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Bundesverwaltungsgericht 31.08.2011 B-2289/2011

31 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,638 mots·~13 min·2

Résumé

Berufsprüfung | Berufsprüfung

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II B­2289/2011 Urteil   v om   3 1 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Philippe Weissenberger (Vorsitz), Richter Bernard Maitre, Richter Hans Urech,    Gerichtsschreiberin Beatrice Grubenmann. Parteien A._______,   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT,  Effingerstrasse 27, 3003 Bern,    Vorinstanz,  Schweizerische Fachprüfungskommission der Immobilienwirtschaft (SFPKIW), Giessereistrasse 18, 8005 Zürich,    Erstinstanz.  Gegenstand Berufsprüfung.

B­2289/2011 Sachverhalt: A.  A.a  A._______  (Beschwerdeführer)  legte  Ende  August/Anfang  September  2010  die  Berufsprüfung  Vertiefungsrichtung  Immobilienbewirtschafter  ab.  Am  23.  September  2010  teilte  ihm  die  Schweizerische  Fachprüfungskommission  der  Immobilienwirtschaft  (SFPKIW, Erstinstanz) mit, dass er die Prüfung nicht bestanden habe.  A.b Gegen  den  Entscheid  der  Erstinstanz  erhob  der  Beschwerdeführer  am  22.  Oktober  2010  Beschwerde  beim  Bundesamt  für  Berufsbildung  und  Technologie BBT  (Vorinstanz).  Er  rügte  in  Bezug  auf  29 Aufgaben  der schriftlichen Prüfungen eine Unterbewertung seiner Lösungen und in  Bezug  auf  die  mündlichen  Prüfungen  eine  Unterbewertung  seiner  Leistungen  in  sämtlichen  Teilen.  Der  Beschwerdeführer  beantragte,  es  seien  ihm  insgesamt  36.5  zusätzliche  Punkte  zuzusprechen,  und  die  schriftliche Prüfung sei als bestanden zu werten.  A.c  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  28.  Dezember  2010  teilte  die  Erstinstanz  gestützt  auf  die  von  den  jeweiligen  Experten  der  Berufsprüfung  Vertiefungsrichtung  Immobilienbewirtschafter  eingereichten  Stellungnahmen  mit,  dass  dem  Beschwerdeführer  in  den  mündlichen  Prüfungsfächern  keine  höhere  Bewertung  gewährt  werden  konnte,  dass  ihm  aber  für  die  schriftliche  Prüfung  in  den  Fächern  Vermarktung,  Buchhaltung  und  Stockwerkeigentum  insgesamt  13,5  Zusatzpunkte  zugesprochen  worden  seien.  Der  Beschwerdeführer  komme somit auf ein neues Total von 258,8 Punkten.  Indessen sei eine  genügende Note erst ab 264 Punkten erreicht. Sie beantrage daher die  Abweisung der Beschwerde.  A.d Mit Schreiben vom 27. Januar 2011 teilte der Beschwerdeführer mit,  er halte an seiner Beschwerde fest und beantragte, es sei ihm bezüglich  der  schriftlichen  Prüfung  die  zur  Erreichung  der  genügenden  Note  4.0  noch  fehlenden  5,5  Punkte  zu  gewähren,  und  es  seien  die  Noten  der  mündlichen  Prüfungen  in  den  Prüfungsfächern  Immobilienvermarktung  und ZGB um  je eine halbe Note anzuheben.  Insgesamt sei die Prüfung  als bestanden zu werten.  A.e Die  Vorinstanz  wies  die  Beschwerde  mit  Entscheid  vom  22.  März  2011 ab. 

B­2289/2011 B.  Gegen  den  Entscheid  der  Vorinstanz  erhob  der  Beschwerdeführer  am  18. April  2011  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Er  rügte  unter Verweis auf  seine Eingabe  vom 17.  [recte:  27.]  Januar 2011 eine  Unterbewertung bei den Korrekturen der Prüfung und der Notenvergabe.  In verfahrensrechtlicher Hinsicht bemängelte er, die Erstinstanz habe zu  Unrecht zur Eingabe des Beschwerdeführers vom 17. [recte: 27.] Januar  2011 nicht nochmals Stellung genommen. Überdies stellte er sich auf den  Standpunkt, ein neutrales Gutachten oder eine Mediation hätten über das  äusserst  knappe  Prüfungsresultat  von  5,5  fehlenden  Punkten  bei  der  schriftlichen  Arbeit  und  zwei  Mal  einer  halben  Note  in  der  mündlichen  Prüfung Aufschluss bringen können.  C.  Die Vorinstanz liess sich am 15. Juni 2011 vernehmen und beantragte die  Abweisung  der  Beschwerde.  Sie  führte  aus,  die  Prüfungskommission  habe  ausführlich  begründet,  welche Mängel  die  Prüfungsantworten  und  Prüfungslösungen  des  Beschwerdeführers  aufwiesen,  aus  welchen  Gründen  dem  Beschwerdeführer  bei  welchen  Aufgaben  und  Fragen  Punkte  abgezogen  oder  verweigert  worden  und  welche  Antworten  von  den  Kandidatinnen  und  Kandidaten  erwartet  worden  seien.  Die  Vorinstanz  habe  ihrer  Begründungspflicht  Genüge  getan  und  die  sachliche  Richtigkeit  ihrer  Bewertungen  lückenlos  nachgewiesen.  Die  Rügen  des  Beschwerdeführers,  seine  Leistungen  hätten  eine  bessere  Bewertung  verdient,  seien  als  pauschal  anzusehen  und  daher  nicht  stichhaltig.  Zudem  sei  das  Prüfungsergebnis  –  mit  der  Note  3.5  im  Prüfungsteil  Immobilienbewirtschaftung  schriftlich,  der  Note  3.5  im  Prüfungsteil ZGB, OR, Steuern mündlich und der Note 3.0 im Prüfungsteil  Immobilienbewirtschaftung  mündlich  –  nicht  als  äusserst  knapp  anzusehen, sondern zeuge von ungenügenden Kenntnissen in mehreren  Bereichen.  Hinsichtlich  des  Begehrens  des  Beschwerdeführers  um  Anordnung eines zusätzlichen Expertengutachtens  führte die Vorinstanz  aus,  hierfür  wäre  erforderlich,  dass  der  Beschwerdeführer  zumindest  glaubhaft  machen  könne,  nicht  nach  sachlichen  Kriterien  bewertet  worden sein, wofür vorliegend keine Anhaltspunkte bestünden. Hätten die  Examinatoren wie vorliegend im Rahmen ihrer Stellungnahme die Gründe  dargelegt, die zu einem ungenügenden Prüfungsergebnis führten, sei es  am Beschwerdeführer aufzuzeigen, aus welchen Gründen die Bewertung  trotzdem eindeutig unhaltbar sein solle. Auf die Erstellung eines weiteren  Sachverständigengutachtens  sei  daher  zu  verzichten.  Auch  sei  eine 

