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Bundesverwaltungsgericht 23.08.2011 A-8603/2010

23 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,725 mots·~9 min·2

Résumé

Gebühren | Gebühren

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­8603/2010 Urteil   v om   2 3 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Markus Metz (Vorsitz), Richter Jérôme Candrian, Richter André Moser,  Gerichtsschreiber Bernhard Keller. Parteien Zirkumflex AG, handelnd durch Herrn Marc Reimann,  Gewerbestrasse 5, 6330 Cham,   Beschwerdeführerin,  gegen Stiftung ombudscom, Schlichtungsstelle  Telekommunikation, Bundesgasse 26, 3011 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Gebühren.

A­8603/2010 Sachverhalt: A.  Am  19. Mai  2009  wurde  zwischen  der  Kiosk  …,  Frau  X._______  (nachfolgend  Kundin)  und  der  API  Telekom  (Schweiz)  AG  ein  Rahmenvertrag  für  Geschäftskunden  abgeschlossen.  Dieser  Vertrag  umfasste  zwei Mobiltelefonie­Abonnemente über  je eine Rufnummer  für  24  Monate.  Der  Vertrag  nennt  als  Zahlungsart  "WIR  Einzahlungsschein/WIR  Cheque".  API  verfügte  über  kein  eigenes  Mobilfunknetz,  sondern  erbrachte  ihre  Fernmeldedienste  als  sog.  Reseller  unter  Benützung  des  Mobilfunknetzes  von  Orange  Communications AG.  B.  Am  9. Februar  2010  teilte  API  der  Kundin  mit,  dass  sie  sich  aus  dem  Fernmeldegeschäft  für  WIR  Kunden  zurückziehen  werde.  Zwei  Tage  später  soll  API  den  Vertrag  mit  Frau  X._______  auf  Zirkumflex  AG,  ebenfalls  Reseller  von Orange Communications  AG,  übertragen  haben.  Die  Kundin  war  mit  der  Vertragsübertragung  nicht  einverstanden  und  versuchte erfolglos, die beiden Mobilnummern zu Swisscom zu portieren.  Orange Communications AG teilte Swisscom in diesem Zusammenhang  mit,  dass  die  betreffenden  Nummern  vertraglich  bis  am  7. Juli  2011  gebunden  seien.  In  der  Folge  kam  es  zu  hitzigen  Telefonaten  und  Korrespondenz  zwischen  der  Kundin  und  Zirkumflex  AG.  Letztere  wies  darauf hin, dass  im Falle einer Kündigung vor Ablauf der Vertragsdauer  eine Gebühr von Fr. 500.— pro Rufnummer verlangt werden könne. Die  Rechnungen für den April 2010, allenfalls auch für den März 2010, zahlte  die Kundin vorerst nicht und es kam zu einer vorübergehenden Sperrung  der beiden Rufnummern. C.  Am  20. Mai  2010  ging  bei  der  Stiftung  ombudscom  ein  Schreiben  von  Frau  X._______  ein.  Gemäss  einem  Ausdruck  aus  deren  Informatiksystem  schildert  die  Kundin  darin  das  Vorgefallene  aus  ihrer  Sicht.  Im  Anschluss  an  die  Schilderung  der  gescheiterten  Nummernportierung  fragt  die  Kundin,  was  sie  tun  müsse.  Unter  „Ziel“  findet sich zudem, dass sie auf die betreffenden Rufnummern verzichte,  aber die „Strafe von 1000.­„ nicht zahlen will. Weiter findet sich die Frage,  ob sie als Kundin einfach weitergegeben werden könne. D.  Ombudscom  stufte  das  Schreiben  als  Schlichtungsbegehren  ein  und 

