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Bundesverwaltungsgericht 11.01.2011 A-6537/2010

11 janvier 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,429 mots·~12 min·2

Résumé

Verrechnungssteuer | Verrechnungssteuer (Rückerstattung gemäss DBA-DK)

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I Postfach CH­3000 Bern 14 Telefon +41 (0)58 705 25 02 Fax +41 (0)58 705 29 80 www.bundesverwaltungsgericht.ch Geschäfts­Nr. A­6537/2010 bem/mad Zw i s ch env erfü gung vom   1 1 .   J a nua r   2011   Besetzung Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Daniel Riedo, Richterin Salome Zimmermann, Gerichtsschreiberin Nadine Mayhall. In der Beschwerdesache Parteien A._______, Beschwerdeführerin,  gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung  Direkte Bundessteuer, Eigerstrasse 65, 3003 Bern,   Vorinstanz,  Gegenstand Verrechnungssteuer (Rückerstattung gemäss DBA­DK),

A­6537/2010 stellt das Bundesverwaltungsgericht fest: A.  Mit  Datum  vom  2. August  2007  reichte  die  A._______,  Dänemark,  drei  Gesuche um Rückerstattung der Verrechnungssteuer ein. Dabei handelte  es sich um die Gesuche Nr. 13855 über Fr. 22'218'088.­­, Nr. 13856 über  Fr. 22'719'375 und Nr. 13857 über Fr. 122'850.­­. B.  Nach  durchgeführter  Korrespondenz  wies  die  Eidgenössische  Steuerverwaltung  (ESTV)  die  Gesuche  Nr. 13855,  Nr. 13856  und  Nr. 13857  im  Gesamtbetrag  von  Fr. 45'060'313.­­  mit  Schreiben  vom  11. März  2009  ab.  Zudem  forderte  sie  die  A._______  auf,  bereits  erhaltene  Rückerstattungen  in  der  Höhe  von  Fr. 37'856'735.88  zurückzubezahlen,  und wies  das Gesuch Nr. 279535  vom 29. Juli  2008  um  Rückerstattung  der  Verrechnungssteuer  über  Fr. 8'505'000.­­  ebenfalls ab. C.  Gemäss eigener Darstellung mandatierte die A._______ nach Erhalt des  Schreibens  der  ESTV  vom  11. März  2009  einen  und/oder  zwei  Rechtsvertreter.  Nach  mehrmals  erstreckter  Frist  nahm  die  mittlerweile  anwaltlich vertretene A._______ mit Eingabe vom 26. Juni 2009 Stellung  zum Schreiben der ESTV vom 11. März 2009. D.  Nachdem  weitere  Korrespondenzen  und  Besprechungen  durchgeführt  worden waren, ersuchte die A._______ mit Schreiben vom 15. März 2010  die ESTV um Erlass eines einsprachefähigen Entscheids. Mit Entscheid vom 29. Juli 2010 bestätigte die ESTV  ihr Schreiben vom  11. März  2009.  Sie  wies  die  Gesuche  Nr. 13855,  Nr. 13856  und  Nr. 13857 im Gesamtbetrag von Fr. 45'060'313.­­ ab. Zudem forderte die  ESTV die A._______ auf, bereits erhaltene Rückerstattungen in der Höhe  von Fr. 37'856'735.88  innerhalb von 30 Tagen zuzüglich Vergütungszins  von  5 %  zurückzubezahlen.  Des Weiteren  wies  die  ESTV  das  Gesuch  Nr. 279535  vom  29. Juli  2008  um  Rückerstattung  der  Verrechnungssteuer über Fr. 8'505'000.­­ ab. Der  Entscheid  der  ESTV  vom  29. Juli  2010  enthielt  eine  Rechtsmittelbelehrung, wonach gegen diesen Entscheid  innert 30 Tagen 

A­6537/2010 nach der Eröffnung schriftlich Einsprache bei der ESTV erhoben werden  könne. E.  E.a  Gegen  den  Entscheid  der  ESTV  vom  29. Juli  2010  gelangte  die  A._______  (Beschwerdeführerin)  am  13. September  2010  mit  einer  als  Beschwerde  bezeichneten  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht.  Sie beantragte, es sei auf die Beschwerde einzutreten, eventuell sei sie  der  ESTV  zwecks  Behandlung  als  Einsprache  zu  überweisen.  Weiter  stellte sie den Antrag, Ziff. 1 und Ziff. 2 zweiter Absatz der angefochtenen  Verfügung  seien  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  zu  Lasten  der  ESTV aufzuheben und die ESTV sei anzuweisen, die Rückerstattungen  der  Verrechnungssteuer  gemäss  den  Anträgen  nach  Formular  89  Nr. 13855  vom  2. August  2007  über  Fr. 22'218'088.­­,  Nr. 13856  vom  2. August  2007  über  Fr. 22'719'375.­­,  Nr. 13857  vom  2. August  2007  über  Fr. 122'850.­­  sowie  Nr. 279535  vom  29. Juli  2008  über  Fr. 8'505'000.­­  samt  Zins  zu  5 %  p.a.  seit  29. Juli  2010,  eventuell  seit  13. September  2010,  vorzunehmen.  Zudem sei  Ziff. 2  erster Absatz  der  angefochtenen  Verfügung  aufzuheben.  In  prozessualer  Hinsicht  stellte  die Beschwerdeführerin  den Antrag,  es  sei  über  das Rechtsbegehren 3  vorab in einem Teilentscheid zu befinden, der im Dispositiv den Parteien  zu eröffnen sei. E.b Mit Vernehmlassung vom 15. November 2010 schloss die ESTV auf  Nichteintreten;  eventualiter  sei  vom  Bundesverwaltungsgericht  eine  Zwischenverfügung über die Zuständigkeit zu erlassen. In  ihrer  Replik  vom  26. November  2010  beantragte  die  Beschwerdeführerin namentlich, vom Erlass einer Zwischenverfügung sei  abzusehen und es sei in der Sache selbst zu entscheiden. Mit Duplik vom  10. Dezember  2010  hielt  die  ESTV  an  ihren  in  der  Vernehmlassung  abgegebenen Ausführungen fest. In ihrer Triplik vom 28. Dezember 2010  stellte  die  Beschwerdeführerin  den  prozessualen  Antrag,  vom  Erlass  einer  selbständig  anfechtbaren  Zwischenverfügung  über  die  Zuständigkeit  sei  abzusehen. Auf die Einholung einer Quadruplik wurde  verzichtet. Auf die Begründung der Eingaben wird – soweit entscheidwesentlich – in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

