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Bundesverwaltungsgericht 14.12.2011 B-4201/2011

14 décembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,558 mots·~8 min·2

Résumé

Kartelle | Vorsorgliche Massnahmen in der Untersuchung 32-0224 gegen The Swatch Group AG

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II B­4201/2011 Urteil   v om   1 4 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Stephan Breitenmoser (Vorsitz), Bernard Maitre und Maria Amgwerd; Gerichtsschreiberin Katharina Walder Salamin. Parteien P._______, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Christoph Neeracher /  Rechtsanwalt Dr. Mani Reinert, Bär & Karrer AG,  Brandschenkestr. 90, 8027 Zürich, Beschwerdeführerin,  gegen The Swatch Group AG, Seevorstadt 6, 2501 Biel/Bienne, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. LL.M. Christian Wind  und Rechtsanwältin Prof. Dr. iur. Isabelle Häner, bratschi,  wiederkehr & buob, Bahnhofstrasse 70, Postfach 1130,  8021 Zürich, Beschwerdegegnerin,  Wettbewerbskommission WEKO,  Monbijoustrasse 43, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Vorsorgliche Massnahmen in der Untersuchung 32­0224  gegen The Swatch Group AG.

B­4201/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Vorinstanz  am  6.  Juni  2011  gestützt  auf  Art.  27  des  Kartellgesetzes vom 6. Oktober 1995 (KG, SR 251) die Untersuchung 32­ 0224 betreffend Swatch Lieferstopp wegen möglicherweise unzulässiger  Verhaltensweise  marktbeherrschender  Unternehmen  gemäss  Art.  7  KG  eröffnet hat (vgl. Medienmitteilung der Vorinstanz vom 8. Juni 2011); dass  sie  mit  Verfügung  vom  6.  Juni  2011  für  den  Zeitraum  dieser  Untersuchung  vorsorgliche  Massnahmen  angeordnet  und  die  Verpflichtungserklärung  der  Beschwerdegegnerin  vom  26.  Mai  2011  genehmigt hat  (Dispositiv Ziff.  1), welche die Lieferungen mechanischer  Uhrwerke  (Mouvements)  und  Assortiments  während  der  Untersuchung  regelt sowie den Umfang der Lieferreduktion für das Jahr 2012 festlegt; dass die Vorinstanz in Ziff. 2 des Dispositivs der Verfügung festgehalten  hat, diese Genehmigung gelte ab dem 6. Juni 2011 bis am 31. Dezember  2012,  verkürze  sich  aber  mit  der  Rechtskraft  einer  anderslautenden  Verfügung der Vorinstanz; dass  nach  Ziff.  3  des  Dispositivs  Zuwiderhandlungen  gegen  diese  Verfügung mit Sanktionen gemäss Art. 50 oder 54 KG belegt werden; dass die Vorinstanz einer allfälligen Beschwerde gegen Ziff. 1 und 2 des  Dispositivs die aufschiebende Wirkung entzogen hat (Dispositiv Ziff. 4); dass  die  Vorinstanz  die  Verfügung  der  Beschwerdegegnerin  eröffnet  (Dispositiv  Ziff.   6)  und  am  23. Juni  2011  auf  ihrer  Homepage  veröffentlicht hat; dass die Beschwerdeführerin  die Verfügung der Vorinstanz  vom 6.  Juni  2011 mit Beschwerde vom 25. Juli 2011 beim Bundesverwaltungsgericht  anficht  und  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolgen  zu  Lasten  des  Bundes im Hauptbegehren beantragt, "Ziff. 1 des Dispositivs der Verfügung sei aufzuheben und wie folgt zu fassen: '1. ETA liefert während der gesamten Dauer der Untersuchung mechanische  Uhrwerke an die Beschwerdeführerin. Der Umfang der Lieferungen  ist nicht  begrenzt.