A­8603/2010 verlangte  von  Frau  X._______  zusätzliche  Unterlagen  ein,  andernfalls  Ombudscom  davon  ausgehe,  dass  sie  das  Schlichtungsverfahren  nicht  weiterführen wolle. Am 18. Juni 2010 sandte die Kundin die Rechnungen  und den letzten Brief der Zirkumflex AG an Ombudscom und teilte mit, es  würden rechtliche Schritte angedroht und sie wolle die Rechnungen erst  bezahlen, wenn alles geklärt  sei. Abschliessend  fragte  sie, was sie nun  unternehmen müsse. Am 22. Juni 2010 verlangte Ombudscom noch die  Reklamationsschreiben  der  Kundin  an  Zirkumflex  AG  ein.  Gleichentags  teilte  die  Kundin  mit,  sie  habe  alles  per  Post  geschickt  und  werde  es  nochmals schicken. E.  Nach  der  Aufforderung  zur  Stellungnahme  vom  24. Juni  2010  teilte  Zirkumflex AG am 28. Juni 2010 mit, sie würde am Schlichtungsverfahren  nicht teilnehmen, da sie weder Anbieterin noch Partei sei. Daraufhin wies  Ombudscom darauf hin, dass Zirkumflex AG gegenüber Frau X._______  eine  Vertragsübernahme  behauptet  habe  und  daher  Partei  des  Schlichtungsverfahrens sei und forderte erneut eine Stellungnahme. F.  Mit  Eingabe  vom  12. Juli  2010  bestritt  Zirkumflex  AG  die  Voraussetzungen  für  ein  Schlichtungsverfahren,  insbesondere  bestehe  keine  Streitigkeit  mit  der  Kundin.  Es  bestünden  keine  offenen  Rechnungen  mehr,  ebenso  wenig  habe  sie  Kenntnis  irgendwelcher  Forderungen  der  Kundin.  Im  Anschluss  daran  erteilte  Ombudscom  der  Zirkumflex  AG  einen  Zugang  zu  ihrem  Online­Dokumentensystem  und  stellte  ihr  später  noch  die  Unterlagen  zu.  Auch  in  der  Folge  bestritt  Zirkumflex  AG  mehrfach  die  Voraussetzungen  für  ein  Schlichtungsverfahren; es  fehle an einer Zivilrechtsstreitigkeit, weder die  Kundin  noch  sie  selbst  stellten  eine  Forderung.  Bezüglich  der  Nummernportierung  stelle  die  Kundin  eine  Frage  und  kein  Schlichtungsbegehren  und  habe  im  Übrigen  ausdrücklich  den  Verzicht  auf  eine  Nummernportierung  erklärt.  Umgekehrt  hielt  Ombudscom  mehrfach an ihrer Zuständigkeit und am Schlichtungsverfahren fest, holte  weitere  Informationen  bei  Orange  Communications  AG  und  Swisscom  AG zur Portierung einer Nummer und zu den vertraglichen Verhältnissen  zwischen  ihnen  und  den  Resellern  ein.  Im  Anschluss  daran  arbeitete  Ombudscom bis am 27. Oktober 2010 einen Schlichtungsvorschlag aus,  den  sie  den  Parteien  zustellte.  Der  Schlichtungsvorschlag  wurde  abgelehnt. 

A­8603/2010 G.  Mit  undatierter  Verfügung  unter  Beilage  einer  Gebührenrechnung  vom  10. November  2010  stellte  Ombudscom  Zirkumflex  AG  für  das  Schlichtungsverfahren Fr. 2'931.— (inkl. Mehrwertsteuer) in Rechnung. H.  Am  15. Dezember  2010  erhebt  Zirkumflex  AG  (Beschwerdeführerin)  Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, verlangt die Aufhebung der  Verfügung  der  Ombudscom  (Vorinstanz)  bzw.  die  Feststellung  der  Nichtigkeit  der  Verfügung,  eventuell  eine  angemessene  Herabsetzung  der  Spruchgebühr.  Weiter  beantragt  die  Beschwerdeführerin  die  Feststellung der Unzuständigkeit der Vorinstanz. Die Beschwerdeführerin  rügt,  die  Verfügung  sei  nicht  unterzeichnet  und  daher  nichtig  oder  jedenfalls  anfechtbar.  Weiter  habe  es  an  den  Voraussetzungen  für  die  Einleitung eines Schlichtungsverfahrens gefehlt und die Vorinstanz habe,  obwohl  ausdrücklich  verlangt,  keine  Verfügung  über  ihre  Zuständigkeit  erlassen. Ferner sei die Höhe der Gebühr ungerechtfertigt. I.  In ihrer Vernehmlassung vom 27. Juni 2011 beantragt die Vorinstanz die  Abweisung der Beschwerde. J.  Die Beschwerdeführerin  hält  in  ihren Schlussbemerkungen  vom 21.  Juli  2011 an ihrer Beschwerde und den Anträgen fest. K.  Auf  die  weiteren  Vorbringen  und  die  sich  in  den  Akten  befindenden  Dokumente wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen, soweit  diese entscheidrelevant sind. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine  Ausnahme  nach  Art. 32  VGG  vorliegt.  Vorinstanzen  sind  die  in  Art. 33  und Art. 34 VGG genannten Behörden. 

