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Bundesverwaltungsgericht 23.08.2011 B-3778/2009

23 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,191 mots·~6 min·1

Résumé

Arbeitslosenversicherung | Rückforderung von Schlechtwetterentschädigung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung II B­3778/2009 Urteil   v om   2 3 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Frank Seethaler (Vorsitz), Richter Hans Urech, Richterin Maria Amgwerd,  Gerichtsschreiberin Karin Behnke. Parteien S._______,  vertreten durch Rechtsanwalt Christoph Storrer,  Beschwerdeführer,  Gegen Staatssekretariat für Wirtschaft, Arbeitsmarkt /  Arbeitslosenversicherung, Effingerstrasse 31, 3003 Bern,  Vorinstanz.  Gegenstand Rückforderung von Schlechtwetterentschädigung.

B­3778/2009 Sachverhalt: A.  Das  Einzelunternehmen  S._______,  mit  Sitz  in  Feuerthalen  (Beschwerdeführer),  beanspruchte  Schlechtwetterentschädigungen  für  die Monate Januar, März, November, Dezember 2008 und Januar 2009. Im  Nachgang  zur  Betriebskontrolle  vom  9.  März  2009  verfügte  das  Staatssekretariat  für Wirtschaft  (SECO,  Vorinstanz)  am  18. März  2009,  der  Beschwerdeführer  habe  der  Arbeitslosenkasse  Schlechtwetterentschädigung  im  Umfang  von  Fr.  60'282.10  zurückzuerstatten,  weil  die  Versicherungsleistungen  unrechtmässig  geltend gemacht worden seien. Hieran hielt es auf Einsprache hin fest. B.  Gegen den Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 4. Mai 2009 erhob  der  Beschwerdeführer,  vertreten  durch  Rechtsanwalt  Christoph  Storrer,  am  10.  Juni  2009  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragte die kostenfällige Aufhebung des Einspracheentscheids sowie  die  Aufhebung  der  Verfügung  vom  18.  März  2009.  Zur  Begründung  machte er geltend, die schlechtwetterbedingten Arbeitsausfälle seien der  zuständigen Arbeitslosenkasse gegenüber jeweils anhand einer sorgfältig  geführten Arbeits­ bzw. Ausfallzeitkontrolle auf dem dafür vorgesehenen  Rapport­Formular  ausgewiesen  worden.  Tage  mit  schlechtwetterbedingten  Ausfällen  seien  jeweils  nach  Mitteilung  von  Herrn  S._______  an  die  für  das  Administrative  zuständige  Frau  D._______  mit  dem  Vermerk  "sw"  in  Arbeitsstunden  im  System  als  Absenz eingegeben worden. Danach seien sie jeweils fristgerecht auf das  amtliche  Formular  zur  Geltendmachung  des  Anspruchs  auf  Schlechtwetterentschädigung  übertragen  worden.  Bei  der  am  9.  März  2009 vor Ort durchgeführten Kontrolle sei es gleich zu einem zweifachen  Irrtum  gekommen.  Einerseits  seien  einige  handschriftliche  Einträge  in  einer  von  Herrn  S._______  benutzten  Agenda  als  geleistete  Arbeitseinsätze  interpretiert  worden.  Bei  den  entsprechenden  Einträgen  handle  es  sich  jedoch  nicht  um  Arbeitseinsätze,  sondern  um  Arbeitsausfälle,  wie  dies  schon  aus  der  Überschrift  "Schlechtwetter"  hervorgehe. Anderseits seien die Einträge  in der besagten Agenda nicht  etwa vollständig, da die "Schlechtwetter­Buchhaltung" ausschliesslich auf  dem  Computer  geführt  worden  sei.  Der  Einspracheentscheid  beruhe  daher auf einer gänzlich unrichtigen Sachverhaltsfeststellung und verletze 