B­4201/2011 2.  Nivarox  liefert  während  der  gesamten  Dauer  der  Untersuchung  mechanische  Uhrwerke  an  die  Beschwerdeführerin.  Der  Umfang  der  Lieferungen ist nicht begrenzt. 3.  ETA  und  Nivarox  dürfen  die  Beschwerdeführerin  gegenüber  anderen  Kunden  (insbesondere  auch  gegenüber  Tochtergesellschaften  von  The  Swatch Group AG) nicht diskriminieren.  4.  Im  Hinblick  auf  die  Lieferbedingungen  von  ETA  und  Nivarox  gilt  Folgendes:  a) Die am 23. Juni 2011 bestehenden Preise sind als kostendeckend und mit  einer marktüblichen Marge versehen zu betrachten. ETA und Nivarox sind berechtigt,  die heute bestehenden Preise  für  jeweils  Ende  Jahr  im  Rahmen  der  Steigerung  des  Landesindexes  für  Konsumentenpreise des Bundesamtes für Statistik zu erhöhen.  Darüber hinausgehende Preiserhöhungen sind vor deren Durchsetzung dem  Sekretariat  der WEKO zu melden und  von diesem – nach Anhörung eines  vom  Sekretariat  der  WEKO  zu  bestimmenden,  neutralen  Experten  –abschliessend zu genehmigen. b)  ETA  und  Nivarox  werden  mit  der  Beschwerdeführerin  individuell  eine  Mengenplanung  vornehmen  (Jahresplanung  und  gestützt  darauf  eine  rollende  4­Monats­Planung).  Die  in  der  Planung  festgelegten  Mengen  und  Fristen sind für die Vertragsparteien verbindlich.  c)  ETA  und  Nivarox  dürfen  die  Beschwerdeführerin  gegenüber  anderen  Abnehmern  (insbesondere  auch  gegenüber  Tochtergesellschaften  von  The  Swatch  Group  AG)  nicht  diskriminieren  oder  unangemessene  Geschäftsbedingungen  verlangen  (wie  z.B.  die  Einreichung  von Plänen  für  bestellte Assortiments).  d)  Werden  die  bestellten  Produkte  nicht  innert  der  vereinbarten  Zahlungsfristen  bezahlt,  dürfen  ETA  und  Nivarox  weitere  Lieferungen  zurückbehalten,  bis  die  betreffenden  fälligen  Forderungen,  welche  vom  Zahlungsverzug betroffen sind, bezahlt sind.  e) ETA und Nivarox  sind berechtigt,  ihre  Lieferungen an die Bedingung  zu  knüpfen,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  schriftliche  Erklärung  abgibt,  wonach  die  Beschwerdeführerin  ausschliesslich  solche  Abnehmer  mit  mechanischen  Uhrwerken  und  Assortiments  beliefert,  welche  ihrerseits  die  schriftliche  Erklärung  abgegeben  haben,  wonach  sie  die  mechanischen  Uhrwerke bzw. Assortiments nicht zu Fälschungszwecken missbrauchen.  Das Recht  von ETA und Nivarox,  von der Beschwerdeführerin  eine  solche  Erklärung einzuholen, ist an die Bedingung geknüpft, dass ETA und Nivarox 