A­8603/2010 Als  Verfügung  gelten  gemäss  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  VwVG  Anordnungen  der  Behörden  im  Einzelfall,  die  sich  auf  öffentliches  Recht  des  Bundes  stützen  und  u.a.  die  Begründung  von  Rechten  oder  Pflichten  zum  Gegenstand  haben.  Mit  der  angefochtenen  Verfügung  auferlegt  die  Vorinstanz  in  einem konkreten Fall  der Beschwerdeführerin Kosten  und  beruft  sich  hierbei  auf  das  Fernmelderecht,  also  öffentliches  Recht  des  Bundes.  Insofern  liegt  eine  Verfügung  vor.  Streitgegenstand  ist  jedoch  unter  anderem,  ob  die  Verfügung  allenfalls  nichtig  ist.  In  diesem  Fall  würde  sie  von  Anfang  an  keine  Rechtswirkung  entfalten  und  könnte  deshalb  auch  nicht  Anfechtungsobjekt  einer  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  sein,  weshalb  auf  eine  entsprechende  Beschwerde nicht einzutreten wäre. In einem solchen Fall wäre vielmehr  die  Nichtigkeit  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  sowie  im  Dispositiv  festzustellen  (BGE 129 V 485 E.  2.3,  127  II  32 E.  3g; BVGE  2008/59 E. 4.3; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­5837/2010 vom  4. April  2011  E.  4.1;ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Aufl.,  Zürich/St.  Gallen  2010,  Rz. 955  und 961). 1.2.  Die  Stiftung  ombudscom  ist  als  Schlichtungsstelle  der  Telekombranche  gemäss  Art. 12c  Abs. 1  des  Fernmeldegesetzes  vom  30. April  1997  (FMG,  SR  784.10)  sowie  Art. 42  Abs. 1  der  Verordnung  vom  9. März  2007  über  Fernmeldedienste  (FDV,  SR  784.101.1)  eine  Organisation  ausserhalb  der  Bundesverwaltung,  die  in  Erfüllung  ihr  übertragener  öffentlich­rechtlicher  Aufgaben  des Bundes  verfügt.  Sie  ist  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts  gemäss  Art. 33  Bst. h  VGG  (vgl.  auch  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichtes  A­6464/2008  vom  6. April  2010  E. 1.3  sowie  A­6747/2008  vom 24.  Februar  2011  E. 1.3).  Eine  Ausnahme  bezüglich  des  Sachgebietes  nach Art. 32  VGG  ist nicht ersichtlich. 1.3. Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der  Vorinstanz  am  Verfahren  teilgenommen  oder  keine  Möglichkeit  zur  Teilnahme  erhalten  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder  Änderung  hat.  Als  formelle  Verfügungsadressatin  hat  die  Beschwerdeführerin  ohne  weiteres  ein  aktuelles,  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Aufhebung  bzw.  Anpassung  oder Nichtigerklärung  der  angefochtenen  Verfügung  der  Vorinstanz.  Sie  ist  folglich  beschwerdelegitimiert. 

