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Bundesverwaltungsgericht 03.01.2012 B-2227/2011

3 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,439 mots·~12 min·2

Résumé

Widerspruchssachen | Widerspruchsverfahren Nr. 10315 - ebm (fig.) / EBM Ecotec

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung II B­2227/2011 Urteil   v om   3 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter David Aschmann (Vorsitz), Richterin Maria Amgwerd, Richter Bernard Maitre, Gerichtsschreiber Beat Lenel. Parteien ebm­papst Mulfingen GmbH & Co. KG,  Bachmühle 2, DE­74673 Mulfingen,   vertreten durch Troesch Scheidegger Werner AG, Schwäntenmos 14, 8126 Zumikon, Beschwerdeführerin,  gegen EBM Trirhena AG,  Weidenstrasse 27, 4142 Münchenstein,   Beschwerdegegnerin,  Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum IGE,  Stauffacherstrasse 65/59g, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Widerspruchsverfahren Nr. 10315 ­ ebm (fig.) / EBM Ecotec; Verfügung des IGE vom 14. März 2011 Nr. 10315

B­2227/2011 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdegegnerin  meldete  am  11.  November  2008  die  Marke  CH 580'490  "EBM  Ecotec"  zur  Eintragung  ins  Schweizerische  Markenregister  an,  welche  am  15.  Dezember  2008  auf  Swissreg  veröffentlicht  wurde.  Die  Eintragung  umfasst  folgende  Waren  und  Dienstleistungen: 11 Beleuchtungs­,  Heizungs­,  Dampferzeugungs­,  Koch­,  Kühl­,  Trocken­,  Lüftungs­ und Wasserleitungsgeräte sowie sanitäre Anlagen; 37 Bauwesen, Reparaturwesen, Installationsarbeiten. B.  Gestützt  auf  die  internationale  Registrierung  Nr.  554'751  "ebm"  (fig.)  erhob die Beschwerdeführerin am 16. März 2009 Widerspruch Nr. 10315  gegen  diese  Eintragung  und  beantragte  deren  Widerruf.  Die  Registrierung  der  Beschwerdeführerin  geniesst  Schutz  für  folgende  Warenklassen: 07 Ventilateurs et souffleries commandés par moteur électrique; moteurs à  commande électrique (autres que pour véhicules terrestres); 11 Ventilateurs et souffleries commandés par moteur électrique. Die Widerspruchsmarke  hat  folgendes Aussehen:  Die  Beschwerdeführerin  begründete  ihren  Widerspruch  damit,  die  Wort/Bildmarke "epm" (recte:  "ebm") und die angefochtene Marke "EPM  Ecotec"  (recte:  "EBM  Ecotec")  seien  miteinander  verwechselbar.  Der  Zusatz  "Ecotec"  habe  keinerlei  Kennzeichnungskraft  und  falle  für  die  Frage  der  Verwechslungsgefahr  ausser  Betracht.  Die  Gross­  und  Kleinschreibung von  "epm"  (recte:  "ebm") und  "EPM"  (recte:  "EBM")  sei 

B­2227/2011 dabei  irrelevant.  Die  angefochtene  Marke  beanspruche  Schutz  für  die  Warenklasse 11,  für  die auch die ältere Marke eingetragen  sei. Bei  der  Warenklasse  37  handle  es  sich  um  Dienstleistungen,  die  eng  mit  der  Warenklasse 11 verbunden seien. Der angefochtene Marke sei daher der  Schutz für sämtliche Waren der Klasse 7 und Dienstleistungen der Klasse  37 (sic!) zu verweigern. C.  Mit  Stellungnahme  vom  23.  September  2009  beantragte  die  Beschwerdegegnerin Nichteintreten auf  den Widerspruch mit Bezug auf  die Waren der Klasse 7, Abweisung des Widerspruchs mit Bezug auf die  Dienstleistungen  der  Klasse  37  und  Eintragung  der  Wort­/Bildmarke  (recte:  Wortmarke)  "EBM  Ecotec".  Für  die  beantragte  Warenklasse  11  fehle  es  an  einem Widerspruch,  und  die  Dienstleistungsklasse  37  falle  nicht  unter  das  Schutzprivileg  der  Widerspruchsmarke.  Die  Wort­ /Bildmarke  ebm  werde  seit  2003  nicht  mehr  verwendet,  weil  die  Unternehmensgruppe mittlerweile unter der Marke "ebmpapst" auftrete. In  der  Schweiz  sei  die  Marke  "ebm"  nie  genutzt  worden.  Gross­  und  Kleinschreibung  seien  entgegen  der  Meinung  der  Beschwerdeführerin  relevant.  Es  bestehe  keine  Verwechslungsgefahr,  weil  die  Marke  als  Ganzes  zu  würdigen  sei.  Das  symbolisierte  Gebläse  führe  zu  weiterer  Unterscheidbarkeit.  Die  Beschwerdegegnerin  sei  Inhaberin  zahlreicher  weiterer Marken,  die  keinen Anlass  zu Widerspruchsverfahren  gegeben  hätten.  Die  Tätigkeit  der  Beschwerdegegnerin  beschränke  sich  auf  den  Energiebereich  und  richte  sich  an  Endverbraucher,  während  die  Beschwerdeführerin  Hersteller  von  Spezialprodukten  mit  Halbfabrikaten  beliefere.  D.  Mit Replik  vom 24. März  2010 machte  die Beschwerdeführerin  geltend,  beim  Widerspruch  gegen  die  Warenklasse  7  handle  es  sich  um  ein  redaktionelles  Versehen,  gemeint  sei  die  Warenklasse  11.  Die  ältere  Marke  sei  2005­2008  für  Radialgebläse  und  ­ventilatoren  sowie  Schaltnetzteile gebraucht worden. Der Gebrauch in Deutschland sei dem  Gebrauch  in der Schweiz aufgrund des Übereinkommens vom 13. April  1892  zwischen  der  Schweiz  und  Deutschland  betreffend  den  gegenseitigen  Patent­,  Muster­  und  Markenschutz   (SR  0.232.149.136)  gleichgestellt.  Farbe  sowie  Gross­  und  Kleinschreibung  seien  für  die  Unterscheidbarkeit  unerheblich.  Die  ältere  Marke  sei  zudem  weltweit  bekannt.  Es  bestehe  die  Gefahr  der  Annahme  einer  Serienmarke.  Der  Umfang der tatsächlichen Nutzung sei für die Eintragung unerheblich.