B­2289/2011 erneute Bewertung unter dem Aspekt der Rechtsgleichheit, d.h. mit Blick  auf die Mitkandidaten, nicht angebracht.  D.  In ihrer Vernehmlassung vom 16. Juni 2011 hielt die Erstinstanz an ihrem  Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest.  E.  Mit  Replik  vom  13.  Juli  2011  brachte  der  Beschwerdeführer  vor,  von  pauschalen  subjektiven  Rügen  könne  nicht  die  Rede  sein.  Hinsichtlich  der  schriftlichen  Prüfung  sei  er  mit  258,5  Punkten  nur  5,5  Punkte  von  einer  genügenden  Note  entfernt  und  dies  nur,  weil  er  bei  einigen  Aufgaben eindeutig unterbewertet worden sei. In der mündlichen Prüfung  im Fach ZGB habe er mindestens 56 % der Fragen  richtig beantwortet,  weshalb die Note 3.0 nicht tragbar sei, und in der mündlichen Prüfung im  Fach  Marketing  seien  seine  Leistungen  mit  der  Note  5.0  statt  4.5  zu  bewerten.   F.  Mit  Duplik  vom  15.  August  2011  teilte  die  Erstinstanz mit,  sie  halte  an  ihrer Auffassung fest, wonach die Beschwerde abzuweisen sei. G.  Die  Vorinstanz  gab  innert  der  ihr  gesetzten  Frist  keine  weitere  Stellungnahme ab.  H.  Auf  die  Begründung  der  Anträge  des  Beschwerdeführers  und  der  Vorinstanz wird, soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  prüft  von  Amtes  wegen  und  mit  freier  Kognition,  ob  und  gegebenenfalls  in  welchem  Umfang  auf  eine  Beschwerde einzutreten ist (BVGE 2007/6 E. 1 S. 45). 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen 

B­2289/2011 gelten die  in Art.  33 und 34 VGG genannten Behörden,  zu denen auch  das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT zählt (Art. 33 Bst.  d VGG).  Der Beschwerdeentscheid der Vorinstanz vom 22. März 2011 stellt eine  Verfügung im Sinne von Art. 5 Abs. 2 VwVG dar. Diese Verfügung kann  im  Rahmen  der  allgemeinen  Bestimmungen  über  die  Bundesverwaltungsrechtspflege  (Art.  61  Abs.  2  des  Berufsbildungsgesetzes  vom  13.  Dezember  2002  [BBG,  SR  412.10]  i.V.m. Art. 44 ff. VwVG i.V.m. Art. 31, 37 ff. und Ziff. 35 des Anhangs zum  VGG)  mit  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  angefochten  werden.  1.2  Gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  ist  zur  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  legitimiert,  wer  vor  der  Vorinstanz  am  Verfahren  teilgenommen  hat  oder  keine  Möglichkeit  zur  Teilnahme  erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung berührt ist und an deren  Aufhebung  oder  Änderung  ein  schutzwürdiges  Interesse  hat.  Der  Beschwerdeführer  war  Partei  des  vorinstanzlichen  Verfahrens.  Als  Adressat  der  Verfügung  ist  er  durch  diese  berührt  und  hat  an  ihrer  Aufhebung oder Änderung ein schutzwürdiges Interesse. 1.3  Die  Eingabefrist  sowie  die  Anforderungen  an  Form  und  Inhalt  der  Beschwerdeschrift  sind  gewahrt  (Art.  50  und  52  Abs.  1  VwVG),  der  Kostenvorschuss wurde  fristgemäss bezahlt  (Art.  63 Abs. 4 VwVG) und  die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 44 ff. VwVG). Auf  die Beschwerde ist somit einzutreten.  2.  Nach Art.  49  VwVG  (i.V.m.  Art.  37  VGG)  kann mit  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich die Überschreitung oder der Missbrauch des Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie  die  Unangemessenheit  der  angefochtenen  Verfügung gerügt werden.  3.  Wie der Bundesrat (VPB 62.62 E. 3, 56.16 E. 2.1) und das Bundesgericht  (BGE 131 I 467 E. 3.1, 121 I 225 E. 4b, 118 Ia 488 E. 4c, 106 Ia 1 E. 3c)  auferlegt  sich  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  bei  der  Überprüfung  von  Examensleistungen  selbst  bei  Vorliegen  eigener  Fachkenntnisse 

B­2289/2011 Zurückhaltung, indem es in Fragen, die seitens der Verwaltungsbehörden  naturgemäss  schwer  überprüfbar  sind,  nicht  ohne  Not  von  der  Beurteilung der erstinstanzlichen Prüfungsorgane und Experten abweicht  (BVGE 2007/6 E. 3). Dies erfolgt, weil der Rechtsmittelbehörde zumeist  nicht alle massgebenden Faktoren der Bewertung bekannt sind und es ihr  in  der  Regel  nicht  möglich  ist,  sich  ein  zuverlässiges  Bild  über  die  Gesamtheit  der  Leistungen  des  Beschwerdeführers  in  der  Prüfung  und  der  Leistungen  der  übrigen  Kandidaten  zu  machen.  Überdies  haben  Prüfungen  häufig  Spezialgebiete  zum  Gegenstand,  in  denen  die  Rechtsmittelbehörde  über  keine  eigenen  Fachkenntnisse  verfügt.  Eine  freie und umfassende Überprüfung der Examensbewertung würde zudem  die  Gefahr  von  Ungerechtigkeiten  und  Ungleichheiten  gegenüber  anderen Kandidaten in sich bergen. Diese Zurückhaltung rechtfertigt sich  allerdings nur bei der Bewertung von fachlichen Prüfungsleistungen. Sind  demgegenüber  die  Auslegung  und  Anwendung  von  Rechtsvorschriften  streitig oder werden Verfahrensmängel im Prüfungsablauf gerügt, hat die  Rechtsmittelbehörde  die  erhobenen  Einwendungen  mit  uneingeschränkter Prüfungsdichte zu prüfen. Andernfalls würde sie eine  formelle  Rechtsverweigerung  begehen  (BVGE  2007/6  E.  3).  Diese  Grundsätze  entsprechen  einer  gefestigten  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisationen.  An  ihnen  wird  ausdrücklich  festgehalten  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts B­4484/2009 vom 23. März 2010 E. 3).  4.  Gemäss dem Berufsbildungsgesetz kann die höhere Berufsbildung durch  eine  eidgenössische  Berufsprüfung  oder  eine  eidgenössische  höhere  Fachprüfung  erworben  werden  (Art.  27  Bst.  a  BBG).  Die  zuständigen  Organisationen  der  Arbeitswelt  regeln  die  Zulassungsbedingungen,  Lerninhalte,  Qualifikationsverfahren,  Ausweise  und  Titel.  Sie  berücksichtigen  dabei  anschliessende  Bildungsgänge.  Die  Vorschriften  unterliegen der Genehmigung durch die Vorinstanz (Art. 28 Abs. 2 BBG).  4.1. Gestützt auf Art. 28 Abs. 2 BBG hat die Trägerschaft, bestehend aus  dem Schweizerischen Verband der Immobilienwirtschaft SVIT, der Union  suisse des professionnels de l'immobilier USPI und der Schweizerischen  Vereinigung  kantonaler  Grundstückbewertungsexperten  SVKG,  die  "Prüfungsordnung  über  die  Berufsprüfungen  Immobilienbewirtschafterin/Immobilienbewirtschafter,  Immobilienbewerterin/Immobilienbewerter,  Immobilienvermarkterin/Immobilienvermarkter"  vom  20.  Dezember  2005 

