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Bundesverwaltungsgericht 23.08.2011 A-8531/2010

23 août 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,319 mots·~17 min·1

Résumé

Radio und Fernsehen (Übriges) | Zugangs- und Aufschaltverpflichtung (Art. 60 RTVG)

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­8531/2010 Urteil   v om   2 3 .   Augus t   2011 Besetzung Richter André Moser (Vorsitz), Richter Christoph Bandli, Richter Alain Chablais,    Gerichtsschreiber Bernhard Keller. Parteien upc cablecom GmbH, Zollstrasse 42, Postfach,  8021 Zürich,   vertreten durch Rechtsanwältin Prof. Dr. iur. Isabelle Häner  und Rechtsanwalt Dr. iur. Simon Osterwalder,  bratschi, wiederkehr & buob, Bahnhofstrasse 70,  Postfach 1130, 8021 Zürich, Beschwerdeführerin,  gegen Joiz AG, Limmatstrasse 40, 8005 Zürich,  vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Urs Saxer,  Steinbrüchel Hüssy Rechtsanwälte, Grossmünsterplatz 8,  8001 Zürich, Beschwerdegegnerin,  Bundesamt für Kommunikation BAKOM,  Zukunftstrasse 44, Postfach, 2501 Biel,    Vorinstanz.  Gegenstand Zugangs­ und Aufschaltverpflichtung (Art. 60 RTVG).

A­8531/2010 Sachverhalt: A.  Am 10. Dezember 2009  reichte die 7screens AG  (heute:  Joiz AG) beim  Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) ein Gesuch ein um Anordnung  einer  digitalen  und  analogen  Aufschaltverpflichtung  für  ihren  geplanten  TV­Jugendkanal  zulasten  der  Cablecom  GmbH  (heute:  upc  cablecom  GmbH) in deren digitalen und analogen Kabelnetz in der Deutschschweiz  ab  dem  1. Januar  2011.  Die  Cablecom  GmbH  widersetzte  sich  in  der  Folge diesem Gesuch. B.  Nach umfangreichem Schriftenwechsel hiess das BAKOM mit Verfügung  vom 10. November  2010 das Gesuch der  Joiz AG gut  und  verpflichtete  die  Cablecom  GmbH,  das  Programm  von  Joiz  ab  1. Februar  2011  für  eine Dauer von drei Jahren unentgeltlich in ihrem analogen und digitalen  Kabelnetz  der  Deutschschweiz  zu  verbreiten  (Ziff. 1).  Die  Zuführungskosten  des  Programmsignals  bis  zum  Kabelnetz  der  Fernmeldedienstanbieterin seien von der Joiz AG zu tragen (Ziff. 2). Die  Joiz  AG  werde  insbesondere  betreffend  Umfang,  Inhalt  und  Art  des  Programms sowie die Organisation und Finanzierung von Joiz auf die im  Gesuch  und  in  den  ergänzenden  Unterlagen  gemachten  Angaben  verpflichtet  (Ziff. 3).  Die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  13'650  Franken  wurden  der  Cablecom  GmbH  auferlegt  (Ziff. 4).  In  Ziffer  5  schliesslich finden sich die Modalitäten zur Eröffnung der Verfügung. C.  Am  10. Dezember  2010  erhebt  Cablecom  GmbH  (Beschwerdeführerin)  gegen  die  Verfügung  des  BAKOM  (Vorinstanz)  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht und beantragt die Aufhebung der Ziffern 1 und  4  der  angefochtenen  Verfügung.  Soweit  das  Gesuch  der  Beschwerdegegnerin  vom  10. Dezember  2010  die  Verpflichtung  der  Beschwerdegegnerin  (recte  wohl  Beschwerdeführerin)  zur  unentgeltlichen Verbreitung  in digitaler Form über die Deutschschweizer  Kabelnetze  der  Beschwerdegegnerin  (recte  wohl  auch  hier:  Beschwerdeführerin) zum Gegenstand habe, sei darauf nicht einzutreten.  Das  Gesuch  der  Beschwerdegegnerin  vom  10. Dezember  2010  um  unentgeltliche  Verbreitung  des  Programms  der  Beschwerdegegnerin  in  analoger  und  digitaler  Form  sei,  soweit  darauf  einzutreten  sei,  abzuweisen. Eventuell sei die Verbreitungspflicht in analoger und digitaler  Form auf 2 Jahre zu beschränken, unter Einräumung einer Vollzugsfrist 

A­8531/2010 von  mindestens  6  Monaten  ab  Rechtskraft  einer  allfälligen  hoheitlich  angeordneten  Verbreitungsverpflichtung.  Die  erstinstanzlichen  Verfahrenskosten  von  Fr. 13'650.—  seien  jedenfalls  der  Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die  Beschwerdeführerin  rügt  einerseits,  die  Vorinstanz  habe  die  Aufschaltverpflichtung  falsch  angewandt  und  damit  auch  unzulässig  in  ihre Eigentumsgarantie und Wirtschaftsfreiheit eingegriffen, anderseits sei  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  unvollständig  festgestellt  worden.  Sie  bestreitet,  dass  die  Joiz  AG  (Beschwerdegegnerin)  einen  besonderen  Beitrag  an  den  verfassungsmässigen  Auftrag  leiste.  Zudem  sei  die  Verfügung nicht angemessen. D.  Das  Bundesverwaltungsgericht  weist  das  Gesuch  der  Beschwerde­ gegnerin  vom  8. Februar  2011,  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung zu entziehen, mit Zwischenverfügung vom 4. März 2011 ab.  E.  In  ihrer Vernehmlassung vom 7. März 2011 beantragt die Vorinstanz die  Abweisung  der  Beschwerde  und  hält  vollumfänglich  an  ihrer  Verfügung  fest. Sie betont, dass sie sich zum ersten Mal vertieft mit den inhaltlichen  Anforderungen an die Aufschaltwürdigkeit eines Zielgruppenprogrammes  auseinanderzusetzen  hatte.  Ausschlaggebend  sei  für  sie  die  Gesamtbeurteilung  des  Programms  gewesen.  Ergänzend  habe  sie  sich  sinngemäss  von  denjenigen  Kriterien  leiten  lassen,  die  ausländische  Programme zur Erlangung des "must­carry"­Status erfüllen müssen. F.  Am  15. März  2011  reicht  die  Beschwerdegegnerin  ihre  Beschwerdeantwort  ein  und  beantragt  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Sie  bestreitet  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  hebt  die  Einzigartigkeit  ihres Programms  in der Schweiz sowie  ihren besonderen  Beitrag an den verfassungsmässigen Auftrag hervor. Es handle sich um  ein  Programm  für  die  Zielgruppe  Jugendliche,  die  vom  Fernsehen  vernachlässigt  werde.  Sie  betont,  dass  sie  auf  die  analoge  Verbreitung  ihres  Programms  angewiesen  sei.  Sie  erkenne  weder  eine  Rechtsverletzung  der  Vorinstanz  noch  eine  falsche  Sachverhaltsfeststellung.