A­8603/2010 1.4. Auf  die  im Übrigen  frist­  und  formgerecht  eingereichte Beschwerde  (Art. 50 und Art. 52 VwVG)  ist demnach grundsätzlich einzutreten, unter  dem Vorbehalt gemäss E. 1.1, dass die Verfügung nicht nichtig ist. 2.  Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf  Verletzungen  von  Bundesrecht  –  einschliesslich  der  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des  Sachverhalts  und  Überschreitung  und  Missbrauch des Ermessens – sowie auf Angemessenheit (Art. 49 VwVG). 3.  Die  Beschwerdeführerin  macht  zunächst  geltend,  die  Verfügung  sei  wegen  formeller Mängel  nichtig,  weil  ihr  sowohl  Unterschrift  wie Datum  fehlen würden. Die Vorinstanz hat sich hierzu nicht geäussert. Gemäss Art. 34 und 35 VwVG ist eine Verfügung schriftlich zu eröffnen,  als  solche  zu  bezeichnen,  zu  begründen  und  mit  einer  Rechtsmittelbelehrung  zu  versehen.  Diese  Elemente  erfüllt  die  angefochtene  Verfügung.  Weder  das  Verfahrensrecht  noch  das  Fernmelderecht verlangen ausdrücklich eine Unterzeichnung, anders als  beispielsweise  für  gerichtliche  Urteile  (vgl.  Art. 35  des  Geschäftsreglements  für  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  17. April  2008  [VGR,  SR  173.320.1]  oder  auch  Art. 238  Bst. h  der  Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [ZPO, SR  272]).  Eine  Unterschrift  ist  zwar  auch  bei  behördlichen  Verfügungen  durchaus  wünschbar,  zeigt  doch  der  Unterzeichnende  damit,  dass  er  hinter deren Inhalt steht, sie als vollständig und richtig erachtet und dass  es  sich  um  die  definitive  Fassung  handelt.  Solange  indes  das  anwendbare  Recht  nicht  ausdrücklich  eine  Unterschrift  verlangt,  ist  die  Unterschrift  gemäss  Rechtsprechung  nicht  von  Bundesrechts  wegen  Gültigkeitserfordernis für eine Verfügung (BGE 105 V 248 E. 4; Urteil des  Bundesgerichts  1P.330/2000  vom  12. Dezember  2000 E.  3b;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­4580/2007  vom  17. Januar  2008  E. 3.2).  Die Berufung auf Formmängel findet ihre Grenze am Grundsatz von Treu  und  Glauben;  somit  ist  Massstab,  ob  dem  Betroffenen  aus  der  mangelhaften Eröffnung (Art. 38 VwVG) ein Nachteil erwachsen ist. Dies  ist  insbesondere  dann  zu  verneinen,  wenn  er  durch  den  Formmangel,  hier die  falsche oder  fehlende Unterschrift, nicht  irregeführt und dadurch  benachteiligt  wurde  (Urteil  des  Bundesgerichts  U 68/02  vom  14. April  2003  E. 1.2  mit  Hinweisen;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­ 4580/2007  vom  17. Januar  2008  E. 3.2).  Gleich  verhält  es  sich  im 

A­8603/2010 vorliegenden  Fall:  Die  Beschwerdeführerin  konnte  die  Tragweite  der  verfügten Pflichten erkennen und hat rechtzeitig Beschwerde erhoben, so  dass ihr kein Nachteil erwachsen ist.  Auch  das  fehlende  Datum  auf  der  Verfügung  stellt  keinen Mangel  dar.  Nur das Datum der Zustellung ist von rechtlicher Relevanz, insbesondere  für  die  Rechtsmittelfrist  und  den  Eintritt  der  Rechtskraft,  während  das  Datum der Ausstellung bzw. des Erlasses einer Verfügung ohne Belang  ist  (vgl.  Art. 50  Abs. 1  VwVG;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­ 1277/2007 vom 18. September 2007 E. 1.2 mit weiteren Hinweisen; FELIX  UHLMANN/  ANDREA  SCHWANK  in:  Praxiskommentar  VwVG,  Waldmann/  Weissenberger (Hrsg.), Zürich 2009, Art. 38 N 26). Ein Nichtigkeitsgrund  wegen formeller Mängel ist somit zu verneinen. 4.  4.1.  Die  Beschwerdeführerin  rügt,  die  Vorinstanz  habe  zu  Unrecht  ein  Schlichtungsverfahren eingeleitet. Es hätten die Voraussetzungen hierzu  gefehlt.  So  bestehe weder  eine  Streitigkeit  über  Forderungen,  noch  sei  die  Nummernportierung  streitig.  Die  Kundin  habe  auch  nicht  vorgängig  versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden und gemäss dem klaren  Wortlaut  der  Kundin  handle  es  sich  um  eine  Anfrage  und  nicht  um  ein  Gesuch, ein Schlichtungsverfahren durchzuführen. Schliesslich stelle sich  die Frage, ob das Schlichtungsbegehren missbräuchlich sei. 4.2.  Die  Vorinstanz  stellt  sich  auf  den  Standpunkt,  sie  sei  Schlichtungsstelle  für  zivilrechtliche Streitigkeiten  zwischen Kunden  und  ihren  Anbietern  von  Fernmelde­  oder  Mehrwertdiensten.  Als  solche  sei  sie  auch  zuständig,  wenn  es  strittig  sei,  ob  überhaupt  ein  Vertrag  bestehe,  oder  wenn  es  um  inhaltliche  Auseinandersetzungen  zum  Vertrag  gehe.  Die  Parteien  seien  sich  uneinig  gewesen,  ob  ein  Vertragsverhältnis  vorgelegen  habe  oder  nicht.  Die  Kundin  hätte  sich  schriftlich  an  die  Beschwerdeführerin  gewandt,  aber  keine  Antwort  erhalten, weshalb auch die Voraussetzung erfüllt  sei, wonach vorgängig  ein Versuch einer Einigung unternommen werden müsse. Es könne einer  Kundin  nicht  zugemutet  werden,  mehrere  Schreiben  an  die  Beschwerdeführerin zu richten, ohne  je eine Antwort darauf zu erhalten.  Das  Verfahren  sei  auch  nicht  missbräuchlich  eingeleitet  worden,  die  Kundin  sei  nämlich  der  Ansicht  gewesen,  mit  der  Beschwerdeführerin  keinen Vertrag  eingegangen  zu  sein  und habe  somit  nicht  für  die  ihr  in  Rechnung  gestellten  vorzeitigen  Vertragskündigungsgebühren  aufzukommen. Dies müsse als bestrittene Forderung gelten. Da der mit 