B­2289/2011 (BBl 2005 5234) erlassen, welche mit der Genehmigung der Vorinstanz  am  1.  Januar  2006  in  Kraft  trat  und  erstmals  für  die  Prüfung  2006  angewandt  wurde  (Ziff.  10.21  und  10.3  Prüfungsordnung  vom  20.  Dezember  2005).  Seit  dem  9.  Februar  2007  ist  die  revidierte  "Prüfungsordnung  über  die  Berufsprüfungen  Immobilienbewirtschafterin/Immobilienbewirtschafter,  Immobilienbewerterin/Immobilienbewerter,  Immobilienvermarkterin/Immobilienvermarkter,  Immobilienentwicklerin/Immobilienentwickler"  (nachfolgend:  Prüfungsordnung)  in  Kraft.  Sie  wurde  erstmals  für  die  Prüfung  2007  angewendet. Die Trägerschaft umfasst den Schweizerischen Verband der  Immobilienwirtschaft  SVIT  und  die  Union  suisse  des  professionnels  de  l'immobilier  USPI  (Ziff.  1.21  der  Prüfungsordnung).  Die  Schweizerische  Fachprüfungskommission  der  Immobilienwirtschaft  (SFPKIW)  beaufsichtigt  im  Auftrag  der  Trägerschaft  die  Durchführung  der  Prüfungen.  Zusätzlich  ist  sie  für  die  Koordination  und  Kommunikation  zwischen  den  ihr  untergeordneten  Prüfungskommissionen  zuständig  (Ziff. 2.11  Prüfungsordnung),  welchen  die  Durchführung  der  Prüfung  obliegt (Ziff. 2.21 Prüfungsordnung).  4.2.  Die  Berufsprüfung  umfasst  die  Basiskompetenz  und  Vertiefungskompetenzen.  Deren  jeweiliger  Prüfungsstoff  wird  in  der  ebenfalls  revidierten  "Wegleitung  über  die  Berufsprüfungen  für  Immobilienbewirtschafterin/Immobilienbewirtschafter,  Immobilienbewerterin/Immobilienbewerter,  Immobilienvermarkterin/Immobilienvermarkter,  Immobilienentwicklerin/Immobilienentwickler"  vom  9.  Februar  2007  (nachfolgend:  Wegleitung)  näher  umschrieben  (Ziff.  5.2  Prüfungsordnung).  Die  Prüfung  im  Bereich  Basiskompetenz  umfasst  neben  dem  Grundwissen  in  den  Prüfungsteilen  Immobilienbewirtschaftung,  Immobilienbewertung  und  Immobilienvermarktung  die  Bereiche  Volks­  und  Betriebswirtschaft,  Immobilieninvestitionen  und  ­finanzierung  sowie  Recht  (ZGB,  OR,  SchKG, Spezialgesetze, Steuern, Umweltrecht, Baurecht, Planungsrecht,  Immobilienentwicklung;  vgl.  Ziff. 5.11  Prüfungsordnung,  Ziff.  V.  Wegleitung).  Das  Bestehen  der  Prüfung  im  Bereich  Basiskompetenz  allein  berechtigt  noch nicht  zum Bezug eines Fachausweises  (Ziff.  3.11  Bst. a Prüfungsordnung), vielmehr wird der eidgenössische Fachausweis  erst  bei  Bestehen  der  Prüfung  in  einer  der  Vertiefungskompetenzen –  Immobilienbewirtschaftung,  Immobilienbewertung, 