A­6537/2010 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem  Bundesgesetz  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021),  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32)  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 2  Abs. 4  VwVG;  Art. 37  VGG).  Das  Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfügungen im  Sinne von Art. 5 VwVG (Art. 31 VGG), welche von Vorinstanzen im Sinne  von Art. 33 VGG erlassen worden sind. Unzulässig  ist eine Beschwerde  gegen  Verfügungen,  die  nach  einem  anderen  Bundesgesetz  durch  Einsprache  oder  durch  Beschwerde  an  eine  Behörde  im  Sinne  von  Art. 33 Bst. c–f VGG anfechtbar sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. a VGG). 1.2. Das Bundesverwaltungsgericht prüft seine Zuständigkeit  von Amtes  wegen (Art. 7 Abs. 1 VwVG). Unter den Begriff der Zuständigkeit im Sinn  von  Art. 7  Abs. 1  VwVG  fällt  auch  die  funktionelle  Zuständigkeit,  mithin  die  Frage,  welche  Instanz  im  Rahmen  eines  Instanzenzuges  zur  Behandlung  einer  Beschwerde  zuständig  ist  (THOMAS  FLÜCKIGER,  in:  Waldmann/  Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  VwVG,  Zürich  2009, N. 14 zu Art. 7). Erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  sich  als  zuständig,  so  stellt  es  seine  Zuständigkeit  durch  Verfügung  fest,  wenn  diese  von  einer  Partei  bestritten wird  (Art. 9  Abs. 1  VwVG).  Die  Feststellung  der  Zuständigkeit  an  sich  ist  zwingend  und  liegt  nicht  im  Ermessen  der  Behörde.  Im  pflichtgemässen  Ermessen  der  Behörde  steht  jedoch,  ob  sie  ihre  Zuständigkeit im Endentscheid feststellt oder das Verfahren zunächst auf  die  Zuständigkeitsfrage  beschränkt  und  in  einer  selbständig  eröffneten  Zwischenverfügung  über  die  Zuständigkeit  befindet.  Ausschlaggebend  dafür,  ob  die  Zuständigkeit  in  einer  selbständig  eröffneten  Zwischenverfügung  oder  erst  im  Endentscheid  festgestellt  wird,  ist  die  Prozessökonomie. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die  Feststellung der Zuständigkeit in einer selbständigen Zwischenverfügung  aus  Gründen  der  Prozessökonomie  regelmässig  angezeigt.  Im  Widerspruch zum Grundsatz der Prozessökonomie steht der Erlass einer  selbständig  eröffneten  Zwischenverfügung  jedoch  etwa  dann,  wenn  die  Zuständigkeit erst in einem späten Verfahrensstadium bestritten wird oder  bereits  ein  Entwurf  des  Endentscheids  vorliegt  (BGE 129  II  497  E. 2.4; 

A­6537/2010 Urteil  des  Bundesgerichts  2C_81/2009  vom  26. Mai  2009  E. 3.1;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­8248/2008  vom  4. Juni  2009  E. 2.1;  FLÜCKIGER, a.a.O., N. 5 zu Art. 9; MICHEL DAUM, in: Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG], Zürich 2008, N. 2 zu Art. 9). Die  Beschwerdeführerin  bestreitet,  dass  die  Voraussetzungen  für  den  Erlass  einer  selbständig  anfechtbaren  Zwischenverfügung  über  die  Zuständigkeitsfrage erfüllt sind. Sie macht namentlich geltend, der Erlass  einer  selbständig  anfechtbaren  Zwischenverfügung  über  die  Zuständigkeitsfrage  käme  einer  ungerechtfertigten  Verfahrenssistierung  gleich,  welche  namentlich  gegen  das  Beschleunigungsgebot  im  Sinne  von  Art. 29  Abs. 1  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) verstosse. Dieser  Argumentation  kann  nicht  gefolgt  werden.  Wie  eingangs  festgehalten, ist die Feststellung der Zuständigkeit an sich zwingend und  liegt nicht  im Ermessen des Gerichts. Über die Zuständigkeit kann somit  einerseits  in  einer  selbständig  anfechtbaren  Zwischenverfügung  oder  andererseits  im  Endentscheid  selbst  befunden  werden.  Würde  das  Bundesverwaltungsgericht  somit  –  wie  von  der  Beschwerdeführerin  beantragt – direkt einen materiellen Endentscheid erlassen, so würde  in  diesem auch über die Zuständigkeit befunden werden. Für den Fall, dass  das Bundesgericht in einem allfällig nachfolgenden Rechtsmittelverfahren  die  funktionelle  Zuständigkeit  des Bundesverwaltungsgerichts  verneinen  sollte,  erwiese  sich  die  materielle  Behandlung  der  vorliegenden  Streitsache  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  als  prozessualer  Leerlauf.  Entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  gebietet  es  hier  die  Prozessökonomie,  über  die  funktionelle  Zuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  vorab  in  einer  selbständig  anfechtbaren  Zwischenverfügung  zu  befinden.  In  einer  solchen  Konstellation  erweist  sich denn auch die Rüge der Beschwerdeführerin, dieses Vorgehen führe  zu einer ungerechtfertigten Sistierung bzw. Verlängerung des Verfahrens,  als unbegründet. 2.  2.1.  Die  Konkretisierung  einer  Norm  im  Hinblick  auf  einzelne  Lebenssachverhalte  als  Teil  der  Gesetzesanwendung  geschieht  durch  Auslegung.  Deren  Ziel  ist  die  Ermittlung  des  Sinngehalts  der  Bestimmung. 