B­4201/2011 ihrerseits eine derartige Erklärung gemäss Ziff. 6 Bst. e Abs. 1 zuhanden des  Sekretariats der WEKO abgeben.  ETA und Nivarox  sind  jedoch nicht  berechtigt,  von der Beschwerdeführerin  die Herausgabe der ihrerseits von ihren Abnehmern eingeholten Erklärungen  oder die Offenlegung der Namen dieser Abnehmer zu verlangen.'  1.2.  Ziff.  2  des Dispositivs  der  Verfügung  sei  aufzuheben  und wie  folgt  zu  fassen: '2. Ziff. 1 gilt ab dem 6. Juni 2011 bis zum Abschluss der Untersuchung.' ";  dass  die  Beschwerdeführerin  eventualiter  beantragt,  der  Umfang  der  Lieferungen  von  ETA  und  Nivarox  gemäss  Ziff.  1  und  2  ihres  Hauptbegehrens habe mindestens der Liefermenge des Jahres 2010 zu  entsprechen; dass die Beschwerdeführerin subeventualiter beantragt,  "3.1  Es  sei  festzustellen,  dass  Ziff.  1  Unterziffer  7  des  Dispositivs  der  Verfügung nichtig sei, und die Ziff. 1 Unterziffer 6 Bst. e) des Dispositivs sei  aufzuheben und wie folgt zu fassen: 'e)  ETA  und  Nivarox  können  die  weitere  Reduktion  von  Lieferungen  eines  Kunden  bei  der  WEKO  beantragen,  wenn  ihre  Produkte  nachgewiesenermassen  in  Fälschungen  eingebaut  werden  und  dies  direkt  auf  eine Sorgfaltspflichtverletzung des Kunden  zurückgeführt werden  kann.  Eine  solche  liegt  nicht  vor,  wenn  der  Kunde  sämtliche  in  seinem  Einflussbereich  stehenden,  zumutbaren  Vorsichtsmassnahmen  ergreift,  um  den Einbau von Fälschungen zu verhindern.' 3.2  Es  sei  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  unter  Ziff.  1  Unterziffer 2 des Dispositivs der Verfügung fällt. Alles unter Kosten­ und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Bundes."; dass die Beschwerdeführerin zu  ihrer Beschwerdebefugnis vorbringt, sie  gehöre seit Jahrzehnten zu den Abnehmerinnen von ETA­Uhrwerken und  Nivarox­Assortiments  und  sei  in  Ausübung  ihrer  Geschäftstätigkeit  unbedingt auf die Belieferung durch ETA – und erst recht durch Nivarox  –angewiesen,  weshalb  sie  als  Marktteilnehmerin  nach  bundesgerichtlicher  Praxis  zur  Konkurrentenbeschwerde  von  den  vorsorglichen Massnahmen  direkt  betroffen  sei  und  ein  schutzwürdiges  Interesse am Ausgang des Massnahmeverfahrens habe;

B­4201/2011 dass sie zum räumlich relevanten Markt ausführt, aus Marketinggründen  komme  für  sie  die  Verwendung  ausländischer  Komponenten  für  eine  "swiss­made"­Uhr  nicht  in  Frage,  und  dass  zur  marktbeherrschenden  Stellung der Beschwerdegegnerin festzuhalten sei, dass neu eintretende  Unternehmen aufgrund der hohen Kosten bei geringen Stückzahlen nicht  konkurrenzfähig wären, andererseits Nivarox von grossen Skaleneffekten  (über  5  Mio.  Einheiten/Jahr)  profitiere  und  über  einen  einzigartigen  technologischen und kommerziellen Vorsprung verfüge, und frühestens in  20 Jahren  mit  einer  wirtschaftlichen  Alternative  zu  Nivarox  zu  rechnen  sei; dass  vor  Ablauf  von  10  Jahren  auch  nicht  mit  einer  wirtschaftlichen  Alternative zu ETA zu rechnen sei und es keine wirtschaftliche Alternative  zu den Produkten von ETA gebe; dass  die  geplante  Lieferreduktion  den  Output  der  Beschwerdeführerin  deutlich reduziere, weil sich durch die Reduktion der Assortiments um 5%  eine  Kumulation  der  Lieferreduktion  von  20­35%  ergebe,  und  mit  der  Lieferreduktion  gegenüber  X._______,  dem  einzigen  unabhängigen  Hersteller  von  Standard­Ebauches,  diesem  auch  verunmöglicht  werde,  die Versorgungslücke zu füllen; dass  der  Beschwerdeführerin  im  Jahr  2012  durch  die  geplanten  Lieferreduktionen  Einnahmen  in  Millionenhöhe  entgingen,  aus  welchen  Marktanteilsverluste  entstünden,  die  auch  durch  den  Hauptentscheid  nicht mehr wiedergutgemacht werden könnten; dass  die  Beschwerdeführerin  gerade  im  derzeitigen  Umfeld  des  Wachstums dringend darauf angewiesen wäre, ihre Umsätze steigern zu  können, um Geld für Investitionen in Innovationen zu generieren, weshalb  keineswegs  behauptet  werden  könne,  die  Lieferplafonierungen  und  Lieferbeschränkungen stellten keine Wettbewerbsbehinderung dar;  dass die Lieferbeschränkungen der Beschwerdegegnerin den wirksamen  Wettbewerb  beseitigen würden, wodurch  die Beschwerdegegnerin  ihren  Marktanteil um mindestens 15% steigern könne; dass  die  Lieferbeschränkung  eine  völlig  untaugliche  und  unverhältnismässige  Massnahme  zur  Fälschungsbekämpfung  darstelle  und  es  sich  dabei  um  eine  reine  Schutzbehauptung  der  Beschwerdegegnerin handle;