B­2227/2011 E.  Mit  Duplik  vom  8.  Juli  2010  machte  die  Beschwerdegegnerin  geltend,  dass es unzulässig  sei,  den Widerspruch gegen die Warenklasse 7 auf  die Warenklasse 11 umzudeuten. Der ernsthafte Gebrauch der Marke sei  durch  die  Beschwerdeführerin  nicht  rechtsgenüglich  nachgewiesen  worden.  Die  fraglichen  Katalogseiten  stammten  nicht  aus  dem  Produktekatalog,  sondern  seien  nachträglich  eingefügt  worden.  Die  Produkte  seien  nicht  unter  der  Marke  "ebm"  (fig.),  sondern  unter  der  Marke  "ebmpapst"  verkauft worden. Den Fakturalisten und Rechnungen  könne  ein  tatsächlicher Gebrauch  der Marke  nicht  entnommen werden.  Das  Bestehen  einer  Markenähnlichkeit  sei  aufgrund  des  symbolhaften  Bild  eines  Ventilators  ausgeschlossen.  Es  bestehe  keine  Waren­  und  Dienstleistungsgleichartigkeit,  weil  sich  die  massgeblichen  Verkehrskreise nicht durch die Ähnlichkeit der Marken irreführen liessen.  F.  Mit Entscheid vom 14. März 2011 wies die Vorinstanz den Widerspruch  ab. Die  ins Recht  gelegten Katalogseiten  seien weder  durchnummeriert  noch datiert und die fotografischen Abbildungen nicht datierbar, weshalb  diese  keinen  Beweis  für  die  Nutzung  der  Marke  erbrächten.  Schaltnetzteile  seien Bauteile  der Klasse 9  und  somit  für  den Fall  nicht  relevant.  Der  rechtserhaltende  Gebrauch  der  Marke  sei  nicht  rechtsgenüglich belegt worden. G. Mit Schreiben vom 13. April 2011 führt die Beschwerdeführerin gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde  ans  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragt,  es  sei  festzustellen,  dass  die  Marke  "ebm"  (fig.)  rechtserhaltend  gebraucht  wurde,  der  Entscheid  der  Vorinstanz  aufzuheben  und  das  Verfahren  zur  Neubeurteilung  an  diese  zurückzuweisen sei. Die Vorinstanz habe die eingereichten Belege nicht  mit der angebrachten Sorgfalt geprüft und es sich bei deren Beurteilung  zu leicht gemacht. Es könne der Nachweis erbracht werden, dass die ins  Recht gelegten Katalogseiten aus dem erwähnten Katalog stammten. Die  Marke sei bis 2008 rechtserhaltend gebraucht worden. In der Beilage der  Beschwerde  legte  die  Beschwerdeführerin  zwei  Originalkataloge,  "Axialventilatoren"  und  "Radialgebläse  und ­ventilatoren" von 2005, ins Recht. H.  In  ihrer  Stellungnahme  zur  Beschwerde  beantragte  die  Beschwerdegegnerin,  dass  die  Beschwerde  abzuweisen  und  der 

B­2227/2011 Entscheid  der  Vorinstanz  zu  bestätigen  sei.  Die Wort­/Bildmarke  [recte:  Wortmarke]  "EBM Ecotec"  sei  in den Klassen 11 und 37 zu bestätigen,  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolgen.  Die  Markeninhaberin  gehöre  zur Genossenschaft Elektra Birseck (EBM), die seit 112 Jahren bestehe  und stets unter der Marke  "EBM" aufgetreten sei. Das Nachreichen des  Katalogs sei ein unzulässiges unechtes Novum. Die Widerspruchsmarke  sei im Katalog ausserdem nicht ersichtlich. Die Marke "ebm" sei von 2006  bis  2009  nicht  ernsthaft  gebraucht  worden.  Es  bestehe  kein  Konnex  zwischen  den  Produkteabbildungen  und  dem  Katalog.  Die  Beschwerdeführerin verwende einzig die Marke "ebmpapst". I.  Auf die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung haben die Parteien  stillschweigend verzichtet. J.  Auf  die  einzelnen  und  weitere  Vorbringen  der  Parteien  ist,  soweit  sie  rechtserheblich sind, in den folgenden Erwägungen einzugehen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  zur  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen Entscheide der Vorinstanz in Widerspruchssachen zuständig (Art.  31, 32 und 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das  Bundesverwaltungsgericht  [Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG,  SR  173.32]).  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  und  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt. Sie hat zudem ein als schutzwürdig anzuerkennendes Interesse  an  deren  Aufhebung  und  Änderung,  weshalb  sie  zur  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 48  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021]).  Eingabefrist und  ­form sind gewahrt  (Art. 50 und 52 Abs. 1 VwVG), der  Vertreter  hat  sich  rechtsgenüglich  ausgewiesen  (Art.  11 Abs.  2 VwVG),  und  der  Kostenvorschuss  wurde  fristgemäss  bezahlt  (Art.  63  Abs.  4  VwVG). Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten. 2.  Vorliegend  strittig  ist  allein  die  Frage  nach  dem  rechtserhaltenden  Gebrauch  der  Widerspruchsmarke.  Ob  der  Widerspruch  rechtzeitig  gegenüber  allen  Waren  der  angefochtenen  Marke  erhoben  worden  ist  und  ob  eine  Verwechslungsgefahr  besteht,  hätte  die  Vorinstanz 