A­6537/2010 Ausgangspunkt  der  Auslegung  einer  innerstaatlichen  Regelung  –  wie  vorliegend  Art. 3  Abs. 4  der  Verordnung  vom  18. Dezember  1974  zum  schweizerisch­dänischen  Doppelbesteuerungsabkommen  (Einkommens­  und  Vermögenssteuern)  (Vo  DBA­DK;  SR 672.931.41,  vgl.  dazu  unten,  E. 3.2.1)  –  ist  dabei  der  Wortlaut,  doch  kann  dieser  nicht  allein  massgebend sein. Vom Wortlaut kann abgewichen werden, wenn triftige  Gründe  für  die Annahme  bestehen,  dass  er  nicht  den wahren Sinn  der  Vorschrift  wiedergibt.  Solche  Gründe  können  sich  aus  der  Entstehungsgeschichte,  aus  Sinn  und  Zweck  der  Norm  oder  aus  dem  Zusammenhang  mit  anderen  Gesetzesbestimmungen  ergeben.  Das  Bundesgericht hat sich bei der Auslegung von Erlassen stets von einem  Methodenpluralismus  leiten  lassen  (vgl.  anstelle  vieler  BGE 135  V  319  E. 2.4, 133 III 257 E. 2.4; BVGE 2007/41 E. 4.2; ULRICH HÄFELIN/WALTER  HALLER/HELEN  KELLER,  Schweizerisches  Bundesstaatsrecht,  7. Aufl.,  Zürich/Basel/Genf  2008,  N. 75  ff.,  127  ff.).  Sind  mehrere  Lösungen  denkbar,  ist  jene  zu  wählen,  die  der  Verfassung  entspricht.  Allerdings  findet  die  verfassungskonforme  Auslegung  –  selbst  bei  festgestellter  Verfassungswidrigkeit  –  im  klaren  Wortlaut  und  Sinn  einer  Gesetzesbestimmung  ihre  Schranke  (BGE 134  II  249  E. 2.3).  Eine  Abweichung  von  einer  Gesetzesnorm  ist  jedoch  zulässig,  wenn  der  Gesetzgeber  sich  offenkundig  über  gewisse  Tatsachen  geirrt  hat  oder  sich die Verhältnisse seit Erlass des Gesetzes  in einem solchen Masse  gewandelt  haben,  dass  die  Anwendung  einer  Vorschrift  rechtsmissbräuchlich  wird  (BGE 133  III  257  E. 2.4  mit  weiteren  Hinweisen). In  der  Lehre wird  zudem  geltend  gemacht,  dass  die  Auslegung  auf  ein  vernünftiges,  praktikables  Ergebnis  auszurichten  sei  (HÄFELIN/HALLER/  KELLER, a.a.O., N. 135 f. mit weiteren Hinweisen). 2.2.  Eine  Lücke  des  Gesetzes  liegt  vor,  wenn  sich  eine  gesetzliche  Regelung  als  unvollständig  erweist,  weil  sie  auf  eine  bestimmte  Frage  keine Antwort gibt. Bevor eine ausfüllungsbedürftige Lücke angenommen  werden  darf,  ist  durch  Auslegung  zu  ermitteln,  ob  das  Fehlen  einer  ausdrücklichen  Anordnung  nicht  eine  bewusst  negative  Antwort  des  Gesetzes  bedeutet,  d.h.  ein  sog.  qualifiziertes  Schweigen  darstellt.  Die  herrschende  Lehre  und  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  unterscheiden  echte  und  unechte  Lücken  und  behandeln  sie  unterschiedlich.  Eine  echte  Lücke  liegt  vor,  wenn  ein  Gesetz  für  eine  Frage, ohne deren Beantwortung die Rechtsanwendung nicht möglich ist,  keine  Regelung  enthält.  Bei  der  unechten  Lücke  gibt  die  gesetzliche 

A­6537/2010 Regelung  zwar  auf  alle  Fragen,  die  sich  bei  der  Rechtsanwendung  stellen,  eine Antwort;  weil  sie  aber  zu  einem  sachlich  unbefriedigenden  Resultat  führt,  wird  sie  als  lückenhaft  empfunden.  Eine  neuere  Auffassung  der  juristischen  Methodenlehre  verzichtet  auf  eine  Unterscheidung  zwischen  echten  und  unechten  Lücken  und  bezeichnet  die  Lücke  als  planwidrige  Unvollständigkeit  des  Gesetzes,  die  von  den  rechtsanwendenden Organen  behoben werden  darf.  Auch  in  der Praxis  wird  vermehrt  von  der  genannten  Unterscheidung  abgesehen  und  eine  vom  Gericht  zu  füllende  Lücke  angenommen,  wenn  die  gesetzliche  Regelung aufgrund der dem Gesetz zugrunde liegenden Wertungen und  Zielsetzungen als unvollständig und daher ergänzungsbedürftig erachtet  werden  muss  (BGE  131  V  233  E. 4.1,  129  II  438  E. 4.1.2;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­1181/2010  vom  8. September  2010  E. 3.4.1, A­1571/2006 vom 21. Januar 2010 E. 1.3). 3.  3.1. Im vorliegenden Verfahren erhob die Beschwerdeführerin gegen den  Entscheid  der  ESTV  vom  29. Juli  2010  entgegen  der  Rechtsmittelbelehrung  nicht  Einsprache  bei  der  ESTV,  sondern  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht.  Dabei  stellte  sie  den  ausdrücklichen und eingehend begründeten Antrag, auf die Beschwerde  sei  einzutreten.  Die  ESTV  hielt  ihrerseits  im  durchgeführten  Schriftenwechsel  an  der  Ansicht  fest,  dass  in  der  vorliegenden  Streitsache vorgängig ein Einspracheverfahren durchzuführen sei. Strittig  ist  somit,  ob  die  vorliegend  anwendbaren  Verfahrensbestimmungen  ein Einspracheverfahren  vorsehen.  Träfe  dies  zu, so wäre die funktionelle Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts  zur  Behandlung  der  vorliegenden Beschwerde  zu  verneinen  (vgl.  oben,  E. 1.1).  Da  die  Beschwerdeführerin  die  Frage  der  funktionellen  Zuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  bereits  bei  der  Einleitung  des Beschwerdeverfahrens aufgeworfen und bejaht, die ESTV hingegen  verneint hat, rechtfertigt es sich aus prozessökonomischen Gründen, das  vorliegende Verfahren vorab auf die Zuständigkeitsfrage zu beschränken  und über diese Frage  in einer selbständig zu eröffnenden Verfügung zu  befinden (vgl. dazu oben, E. 1.2). 3.2. 

