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Bundesverwaltungsgericht 30.01.2009 B-6177/2008

30 janvier 2009·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·761 mots·~4 min·3

Résumé

Öffentliches Beschaffungswesen | Beschaffungswesen (Beschaffung von Hörgeräten)

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II Postfach CH­3000 Bern 14 Telefon +41 (0)58 705 25 60 Fax +41 (0)58 705 29 80 www.bundesverwaltungsgericht.ch Geschäfts­Nr. B­6177/2008 Zw i s ch env erfü gung vom   3 0 .   J a nua r   2009 Besetzung Richter Marc Steiner, Gerichtsschreiber Martin Buchli. Beschwerdesache Parteien B­6177/2008 1. A._____,   2. B._____, 3. C._____,  4. D._____,    5. E._____,   6. F._____,   7. G._____,   8. H._____,   9. I._____,   10. J._____,   11. K._____,   alle vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur.  Thomas Eichenberger und Rechtsanwalt  Andreas Güngerich, Kellerhals Hess Rechtsanwälte,  Kapellenstrasse 14, Postfach 6916, 3001 Bern,  sowie B­6386/2008 12. L._____,    13. M._____,   14. N._____,    15. O._____,   16. P._____,    17. Q._____,    18. R._____,   alle vertreten durch Rechtsanwalt Hubert Rüedi und  Rechtsanwalt Christian Leupi,  Kaufmann Rüedi Rechtsanwälte, Löwenplatz,  Zürichstrasse 12, 6004 Luzern,  Beschwerdeführerinnen gegen Bundesamt für Sozialversicherungen BSV,  Effingerstrasse 20, 3003 Bern, vertreten durch Fürsprecher Dr. Wolfgang Straub, Deutsch, Wyss & Partner, und Dr. Fridolin Walther,  Walther Leuch Howald, Zustelladresse Deutsch, Wyss &  Partner, Effingerstrasse 17, Postfach 5960, 3001 Bern,  Vergabestelle Gegenstand Beschaffungswesen (Beschaffung von Hörgeräten /  Sistierung des Verfahrens)

B­6177/2008 Der Instruktionsrichter stellt fest und zieht in Erwägung: 1.  1.1 Mit  Zwischenverfügung  vom  20.  Januar  2009  ist  der  Antrag  der  Beschwerdeführerinnen 1­11 auf Sistierung des vorliegenden Verfahrens  zugunsten  des  vor  Bundesgericht  hängigen  Verfahrens  2C­19/2009   abgewiesen  worden,  soweit  er  die  Instruktion  des  Verfahrens  zum  Gegenstand  hat.  Dies  unter  Hinweis  auf  das  in  Vergabesachen  nach  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  geltende  qualifizierte  Beschleunigungsgebot.  Auf  die  entsprechenden  Feststellungen  und  Erwägungen wird im Folgenden Bezug genommen. 1.2 In  Ziffer  3  des  Dispositivs  vom  20.  Januar  2009  ist  festgehalten  worden, dass der Entscheid über die Sistierung unmittelbar vor Ergehen  des  Endentscheides  mit  separater  Verfügung  getroffen  wird.  Dieser  ist  Gegenstand der vorliegenden Anordnung. 2.  2.1 Die  Beschwerdeführerinnen  1­11  führen  zur  Begründung  ihres  Sistierungsantrages aus, es bestehe die Gefahr, dass der Endentscheid  in Missachtung des rechtlichen Gehörs ergehen könnte, das heisst ohne  dass  ihnen  zuvor  Einsicht  in  die  insbesondere  vor  Bundesgericht  Streitgegenstand bildenden  internen Parteimemoranden gewährt worden  wäre.