A­8603/2010 dem  Schlichtungsverfahren  verfolgte  Zweck  oder  Nutzen  für  die  begehrende Partei  erreicht werden  könne,  sei  die  Einleitung  auch  nicht  missbräuchlich. 4.3.  Die  Rüge  betrifft  einerseits  die  Sachverhaltsfeststellung  der  Vorinstanz,  anderseits  deren  rechtliche  Würdigung.  In  Bezug  auf  den  Sachverhalt  ist  festzuhalten,  dass  aus  dem  von  der  Vorinstanz  eingereichten  Dossier  nicht  ersichtlich  ist,  dass  die  Kundin  auf  ein  Schreiben  hin  keine  Antwort  erhalten  hat.  Die  Argumentation  der  Vorinstanz, dass es ein unbeantwortetes Schreiben der Kundin gebe, das  als gescheiterte Einigung einzustufen sei,  findet keine Grundlage  in den  Akten,  vielmehr  findet  sich  insbesondere  ein  eingeschriebener Brief  der  Kundin  vom 30. April  2010,  in  dem sie einzig die Portierung der  beiden  Nummern  auf  Swisscom  verlangt  bis  am  7. Mai  2010.  Die  Beschwerdeführerin  hat  diesen  Brief  am  7. Mai  2010  beantwortet,  also  innerhalb  einer  Kalenderwoche.  Die  Antwort  kann  nicht  als  verspätet  eingestuft  und  einer  unterlassenen  Antwort  gleichgestellt  werden.  In  ihrem Schreiben an die Vorinstanz erklärt die Kundin dann ausdrücklich,  sie  verzichte  auf  die  Rufnummern,  sie  verlangte  mithin  bereits  im  vorinstanzlichen  Verfahren  keine  Portierung  mehr.  Eine  versuchte  vorgängige Einigung ist somit einzig in Bezug auf die Nummernportierung  nachgewiesen, lag aber vor der Vorinstanz gar nicht mehr im Streit. Über  andere  Punkte  ist  hingegen  kein  Einigungsversuch  nachgewiesen.  Aus  den  Akten  ergibt  sich  auch  nicht,  dass  die  Beschwerdeführerin  der  Kundin  Fr. 1'000.—  wegen  vorzeitiger  Vertragsauflösung  in  Rechnung  gestellt  hat,  wie  die  Vorinstanz  ausführt.  Ebenso wenig  findet  sich  eine  Kündigung  in  den  Akten.  Die  Beschwerdeführerin  bestreitet  denn  auch  ausdrücklich,  eine  solche  Rechnung  ausgestellt  zu  haben.  Die  Sachverhaltsfeststellung  der  Vorinstanz  erweist  sich  somit  als  aktenwidrig.  Was  die  Kundin  verlangt  hat,  geht  nicht  eindeutig  aus  den  Vorakten  hervor.  Ein  Schreiben,  das  als  dasjenige  vom  20. Mai  2010  identifiziert  werden  kann,  findet  sich nicht  in  den Akten. Die Vorinstanz hat  dessen  Inhalt  in  ihrem  Informatiksystem  erfasst;  danach  soll  die  Kundin  den  Sachverhalt aus  ihrer Sicht dargelegt haben, gefragt haben, was sie  für  die  Portierung  der Nummern machen müsse  und  unter  dem Titel  "Ziel"  wird  ausgeführt,  sie  verzichte  auf  die  Telefonnummern.  Sie  wolle  die  Strafe von Fr. 1'000.— nicht zahlen. Ob es stimme, dass sie als Kundin  einfach weitergegeben werden  könne bei  einem Verkauf  des Anbieters.  In den Akten findet sich die erste Seite eines Schreibens der Kundin mit 