A­6537/2010 3.2.1.  Art. 26  des  Abkommens  vom  23. November  1973  zwischen  der  Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Königreich Dänemark zur  Vermeidung  der Doppelbesteuerung  auf  dem Gebiete  der  Steuern  vom  Einkommen und  vom Vermögen  (DBA­DK; SR 0.672.931.41)  regelt  das  Erstattungsverfahren in den Grundzügen. Gestützt  auf  den  Bundesbeschluss  vom  22. Juni  1951  über  die  Durchführung  von  zwischenstaatlichen  Abkommen  des  Bundes  zur  Vermeidung der Doppelbesteuerung (SR 672.2) erliess der Bundesrat die  Vo DBA­DK. Der  erste  Titel  der  Vo  DBA­DK  bezieht  sich  auf  die  "Schweizerische  Verrechnungssteuer  von  Dividenden  und  Zinsen".  Die  Prüfung  und  der  Entscheid über den Antrag auf Erstattung der Verrechnungssteuer  ist  in  Art. 3 Vo DBA­DK geregelt und lautete in der Fassung vom 18. Dezember  1974 (AS 1974 2134) wie folgt: "1  Die  Eidgenössische  Steuerverwaltung  prüft  den  Antrag  auf  seine  Berechtigung und seine Richtigkeit. Notwendige ergänzende Auskünfte und  Beweismittel holt sie direkt beim Antragsteller ein. 2  Die  Eidgenössische  Steuerverwaltung  eröffnet  dem  Antragsteller  ihren  Entscheid  schriftlich und überweist  den Erstattungsbetrag an die  im Antrag  angegebene Adresse. 3 Wird ein Antrag ganz oder teilweise abgewiesen, so wird der Entscheid mit  einer Begründung und einer Rechtsmittelbelehrung durch eingeschriebenen  Brief eröffnet. 4  Gegen  den  Entscheid  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  kann  bei  dieser  innert  30  Tagen  seit  der  Zustellung  Einsprache  erhoben  werden.  Gegen  den  Einspracheentscheid  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  kann  innert  30  Tagen  seit  der  Zustellung  beim  Schweizerischen  Bundesgericht  in  Lausanne  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  erhoben  werden." Die  Totalrevision  der  Bundesrechtspflege  von  2005  erforderte  auch  auf  Verordnungsebene  zahlreiche  Anpassungen.  Der  Bundesrat  verabschiedete  am  8. November  2006  eine  Sammelverordnung,  in  der  insgesamt  112  Verordnungen  abgeändert  und  an  die  neue  Bundesrechtspflege  angepasst  wurden  (Verordnung  vom  8. November  2006  über  die  Anpassung  von  Bundesratsverordnungen  an  die  Totalrevision  der  Bundesrechtspflege;  AS 2006  4705;  vgl.  dazu  CHRISTOPH  AUER,  Das  Konzept  der  Rechtspflegereform,  in:  Tschannen 

A­6537/2010 [Hrsg.], Neue Bundesrechtspflege, Berner Tage für die  juristische Praxis  [BTJP], Bern 2007, S. 1 ff., 8). Mit der besagten Sammelverordnung wurde auch Art. 3 Abs. 4 Vo DBA­ DK  abgeändert  (AS 2006  4721).  Seit  Inkrafttreten  am  1. Januar  2007  lautet die Bestimmung wie folgt: "Der  Entscheid  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  unterliegt  der  Beschwerde  nach  den  allgemeinen  Bestimmungen  über  die  Bundesrechtspflege." Im vorliegenden Verfahren ist die Frage zu beantworten, ob ein Entscheid  der ESTV über die Abweisung eines Antrags im Sinne von Art. 3 Vo DBA­ DK  auf  Rückerstattung  der  Verrechnungssteuer  seit  Inkrafttreten  der  besagten  Änderung  von  Art. 3  Abs. 4  Vo  DBA­DK  zunächst  der  Einsprache  an  die  ESTV  oder  direkt  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht unterliegt. 3.2.2. Ausgangspunkt  der  Auslegung  ist  der Wortlaut  der  Bestimmung.  Der  Wortlaut  von  Art. 3  Abs. 4  Vo  DBA­DK  bezeichnet  sowohl  das  Anfechtungsobjekt  (Entscheid  der  ESTV)  wie  auch  das  zu  ergreifende  Rechtsmittel  (Beschwerde)  klar  und  eindeutig.  Nach  dem  Wortlaut  der  Bestimmung  richtet  sich  sodann  die  Anfechtung  des  Entscheids  der  ESTV durch Beschwerde "nach den allgemeinen Bestimmungen über die  Bundesrechtspflege". Die  vorliegend  umstrittene  Frage,  welches  Rechtsmittel  gegen  einen  Entscheid der ESTV im Sinne von Art. 3 Vo DBA­DK zu ergreifen ist, wird  somit in Art. 3 Abs. 4 Vo DBA­DK klar und eindeutig mit Beschwerde und  nicht mit  Einsprache  beantwortet.  Nach  dem Wortlaut  von  Art. 3  Abs. 4  Vo DBA­DK  ist nicht das Rechtsmittel gegen einen Entscheid der ESTV  im  Sinne  von  Art. 3  Vo  DBA­DK  den  "allgemeinen  Bestimmungen  über  die  Bundesrechtspflege"  zu  entnehmen,  sondern  die  Anfechtung  eines  solchen Entscheids mit  Beschwerde  richtet  sich  "nach  den  allgemeinen  Bestimmungen über die Bundesrechtspflege". In  einem  ersten  Schritt  ist  somit  festzuhalten,  dass  gemäss  klarem  Wortlaut von Art. 3 Abs. 4 Vo DBA­DK der Entscheid der ESTV im Sinne  von Art. 3 Vo DBA­DK dem Rechtsmittel  der Beschwerde und nicht  der  Einsprache unterliegt.