B­3778/2009 Bundesrecht (Art. 49 lit. a und b des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]).  C.  Mit Vernehmlassung vom 15. September 2009 beantragte die Vorinstanz  die  Abweisung  der  Beschwerde,  wobei  sie  für  die  Begründung  im  Wesentlichen auf den Einspracheentscheid und die Verfügung verwies. D.  Mit  Replik  vom  23.  November  2009  und  Duplik  vom  8.  Januar  2010  hielten die Parteien an ihren jeweiligen Anträgen fest. E.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  29.  März  2011  wurde  der  Beschwerdeführer  ersucht,  die  von  Hand  geschriebenen  Agenda­ Einträge  vom  Januar  2009  dem  Bundesverwaltungsgericht  in  Maschinenschrift  und,  wo  nötig,  übersetzt,  einzureichen,  welcher  Aufforderung  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  12.  Mai  2011  nachkam. F.  Mit Schreiben vom 6. Juni 2011 wies das Bundesverwaltungsgericht den  Beschwerdeführer auf die drohende Möglichkeit einer Schlechterstellung  (reformatio  in  peius)  hin,  da  an  Stelle  von  Fr.  60'282.10  Fr. 77'176.60  zurück zu fordern wären.  In  seiner  Stellungnahme  vom  16.  August  2011  hielt  der  Beschwerdeführer an seiner Beschwerde fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Der  Einspracheentscheid  der  Vorinstanz  vom  4.  Mai  2009  ist  eine  Verfügung im Sinne von Art. 5 Abs. 2 VwVG. Diese Verfügung kann nach  Art.  101  des  Arbeitslosenversicherungsgesetzes  vom  25.  Juni  1982  (AVIG, SR 837.0)  im Rahmen  der  allgemeinen Bestimmungen  über  die  Bundesverwaltungsrechtspflege  (Art. 44  ff. VwVG  i.V.m. Art. 31, 33 Bst.  d, 37  ff. des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR  173.32])  mit  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  angefochten  werden. 

B­3778/2009 1.2.  Als  Adressat  ist  der  Beschwerdeführer  durch  den  angefochtenen  Einspracheentscheid  berührt  und  hat  insofern  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  seiner  Aufhebung  oder  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Beschwerdeführung  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Die  Eingabefrist  sowie die Anforderungen an Form und Inhalt der Beschwerdeschrift sind  gewahrt  (Art.  50  und  Art.  52  Abs.  1  VwVG),  der  Vertreter  hat  sich  rechtsgenüglich durch schriftliche Vollmacht ausgewiesen (Art. 11 Abs. 2  VwVG), der Kostenvorschuss wurde  fristgemäss bezahlt  (Art. 63 Abs. 4  VwVG) und die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 47 ff.  VwVG). 2.  Das  Arbeitslosenversicherungsgesetz  will  den  versicherten  Personen  einen angemessenen Ersatz  für Erwerbsausfälle wegen Arbeitslosigkeit,  Kurzarbeit, schlechtem Wetter und Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers  garantieren  (Art.  1a  Abs.  1  AVIG).  Nach  Art.  42  AVIG  haben  Arbeitnehmer  in  Erwerbszweigen,  in  denen  wetterbedingte  Arbeitsausfälle  üblich  sind,  Anspruch  auf  Schlechtwetterentschädigung,  wenn sie für die Versicherung beitragspflichtig sind oder das Mindestalter  für die Beitragspflicht in der AHV noch nicht erreicht haben und sie einen  anrechenbaren  Arbeitsausfall  (Art.  43  AVIG)  erleiden.  Der  Bundesrat  bestimmt die Erwerbszweige,  in denen die Schlechtwetterentschädigung  ausgerichtet  werden  kann.  Der  Arbeitsausfall  ist  anrechenbar,  wenn  er  ausschliesslich  durch  das  Wetter  verursacht  wird,  die  Fortführung  der  Arbeiten trotz genügender Schutzvorkehrungen technisch unmöglich oder  wirtschaftlich  unvertretbar  ist  oder  den  Arbeitnehmern  nicht  zugemutet  werden  kann,  und  er  vom Arbeitgeber  ordnungsgemäss  gemeldet  wird.  Es werden nur ganze oder halbe Tage angerechnet  (Art. 43 Abs. 1 und  Abs. 2 AVIG). Keinen  Anspruch  auf  Kurzarbeits­  oder  Schlechtwetterentschädigung  haben  Arbeitnehmer,  deren  Arbeitsausfall  nicht  bestimmbar  oder  deren  Arbeitszeit nicht ausreichend kontrollierbar ist (Art. 31 Abs. 3 Bst. a AVIG  bzw. Art. 31 Abs. 3 Bst. a i.V.m. Art. 42 Abs. 3 AVIG).  Die  Arbeitslosenversicherungsverordnung  vom  31.  August  1983  (AVIV,  SR  837.02)  enthält  Ausführungsbestimmungen  zu  den  Vorschriften  des  AVIG  (Art.  109  AVIG).  Hiernach  setzt  die  genügende  Kontrollierbarkeit  des Arbeitsausfalles eine betriebliche Arbeitszeitkontrolle voraus (Art. 46b  Abs.  1  AVIV).  Der  Arbeitgeber  hat  die  Unterlagen  über  die 