B­2227/2011 gegebenenfalls  auf  dem  Weg  der  Rückweisung  zu  beantworten,  wenn  sich  die  Beschwerde  als  begründet  erweist  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­6372/2010  vom  31.  Januar  2010 E.  4.1 –  SWISS  MILITARY  BY  BTS,  B­7429/2006  vom  20.  März  2008,  E.4 –  Diacor/Diastor,  B­7420/2006  vom  1.  Dezember  2007,  E.  4.1f.  ­  WORKPLACE). 3.  3.1.  Die  Beschwerdegegnerin  führt  aus,  dass  es  sich  bei  der  Nachreichung  des  Originalkatalogs  um  ein  verspätetes  Einreichen  unechter  Noven  handle.  Die  Beschwerdeführerin  habe  damit  ihre  prozessualen Mitwirkungspflichten schuldhaft verletzt.  3.2. Während das Widerspruchsverfahren vom Untersuchungsgrundsatz  beherrscht  wird  (Art.  12  VwVG),  gilt  für  den  Nachweis  des  rechtserhaltenden  Gebrauchs  die  Verhandlungsmaxime.  Ein  fehlender  Gebrauch  wird  nicht  von  Amtes  wegen  berücksichtigt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts B­5325/2007 vom 12. November 2007 E. 4 –  Adwista/ad­vista),  weshalb  auch  seine  Glaubhaftmachung  der  Verhandlungsmaxime  untersteht  (Art.  32  MSchG,  CHRISTOPH  WILLI,  in  Markenschutzgesetz,  Kommentar  zum  schweizerischen  Markenrecht  unter  Berücksichtigung  des  europäischen  und  internationalen  Markenrechts, Zürich 2002, Art. 32 MSchG Rz. 6). Es hätte darum nicht  der  Vorinstanz  oblegen,  von  Amtes  wegen  Recherchen  zum Gebrauch  der Widerspruchsmarke durchzuführen. Alle Gebrauchsbelege waren von  der  Beschwerdeführerin  zu  erbringen.  Diese  trifft  hier  eine  besondere  Mitwirkungspflicht (Art. 13 VwVG, Art. 32 MSchG), welche auch im daran  anschliessenden  Beschwerdeverfahren  besteht.  In  diesem  können  allerdings  auch  Noven  geltend  gemacht  werden,  selbst  wenn  die  neu  eingereichten  Unterlagen  an  sich  früher  hätten  eingereicht  werden  können  ("unechte Noven", KARIN BÜRGI LOCATELLI, Der  rechtserhaltende  Markengebrauch  in  der  Schweiz,  Bern  2008,  S. 193;  RHINOW/KOLLER/KISS,  Öffentliches  Prozessrecht  und  Justizverfassungsrecht  des  Bundes,  1996,  N  1050;  LUCAS  DAVID,  in:  Kommentar  zum  schweizerischen  Privatrecht,  Markenschutzgesetz/Muster­ und Modellgesetz, Basel 1999, MSchG Art.  36,  N  9;  vgl.  RKGE  in  sic!  1998,  406  E.3  ­  Anchor/Ancora).  Nach  ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist das Einreichen neuer  Gebrauchsbelege  in  diesem  Verfahrensstadium  zulässig  [BVerG  B­

B­2227/2011 7449/2006  E.  4  –  Exit  (fig.)/Exit  One;  B­7505/2006  E.  4  –  max  MAXIMUM+VALUE (fig.); B­648/2008 E. 7 – Hirsch (fig.)/Hirsch (fig.)].  3.3.  Die  Beschwerdeführerin  legte  als  Beilage  ihrer  Beschwerde  ans  Bundesverwaltungsgericht  zwei  Originalkataloge,  "Axialventilatoren"  und  "Radialgebläse  und  ­ventilatoren"  von  2005  (act.  8  und  12)  sowie  vier  Farbkopien  (act.  4,  11)  ins  Recht.  In  Anwendung  vorstehender  Rechtsprechung  kann  der  Beschwerdeführerin  nicht  entgegengehalten  werden, dass sie gewisse Beweismittel im Beschwerdeverfahren zu spät  eingereicht habe. Eine mangelhaft erfüllte Mitwirkungspflicht kann jedoch  bei der Kostenverlegung berücksichtigt werden. 4.  4.1.  Eine  Marke  ist  ein  Zeichen,  das  geeignet  ist,  Waren  oder  Dienstleistungen eines Unternehmens von solchen anderer Unternehmen  zu  unterscheiden  (Art.  1  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  28.  August  1992  über  den  Schutz  von  Marken  und  Herkunftsangaben  [Markenschutzgesetz,  MSchG;  SR  232.11]).  Das  Markenrecht  entsteht  mit der Eintragung  im Register  (Art. 5 MSchG). Es verleiht dem Inhaber  das  ausschliessliche  Recht,  die  Marke  zur  Kennzeichnung  der  Waren  oder Dienstleistungen,  für die  sie beansprucht wird,  zu gebrauchen und  darüber  zu  verfügen  (Art.  13  Abs.  1  MSchG).  Vom  Markenschutz  ausgeschlossen  sind  Zeichen,  die  einer  älteren  Marke  ähnlich  und  für  gleiche oder gleichartige Waren oder Dienstleistungen bestimmt sind, so  dass  sich  daraus  eine  Verwechslungsgefahr  ergibt  (Art.  3  Abs.  1  lit.  c  MSchG). Der Inhaber einer älteren Marke kann gestützt auf Art. 3 Abs. 1  MSchG Widerspruch gegen entsprechende Markeneintragungen erheben  (Art.  31  Abs.  1 MSchG).  Behauptet  der Widerspruchsgegner mit  seiner  ersten  Stellungnahme  an  die  Vorinstanz  den  Nichtgebrauch  der  Widerspruchsmarke,  hat  der  Widersprechende  den  Gebrauch  oder  wichtige  Gründe  für  den  Nichtgebrauch  glaubhaft  zu  machen  (Art.  32  MSchG).  Gelingt  der  Gebrauchsnachweis  und  erweist  sich  ein  Widerspruch  als  begründet,  so  wird  die  Eintragung  ganz  oder  teilweise  widerrufen, andernfalls wird der Widerspruch abgewiesen. 4.2. Gemäss Art. 11 Abs. 1 MSchG ist eine Marke geschützt, soweit sie  im Zusammenhang mit den Waren und Dienstleistungen gebraucht wird,  für die sie beansprucht wird. Hat der Inhaber eine Marke während des in  Art.  12  Abs.  1  MSchG  vorgesehenen  Zeitraums  von  fünf  Jahren  nicht  gebraucht,  so kann er  sein Markenrecht  (vorbehältlich wichtiger Gründe 