A­6537/2010 3.2.3. Vom klaren Wortlaut einer Norm darf  jedoch abgewichen werden,  wenn triftige Gründe dafür bestehen, dass er nicht den wahren Sinn einer  Bestimmung  wiedergibt.  Solche  Gründe  können  sich  insbesondere  aus  der  Entstehungsgeschichte  der  Norm,  aus  ihrem  Zweck  oder  aus  dem  Zusammenhang mit anderen Vorschriften ergeben (vgl. E. 2.1). Nachfolgend ist somit zu untersuchen, ob historische, systematische oder  teleologische  Auslegungselemente  eine  vom Wortlaut  von  Art. 3  Abs. 4  Vo DBA­DK (vgl. dazu oben, E. 3.2.2) abweichende Auslegung gebieten. 3.2.4.  3.2.4.1 Mit  der  Schaffung  des  Bundesverwaltungsgerichts  im  Zuge  der  Totalrevision  der  Bundesrechtspflege  wurde  namentlich  auch  das  Ziel  verfolgt,  die  verwaltungsinternen  Beschwerdeinstanzen  zu  ersetzen  (so  bereits Expertenkommission für die Totalrevision der Bundesrechtspflege,  Schlussbericht  an  das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement,  Juni  1997  [nachfolgend  Schlussbericht],  S. 48  f.,  http://www.bj.admin.ch/content/dam/data/staat_buerger/gesetzgebung/bu ndesrechtspflege/vn­ber­d.pdf,  letztmals  besucht  am  17. Januar  2011).  Für die Überprüfung von Verfügungen von Bundesverwaltungsbehörden  wurde  die  Einführung  des  folgenden  Modellinstanzenzugs  vorgesehen:  Die  Verfügungen  unterliegen  direkt  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht;  der  verwaltungsinterne  Beschwerdeweg  entfällt.  Soweit  hingegen  ein  Bundesgesetz  vorsieht,  dass  gegen  eine  Verfügung Einsprache erhoben werden kann, ist die Beschwerde an das  Bundesverwaltungsgericht  jedoch  erst  gegen  den  Einspracheentscheid  zulässig  (Botschaft  vom  28. Februar  2001  zur  Totalrevision  der  Bundesrechtspflege, BBl 2001 4202 ff., 4250; Schlussbericht, S. 49). Ein  zentrales  Anliegen  der  Reform  lag  zudem  in  einer  konzentrierten  Regelung  des  Rechtsschutzes:  Die  Zuständigkeit  der  eidgenössischen  Gerichte und das Verfahren vor diesen Instanzen sollte einzig und allein  in  den  drei Gerichtsgesetzen  (Bundesgerichtsgesetz  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110],  VGG,  Strafgerichtsgesetz  vom  4. Oktober  2002  [SGG,  SR 173.71])  sowie  den  dazu  gehörenden  Verfahrenserlassen  (Bundesgesetz  vom  4. Dezember  1947  über  den  Bundeszivilprozess  [BZP,  SR 273],  VwVG,  Bundesgesetz  vom  15. Juni  1934  über  die  Bundesstrafrechtspflege  [BStP,  SR 312.0])  geregelt  werden.  Dementsprechend wurden mit  der  Totalrevision  der Bundesrechtspflege  185  andere  Bundesgesetze  und  112  Verordnungen  (vgl.  dazu  oben, 

A­6537/2010 E. 3.2.1)  revidiert  und  die  spezialgesetzlichen  Rechtsschutzbestimmungen  regelmässig  durch  folgende  "Formel"  ersetzt:  "Der  Rechtsschutz  richtet  sich  nach  den  allgemeinen  Bestimmungen über die Bundesrechtspflege" (AUER, a.a.O., S. 23). Das  historische  Element  bestätigt  somit  grundsätzlich  die  grammatikalische  Auslegung  von  Art. 3  Abs. 4  Vo  DBA­DK.  In  Übereinstimmung  mit  dem  von  der  Reform  angestrebten  "Modellinstanzenzug"  legt  Art. 3  Abs. 4  Vo  DBA­DK  fest,  dass  ein  Entscheid  einer  eidgenössischen  Instanz  (der  ESTV)  mit  Beschwerde  "nach  den  allgemeinen  Bestimmungen  der  Bundesrechtspflege"  anzufechten  ist; darunter sind  im vorliegenden Zusammenhang  in erster  Linie das VGG und das VwVG zu verstehen. Art. 3 Abs. 4 Vo DBA­DK ist  somit  auch  in  historischer  Sicht  dahingehend  auszulegen,  dass  der  Entscheid der ESTV gemäss Art. 3 Vo DBA­DK nach Art. 44 VwVG i.V.m.  Art. 31  ff.  VGG  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  unterliegt. 3.2.4.2  Vorbehalten  bleiben  sollte  hingegen  nach  dem  Willen  des  historischen  Gesetzgebers  ein  spezialgesetzlich  geregeltes  Einspracheverfahren  (so  auch  die  geltende  Regelung  gemäss  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  VGG;  vgl.  dazu  oben,  E. 1.1).  Die  grammatikalische  Auslegung  hat  ergeben,  dass  das  gegen  den  Entscheid  der  ESTV  zu  ergreifende Rechtsmittel – die Beschwerde – in Art. 3 Abs. 4 Vo DBA­DK  direkt  bezeichnet  wird  und  sich  nicht  aus  "den  allgemeinen  Bestimmungen  der  Bundesrechtspflege"  ergibt  (oben,  E. 3.2.2).  Anzumerken  bleibt  jedoch,  dass  Entscheide  der  ESTV  über  die  Rückerstattung  in  Anwendung  des  Bundesgesetzes  vom  13. Oktober  1965  über  die  Verrechnungssteuer  (VStG,  SR 642.21)  dem  Einspracheverfahren  unterliegen.  Es  fragt  sich  somit,  ob  dies  einen  triftigen Grund dafür darstellt, Art. 3 Abs. 4 Vo DBA­DK abweichend vom  Wortlaut  dahingehend  auszulegen,  dass  vor  dem Beschwerdeverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  ein  Einspracheverfahren  durchzuführen  ist. Das Verhältnis  zwischen Art. 3 Vo DBA­DK und dem  VStG  ist  jedoch  eine  Frage  des  Verhältnisses  zwischen  Rechtsnormen  und  damit  nachfolgend  im  Zusammenhang  mit  der  systematischen  Auslegung zu beantworten. 3.2.5. Das  VStG  regelt  das  Verfahren  der  Steuerrückerstattung  in  den  Art. 48  ff. Sowohl Entscheide betreffend Rückerstattung durch den Bund 