B­2289/2011 Immobilienvermarktung  oder  Immobilienentwicklung  –  erteilt  (Ziff.  8.11  Prüfungsordnung).  4.3. Die  Prüfung  in  der  Vertiefungskompetenz  Immobilienbewirtschafter  umfasst  eine  schriftliche  Prüfung  von  acht  Stunden  im  Prüfungsteil  Immobilienbewirtschaftung  (umfassend die Prüfungsfächer Vermarktung,  Bewirtschaftung/Buchhaltung,  Bewirtschaftung  und  Stockwerkeigentum),  wobei  die  Note  der  schriftlichen  Prüfung  dreifach  zählt,  sowie  je  einstündige mündliche Prüfungen in den Prüfungsteilen ZGB/OR/Steuern,  Immobilieninvestitionen/Immobilienvermarktung  sowie  Immobilienbewirtschaftung (Ziff. 5.121 Prüfungsordnung).  4.4.  Die  Prüfung  Vertiefungskompetenz  Immobilienbewirtschafter  ist  bestanden,  wenn  die  Gesamtnote,  d.h.  das  gewichtete  Mittel  aus  den  Noten  der  einzelnen Prüfungsteile,  den Wert  4.0  nicht  unterschreitet,  in  nicht mehr als  in einem Prüfungsteil  eine Note unter  4.0 und  in  keinem  Prüfungsteil  eine  Note  unter  3.0  erreicht  worden  ist  und  die  Note  des  Prüfungsteils 4 (Immobilienbewirtschaftung schriftlich) den Wert 4.0 nicht  unterschreitet  (Ziff.  7.12  und  Ziff.  6.13  Prüfungsordnung).  Sind  die  Bedingungen  gemäss  Ziff.  7.12  nicht  erfüllt,  gilt  die  Prüfung  als  nicht  bestanden  (Ziff. 7.14 Prüfungsordnung). Die Leistungen werden mit den  Noten 6 bis 1 bewertet, wobei die Note 4 und höhere Noten genügende  Leistungen, Noten unter 4 ungenügende Leistungen bezeichnen. Andere  als halbe Zwischennoten sind nicht zulässig (Ziff. 6.2 Prüfungsordnung).  4.5.  Die  schriftlichen  Prüfungsarbeiten  werden  durch  mindestens  zwei  Experten  beurteilt.  Diese  legen  gemeinsam  die  Note  fest  (Ziff.  4.43  Prüfungsordnung).  Mindestens  zwei  Experten  nehmen  die  mündlichen  Prüfungsarbeiten ab, beurteilen die Leistungen und legen gemeinsam die  Note  bzw.  die  Bewertung  fest  (Ziff.  4.4.2  Prüfungsordnung).  Der  endgültige Beschluss über das Bestehen oder Nichtbestehen der Prüfung  ergeht durch die Prüfungskommission. Die Vertreterin oder der Vertreter  des BBT wird an diese Sitzung eingeladen (Ziff. 4.51 Prüfungsordnung).  4.6.  Im  Rahmen  der  vorliegend  streitigen  Berufsprüfung  Vertiefungskompetenz  Immobilienbewirtschafter  erzielte  der  Beschwerdeführer  in der  schriftlichen Prüfung  insgesamt 244,75 Punkte  bzw.  die  Note  3.5.  In  den  mündlichen  Prüfungen  erreichte  er  im  Prüfungsteil  ZGB/OR/Steuern  die  Note  3.5,  im  Prüfungsteil  Immobilieninvestitionen/Immobilienvermarktung  die  Note  4.5  und  im  Prüfungsteil  Immobilienbewirtschaftung  die  Note  3.0.  Gesamthaft 

B­2289/2011 erreichte der Beschwerdeführer  einen Notendurchschnitt  von 3.6, womit  er  die  Prüfung  nicht  bestanden  hatte.  Auch  nachdem  die  Punktzahl  anlässlich der Überprüfungen seiner Leistungen im Beschwerdeverfahren  vor der Vorinstanz auf 258,5 Punkte angehoben worden war, erfüllte der  Beschwerdeführer  die  Voraussetzungen  für  das  Bestehen  der  Prüfung  nicht.  5.  Der  Beschwerdeführer  rügt  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht,  die  Erstinstanz  hätte  zu  seiner  Eingabe  vom  27.  Januar  2011  nochmals  Stellung nehmen müssen.  Enthält  die  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  mit  Bezug  auf  die  angefochtene Verfügung neue, erhebliche Vorbringen  tatsächlicher oder  rechtlicher  Art,  ist  der  Beschwerde  führenden  Partei  ausdrücklich  Gelegenheit zu geben, im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels dazu  Stellung  zu  nehmen  (vgl.  Art.  57  Abs.  2  VwVG).  Wird  kein  zweiter  Schriftenwechsel  durchgeführt,  gebietet  es  der  Grundsatz  eines  kontradiktorischen  Verfahrens,  die  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  der  Beschwerde  führenden Partei zumindest zur Kenntnisnahme zukommen  zu lassen, sodass sie die Möglichkeit hat, sich dazu äussern zu können.  Das Recht auf eine  faires Gerichtsverfahren  im Sinne von Art. 6 Abs. 1  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  umfasst  das  Recht  der  Parteien,  von  jedem  Aktenstück  und  jeder  dem  Gericht  eingereichten Stellungnahme Kenntnis zu nehmen und sich dazu äussern  zu  können,  sofern  sie  dies  für  erforderlich  halten  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.47 ff.).  Vorliegend hat die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit Schreiben vom  30. Dezember 2010 aufgefordert, sofern er an der Beschwerde festhalte,  seine Bemerkungen zur Stellungnahme der Erstinstanz anzubringen. Von  diesem  Recht  hat  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  27.  Januar  2011 Gebrauch  gemacht.  Indem  die  Vorinstanz  dem Beschwerdeführer  die  Gelegenheit  gab  sich  zur  Vernehmlassung  der  Erstinstanz  zu  äussern, hat sie den Anforderungen gemäss Art. 6 Abs. 1 EMRK genügt.  Sie  war  hingegen  nicht  gehalten,  einen  zweiten  Schriftenwechsel  durchzuführen, wenn sie dies nicht für erforderlich erachtete. 

B­2289/2011 Das Vorbringen des Beschwerdeführers, seine Eingabe vom 27. Januar  2011  hätte  der  Erstinstanz  zur  Stellungnahme  unterbreitet  werden  müssen, erweist sich demnach als unbegründet.  6.  6.1. Der Beschwerdeführer verweist  in seiner Beschwerde vom 18. April  2011  auf  seine  Stellungnahme  vom  17. [recte:  27.]  Januar  2011,  in  welcher  er  dargelegt  hatte,  in  welchen  Prüfungsteilen  bzw.  Aufgaben  seine  Lösungen  höher  zu  bewerten  seien.  Der  Beschwerdeführer  ist  nunmehr noch in Bezug auf zehn Aufgaben der schriftlichen Prüfung der  Meinung, er habe die Aufgaben korrekt gelöst und seine Antworten seien  unterbewertet  worden.  Er  fordert  eine  höhere  Bewertung  für  seine  Antworten  betreffend  die  Aufgaben  B  2  und  B  10  im  Prüfungsfach  Immobilienvermarktung  (schriftlich), die Aufgaben B 1.1, B 1.2, B 2.2, C  3b,  E  2(1).A,  E 2(2).B+C  und  E 3  im  Prüfungsfach  Immobilienbewirtschaftung  (schriftlich)  und  die  Aufgabe  D 3.6  im  Prüfungsfach Stockwerkeigentum (schriftlich).  Im Weiteren beantragt der  Beschwerdeführer  die  Anhebung  der Noten  der mündlichen Prüfung  im  Fach Immobilienvermarktung von 4.5 auf 5.0 und der mündlichen Prüfung  im  Fach  ZGB  auf  3.5,  was  für  die  Prüfung  im  Prüfungsteil  ZGB/OR/Steuern die Note 4.0 ergeben würde.  In  ihrem  Beschwerdeentscheid  vom  22.  März  2011,  auf  den  die  Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 15. Juni 2011 verweist, war die  Vorinstanz  zum  Schluss  gekommen,  dass  in  den  Ausführungen  der  Erstinstanz  weder  Unvollständigkeiten  noch  Widersprüche  erkennbar  seien,  und  dass  aus  ihrer  Sicht  keine  fehlerhafte  Ermessensausübung  durch die Erstinstanz  resp. die an deren Stelle handelnden Experten  im  dem  Sinne  vorgelegen  habe,  dass  die  Bewertung  nicht  nach  sachlich  gerechtfertigten  und  mit  der  Aufgabenstellung  vereinbaren  Kriterien  zustande  gekommen  wäre.  Die  Vorinstanz  räumte  aber  ein,  dass  Aussage  gegen  Aussage  stehe.  Der  Beschwerdeführer  habe  der  Sichtweise der Erstinstanz in Bezug auf die Frage der Bewertung seiner  Leistungen  konsequent  bis  vor  Abschluss  des  Schriftenwechsels  widersprochen,  und  die  nicht  fachkundige  Vorinstanz  vermöge  die  gegenteiligen  Standpunkte  nicht  mit  sämtliche  Ungewissheiten  ausschliessender  Sicherheit  zu  werten.  Indessen  habe  sich  die  Erstinstanz  eingehend  mit  den  Begehren  des  Beschwerdeführers  auseinander gesetzt  und die Bewertungen seiner Leistungen einlässlich  begründet. Daher erachte die Vorinstanz die Begründung der Bewertung  der Erstinstanz als ausreichend substantiiert und nachvollziehbar. 