B­2227/2011 für  den  Nichtgebrauch)  nicht  mehr  geltend  machen.  Widersprechende  haben  anlässlich  des  Widerspruchsverfahrens  den  Gebrauch  der  Widerspruchsmarke  glaubhaft  zu  machen,  sobald  die  Gegenseite  den  Nichtgebrauch  der  älteren  Marke  behauptet  (Art.  32  MSchG).  Die  Gebrauchsfrist  ist  dabei  von  der  Geltendmachung  des  Nichtgebrauchs  durch die Widerspruchsgegnerin an rückwärts zu rechnen (RKGE in sic!  2002,  106  E.6.1  Genesys/Genesis).  Die  Einrede  des  Nichtgebrauchs  muss  durch  die  Widerspruchsgegnerin  mit  ihrer  ersten  Stellungnahme  erhoben  werden  (Art.  22  Abs.  3  der  Markenschutzverordnung  vom  23.  Dezember 1992 [MSchV, SR 232.111]). 4.3. Die Obliegenheit des Markengebrauchs besteht grundsätzlich für alle  Waren  und  Dienstleistungen,  für  die  sie  eingetragen  ist.  Nur  bezüglich  derjenigen Waren  oder  Dienstleistungen,  für  die  eine Marke  tatsächlich  gebraucht wird  (sofern nicht zureichende Gründe  für den Nichtgebrauch  bestehen), treten die Rechtswirkungen des rechtserhaltenden Gebrauchs  ein  (BÜRGI  LOCATELLI,  a.a.O.,  21).  Der  Gebrauch  der  Ware  für  einen  Teilbegriff  ist  allerdings  dann  rechtserhaltend  für  den  ganzen  eingetragenen  Oberbegriff,  wenn  es  sich  um  eine  typische  Ware  des  Oberbegriffs  handelt  (BÜRGI  LOCATELLI,  a.a.O.,  28).  und  wenn  der  Oberbegriff nach Verkehrsauffassung und den Branchengepflogenheiten  mehrere  wesensgemäss  verschiedene Warengattungen  umfasst  (BÜRGI  LOCATELLI, a.a.O., 29). 4.4. Grundsätzlich muss die Marke in der Schweiz gebraucht werden. Es  gibt  aber  zwei  Ausnahmen  vom  Territorialitätsprinzip  (vgl.  CHRISTOPH  WILLI,  in  Markenschutzgesetz,  Kommentar  zum  schweizerischen  Markenrecht  unter  Berücksichtigung  des  europäischen  und  internationalen Markenrechts, Zürich 2002, Art. 11 MSchG Rz. 33ff.; ERIC  MEIER,  L'obligation  d'usage  en  droit  des  marques,  2005,  S.  109  ff.;  PHILIPPE GILLIÉRON, L'usage à titre de marque en droit suisse in sic! 2005  Sonderheft, S. 108), nämlich den Gebrauch  für den Export  sowie Art.  5  des  Übereinkommens  vom  13.  April  1892  zwischen  der  Schweiz  und  Deutschland  betreffend  den  gegenseitigen  Patent­,  Muster­  und  Markenschutz  (SR  0.232.149.136),  der  den  Gebrauch  in  Deutschland  dem  Gebrauch  in  der  Schweiz  gleichstellt.  Art.  5  Abs.  1  dieses  Staatsvertrags  lautet:  "Die  Rechtsnachteile,  welche  nach  den Gesetzen  der vertragschliessenden Teile eintreten, wenn eine Erfindung, ein Muster  oder  Modell,  eine  Handels­  oder  Fabrikmarke  nicht  innerhalb  einer  bestimmten Frist ausgeführt, nachgebildet oder angewendet wird, sollen  auch  dadurch  ausgeschlossen  werden,  dass  die  Ausführung, 

