Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 05.09.2011 A-7809/2010

5 septembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,960 mots·~20 min·1

Résumé

Mehrwertsteuer | Mehrwertsteuer (1. Quartal 2005 - 4. Quartal 2008; Steuerpflicht, Ermessenseinschätzung)

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­7809/2010 Urteil   v om   5 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Salome Zimmermann (Vorsitz), Richter Michael Beusch, Richter Daniel Riedo, Gerichtsschreiber Jürg Steiger. Parteien A._______, Beschwerdeführer,  gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung  Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Mehrwertsteuer (1. Quartal 2005 ­ 4. Quartal 2008;  Steuerpflicht, Ermessenseinschätzung).

A­7809/2010 Sachverhalt: A.  A._______  betreibt  in  der  Stadt  Basel  in  der  Rechtsform  der  Einzel­ unternehmung  einen  Taxibetrieb.  Mit  Schreiben  vom  23.  Juni  2009  forder­te  die  Eidgenössische  Steuerverwaltung  (ESTV)  A._______  auf,  für die Zeit ab dem 1. Januar 2003 bzw. ab Aufnahme der selbständigen  Tätigkeit  Bilanzen  und  Erfolgsrechnungen,  Aufwand­  und  Ertragskonti,  Fahrtenschreiber­  und  Arbeitszeitkontrollkarten  sowie  Service­  und  Reparaturrechnungen sämtlicher Fahrzeuge einzureichen. B.  Nach  Mahnungen  durch  die  ESTV  am  11.  August  2009  sowie  am  9. September 2009 reichte A._______ die verlangten Unterlagen ein. Mit  Schreiben vom 28. September 2009 teilte die ESTV ihm mit, sie habe ihn  aufgrund  der  eingereichten  Unterlagen  rückwirkend  auf  den  1. Januar  2005  ins  Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen  eingetragen.  Mit  der  Ergänzungsabrechnung  (EA)  Nr.  117'997  vom  28.  September  2009  forderte  die  ESTV  von  ihm  für  die  Zeit  vom  1.  Januar  2005  bis  31. Dezember  2008  Fr.  19'763.­­  zuzüglich  Verzugszins  nach.  Für  die  Kalkulation der Umsätze wandte die ESTV einen Ansatz von Fr. 2.15 pro  Kilometer  an.  Die  Steuerberechnung  nahm  sie  mittels  des  Saldosteuersatzes (SSS) für Taxifahrer von 5,2% vor. C.  Am 12. Oktober 2009 bestritt A._______ die Eintragung in das Re­gister  der  Steuerpflichtigen  und  die  EA.  Er  machte  geltend,  die  bei  der  Berechnung  der  Nachforderung  berücksichtigte  Anzahl  geschäftlich  ge­ fahrener Kilometer müsse halbiert werden. Er  arbeite  am Flughafen mit  einer Konzession B. Dies bedeute, er dürfe auf den Taxistandplätzen  in  der Stadt Basel  keine Fahrgäste aufnehmen und müsse bei  jeder Fahrt  wieder  leer  an  den  Flughafen  zurückfahren.  Im  Weiteren  seien  nicht  ausreichend privat gefahrene Kilometer berücksichtigt worden. D.  Am  30.  November  2009  traf  die  ESTV  einen  anfechtbaren  Entscheid.  Darin hielt sie fest, A._______ sei ab dem 1. Januar 2005 steuer­pflichtig.  Die ESTV habe von ihm für die Steuerperioden vom 1. Quartal 2005 bis  4.  Quartal  2008  zu  Recht  Fr.  18'551.­­  Mehrwertsteuer  zuzüglich  Verzugszins  nachgefordert.  Ihre  ursprüngliche  Nachforderung  gemäss  EA  Nr.  117'997  vom  28.  September  2009  korrigierte  sie  mittels  der  Gutschriftsanzeige  Nr.  117'332  um  Fr.  1'212.­­.  Diese  Korrektur  ergab 

A­7809/2010 sich,  da  die  ESTV  aufgrund  der  eingereichten  Fahrtenschreiberkarten  mehr Kilometer als privat gefahren akzeptierte. E.  Gegen  den  Entscheid  der  ESTV  vom  30.  November  2009  führte  A._______  am 24. Dezember  2009 Einsprache. Er machte  geltend,  die  Berechnungen  könnten  nicht  stimmen,  da  die  ESTV  für  alle  Fahrzeuge  den gleichen Kilometeransatz von Fr. 2.15 heranziehe. Nicht jedes Fahr­ zeug koste aber  im Unterhalt gleich viel. Mit Schreiben vom 15. Februar  2010 ergänzte A._______ seine Einsprache. Er führte insbesondere aus,  in der EA und der GS sei zwar der Arbeitsweg von zweimal 12 Kilometer  als abzugsfähig vermerkt worden, dieser sei aber  in der Folge nicht von  den geschäftlich gefahrenen Kilometern abgezogen worden. F.  Am 15. Juli 2010 teilte die ESTV mit, eine erneute Überprüfung habe er­ geben,  dass A._______ erst  ab dem 1.  Januar  2007  steuerpflichtig  sei,  da die Umsatzgrenze im Jahr 2006 überschritten worden sei. Im Weiteren  genüge seine Einsprache den gesetzlichen Anforderungen nicht. Sollte er  an  der  Einsprache  festhalten,  sei  eine  sachbezogende  Begründung  nachzuliefern, weshalb die Umsatzkalkulation der ESTV nicht korrekt sei.  Im  Weiteren  habe  er  die  gesamte  Buchhaltung  einschliesslich  Kassabücher,  Tagesrapporte  und  Monatszusammenstellungen  über  die  Einnahmen  der  Jahre  2006  bis  2008  einzureichen.  Zudem  habe  er  die  Fahrtenschreiber­ und Kontrollkarten des Jahres 2006 nachzureichen. G.  Mit  Schreiben  vom  28.  Juli  2010  antwortete  A._______,  er  habe  der  ESTV bereits alle vorhandenen Unterlagen zugestellt und diese kommen­ tarlos  wieder  zurückerhalten.  In  diesen  Unterlagen  habe  sich  auch  ein  Arztbericht befunden. Als Beilage zu seinem Schreiben vom 28. Juli 2010  legte er eine Kopie dieses Arztberichts vom 12. Februar 2010 sowie eines  ärztlichen  Zeugnisses  vom  18.  November  2009  bei.  Aus  diesen  Unterlagen  geht  hervor,  dass  A._______  auf  eine  salzarme  sowie  fettreduzierte  Ernährung  angewiesen  gewesen  sei,  weshalb  ihm  empfohlen wurde, sein Mittagessen zu Hause einzunehmen. A._______  machte  deshalb  geltend,  er  habe  seinen  Arbeitsweg  vier­  und  nicht  zweimal  zurückgelegt.  Die  von  der  ESTV  berücksichtigte  Anzahl  Kilometer für den Arbeitsweg sei zu verdoppeln.

A­7809/2010 H.  Am  8.  Oktober  2010  erliess  die  ESTV  einen  Einspracheentscheid.  Sie  hiess die Einsprache teilweise gut. Sie stellte fest, A._______ sei ab dem  1.  Januar  2007  steuerpflichtig.  Im Weiteren erkannte  sie,  er  schulde  ihr  für  die  Steuerperioden  vom  1.  Quartal  2007  bis  4.  Quartal  2008  Fr. 8'649.­­  Mehrwertsteuer  zuzüglich  Verzugszins.  Zur  Begründung  führte  sie  im Wesentlichen  aus,  die  Buchhaltung  von  A._______  weise  erhebliche  Mängel  auf.  Für  die  Jahre  2003  bis  2008  hätten  lediglich  jeweils  die  Erfolgsrechnungen  sowie  einige  Rechnungen  (Servicerechnungen  sowie  Abrechnungen  der  B._______)  vorgelegen.  Sowohl  die  Fahrtenschreiber­  als  auch  die  Kontrollkarten  für  die  Jahre  2003  bis  2006  hätten  gefehlt.  Sie  sei  deshalb  befugt  gewesen,  eine  Ermessenseinschätzung vorzunehmen. Auf  der Grundlage der Fahrtenschreiber­  und Kontrollkarten  des  Jahres  2007  sowie  der  Kilometerstände  auf  den  Servicerechnungen  der  Jahre  2003  bis  2006  und  2008  habe  sie  die  Anzahl  der  jährlich  gefahrenen  Kilometer  eruiert.  Im  Weiteren  habe  sie  den  Arbeitsweg  und  100  Kilometer  pro  Arbeitswoche  für  private  Zwecke  sowie  weitere  private  Fahrten  –  sofern  durch  Fahrtenschreiberkarten  belegt  –  in  Abzug  gebracht. Sie habe einen täglichen Arbeitsweg von zweimal 12 Kilometer  akzeptiert.  Das  eingereichte  Arztzeugnis  rechtfertige  keinen  grösseren  Arbeitsweg, da dieses lediglich belege, dass A._______ auf salzarme und  fettreduzierte  Ernährung  angewiesen  sei. Wo  er  die  ärztlich  verordnete  Nahrung  einnehme,  vermöge  das  Arztzeugnis  jedoch  nicht  zu  belegen.  Die  verbleibende  Anzahl  Kilometer  (sog.  "geschäftlich  gefahrene  Kilometer") habe sie mit dem Erfahrungssatz  für selbständige Taxifahrer  in  Basel  in  der  Höhe  von  Fr.  2.15  pro  Kilometer  multipliziert.  Diesen  Erfahrungswert  habe  sie  aufgrund  von  38  Datensätzen  ermittelt.  Die  Datensätze  umfassten  Angestellte  von  diversen  Taxibetrieben  in  der  Stadt  Basel.  Sie  habe  dabei  Vollzeit­  und  Teilzeitangestellte,  Tag­  und  Nachtchauffeure, solche mit und ohne Funk sowie Fahrten zu reduzierten  Spezialpreisen berücksichtigt. Bei den erhobenen Daten seien alle Arten  von Fahrten  inbegriffen  (Flughafen,  Kundenkarten,  Kredikarten  etc.).  Im  Weiteren  habe  sie  dem Umstand Rechnung  getragen,  dass  A._______  als selbständiger Taxifahrer das Trinkgeld – im Gegensatz zu den bei den  erhobenen  Datensätzen  berücksichtigten  angestellten  Taxifahrer –  versteuern müsse. Die ESTV schätzte das Trinkgeld auf 11 Rappen pro  Kilometer,  was  ca.  5%  entspreche.  Schliesslich  wendete  die  ESTV  auf  den  ermittelten  Umsatz  den  Saldosteuersatz  für  Taxibetriebe  von  5,2%  an. Da die ESTV  in  ihrem Erstentscheid  vom 30. November  2009 bzw. 