B­3778/2009 Arbeitszeitkontrolle während fünf Jahren aufzubewahren (Art. 46b Abs. 2  AVIV).  Die  Ausgleichsstelle  der  Arbeitslosenversicherung,  welche  das  SECO  führt (Art. 83 Abs. 3 AVIG), prüft stichprobenweise bei den Arbeitgebern  die  ausbezahlten  Kurzarbeits­  und  Schlechtwetterentschädigungen  (vgl.  Art.  110  Abs.  4  AVIV).  Stellt  die  Ausgleichsstelle  fest,  dass  die  gesetzlichen Vorschriften nicht oder nicht richtig angewendet wurden, so  erteilt  sie  der  Kasse  oder  der  zuständigen Amtsstelle  die  erforderlichen  Weisungen.  Bei  Arbeitgeberkontrollen  verfügt  die  Ausgleichsstelle.  Das  Inkasso obliegt der Kasse (Art. 83a Abs. 1 und 3 AVIG, Art. 111 AVIV).  Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 95 Abs.  1 AVIG i. V. m. Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000  über  den  Allgemeinen  Teil  des  Sozialversicherungsrechts  [ATSG,  SR  830.1]).  Voraussetzung  dafür  ist,  dass  die  rechtskräftig  verfügte  oder  formlos  erfolgte  Leistungszusprechung  zweifellos  unrichtig  und  ihre  Berichtigung  von  erheblicher  Bedeutung  ist  (vgl.  Art.  53  Abs.  2  ATSG;  Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] C 115/06 vom  4. September 2006 E. 1.2 und C 114/05 vom 26. Oktober 2005 E. 1,  je  mit Hinweisen). 3.  Umstritten  ist  im  vorliegenden  Fall,  ob  das  Zeiterfassungssystem  des  Beschwerdeführers geeignet  ist,  eine hinreichende Kontrollierbarkeit  der  Arbeitszeiten seiner Arbeitnehmer zu gewährleisten. 3.1.  Der  Beschwerdeführer  machte  diesbezüglich  im  Wesentlichen  geltend,  die  schlechtwetterbedingten  Arbeitsausfälle  habe  er  selber  täglich Frau D._______ gemeldet, welche diese mit dem Vermerk "sw" in  Arbeitsstunden  im  System  als  Absenz  eingegeben  habe  (Beschwerdebeilage  4).  Die  Agenda  2009  sei  nicht  massgebend.  In  dieser  seien entgegen der Ansicht  der Vorinstanz nicht Arbeitseinsätze,  sondern  Arbeitsausfälle  eingetragen  worden,  wobei  diese  Agenda  nicht  lückenlos  geführt  worden  sei,  zumal  die  schlechtwetterbedingten  Arbeitsausfälle  ohnehin  im System  von Frau D._______  erfasst worden  seien.  Aus  dem  Umstand,  dass  er  auch  in  Monaten  mit  schlechtwetterbedingten  Ausfällen  seinen  zum  Teil  langjährigen  Mitarbeitern  den  vollen  und  nicht  nur  80%  des  ordentlichen  Lohnes  ausbezahlt habe, lasse sich nichts zu seinen Ungunsten ableiten. 