B­2227/2011 Nachbildung  oder  Anwendung  in  dem  Gebiete  des  anderen  Teiles  erfolgt.".  Die  Rechte  aus  diesem  Staatsvertrag  können  zum  vornherein  nur  deutsche  und  schweizerische  Staatsangehörige  sowie  Angehörige  dritter Staaten mit Wohnsitz  oder Niederlassung  in Deutschland oder  in  der Schweiz beanspruchen, wobei es  für  juristische Personen allerdings  genügt, wenn sie eine tatsächliche und nicht nur zum Schein bestehende  gewerbliche  oder  Handelsniederlassung  in  einem  der  Vertragsstaaten  haben (BGE 124 III 277 S. 283, mit weiteren Hinweisen; MEIER, a.a.O., S.  110). 4.5.  Der  Widersprechende  muss  den  Gebrauch  einer  Marke  nicht  beweisen,  sondern  nur  glaubhaft  machen  (Art.  32  MSchG).  Glaubhaftmachen  des Gebrauchs  bedeutet,  dass  dem Richter  aufgrund  objektiver Anhaltspunkte der Eindruck zu vermitteln ist, dass die in Frage  stehenden  Tatsachen  nicht  bloss möglich,  sondern  wahrscheinlich  sind  (BGE 130 III 321 E. 3.3; 120 II 393 E.4c; 88 I 11 E. 5a). Es braucht keine  volle  Überzeugung  des  Richters,  doch  muss  er  zumindest  die  Möglichkeit,  dass  die  behaupteten  Tatsachen  stimmen,  höher  einschätzen  als  das  Gegenteil  (LUCAS  DAVID,  in:  Kommentar  zum  schweizerischen  Privatrecht,  Markenschutzgesetz/Muster­  und  Modellgesetz, Basel 1999, MSchG Art. 12, Rz. 16; RKGE in sic! 2002, 53  E.4 Express/Express clothing). 4.6.  Als  mögliche  Belege  für  den  Gebrauch  dienen  Urkunden  (Rechnungen, Lieferscheine) und Augenscheinsobjekte (Etikettenmuster,  Verpackungen,  Kataloge,  Prospekte).  Zeugen  können  im  Widerspruchsverfahren vor der Vorinstanz keine einvernommen werden.  Im  Beschwerdeverfahren  ist  dies  möglich  (Art.  14  Abs.  1  lit.  c  VwVG;  WILLI,  a.  a.  O.,  Art.  32,  Rz.  7).  Alle  Beweismittel  müssen  sich  auf  den  massgeblichen Zeitraum vor  der Einrede des Nichtgebrauchs  beziehen,  was  deren  einwandfreie  Datierbarkeit  voraussetzt.  Undatierbare  Belege  können aber  unter Umständen  in Kombination mit  anderen,  datierbaren  Gebrauchsbelegen  berücksichtigt  werden  (RKGE  in  sic!  2005,  754  E.4  Gabel/Kabel 1). 4.7. Rechtserhaltend  wirkt  nur  ein  ernsthafter  Gebrauch  der  Marke.  Zu  berücksichtigen  sind  dabei  Art,  Umfang  und  Dauer  des  Gebrauchs  (RKGE  in  sic!  2004,  38  E.5  Bosca).  Die  Belege müssen  überdies  vom  funktionsgerechten Gebrauch der Marke zeugen. Kein funktionsgerechter  Gebrauch  liegt vor, wenn die Marke von den Abnehmern nicht als Mittel  zur  Unterscheidung  verschiedener  Produkte  erkannt  wird.  Ihren  Zweck 

B­2227/2011 kann  eine  Marke  nur  erfüllen,  wenn  sie  bestimmten  Produkten  zugeordnet  werden  kann  (WILLI,  a.  a.  O.,  Art.  11,  N  14;  DAVID,  a.a.O.,  MschG  Art. 11  Rz.  10;  IVAN CHERPILLOD,  Le  droit  suisse  des  marques,  Lausanne 2007, S. 191f.).  4.8. Weiter muss das Zeichen so, wie es eingetragen ist, oder in hiervon  nur  unwesentlich  abweichender  Form  gebraucht  worden  sein  (Art.  11  Abs. 2 MSchG; DAVID, a. a. O., Art. 11 MschG, Rz 17; RKGE in sic! 2004,  106  E.5  Seiko  Rivoli/R  Rivoli  (fig.)).  Das  Weglassen  nebensächlicher  Bestandteile  und  Modernisierungen  der  Schreibweise  der  Marke  sind  zulässig,  während  das  Weglassen  eines  unterscheidungskräftigen  Elements  zu  einem  anderen  Gesamtbild  und  damit  zu  einem  von  der  Registrierung  abweichenden  Gebrauch  führt  (vgl.  EUGEN  MARBACH,  in  ROLAND  VON  BÜREN/LUCAS  DAVID  [Hrsg.],  Schweizerisches  Immaterialgüter­ und Wettbewerbsrecht, Bd. III, Kennzeichenrecht, Basel  1996, Markenrecht, S. 177 f.; BGE 99 II 119 Silva; DAVID, a. a. O., Art. 11,  Rz.  17).  Entscheidend  ist,  dass  der  kennzeichnungskräftige  Kern  der  Marke, der das markenspezifische Gesamtbild prägt, nicht seiner Identität  beraubt  wird  (BGE  130  III  267  E.4  S.  272  Tripp  Trapp).  Durch  die  Änderung  darf  mit  anderen  Worten  nicht  der  Charakter  der  Marke  verloren gehen (DAVID, a. a. O., Art. 11, Rz. 14). Die eingetragene und die  benutzte Marke müsse von den betroffenen Verkehrskreisen noch als ein  und  dasselbe  Zeichen  angesehen  werden  (WILLI,  a.  a.  O.,  Art.  11,  Rz.  51). 5.  5.1.  Vorliegend  hat  die  Vorinstanz  festgestellt,  dass  die  Einrede  des  Nichtgebrauchs  im  vorliegenden  Verfahren  rechtzeitig  erhoben  worden  sei  (Erwägung  B  7  des  angefochtenen  Entscheids),  was  unbestritten  geblieben ist. Strittig ist hingegen, ob der rechtserhaltende Gebrauch der  Widerspruchsmarke in der Schweiz (vgl. BGE 107 II 356 E. 1.c S. 360 La  San  Marco)  durch  die  Beschwerdeführerin  glaubhaft  gemacht  werden  konnte. 5.2. Die  Beschwerdeführerin  macht  in  ihrer  Replik  vom  24.  März  2010  geltend,  dass  der  Markengebrauch  in  Deutschland  gemäss  dem  Übereinkommen  vom  13.  April  1892  dem  Markengebrauch  in  der  Schweiz  gleichgestellt  sei  (Replik,  Ziff.  II/1/d).  Nachdem  der  erwähnte  Staatsvertrag  den  Gebrauch  in  Deutschland  dem  Gebrauch  in  der  Schweiz  gleichstellt,  reicht  es  aus,  wenn  die  Beschwerdeführerin  den 