A­7809/2010 der  EA  Nr. 117'997  den  Arbeitsweg  von  täglich  zweimal  12  Kilometer  fälschlicherweise nicht in allen Jahren in Abzug gebracht habe, hiess sie  die  Einsprache  teilweise  gut.  Sie  korrigierte  ihre Nachforderung mit  der  Gutschriftsanzeige (Nr. 117'359) in der Höhe von Fr. 9'902.­­. I.  Am 28. Oktober  2010  führte A._______  (Beschwerdeführer)  gegen  den  Einspracheentscheid der ESTV vom 8. Oktober 2010 Beschwerde an das  Bundesverwaltungsgericht  mit  den  folgenden  Rechtsbegehren:  "(1) Der  Einspracheentscheid  vom  8.  Oktober  2010  sei  aufzuheben  und  es  sei  festzustellen, dass der Beschwerdeführer  in den Jahren 2007 und 2008  nicht mehrwertsteuerpflichtig war.  (2) Das Verfahren sei  zu sistieren bis  zum rechtskräftigen Entscheid  im Verfahren A­2998/2009; unter Kosten­  und Entschädigungsfolge". Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer insbesondere vor, es be­ stünden begründete Zweifel, dass die Voraussetzungen  für eine Ermes­ senstaxation überhaupt erfüllt seien. Im Weiteren bestreite er in erster Li­ nie  den  Kilometeransatz  von  Fr.  2.15.  Dieser  Betrag  beruhe  auf  einer  nicht  repräsentativen  Abklärung  der  ESTV  bei  unselbständig  erwerbstätigen Taxifahrern. Er habe als selbständiger Taxifahrer eine mit  diesen  nicht  vergleichbare  Struktur.  Er  sei  nur  sehr  locker  an  eine  Taxizentrale  angeschlossen.  Er  fahre  den  nicht  sehr  lukrativen  Flughafendienst,  der  von  den  grossen  Taxiunternehmen  gemieden  werde,  und  versuche  dann,  zusätzlich  morgens  oder  abends  noch  an  einigen neuralgischen Punkten Fahrgäste aufzunehmen. Die ESTV habe  seine Situation nicht abgeklärt. Sie versteife sich auf die Behauptung, sie  habe einen Durchschnittswert  von Fr.  2.04  pro Kilometer  errechnet  und  bei selbständigen Taxifahrern seien noch 5% Trinkgeld dazu zuschlagen.  Mit diesem Vorgehen habe die ESTV  ihre Untersuchungspflicht verletzt.  Allenfalls verlange er ein neutrales Gutachten. Im Weiteren beantrage er,  die  Akten  eines  anderen  Taxifahrers  mit  der  MWST­Nummer  (…)  beizuziehen. Dieser habe seinen Umsatz täglich aufgezeichnet und einen  Kilometeransatz von Fr. 1.­­ erzielt. J.  Mit  Zwischenverfügung  vom  30.  November  2010  sistierte  das  Bundes­ verwaltungsgericht  das  Beschwerdeverfahren  antragsgemäss  bis  zur  rechtskräftigen  Erledigung  des Verfahrens  A­2998/2009.  Am  9.  Februar  2011  sandte  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  ein  anonymisiertes  Exemplar  ihres  inzwischen  in  Rechtskraft  erwachsenen 

A­7809/2010 Urteils A­2998/2009 vom 11. November 2010 zur Kenntnisnahme zu. Im  Weiteren  forderte  es  den  Beschwerdeführer  auf,  sich  zum  weiteren  Verlauf des Verfahrens zu äussern. K.  Am 18. März 2011 reichte der Beschwerdeführer eine Beschwerdeergän­ zung  ein.  Er  legte  insbesondere  dar,  den  von  der  ESTV  festgelegten  Ansatz von Fr. 2.15 pro Kilometer könne er nicht erreichen, da er in den  Jahren 2006­2008 ca. einen Drittel seines Umsatzes mit Fahrten  für die  B._______  gemacht  habe.  Der  dort  festgelegte  Bruttotarif  habe  bei  Fr. 3.30  pro  Kilometer  gelegen,  wobei  davon  noch  10%  Rabatt  sowie  5,2% MWST abgezogen worden seien. In der Folge habe er einen Ansatz  von Fr. 1.40 pro Kilometer erzielt. Im Weiteren sei er bloss im Besitz einer  B­Konzession. Er dürfe  in der Stadt keine Umsätze machen und nur am  Flughafen  Gäste  aufladen.  Dies  führe  jeden  Tag  zu  unbezahlten  Leerfahrten. L.  In  ihrer Vernehmlassung vom 6. Mai 2011 schloss die ESTV auf Abwei­ sung  der  Beschwerde  unter  Kostenfolge  zulasten  des  Beschwerdeführers. Auf  die  Eingaben  der  Parteien  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  im  Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art.  31  des Bundesgesetzes  vom 17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32)  beurteilt dieses Gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  gegeben  ist.  Eine  solche  liegt  nicht  vor  und  die  Vorinstanz  ist  eine  Behörde  im  Sinn  von  Art.  33  VGG.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist daher  für die Beurteilung der vorliegenden  Beschwerde  zuständig.  Auf  die  form­  und  fristgerecht  eingereichte  Beschwerde ist einzutreten.

A­7809/2010 1.2. Die ESTV stellte in Ziff. 2 des Dispositivs ihres Einspracheentscheids  vom 8. Oktober  2010  fest,  der Beschwerdeführer  sei  ab dem 1.  Januar  2007  steuerpflichtig.  In  seiner  Beschwerde  beantragt  der  Beschwerdeführer  deshalb  folgerichtig  neben  der  Aufhebung  des  Einspracheentscheids  vom 8. Oktober 2010 die Feststellung, dass er  in  den Jahren 2007 und 2008 nicht mehrwertsteuerpflichtig gewesen sei. Er  verlangt  mit  dem  Feststellungsbegehren  die  Reformation  einer  Feststellung  der  Vorinstanz  (vgl.  dazu  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1652/2006  vom  22.  Juni  2009  E.  1.4).  Dieses Vorgehen ist korrekt und auf das Feststellungsbegehren ist somit  ebenfalls einzutreten. 1.3. Am 1. Januar 2010 ist das Bundesgesetz vom 12. Juni 2009 über die  Mehrwertsteuer  (MWSTG,  SR  641.20)  in  Kraft  getreten.  Die  bisherigen  gesetzlichen  Bestimmungen  sowie  die  darauf  gestützt  erlassenen  Vor­ schriften bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während ihrer Geltungs­ dauer  eingetretenen  Tatsachen  und  entstandenen  Rechtsverhältnisse  anwendbar (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). Da sich der vorliegende Sachver­ halt in den Jahren 2005­2008 zugetragen hat, untersteht das vorliegende  Verfahren deshalb in materieller Hinsicht dem aMWSTG. Demgegenüber  ist  das  neue  mehrwertsteuerliche  Verfahrensrecht  im  Sinn  von  Art.  113  Abs.  3  MWSTG  auf  sämtliche  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens hängige Verfahren anwendbar. Allerdings ist Art. 113 Abs. 3  MWSTG  insofern  restriktiv  auszulegen,  als  nur  eigentliche  Verfahrensnormen  sofort  auf  hängige  Verfahren  anzuwenden  sind,  und  es  dabei  nicht  zu  einer  Anwendung  von  neuem  materiellen  Recht  auf  altrechtliche  Sachverhalte  kommen  darf  (ausführlich:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1113/2009  vom  23.  Februar  2010  E.  1.3;  s.a.  Urteil  des  Bundes­verwaltungsgerichts  A­4360/2008  und  A­ 4415/2008  vom  4.  März  2010  E. 1.2).  Kein  Verfahrensrecht  in  diesem  engen  Sinn  stellen  im  vorliegen­den  Entscheid  etwa  Themen  wie  die  Buchführungspflicht,  das  Selbstver­anlagungsprinzip  oder  die  Ermessensveranlagung dar, so dass vorliegend diesbezüglich noch altes  Recht  anwendbar  ist.  Keine  Anwendung  finden  deshalb  beispielsweise  Art.  70,  71,  72  oder  79  MWSTG,  obwohl  sie  unter  dem  Titel  "Verfahrensrecht  für die  Inland­ und die Bezugsteuer" stehen (Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1605/2006  vom  4.  März  2010  E.  1.5).  Hingegen  kann  unter  anderem  Art.  81  MWSTG  unter  die  von  Art.  113  Abs. 3 MWSTG anvisierten Verfahrensbestimmungen subsumiert werden  (PASCAL MOLLARD/XAVIER OBERSON/ANNE TISSOT BENEDETTO, Traité TVA, 