A­6537/2010 (Art. 51  Abs. 4  VStG)  wie  auch  Entscheide  betreffend  Rückerstattung  durch den Kanton (Art. 53 VStG) unterliegen der Einsprache. 3.2.5.1 Während  eine  Person  mit  Sitz  im  Inland  die  auf  Erträgen  aus  beweglichem  Kapitalvermögen  erhobene  Verrechnungssteuer  zurückfordern kann, wenn sie bei deren Fälligkeit das Recht zur Nutzung  hatte und die Rückerstattung nicht zu einer Steuerumgehung führt, gelten  für  ausländische  Leistungsempfänger  andere  Voraussetzungen.  Einen  Anspruch auf Entlastung haben sie nur dann, wenn dies ein zwischen der  Schweiz  und  dem  entsprechenden  Ansässigkeitsstaat  abgeschlossenes  Doppelbesteuerungsabkommen  vorsieht  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2744/2008  vom  23. März  2010  E. 3.3,  unter  Verweis  auf  MAJA  BAUER­BALMELLI,  in:  Zweifel/Athanas/Bauer­ Balmelli [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht II/2, Basel  2005  N. 55  zu  Art. 21  VStG  mit  Hinweisen;  MAJA BAUER­BALMELLI,  Der  Sicherungszweck  der  Verrechnungssteuer  –  unter  besonderer  Berücksichtigung der Erträge aus Beteiligungen, Zürich 2001, S. 167 ff.).  Der  Grund  für  die  unterschiedliche  Behandlung  liegt  darin,  dass  die  Verrechnungssteuer  bezüglich  ausländischen  Empfängern  nicht  einen  Sicherungszweck,  sondern einen Fiskal­ oder Belastungszweck hat. Bei  ausländischen Leistungsempfängern kann es sich damit – aus den eben  dargelegten  Gründen  –  nie  um  eine  Frage  der  Rückerstattung  der  Verrechnungssteuer  im  originären  Sinne  handeln;  vielmehr  geht  es  um  die quantitative Abgrenzung der Besteuerungsbefugnisse zweier Staaten  (Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts A­2744/2008  vom 23. März 2010  E. 3.3,  unter Verweis auf MAJA BAUER­BALMELLI, Altreservenpraxis  – ein  rechtliches Argumentarium, in: Forum für Steuerrecht [FStR] 2004, S. 204  und 208). Damit stimmt überein, dass das Erstattungsverfahren in den Grundzügen  in Art. 26 DBA­DK geregelt wurde. Die weiteren Ausführungsvorschriften  dieses Erstattungsverfahrens finden sich sodann in den Art. 1­4 Vo DBA­ DK,  welche  sich  ihrerseits  nicht  etwa  auf  das  VStG,  sondern  auf  den  Bundesbeschluss  vom  22. Juni  1951  über  die  Durchführung  von  zwischenstaatlichen  Abkommen  des  Bundes  zur  Vermeidung  der  Doppelbesteuerung abstützen (vgl. dazu oben, E. 3.2.1). Festzuhalten ist somit, dass die Rückerstattungsverfahren gemäss Art. 48  ff.  VStG  bzw.  dasjenige  gemäss  Art. 26  DBA­DK  i.V.m.  dem  Bundesbeschluss  vom  22. Juni  1951  über  die  Durchführung  von  zwischenstaatlichen  Abkommen  des  Bundes  zur  Vermeidung  der 