B­3778/2009 3.2.  Die  Vorinstanz  machte  demgegenüber  geltend,  Frau  D._______  habe  anlässlich  der  Kontrolle  gegenüber  dem  Inspektor  erklärt,  dass  in  der  Agenda  2009  nicht  schlechtwetterbedingte  Arbeitsausfälle,  sondern  Arbeitseinsätze  eingetragen  worden  seien.  Beim  Vergleich  der  Agenda  2009 mit den als Arbeitszeitkontrolle vorgewiesenen Excel­Tabellen habe  sich  herausgestellt,  dass  in  der  Agenda  2009  an  einigen  Tagen  Arbeitsstunden  eingetragen  worden  seien,  an  welchen  gleichzeitig  Schlechtwetterentschädigungen  beantragt  worden  seien.  Die  Agenda  2008 sei anlässlich der Arbeitgeberkontrolle vor Ort nicht mehr auffindbar  gewesen,  sondern  gemäss  Frau  D._______  bereits  weggeworfen  worden. Die geltend gemachten Schlechtwetterentschädigungen für Tage  im  Januar  2009,  an  denen gemäss Agendaeinträgen  gearbeitet worden  sei, seien daher aberkannt worden. Das Inspektorat sei auf Grund dieser  Tatsachen zum Schluss gekommen, dass auch die Arbeitszeitkontrollen  für  das  Jahr  2008  wahrheitswidrige  Einträge  in  unbekanntem  Umfang  enthielten,  weshalb  die  gesamten  in  diesem  Jahr  ausbezahlten  Schlechtwetterentschädigungen  aberkannt  worden  seien.  Lediglich  die  weggeworfene  Agenda  2008  hätte  über  die  schlechtwetterbedingten  Arbeitsausfälle Auskunft geben können. 3.3.  Das  Eidgenössische  Versicherungsgericht  hat  schon  verschiedentlich  festgehalten,  dass  dem  Erfordernis  einer  betrieblichen  Arbeitszeitkontrolle, vorbehältlich ganz besonderer, hier nicht gegebener,  Umstände (vgl. hierzu Urteil des EVG C 59/01 vom 5. November 2001),  nur mit  einer  täglich  fortlaufend  geführten  Arbeitszeiterfassung  über  die  effektiv  geleisteten  Arbeitsstunden  der  von  der  Kurzarbeit  betroffenen  Mitarbeiter  Genüge  getan  ist,  die  u.a.  nicht  durch  erst  nachträglich  erstellte Dokumente ersetzt werden kann. Dabei müssen die gearbeiteten  Stunden keineswegs zwingend mit einem elektronischen System erfasst  sein.  Wesentlich  ist  allein  die  ausreichende  Detailliertheit  und  die  zeitgleiche  Dokumentierung,  weshalb  auch  nicht  argumentiert  werden  kann, die geforderte Zeiterfassung könne Kleinbetrieben nicht zugemutet  werden.  Es  sei  sodann  keineswegs  überspitzt  formalistisch  (vgl.  hierzu  BGE 128 II 139 E. 2a, 127 I 31 E. 2aa/bb), wenn von einem Betrieb, der  das Formular  "Rapport über die wirtschaftlich bedingten Ausfallstunden"  fortlaufend  ausfüllt,  zwecks  Kontrolle  des  geltend  gemachten  Arbeitszeitausfalls  darüber  hinaus  fortlaufende  Aufzeichnungen  der  tatsächlich  geleisteten  Arbeitszeit  verlangt  werden.  Denn  weil  die  an  gewissen  Tagen  geleistete  Überzeit  innerhalb  der  Abrechnungsperiode  auszugleichen  ist  (ARV 1999 Nr.  34 S.  200), wird  der Arbeitszeitausfall 

B­3778/2009 erst durch derartige Aufzeichnungen überprüfbar (Urteil des EVG C 35/03  vom 25. März 2004 E. 4, mit weiteren Hinweisen). 3.4. Unter einer täglich fortlaufend geführten Arbeitszeiterfassung, welche  die  Beweisanforderungen  erfüllen  würde,  ist  somit  ein  System  zu  verstehen,  bei  dem –  sei  es  auf Papier  oder  elektronisch  – mindestens  täglich durch den Mitarbeiter  selbst oder durch seinen Vorgesetzten die  gearbeitete  Zeit  eingegeben wird.  Um  der  Anforderung  der  zeitgleichen  Dokumentierung  der  geleisteten  Arbeitszeit  zu  genügen,  dürfen  die  Einträge  auch  nicht  beliebig  nachträglich  abänderbar  sein,  ohne  dass  dies  im  System  vermerkt  wird.  Eine  rechtsgenügliche  Arbeitszeiterfassung  kann  daher  grundsätzlich  nicht  durch  Dokumente  ersetzt  werden,  die  erst  Wochen  später  erstellt  wurden  oder  durch  Dokumente,  wie  vorliegend,  die  lediglich  die  ausgefallenen  Stunden  enthalten. 3.5.  Im  vorliegenden  Fall  ist  unbestritten,  dass  die  Agenda  2008  nicht  mehr  auffindbar  ist. Was  die Agenda  2009  anbelangt,  ist  umstritten,  ob  sich  die  eingetragenen  Stunden  auf  Arbeitsausfälle  –  so  der  Beschwerdeführer – oder Arbeitseinsätze – so die Vorinstanz – beziehen.  Gemäss  Angaben  des  Beschwerdeführers  wurde  die  Agenda  2009  auf  jeden  Fall  nicht  lückenlos  geführt,  so  dass  es  sich  bei  dieser  Agenda,  selbst wenn es sich bei den eingetragenen Stunden um Arbeitseinsätze  handeln  sollte,  um  keine  rechtsgenügliche  Zeiterfassung  handelt.  Die  Excel­Tabellen 2008 und 2009 enthalten  lediglich die Sollarbeitsstunden  sowie  die  schlechtwetterbedingten  Absenzen;  wie  hievor  erwähnt  (E.  3.3.),  ist  es  keineswegs überspitzt  formalistisch,  von einem Betrieb,  der  das Formular  "Rapport über die wirtschaftlich bedingten Ausfallstunden"  fortlaufend  ausfüllt,  zwecks  Kontrolle  des  geltend  gemachten  Arbeitszeitausfalls  darüber  hinaus  fortlaufende  Aufzeichnungen  der  tatsächlichen Arbeitszeit zu verlangen. Denn weil die an gewissen Tagen  geleistete Überzeit  innerhalb der Abrechnungsperiode auszugleichen  ist,  wird der Arbeitsausfall erst durch derartige Aufzeichnungen überprüfbar.  Die  Excel­Tabellen  2008  und  2009  erfüllen  dieses  Erfordernis  nicht,  da  sie nicht über die geleistete Arbeitszeit Auskunft geben. Zudem  ist nicht  erstellt, dass diese fortlaufend ausgefüllt wurden. 3.6. Zwar muss  die Verwaltung  bei  begründeten  Zweifeln  am  korrekten  Einsatz  einer  grundsätzlich  zum  Beweis  geeigneten  Arbeitszeitkontrolle  der Firma die Gelegenheit geben, die Zweifel zu entkräften. Es liegt aber  nicht an ihr, die Unrichtigkeit der Zeiterfassung für jede Person und jeden 