A­8531/2010 G.  Nach  Abschluss  einer  Vereinbarung  zwischen  den  Parteien  über  die  digitale  Verbreitung  des  Programms  der  Beschwerdegegnerin  im  Kabelnetz  der  Beschwerdeführerin  nimmt  diese  ihre  Sendetätigkeit  am  28. März 2011 auf. Das Programm wird dabei nur digital verbreitet. H.  Mit  ihrer  Stellungnahme/Beschwerdereplik  vom  16. Mai  2011  hält  die  Beschwerdeführerin an ihrer Beschwerde fest. Weiter macht sie geltend,  dass  das  nun  tatsächlich  ausgestrahlte  Programm  der  Beschwerdegegnerin  nur  einen  kleinen  Teil  derjenigen  Sendungen  umfasse,  mit  denen  sie  das  Aufschaltungsgesuch  begründet  habe,  daneben  aber  auch  zahlreiche  längst  bekannte  Formate  wie  Kochsendungen.  Zudem  strahle  die  Beschwerdegegnerin  am Vorabend  Filmausschnitte  aus,  die  wegen  ihrer  Brutalität  erst  ab  16  Jahren  freigegeben  seien,  was  sich  nicht  mit  dem  Jugendschutz  vertrage.  Sinngemäss bringt sie weiter vor, dass das Programm von bescheidenem  Niveau  und  Qualität  sei  sowie  die  Fäkalsprache  übermässig  verwende  und damit ein verzerrtes Bild der Jugend zeichne.  I.  In  ihrer  abschliessenden  Stellungnahme  vom  15. Juni  2011  hält  die  Vorinstanz  an  ihren  bisherigen  Ausführungen  und  dem  Antrag  auf  Abweisung  der  Beschwerde  fest.  Sie  verzichtet  auf  eine  Auseinandersetzung  mit  dem  zurzeit  ausgestrahlten  Programm  der  Beschwerdegegnerin  und  überlässt  die  Würdigung  des  neu  ins  Recht  gelegten  Sachverhalts  und  dessen  Rechtsfolgen  dem  Bundesverwaltungsgericht.  Der  besondere  Beitrag  zum  verfassungsmässigen Auftrag gemäss Gesuch müsse erst nach erfolgter  Aufschaltung  erbracht  werden,  zurzeit  also  noch  nicht.  Die  Vorinstanz  nehme  die  Anforderungen  an  aufgeschaltete  Programme  ernst  und  überprüfe  solche  mit  Aufschaltungsprivileg,  ob  sie  den  verfassungsmässigen Auftrag erfüllten.  J.  Am  20. Juni  2011  reicht  die  Beschwerdegegnerin  ihre  Stellungnahme/  Duplik ein. Sie hält an  ihrem Antrag und  ihren bisherigen Ausführungen  fest. Sie räumt gewisse Startschwierigkeiten ein, betont jedoch, dass sich  in  ihrem Programm die  im Aufschaltgesuch genannten Sendungen  zum  grössten  Teil  finden  würden  und  hebt  deren  Einzigartigkeit,  die  konsequente Ausrichtung auf die Jugendlichen in der Schweiz, hervor. 

A­8531/2010 K.  Auf  weitere  Vorbringen  der  Parteien  und  die  sich  in  den  Akten  befindlichen  Schriftstücke  wird,  soweit  entscheidrelevant,  in  den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BAKOM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  Ausnahme,  was  das  Sachgebiet  angeht,  ist nicht gegeben (Art. 32 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde.  1.2.  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht ist einzig die Verfügung der Vorinstanz. Soweit  die  Beschwerdeführerin  mit  ihren  Rechtsbegehren  2  und  3  das  Nichteintreten  auf  das  Gesuch  der  Beschwerdegegnerin  vom  10. Dezember  2010  (gemeint  sein  dürfte  wohl  dasjenige  vom  10. Dezember 2009 an die Vorinstanz,  die Beschwerdegegnerin hat am  10. Dezember  2010  jedenfalls  kein  Gesuch  an  das  Bundesverwaltungsgericht  gerichtet)  bzw.  das  Abweisen  desselben  verlangt,  ist  darauf  nicht  einzutreten,  da  dies  ausserhalb  des  Streitgegenstandes  liegt.  Sollte  sich  herausstellen,  dass  die  Vorinstanz  auf das Gesuch ganz oder teilweise nicht hätte eintreten dürfen, so hebt  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verfügung  bzw.  die  verfügte  Verpflichtung im entsprechenden Umfang auf oder stellt in krassen Fällen  die ganze oder teilweise Nichtigkeit der Verfügung fest.  1.3.  Als  formelle  Adressatin  der  angefochtenen  Verfügung  ist  die  Beschwerdeführerin  nach  Art. 48  Abs. 1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt. 1.4.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  im  Rahmen des Streitgegenstandes im Sinne von E. 1.2 einzutreten (Art. 50  und 52 VwVG). 

A­8531/2010 2.  2.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet mit  voller  Kognition.  Es  überprüft  auf  entsprechende  Rüge  hin  die  angefochtene  Verfügung  auf  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauchs  des  Ermessens,  die  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Angemessenheit  der  angefochtenen  Verfügung  (Art. 49  VwVG).  Es  auferlegt  sich  allerdings  dann  eine  gewisse  Zurückhaltung,  wenn  es  um  die  Beurteilung  von  Fachfragen  geht,  in  denen  die  Vorinstanz  oder  ein  beigezogenes  Fachamt  über  ein  besonderes  Fachwissen  verfügt,  das  dem  Bundesverwaltungsgericht  nicht zur Verfügung steht. Dagegen prüft es frei und uneingeschränkt, ob  die Vorinstanz den Sachverhalt korrekt festgestellt, die für den Entscheid  wesentlichen  Punkte  geprüft,  die  erforderlichen  Abklärungen  sorgfältig  und  umfassend  vorgenommen  hat  und  sich  dabei  von  sachkonformen  Erwägungen hat leiten lassen (vgl. BGE 133 II 35 E. 3; BGE 125 II 591 E.  8a;  vgl.  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­954/2009  vom  1. Juli  2010  E.  13.1;  siehe  ebenso  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/  LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel 2008, S. 74 ff. Rz. 2.154 ff.; ULRICH HÄFELIN/ GEORG MÜLLER/FELIX  UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010  Rz. 446c f.). 2.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  seinem  Entscheid  denjenigen  Sachverhalt  zugrunde  zu  legen,  wie  er  sich  im  Zeitpunkt  der  Entscheidung  bewiesenermassen  verwirklicht  hat.  Im  Rahmen  des  Streitgegenstandes sind deshalb insbesondere Sachverhaltsänderungen,  die  sich  zeitlich  zwischen  der  angefochtenen  Verfügung  und  dem  Beschwerdeentscheid  zugetragen  haben,  zu  berücksichtigen  (BVGE  2009/61  E. 7.4;  HANSJÖRG  SEILER,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich  2009,  N 19  zu  Art.  54;  RENÉ  RHINOW/HEINRICH  KOLLER/CHRISTINA  KISS/DANIELA  THURNHERR/DENISE  BRÜHL­MOSER, Öffentliches Prozessrecht, 2. Aufl., Basel 2010, Rz. 1612;  PATRICK  SUTTER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, N 10  zu  Art.  32;  MOSER/  BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  N 2.204 ff.).  Die  Vorbringen der Beschwerdeführerin  zum  in der Zwischenzeit  tatsächlich  ausgestrahlten Programm sind daher grundsätzlich zu berücksichtigen. 3.  Die  angefochtene  Verfügung  stützt  sich  auf  Art. 60  Abs. 1  des 