B­2289/2011 6.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  überprüft  die  Bewertung  von  Examensleistungen nur mit Zurückhaltung und weicht nicht ohne Not von  der  Beurteilung  der  erstinstanzlichen  Prüfungsorgane  ab.  Den  Examinatoren kommt bei der Beurteilung der Frage, ob ein Kandidat eine  Prüfungsaufgabe richtig gelöst hat und welche Antworten als vertretbare  Lösungen in Betracht kommen, ein grosser Beurteilungsspielraum zu. Es  kann  daher  nicht  Aufgabe  der  Beschwerdeinstanz  sein,  die  gesamte  Bewertung  der  Prüfung  in  den  fraglichen  Fächern  gewissermassen  zu  wiederholen.  Daraus  folgt,  dass  die  Rügen  eines  Beschwerdeführers,  wonach  die  Bewertung  seiner  Prüfungsleistungen  offensichtlich  unangemessen  gewesen  sei,  von  objektiven  Argumenten  und  Beweismitteln  getragen  sein  müssen.  Ergeben  sich  solche  eindeutigen  Anhaltspunkte  nicht  bereits  aus  den  Akten,  so  muss  der  Beschwerdeführer selber substantiierte und überzeugende Anhaltspunkte  dafür  liefern,  dass  eindeutig  zu  hohe  Anforderungen  gestellt  oder  die  Prüfungsleistung  offensichtlich  unterbewertet  wurde.  Er  wird  den  Anforderungen  an  eine  genügende  Substantiierung  seiner  Rügen  insbesondere dann nicht gerecht, wenn er sich einfach darauf beschränkt  zu  behaupten,  seine  Lösung  sei  vollständig  und  korrekt,  ohne  diese  Behauptung  näher  zu  begründen  oder  zu  belegen.  Sofern  es  ihm  hingegen  gelingt,  eine  Fehlbewertung  seiner  Prüfungsleistung  in  dieser  Weise  zu  substantiieren,  ist  es  wiederum  Sache  der  Examinatoren,  im  Einzelnen  und  in  nachvollziehbarer  Weise  darzulegen,  warum  eine  Lösung des Beschwerdeführers falsch oder unvollständig ist und er daher  nicht die Maximalpunktzahl erhalten hat (vgl. zu alldem BVGE 2010/21 S.  282 E. 5.1 mit Hinweis).  6.3. Vorliegend haben die Experten zu sämtlichen Rügen betreffend die  angeblich  falsche  Bewertung  der  schriftlichen  und  mündlichen  Prüfungsleistungen des Beschwerdeführers Stellung genommen. In ihren  Berichten haben die Experten – bis auf eine Ausnahme (vgl. unten E. 7) –  ausführlich begründet, weshalb sie der Auffassung waren, die Lösungen  des  Beschwerdeführers  hätten  den  gestellten  Anforderungen  nicht  entsprochen.  Die  Durchsicht  der  Stellungnahmen  der  Experten  zu  den  Rügen  des  Beschwerdeführers  im  Einzelnen  ergibt,  dass  die  Experten  jeweils  die  Antworten  des  Beschwerdeführers,  die  korrekten  Antworten  sowie  die  Begründung  ihrer  Bewertung  aufführten,  sowie,  dass  die  Experten  im  Ergebnis  durchwegs  der  Auffassung  waren,  dass  der  Beschwerdeführer  entweder  die  Frage  grundsätzlich  falsch  beantwortet  (so in Bezug auf die Aufgaben B 10, E 2(1).A sowie D 3.6), die gestellte  Frage nicht präzise oder nicht  vollständig beantwortet  (in Bezug auf die 