B­2227/2011 ernsthaften  Gebrauch  der  Marke  in  Deutschland  nachweist.  Die  Beschwerdeführerin macht  weiter  geltend,  dass  die mit  Replik  vom  24.  März  2010  eingereichten  Gebrauchsbelege  ausreichten,  den  Gebrauch  der  Marke  "ebm"  (fig.)  zu  belegen.  Die  drei  Abbildungen  von  Axialventilatoren (act. 4­6) erfüllten alle Auflagen, um den Gebrauch der  Marke  glaubhaft  zu  machen.  Die  Kennzeichnungen  der  fraglichen  Ventilatoren  würden  die  Herstellungswoche  und  das  Herstellungsjahr  zweifelsfrei  bezeichnen.  Die  Abbildungen  seien  in  den  Kontext  der  dazugehörigen Kataloge zu stellen. 5.3.  Die  Beschwerdegegnerin  wendet  dagegen  ein,  dass  die  Ausführungen  der  Vorinstanz  zu  Recht  festgehalten  hätten,  dass  der  Produktekatalog  für  Axialventilatoren  2005  nur  in  Auszügen  vorgelegt  worden  sei  und  die  für  den  Markengebrauch  relevanten  Seiten  in  auffallend  anderer  Aufmachung  als  die  übrigen  Seiten  hinzugefügt  worden seien. Auch die wilde Edition von Fakturalisten und Rechnungen  habe den Gebrauch der Widerspruchsmarke nicht beweisen können. Die  Integration  fremder  Seiten  in  den  Produktekatalog  sei  überdies  irreführend. Die Marke  "ebm"  (fig.)  sei  auf  den Abbildungen  im Katalog  nicht  ersichtlich,  stattdessen  prange  überall  die Marke  "ebmpapst".  Der  ernsthafte Gebrauch sei damit klar widerlegt. 5.4. Die Vorinstanz hielt im Entscheid vom 14. März 2011, E. 8 fest, dass  drei  eingereichte  Fotokopien  der  Beilage  1  aus  dem Produktkatalog  für  Axialventilatoren aus dem Jahr 2005 nicht nummeriert seien und es nicht  glaubhaft  sei,  dass  diese  aus  dem  fraglichen  Katalog  stammten.  Dasselbe gelte für Beilage 7, die aus dem Katalog für Radialgebläse und ­ventilatoren stammen solle.  6.  6.1. Die Fristberechnung des Gebrauchs richtet sich nach Art. 2 MSchV  (SR 232.111). Demnach endet die Frist im letzten Monat an dem Tag, der  dieselbe  Zahl  trägt  wie  der  Tag,  an  dem  sie  zu  laufen  begann.  Das  Fristende  wird  mit  dem  Tag  der  Geltendmachung  des  Nichtgebrauchs,  mithin der Replik  vom 23. September 2009,  fixiert. Der Fristbeginn wird  durch  Rückrechnung  um  fünf  Jahre  berechnet.  Die  Vorinstanz  hat  den  Beginn der Frist korrekt auf den 23. September 2004 angesetzt. 6.2.  Im Katalog 2005 für Axialventilatoren erscheint die Marke "ebm" auf  den  Seiten  176­182  für  Schaltnetzteile,  welche  nicht  unter  Klasse  11 