A­8603/2010 dem  Titel  "Rekapitulation  der  Geschichte  mit  Zirkumflex"  und  dem  Eingangsstempel  vom  27.  Mai  2010,  das  insoweit  dem  im  System  erfassten  Schreiben  entspricht,  aber  unvollständig  ist.  Das  Schreiben  "Rekapitulation  der  Geschichte  mit  Zirkumflex"  findet  sich  noch  ein  zweites Mal  in den Vorakten, diesmal ohne Eingangsstempel dafür aber  mit  einer  zweiten Seite. Diese  zweite Seite weist  jedoch  einen  anderen  Inhalt  auf,  nämlich  dass  die  Kundin  noch  Rechnungen  von  der  Beschwerdeführerin für die Zeit bis 19. April 2010 habe und sie diese erst  zahlen  werde,  wenn  alles  abgeklärt  sei,  um  eine  Anerkennung  der  Beschwerdeführerin  als  Geschäftspartner  zu  vermeiden.  Nach  den  Vorbringen der Beschwerdeführerin, auch während des vorinstanzlichen  Verfahrens,  bestanden  aber  keine  offenen  Rechnungen  mehr.  Die  Sachverhaltsfeststellung  der  Vorinstanz  erweist  sich  somit  teilweise  als  unzutreffend,  kann  aber  in  wesentlichen  Punkten  auch  nicht  nachvollzogen werden. 4.4.  Gemäss  Art. 12c  Abs. 1  FMG  kann  jede  Partei  "bei  Streitigkeiten  zwischen  Kundinnen  oder  Kunden  und  Anbieterinnen  von  Fernmelde­  oder  Mehrwertdiensten  die  Schlichtungsstelle  anrufen".  Gegenstand  solcher Verfahren sind Zivilrechtsstreitigkeiten, da zwischen Kunden und  Anbieterinnen  zivilrechtliche  Verträge  geschlossen  werden  (vgl.  auch  Art. 43 Abs. 1 FDV). Hierzu zählt auch das nach zivilrechtlichen Kriterien  zu  beurteilende  Zustandekommen  eines  gültigen  Vertrages,  wenn  dies  strittig  ist  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­4903/2010  vom  17. März  2011, E.  3.2.1). Die  sachliche Zuständigkeit  der Vorinstanz  ist  daher für den vorliegenden Fall grundsätzlich zu bejahen. 4.5. Art. 45 Abs. 2 Bst. a FDV  setzt  für  ein Schlichtungsbegehren  einen  vorgängigen  Einigungsversuch  voraus.  Wie  vorstehend  ausgeführt,  ist  dieser  nur  für  eine  –  im  Schlichtungsverfahren  nicht  mehr  verlangte –  Nummernportierung nachgewiesen, nicht aber für andere Begehren bzw.  Streitpunkte.  Ist  jedoch  der  vorgängige  Einigungsversuch  Verfahrensvoraussetzung,  so  hat  dieser  zumindest  sinngemäss  die  der  Schlichtungsbehörde  unterbreiteten  Streitpunkte  zu  umfassen,  andernfalls ist diese Voraussetzung nicht erfüllt (vgl. auch zur ähnlichen,  obligatorischen  Klagebewilligung  für  einen  Zivilprozess:  DOMINIK  INFANGER,  in:  Spühler/Tenchio/Infanger  [Hrsg.],  Basler  Kommentar  zur  Schweizerischen  Zivilprozessordnung,  Basel  2010,  Art. 209  N. 8).  Die  Vorinstanz  hätte  daher  schon  aus  diesem  Grund  kein  Schlichtungsverfahren eröffnen dürfen.

