachgewiesen hat, dass es  ihr  selbst  unmöglich  wäre,  den  Versicherer  zu  wechseln  und  vergleichbare  Zusatzversicherungen  mit  einem  anderen  Anbieter  abzuschliessen. 4.2.  Ihre Argumentation  ist  indessen bereits  in  sich widersprüchlich und  unlogisch: Krankenzusatzversicherungen werden  nicht  individuell  pro Versicherten,  sondern  für  eine  ganze  Tarifklasse  beziehungsweise  für  den  ganzen  Versichertenbestand  eines  Produkts  kalkuliert  (vgl.  FINMA­ Rundschreiben  2010/3  Krankenversicherung  nach  VVG).  Der  in  der  einzelnen  Prämie  enthaltene  Anteil  für  Risikoprämie  und  Gewinnmarge  hängt  daher  nicht  vom  erwarteten  Schadenaufwand  des  betroffenen  einzelnen  Versicherten,  sondern  vom  Durchschnitt  der  Tarifklasse  beziehungsweise  des  ganzen  Versichertenbestandes  ab.  Jeder  Versicherer  ist  daher  daran  interessiert,  neue Versicherte  zu  gewinnen,  die  vorteilhaftere  Risikomerkmale  aufweisen,  als  für  seine  Tarifklasse  veranschlagt  wurden,  weil  derartige  Neuzuzüge  die  Ertragsstruktur  verbessern. Bei Produkten mit altersmässig abgestuften,  risikogerechten  Tarifklassen stellt das Tarifmerkmal "Alter" kein wesentliches zusätzliches  Risikomerkmal  mehr  dar,  so  dass  auch  ältere  Personen  erwünschte  Versicherungsnehmer sein können. Andere  unvorteilhafte  Risikomerkmale,  wie  beispielsweise  gewisse  dauerhafte,  schwere  gesundheitliche  Probleme,  führen  zwar  versicherungsstatistisch  zu  einem  überdurchschnittlichen  Schadenaufwand,  sind  aber  weniger  geeignet,  als  Tarifmerkmale  verwendet  zu  werden.  Personen  mit  derartigen  unvorteilhaften  Risikomerkmalen  stellen  daher  versicherungsmathematisch  "schlechte  Risiken" dar, d.h. es ist aufgrund der statistischen Erfahrung zu erwarten,  dass  derartige  Versicherte  im  Vergleich  zum  Durchschnitt  ihrer  Tarifklasse  einen  überdurchschnittlichen  Schadenaufwand  verursachen  werden. Durch den Zuzug derartiger "schlechter Risiken" vermindert sich 

B­7407/2009 entsprechend  die Gewinnmarge  des Versicherers.  Je  ausgeprägter  das  unvorteilhafte  Risikomerkmal  ist,  desto  weniger  Raum  bleibt  für  die  kalkulierte  Gewinnmarge  des  Versicherers  und  desto  weniger  ist  er  an  einem  Vertragsabschluss  interessiert.  Bei  ernsthaften  gesundheitlichen  Problemen  ist es daher möglich und wirtschaftlich nachvollziehbar, dass  davon betroffene Personen allenfalls keinen Versicherer finden, der bereit  wäre,  mit  ihnen  einen  Krankenzusatzversicherungsvertrag  abzuschliessen  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  5P.97/2006  vom  1.  Juni  2006). Ist das unvorteilhafte Risikomerkmal eines Versicherungsnehmers derart  ausgeprägt,  dass  trotz  der  grossen  Anzahl  von  Anbietern  kein  anderer  Versicherer  bereit  ist,  ihm  in  Kenntnis  dieses  Merkmals  eine  vergleichbare  Krankenzusatzversicherung  anzubieten,  so  muss  daraus  zwingend  geschlossen  werden,  dass  nach  marktwirtschaftlicher  Kalkulation  im  Fall  dieses  Versicherungsnehmers  keine  relevante  Gewinnmarge möglich ist. Dies gilt natürlich auch für die Kalkulation des  bisherigen  Versicherers,  sofern  die  Prämie  des  bisherigen  Versicherungsvertrags  vergleichbar  ist.  Von  einer missbräuchlich  hohen  Prämie  des  bisherigen  Versicherers  kann  in  einem  derartigen  Fall  offensichtlich keine Rede sein. Die  pauschale  Behauptung  der  Beschwerdeführerin,  je  abhängiger  ein  Versicherter sei, d.h. je älter und je kränker, umso höher sei sein Beitrag  an  Gewinn  und  Verwaltungskosten  oder  an  eine  allfällige  sachfremde  Umverteilungskomponente  gegenüber  der  Grundversicherung,  ist  daher  bereits in sich widersprüchlich und unlogisch. 5.  Zusammenfassend  ergibt  sich  somit,  dass  die  Rügen  der  Beschwerdeführerin  unbegründet  sind  und  ihre  Beschwerde  daher  abzuweisen ist, soweit darauf eingetreten werden kann. 6.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  hat  die  Beschwerdeführerin  die  Verfahrenskosten  zu  tragen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Die  Spruchgebühr  richtet  sich  nach  Umfang  und  Schwierigkeit  der  Streitsache,  Art  der  Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien (Art. 63 Abs. 4bis Bst. b  VwVG und Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR  173.320.2]).  Bei  Streitigkeiten  mit  Vermögensinteresse  beträgt  die 

B­7407/2009 Gerichtsgebühr  bei  einem  Streitwert  zwischen  CHF  0.−  und  10'000.−  CHF  200.−  bis  5'000.−  (Art.  4  VGKE).  Im  vorliegenden  Fall  ist  der  nominale  Streitwert  zwar  sehr  gering.  Die  Frage  der  Einsicht  in  denjenigen  Teil  der  Vorakten,  bezüglich  derer  die  Beschwerdegegnerin  Geheimhaltungsinteressen  geltend  macht,  weist  dagegen  einen  hohen  wirtschaftlichen Wert auf. Die Gerichtsgebühr  ist daher auf CHF 3'000.−  festzulegen. 7.  Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei  von Amtes wegen oder auf Begehren eine Parteientschädigung für die ihr  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 2 VGKE). Bei diesem  Verfahrensausgang  stellt  sich  daher  lediglich  die  Frage,  ob  die  Beschwerdeführerin  der  Beschwerdegegnerin  eine  Parteientschädigung  auszurichten  hat.  Die  Parteientschädigung  umfasst  die  Kosten  der  Vertretung sowie allfällige weitere notwendige Auslagen der Partei (Art. 8  VGKE).  Die  Beschwerdegegnerin  war  im  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nicht  anwaltlich  vertreten  und  hat  auch  nicht  dargelegt,  inwiefern  der  Aufwand  durch  den  hauseigenen  Rechtsdienst  das  in  eigenen  Verfahren  normale  Ausmass  in  erheblichem  Ausmass  überstiegen  hätte.  Von  der  Zusprechung  einer  Parteientschädigung  ist  daher abzusehen. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Die Verfahrenskosten von CHF 3'000.− werden der Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  des  vorliegenden  Urteils  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  CHF  3'000.−  verrechnet. 3.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an:

B­7407/2009 – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Beschwerdegegnerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Gerichtsurkunde) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Eva Schneeberger M. Senn Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie die Beschwerdeführerin in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 12. Juli 2011

B-7407/2009 — Bundesverwaltungsgericht 07.07.2011 B-7407/2009 — Swissrulings