A­8531/2010 Bundesgesetzes vom 24. März 2006 über Radio und Fernsehen (RTVG,  SR  784.40).  Gemäss  dieser  Bestimmung  kann  das  Bundesamt  auf  Gesuch  einer  Programmveranstalterin  hin  eine  Fernmeldedienstanbieterin  zur  leitungsgebundenen  Verbreitung  eines  Programms  in  einem  bestimmten Gebiet  und  für  eine  bestimmte Dauer  verpflichten, sofern das Programm in besonderem Mass zur Erfüllung des  verfassungsrechtlichen  Auftrags  beiträgt  (Bst.  a)  und  der  Fernmeldedienstanbieterin  die  Verbreitung  unter  Berücksichtigung  der  verfügbaren  Übertragungskapazitäten  sowie  der  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit zumutbar ist (Bst. b). Die Beschwerdeführerin rügt eine  unzutreffende  Anwendung  dieses  Artikels,  indem  die  Vorinstanz  fälschlicherweise  die  Voraussetzungen  für  die  Aufschaltverpflichtung  bejaht  habe.  Zudem  seien  die  diesbezüglichen  Sachverhaltsfeststellungen teilweise unrichtig und unvollständig.  Die  Beschwerdeführerin  beantragt  in  ihrem  Rechtsbegehren  2  sinngemäss, die Vorinstanz hätte nicht auf das Aufschaltgesuch eintreten  dürfen. Es seien Verhandlungen über eine Aufschaltung des Programms  der Beschwerdegegnerin geführt worden und die Beschwerdeführerin sei  bereit,  dieses  in  ihrem  digitalen  Fernsehnetz  zu  verbreiten.  Die  Beschwerdegegnerin  und  damalige  Gesuchstellerin  ist  eine  Programmveranstalterin  und  konnte  damit  ein  Gesuch  im  Sinne  von  Art. 60  RTVG  einreichen,  das  von  der  Vorinstanz  zu  behandeln  und  beurteilen  war.  Eine  freiwillige  bzw.  vertragliche  Aufschaltung  im  analogen  Kabelfernsehnetz  der  Beschwerdeführerin  konnte  die  Beschwerdegegnerin  nicht  erreichen.  Aber  auch  für  die  digitale  Verbreitung  hatte  und  hat  die  Beschwerdegegnerin  ein  aktuelles  Interesse an der Erlangung des Aufschaltprivilegs  trotz Abschluss eines  diesbezüglichen  Vertrages.  Dieses  führt  nämlich  dazu,  dass  die  Verbreitung, abgesehen von den Kosten  für die Signalzuführung,  für sie  unentgeltlich  zu  erfolgen  hat  (vgl.  Art. 60  Abs. 3  RTVG  in  der  italienischsprachigen Fassung "diffusione gratuita dei programmi", Art. 53  der  Radio­  und  Fernsehverordnung  vom  9. März  2007  [RTVV,  SR  784.401];  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­8389/2010  vom  21. Juli  2011  E.  6.5.4),  während  Programmveranstalter  ohne  Aufschaltverpflichtung  gemäss  Art. 61  RTVG  die  Kosten  für  die  Verbreitung  abzugelten  haben  (vgl.  auch  den  Vorbehalt  betreffend  Verbreitungskosten in Ziff. 3.2 des Vertrages zwischen den Parteien über  die digitale Verbreitung von "Joiz" vom 26. Januar bzw. 3. Februar 2011).  Demzufolge  kann  ein  Veranstalter  auch  nach  Abschluss  eines  Verbreitungsvertrages  noch  ein  Rechtsschutzinteresse  haben.  Es  ist 

A­8531/2010 daher nicht ersichtlich, weshalb die Vorinstanz nicht auf das Gesuch vom  10. Dezember 2009 hätte eintreten sollen.  3.1.  Die  Vorinstanz  hat  die  Voraussetzungen  für  eine  Aufschaltverpflichtung nach Art. 60 Abs. 1 Bst. a RTVG bejaht, weil sie im  geplanten  Programm  der  Beschwerdegegnerin  einen  besonderen  kulturellen  Beitrag  für  ein  Zielgruppenpublikum,  die  Jugendlichen  zwischen 15 und 25 Jahren, erkannt hat. Die einordnenden, moderierten  und  teils  diskursiven  Sendungen  rund  um  jugendliche  Musik  seien  als  Kulturbeitrag zu würdigen, der einen Mehrwert gegenüber der gesamten  audiovisuellen  Landschaft  ergebe,  wobei  primär  das  Fernsehen  als  Vergleichsmedium beizuziehen sei, weil Radio­ und Fernsehinhalte nicht  generell  substituierbar  seien.  Die  besondere  Berücksichtigung  des  Schweizer Musikschaffens, mit einem vorgesehenen Anteil von 15%, falle  positiv  ins Gewicht  und  hebe  sich  von  ähnlichen Angeboten  in  der  TV­ Landschaft ab, ebenso dass die Beschwerdegegnerin dem Jugendschutz  die  nötige  Beachtung  schenken  wolle.  Die  Zielgruppe  werde  zudem  im  bestehenden  audiovisuellen  Angebot  nur  punktuell  mit  nicht­fiktionalen  Inhalten versorgt. Über die Musik hinaus wolle die Beschwerdegegnerin  mit  täglichen  redaktionellen  Gefässen  wie  Talkrunden  die  Interessen  ihres  Zielpublikums  thematisieren  und  reflektieren  sowie  die  Integration  und  Sozialisation  fördern.  Daher  sei  in  einer  Gesamtbeurteilung  des  Programms ein Mehrwert, ein komplementärer Beitrag  in Bezug auf den  verfassungsmässigen  Auftrag  gemäss  Art. 93  Abs. 2  der  Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101) gegeben. 3.2.  Die  Beschwerdeführerin  bestreitet,  dass  die  Beschwerdegegnerin  einen  besonderen  Beitrag  zur  Erfüllung  des  verfassungsmässigen  Leistungsauftrages  erbringe,  die  Programmstruktur  und  auch  das  tatsächlich  ausgestrahlte  Programm  würden  den  hohen  Anforderungen  von  Art. 60  Abs. 1  Bst. a  RTVG  nicht  genügen.  In  den  heute  bereits  verbreiteten  Radio  und  TV­Programmen  seien  Musikinhalte  und  –formate,  wie  sie  die  Beschwerdegegnerin  plane,  bereits  zu  finden,  insbesondere  auch  zur  schweizerischen  Musikszene.  Deren  Programm  könne  daher  nichts  Besonderes  im  Sinne  der  Aufschaltverpflichtung  leisten. Es sei wochentäglich gleich strukturiert und es würden immer die  gleichen Sendungen/Wiederholungen  verbreitet. Es  treffe nicht  zu,  dass  Musikinhalte  im  Fernsehen  tendenziell  rückläufig  seien.  Die  Vorinstanz  habe  fälschlicherweise  in  den  einordnenden,  moderierten  und  teils  diskursiven Sendungen einen  kulturellen Beitrag ausgemacht. Unstreitig  fehlten  aber  bildende  oder  meinungsbildende  Schwerpunkte.  Das 

A­8531/2010 Programm  genüge  nicht,  um  die  hohen  Anforderungen  für  eine  Aufschaltverpflichtung zu erfüllen.  Im aktuellen Programm seien eine Mehrheit der im Gesuch aufgeführten  Sendeformate nicht zu finden, insbesondere am Wochenende werde nur  eine  einzige  solche  Sendung  ausgestrahlt,  dafür  andere  Sendungen,  beispielsweise  eine  Kochsendung.  Mit  dem  stets  hervorgehobenen  Jugendschutz  nähme  es  die  Beschwerdegegnerin  auch  nicht  so  ernst,  strahle sie doch zwischen 17:00 und 20:00 Uhr Filmausschnitte aus, die  erst ab 16 Jahren  freigegeben wären, oder preise Zusammenstellungen  gewalttätiger Szenen an, die im Internet zu finden seien.  3.3.  Die  Beschwerdegegnerin  bestreitet  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin und hält  fest, dass sie gewisse Startschwierigkeiten  gehabt habe, was jedoch bei einem neuen Programm nicht ungewöhnlich  sei,  ebenso  habe  das Qualitätsmanagement  versagt.  Es  sei  zu  keinem  weiteren  Vorfall  wie  dem  von  der  Beschwerdeführerin  genannten  Clip  mehr gekommen; dieser stelle ein singuläres Ereignis dar. Die im Gesuch  genannten  Sendeformate  würden  durchaus  ausgestrahlt,  sei  es  als  eigene Sendung oder indem deren Inhalt in andere Sendungen integriert  würden.  Einzig  zwei  Sendungen  fehlten  noch,  wobei  sich  für  die  eine  Sendung  herausgestellt  habe,  dass  hierfür  kein  Interesse  bestehe.  Die  Beschwerdegegnerin strahle sogar mehr eigene Produktionen, Interviews  und  Konzerte  aus  als  geplant  und  meistens  mit  Schweizer  Musikschaffenden.  3.4. Die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden,  auch  nicht  unter  Berücksichtigung  des  mittlerweile  tatsächlich  ausgestrahlten  Programms.  Im  aktuellen  Programm  der  Beschwerdegegnerin  finden  sich  insbesondere  regelmässig  Interviews  mit  Musikern  und  Live  Konzerte  in  den  Sendungen  "Living  Room"  und  "Home Run", Schweizer Musik News ("Noiz"), Musiksendungen zu einem  bestimmten  Thema  ("Darlingz"),  eine Chartsendung  ("Coffee & Charts")  oder  eine  fortgesetzte  Reportage  bzw.  Dokumentation  über  eine  Band  ("ZIBBZ").  Ein  Programm  mit  einem  derart  ausgeprägten  Schwerpunkt  auf  Musik  für  ein  jugendliches  bzw.  junges  Zielpublikum  und  einer  Plattform  für  die  Schweizer  Musikszene  ist  im  übrigen  Fernsehangebot  nicht  auszumachen,  auch  nicht  in  den  von  der  Beschwerdeführerin  genannten  Sendungen,  die  nur  punktuell  vergleichbar  sind.  Zudem  werden  diese  Sendungen  teilweise  erst  zu  später  Stunde  ausgestrahlt.  Zutreffend  und  insofern  nicht  bestritten  ist  auch,  dass  die  grossen 