B­2289/2011 Aufgaben B 10, B 1.2, B 2.2 sowie E 2(2).B+C) oder seine Lösung nicht  überzeugend begründet (in Bezug auf Aufgabe E 3) habe. Der Beschwerdeführer stellt die Begründungen der Experten in Frage, in  dem  er  sie  als  fragwürdig,  weit  hergeholt,  unverständlich  und  als  Ermessensentscheide  bezeichnet.  Letztlich  bringt  er  aber  in  Bezug  auf  die  Stellungnahmen  der  Experten  nichts  vor,  was  die  Darlegung  der  Experten  als  offensichtlich  unzutreffend  widerlegen  würde,  sondern  beschränkt  sich  weitgehend  darauf  zu  behaupten,  dass  die  von  ihm  angegebene  Lösung  korrekt  sei.  Die  Experten  haben  demgegenüber  ausführlich  dargelegt,  welche Antworten  des Beschwerdeführers  sie  als  korrekt  beurteilten,  welche  Ungenauigkeiten  die  Äusserungen  des  Beschwerdeführers  aufwiesen  und  auch  Beispiele  genannt,  welche  Antworten den Anforderungen genügt hätten. Angesichts dieser Sachlage  und  mit  Blick  auf  die  eingeschränkte  Kognition  des  Bundesverwaltungsgerichts  bei  der  Bewertung  von  fachlichen  Prüfungsleistungen  kann  dem  Beschwerdeführer  nicht  gefolgt  werden,  wenn  er  vorbringt,  die  Punktevergabe  sei  zum Teil  willkürlich  und  nach  persönlichem  Ermessen  der  einzelnen  Experten  erfolgt,  ohne  hierfür  überzeugende Belege vorzuweisen.  Zusammenfassend  lässt  sich  festhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  keine ausreichend substantiierten und überzeugende Anhaltspunkte dafür  liefert,  dass  eine  offensichtliche Unterbewertung  der  Aufgaben  B  2  und  B 10  im Prüfungsfach  Immobilienvermarktung  (schriftlich),  der Aufgaben  B  1.2,  B  2.2,  E  2(1).A,  E  2(2).B+C  und  E 3  im  Prüfungsfach  Immobilienbewirtschaftung  (schriftlich)  und  der  Aufgabe  D 3.6  im  Prüfungsfach  Stockwerkeigentum  (schriftlich)  stattgefunden  hätte.  Die  diesbezüglichen Rügen erweisen sich demnach nicht als stichhaltig. 7.  7.1. Das  soeben  Ausgeführte  gilt  indessen  nicht  für  die  Stellungnahme  der Expertin zu den vom Beschwerdeführer abgegebenen Lösungen der  Aufgaben B 1.1 und C 3b des Prüfungsfachs  Immobilienbewirtschaftung  (schriftlich). In der Aufgabe B 1.1 erreichte der Beschwerdeführer 11 von  18 möglichen Punkten. Der Beschwerdeführer rügt, er habe bezüglich der  Aufgabe B 1.1 die essentiellen Vertragspunkte  für Vermieter und Mieter  von Geschäftsräumen aufgeführt, doch habe er  für die Nennung von 12  wichtigen Vertragspunkten nur sieben Punkte erhalten. Die Expertin habe  auf seine Einwände nur sehr pauschal und ungenügend geantwortet, und 

B­2289/2011 die  Stellungnahme  lasse  detaillierte  Lösungsansätze  und  Kriterien  vermissen.  Im  Weiteren  erachtet  der  Beschwerdeführer  es  als  unverständlich,  dass  ihm  für  seine  Antwort  auf  die  Frage  C  3b  nur  ein  halber  Punkt  zugesprochen  worden  war.  Die  Expertin  führt  in  ihrer  Stellungnahme  betreffend  die  Aufgaben  B  1.1  und  C  3  aus,  die  Punktevergabe  sei  vor  den  Korrekturen  schriftlich  festgehalten  worden,  und die Experten hätten sich beim Korrigieren an diese Punkteverteilung  gehalten. Die Ausführungen des Kandidaten seien zum Teil unvollständig  oder  ungenügend,  trotzdem  seien  ihm  Teilpunkte  zugestanden worden,  und die Punktevergabe bei dieser Aufgabe sei sehr grosszügig erfolgt. 7.2. Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs  folgt die grundsätzliche  Pflicht  der  Behörden,  ihren  Entscheid  zu  begründen.  Die  Begründung  eines Entscheids muss  deshalb  so  abgefasst  sein,  dass  der  Betroffene  ihn  gegebenenfalls  sachgerecht  anfechten  kann.  Nur  wenn  der  Prüfungsablauf  für  die  Beschwerdeinstanz  nachvollziehbar  ist,  kann  untersucht  werden,  ob  die  über  das  Notenergebnis  hinausgehende  nachträgliche  Begründung  der  Examinatoren  hinsichtlich  der  ungenügenden  Noten  zu  überzeugen  vermag  und  die  Leistungsbewertung damit als materiell  vertretbar erscheint, oder ob die  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachten  Einwände  eine  gewisse  Erheblichkeit  aufweisen  (vgl.  VPB  63.88  E.  5).  Das  Bundesgericht  hielt  diesbezüglich  fest,  die  Behörde  komme  der  Pflicht,  ihren  Entscheid  zu  begründen,  bei Prüfungsentscheiden nach, wenn sie dem Betroffenen –  allenfalls  auch  nur  mündlich  –  kurz  darlege,  welche  Lösungen  bzw.  Problemanalysen von ihm erwartet wurden und inwiefern seine Antworten  den  Anforderungen  nicht  zu  genügen  vermögen  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 2P.23/2004 vom 13. August 2004 E. 2.2 m.w.H.).  7.3.  Vorliegend  geht  aus  der  Begründung  der  Expertin  in  Bezug  auf  Aufgaben B 1.1 und C 3b des Prüfungsfachs  Immobilienbewirtschaftung  (schriftlich)  in  keiner  Art  und  Weise  hervor,  welche  Lösung  bzw.  Problemanalyse  vom  Beschwerdeführer  erwartet  worden  wäre.  Die  Expertin  führte  auch  nicht  aus,  inwiefern  die  Antworten  des  Beschwerdeführers  nicht  der  korrekten  Lösung  entsprochen  hätten. Die  Bewertung  ist  insofern  nicht  nachvollziehbar  und  genügt  den  Anforderungen  an  eine  Begründung  offensichtlich  nicht.  Die  diesbezügliche  Rüge  des  Beschwerdeführers  erweist  sich  demnach  als  begründet.  8. 