B­2227/2011 fallen.  Dasselbe  gilt  für  den  Katalog  2005  für  Radialgebläse  und  ­ ventilatoren,  wo  auf  den  Seiten  254­260  mit  der  Widerspruchsmarke  versehene Schaltnetzteile  erscheinen.  Auf  keiner  der Rechnungen  oder  Fakturalisten erscheint die fragliche Marke "ebm" (fig.) mit oder ohne dem  stylisierten Lüfterelement.  6.3.  Mit  Bezug  auf  die  ins  Recht  gelegten,  nicht  nummerierten,  Fotokopien (act. 4 und 11) kann nach Durchsicht der Kataloge (act. 8 und  12)  festgestellt  werden,  dass  die  Fotokopien  nicht  aus  den  Katalogen  selbst  stammen,  sondern  Ausdrucke  von  Fotografien  darstellen.  In  der  Tat  ist auf diesen Fotos die strittige Marke "ebm" (fig.) zu erkennen. Der  Ventilator  Typ  W2S130­AA03­01  (act.  4)  findet  sich  auf  S.  14  des  Katalogs für Axialventilatoren (act. 8) wieder; der Ventilator Typ W2E142­ BB01­01 auf S. 16, nicht aber der Ventilator W1G200­EA91­22, von dem  auf  S.  170  nur  ähnliche  Varianten  aufgeführt  sind.  Der  Radialventilator  R2E190­AO26­05  (act.  11)  ist  auf  Seite  16  des  Katalogs  für  Radialgebläse  und  ­ventilatoren  (act.  12)  zu  finden.  Die  Datierung  der  Geräte  (Woche/Jahr  im  Format  WW/JJ)  ist  nachvollziehbar.  Die  fraglichen  Ventilatoren  werden  im  Katalog  unter  der  Marke  "ebmpapst"  geführt. Die muss der Beschwerdeführerin allerdings nicht  zum Nachteil  gereichen,  denn  es  ist  vom Grundsatz  auszugehen,  dass  jede  einzelne  Marke  bei  einer  solchen  Mehrfachkennzeichnung  rechtserhaltend  gebraucht  wird,  wenn  sie  funktionsgemäss  verwendet  wird  […]  (BÜRGI  LOCATELLI, a.a.O., S. 84). 6.4.  Für  den  Ventilator  Typ  W2S130­AA03­01  liegen  zum  Beweis  des  Umsatzes folgende Belege im Recht: Excel­Tabellen (act. 2), offenbar für  interne  Lieferungen,  denn  Kunde  ist  stets  Knr.  5500,  ebm­papst  AG;  Rechnungen  (act.  2a,  act.  9)  Nr.  90002054  vom  14.2.2005  (480  Stk.);  90000349  vom  2.2.2005  (1440  Stk.);  90004777  vom  1.3.2005  (2616  Stk.);  90184902  vom  14.4.2008  (960  Stk.);  90203749  vom  1.8.2008  (3803+225  Stk.);  90167636  vom  4.1.2008  (1440  Stk.);  Fakturaliste  an  Pfannenberg  GmbH  (act.  2b);  Fakturaliste  an  Rübsamen  (act.  2c);  Fakturaliste  an  MIWE  Michael  Wenz  GmbH  (act.  2d);  Fakturaliste  an  Koch GmbH & Co.  KG  (act.  2e). Diese  Lieferungen  erfolgten  zu  einem  erheblichen  Teil  an  Dritte,  weshalb  sie  den  Markengebrauch  glaubhaft  machen. 6.5.  Für  den  Ventilator  Typ  W2E142­BB01­01  liegen  zum  Beweis  des  Umsatzes folgende Belege im Recht: Excel­Tabellen (act. 3), offenbar für  interne  Lieferungen,  denn  Kunde  ist  stets  Knr.  5500,  ebm­papst  AG. 

B­2227/2011 Diese  Lieferungen  sind  für  die  Bestimmung  des  Markengebrauchs  irrelevant, denn der  interne Gebrauch reicht nicht aus, um das Recht zu  erhalten  (MEIER,  a.a.O.,  S.  31).  Zudem  liegt  eine  Rechnung  90001347  (act.  10)  vom  9.2.2005  (360  Stk.)  im  Recht,  die  den  Umsatz  an  Dritte  glaubhaft macht. 6.6.  Für  den  Ventilator  Typ  R2E190­AO26­05  liegen  zum  Beweis  des  Umsatzes  folgende Belege  im Recht: Rechnungen  (act. 2a, act. 13) Nr.  90203749 vom 1.8.2008  (169 Stk.); 90167395 vom 2.1.2008  (384 Stk.);  90060288 vom 14.3.2006 (84 Stk.); 90011699 vom 15.4.2005 (216 Stk.);  90004777 vom 1.3.2005 (92 Stk.). Diese Lieferungen erfolgten zu einem  erheblichen  Teil  an  Dritte,  weshalb  sie  den  Markengebrauch  glaubhaft  machen. 6.7. Die Belege für den Energiesparmotor M1G055­BD91­45 und für den  quadratischen  Spaltmotor  M4Q045­BD01­01  können  mangels  Originalkatalog nicht weiter auf  ihre Authentizität geprüft werden. Zudem  handelt  es  sich  hier  um  Elektromotoren.  Diese  sind,  wie  die  Schaltnetzteile  (act.  9­12a),  aufgrund  unterschiedlicher  Nizza­ Klassifikation im vorliegenden Fall irrelevant. 6.8.  Die  auf  act.  4  erscheinende  doppelte  Markenbezeichnung  "ebm"  (fig.) und "ebmpapst" auf dem Ventilator Typ W2E142­BB01­01 sowie die  Verwendung der Marke "ebm" (fig.) auf den Ventilatoren W2S130­AA03­ 01  und  R2E190­A026­05,  die  beide  im  Katalog  unter  der  Marke  "ebmpapst"  erscheinen,  lassen  Zweifel  an  der  Ernsthaftigkeit  des  Markengebrauchs  aufkommen,  denn  wenn  der  Markeninhaber  ohne  ersichtliche  sachliche  Rechtfertigung  eine  Ware  mit  mehreren  Marken  bezeichnet,  aber  in  der  Werbung,  auf  Preislisten  oder  auf  Geschäftspapieren  nur  eine  dieser  Marken  gebraucht,  kann  man meist  von einer Scheinbenutzung ausgehen  (BÜRGI LOCATELLI, a.a.O., 85). Da  es  sich  in  casu  jedoch  offensichtlich  nicht  um  eine  Scheinbenutzung,  sondern  um  die  Noch­Benutzung  einer  vorher  regelmässig  benutzten  Marke handelt, ist von einer ernsthaften Benutzung auszugehen. 6.9.  Somit  kann  festgehalten  werden,  dass  der  Gebrauch  der  Marke  "ebm"  (fig.)  im  Jahr  2005  für  die  erwähnten  Geräte  glaubhaft  gemacht  werden konnte. 6.10.  Damit  bleibt  zu  prüfen,  auf  welche  Warengattungen  sich  dieser  Gebrauch der Widerspruchsmarke erstreckt. 