B­6177/2008 2.2 Der  dieser  Argumentation  zugrunde  liegenden  Rechtsauffassung  kann  von  vornherein  nicht  gefolgt  werden,  sofern  die  Beschwerdeführerinnen  in  der  Hauptsache  mit  ihren  Begehren  durchdringen. Das Bundesgericht hat hierzu ausgeführt, der Anspruch auf  rechtliches  Gehör  stehe  jedem  Betroffenen  zu,  bevor  ein  Entscheid  zu  seinen Ungunsten getroffen werde ("avant qu'une décision ne soit prise à  son détriment"; BGE 122 I 109 E. 2a). Entsprechend sieht Art. 30 Abs. 2  Bst.  c  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021)  vor,  dass  die  Behörde  Parteien  nicht  anzuhören  braucht  vor  Verfügungen,  in  denen  die  Behörde  den  Begehren  der  Parteien  voll  entspricht  (vgl.  dazu  PATRICK  SUTTER,  in:  Auer/Müller/Schindler  (Hrsg.),  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich  2008,  Rz.  25  zu  Art.  30  VwVG).  Folgerichtig knüpft auch die Definition der formellen Natur des rechtlichen  Gehörs  an  diese  Prämisse  an.  Diese  lautet  wie  folgt:  "Eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  zieht  prozessuale  Wirkungen  nach  sich,  selbst  wenn  praktisch  keine  Aussicht  darauf  besteht,  dass  die  Behörde  unter  Beachtung der Garantie zu einer anderen Entscheidung gelangt." (MICHELE  ALBERTINI,  Der  verfassungsmässige  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  im  Verwaltungsverfahren  des  modernen  Staates,  Bern  2000,  S.  449  mit  zahlreichen  Hinweisen  auf  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung).  Dieser  Gedanke  setzt  aber  wiederum  begriffsnotwendig  voraus,  dass  eine zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids  führende Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  nur  vorstellbar  ist,  wenn  zuungunsten  des  Betroffenen entschieden wird. 2.3 Würde  im vorliegenden Verfahren  in der Hauptsache zugunsten der  Beschwerdeführerinnen  entschieden,  könnten  diese  dennoch  als  teilweise unterliegend betrachtet werden (vgl. Art. 63 Abs. 1 und Art. 64  Abs.  1  VwVG),  etwa  soweit  es  den  mit  Verfügung  vom  18.  November  2008 abgewiesenen Antrag betrifft, der Vergabestelle sei die Anzahl der  eingegangenen Teilnahmeanträge bzw. Postsendungen nicht mitzuteilen.  Dieselbe Frage könnte sich auch in Bezug auf das mit Verfügung vom 4.  Dezember  2008  abgewiesene  Akteneinsichtsgesuch  stellen.  Um  hier  einen  allfälligen  Widerspruch  zu  einer  Gutheissung  des  Akteneinsichtsgesuchs  durch  das  Bundesgericht  zu  vermeiden,  liesse  sich  der  Kostenpunkt  ohne  weiteres  vom  Entscheid  in  der  Hauptsache  abtrennen. Auch damit könnte eine Sistierung demnach nicht begründet  werden. 2.4 Sollten  die  Beschwerdeführerinnen  im  Hauptverfahren  unterliegen,  könnte  dies,  sofern  sich  die Beschwerde  gegen  die  Zwischenverfügung  vom  4.  Dezember  2008  (Verfahren  2C­19/2009  vor  Bundesgericht)  als 

B­6177/2008 begründet  erweist,  tatsächlich  dazu  führen,  dass  sich  das  Bundesverwaltungsgericht in Widerspruch setzt zum Prinzip der formellen  Natur des rechtlichen Gehörs.  Indessen hat das Bundesgericht  im Urteil  2C.599/2007  vom  5.  Dezember  2007,  E.  2.2,  festgestellt,  dass  eine  Beschränkung  der  Akteneinsicht,  wie  jede  andere  Verweigerung  des  rechtlichen  Gehörs,  auch  noch  bei  der  Anfechtung  des  Endentscheids  gerügt werden kann. Insoweit ist die Ausgangslage zu unterscheiden vom  Rechtszustand  nach  einem  Zwischenentscheid,  mit  welchem  die  Akteneinsicht  gewährt  wird,  was  einen  nicht  wieder  gutzumachenden  Nachteil bedeuten kann. Darüber hinaus  ist mit Zwischenverfügung vom  4.  Dezember  2008  (E.  5)  festgestellt  worden,  dass  sich  die  Parteimemoranden  zu  Rechtsfragen  äussern  und  nicht  der  Sachverhaltsfeststellung  im Sinne von Art. 12 VwVG dienen, dass  ihnen  also  kein  Beweiswert  zukommt.  Folgerichtig  wird  sich  auch  die  Begründung  des  Endentscheides  in  keiner  Weise  auf  die  strittigen  Dokumente  beziehen,  welche  der  Vergabestelle  mit  Verfügung  vom  4.  Dezember  2008  zurückgeschickt worden  sind. Auch  deshalb  erweist  es  sich  als  sachgerecht,  dem  qualifizierten  Beschleunigungsgebot  in  dem  Sinne den Vorrang zu geben, dass die Spedition des Endentscheids nicht  verhindert wird. 3.  Die  Ablehnung  eines  Sistierungsantrages  durch  Zwischenverfügung  hat  zur  Folge,  dass  das  Verfahren  fortgesetzt  wird.  Dabei  ist  es  für  die  Verfahrensfortsetzung  nicht  erforderlich,  dass  die  entsprechende  Zwischenverfügung  in  Rechtskraft  erwächst.  Die  Ablehnung  eines  Sistierungsantrages  bedarf  auch  keiner  Vollstreckung  (vgl.  zur  Vollstreckungsbedürftigkeit  von  negativen  Verfügungen  THOMAS  GÄCHTER/PHILIPP  EGLI,  in:  Auer/Müller/Schindler  (Hrsg.),  Kommentar  zum  Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, Rz.  14 zu Art. 39). Es wäre deshalb an sich zulässig, unmittelbar nach Erlass  der vorliegenden Zwischenverfügung  in der Hauptsache zu entscheiden.  Durch ein solches Vorgehen würde den Beschwerdeführerinnen indes die  Möglichkeit  genommen  werden,  gegen  die  Anordnung  betreffend  ihr  Sistierungsgesuch  vor  Bundesgericht  vorzugehen.  Jedoch  erscheint  es  auch  nicht  sachgerecht,  die  ganze  Anfechtungsfrist  abzuwarten,  zumal  damit  die  vorliegende Verfügung  ihrer Wirkung  beraubt würde. Dies  gilt  umso  mehr,  als  im  Lichte  des  Entscheids  2C.559/2008  vom  17.  Dezember  2008,  E.  1.2  (mit  Hinweis  auf  BGE  134  II  192  E.  1.3),  zweifelhaft  erscheint,  ob  mit  der  vorliegenden  Verfügung  eine  Rechtsfrage  von  grundsätzlicher Bedeutung  im Sinne  von Art.  83 Bst.  f  Ziff.  2  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (BGG,  SR 