A­7809/2010 Basel  2009,  S.  1235  N.  670).  Art.  81  MWSTG  gilt  damit  grundsätzlich  auch für hängige Verfahren vor dem Bundesverwal­tungsgericht. Die Regelung von Art. 81 MWSTG  ist  freilich  insofern von beschränkter  Tragweite,  als  bei  Überprüfung  von  Entscheiden,  bezüglich  derer  das  vormalige  materielle  (sowie  davon  abhängige  formelle)  Recht  weiterhin  anwendbar  ist, das damalige vorinstanzliche Unberücksichtigtlassen von  Art. 81 MWSTG nicht beanstandet werden kann.  Im Übrigen  ist der Ge­ halt von Art. 81 Abs. 1 MWSTG durch die Rechtsprechung  in Nachach­ tung von Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid­ genossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101)  bereits  bisher  ange­ wendet  worden  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5078/2008  vom  26.  Mai  2010  E.  2.1,  A­705/2008  vom  12.  April  2010  E.  3,  A­1379/2007  vom  18.  März  2010  E.  1.2.3  und  A­4785/2007  vom  23.  Februar 2010 E. 5.5). 2.  2.1.  2.1.1. Die  für die Entscheidfindung  (Rechtsanwendung)  vorzunehmende  Tatsachenfeststellung  setzt  voraus,  dass  die Sachlage  korrekt  und  voll­ ständig ermittelt wurde. Das Verwaltungsverfahren und die Verwaltungs­ rechtspflege werden deshalb grundsätzlich von der Untersuchungsmaxi­ me  beherrscht.  Demnach  muss  die  entscheidende  Behörde  den  Sach­ verhalt von sich aus abklären. Sie muss die für das Verfahren notwendi­ gen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die rechtlich relevanten Um­ stände abklären sowie darüber ordnungsgemäss Beweis  führen. Art. 12  VwVG  beinhaltet  gewissermassen  eine  "behördliche  Beweisführungs­ pflicht"  (zum  Ganzen  vgl.  etwa  PATRICK  L.  KRAUSKOPF/KATRIN  EMMENEGGER,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxis­kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [nachfol­gend:  Praxiskommentar],  Zürich/Basel/Genf  2009,  N.  15  ff.  zu  Art. 12). Der Untersuchungsgrundsatz wird dadurch  relativiert, dass den  Beteiligten gewisse Mitwirkungspflichten auferlegt werden (Art. 13 VwVG;  vgl. KRAUSKOPF/EMMENEGGER, a.a.O., N. 20, 51 zu Art. 12, N. 4 ff., 37 ff.  zu  Art. 13).  Wo  der  Untersuchungsgrundsatz  endet  und  die  Mitwirkungspflicht beginnt, lässt sich nicht in allgemeiner Weise festlegen  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­7652/2009  vom  8.  Juni  2010  E.  1.4,  A­3069/2007  vom  29.  Januar  2008  E.  2.1).  Ihr  Verhältnis  ist  jeweils anhand des anwendbaren Verfahrenserlasses zu bestimmen. Hat  eine  der Untersuchungsmaxime  unterworfene Behörde  den Sachverhalt  nicht  von  Amtes  wegen  abgeklärt,  oder  hat  sie  dies  nur  unvollständig 

A­7809/2010 getan,  so bildet das einen Beschwerdegrund nach Art.  49 Bst. b VwVG  (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­3409/2010 vom 4. April 2011 E.  4.1; BVGE 2009/60 E. 2.1.1). 2.1.2.  Der  Untersuchungsgrundsatz  gilt  auch  im  Mehrwertsteuerrecht.  Nach  Art.  81  Abs.  1  MWSTG  findet  der  Vorbehalt  für  Steuerverfahren  gemäss Art. 2 Abs. 1 VwVG auf das Mehrwertsteuerrecht keine Anwen­ dung  mehr  (vgl.  aber  E.  1.2).  Der  Untersuchungsgrundsatz  wird  im  Mehrwertsteuerverfahren aber dadurch relativiert, dass dem Steuerpflich­ tigen  spezialgesetzlich  statuierte  Mitwirkungspflichten  auferlegt  werden  (vgl. BVGE 2009/60 E. 2.1.2). Insbesondere gilt es zu beachten, dass für  die Veranlagung und Entrichtung der Mehrwertsteuer das Selbstveranla­ gungsprinzip gilt (vgl. unten E. 2.3). 2.1.3. Gemäss  dem Untersuchungsgrundsatz  trägt  die Behörde  die Be­ weisführungslast (subjektive oder formelle Beweislast). Wie sich allfällige  Zweifel nach abgeschlossener Sachverhaltsermittlung auf den Entscheid  der Behörde auswirken, wird hingegen nicht geregelt. Für die (materielle)  Beweislast  ist  –  mangels  spezialgesetzlicher  Regelung  –  Art.  8  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuchs  vom  10.  Dezember  1907  (ZGB,  SR 210) in analoger Anwendung massgebend (KRAUSKOPF/EMMENEGGER,  a.a.O.,  N.  6,  207  ff.  zu  Art.  12).  Gemäss  dem  darin  verankerten  Rechtsprinzip  trägt  derjenige  den  Nachteil  der  "Nichtnachweislichkeit"  einer  Tatsache,  der  aus  ihr  Rechte  ableiten  wollte  (Urteil  des  Bundesgerichts 9C_267/2007 vom 4. September 2007 E. 1.3;  vgl.  auch  Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­3123/2008 vom 27. April 2010  E. 2.1.3, A­1597/2006 und A­1598/2006 vom 17. August 2009 E. 4.1). Im Steuerrecht gilt grundsätzlich, dass die Steuerbehörde für die steuer­ begründenden  und  ­mehrenden  Tatsachen  den  Nachweis  zu  erbringen  hat, während  der  steuerpflichtigen Person  der Nachweis  der  Tatsachen  obliegt, welche die Steuerschuld mindern oder aufheben (Urteil des Bun­ desgerichts  vom  14.  Juli  2005,  veröffentlicht  in:  Archiv  für  Schweizeri­ sches Abgaberecht  [ASA]  75 S.  495  ff.  E.  5.4;  zum Ganzen: Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11.  November  2010  E. 2.1.3;  vgl.  auch  statt  vieler  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1597/2006 und A­1598/2006 vom 17. August 2009 E. 4.1, A­1506/2006  vom  3.  Juni  2008  E.  2.3.1,  A­3069/2007  vom  29.  Januar  2008  E.  1.2;  ERNST  BLUMENSTEIN/PETER  LOCHER,  System  des  schweizerischen  Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 454).

A­7809/2010 2.2.  Der  Mehrwertsteuer  unterliegen  insbesondere  die  Umsätze,  die  durch  steuerpflichtige  Personen  im  Inland  mit  entgeltlich  erbrachten  Lieferungen  von  Gegenständen  und  Dienstleistungen  getätigt  werden  (Art. 5 Bst. a und b aMWSTG). Steuerpflichtig  ist  grundsätzlich, wer eine mit  der Erzielung  von Einnah­ men verbundene gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstständig aus­ übt,  sofern  seine  Lieferungen  und  seine  Dienstleistungen  im  Inland  jährlich gesamthaft Fr.  75'000.­­  übersteigen  (Art.  21 Abs.  1 aMWSTG).  Eine  Ausnahme  von  der  Steuerpflicht  besteht  insofern,  als  die  nach  Abzug  der  Vorsteuer  verbleibende  Steuer  (Steuerzahllast)  regelmässig  nicht  mehr  als  Fr.  4'000.­­  beträgt;  diese  Ausnahme  bleibt  auf  Jahresumsätze  bis  zu  Fr.  250'000.­­  beschränkt  (Art.  25  Abs.  1  Bst.  a  aMWSTG;  vgl.  dazu  die  von  der  ESTV  herausgegebene  Spezialbroschüre Nr. 02, Steuerpflicht bei der Mehrwertsteuer, gültig mit  Einführung  des  aMWSTG  per  1.  Januar  2001  bis  31.  Dezember  2007,  Ziff.  2.2.3).  Für  bestehende  Betriebe,  bei  welchen  im  Zeitpunkt  der  Aufnahme  der  Tätigkeit  keine  Steuerpflicht  gegeben  war,  beginnt  die  Steuerpflicht  am  1.  Januar,  wenn  im  vorangehenden  Jahr  die  oben  erwähnten Betragsgrenzen  kumulativ  überschritten worden sind  (Art.  28  Abs. 1 aMWSTG). Massgebend für die Steuerpflicht ist das vereinnahmte  Entgelt  des  Vorjahres;  dieses  ist  wie  folgt  zu  ermitteln:  Einnahmen  zuzüglich Entgelt aus Verrechnung und Warenhingabe an Zahlungs statt  (ESTV,  Spezialbroschüre  Nr.  02,  a.a.O.,  Ziff.  3.3;  vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­2149/2008 und A­2170/2008  vom 17. Mai  2010 E. 3.2). 2.3. Die  Veranlagung  und  Entrichtung  der  Mehrwertsteuer  erfolgt  nach  dem  Selbstveranlagungsprinzip  (Art.  46  f.  aMWSTG;  BLUMENSTEIN/LOCHER,  a.a.O.,  S.  421  ff.;  ALOIS  CAMENZIND/NIKLAUS  HONAUER/KLAUS  A.  VALLENDER,  Handbuch  zum  Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG],  2. Aufl.,  Bern  2003,  Rz.  78).  Dies  bedeutet  vorab,  dass  der  Leistungserbringer  bereits  für  die  Feststellung  seiner  Mehrwertsteuerpflicht  selbst  verantwortlich  ist  und  sich  gegebenenfalls  unaufgefordert anzumelden hat (Art. 56 Abs. 1 aMWSTG; vgl. Urteile des  Bundesgerichts  2A.109/2005  vom  10.  März  2006  E.  2.1,  2A.304/2003  vom 14. November 2003 E. 3.5; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts  A­2149/2008  und  A­2170/2008  vom  17.  Mai  2010  E.  3.1,  A­8485/2007  vom 22. Dezember 2009 E. 2.2, A­12/2007 vom 28. Januar 2009 E. 2.7).  Bei  festgestellter  Steuerpflicht  hat  er  sodann  selbst  und  unaufgefordert  über seine Umsätze und Vorsteuern abzurechnen und  innerhalb von 60 