B­4201/2011 dass das Ziel vorsorglicher Massnahmen, nämlich die Wirksamkeit einer  erst später zu treffenden definitiven Anordnung sicherzustellen, nur dann  erreicht werden könne, wenn die Beschwerdegegnerin verpflichtet werde,  die  Beschwerdeführerin  bis  zum  Hauptentscheid  unbeschränkt  zu  beliefern; dass  die  Vorinstanz  mit  Vernehmlassung  vom  1.  September  2011  die  Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen beantragt; dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  6.  September  2011  den  Antrag  der  Beschwerdeführerin  auf  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  und  den  Erlass  vorsorglicher Massnahmen abgewiesen hat; dass  die  Beschwerdegegnerin  mit  Beschwerdeantwort  vom  12.  September 2011 unter Kosten­ und Entschädigungsfolgen beantragt, auf  die  Anträge  der  Beschwerdeführerin  sei  nicht  einzutreten,  eventualiter  seien  diese  abzuweisen  und  die  angefochtene  Verfügung  sei  zu  bestätigen; dass  die  Vorinstanz  mit  Schreiben  vom  7.  Oktober  2011  auf  eine  Stellungnahme zur Beschwerdeantwort verzichtet und ergänzend festhält,  die  Beschwerdegegnerin  äussere  sich  in  ihrer  Beschwerdeantwort  ausführlich  zu materiellen und  rechtlichen Punkten,  die Gegenstand der  laufenden  Untersuchung  der  WEKO  gegen  die  Beschwerdegegnerin  seien  und  zu  denen  sie  während  der  laufenden  Untersuchung  keine  weiteren  Ausführungen  mache,  woraus  aber  keinesfalls  abgeleitet  werden könne, die WEKO teile die Auffassung der Beschwerdegegnerin; dass die Beschwerdegegnerin mit Stellungnahme vom 10. Oktober 2011  zur Vernehmlassung der Vorinstanz an ihren Anträgen festhält; dass  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer  abschliessenden  Stellungnahme  vom  31.  Oktober  2011  an  ihren  Anträgen  zur  Sache  (Hauptbegehren,  Eventualbegehren, Subeventualbegehren) festhält; dass  die  Vorinstanz  mit  Schreiben  vom  28.  Oktober  2011  ihre  Feststellungen vom 7. Oktober 2011 betreffend Äusserungen im Rahmen  der  vorsorglichen  Massnahmen  zu  materiellen  Fragen,  welche  Gegenstand  der  laufenden  Untersuchungen  seien,  wiederholt  und  festhält,  dass  es  sich  bei  den  diesbezüglichen  Ausführungen  um  reine 

B­4201/2011 Parteibehauptungen  handeln  würde,  zu  welchen  sie  während  der  laufenden Untersuchung nicht Stellung nehme; dass die Beschwerdegegnerin am 31. Oktober 2011 auf das Einreichen  einer weiteren Stellungnahme verzichtete, und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  gestützt  auf  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021) beurteilt und es sich bei der angefochtenen Verfügung um eine  Zwischenverfügung im Sinne von Art. 5 Abs. 2 VwVG handelt; dass  die  Wettbewerbskommission  gemäss  Art.  33  Bst.  f  VGG  eine  Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts ist und sich das Verfahren vor  dem Bundesverwaltungsgericht  nach  dem Verwaltungsverfahrensgesetz  richtet,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37 VGG); dass  gemäss  Art.  46  Abs.  1  Bst.  a  VwVG  gegen  eine  selbständig  eröffnete  Zwischenverfügung,  welche  nicht  die  Zuständigkeit  oder  den  Ausstand betrifft (Art. 45 VwVG), Beschwerde geführt werden kann, wenn  diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken kann; dass  hierfür  praxisgemäss  ein  tatsächlicher  Nachteil  sowie  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  der  sofortigen  Aufhebung  oder  Änderung  der  Zwischenverfügung  ausreicht  und  dieses  Interesse  auch  wirtschaftlicher Natur sein kann, soweit es der Beschwerdeführerin nicht  einzig darum geht, eine Verlängerung oder Verteuerung des Verfahrens  zu  verhindern  (vgl.  Beschwerdeentscheid  der  Rekurskommission  für  Wettbewerbsfragen vom 14. Juni 2004 in Sachen U. gegen S. AG, A. AG  und  Wettbewerbskommission  betreffend  vorsorgliche  Massnahmen,  publiziert  in:  Recht  und  Politik  des  Wettbewerbs  [RPW],  Bern,  2004/3  859,  E.  1.3;  ISABELLE  HÄNER,  Vorsorgliche  Massnahmen  im  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsprozess,  ZSR  1997  II,  S.  379  f.  m.w.H.),  und  dass  dieser  Nachteil  aufgrund  der  Aktenlage  lediglich  glaubhaft sein muss; dass  die  Beschwerdeführerin  glaubhaft  darlegt,  sie  erleide  durch  die  Lieferplafonierung  im  Jahr  2011  und  die  Lieferreduktion  im  Jahr  2012 