A­8603/2010 4.6. Der Vorinstanz kann im Übrigen auch nicht gefolgt werden, dass das  Schreiben der Kundin als Schlichtungsbegehren einzustufen sei. Gemäss  Rechtsprechung  zielt  eine  Zivilrechtsstreitigkeit  darauf  ab,  zivilrechtliche  Verhältnisse  endgültig  und  dauernd  durch  behördlichen  Entscheid  zu  regeln  (Urteil  des  Bundesgerichts  5C.109/2005  vom  19.  August  2005  E. 1.1 mit weiteren Hinweisen, BGE 124 III 44 E. 1a). Nach dem Wortlaut  hat  die  Kundin  technische  und  rechtliche  Fragen  an  die  Vorinstanz  gerichtet  und  die Geschäftspraxis  der  Beschwerdeführerin  beanstandet.  Hierzu  ist  die Vorinstanz, wie  sie  richtig  ausführt,  nicht  zuständig. Auch  auf ihre Nachfrage hin ist in den Akten keine eindeutige Willensäusserung  dokumentiert,  mit  der  ein  Schlichtungsverfahren  beantragt  wird.  Zu  beachten  ist  in  diesem  Zusammenhang  ferner,  dass  zwischen  den  Parteien  –  wenn  überhaupt  ein  vertragliches  Verhältnis  vorliegt  –  eine  Geschäftskundenbeziehung  bestand,  es  sich  somit  nicht  um  einen  Konsumentenvertrag  handelt.  Umso  mehr  darf  erwartet  werden,  dass  Anträge  gestellt  werden,  die  hinreichend  klar  sind.  Der  Hinweis  der  Kundin,  sie  wolle  die  Fr. 1'000.—  nicht  bezahlen,  reicht  ebenso  wenig  aus,  wenn  keine  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  dass  je  eine  solche  Rechnung gestellt worden ist. 4.7. Hätte  demnach  die  Vorinstanz  kein  Schlichtungsverfahren  einleiten  dürfen,  so  fehlt  der  Gebührenverfügung  die  Grundlage  und  sie  ist  aufzuheben.  Die  Beschwerde  ist  daher  gutzuheissen  und  die  übrigen  Rügen sind nicht mehr zu prüfen. 5.  Die Kosten des Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht werden in  der Regel der unterliegenden Partei auferlegt, wobei Vorinstanzen keine  Verfahrenskosten  auferlegt  werden  (Art. 63  Abs. 1  und  2  VwVG).  Bei  diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Vorinstanz, weshalb keine  Verfahrenskosten  zu  erheben  sind.  Der  von  der  Beschwerdeführerin  geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 500.— ist ihr nach Eintritt  der Rechtskraft dieses Urteils zurückzuerstatten.  6.  Die  Beschwerdeführerin  war  nicht  extern  vertreten,  und  es  sind  auch  keine grösseren Auslagen ersichtlich, weshalb  ihr  trotz Obsiegens keine  Parteientschädigung  zusteht  (Art. 7  Abs. 4  und  e  contrario  Art. 8  Abs. 1  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). 

A­8603/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen  und  die  Verfügung  der  Vorinstanz  aufgehoben. 2.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  Kostenvorschuss  von  Fr. 500.— wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des  Urteils zurückerstattet. Hierzu hat sie dem Bundesverwaltungsgericht ihre  Bank­ oder Postverbindung anzugeben. 3.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. C10348; Gerichtsurkunde) – das GS UVEK (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus Metz Bernhard Keller Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu 

A­8603/2010 enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

A-8603/2010 — Bundesverwaltungsgericht 23.08.2011 A-8603/2010 — Swissrulings