A­7809/2010 Tagen  nach  Ablauf  der  Abrechnungsperiode  den  geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrag (Steuer vom Umsatz abzüglich Vorsteuern) an die  ESTV  abzuliefern.  Die  ESTV  ermittelt  die  Höhe  des  geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrages nur dann an Stelle der steuerpflichtigen Person,  wenn  diese  ihren  Pflichten  nicht  nachkommt  (Art.  60  aMWSTG;  Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts A­2998/2009 vom 11. November 2010 E.  2.4, A­4146/2009 vom 9. März 2010 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.4.  2.4.1. Zu den Obliegenheiten der steuerpflichtigen Person gehört  insbe­ sondere  die  Buchführungspflicht  (vgl.  dazu  die  Urteile  des  Bundesgerichts  2A.552/2006  vom 1.  Februar  2007 E.  3.1,  2A.109/2005  vom 10. März 2006 E. 2.1  f.). Gemäss Art. 58 Abs. 1 aMWSTG hat die  Mehr­wertsteuerpflichtige  ihre  Geschäftsbücher  ordnungsgemäss  zu  führen und so einzurichten, dass sich aus  ihnen die  für die Feststellung  der Mehrwertsteuerpflicht  sowie  für  die Berechnung der Steuer  und der  ab­ziehbaren  Vorsteuern  massgebenden  Tatsachen  leicht  und  zuverlässig ermitteln lassen. 2.4.2. Die mehrwertsteuerliche Buchführungspflicht knüpft nach dem kla­ ren Wortlaut  von  Art.  58  Abs.  1  aMWSTG  und  sachgerechterweise  an  eine bestehende Mehrwertsteuerpflicht an.  Insofern missverständlich, da  logisch  nicht  denkbar,  ist  damit  die  Aussage,  das  Mehrwertsteuerrecht  gebiete  die  Führung  von  Geschäftsbüchern  im  oben  erwähnten  Sinn  schon  betreffend  Feststellung  der  Steuerpflicht,  besteht  doch  vor  Entstehung  der  Steuerpflicht  eben  gerade  noch  keine  steuerpflichtige  Person,  welche  unter  den  Anwendungsbereich  von  Art.  58  Abs.  1  aMWSTG  fallen  könnte.  Da  indessen  die  Selbstveranlagung  auch  die  Anmeldepflicht umfasst (Art. 56 aMWSTG), sind auch Unternehmerinnen  und Unternehmer, die noch nicht mehrwertsteuerpflichtig sind, gehalten,  durch  geeignete  Massnahmen  periodisch  zu  überprüfen,  ob  sie  der  Mehrwertsteuerpflicht  unterliegen  (BVGE  2009/60  E.  2.5.1;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts A­5875/2009 vom 16. Juni 2010 E. 3.2.1, A­ 1578/2006 vom 2. Oktober 2008 E. 2.4.1 mit Hinweisen). 2.4.3. Über  die Buchführungspflicht  kann  die ESTV nähere Bestimmun­ gen aufstellen. Von dieser Befugnis hat sie im Rahmen des Erlasses der  Wegleitung  für Mehrwertsteuerpflichtige  (in erster Auflage erschienen  im  Herbst 1994 [neu herausgegeben im Frühling 1997]; als Wegleitung 2001  zur Mehrwertsteuer [Wegleitung 2001] neu herausgegeben per 1. Januar  2001 [und per 1. Januar 2008 als Wegleitung 2008 zur Mehrwertsteuer]) 

A­7809/2010 Gebrauch  gemacht.  In  den  –  vorliegend  einschlägigen  – Wegleitungen  2001  und  2008  sind  genauere  Angaben  enthalten,  wie  eine  derartige  Buchhaltung  auszugestalten  ist  (jeweils  Rz.  878  ff.).  Alle  Geschäftsvorfälle  müssen  fortlaufend,  chronologisch  und  lückenlos  aufgezeichnet werden (jeweils Rz. 884) und alle Eintragungen haben sich  auf  entsprechende  Belege  zu  stützen,  so  dass  die  einzelnen  Geschäftsvorfälle  von  der  Eintragung  in  die Hilfs­  und Grundbücher  bis  zur  Steuerabrechnung  und  bis  zum  Jahresabschluss  sowie  umgekehrt  leicht und genau verfolgt werden können (sog. "Prüfspur"; vgl. jeweils Rz.  893  f.; vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.297/2005 vom 3. Februar 2006  E. 3.1). 2.4.4. Nach der Rechtsprechung ist der Steuerpflichtige selbst bei gerin­ gem  Barverkehr  zur  Führung  zumindest  eines  einfachen  ordentlichen  Kassabuchs verpflichtet. Er ist zwar mehrwertsteuerrechtlich nicht gehal­ ten,  kaufmännische  Bücher  im  Sinne  des  Handelsrechts  zu  führen;  die  Bücher müssen die erzielten Umsätze jedoch lückenlos erfassen und die  entsprechenden  Belege  sind  aufzuheben  (Urteile  des  Bundesgerichts  2A.693/2006  vom  26.  Juli  2007  E.  3.1,  2A.569/2006  vom  28.  Februar  2007  E.  3.1;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1634/2006  vom  31.  März  2009  E.  3.5,  A­1527/2006  vom  6.  März  2008  E.  2.2,  A­1406/2006 vom 30. Januar 2008 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen). Damit  befinden  sich  die  mehrwertsteuerlichen  Anforderungen  an  die  Aufzeichnungspflicht auch  im Einklang mit den bei den direkten Steuern  geltenden Regelungen. Die detaillierte und chronologische Führung eines  Kassabuches muss besonders hohen Anforderungen genügen. Soll also  ein Kassabuch  für die Richtigkeit des erfassten Bargeldverkehrs Beweis  erbringen,  ist  zu  verlangen,  dass  in  diesem  die  Bareinnahmen  und  ­ ausgaben  fortlaufend,  lückenlos  und  zeitnah  aufgezeichnet  werden  und  durch Kassenstürze regelmässig – in bargeld­intensiven Betrieben täglich  – kontrolliert  werden.  Nur  auf  diese  Weise  ist  gewährleistet,  dass  die  erfassten  Bareinnahmen  vollständig  sind,  das  heisst  den  effektiven  Bareinnahmen  entsprechen  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_302/2009  vom  15.  Oktober  2009  E.  4.2,  2A.693/2006  vom  26.  Juli  2007  E.  3.1,  2A.657/2005  vom  9.  Juni  2006  E.  3;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5875/2009  vom  16.  Juni  2010  E. 3.3,  A­705/2008  vom  12.  April  2010  E. 2.3,  A­746/2007  vom  6.  November  2009 E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). 2.5. 

A­7809/2010 2.5.1.  Liegen  keine  oder  nur  unvollständige  Aufzeichnungen  vor  oder  stimmen die ausgewiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachverhalt  offensichtlich nicht überein, so nimmt die ESTV gemäss Art. 60 aMWSTG  eine Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen vor. Diese Bestimmung  ist  auch  heranzuziehen,  falls mangels Aufzeichnungen  – worunter  nicht  nur Geschäftsbücher im Sinne von Art. 58 Abs. 1 aMWSTG zu verstehen  sind  (vgl.  dazu PASCAL MOLLARD,  TVA et  taxation par  estimation,  veröf­ fentlicht  in ASA 69 S. 518) – die sachverhaltsmässigen Grundlagen zur  Beantwortung  der  Frage,  ob  überhaupt  eine  Steuerpflicht  vorliegt,  nicht  einwandfrei  ermittelt  werden  können  (zur  Ermessensveranlagung  als  Sachverhaltsermittlung  durch  Schätzung  vgl.  grundlegend  BLUMENSTEIN/LOCHER,  a.a.O.,  S.  404;  zur  Rechtslage  bei  den  direkten  Steuern  THOMAS  STADELMANN,  Beweislast  oder  Einschätzung  nach  pflichtgemäs­sem Ermessen, veröffentlicht in SteuerRevue [StR] 2001, S.  258 ff., S. 260). 2.5.2. Art. 60 aMWSTG unterscheidet nach dem Gesagten zwei vonein­ ander unabhängige Konstellationen, welche zu einer Ermessenstaxation  führen. Die erste ist diejenige der ungenügenden Aufzeichnung (Konstel­ lation 1).  In diesem Fall hat eine Schätzung insbesondere auch dann zu  erfolgen, wenn  –  bei  feststehender Steuerpflicht  –  die Verstösse  gegen  die  formellen  Buchhaltungsvorschriften  als  derart  gravierend  zu  qualifizieren  sind,  dass  sie  die  materielle  Richtigkeit  der  Buchhaltungsergebnisse in Frage stellen (statt vieler: BGE 105 Ib 181 E.  4a, Urteile des Bundes­gerichts 2C_429/2009 vom 9. November 2009 E.  3,  2A.437/2005  vom  3. Mai  2006  E.  3.1;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­705/2008  vom  12.  April  2010  E.  2.4,  A­ 3678/2007 und A­3680/2007 vom 18. August 2009 E. 3.1). Zweitens kann  selbst  eine  formell  einwandfreie  Buchführung  die  Durchführung  einer  Schätzung  erfordern,  wenn  die  ausgewiesenen  Ergebnisse  mit  dem  wirklichen Sachverhalt offensichtlich nicht überein­stimmen (Konstellation  2). Dies  ist nach der Rechtsprechung der Fall, wenn die  in den Büchern  enthaltenen  Geschäftsergebnisse  von  den  von  der  Steuerverwaltung  erhobenen  branchenspezifischen  Erfahrungszahlen  wesentlich  abweichen,  vorausgesetzt  die  kontrollierte  Person  ist  nicht  in  der  Lage,  allfällige  besondere  Umstände,  auf  Grund  welcher  diese  Ab­weichung  erklärt werden kann, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen  (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­2998/2009 vom 11. November  2010 E. 2.6.2, A­705/2008 vom 12. April 2010 E. 2.4, A­3678/2007 und A­ 3680/2007 vom 18. August 2009 E. 3.1).