A­8531/2010 internationalen Musiksender wie MTV heute eine Vielzahl von Sendungen  ohne Musikbezug ausstrahlen. Zentral für die Vorinstanz zur Gewährung  des  Aufschaltungsprivilegs  war  der  kulturelle  Beitrag,  den  die  Beschwerdegegnerin  leisten  will.  Soweit  die  Musikkultur  betreffend,  ist  festzustellen,  dass  das  ausgestrahlte  Programm  im  Wesentlichen  diejenigen  Inhalte  aufweist,  die  im  Gesuch  dargelegt  worden  sind.  Der  rechtserhebliche  Sachverhalt  hat  sich  demnach  mit  dem  Beginn  der  Sendetätigkeit  nicht  geändert  und  ist  von  der  Vorinstanz  zutreffend  festgestellt worden.  4.  Es  ist  somit  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  das  Recht  auf  den  von  ihr  festgestellten  Sachverhalt  richtig  angewandt  hat  und  die  Voraussetzungen für die Aufschaltverpflichtung gegeben sind.  Das Bundesgericht hat in seinem Urteil 2C_899/2008 vom 18. Juni 2009  in  E. 4.2.1  ausgeführt,  die  Aufschaltverpflichtung  nach  Art. 60  Abs. 1  RTVG setze (unter anderem) voraus,  "dass das Programm, dessen hoheitlich angeordnete Aufschaltung beantragt  wird,  'in  besonderem  Mass  zur  Erfüllung  des  verfassungsrechtlichen  Auftrags'  beiträgt.  Nur  in  diesem  Fall  kann  das  BAKOM  eine  Fernmeldedienstanbieterin anhalten, ein Angebot als  'Must­carry'­Programm  zu  verbreiten.  Die  entsprechende  Voraussetzung  ist  zwar  sehr  offen  formuliert,  lässt  sich  in  ihrem  verfassungsrechtlichen  und  gesetzlichen  Kontext jedoch hinreichend konkretisieren: Ziel der Verfassungsvorgaben ist  ein möglichst  offenes und  freiheitliches Mediensystem. Nach Art. 93 Abs. 2  BV sollen Radio und Fernsehen zur Bildung und kulturellen Entfaltung,  zur  freien Meinungsbildung und zur Unterhaltung beitragen. Sie berücksichtigen  die  Besonderheiten  des  Landes  und  die  Bedürfnisse  der  Kantone.  Der  Leistungsauftrag  gewährleistet  im  Rahmen  der  Rechtsordnung  die  Vielfalt  des  Meinungsaustauschs  bezüglich  aller  gesellschaftlich  und  individuell  relevanten  Belange  in  einer  demokratisch­pluralistischen  Gesellschaft  (vgl.  RHINOW/SCHEFER, a.a.O., Rz. 1649 ff.; AUBERT/MAHON, Petit commentaire de  la  Constitution  fédérale  de  la  Confédération  suisse,  2003,  Rz. 13 ff.  zu  Art. 93  RTVG).  Diese  reichen  von  der  kulturellen  Entfaltung,  inklusive  der  Bildung,  über  die  politische  meinungsvermittelnde  und  ­bildende  Kommunikation bis zur (ebenfalls sozialrelevanten) Unterhaltung (vgl. FRANZ  ZELLER,  in:  Müller/Schefer  [Hrsg.],  Grundrechte  in  der  Schweiz,  4. Aufl.,  2008,  S. 458;  kritisch  bezüglich  der  Unterhaltung:  GIOVANNI  BIAGGINI,  Kommentar BV, N. 10 zu Art. 93 BV)."  In  E. 4.3  wurde  weiter  festgehalten,  die  Aufschaltpflicht  nach  Art. 60  Abs. 1  Bst. a  RTVG  setze  nicht  nur  einzelne  Sendungen  voraus,  die  geeignet  seien,  im  normalen  Rahmen  (auch)  einen  Beitrag  zur  Information  der  Zuschauer  oder  zur  kulturellen  Entfaltung 

A­8531/2010 (Musik[werbe]sendungen  'Alpenwelle,  Ralph  Martens  präsentiert'  usw.)  zu  leisten,  sondern  ein  originelles  und  finanziell  realistisches  Gesamtprogramm, das über die bestehenden konzessionierten Angebote  hinaus zur Erfüllung des verfassungsrechtlichen Auftrags beitrage und die  bestehende  audiovisuelle  Medienlandschaft  im  Versorgungsgebiet  thematisch  tatsächlich  sinnvoll  ergänze  und  bereichere  ('Mehrwert'­ Erfordernis). 4.1.  Die  Aufschaltverpflichtung  für  ein  Programm  setzt  somit  zunächst  einen Mehrwert gegenüber dem bestehenden Programmangebot voraus,  der  in  besonderem  Mass  zur  Erfüllung  des  verfassungsrechtlichen  Auftrags  beiträgt.  Im Zentrum des Programms der Beschwerdegegnerin  stehen  verschiedene  Musikformate  und  ­sendungen  für  die  Zielgruppe  der  Jugendlichen  und  jungen  Erwachsenen,  ergänzt  mit  einzelnen  weiteren  Themen  für  diese  Zielgruppe,  die  jedoch  keinen  Schwerpunkt  bilden.  Der  populären  Musik  widmet  sich  die  Beschwerdegegnerin  mit  verschiedenen  täglichen  Sendungen  und  behandelt  dabei  verschiedene  Aspekte  dieser  Kultur.  Sie  erfüllt  damit  die  bundesgerichtliche  Anforderung,  wonach  ein  Programmveranstalter  das  Aufschaltprivileg  nicht nur mit einer einzelnen Sendung erlangen kann, selbst wenn diese  in  besonderem Mass  zur  Erfüllung  des  verfassungsmässigen  Auftrages  beiträgt. Das Programm der Beschwerdegegnerin widmet sich vielmehr in  mannigfaltiger  Weise  einem  Teil  der  Musikkultur  und  lässt  sich  damit  unter  die  kulturelle  Entfaltung  subsumieren.  Sie  trägt  in  besonderem  Mass  zur  Erfüllung  des  in  Art. 93  Abs. 2  BV  definierten  Auftrages  von  Radio  und  Fernsehen  bei.  Unter  Berücksichtigung  des  bereits  bestehenden  Fernsehangebotes  bietet  sie  ein  originelles,  neuartiges  Gesamtprogramm  für  eine  in  diesem  Medium  bisher  eher  wenig  berücksichtigte Bevölkerungsgruppe und ergänzt und bereichert damit die  TV­Landschaft.  Da gemäss Art. 93 Abs. 2 Satz 2 BV u.a. die Besonderheiten des Landes  zu  beachten  sind  und der Gesetzgeber  überdies  in Art. 7 Abs.  1 Bst.  a  RTVG den Bundesrat ermächtigt hat, Fernsehveranstalter zu verpflichten,  einen wesentlichen Anteil der massgebenden Sendezeit schweizerischen  und anderen europäischen Werken vorzubehalten, hat die Vorinstanz zu  Recht  den  von  der  Beschwerdegegnerin  anvisierten  Anteil  schweizerischer Musik von 15% hervorgehoben und positiv gewürdigt.  Auch die analoge Heranziehung der  in Art. 59 Abs. 2 RTVG und Art. 52  RTVV  genannten  Kriterien,  anhand  derer  zu  beurteilen  ist,  ob  ein  Programm eines ausländischen Veranstalters zu verbreiten sei, erscheint 