B­3778/2009 Tag  individuell  nachzuweisen.  Dies  würde  letztlich  eine  Umkehr  der  Beweislast  bedeuten.  Die  Beweislast  obliegt  vielmehr  dem  Arbeitgeber  (Art. 38 Abs. 3 Bst. a i.V.m. Art. 31 Abs. 3 Bst. a AVIG und Art. 46b AVIV;  vgl. Urteil des Bundesgerichts C 66/04 vom 18. August 2004 E. 3.2 sowie  Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts B­8569/2007  vom 24.  Juni  2008  E. 2.3 und B­7901/2007 vom 10. November 2008 E. 4.3.3, mit weiteren  Hinweisen). Im  vorliegenden  Fall  kann  der  Nachweis  der  effektiven  Ausfallstunden  nicht  mehr  erbracht  werden,  weil  der  Beschwerdeführer  für  2008  und  2009  nurmehr  Excel­Tabellen  für  die  Ausfallstunden  vorweisen  kann.  Allein  aufgrund  der  lückenhaften  Agenda  2009  ist  eine  umfassende  Kontrolle  im Sinne einer vollständigen Dokumentation der Arbeitszeit  für  2009 nicht mehr möglich, weshalb nicht nur der Betrag von Fr. 60'282.10  für  das  Jahr  2008  sowie  für  einige  Tage  im  Januar  2009,  sondern  der  gesamte Betrag im Umfang von Fr. 77'176.60 zurück zu fordern ist.  3.7.  Zu  einer  Zeugeneinvernahme  der  Betriebsangestellten  besteht  bei  diesem Ausgang des Verfahrens  kein Anlass,  da  die  strittige Frage der  mangelnden  betrieblichen  Arbeitszeitkontrolle  und  damit  der  fehlenden  Anspruchsberechtigung gestützt auf die vorhandenen Akten beantwortet  ist. 4.  Eine Änderung des angefochtenen Entscheides zuungunsten einer Partei  ist  zulässig,  wenn  der  Entscheid  Bundesrecht  verletzt  oder  auf  einer  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des  Sachverhalts  beruht  (Reformatio  in peius; Art. 62 Abs. 2 VwVG). Will die Beschwerdeinstanz  den  angefochtenen  zu  Ungunsten  der  Partei  ändern,  muss  sie  ihr  Gelegenheit  zur  Gegenäusserung  einräumen  (Art.  62  Abs.  3  VwVG).  Aufgrund der  vorstehenden Erwägungen beläuft  sich die Rückforderung  der ausgerichteten Schlechtwetterentschädigungen auf Fr. 77'716.60. 5.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  dem  Beschwerdeführer  die  Verfahrenskosten  des  vorliegenden  Verfahrens  von  Fr.  2'000.­­  aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe  zu verrechnen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Eine Parteientschädigung ist nicht  zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).   Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

B­3778/2009 1.  Die Beschwerde wird  abgewiesen. Der Einspracheentscheid  des SECO  vom  4.  Mai  2009  wird  zu  Ungunsten  des  Beschwerdeführers  dahin  abgeändert,  dass der Rückforderungsbetrag aus zu Unrecht bezogenen  Schlechtwetterentschädigungen auf Fr. 77'716.60 festgesetzt wird. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  2'000.—  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 2'000.— nach Eintritt der Rechtskraft verrechnet. 3.  Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. _______; Gerichtsurkunde) – das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Frank Seethaler Karin Behnke Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat  die  Begehren,  deren  Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die 

B­3778/2009 Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer  in  Händen  hat,  beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 23. August 2011

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