A­7809/2010 2.6.  2.6.1. Sind die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation erfüllt, so ist  die  ESTV  nicht  nur  berechtigt,  sondern  verpflichtet,  eine  solche  nach  pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen. Die Fälle,  in denen die Steu­ erpflichtigen  ihre Mitwirkungspflichten nicht wahrnehmen bzw. keine, un­ vollständige oder ungenügende Aufzeichnungen über ihre Umsätze (bzw.  hinsichtlich Feststellung oder Überprüfung der Steuerpflicht)  führen, dür­ fen  keine  Steuerausfälle  zur  Folge  haben  (Urteile  des  Bundesgerichts  2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.2,  2A.552/2006 vom 1. Februar  2007  E.  3.2;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3678/2007  und  A­3680/2007 vom 18. August 2009 E. 3.2). 2.6.2.  Die  Vornahme  der  Schätzung  nach  pflichtgemässem  Ermessen  bedeutet  insbesondere,  dass  die  ESTV  dabei  diejenige  Schätzungsme­ thode zu wählen hat, die den  individuellen Verhältnissen  im Betrieb des  Steuerpflichtigen  soweit  als möglich Rechnung  trägt,  auf  plausiblen An­ gaben beruht und deren Ergebnis der wirklichen Situation möglichst nahe  kommt  (Urteile  des  Bundesgerichts  2C_426/2007  vom  22.  November  2007 E. 3.2, 2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.3; Urteile des Bun­ desverwaltungsgerichts  A­1113/2009  vom  23.  Februar  2010  E.  2.3,  A­1578/2006  vom  2.  Oktober  2008  E.  4.2;  CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER, a.a.O., Rz. 1682).  In Betracht kommen  einerseits  Schätzungsmethoden,  die  auf  eine  Ergänzung  oder  Rekonstruktion  der  ungenügenden  Buchhaltung  hinauslaufen,  andererseits  Umsatzschätzungen  aufgrund  unbestrittener  Teil­ Rechnungsergebnisse  in  Verbindung  mit  Erfahrungssätzen  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2184/2008  und  A­2185/2008  vom  3.  Juni  2010 E. 5.1, A­705/2008 vom 12. April 2010 E. 2.6.2, A­1379/2007 vom  18.  März  2010  E.  4.2;  vgl.  auch  MOLLARD,  a.a.O.,  S.  530  ff.).  Die  brauchbaren  Teile  der  Buchhaltung  und  allenfalls  vorhandene  Belege  sind  soweit  als  möglich  bei  der  Schätzung  mitzuberücksichtigen.  Sie  können  durchaus  als  Basiswerte  der  Ermes­senstaxation  fungieren  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­4360/2008  und  A­4415/2008  vom  4. März  2010  E.  2.5.2,  A­1578/2006  vom  2. Oktober  2008  E.  4.2;  HANS  GERBER,  Die  Steuerschätzung  [Veran­lagung  nach  Ermessen],  veröffentlicht in StR 1980, S. 307). 2.7. Die Vorinstanz zieht bei  ihrer Arbeit Erfahrungszahlen heran, sei es  im  Rahmen  der  Prüfung  der  Voraussetzungen  der  Ermessensveranlagung  oder  sei  es  für  die  Vornahme  der  Schätzung.  Nach  der  Rechtsprechung  ist  das  Abstellen  auf  Erfahrungszahlen 

A­7809/2010 grundsätzlich  nicht  zu  beanstanden  (vgl.  statt  vieler:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3678/2007  und  A­3680/2007  vom  18.  August 2009 E. 3.1, 4.2). 2.7.1. Erfahrungszahlen sind Ergebnisse, die aus zuverlässigen Buchhal­ tungen gewonnen und nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sta­ tistisch  verarbeitet  werden.  Sie  sind  keine Rechtssätze  und  auch  keine  Beweismittel  (solange  sie  nicht  z.B.  durch  ein  Sachverständigengutachten  erwiesen  sind),  die  den  Geschäftsbüchern  gleichgestellt  wären  (MARTIN  ZWEIFEL/SILVIA  HUNZIKER,  Beweis  und  Beweislast  im  Steuerverfahren  bei  der  Prüfung  von  Leistung  und  Gegenleistung unter dem Gesichtswinkel des Drittvergleichs  ["dealing at  arm's  length"],  veröffentlicht  in  ASA  77  S.  658  ff.,  665,  679  mit  Hinweisen). 2.7.2. Erfahrungszahlen  drücken  Gesetzmässigkeiten  in  den  Verdienst­ verhältnissen einzelner Branchen aus. Diese Funktion kommt ihnen aber  nur  dann  zu,  wenn  sie  auf  einer  sicheren  Grundlage  beruhen  (vgl.  ZWEIFEL/HUNZIKER,  a.a.O.,  S.  679).  Sollen  Erfahrungswerte  Aufschluss  über  durchschnittliche  Umsatzziffern  geben,  müssen  sie  deshalb  breit  abge­stützt  sein  und  sollten  nebst  der  Betriebsstruktur  und  den  regionalen  Ge­gebenheiten  auch  die  Betriebsgrösse  berücksichtigen  (MOLLARD,  a.a.O.,  S.  553).  Mit  anderen  Worten  müssen  sie  aufgrund  umfassender,  repräsentativer,  homogener  und  aktueller  Stichproben  gewonnen  werden.  Das  verlangt,  dass  sie  aufgrund  einer  genügenden  Anzahl von Fällen ermittelt werden müssen. Der Stichprobenumfang lässt  sich  nicht  in  einer  absoluten  Zahl  bestimmen, welche  für  alle Branchen  gültig  wäre.  Die Wahl  der  Stichproben  darf  nicht  einseitig  nur  günstige  oder  ungünstige  Verhältnisse  betreffen.  Sie  muss  alle  Verhältnisse  in  angemessener Anzahl umfassen, um repräsentative Ergebnisse ermitteln  zu  können  (Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts A­3123/2008  vom 27.  April 2010 E. 2.8.2). 2.7.3. Die Steuerbehörde hat die Pflicht, der steuerpflichtigen Person die  Grundlagen der Erfahrungszahlen kundzugeben  (vgl. ZWEIFEL/HUNZIKER,  a.a.O., S. 682  f. mit  zahlreichen Hinweisen). Dies  folgt aus der Begrün­ dungspflicht. Die Behörde hat  dem Steuerpflichtigen die Art  und Weise,  wie  die  Ermessensveranlagung  zustande  gekommen  ist  –  beinhaltend  auch die Zahlen und Erfahrungswerte –, bekannt zu geben. Sie hat zu er­ läutern, dass die zum Vergleich herangezogenen Betriebe nicht nur der  gleichen  Branche  entstammen  wie  das  eingeschätzte  (gegebenenfalls) 

A­7809/2010 steuerpflichtige  Unternehmen,  sondern  auch  in  anderer  Hinsicht  ver­ gleichbar  sind,  wie  zum  Beispiel  betreffend  Standort,  Betriebsgrösse,  Kundenkreis usw. Nur so ist es der steuerpflichtigen Person möglich, die  Veranlagung  sachgerecht  anzufechten  (Urteil  des  Bundesgerichts  2A.284/2000 vom 5. Dezember 2000 E. 3 mit Hinweisen). Da  es  sich  bei Erfahrungszahlen  prinzipiell  um Durchschnittswerte  han­ delt, dürfen sie im Einzelfall nicht lediglich in schematischer Weise ange­ wendet werden.  In Ausübung des pflichtgemässen Ermessens muss bei  der  Anwendung  von  Erfahrungszahlen  deshalb  deren  Streubreite  (zwischen Maximal­  und Minimalwert)  beachtet  werden,  wenn  eine  den  individuellen  Verhältnissen  gerecht  werdende  Schätzung  erfolgen  soll  (Urteile des Bundesgerichts vom 4. Mai 1983, veröffentlicht in ASA 52 S.  234  E. 4;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3123/2008  vom  27.  April 2010 E. 2.8.4, A­1578/2006 vom 2. Oktober 2008 E. 6.3). Inwiefern  die  Verwaltung  ihr  Ermessen  ausgeübt  hat,  ist  in  der  Entscheidbegründung darzulegen (BVGE 2009/60 E. 2.8.4; zum Ganzen:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11.  November  2010 E. 2.8.3). 2.8.  2.8.1. Das Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen Einspra­ cheentscheid grundsätzlich in vollem Umfang überprüfen. Die Beschwer­ deführerin  kann  neben  der  Verletzung  von  Bundesrecht  (Art.  49  Bst.  a  VwVG) und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechts­ erheblichen Sachverhaltes (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der Un­ angemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG). 2.8.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  überprüft  das  Vorliegen  der  Vor­ aussetzungen  für  die Vornahme einer Ermessenstaxation  –  als Rechts­ frage  –  uneingeschränkt  (statt  vieler:  Urteil  des  Bundesverwaltungsge­ richts A­3678/2007 und A­3680/2007 vom 18. August 2009 E. 5). Als aus­ serhalb der Verwaltungsorganisation und Behördenhierarchie stehendes,  von der richterlichen Unabhängigkeit bestimmtes Verwaltungsgericht auf­ erlegt dieses sich trotz des möglichen Rügegrundes der Unangemessen­ heit bei der Überprüfung von zulässigerweise erfolgten Ermessensveran­ lagungen  jedoch  eine  gewisse  Zurückhaltung  und  reduziert  dergestalt  seine Prüfungsdichte. Grundsätzlich setzt das Bundesverwaltungsgericht  nur dann sein eigenes Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz,  wenn  dieser  bei  der Schätzung  erhebliche Ermessensfehler  unterlaufen  sind  (statt  vieler:  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2184/2008 