A­6537/2010 Doppelbesteuerung  und  Art. 1­4  Vo  DBA­DK  einen  unterschiedlichen  sachlichen  Anwendungsbereich  haben.  Die  "Schweizerische  Verrechnungssteuer  von Dividenden und Zinsen"  hat  in  den Art. 1­4 Vo  DBA­DK eine eigene Regelung erfahren. Die Entlastung durch Erstattung  (Art. 1), die Antragstellung (Art. 2), die Prüfung und der Entscheid (Art. 3)  wie auch die Formvorschriften (Art. 4) richten sich nicht nach dem VStG,  sondern nach der Vo DBA­DK.  Entsprechend gelangt denn auch die Rechtsschutzbestimmung von Art. 3  Abs. 4  Vo  DBA­DK  und  nicht  diejenigen  des  VStG  zur  Anwendung.  Finden  jedoch  die  Rechtsschutzbestimmungen  des  VStG  keine  Anwendung,  so  gelangt  auch  keine  gesetzliche  Norm  zur  Anwendung,  welche  ein  Einspracheverfahren  vorbehalten würde.  Entsprechend  stellt  das  in  den  Art. 51  Abs. 4  VStG  und  Art. 53  VStG  geregelte  Einspracheverfahren auch keinen  triftigen Grund dafür dar, Art. 3 Abs. 4  Vo DBA­DK gegen den Wortlaut  auszulegen. Vielmehr  stützt  auch eine  systematische Auslegung jene nach dem Wortlaut. 3.2.5.2  In  systematischer  Hinsicht  hervorzuheben  ist,  dass  der  Begriff  "Entscheid" nicht nur in Art. 3 Abs. 4 Vo DBA­DK, sondern auch in Art. 3  Abs. 2  und  Abs. 3  Vo  DBA­DK  verwendet  wird.  Es  ist  nicht  ersichtlich,  aus welchen Gründen der Begriff "Entscheid" in Art. 3 Abs. 2 bzw. Abs. 3  Vo  DBA­DK  auch  "Entscheid",  in  Art. 3  Abs. 4  Vo  DBA­DK  hingegen  "Einspracheentscheid" bedeuten soll. Die  grammatikalische  Auslegung  von  Art. 3  Abs. 4  Vo  DBA­DK  (oben,  E. 3.2.2)  wird  zudem  dadurch  bestätigt,  dass  anlässlich  der  Anpassung  zahlreicher Verordnungsvorschriften (vgl. dazu oben, E. 3.2.1) sehr wohl  differenziert  wurde,  ob  "Entscheide"  der  ESTV  (so  etwa  Art. 5  des  Bundesratsbeschlusses  vom  14. Dezember  1962  betreffend  Massnahmen  gegen  die  ungerechtfertigte  Inanspruchnahme  von  Doppelbesteuerungsabkommen  des  Bundes,  SR 672.202;  Art. 6  der  Verordnung  vom  22. Dezember  2004  über  die  Steuerentlastung  schweizerischer  Dividenden  aus  wesentlichen  Beteiligungen  ausländischer Gesellschaften, SR 672.203) oder "Einspracheentscheide"  der ESTV (so Art. 17 Abs. 3 der Verordnung vom 3. Dezember 1973 über  die Stempelabgaben, SR 641.101; Art. 45b der Verordnung vom 29. März  2000  zum  Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer,  AS 2006  4719)  der  Beschwerde  nach  den  allgemeinen  Bestimmungen  über  die  Bundesrechtspflege unterliegen.

A­6537/2010 Als  weiteres  Beispiel  kann  die  unterschiedliche  Regelung  des  Instanzenzuges  in  den Art. 5,  20b Abs. 3  und  20k  der Verordnung  zum  schweizerisch­amerikanischen  Doppelbesteuerungsabkommen  vom  2. Oktober 1996 (Vo DBA­USA; SR 672.933.61) sowie  in den Art. 9 und  Art. 24 Abs. 1 des Bundesgesetzes zum Zinsbesteuerungsabkommen mit  der  Europäischen  Gemeinschaft  (ZBstG;  SR 641.91)  genannt  werden.  Während  gemäss  Art. 20k  Vo  DBA­USA  wie  auch  nach  Art. 24  Abs. 1  ZBstG  die  Schlussverfügungen  der  ESTV  über  die  Übermittlung  von  Informationen  der  Beschwerde  "nach  den  allgemeinen  Bestimmungen  über die Bundesrechtspflege" unterliegen, hält Art. 9 ZBstG ausdrücklich  fest,  dass  gegen  Verfügungen  der  ESTV  Einsprache  zu  erheben  ist  (Abs. 1)  und  der  Einspracheentscheid  der  ESTV  der  Beschwerde  nach  den  allgemeinen  Bestimmungen  über  die  Bundesrechtspflege  unterliegt  (Abs. 4).  In  zahlreichen  Verfahren  (vgl.  dazu  anstatt  vieler  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­7789/2009  vom  21. Januar  2010  Sachverhalt  E,  F)  blieb  unbestritten,  dass  der Wortlaut  von  Art. 20k  Vo  DBA­USA, wonach die Verfügung der ESTV "der Beschwerde nach den  allgemeinen  Bestimmungen  über  die  Bundesrechtspflege"  unterliegt,  so  auszulegen  ist,  dass  gegen  eine  solche  Verfügung  der  ESTV  Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zu erheben ist. 3.2.6. Sinn und Zweck von Art. 3 Abs. 4 Vo DBA­DK ist die Regelung des  Rechtsschutzes gegen Entscheide der ESTV gemäss Art. 3 Vo DBA­DK. Seit Inkrafttreten der Änderungen im Rahmen der Totalrevision (vgl. dazu  oben,  E. 3.2.1  und  E. 3.2.4.1)  unterscheidet  sich  der  Instanzenzug  gemäss  Art. 3  Abs. 4  Vo  DBA­DK  von  demjenigen  der  Art. 51  Abs. 4  VStG  bzw.  Art. 53  VStG  und  Art. 9  ZBstG  in  dem  Punkt,  dass –  zumindest  dem  Wortlaut  nach  –  in  Art. 3  Abs. 4  Vo  DBA­DK  ein  Einspracheverfahren nicht mehr vorgesehen ist. In  der  Rechtsprechung  wurde  bereits  festgehalten,  dass  ein  unterschiedlicher  Instanzenzug  bezüglich  dieser  sachlich  eng  zusammenhängenden  Themen  grundsätzlich  keinen  Sinn  macht.  Die  vorliegende  Konstellation  unterscheidet  sich  jedoch  von  denjenigen,  welche  bereits  Gegenstand  von  Verfahren  vor  der  Eidgenössischen  Rekurskommission  (SRK)  bzw.  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  waren.  In den bereits beurteilten Fällen ging es um verfahrensrechtliche  Regelungen,  welche  im  Zuge  von  neu  geschaffenen  gerichtlichen  Instanzen  nicht  angepasst  worden  waren  (vgl.  dazu  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2744/2008  vom  23. März  2010  E. 1; 