A­8531/2010 als  sachgerecht.  Art. 52  Abs. 1  Bst. d  RTVV  nennt  besondere  redaktionelle  Beiträge  für  jugendliche  Menschen  als  ein  Kriterium,  das  einen  besonderen  Beitrag  zur  Erfüllung  des  Leistungsauftrags  darstellt.  Weiter  ist  festzustellen,  dass  der  Gesetzgeber  keine  hohen  Anforderungen  an  eine  redaktionelle  Leistung  stellt,  gilt  doch  gemäss  Legaldefinition  in  Art. 2  Bst. c  RTVG  jede Sendung  als  redaktionell,  die  nicht  Werbung  ist.  Mithin  ist  –  wohl  entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  –  auch  eine  Talk­  oder  Kochsendung  eine  redaktionelle  Sendung.  Die  klare  und  tatsächliche  Ausrichtung  auf  Jugendliche und junge Erwachsene einer in diesem Sinne redaktionellen  Sendung  vermag  somit  einen  besonderen  Beitrag  zur  Erfüllung  des  Leistungsauftrags darzustellen.  Ebenso wenig  ist zu beanstanden, dass die Vorinstanz den Verzicht der  Beschwerdegegnerin  auf  rein  kommerziell  motivierte  Gewinnspiele  und  sog.  Call­In­Shows  aus  Gründen  des  Jugendschutzes  anerkennend  gewürdigt hat. Gemäss Art. 67 Abs. 1 BV haben Bund und Kantone bei  der  Erfüllung  ihrer  Aufgaben  den  besonderen  Förderungs­  und  Schutzbedürfnissen von Kindern und Jugendlichen Rechnung zu tragen.  4.2. Die  Vorinstanz  bejaht  einen  Mehrwert  im  kulturellen  Bereich  auch  unter  Berücksichtigung  der  bereits  bestehenden  deutschsprachigen  Radioprogramme und –sendungen, die sich ganz (z.B. Radio "Virus" oder  "Radio  105")  oder  teilweise  an  Jugendliche  und  junge  Erwachsene  richten.  Sie  hat  damit  implizit  das  Fernsehen  als  eigenes  Medium  behandelt,  das  nicht  durch  Radio  ersetzt  werden  könne.  Die  Beschwerdeführerin  vertritt  demgegenüber  die  Auffassung,  der  verfassungsrechtliche Auftrag  sei  von Radio  und Fernsehen  zusammen  zu  erfüllen,  so  dass  auch  ein  Mehrwert  gegenüber  den  bereits  verbreiteten Radioprogrammen erforderlich sei.  Ungeachtet dessen, dass sich der verfassungsrechtliche Leistungsauftrag  an Radio und Fernsehen insgesamt richtet, werden diese beiden Medien  von  den  Konsumenten  unterschiedlich  genutzt  (vgl.  über  die  unterschiedliche  Entwicklung  in  diesen  beiden  Märkten  Botschaft  zur  Totalrevision  des  Bundesgesetzes  über  Radio  und  Fernsehen  [RTVG]  vom 18. Dezember 2002 Botschaft, Kapitel 1.1.2, BBl 2003 1578 ff.) und  sind  nicht  ohne  weiteres  austauschbar.  Auch  wenn  bei  einer  musikalischen Darbietung der Ton zentral  ist, können visuelle Elemente,  beispielsweise  die Gestik  und Mimik,  Tanzeinlagen,  die  Kleidung  sowie  Örtlichkeiten  ebenfalls  bedeutsam  sein  und  damit  ein  audio­visuelles 

A­8531/2010 Gesamtwerk bilden. Ein  im Radio bestehendes Angebot schliesst daher  nicht  aus,  dass  ein  ähnlich  ausgerichtetes  Fernsehprogramm  mit  dem  Aufschaltprivileg versehen wird. 4.3. Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor,  für ein Spartenprogramm,  wie  es  die  Beschwerdegegnerin  veranstalte,  könne  nur  bei  besonderen  redaktionellen  Leistungen  und  aufwändigen  Informationsinhalten  die  Aufschaltverpflichtung gewährt werden. Die Vorinstanz hat in ihrer Praxis  bereits  einmal  die  Fernmeldedienstanbieter  zur  Aufschaltung  eines  Spartenprogramms  verpflichtet,  nämlich  dasjenige  der  Schweizer  Sportfernsehen AG. Dies ist nicht zu beanstanden, verlangt doch Art. 60  Abs. 1 Bst. a RTVG, dass die Programmveranstalterin zur Erfüllung des  verfassungsrechtlichen  Auftrages  beiträgt,  nicht  aber,  dass  sie  diesen  alleine  und  in  allen  Punkten  umfassend  erfüllt.  Ein  Spartenprogramm  bzw.  ein  Programm,  das  sich  in  erster  Linie  mit  einem  der  in  Art. 93  Abs. 2 BV genannten Aspekte befasst, kann daher die Voraussetzungen  für eine Aufschaltverpflichtung erfüllen, sofern dessen Beitrag wesentlich  ist.  Es  kann  daher  auch  offen  bleiben,  ob  das  Programm  der  Beschwerdegegnerin  ein Spartenprogramm darstellt  oder  nicht,  der  von  ihr geleistete wesentliche Beitrag zur Musikkultur ist ausreichend. Entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  ändert  im  Übrigen  auch  die  regelmässige  Wiederholung  des  Programms  am  besonderen  Beitrag  der  Beschwerdegegnerin  zum  verfassungsrechtlichen  Auftrag  nichts.  Auch  bei  Regionalsendern,  die  Empfangsgebühren  erhalten,  die  sog.  Programmveranstalter  mit  Konzessionen  mit  Gebührenanteil  im  Sinne des 2. Titels, 3. Kapitels 1. Abschnittes RTVG, die gemäss Art. 59  RTVG von den Fernmeldedienstanbietern zu verbreiten sind, sind solche  Wiederholungen  anzutreffen.  Angesichts  der  hohen  Kosten,  die  die  Produktion von Sendungen verursachen, ist die wiederholte Ausstrahlung  produzierter Sendungen zulässig. Für das Aufschaltprivileg nach Art. 60  RTVG  kann  daher  von  der  Beschwerdegegnerin  nicht  mehr  verlangt  werden  als  von  einem  konzessionierten  Programmveranstalter,  der  Empfangsgebühren erhält.  4.4.  Zusammenfassend  ist  somit  festzustellen,  dass  auf  Seiten  der  Beschwerdegegnerin  die  erste  Voraussetzung  für  die  Aufschaltverpflichtung (Art. 60 Abs. 1 Bst. a RTVG) gegeben ist. 5.  Die  Aufschaltverpflichtung  setzt  gemäss  Art. 60  Abs. 1  Bst. b  RTVG 