B­6177/2008 173.110)  aufgeworfen wird. Es  ist  auch  zu  beachten,  dass  gemäss Art.  100 Abs. 1 BGG die Beschwerde gegen einen Entscheid innert 30 Tagen  nach  der  Eröffnung  der  vollständigen  Ausfertigung  beim  Bundesgericht  einzureichen ist. Diese Regelung ist für das Vergaberecht insofern kurios,  als die Anfechtungsfrist für Zwischenentscheide vor Bundesgericht länger  ist  als  die  für  die  Beschwerde  an  das  Verwaltungsgericht  geltende  20­ tägige  Frist  gemäss  Art.  30  BoeB  (dazu  de  lege  ferenda  kritisch  MARC  STEINER, Das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht in Vergabesachen,  in: Der Weg zum Recht, Festschrift  für Alfred Bühler, Zürich et al. 2008,  S.  405  ff.,  insb.  S.  427).  Demnach  ist  den  Beschwerdeführerinnen  bis  zum  6.  Februar  2009  Gelegenheit  zu  geben,  sich  mit  Anträgen  auf  sofortige  Anordnung  betreffend  die  Sistierung  des  vorliegenden  Verfahrens im Sinne von Art. 104 BGG an das Bundesgericht zu wenden.  Solange  ist  die  Eröffnung  des  Endentscheids  aufzuschieben  (vgl.  zum  Ganzen  die  Zwischenverfügung  vom  18.  November  2008,  E.  3.5).  Gelangen  die  Beschwerdeführerinnen  innert  dieser  Frist  nicht  (mit  entsprechender  Anzeige  an  das  Bundesverwaltungsgericht,  vorab  per  Fax) an das Bundesgericht, steht der Eröffnung des Endentscheids nichts  mehr entgegen. 4.  Die  Kosten  der  vorliegenden  Zwischenverfügung  sind  mit  dem  Endentscheid zu verlegen. Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Sistierungsgesuch der Beschwerdeführerinnen 1­11 vom 13. Januar  2009 wird,  soweit  es  nicht  bereits mit  Verfügung  vom  20.  Januar  2009  beurteilt worden ist, abgewiesen. 2. Die  Eröffnung  des  Endentscheids  wird  bis  zum  6.  Februar  2009  aufgeschoben. 3. Über die Kosten dieses Zwischenentscheids wird mit dem Endentscheid  befunden. 4. Diese Verfügung geht an:

B­6177/2008 ­ die  Beschwerdeführerinnen  1­11  (Rechtsvertreter;  Einschreiben  mit  Rückschein, vorab per Fax) ­ die  Beschwerdeführerinnen  12­18  (Rechtsvertreter;  Einschreiben  mit  Rückschein, vorab per Fax) ­ die  Vergabestelle  (Rechtsvertreter;  Einschreiben  mit  Rückschein,  vorab per Fax) ­ das Bundesgericht (II. öffentlich­rechtliche Abteilung; Ref. 2C­19/2009;  zur Kenntnis, vorab per Fax) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der Instruktionsrichter:  Der Gerichtsschreiber: Marc Steiner  Martin Buchli Rechtsmittelbelehrung: Dieser  Zwischenentscheid  kann,  soweit  davon  auszugehen  ist,  dass  er  einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (Art. 93 Abs.  1 BGG) und dass sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung  stellt  (Art.  83  Bst.  f  Ziff.  2  BGG),  gemäss  Art.  100  Abs.  1  BGG  innert  dreissig  Tagen  seit  Eröffnung  beim  Schweizerischen  Bundesgericht  in  Lausanne angefochten werden. Versand: 30. Januar 2009

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