B­2289/2011 In Bezug auf die mündlichen Prüfungen forderte der Beschwerdeführer im  Prüfungsfach Immobilienvermarktung statt der Note 4.5 die Note 5.0 und  damit  in  der  mündlichen  Prüfung  im  Prüfungsteil  Immobilieninvestitionen/Immobilienvermarktung die Schlussnote 5.0 (statt  4.5).  8.1. Zum einen macht der Beschwerdeführer geltend, er habe alle Frage  korrekt  beantwortet,  und  der  einzige  Einwand  der  Experten  sei  bei  einzelnen Fragen gewesen, dass er noch weitere Punkte hätte aufzählen  können.  Auf  dem  Notenprotokoll  vom  1.  September  2010  hatten  die  Experten  vermerkt,  dass  die  theoretischen  und  praktischen  Kenntnisse  i.O. seien.  Die Durchsicht der Stellungnahme der Experten vom 7. Dezember 2010  ergibt, dass der Beschwerdeführer in Bezug auf sieben von insgesamt 16  Fragen nicht alle Punkte der Lösung aufgezählt hatte. Überdies hatte der  Beschwerdeführer gemäss Angaben der Experten nicht alle Fragen ohne  Unterstützung der Experten beantworten können. Demnach erweist sich  die Aussage des Beschwerdeführers, er habe in der mündlichen Prüfung  im Prüfungsteil "Immobilienvermarktung" alle Fragen korrekt beantwortet,  als  eine  blosse,  nicht  näher  belegte  Behauptung.  Die  entsprechende  Rüge ist daher abzuweisen.  8.2. Zwischen den Parteien ist im Weiteren umstritten, ob es zutrifft, dass  der Beschwerdeführer auf die Frage 19 zwei Beispiele für eine bekannte  Unternehmung  und  ihre  Positionierung  genannt  hat.  Die  betreffende  Frage  lautete:  "Geben  Sie  zwei  Beispiele  bekannter  Unternehmen  und  ihrer  Positionierung."  In  ihrer  Stellungnahme  vom  7.  Dezember  2010  hielten die Experten fest, die korrekte Antwort sei gewesen "Media­Markt:  tiefste  Preise  "ich  bin  doch  nicht  blöd!",  "Mercedes:  höchste  Qualität",  "Audi:  Fortschritt  durch  Technik",  "BMW:  Freude  am  Fahren",  "Ferrari:  Exklusivität",  "Volvo:  Sicherheit",  "diverse  Banken:  Nähe  zum  Kunden",  "Toblerone:  schweizerisch,  Premium­Qualität,  dreieckig",  "usw.".  Die  Experten  führten  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  die  Antwort  "Volkswagen" gegeben. Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor,  er  habe mit  "Volkswagen,  Red  Bull,  Lindt  &  Sprüngli  und  der  jeweilige  Positionierung  des  Unternehmens"  geantwortet.  Es  sei  nicht  bekannt,  weshalb die Experten nur Volkswagen als Antwort aufgeführt hätten. 8.2.1. Weder  die  Prüfungsordnung  noch  die  dazugehörige  Wegleitung  sehen  eine  Protokollierungspflicht  vor.  Damit  die  Beschwerdeinstanz 

B­2289/2011 überhaupt  prüfen  kann,  ob  die  Bewertung  einer  Prüfungsleistung  vertretbar ist, müssen indessen sowohl der Ablauf als auch der Inhalt der  Prüfung  zumindest  in  den  Grundzügen  nachvollziehbar  sein  (vgl.  VPB  61.32 E. 10.1). Diese Anforderungen sind erfüllt, wenn – wie es offenbar  vorliegend  geschah  –  die  Experten  aufgrund  ihrer  Handnotizen  Stellungnahmen  angefertigt  haben.  Auf  diese  kann  daher  abgestellt  werden.  Aus  der  betreffenden  Stellungnahme  der  Experten  zur  mündlichen Prüfung im Prüfungsfach Immobilienvermarktung ergibt sich,  dass der Beschwerdeführ auf die Frage, er solle zwei Unternehmen und  ihre  Positionierung  nennen,  ein  einziges  Beispiel  erwähnt  hat  ("Volkswagen"), ohne dessen Positionierung zu erläutern.  8.2.2.  Im  Verwaltungsverfahren  besteht  zwar  die  Pflicht  zur  amtlichen  Sachverhaltsfeststellung (Art. 12 VwVG). Dieser Untersuchungsgrundsatz  ändert  aber  nichts  an  der  materiellen  Beweislast  (vgl.  MICHELE  ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im  Verwaltungsverfahren  des  modernen  Staates,  Bern  2000,  S.  261  ff.;  FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, Bern 1983, S. 208 ff.; RENÉ  A.  RHINOW/BEAT  KRÄHENMANN,  Schweizerische  Verwaltungsrechtsprechung,  Ergänzungsband,  Basel  1990,  Nr. 88 I,  S. 298). Die Beweislast  richtet  sich nach der Beweislastregel  von Art.  8  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuchs  vom  10.  Dezember  1907  (ZGB,  SR 210), sofern das massgebliche Recht keine spezifische Beweisregel  enthält (vgl. RHINOW/KRÄHENMANN, a. a. O., Nr. 2 B V c, S. 6; vgl. zu allem  BGE 95 I 57 E. 2). Danach hat derjenige die Folgen der Beweislosigkeit  zu  tragen,  der  aus  einer  unbewiesen  gebliebenen  Tatsache  Rechte  ableiten will.  Soweit der Beschwerdeführer nicht beweisen kann, dass er die von  ihm  in  seiner  Eingabe  vom  27.  Januar  2011  genannten  Beispiele  an  der  mündlichen  Prüfung  aufgeführt  hat,  bzw.  dass  die  gestützt  auf  Handnotizen  ausgearbeitete  Stellungnahmen  der  Experten  mangelhaft  sind, hat das Bundesverwaltungsgericht folglich davon auszugehen, dass  eine  solche Äusserung  nicht  erfolgt  bzw.  die  Stellungnahme  korrekt  ist.  Der  Beschwerdeführer  bringt  keine  diesbezüglichen  Beweise  vor.  Nach  dem  Gesagten  ist  demnach  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer als Antwort auf die Frage 19 nur ein einziges Beispiel  erwähnt hat ("Volkswagen"), ohne dessen Positionierung zu erläutern. 8.3.  Insgesamt  vermag  der  Beschwerdeführer  keine  überzeugenden  Gründe  dafür  zu  nennen,  weshalb  die  ihm  im  Prüfungsfach 