A­7809/2010 und  A­2185/2008  vom  3.  Juni  2010  E.  5.2,  A­4309/2008  vom  30.  April  2010 E. 2.2, A­3678/2007 und A­3680/2007 vom 18. August 2009 E. 5).  Diese  Praxis  wurde  vom  Bundesgericht  bestätigt  (Urteil  des  Bundesgerichts 2C_426/2007 vom 22. November 2007 E. 4.3). 2.8.3. Für  das  Vorliegen  der  Voraussetzungen  zur  Vornahme  einer  Er­ messenseinschätzung  ist  nach  den  allgemeinen  Beweislastregeln  die  ESTV  beweisbelastet  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1960/2007 vom 1. Februar 2010 E. 2.4.2, A­1578/2006 vom 2. Oktober  2008 E.  5.3, A­1527/2006  und A­1528/2006  vom 6. März  2008 E.  2.4).  Gelangt  das  Gericht  somit  in  freier  Beweiswürdigung  nicht  zur  Überzeugung,  eine  der  beiden  tatbestandsmässig  vorausgesetzten  Konstellationen von Art. 60 aMWSTG (vgl. dazu oben, E. 2.6.2) habe sich  verwirklicht, so  ist gemäss der objektiven Beweislastregel zu Ungunsten  der  ESTV  zu  entscheiden  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1578/2006 vom 2. Oktober 2008 E. 5.3, A­1527/2006 und A­1528/2006  vom 6. März 2008 E. 2.4). Waren die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation im Einzelfall er­ füllt  und  hat  die  ESTV  damit  zulässigerweise  eine  Schätzung  nach  Er­ messen durchgeführt, obliegt es – in Umkehr der allgemeinen Beweislast­ regeln – der steuerpflichtigen Person, den Beweis für die Unrichtigkeit der  Schätzung  zu  erbringen  (statt  vieler:  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_171/2008 vom 30.  Juli  2008 E. 4.3, 2A.642/2004 vom 14. Juli  2005  E. 5.4; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­5460/2008 vom 12. Mai  2010 E. 2.5.4, A­1578/2006 vom 2. Oktober 2008 E. 5.3). Sie kann sich  gegen eine zulässigerweise durchgeführte Ermessenseinschätzung des­ halb nicht mit allgemeiner Kritik zur Wehr setzen. Vielmehr hat sie darzu­ legen,  dass  die  von  der ESTV  vorgenommene Schätzung  offensichtlich  fehlerhaft  ist,  und  sie  hat  auch  den  Beweis  für  ihre  vorgebrachten  Be­ hauptungen  zu  erbringen  (anstatt  vieler:  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.437/2005 vom 3. Mai 2006 E. 3.3 unter Verweis auf MOLLARD, a.a.O.,  S.  559  und  die  dort  zitierte  Rechtsprechung;  zum  Ganzen:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­3123/2008 vom 27. April 2010 E. 2.9.3). 2.9. Aus dem Gebot der Gewährung des rechtlichen Gehörs – und damit  nicht nur aus Art. 33 Abs. 1 VwVG, sondern auch aus Art. 29 Abs. 2 BV –  folgt  im  Weiteren  der  Anspruch  auf  Abnahme  der  von  einer  Partei  angebotenen Beweise, soweit diese erhebliche Tatsachen betreffen und  nicht  offensichtlich  beweisuntauglich  sind  (BGE  127  I  54  E.  2b  mit  Hinweisen). Keine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt vor, wenn eine 

A­7809/2010 Behörde  auf  die  Abnahme  beantragter  Beweismittel  verzichtet,  weil  die  antizipierte  Beweiswürdigung  ergibt,  dass  die  Beweisanträge  eine  nicht  erhebliche  Tatsache  betreffen  oder  offensichtlich  untauglich  sind,  etwa  weil  ihnen  die  Beweiseignung  an  sich  abgeht  oder  die  betreffende  Tatsache  aus  den  Akten  bereits  genügend  ersichtlich  ist  und  angenommen  werden  kann,  dass  die  Durchführung  des  Beweises  im  Ergebnis nichts ändern wird (BGE 131 I 153 E. 3, 130 II 429 E. 2.1, 125 I  134 E.  6c/cc; Urteil  des Bundesgerichts  2C_115/2007  vom 11.  Februar  2008  E.  2.2;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. November 2010 E. 2.2.3, A­2149/2008 und A­2170/2008 vom 17. Mai  2010 E. 2.3, A­7703/2007 vom 15. Februar 2010 E. 4.2). 2.10.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  der  Sache  selbst  oder  weist  diese  ausnahmsweise  mit  verbindlichen  Weisungen  an  die  Vorinstanz  zurück  (Art.  61  Abs.  1  VwVG).  Die  Rückweisung  bedingt  wesensgemäss  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung.  Der  Beschwerdeinstanz wird  dabei  die Befugnis  eingeräumt  bzw.  die Pflicht  auferlegt,  verbindliche  Weisungen  an  die  Vorinstanz  zu  erteilen.  Die  Weisungen  sind  ins  Dispositiv  –  direkt  oder  mittels  Verweis  auf  die  Erwägungen  («im  Sinne  der  Erwägungen»)  –  aufzunehmen,  ansonsten  sie  nicht  verbindlich  sind  (vgl.  BGE  120  V  233  E.  1a).  Ausser  dass  Rückweisungen den Ausnahmefall darstellen soll,  ist weder dem Gesetz  noch den Materialen zu entnehmen, unter welchen Voraussetzungen sie  angeordnet  werden  soll  (Botschaft  des  Bundesrates  an  die  Bundesversammlung  vom  24.  September  1965  über  das  Verwaltungsverfahren,  BBl  1965  II  1348  ff.,  S. 1372).  Die  Wahl  der  Entscheidform  liegt somit weitgehend  im pflichtgemässen Ermessen der  Beschwerdeinstanz  (BGE  131  V  407  E.  2.1.1;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1898/2009  vom  26.  August  2010  E. 9.1).  Ein  Rückweisungsentscheid  rechtfertigt  sich  vor  allem  dann,  wenn  weitere  Tatsachen  festgestellt  werden  müssen  und  ein  umfassendes  Beweisverfahren  durchzuführen  ist  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­4677/2010  vom  12.  Mai  2011  E.  1.3;  MOSER/ BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.194). 3.  Im vorliegenden Fall  hat die ESTV den Umsatz des Beschwerdeführers  ermessensweise ermittelt. In einem ersten Schritt ist darüber zu befinden,  ob die ESTV zu Recht  das Vorliegen der Voraussetzungen  für  eine Er­ messenseinschätzung  bejaht  hat  (E.  3.1).  Erst  und  nur  falls  dies  bejaht  werden kann, gilt es  in einem zweiten Schritt zu überprüfen, ob sich die 

A­7809/2010 Ermessensveranlagung  in  ihrer  Höhe  als  korrekt  erweist  (E.  3.2  bis  E. 3.4). 3.1.  3.1.1. Grundsätzliche  Voraussetzung  für  eine  zulässige  Ermessensein­ schätzung  ist,  dass  die  ESTV  ihrer  Untersuchungspflicht  (E.  2.1)  nach­ gekommen  ist.  Entgegen  der  Ansicht  des  Beschwerdeführers  war  dies  vorliegend  der  Fall.  Die  ESTV  hat  bereits  mit  ihrem  Schreiben  vom  23. Juni  2009  die  Bilanzen  und  Erfolgsrechnungen,  Aufwand­  und  Er­ tragskonti,  Fahrtenschreiber­  und  Arbeitszeitkontrollkarten  einverlangt.  Zudem nahm die ESTV am 15. Juli 2010 weitere Untersuchungshandlun­ gen von Amtes wegen vor, in dem sie den Beschwerdeführer aufforderte,  die  gesamte  Buchhaltung  einschliesslich  Kassabücher,  Tagesrapporte  und Monatszusammenstellungen über die Einnahmen der Jahre 2006 bis  2008 nachzureichen. Die ESTV hat demnach umfassende und relevante  Beweismassnahmen von Amtes wegen durchgeführt. Sie hat das ihr Zu­ mutbare vorgenommen, um den entscheidwesentlichen Sachverhalt mög­ lichst vollständig abzuklären. Es liegt demnach keine Verletzung der Un­ tersuchungspflicht vor. 3.1.2. Die  ESTV  begründet  die  Vornahme  der  Ermessenseinschätzung  mit  dem  Vorliegen  erheblicher  Buchhaltungsmängel.  Es  seien  weder  Grundbücher  noch  eine  vollständige  doppelte  Buchhaltung  geführt  wor­ den. Sowohl die Fahrtenschreiber­ als auch die Kontrollkarten der Jahre  2003  bis  2006  fehlten.  Im  Weiteren  habe  der  Beschwerdeführer  kein  fortlaufend  addiertes  und  periodisch  saldiertes  Kassabuch  geführt.  Der  Beschwerdeführer  geht  auf  diese  Ausführungen  nicht  weiter  ein.  Zunächst ist festzuhalten, dass auch wenn das Mehrwertsteuerrecht nicht  schon betreffend die Feststellung der Steuerpflicht die Führung von Ge­ schäftsbüchern  im Sinn  von  Art.  58  Abs.  1  aMWSTG  gebietet,  der  Be­ schwerdeführer  gehalten  war,  durch  geeignete Massnahmen  periodisch  zu  überprüfen,  ob  er  die  Voraussetzungen  der  Steuerpflicht  erfüllt  (E. 2.4.2).  Das  vorliegende  Gewerbe,  der  Taxibetrieb,  stellt  einen  bargeldintensiven  Betrieb  dar  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. November  2010  E. 3.2.1,  A­281/2009  vom  14. Oktober  2010  E.  6.1.2,  A­2149/2008  und  A­2170/2008 vom 17. Mai 2010 E. 6.1.2), weshalb für diese Prüfung die  Führung  eines  tagfertigen  Kassabuches  zwingend  erforderlich  ist.  Die  Bareinnahmen  und  ­ausgaben müssen  in  diesem  fortlaufend,  lückenlos  und  zeitnah  aufgezeichnet  und  durch  Kassenstürze  kontrolliert  werden  (E. 2.4.4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2A.109/2005 vom 10. März 