A­8531/2010 zudem  voraus,  dass  diese  der  Fernmeldedienstanbieterin  zumutbar  ist  unter Berücksichtigung der verfügbaren Übertragungskapazitäten und der  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit.  Darüber  hinaus  hat  die  Aufschaltverpflichtung  auch  die  Anforderungen  für  einen  Grundrechtseingriff  zu  erfüllen,  da  sie  in  den  Schutzbereich  der  Wirtschaftsfreiheit  (Art. 27  BV)  fällt.  Ein  Eingriff  in  ein  verfassungsmässiges  Recht  setzt  gemäss  Art. 36  BV  eine  gesetzliche  Grundlage  voraus,  muss  im  öffentlichen  Interesse  liegen  und  verhältnismässig  sein.  Art. 59  und  60  RTVG  bilden  eine  genügende  gesetzliche  Grundlage  für  eine  Verbreitungspflicht  der  Fernmeldedienstanbieterinnen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  A­8624/2007 vom 20. November 2008 E. 3.1). 5.1. Das  öffentliche  Interesse  an  der Grundrechtseinschränkung  liegt  in  der Erfüllung des verfassungsmässigen Leistungsauftrages für Radio und  Fernsehen und ist demzufolge dann gegeben, wenn wie im vorliegenden  Fall (vgl. E. 4.2 f) auch die Voraussetzung von Art. 60 Abs. 1 Bst. a RTVG  erfüllt  ist,  also  ein  Programm  in  besonderem  Mass  zur  Erfüllung  des  verfassungsrechtlichen Auftrags beiträgt.  5.2. Verhältnismässig ist der Eingriff, wenn er geeignet und erforderlich ist  zur Erreichung des  im öffentlichen  Interesse  liegenden Ziels und  für die  Betroffene  zumutbar  ist,  mithin  der  angestrebte  Zweck  in  einem  vernünftigen  Verhältnis  zu  den  Belastungen  steht  (HÄFELIN/MÜLLER/  UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  581).  Die  Zumutbarkeit  beurteilt  sich  nach  einer  Abwägung  der  auf  dem  Spiel  stehenden  Interessen,  wobei  auch  die  in  Art. 60  Abs. 1  Bst. b  RTVG  genannten  beiden  Kriterien  zu  berücksichtigen sind. 5.2.1.  Wie  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Stellungnahme  vom  25. Februar  2011  zum Gesuch um Entzug der  aufschiebenden Wirkung  dargelegt  hat,  versorgt  sie  insgesamt  rund  1,5  Millionen  TV­Haushalte,  wovon  per  Ende  2010  465'000  Kabel­TV­Haushalte  vom  digitalen  Angebot  Gebrauch  machten.  Auch  wenn  die  Zahl  der  Kunden  des  digitalen Angebots  in  der  Zwischenzeit  gestiegen  sein  dürfte,  sind  –  ob  aus finanziellen oder anderen Gründen – nach wie vor bis zu einer Million  oder  etwa  zwei  Drittel  der  von  der  Beschwerdeführerin  versorgten  Haushalte  nur  über  das  analoge  Kabelfernsehen  erreichbar.  Die  Vorinstanz  führt  zu  Recht  aus,  mit  der  Aufschaltverpflichtung  sei  sicherzustellen,  dass  ein  aufschaltwürdiges  Programm  sein  anvisiertes  Publikum  möglichst  umfassend  erreichen  könne.  Bei  der  derzeitigen 

A­8531/2010 immer  noch  bedeutend  grösseren  Verbreitung  des  analogen  Kabelfernsehens  besteht  weiterhin  die  Notwendigkeit  der  analogen  Empfangsmöglichkeit  für  ein  Programm,  das  in  besonderem  Mass  zur  Erfüllung  des  verfassungsrechtlichen  Leistungsauftrags  beiträgt.  Damit  sind  auch  die  Erforderlichkeit  und  Eignung  der  verfügten  Aufschaltverpflichtung  nach wie  vor  zu  bejahen,  und es  bestehen  keine  für  die  Beschwerdeführerin  milderen  Massnahmen,  die  an  deren  Stelle  treten könnten.  5.2.2. Die  Beschwerdeführerin  macht  insbesondere  im  Zusammenhang  mit der Zumutbarkeit geltend, sie habe in den analogen Kabel­TV­Netzen  der Deutschschweiz keine freien Kapazitäten bzw. belegbare Kanäle und  müsse  daher  einen  anderen  Sender  daraus  entfernen,  um  der  Aufschaltverpflichtung  nachzukommen.  Von  den  deutschsprachigen  Programmen verfügten nur ZDF, ORF 2, BR 3 und SWR weder über eine  vertragliche  Verbreitungspflicht  noch  über  eine  solche  nach  Art. 59  und  60  RTVG.  Aufgrund  der  Zuschauerbasis  könnte  daher  nur  BR  3  oder  SWR aus dem analogen Kabelnetz entfernt werden, beides Programme,  die  seit  den  Anfängen  des  Kabelfernsehens  in  der  Deutschschweiz  verbreitet  würden  und  beachtliche  Zuschauerzahlen  erreichten,  die  deutlich  über  denjenigen  lägen,  die  für  das  Programm  der  Beschwerdegegnerin  zu  erwarten  seien.  Die  Abschaltung  eines  der  genannten  Programme  schwäche  das  analoge  Grundangebot  der  Beschwerdeführerin,  führe  zu  enttäuschten  Kunden  und  wirke  sich  auf  ihre Wettbewerbsfähigkeit aus. Es würden vermehrt Anreize geschaffen,  den  Kabel  TV­Anschluss  zu  kündigen,  wodurch  der  vom  Gesetzgeber  gewollte  Infrastrukturwettbewerb  im  Telekommunikationsbereich  geschwächt  würde.  Sie  sei  daher  darauf  angewiesen,  ihr  analoges  Angebot  nach  Einschaltquoten  und  Beliebtheitsreichweiten  zusammenstellen zu können, was durch die verfügte Aufschaltung eines  wenig  massentauglichen  Programms  in  unzumutbarer  Weise  eingeschränkt werde.  Diesen  wirtschaftlichen  Interessen  der  Beschwerdeführerin  stehen  diejenigen der Allgemeinheit am verfassungsrechtlichen Leistungsauftrag  gegenüber  sowie  die  ebenfalls  wirtschaftlichen  Interessen  der  Beschwerdegegnerin.  Der  Bundesrat  hat  gestützt  auf  Art. 60  Abs. 2  RTVG  in  Art. 53  Bst. c  RTVV  bestimmt,  dass  die  Fernmeldedienstanbieter  höchstens  zur  Verbreitung  von  25  Fernsehprogrammen  im  analogen  Netz  verpflichtet  werden  können.  Diese  Obergrenze  erscheint  bei  anscheinend  35  vorhandenen  Kanälen 