B­2289/2011 Immobilienvermarktung  mündlich  erteilte  Note  4.5  eine  klare  Unterbewertung darstelle. Die diesbezügliche Rüge erweist sich demnach  als nicht stichhaltig. 9.  Hinsichtlich der mündlichen Prüfung im Prüfungsfach ZGB beantragt der  Beschwerdeführer schliesslich, die Note sei auf 3.5 anzuheben und  ihm  damit im Prüfungsteil ZGB/OR/Steuern die Schlussnote 4.0 (statt 3.5) zu  gewähren.  9.1.  Im  Einzelnen  macht  der  Beschwerdeführer  in  Bezug  auf  die  Aufgaben  B5,  B6,  B11,  B20  und  B31  geltend,  seine  Lösungen  seien  richtig resp. grundsätzlich korrekt gewesen. Die Examinatoren hatten auf  dem  betreffenden  Notenprotokoll  vom  31.  August  2010  notiert,  der  Kandidat habe keine vollständige korrekte Antwort, sondern viele falsche  Antworten, die nicht auf die Fragen bezogen waren, gegeben. Der Eingabe des Beschwerdeführers  lässt sich zudem entnehmen, dass  der  Beschwerdeführer  sich  darauf  beschränkte,  zu  behaupten,  seine  Lösung sei korrekt, indessen nichts vorbrachte, was die Darlegungen der  Experten  als  offensichtlich  unzutreffend  zu  widerlegen  vermocht  hätte.  Angesichts  des Fehlens  von  objektiven Argumenten  und Beweismitteln,  welche  die  Behauptungen  des  Beschwerdeführers  näher  belegt  oder  begründet  hätten,  erweist  sich  seine  diesbezügliche  Rüge  als  nicht  ausreichend substantiiert und ist somit abzuweisen.  9.2. Sodann beantragt der Beschwerdeführer, vor dem Hintergrund, dass  er  in  der  betreffenden  mündlichen  Prüfung  im  Prüfungsfach  ZGB  elf  Aufgaben richtig und sechs Aufgaben mit Hilfeleistung oder unvollständig,  aber  im  Ansatz  korrekt,  und  nur  acht  Fragen  falsch  beantwortet  habe,  seien ihm insgesamt 14 Punkte von gesamthaft 25 Punkten zu geben.  Aus  der  Darstellung  des  Beschwerdeführers  in  seiner  Eingabe  vom  27. Januar 2011 geht hervor, dass der Beschwerdeführer zur Berechnung  der Punktezahl mehrere Aufgaben  als  richtig  beantwortet  gezählt  hatte,  die (nur) nach seiner eigenen Auffassung korrekt, nach der Meinung der  Experten  aber  falsch  beantwortet  (Frage  9)  oder  nur  unvollständig  beantwortet (Fragen 3, 8, 11 und 14) worden waren. Die Berechnung des  Beschwerdeführers erweist sich demnach als unzutreffend.  9.3.  Insgesamt  erweisen  sich  die  Argumente  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  die  Aufgaben  korrekt  beantwortet  habe,  als  nicht  belegte 

B­2289/2011 Behauptungen, welche die entsprechenden Begründungen der Experten  nicht  zu  entkräften  vermögen.  Die  Rüge  des  Beschwerdeführers,  seine  Leistungen  im Prüfungsfach  ZGB  seien  falsch  bewertet  bzw.  es  sei  die  Note  falsch  berechnet  worden,  erweist  sich  vor  diesem Hintergrund  als  nicht stichhaltig.  10.  Zusammenfassend  kann  festgehalten  werden,  dass  die  Rügen  des  Beschwerdeführers  insofern  begründet  sind,  als  die  Bewertung  seiner  Prüfungsleistung  in  Aufgabe  B 1.1  und  C  3b  des  Prüfungsfachs  Immobilienbewirtschaftung (schriftlich) betroffen ist.  11.  11.1. Dem Beschwerdeführer  fehlen  5,5  Punkte,  um  die  Notenschwelle  von 264 Punkten für die genügende Note 4.0 in der schriftlichen Prüfung  zu erreichen. Dieses Ziel wäre erreicht, wenn dem Beschwerdeführer für  seine  Lösung  der  Aufgabe B  1.1,  für  die  er  von  18 möglichen Punkten  deren  11  erhalten  hat,  die  fehlenden  5,5  Punkte  nachträglich  gewährt  würden.  Indessen  gilt  die  Prüfung  Vertiefungskompetenz  Immobilienbewirtschaftung  nur  dann  als  bestanden, wenn  in  nicht mehr  als in einem Prüfungsteil eine Note unter 4.0 erreicht wird (Ziff. 7.12 Bst. c  Prüfungsordnung).  Wie  dargelegt,  erweist  sich  die  Rüge  des  Beschwerdeführers,  seine  Note  im  Prüfungsteil  ZGB/OR/Steuern  mündlich  stelle  eine  Unterbewertung  dar  und  sei  von  3.5  auf  4.0  anzuheben,  als  unbegründet.  Die  betreffende  Note  3.5  kann  demnach  nicht angehoben werden. Da der Beschwerdeführer auch im Prüfungsteil  Immobilienbewirtschaftung mündlich eine ungenügende Note (3.0) erzielt  hatte, weist sein Prüfungsergebnis zwei Noten unter 4.0 auf. Damit erfüllt  er die Voraussetzung nicht, wonach in nicht mehr als einem Prüfungsteil  eine Note unter 4.0 vorliegen darf, damit die Prüfung als bestanden gilt.  Aus  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  selbst  dann,  wenn  dem  Beschwerdeführer  im  Rahmen  einer  erneuten  Überprüfung  seiner  Lösungen  in  den  Aufgaben  B 1.1  und  C  3b  des  Prüfungsteils  Bewirtschaftung  schriftlich  ausreichend  Zusatzpunkte  gewährt  würden,  um in der schriftlichen Prüfung eine genügende Note zu erreichen, er die  gesamte  Prüfung  Vertiefungsrichtung  Immobilienbewirtschafter  aus  den  erwähnten Gründen nicht bestanden hätte.  11.2.  Bei  diesem  klaren  Ergebnis  erweist  sich  das  Begehren  des  Beschwerdeführers,  mittels  eines  neutralen  Gutachtens  oder  einer  Mediation  könne  über  das  knappe  Prüfungsresultat  von  5,5  fehlenden 

B­2289/2011 Punkten bei der schriftlichen Arbeit und zwei Mal einer halben Note in der  mündlichen  Prüfung  Aufschluss  bringen,  als  nicht  sinnvoll  oder  angemessen.  Es  ist  daher  von  der  Einholung  eines  zusätzlichen  Sachverständigengutachtens abzusehen. 12.  Zusammenfassend  erweist  sich  die  Beschwerde  somit  als  unbegründet  und ist abzuweisen. 13.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  hat  der  Beschwerdeführer  die  Verfahrenskosten  zu  tragen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG,  Art.  1  ff.  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Diese  werden  auf  Fr. 1500.−  festgesetzt  und  mit  dem  am  5.  Mai  2011  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  verrechnet.  Eine  Parteientschädigung wird nicht zugesprochen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). 14.  Dieser  Entscheid  kann  nicht  mit  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  weitergezogen  werden  (Art.  83  Bst.  t  des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht  [BGG, SR 173.110]). Er ist demnach endgültig. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  1'500.−  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe verrechnet. 3.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben; Akten zurück)

B­2289/2011 – die Vorinstanz (Einschreiben; Akten zurück) – die Erstinstanz (Einschreiben; Akten zurück) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Philippe Weissenberger Beatrice Grubenmann

B-2289/2011 — Bundesverwaltungsgericht 31.08.2011 B-2289/2011 — Swissrulings