B­2227/2011 Die  Widerspruchsmarke  wird  für  Klasse  7,  "Ventilateurs  et  souffleries  commandés  par  moteur  électrique;  moteurs  à  commande  électrique  (autres que pour véhicules  terrestres)" sowie Klasse 11,  "Ventilateurs et  souffleries commandés par moteur électrique", beansprucht.  Der  Markengebrauch  ist  nur  für  Waren  oder  Dienstleistungen  rechtserhaltend,  die  unter  einen  in  der  Warenklasse  ausdrücklich  aufgeführten Begriff subsumiert werden können (BÜRGI LOCATELLI, a.a.O.,  23f.).  Die  Widerspruchsmarke  ist  für  "Ventilateurs  et  souffleries  commandés par moteur électrique" eingetragen. Übersetzt bedeutet das  "Ventilatoren  und  von  Elektromotoren  angetriebene  Gebläse".  Dies  entspricht  exakt  den  in  E. 6.3  ff.  untersuchten  Axialventilatoren,  Radialgebläsen  und  ­ventilatoren,  die  zweifelsfrei  unter  den  erwähnten  Oberbegriff fallen. Weiter ist sie für und "moteurs à commande électrique  (autres  que  pour  véhicules  terrestres)"  eingetragen.  Dies  bedeutet  "elektrisch betriebene Motoren (ausser für Landfahrzeuge)". Wie in E. 6.7  aufgezeigt,  kann  der  Markengebrauch  für  Elektromotoren  nicht  belegt  werden.  Als  Zwischenergebnis  ist  demzufolge  festzuhalten,  dass  die  Widerspruchsmarke  für  Ventilatoren  und  durch  Elektromotoren  angetriebene Gebläse rechtserhaltend gebraucht wurde. 7.  7.1.  Es  erscheint  deshalb  angezeigt,  die  Beschwerde  kassatorisch  teilweise  gutzuheissen  und  die  Streitsache  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen,  damit  sie  die  Verwechslungsgefahr  der  in  Frage  stehenden  Produkte  der  angefochtenen  und  der  Widerspruchsmarke  überprüft und gestützt darauf einen neuen Entscheid fällt. 7.2.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  werden  sowohl  die  Beschwerdeführerin  als  auch  die Beschwerdegegnerin  teilweise  kosten­  und entschädigungspflichtig (Art. 63 Abs. 1 und 64 Abs. 1 VwVG). 7.3.  Die  Gerichtsgebühr  ist  nach  Umfang  und  Schwierigkeit  der  Streitsache,  Art  der  Prozessführung  und  der  finanziellen  Lage  der  Parteien  festzulegen  (Art.  63  Abs.  4bis  VwVG,  Art.  2  Abs.  1  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Im  Beschwerdeverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  ist  dafür  ein  Streitwert  zu  veranschlagen  (Art.  4  VGKE),  wobei  in  Anlehnung  an  die  höchstrichterliche  Praxis  auch  im  vorliegenden  Fall  ein  Streitwert 

B­2227/2011 zwischen Fr. 50'000.00 und Fr. 100'000.00 angenommen wird  (vgl. BGE  133 III 492 E. 3.3 "Turbinenfuss" [3D] mit Hinweisen). 7.4.  Nach  dem  Gesagten  rechtfertigt  es  sich,  die  Verfahrenskosten  insgesamt auf Fr. 4'500.00 festzulegen. Der Beschwerdeführerin werden,  aufgrund  des  von  ihr  verursachten  Mehraufwandes  ein  Anteil  von  Fr. 2'500.00  überbunden,  denn  sie  hätte  die  im  Beschwerdeverfahren  eingebrachten Belege bereits vor der Vorinstanz einreichen können und  hat  überdies  eine  Vielzahl  irrelevanter  Belege  ins  Recht  gelegt.  Die  Beschwerdegegnerin  hat  einen  Anteil  von  Fr. 2'000.00  zu  tragen  (Entscheide der RKGE vom 3. Mai 2005, veröffentlicht in sic! 2006 S. 39  E. 7 Syscor/Sicor und vom 4. März 2003 veröffentlicht in sic! 2004 S. 41  E. 9 Bosca/Luigi Bosca). 7.5. Die Parteientschädigungen sind damit wettgeschlagen. 7.6. Gegen dieses Urteil steht keine Beschwerde ans Bundesgericht offen  (Art.  73  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). Es ist rechtskräftig.

B­2227/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  teilweise  gutgeheissen.  Der  angefochtene  Entscheids wird  aufgehoben  und  die  Streitsache  zur Neubeurteilung  im  Sinne der Erwägung 7.1 an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 4'500.00  werden  im  Umfang  von  Fr. 2'500.00 der Beschwerdeführerin und im Umfang von Fr. 2'000.00 der  Beschwerdegegnerin  auferlegt.  Der  Anteil  der  Verfahrenskosten  der  Beschwerdeführerin  wird  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 3'500.­  verrechnet.  Der  Restbetrag  von  Fr. 1'000.00  ist  der  Beschwerdeführerin aus der Gerichtskasse zurückzuerstatten. 3.  Über  die  vorinstanzlichen  Verfahrenskosten  (Widerspruchsgebühr)  und  die  auszurichtende  Parteientschädigung  im  erstinstanzlichen  Verfahren  hat  die Vorinstanz  entsprechend  dem Ausgang  der Neubeurteilung  und  unter Berücksichtigung des vorliegenden Entscheides neu zu befinden. 4.  Die Parteikosten werden wettgeschlagen. 5.  Dieses Urteil geht an: – die  Beschwerdeführerin  (Einschreiben;  Beilagen:  Beschwerdebei­ lagen; Rückerstattungsformular) – die  Beschwerdegegnerin  (Einschreiben;  Beilagen  zur  Beschwerde­ antwort) – die Vorinstanz (Ref. Widerspruch Nr. 10315; Einschreiben; Beilagen:  Vorakten) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: David Aschmann Beat Lenel

B­2227/2011 Versand: 4. Januar 2012

B-2227/2011 — Bundesverwaltungsgericht 03.01.2012 B-2227/2011 — Swissrulings