A­6537/2010 Entscheid  der  SRK  [SRK  2003­159]  vom  3. März  2005,  E. 1a).  Art. 3  Abs. 4  Vo  DBA­DK  wurde  jedoch  im  Zuge  der  Totalrevision  der  Bundesrechtspflege  revidiert  und  an  den  neu  geschaffenen  "Modellinstanzenzug" (vgl. dazu oben, E. 3.2.4.1) angepasst. Dazu wurde  bereits ausgeführt, dass anlässlich der Anpassungen von insgesamt 112  Verordnungen  (vgl.  dazu  oben,  E. 3.2.1  und  3.2.5)  sehr  wohl  danach  differenziert  wurde,  ob  "Entscheide"  oder  "Einspracheentscheide"  der  ESTV  der  Anfechtung  mittels  Beschwerde  unterliegen.  Zudem  wurde  Art. 20k  Vo  DBA­USA  –  welcher  ebenso  wie  Art. 3  Abs. 4  Vo  DBA­DK  vorsieht,  dass  eine  Verfügung  der  ESTV  "der  Beschwerde  nach  den  allgemeinen Bestimmungen über die Bundesrechtspflege" unterliegt –  in  der  Rechtsprechung  bereits  dahingehend  ausgelegt,  dass  eine  solche  Verfügung  mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  anzufechten ist (vgl. dazu oben, E. 3.2.5.2). Diese ausdrückliche Differenzierung danach, ob die Verfügung bzw. der  Einspracheentscheid  der  Beschwerde  nach  den  allgemeinen  Bestimmungen  über  die  Bundesrechtspflege  unterliegt,  legt  nahe,  dass  die Rechtsmittelwege unterschiedlich geregelt werden sollten. Anzeichen  dafür,  dass  der  Verordnungsgeber  anlässlich  der  Abfassung  von  Art. 3  Abs. 4 Vo DBA­DK sich über gewisse Tatsachen so offensichtlich geirrt  hätte,  dass  sich  eine  Abweichung  vom Gesetzestext  aufdrängen würde  (vgl. dazu oben, E. 2.1), liegen keine vor. Ebensowenig kann unter diesen  Umständen von einer planwidrigen Unvollständigkeit von Art. 3 Abs. 4 Vo  DBA­DK ausgegangen werden, welche auf dem Weg der Lückenfüllung  zu korrigieren wäre (vgl. dazu oben, E. 2.2 und Entscheid der SRK [SRK  2003­159] vom 3. März 2005, E. 1a). 3.2.7.  Die  Auslegung  von  Normen  ist  zudem  auf  ein  vernünftiges  und  praktikables Ergebnis auszurichten (vgl. oben, E. 2.1 am Ende). Die  ESTV  ersuchte  das  Bundesverwaltungsgericht,  anlässlich  der  Auslegung von Art. 3 Abs. 4 Vo DBA­DK auch  ihre  interne Organisation  zu berücksichtigen. Obwohl es nicht Aufgabe eines Gerichts sein kann, sich über die interne  Verwaltungsorganisation  auszusprechen,  können  solche  Vorbringen  durchaus im Rahmen der Ausrichtung der Auslegung auf ein vernünftiges  und  praktisches  Ergebnis  berücksichtigt  werden.  Anzumerken  ist  dazu  jedoch, dass die Auslegung von Art. 3 Abs. 4 Vo DBA­DK dahingehend,  dass  der  Entscheid  der  ESTV  direkt  der  Beschwerde  an  das 

A­6537/2010 Bundesverwaltungsgericht  unterliegt  (vgl.  dazu  oben,  E. 3.2.2),  im  Gegensatz  zum  bisher  gehandhabten  Instanzenzug  eine  Verkürzung  darstellt.  Die  ESTV  wird  sich  somit  künftig  lediglich  einmal  mit  einem  Rückerstattungsantrag  zu  befassen  haben.  Inwiefern  eine  solche  Verkürzung des Instanzenzugs gegenüber der bisherigen Praxis, wonach  die  Rückerstattungsanträge  zunächst  behandelt  und  anschliessend  im  Rahmen  einer  allfälligen Einsprache  nochmals  vertieft  überprüft worden  sind,  organisatorisch  nicht  zu  bewältigen  sein  sollte,  ist  aber  weder  dargetan noch ersichtlich. 3.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass Entscheide der ESTV im Sinne  von Art. 3 Vo DBA­DK der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht  unterliegen (Art. 3 Abs. 4 Vo DBA­DK i.V.m. Art. 44 VwVG, Art. 31 VGG,  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  VGG  e  contrario,  Art. 33  Bst. d  VGG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  somit  zur  Behandlung  der  Eingabe  der  Beschwerdeführerin vom 13. September 2010 zuständig. 3.4. Abschliessend ist anzumerken, dass für eine allgemeine Festlegung  des zulässigen Rechtsmittels gegen Verfügungen der ESTV gestützt auf  ein DBA oder auf eine dazu gehörende Ausführungsverordnung, wie sie  die Beschwerdeführerin  in  ihrer Replik anbegehrt hat,  kein Raum bleibt.  Strittig ist in diesem Verfahren einzig die Auslegung von Art. 3 Abs. 4 Vo  DBA­DK  (vgl.  dazu  oben,  E. 3.1).  Eine  darüber  hinausgehende  Festlegung des Rechtsmittels gestützt auf andere Rechtsgrundlagen liefe  auf  den  Erlass  einer  Feststellungsverfügung  hinaus,  wofür  es  der  Beschwerdeführerin  schon  an  der  Voraussetzung  eines  schutzwürdigen  Interesses  mangelt  (vgl.  dazu  BGE 132  V  259  E. 1,  130  V  388  E. 2.4;  BVGE 2007/47 E. 3.2.1).

A­6537/2010 Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das Verfahren A­6537/2010 wird vorerst auf die Frage der  funktionellen  Zuständigkeit zur Behandlung der Eingabe der Beschwerdeführerin vom  13. September 2010 an das Bundesverwaltungsgericht beschränkt. 2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  für  die  Behandlung  der  Eingabe  der  Beschwerdeführerin  vom  13. September  2010  an  das  Bundesverwaltungsgericht zuständig. 3.  Die Kosten dieser Zwischenverfügung bleiben bei der Hauptsache. 4.  Diese Verfügung geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben mit Rückschein) – die Vorinstanz (Ref­Nr. …; Einschreiben mit Rückschein) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der Instruktionsrichter: Die Gerichtsschreiberin: Michael Beusch Nadine Mayhall

A­6537/2010 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diese  Zwischenverfügung  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­ rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in  Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

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