A­7809/2010 2006 E. 2.2 und E. 4.3 mit  insoweit ähnlicher Sachverhaltskonstellation).  Das  vom  Beschwerdeführer  erstellte  Kassabuch  erfüllt  diese  Anforderungen nicht. Es enthält bloss die einzelnen Ausgaben mit Datum  und die zusammengefassten monatlichen Einnahmen von der B._______  sowie  aus  dem  weiteren  Taxidienst  auf  (mit  "Taxiuhr"  bezeichnet;  vgl.  Beilage  des  Beschwerdeführers  zu  seiner  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  18. März  2011).  Im Übrigen  ist  fraglich,  ob  das  Kassabuch  nicht  nachträglich  erstellt  worden  ist.  Diese  Frage  kann  aber  offen  bleiben,  da  es  ohnehin  den  relevanten  Anforderungen  nicht genügt. Die Aufzeichnungen erweisen sich als schwer mangelhaft;  es  fehlen  die  sachverhaltsmässigen  Grundlagen  zur  Beantwortung  der  Frage, ob eine Steuerpflicht gegeben ist. Bei diesem Resultat erübrigt es  sich, auf die weiteren von der ESTV genannten Gründe für die Vornahme  der Ermessenseinschätzung einzugehen. 3.1.3.  Zusammenfassend  waren  die  Voraussetzungen  für  eine  Ermes­ senseinschätzung  gegeben  (E.  2.5.1)  und  die  ESTV  war  deshalb  nicht  nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, eine solche vorzunehmen. 3.2.  3.2.1. Zu  prüfen  ist  nun,  ob  die  von  der  ESTV  vorgenommene  Ermes­ senseinschätzung  den  individuellen  Verhältnissen  des  Beschwerdeführers  soweit  als  möglich  Rechnung  trägt,  auf  plausiblen  Angaben  beruht  und  deren  Ergebnis  der  wirklichen  Situation  möglichst  nahe  kommt  (E. 2.6.2).  Bereits  ausgeführt  wurde,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  bei  dieser  Prüfung  nur  dann  sein  eigenes  Ermessen  an  die  Stelle  desjenigen  der  Vorinstanz  setzt,  wenn  dieser  erhebliche  Ermessensfehler  unterlaufen  sind  (E.  2.8.2).  Die  Beweislast  für die Unrichtigkeit der Schätzung trägt der Beschwerdeführer (E. 2.8.3). 3.2.2. Die Berechnung der Anzahl geschäftlich gefahrener Kilometer wird  vom  Beschwerdeführer  nicht  mehr  bestritten.  Insbesondere  macht  er  nicht mehr geltend, sein Arbeitsweg sei viermal zu berücksichtigen. Dies  zu Recht, denn der Beschwerdeführer konnte den Nachweis nicht erbrin­ gen, dass er  jeweils über Mittag nach Hause  fuhr. Das von  ihm bei der  Vorinstanz eingereichte Arztzeugnis belegt bloss, dass er eine salzarme  und  fettreduzierte Ernährung einnehmen  sollte,  nicht  aber,  dass er  dies  tatsächlich über Mittag zu Hause  tat. Die von der ESTV vorgenommene  Berechnung der geschäftlich gefahrenen Kilometer anhand der Fahrten­ schreiberkarten  des  Jahres  2007  und  der  Kilometerstände  gemäss  den  Servicerechnungen 2004 bis 2006 sowie 2008 erweist sich auch sonst als 

A­7809/2010 rechtmässig. Die für private Zwecke in Abzug gebrachte Anzahl Kilometer  (grundsätzlich  100  km  pro  Arbeitswoche,  zusätzliche  Kilometer  soweit  durch  Fahrtenschreiberkarten  belegt;  vgl.  Einspracheentscheid  Ziff.  3.5)  erscheint  dem Gericht  angemessen und entspricht  auch dem Vorgehen  der  ESTV  in  anderen,  ähnlich  gelagerten  Fällen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11.  November  2010  E.  3.3.2.5). Gemäss der zutreffenden Berechnung der ESTV ist in der Folge  für das Jahr 2006 von geschäftlich gefahrenen Kilometern von 36'526, für  das  Jahr  2007  von  41'777  km  und  für  das  Jahr  2008  von  35'577  km  auszugehen. 3.2.3. Der Beschwerdeführer bestreitet den von der ESTV aufgrund ihrer  Erfahrungswerte  geschätzte Ansatz  von Fr.  2.15 Umsatz  pro Kilometer.  Zunächst ist daran zu erinnern, dass die fraglichen Erfahrungszahlen vor­ liegend nicht  im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen der Ermes­ sensveranlagung, sondern für die Vornahme der eigentlichen Schätzung  herangezogen worden sind. Bei Beweislosigkeit trägt der Beschwerdefüh­ rer  die  Beweislast  dafür,  dass  die  von  der  ESTV  verwendeten  Erfah­ rungswerte für seinen Betrieb nicht sachgerecht sind (E. 2.8.3). Die ESTV  hat ihm diesen Nachweis aber zu ermöglichen, indem sie ihm die Grund­ lagen  der  Erfahrungszahlen  kundgibt.  Dies  hat  die  ESTV  in  ihrem  Ein­ spracheentscheid vom 8. Oktober 2010 getan  (vgl. dessen E. 3.4.1).  Im  Weiteren  hat  die  ESTV  mit  ihrer  Vernehmlassung  das  Datenblatt  mit  sämtlichen 38 Datensätzen eingereicht (amtl. Akten Nr. 20). Es wäre dem  Beschwerdeführer  frei  gestanden,  Einsicht  in  die  entsprechenden  Unterlagen zu verlangen. Die ESTV ist demnach ihrer Begründungspflicht  nachgekommen. In der Folge ist zu prüfen, ob die ESTV sich bei ihrer Schätzung zu Recht  auf diese Erfahrungszahlen gestützt hat. Dies wäre der Fall, wenn sie auf  einer  sicheren  Grundlage  beruhen  und  aufgrund  umfassender,  re­ präsentativer,  homogener  und  aktueller  Stichproben  gewonnen  worden  sind (E. 2.7.2). 3.3.  3.3.1.  Aus  dem  erwähnten  Datenblatt  (amtl.  Akten  Nr.  20),  das  die  Erhebung der Erfahrungszahlen aufzeigt, sind 38 Datensätze ersichtlich.  Nach Angaben  der ESTV  sind  zahlreiche Arten  von Fahrten  inbegriffen  wie  "Flughafen,  Kundenkarte,  Kreditkarten,  Chemie".  Die  Erhebungen  erfolgten  in den Jahren 2001 und 2002 und beziehen sich auf die Jahre  2000 und 2001. Die Tabelle weist im Wesentlichen folgende Zahlen aus: 

A­7809/2010 "Total  Umsatz",  "Km  besetzt",  "Km  leer",  "Km  total",  "Fr./Km  total".  Bei  zehn Taxis sind nur die  "Km  total" und die  "Fr./Km  total", nicht aber die  "Km  besetzt"  und  "Km  leer"  ausgewiesen.  Der  Umsatz  pro  Kilometer  variiert  zwischen  Fr.  1.63  und  Fr.  2.47.  Der  Durchschnitt  der  38  Datensätze  liegt  bei Fr.  2.04. Nach Angaben der ESTV handelt  es  sich  dabei  um  "normale"  Taxis,  d.h.  keine  Minitaxis,  Limousinen  oder  Minibusse.  Das  Datenmaterial  betreffe  Angestellte  von  diversen  Taxibetrieben  in  Basel.  Die  Angestellten  müssten  dem  Arbeitgeber  die  erhaltenen Trinkgelder nicht abliefern. Beim Einzelunternehmer seien die  Trinkgelder  hingegen  steuerbar,  weshalb  bei  jenen  5%  Trinkgeld  hinzugerechnet  bzw.  der  Ansatz  auf  Fr.  2.15  pro  Kilometer  festgelegt  worden  sei.  Im  Weiteren  präzisierte  die  ESTV  in  ihrem  Einspracheentscheid, es seien Vollzeit­ und Teilzeitangestellte, Tag­ und  Nachtchauffeure,  solche  mit  und  ohne  Funk  und  auch  Fahrten  zu  Spezialpreisen berücksichtigt worden. 3.3.2. Der  Beschwerdeführer  wendet  ein,  er  sei  nur  im  Besitz  einer  B­ Konzession.  Er  dürfe  in  der  Stadt  keine  Umsätze machen  und  nur  am  Flughafen  Gäste  aufladen.  Dies  führe  jeden  Tag  zu  unbezahlten  Leerfahrten. Er habe deshalb einen geringeren Kilometeransatz. 3.3.2.1 Nach § 5 Abs. 1 Ziff. b des Gesetzes vom 17. Januar 1996 über  den Betrieb von Taxis des Kantons Basel­Stadt (SG 563.200; Taxigesetz)  werden auf schriftliches Gesuch hin folgende Bewilligungen erteilt:  a) eine Taxihalterbewilligung A für jedes Taxi, das öffentliche Standplätze  benutzt (sog. "A­Taxis"), b)  eine  Taxihalterbewilligung  B  für  jedes  Taxi,  das  keine  öffentlichen  Standplätze  benutzt  (sog.  "B­Taxi").  Ausnahmen  hiervon  können  in  der  Verordnung vorgesehen werden. In der Verordnung vom 3. Dezember 1996 zum Taxigesetz (SG 563.210;  Taxiverordnung)  wird  in  §  6  Abs.  1  ausgeführt,  dass  die  öffentlichen  Standplätze den "A­Taxis" vorbehalten sind. "B­Taxis" dürfen dort jedoch  Fahrgäste  aussteigen  lassen. Nach Abs.  2  der Bestimmung dürfen  "A­"  und  "B­Taxis"  überdies  dort,  wo  das  Parkieren  allgemein  und  unbe­ schränkt  gestattet  ist,  sowie  in  der  Blauen  Zone  unter  Beachtung  der  Parkzeitbeschränkung aufgestellt werden, sofern sich innerhalb einer Dis­ tanz von hundert Metern kein öffentlicher Taxistandplatz befindet.