A­8531/2010 bei  der  Beschwerdeführerin  als  hoch,  in  Frage  steht  jedoch  die  Aufschaltpflicht für den 18. Sender. Festzustellen ist weiter, dass der von  der  Abschaltung  betroffene  Sender  BR  3  in  den  von  der  Beschwerdeführerin  vorgelegten  Zuschauerzahlen  in  der  zweiten  Hälfte  zu  finden  ist  und  einen  Marktanteil  in  der  Grössenordnung  von  etwa  einem  Prozent  hat.  Die  Beliebtheit  dieses  Senders  hält  sich  somit  in  Grenzen.  Es  versteht  sich,  dass  die  Abschaltung  dieses  Senders  zu  vorübergehend  verärgerten  Kunden  führen  kann,  indessen  ist  nicht  anzunehmen,  dass  deswegen  viele  Kunden  den  Anschluss  der  Beschwerdeführerin  aufkünden  werden,  zumal  dies  entweder  den  Verzicht auf den leitungsgebundenen Programmempfang bedeutete oder  den Umstieg  auf  den digitalen Empfang erforderte,  den  viele Haushalte  offensichtlich  (noch)  scheuen,  und  somit  keine  echten  Alternativen  darstellen.  Ein  spürbarer  Einfluss  auf  den  Infrastrukturwettbewerb  im  Fernmeldebereich  ist  daher  nicht  zu  erwarten.  Schliesslich  ist  festzuhalten, dass auch die Zielgruppe der Beschwerdegegnerin Kunden  der  Beschwerdeführerin  sind  oder  bei  der  Gründung  eines  eigenen  Haushaltes  noch  werden  dürften.  Ein  unzumutbarer  Eingriff  in  die  Interessen  der  Beschwerdeführerin  ist  daher  nicht  zu  erkennen.  Die  Aufschaltverpflichtung  erweist  sich  vorliegend  als  verhältnismässig,  so  dass auch die Voraussetzungen von Art. 36 BV und Art. 60 Abs. 1 Bst. b  RTVG erfüllt sind.  5.3. Zusammenfassend erweisen sich die Rügen der Beschwerdeführerin  gegen  die  verfügte  Aufschaltverpflichtung  als  unbegründet,  weshalb  die  Beschwerde  in  ihrem  Hauptantrag  abzuweisen  ist,  soweit  auf  sie  eingetreten werden kann.  6.  Eventualiter  verlangt  die  Beschwerdeführerin  eine  Beschränkung  der  Aufschaltverpflichtung  auf  zwei  Jahre  und  eine  Vollzugsfrist  von  mindestens  sechs  Monaten  ab  Rechtskraft  einer  allfällig  hoheitlich  angeordneten  Verbreitungspflicht.  Die  Dauer  von  drei  Jahren  stelle  angesichts  der  sich  schnell  wandelnden  Telekommunikationsindustrien  eine unverhältnismässige Belastung  für die Beschwerdeführerin dar. Zur  Minimierung  von  Kommunikations­  und  Imagerisiken  müsse  für  die  Umsetzung von Programmverschiebungen  im analogen Angebot  zudem  langfristig geplant und angezeigt werden, so dass sie hierfür mindestens  sechs Monate benötige. 

A­8531/2010 6.1. Die Vorinstanz erachtet eine erste Aufschaltdauer von 3 Jahren nach  wie vor als angemessen; diese entspricht auch der bisherigen Praxis der  Vorinstanz. Es sind weder grundlegende neue Entwicklungen im Bereich  des  analogen  und  digitalen  Fernsehens  vorgebracht  worden,  noch  sind  solche  ersichtlich.  Folglich  ist  auch  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  Verbreitung  im  analogen  Kabelfernsehen  bereits  innerhalb  von  zwei  Jahren jegliche Bedeutung verlöre. Es besteht entsprechend kein Anlass,  in  das  diesbezügliche  Ermessen  der  Vorinstanz  einzugreifen.  Die  Aufschaltdauer ist daher auf 3 Jahren zu belassen. 6.2.  Für  die  beantragte  Umsetzungsdauer  von  mindestens  6  Monaten  macht  die  Beschwerdeführerin  nicht  etwa  technische  oder  rechtliche  Gründe  geltend,  sondern  die  notwendige  Information  der  Kunden  zur  Vermeidung von Reputationsrisiken. Es ist verständlich, dass die Kunden  über  diese  Änderung  im  analogen  Kabelfernsehen  informiert  werden  müssen;  die  von  der  Vorinstanz  eingeräumte  Dauer  von  drei  Monaten  erscheint hierfür  jedoch als ausreichend, zumal auch die  Interessen der  Beschwerdegegnerin an einer baldigen Verbreitung  ihres Programms  im  analogen Kabelnetz zu berücksichtigen sind. Die Beschwerdeführerin  ist  deshalb  zu  verpflichten,  das  Programm  der  Beschwerdegegnerin  innerhalb von drei Monaten ab Rechtskraft des vorliegenden Urteils auch  in  ihrem  analogen  Kabelnetz  der  Deutschschweiz  zu  verbreiten.  Demzufolge  ist  Ziffer  1  Satz  2  der  angefochtenen Verfügung  in  diesem  Sinne anzupassen. Der Eventualantrag der Beschwerdeführerin ist somit  ebenfalls abzuweisen.  7.  Schliesslich  verlangt  die  Beschwerdeführerin  die  Auferlegung  der  erstinstanzlichen Verfahrenskosten an die Beschwerdegegnerin bzw. die  Aufhebung  dieser  Verpflichtung.  Sie  macht  geltend,  es  gebe  keine  spezialgesetzliche  Regelung  in  Bezug  auf  die  Gebühren.  Gemäss  Art. 164 Abs. 1 Bst. d BV seien der Kreis der Abgabepflichtigen sowie der  Gegenstand  und  die  Bemessung  grundsätzlich  im  formellen  Gesetz  festzuhalten.  Art. 2  der  Allgemeinen  Gebührenverordnung  vom  8. September 2004  (AllgGebV, SR 172.041.1) sehe vor, dass derjenige,  der eine Verfügung veranlasse, eine Gebühr zu bezahlen habe, wobei im  vorliegenden  Fall  zwei  Private  mit  gegenläufigen  Interessen  am  Verfahren  beteiligt  gewesen  seien.  Es  finde  sich  weder  eine  Regel,  welche der beiden Parteien gebührenpflichtig sei, noch finde sich für das  Unterliegerprinzip  eine  gesetzliche  Grundlage.  Zudem  fehlten  generell 

A­8531/2010 abstrakte  Gebührenansätze,  insbesondere  habe  das  UVEK  für  die  Anwendung des RTVG keine solchen erlassen. 7.1.  Die  Beschwerdegegnerin  macht  demgegenüber  geltend,  die  Beschwerdeführerin  habe  das  Verfahren  mit  ihrer  Weigerung,  auf  vertraglicher  Basis  das  Programm  analog  und  digital  zu  verbreiten,  verschuldet  und  sei  unterlegen.  Sollte  keine  gesetzliche  Grundlage  bestehen,  so  verunmögliche  dies  auch  eine  Kostenauflage  an  sie.  Die  Vorinstanz  führt  in  ihrer  Vernehmlassung  korrigierend  aus,  die  Kostenpflicht beruhe auf Art. 100 Abs. 1 Bst. c RTVG und Art. 78 Abs. 2  RTVV; ansonsten sei der Stundenansatz korrekt angewandt worden.  7.2.  Gemäss  Art. 46a  des  Regierungs­  und  Verwaltungsorganisationsgesetzes  vom  21. März  1997  (RVOG,  SR  172.010)  erlässt  der  Bundesrat  Bestimmungen  über  die  Erhebung  angemessener Gebühren  für Verfügungen. Art. 100 Abs. 1 Bst. c RTVG  sieht  vor,  dass  die  zuständige  Behörde  Verwaltungsgebühren  insbesondere  für  den  Erlass  von  Verfügungen  erhebt.  Die  Ausführungsbestimmungen  ihrerseits  legen  in  Art. 78 ff.  RTVV  den  Stundenansatz  sowie  die  Reduktion  der  Verwaltungsgebühr  fest  und  verweisen  im  Übrigen  auf  die  AllgGebV.  Zu  den  Gebührenpflichtigen  äussern sich diese Erlasse nicht. Wie die Beschwerdeführerin zutreffend  vorbringt,  sieht  Art. 2  AllgGebV  vor,  dass  die  Gebühr  zu  bezahlen  hat,  wer  eine  Verfügung  veranlasst,  was  im  Übrigen  auch  dem  Verursacherprinzip entspricht.  Gemäss dem Unterliegerprinzip gilt eine Partei als unterlegen, wenn ihren  Begehren  aus  formellen  oder  materiellen  Gründen  nicht  entsprochen  wird.  Dieser  Grundsatz  ist  für  Beschwerdeverfahren  in  Art. 63  VwVG  verankert,  gilt  jedoch  gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  als  allgemeiner  prozessualer  Grundsatz.  Insbesondere  in  fernmelderechtlichen  Zugangsverfahren,  an  denen  zwei  Parteien  mit  gegenläufigen  Interessen beteiligt  sind, wurde dessen Anwendung nicht  beanstandet  (BGE  132  II  47  E. 3.3;  vgl.  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­5979/2010 vom 9. Juni 2011).  Aus Art. 60 Abs. 1 RTVG ergibt sich, dass eine Aufschaltverpflichtung nur  auf Gesuch eines Programmveranstalters erfolgt. Wie in E. 3 festgehalten  worden  ist,  bewirkt  die  Gewährung  des  Aufschaltprivilegs,  dass  die  Verbreitung unentgeltlich zu erfolgen hat, während gemäss Art. 61 RTVG  der  Programmveranstalter  ohne  diese  Privileg  den  Aufwand  für  die 

A­8531/2010 Verbreitung  abzugelten  hat.  Selbst  wenn  also  eine  Vereinbarung  zustande  kommt,  ist  ein Verfahren  nach Art. 60 RTVG möglich  und  nur  der Programmveranstalter hat einen Nutzen aus der Verfügung, während  die  Fernmeldedienstanbieterin  ihren  grundsätzlichen  Anspruch  auf  ein  Entgelt  für  die Verbreitung  verliert. Die Vorinstanz  stellt  sich  denn auch  auf  den Standpunkt,  dass  das Verhandlungsprimat  von untergeordneter  Bedeutung  für  die  Aufschaltverpflichtung  ist.  Kommt  es  aber  nicht  oder  nur  in  geringem Mass  auf  das Verhalten  der  Fernmeldedienstanbieterin  an,  so kann sie entgegen der Auffassung der Vorinstanz das Verfahren  weder veranlassen noch vermeiden oder gegenstandslos werden lassen.  Bei  dieser  Ausgangslage  kann  die  Beschwerdeführerin  nicht  Veranlasserin des Verfahrens sein, und es bleibt weder Raum für die von  der Vorinstanz gewählte Auslegung noch für entsprechendes Ermessen.  Kostenpflichtig  kann  vielmehr  einzig  die  Beschwerdegegnerin  sein.  Die  Beschwerde  ist  daher  insofern  gutzuheissen  und  Ziffer  4  der  vorinstanzlichen  Verfügung  aufzuheben.  Die  Vorinstanz  wird  noch  zu  prüfen  haben,  ob  die  Gebühren  in  Anwendung  von  Art. 79  RTVV  zu  reduzieren  oder  allenfalls  gemäss  Art.  3  AllgGebV  zu  erlassen  sind,  weshalb das Verfahren an sie zurückzuwiesen ist zur Neufestsetzung der  Kosten und deren allfälligen Auferlegung an die Beschwerdegegnerin.  8.  Bei  diesem Ausgang des Verfahrens  gilt  die Beschwerdeführerin  als  zu  einem  grossen  Teil  unterliegende  Partei.  Die  Beschwerdegegnerin  ihrerseits  unterlag  mit  ihrem  Gesuch  um  Entzug  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  (Zwischenverfügung  vom  4. März  2011),  während  der  erstinstanzliche  Kostenpunkt  für  sie  noch  offen  ist.  Demzufolge  hat  die  Beschwerdeführerin  von  den  auf  Fr. 7'500.—  festzusetzenden Verfahrenskosten Fr. 6'000.— zu  tragen  (Art. 63 Abs. 1  VwVG  und  Art. 1 ff.  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2]. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von  Fr. 7'500.—  verrechnet,  während  die  restlichen  Fr. 1'500.—  der  Beschwerdeführerin  zurückzuerstatten  sind.  Der  Beschwerdegegnerin  sind Verfahrenskosten  in der Höhe von Fr. 1'000.— aufzuerlegen. Keine  Verfahrenskosten trägt die Vorinstanz (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 9.  Da die Beschwerdegegnerin zum klar grösseren Teil obsiegt,  ist  ihr eine  (leicht  gekürzte)  Parteientschädigung  für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  Kosten  zuzusprechen  (Art. 64  Abs. 1  VwVG  i.V.m.  Art. 7 

A­8531/2010 Abs. 2 VGKE). Wird  keine Kostennote  eingereicht,  so  setzt  das Gericht  die Entschädigung aufgrund der Akten fest (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE).  Gemäss Art. 10 Abs. 2 VGKE beträgt der Stundenansatz für Anwälte und  Anwältinnen mindestens 200 und höchstens 400 Franken. Entsprechend  dem  durch  den  Beizug  eines  externen  Anwalts  entstandenen  Aufwand  und  unter  Berücksichtigung  des  Ausgangs  von  Hauptverfahren  und  Verfahren betreffend aufschiebende Wirkung (Zwischenverfügung vom 4.  März 2011) steht der Beschwerdegegnerin eine Parteientschädigung von  pauschal Fr. 10'000.— inkl. Mehrwertsteuer und Auslagen zu (vgl. Art.8 ff.  VGKE).  Diese  ist  der  Beschwerdeführerin  zur  Bezahlung  aufzuerlegen.  Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird  teilweise gutgeheissen und Ziffer 4 der Verfügung  des BAKOM vom 10. November  2010 aufgehoben.  Im Übrigen wird  die  Beschwerde abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  In Anpassung von Ziffer 1 Satz 2 der angefochtenen Verfügung wird die  Beschwerdeführerin  verpflichtet,  innerhalb  von  drei  Monaten  ab  Eintritt  der Rechtskraft dieses Urteils das Programm der Beschwerdegegnerin in  ihrem analogen und weiterhin im digitalen Kabelnetz der Deutschschweiz  unentgeltlich zu verbreiten. Diese Verbreitungspflicht gilt für drei Jahre ab  Rechtskraft dieses Urteils. 3.  Soweit den erstinstanzlichen Kostenpunkt betreffend, wird das Verfahren  an  das  BAKOM  zurückgewiesen  zur  neuen  Festsetzung  und  allfälligen  Auferlegung von Kosten an die Beschwerdegegnerin. 4.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 7'500.—  werden  im  Umfang  von  Fr. 6'000.—  der  Beschwerdeführerin  auferlegt  und  in  dieser  Höhe  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 7'500.—  verrechnet.  Die  restlichen  Fr. 1'500.—  werden  der  Beschwerdeführerin  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  dieses  Urteils  zurückerstattet.  Hierzu  hat  sie  dem  Bundesverwaltungsgericht einen Einzahlungsschein zuzustellen oder ihre  Post­ oder Bankverbindung bekannt zu geben. 

A­8531/2010 5.  Der  Beschwerdegegnerin  werden  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 1'000.— auferlegt. Dieser Betrag ist  innert 30 Tagen nach Eintritt der  Rechtskraft  des  vorliegenden  Urteils  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  zu  überweisen. Die Zustellung des Einzahlungsscheins erfolgt mit separater  Post. 6.  Die  Beschwerdeführerin  hat  der  Beschwerdegegnerin  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  des  vorliegenden  Urteils  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 10'000.— zu entrichten. 7.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Beschwerdegegnerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. 5480­10/1000288220; Einschreiben) – das  Generalsekretariat  des  Eidgenössischen  Departements  für  Umwelt,  Verkehr,  Energie  und  Kommunikation  UVEK  (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: André Moser Bernhard Keller Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000 Lausanne 14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, 

A­8531/2010 deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

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