B­4201/2011 Umsatzeinbussen  und  damit  einen  nicht  mehr  wiedergutzumachenden  Nachteil; dass  sie  als  Kundin  der  Beschwerdegegnerin  von  der  angefochtenen  Verfügung berührt ist, ein aktuelles und schutzwürdiges Interesse an der  Aufhebung  oder  Änderung  der  Verfügung  hat  und  damit  auch  als  Nichtadressatin  der  Verfügung  –  obwohl  sie  am  vorinstanzlichen  Verfahren  nicht  teilgenommen  hat  –  beschwerdelegitimiert  ist  (Art.  48  Abs. 1 VwVG; vgl. BGE 130 II 149, E. 1.1); dass die angefochtene Verfügung der Beschwerdeführerin nicht schriftlich  eröffnet wurde und sie diese  frühestens mit  deren Aufschaltung auf der  Homepage der Vorinstanz am 23. Juni 2011 zur Kenntnis genommen hat; dass  die  Beschwerdefrist  30  Tage  beträgt  und  diese  Frist  in  Verfahren  betreffend aufschiebende Wirkung und andere vorsorgliche Massnahmen  nicht  stillsteht  (Art.  22a Abs.  2  und Art.  50 Abs.  1 VwVG), weshalb  die  Beschwerde vom 25. Juli 2011 rechtzeitig eingereicht worden ist; dass auch die Formerfordernisse von Art. 52 VwVG erfüllt sind und damit  auf die Beschwerde einzutreten ist; dass  gemäss  Praxis  und  Lehre  im  Verfahren  einer  kartellrechtlichen  Untersuchung  nach  Art.  27  KG  von  Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  einer  Partei  analog  zu  Art.  56  VwVG  vorsorgliche  Massnahmen  angeordnet  werden  können,  um  den  bestehenden  Zustand  zu  erhalten  oder bedrohte  Interessen einstweilen sicherzustellen, und dass über die  Anordnung  vorsorglicher  Massnahmen  im  summarischen  Verfahren  entschieden wird (vgl. BGE 130 II 149, E. 2.1; 130 II 521, E. 2, m.w.H.); dass  solche  vorsorglichen  Massnahmen,  die  vor  Anordnung  einer  Verfügung  ergehen,  darauf  abzielen,  die  Wirksamkeit  der  kartellrechtlichen  Untersuchung  und  einer  allfälligen  Verfügung  sicherzustellen,  und  dass  mit  sichernden  Vorkehren  der  bestehende  tatsächliche  oder  rechtliche  Zustand  einstweilen  unverändert  erhalten  werden soll, während mit gestaltenden Massnahmen ein Rechtsverhältnis  provisorisch  geschaffen  oder  einstweilen  neu  geregelt  werden  soll  (vgl.  BGE 130 II 149, E. 2.2; RPW 2004/3 859, E.4); dass die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 49 Bst. a­c VwVG mit der  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder 

B­4201/2011 unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit der Verfügung rügen kann; dass  die  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid  die  vier  Erfordernisse  für  den  Erlass  vorsorglicher  Massnahmen  während  des  Untersuchungsverfahrens (vgl. BGE 130 II 149, E. 2.2; RPW 2004/3 859,  E. 4, m.w.H.) geprüft hat und zum Schluss gekommen ist, dass davon die  günstige  Entscheidprognose,  der  nicht  leicht  wiedergutzumachende  Nachteil  und  die  zeitliche  Dringlichkeit  vorliegen  und  die  Beschwerdeführerin  diese  Voraussetzungen  in  ihrer  Beschwerde  auch  nicht bestreitet; dass  die  Beschwerdeführerin  einzig  das  vierte  Erfordernis  der  Verhältnismässigkeit  der  vorsorglichen  Massnahmen  bestreitet  und  zu  deren  Unangemessenheit  vorbringt,  die  in  den  Ziff.  1  und  2  der  Vereinbarung  festgelegten  Liefermengen  würden  unter  ihrem  effektiven  Bedarf  liegen  und  sie  in  der  Produktion  einschränken  sowie  die  Beschwerdegegnerin im Wettbewerb bevorteilen; dass  die  Beschwerdegegnerin  demgegenüber  vorbringt,  die  Beschwerdeführerin  könne  keine  unbeschränkte  Lieferpflicht  verlangen,  da im vorsorglichen Verfahren nicht mehr beantragt werden könne, als im  Untersuchungsverfahren  zu  erreichen  sei,  und  die  mechanischen  Uhrwerke  von  ETA,  welche  die  Beschwerdeführerin  beziehe,  im  Jahr  2011  nicht  und  im  Jahr  2012  lediglich  in  geringem  Masse  reduziert  würden,  was  bedeute,  dass  die  Beschwerdeführerin  diese  geringfügige  Reduktion  zumindest  kurzfristig  aus  ihren  Lagerbeständen  überbrücken  könne; dass  im  Kartellrecht  unzulässige Wettbewerbsbeschränkungen  auf  dem  zivilrechtlichen­  und  dem  verwaltungsrechtlichen  Weg  verfolgt  werden  können und wegen der Parallelität dieser Verfahrenswege der öffentlich­ rechtliche  Weg  primär  darauf  ausgerichtet  ist,  einen  funktionierenden  Wettbewerb  sicherzustellen,  woraus  folgt,  dass  vorsorgliche  Massnahmen  vorab dann anzuordnen  sind, wenn dies  dem Schutz  des  wirksamen  Wettbewerbs  dient  (vgl.  BGE  130  II  149,  E.  2.4),  dass  die  Beschwerdeführerin  aber  auf  diesem  Weg  keine  unbeschränkte  Lieferpflicht der Beschwerdegegnerin durchsetzen kann; dass die Beschwerdeführerin sich im Wesentlichen auf Ausführungen zur  marktbeherrschenden  Stellung  der  Beschwerdegegnerin  und  deren 

B­4201/2011 weiterer Stärkung  im Wettbewerb  beschränkt, mit  dem Hinweis  auf  ihre  Produktionsausfälle  und  voraussichtlichen  Gewinneinbussen  aber  nicht  darzulegen vermag, dass durch die von der Vorinstanz  im vorsorglichen  Verfahren  genehmigten  Liefermengen  die  Gefahr  gravierender  und  irreversibler Strukturveränderungen ausginge; dass  die  Beschwerdeführerin  in  ihren  Ausführungen  nicht  glaubhaft  macht,  durch  die  vorsorglichen  Massnahmen  sei  der  wirksame  Wettbewerb  bedroht,  sondern  vielmehr  ihre  Ansichten  und  Einschätzungen  zu  materiellen  kartellrechtlichen  Fragen  vorbringt,  die  durch  die  Vorinstanz  in  der  Untersuchung  zu  prüfen,  nicht  aber  im  Beschwerdeverfahren  gegen  die  vorsorglichen  Massnahmen  zu  hören  sind,  da  sie  die  Untersuchung  und  deren  abschliessende  Verfügung  präjudizieren können (vgl. RPW 2004/3 859, E. 4.6 f., m.w.H.); dass  die  von  der  Vorinstanz  genehmigte  Vereinbarung  demgegenüber  den  Abnehmerinnen  von  ETA  und  Nivarox,  zu  welchen  die  Beschwerdeführerin  gehört,  während  der  Untersuchung  eine  im  Voraus  bestimmbare Liefermenge sicherstellt (nämlich eine unveränderte Anzahl  mechanischer  Uhrwerke  und  Assortiments  für  das  Jahr  2011  auf  der  Basis  der  Bestellmengen  2010,  eine  auf  85%  reduzierte  Anzahl  mechanischer  Uhrwerke  [beim  Einbau  in  eigene  Uhren]  bzw.  eine  auf  70%  reduzierte  Anzahl  mechanischer  Uhrwerke  [für  Kunden,  die  eine  eigene Werkproduktion haben und keine eigenen Fertiguhren anbieten],  und  eine  auf  95%  der  Bestellmengen  2010  reduzierte  Anzahl  Assortiments  für  das  Jahr  2012)  und  damit  als  geeignete  und  erforderliche  Massnahme  zum  Schutz  des  Wettbewerbs  während  der  Untersuchung anzusehen ist; dass  diese  vorsorgliche  Massnahme  bis  zum  Abschluss  der  wettbewerbsrechtlichen  Untersuchung  oder  maximal  bis  zum  31.  Dezember  2012  gilt  und  damit  auch  zeitlich  nicht  als  unangemessen  erscheint  und  zudem  jederzeit  bei  veränderten  Verhältnissen  von  der  Vorinstanz abgeändert werden kann; dass  die  Beschwerdeführerin  im  Verfahren  betreffend  die  vorsorglichen  Massnahmen  nicht  mehr  verlangen  kann,  als  die  angefochtene  Verfügung  regelt,  und  ihre  weitergehenden  Anträge  damit  abzuweisen  sind;

B­4201/2011 dass  bei  diesem  Verfahrensausgang  die  Verfahrenskosten  der  Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG); dass die Verfahrenskosten gestützt auf Art. 63 Abs. 4bis VwVG und Art. 2  des  Reglements  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 (VGKE, SR 173.320.2)  sich  nach  Umfang  und  Schwierigkeit  der  Streitsache,  der  Art  der  Prozessführung  und  der  finanziellen  Lage  der  Parteien  richten  und  deshalb bei  der Bemessung der Gerichtsgebühr die Zwischenverfügung  vom  6.  September  2011  als  aufwanderhöhend  und  die  Vielzahl  der  Beschwerden  gegen  die  gleiche  angefochtene  Verfügung  als  aufwandvermindernd zu berücksichtigen sind;  dass  die  Beschwerdegegnerin  mit  ihrem  Hauptantrag,  auf  die  Beschwerde  sei  nicht  einzutreten,  unterliegt  und  mit  ihrem  Eventualantrag,  die  Beschwerde  sei  abzuweisen,  obsiegt  und  ihr  bei  diesem Verfahrensausgang gestützt auf Art. 64 VwVG und Art. 7 VGKE  eine  Parteientschädigung  zu  Lasten  der  Beschwerdeführerin  zuzusprechen ist; dass bei der Festsetzung der Parteientschädigung zu berücksichtigen ist,  dass  sich  einerseits  der  Vertretungsaufwand  der  Beschwerdegegnerin  durch  die  Mehrzahl  der  Beschwerdeantworten  reduziert  hat  und  andererseits  der  Aufwand  für  die  Ausführungen  in  der  Sache  zur  Untersuchung der WEKO im vorliegenden Beschwerdeverfahren über die  vorsorglichen Massnahmen nicht erforderlich war.

B­4201/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  werden  auf  Fr.  2'500.−  festgelegt  und  mit  dem  Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3.  Die  Beschwerdeführerin  hat  der  Beschwerdegegnerin  eine  Parteientschädigung vom Fr. 3'000.− (inkl. Mehrwertsteuer) auszurichten. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde); – die Beschwerdegegnerin (Gerichtsurkunde); – die Vorinstanz (Ref.­Nr. 32­0224; Gerichtsurkunde); – das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement (Gerichtskurkunde). Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die folgende Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Stephan Breitenmoser Katharina Walder Salamin

B­4201/2011 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tage  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in  Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 27. Januar 2012

B-4201/2011 — Bundesverwaltungsgericht 14.12.2011 B-4201/2011 — Swissrulings