A­7809/2010 3.3.2.2  Der  wesentliche  Unterschied  zwischen  der  A­  und  der  B­Bewilligung besteht somit darin, dass nur Taxis mit einer A­Bewilligung  auf  öffentlichen  Standplätzen  warten  und  dort  Fahrgäste  aufnehmen  dürfen.  Entgegen  den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  darf  er  somit  durchaus  in  der  Stadt  Gäste  aufladen,  jedoch  nicht  auf  den  öffentlichen  Standplätzen  auf  diese  warten.  Das  Bundesverwaltungsgericht  erachtet  es  trotzdem  durchaus  als  möglich,  dass "B­Taxis" im Vergleich zu "A­Taxis" mehr Leerfahrten aufweisen. "B­ Taxis" können – wie gesagt – nicht auf öffentlichen Standplätzen auf ihre  Kundschaft warten, sondern müssen diese – sofern sie nicht  telefonisch  kontaktiert  werden  –  zumindest  aktiver  als  "A­Taxis"  suchen.  "B­Taxis"  können  solche  Wartezeiten  auch  nicht  auf  Parkplätzen  in  der  Blauen  Zone  verbringen.  Es  ist  gerichtsnotorisch,  dass  im  Zentrum  von  Basel  Parkplätze  in  der  Blauen  Zone  selten  frei  sind.  Der  Beschwerdeführer  führt somit zu Recht aus, dass "B­Taxis" vermehrt "leer" herumfahren, um  Gäste  zu  finden.  Das  Kriterium  der  Art  der  Bewilligung  kann  somit  durchaus  relevant  für  die  Höhe  des  Umsatzes  pro  Kilometer  sein.  Die  ESTV  wendet  ein,  der  Beschwerdeführer  habe  selber  ausgeführt,  an  neuralgischen Punkten,  d.h.  bei  öffentlichen  Standplätzen,  bildeten  sich  immer  lange  Schlangen  mit  entsprechenden  Wartezeiten.  Aus  diesem  Grund  sei  es nicht  nachteilig,  dass er  die  öffentlichen Standplätze nicht  benutzen könne. Dieses Argument ist nicht stichhaltig. Zwar ist durchaus  davon auszugehen, dass es bei den zentralen öffentlichen Standplätzen  Warteschlangen  für die Taxis gibt. Bei der vorliegenden Kalkulation des  Umsatzes  ist  jedoch  nicht  die  Wartedauer  relevant,  sondern  das  Verhältnis der gefahrenen Kilometer zum Umsatz. 3.3.3.  Dass  die  Art  der  Bewilligung  für  die  Höhe  des  Umsatzes  pro  Kilometer  massgebend  sein  kann,  zeigen  auch  die  Ermessenseinschätzungen  der  ESTV,  die  sie  bei  Taxibetrieben  in  anderen Städten  vorgenommen  hat  und  die  in  der  Folge  zum Teil  vom  Bundesverwaltungsgericht und vom Bundesgericht bestätigt worden sind.  Zum  Beispiel  hat  die  ESTV  in  Lausanne  nur  bei  Taxis  mit  einer  Bewilligung A einen Kilometeransatz  von Fr. 2.50  (bis 31.  Januar 2002)  bzw.  Fr.  2.70  (ab  1.  Februar  2002)  zu  Grunde  gelegt  (Urteile  des  Bundesgerichts  2A.253/2005  und  2A.297/2005,  jeweils  vom  3.  Februar  2006  E.  4.2;  vgl.  auch  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_429/2009  vom  9.  November  2009  E. 5.2  und  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­ 2149/2008  und A­2170/2008  vom 17. Mai  2010 E.  6.2.4).  Für  die Stadt  Genf  berücksichtigte  sie  bei  ihren  Ermessenseinschätzungen  ebenfalls 

A­7809/2010 die Art der Taxikonzession (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­ 281/2009 vom 14. Oktober 2010 E. 6.2.2). 3.3.4.  Aus  den  obigen  Ausführungen  geht  hervor,  dass  die  Art  der  Bewilligung  bei  der  vorliegenden  Ermessenseinschätzung  durchaus  ein  relevantes  Kriterium  sein  kann.  Damit  die  Erfahrungszahlen  für  den  Beschwerdeführer als repräsentativ bezeichnet werden können, müssten  sie  den  Umstand  berücksichtigen,  dass  dieser  nur  über  eine  B­ Konzession  verfügt.  Die  ESTV  hat  indessen  bei  den  erhobenen  38  Datensätzen  nicht  nach  der  Bewilligungsart  differenziert.  Aus  dem  Datenblatt  ist  nicht  ersichtlich,  welche  Art  von  Bewilligung  die  Taxibetriebe  aufweisen.  Es  ist  aber  davon  auszugehen,  dass  die  Datensätze  nur  Taxibetriebe mit  A­Bewilligung  umfassen,  da  die  ESTV  der  entsprechenden  Einrede  des  Beschwerdeführers  nichts  entgegen  gehalten hat. Die von der ESTV verwendeten Erfahrungszahlen können  in  der  Folge  für  den  Beschwerdeführer  als  Taxiunternehmer  mit  einer  Bewilligung  B  nicht  als  repräsentativ  bezeichnet  werden.  Der  ESTV  ist  deshalb  bei  ihrer  Schätzung  ein  erheblicher  Fehler  vorzuwerfen  (E.  2.8.2). 3.3.5.  Auf  das  vom  Beschwerdeführer  beantragte  "neutrale  Gutachten"  über  den  Kilometeransatz  kann  im  Sinn  einer  antizipierten  Beweiswürdigung  (E.  2.9)  verzichtet  werden.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  aufgrund  der  Aktenlage  seine  Überzeugung gebildet. Ein Gutachten vermöchte daran nichts zu ändern. 3.4. Nach dem Gesagten  ist die Beschwerde  im Sinne der Erwägungen  gutzuheissen. Der Einspracheentscheid ist aufzuheben und die Sache zu  neuem  Entscheid  an  die  ESTV  zurückzuweisen.  Sie  hat  eine  neue  Schätzung  durchzuführen,  welche  die  Konzessionsart  des  Beschwerdeführers  (Konzession  B)  gebührend  berücksichtigt.  In  der  Folge  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  Einwendungen  des  Beschwerdeführers  einzugehen.  Gegen  den  von  der  ESTV  neu  zu  treffenden Einspracheentsscheid steht dem Beschwerdeführer erneut der  Beschwerdeweg ans Bundesverwaltungsgericht offen. 4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  auferlegt  die  Verfahrenskosten  in  der  Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Unterliegt sie nur  teilweise,  so  werden  die  Verfahrenskosten  ermässigt  (Art.  63  Abs.  1  VwVG). Obsiegen und Unterliegen im Prozess ist grundsätzlich nach den 

A­7809/2010 Rechtsbegehren  der  Beschwerde  führenden  Partei,  gemessen  am  Ergebnis der Anfechtung des  vorinstanzlichen Entscheids,  zu beurteilen  (BGE  123  V  156  E.  3c  und  BGE  123  V  159  E.  4b).  In  der  Verwaltungsrechtspflege des Bundes gilt die Rückweisung der Sache an  die Vorinstanz zu weiteren Abklärungen und neuem Entscheid (mit noch  offenem  Ausgang)  praxisgemäss  als  volles  Obsiegen  der  Beschwerde  führenden  Partei  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­8457/2010  vom  14.  Juni  2011  E. 5,  A­3224/2010  vom  28.  Juni  2010  E.  8  mit  Hinweis).  Der  Beschwerdeführer  gilt  damit  als  obsiegend,  weshalb  ihm  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  sind.  Der  geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr.  1'700.­­  wird  ihm  zurückerstattet.  Die  unterliegende  Vorinstanz  trägt  als  Bundesbehörde  keine  Verfahrenskosten  (Art.  63  Abs.  2  VwVG).  Die  Vorinstanz  hat  dem  obsiegenden  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  auszurichten  (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7  ff. des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Die  Parteientschädigung wird  in Anwendung von Art. 7 Abs. 1 VGKE auf Fr.  2'600.­­ (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird im Sinn der Erwägungen gutgeheissen. 2.  Der  Einspracheentscheid  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  vom  8. Oktober 2010 wird aufgehoben und die Sache zur Fällung eines neuen  Einspracheentscheids  im  Sinn  der  Erwägungen  an  die  Eidgenössische  Steuerverwaltung zurückgewiesen. 3.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  Kostenvorschuss  von  Fr. 1'700.­­ wird dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft des  vorliegenden Entscheids zurückerstattet. 4.  Die  Eidgenössische  Steuerverwaltung  wird  verpflichtet,  dem  Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 2'600.­­ zu bezahlen.

A­7809/2010 5.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. 727 571/2701/FUX; Gerichtsurkunde) Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Salome Zimmermann Jürg Steiger Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: