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Bundesverwaltungsgericht 24.01.2012 A-1218/2011

24 janvier 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,602 mots·~13 min·1

Résumé

Mehrwertsteuer | Mehrwertsteuer (1. Quartal 2009); Bemessungsgrundlage

Texte intégral

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­1218/2011 Urteil   v om   2 4 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richterin Salome Zimmermann, Richter Daniel Riedo, Gerichtsschreiber Urban Broger. Parteien A._______, Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Vorinstanz. Gegenstand Mehrwertsteuer (1. Quartal 2009); Bemessungsgrundlage.

A­1218/2011 Sachverhalt: A.  Am  15. Juni  2009  liess  die  Beschwerdeführerin  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  (ESTV)  einen  zwischen  ihr  und  dem  Bundesamt  für  Veterinärwesen  (BVET)  mit  Datum  vom  13. Februar  2009  abgeschlossenen  Vertrag  zukommen.  Vertragsgegenstand  war  die  Sicherstellung  der  Diagnostik  von  transmissiblen  spongiformen  Enzephalopathien,  die  Mitarbeit  bei  der  Überwachung  genannter  Tierseuchen  sowie  die  Forschung  nach  Absprache mit  dem  BVET.  Als  Aufgaben der Beschwerdeführerin wurden genannt: 1. Überwachung  Mitarbeit beim Sammeln und Aufarbeiten der epidemiologischen Informationen.  Beobachtung und Entwicklung im Ausland. 2. Forschung und Entwicklung  Verbesserung der bestehenden Untersuchungsmethoden.  Entwicklung und Validierung von neuen Methoden nach Absprache mit dem BVET.  Betreiben von Forschung nach Absprache mit dem BVET. 3. Aus­ und Weiterbildung  Teilnahme  an  Weiterbildungsveranstaltungen,  die  im  Zusammenhang  mit  der  Referenztätigkeit stehen.  Organisation  von  Aus­  und  Weiterbildungsveranstaltungen  nach  Absprache  mit  dem BVET.  Mitwirkung bei der Aus­ und Weiterbildung von Vollzugsorganen.  Mitwirkung bei der Aus­ und Weiterbildung der anerkannten Laboratorien. 4. Standardisierung und Qualitätssicherung der Diagnostik  Eigene Beteiligung an internationalen Vergleichstests.  Verbesserung und Entwicklung von Untersuchungsmethoden.  Beschaffung und Bereitstellung von Referenzmaterial.  Charakterisierung,  Typisierung  und  Aufbewahrung  von  Seuchenerregern  (Stammsammlung).  Aufbewahrung und Sammlung von entsprechendem Material.  Bestätigung von Befunden anerkannter Laboratorien.  Durchführung  von  Vergleichstests  bei  den  anerkannten  oder  eine  Anerkennung  beantragenden  Laboratorien  nach  Absprache  mit  dem  BVET.  Auswertung  der  Ergebnisse zuhanden des BVET sowie nötigenfalls Beratung dieser Laboratorien. 5. Kontakt und Zusammenarbeit mit den zuständigen Gemeinschaftsreferenzlaboratorien  in der Europäischen Union.

A­1218/2011 6. Durchführung von Expertisen  Z.B.  Erarbeitung  wissenschaftlicher  und  technischer  Stellungnahmen  bei  der  behördlichen Zulassung von Diagnosetests. B.  Im  Weiteren  verpflichtete  sich  die  Beschwerdeführerin  zu  wissenschaftlicher  und  technischer  Unterstützung  der  zuständigen  Behörden in Fragen der Prophylaxe und Diagnostik von Tierseuchen und  bei  der  Umsetzung  von  Überwachungs­  und  Bekämpfungsprogrammen  sowie  zur  Mitarbeit  beim  Erstellen  von  technischen  Weisungen  und  Checklisten.  Sie  verpflichtete  sich  weiter,  einen  Jahresbericht  zu  erstellen,  der  die  wesentlichen  Ergebnisse  der  Tätigkeit  des  Referenzlaboratoriums  sowie  die  daraus  zu  ziehenden  Folgerungen  beinhaltet.  Im  Gegenzug  wurde  für  das  Jahr  2009  eine  «Globalentschädigung  inkl. MwSt»  in  der  Höhe  von  Fr. 300'000.—  vereinbart.  90%  des  Betrages  sollten  der  Beschwerdeführerin  anfangs  Jahr,  10%  nach  Genehmigung  des  schriftlichen  Jahresberichts  ausbezahlt  werden.  Schliesslich  hielten  die  Vertragsparteien  fest,  dass  abweichend  von  den  «Allgemeinen  Geschäftsbedingungen  des  Bundes  für Dienstleistungsaufträge»  in der Version vom 1. März 2001 alle durch  Vertragserfüllung  entstehenden  Schutzrechte  des  geistigen  Eigentums  den Vertragspartnern und nicht exklusiv dem Bund gehörten. Kosten und  Nutzen  aus  der  Verwertung  von  Schutzrechten  und  aus  dem  Schutz  dieser Rechte sollten geteilt werden. C.  Im  Rahmen  der  Prüfung  des  ihr  vorgelegten  Vertrages  kam  die  ESTV  zum Schluss, dass zwischen der Beschwerdeführerin und dem BVET ein  mehrwertsteuerlicher  Leistungsaustausch  vorliege.  Nach  verschiedenen  Korrespondenzen verfügte sie mit Entscheid vom 4. September 2009, die  Beschwerdeführerin  schulde  für  die  dem  BVET  im  1. Quartal  2009  erbrachten  Leistungen  Fr. 13'770.—  Mehrwertsteuern  (=  Fr. 270'000.—  [entsprechend  90%  der  Globalentschädigung  von  Fr. 300'000.—]  multipliziert mit einem Pauschalsteuersatz von 5.1%) und Verzugszinsen  ab 1. Juni 2009. D.  Gegen  den  Entscheid  der  ESTV  vom  4. September  2009  erhob  die  Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 6. Oktober 2009 Einsprache bei der  ESTV. Sie verlangte die Überweisung  ihrer Eingabe als Beschwerde an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Sprungbeschwerde)  und  alsdann  die 

A­1218/2011 Gutheissung  der  Beschwerde  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolgen.  In  der  Sache  selbst machte  sie  geltend,  sie werde  vom BVET  lediglich  finanziell  unterstützt  bzw.  sie  erhalte  von  ihm  einen  Forschungsbeitrag.  Gemäss  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  der  Verordnung  des  Schweizerischen  Bundesrates  vom  29. März  2000  zum  Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer  (aMWSTGV,  AS 2000 1347)  liege  kein  mehrwertsteuerlicher  Leistungsaustausch  vor,  wenn  –  wie  hier  –  dem  Beitragszahler  kein  Exklusivanspruch  auf  die  Resultate  der  Forschung  zustünden.  Das  BVET  habe  ausdrücklich  auf  die  Schutzrechte  des  geistigen  Eigentums  verzichtet,  weshalb  es  sich  bei  den  fraglichen  Zahlungen nicht um steuerbare Entgelte handeln könne. E.  Die ESTV  überwies  die Eingabe  der Beschwerdeführerin mit  Schreiben  vom  21. Februar  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht,  welches  die  Eingabe  mit  Zwischenverfügung  vom  1. März  2011  als  Beschwerde  entgegen nahm. In ihrer Vernehmlassung vom 19. April 2011 machte die  ESTV  geltend,  im  Vertrag  zwischen  der  Beschwerdeführerin  und  dem  BVET gehe es  in der Hauptsache um den Betrieb eines Laboratoriums;  entsprechende Umsätze unterlägen der Mehrwertsteuer. Selbst wenn der  Einschätzung  der  Beschwerdeführerin  zu  folgen  wäre,  wonach  die  Forschungsleistung die Gesamtleistung darstelle, bleibe diese steuerbar,  da  vorliegend  die  Forschung  und  Entwicklung  im  Auftrag  und  für  die  Bedürfnisse des Beitragszahlers erbracht würden. F.  Mit  Eingabe  vom  12. Mai  2011  nahm  die  Beschwerdeführerin  zur  Vernehmlassung  der  ESTV  unaufgefordert  Stellung.  Die  Argumentation  der ESTV erstaune und sei nicht widerspruchsfrei, insbesondere, weil sie  in  einer  schriftlichen  Auskunft  vom  21. Februar  2011  in  einem materiell  vergleichbaren,  aber  unter  dem  neuen  Mehrwertsteuergesetz  zu  beurteilenden  Fall,  eine  Subsumption  unter  Art. 13  (Bildungs­  und  Forschungskooperationen)  der  Mehrwertsteuerverordnung  vom  27. November  2009  (SR 641.201,  MWSTV)  vorgenommen  habe.  Das  lasse nur den Schluss zu, dass – wenn überhaupt  im vorliegenden Fall  ein Leistungsverhältnis vorliege – dieses allein der «Forschungstätigkeit»  zuzuordnen sei. G.  Auf  weitere  Eingaben  und  Vorbringen  der  Parteien  wird  –  soweit  entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

A­1218/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Angefochten  ist ein Entscheid der ESTV und damit eine Verfügung  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Grundsätzlich  ist  das  Bundesverwaltungsgericht hierfür zuständige Beschwerdeinstanz (Art. 31  und  Art. 33  Bst. d  des  Bundesgesetzes  vom  17. Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht  [VGG,  SR 173.32]).  Hingegen  ist  gemäss  Art. 32 Abs. 2 Bst. a VGG die Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht  unzulässig  gegen Verfügungen,  die  nach  einem anderen Bundesgesetz  durch  Einsprache  anfechtbar  sind,  was  bei  Entscheiden  der  ESTV  in  Mehrwertsteuerbelangen  regelmässig  der  Fall  ist  (Art. 64  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  2. September  1999  über  die  Mehrwertsteuer  [aMWSTG,  AS 2000 1300]  und  Art. 83  Abs. 1  des  Mehrwertsteuergesetzes  vom  12. Juni  2009  [MWSTG,  SR 641.20]).  Hiervon  sehen  sowohl  das  alte  wie  auch  das  neue MWSTG wiederum  eine  Abweichung  vor,  nämlich  die  Möglichkeit  der  Sprungbeschwerde.  Über  deren  Zulässigkeit  im  vorliegenden  Fall  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  1. März  2011  rechtskräftig entschieden. Darauf ist nicht zurückzukommen. Auf die frist­  und formgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten. 1.2.  Am  1. Januar  2010  ist  das  (neue)  MWSTG  in  Kraft  getreten.  Die  bisherigen  gesetzlichen  Bestimmungen  sowie  die  darauf  gestützt  erlassenen Vorschriften bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während  ihrer  Geltungsdauer  eingetretenen  Tatsachen  und  entstandenen  Rechtsverhältnisse  anwendbar  (Art. 112  Abs. 1  MWSTG).  Der  vorliegende Sachverhalt, er betrifft das 1. Quartal 2009, ist deshalb nach  dem  für  die Zeit  vom 1. Januar  2001 bis  31. Dezember  2009 geltenden  aMWSTG  zu  beurteilen  und  entgegen  der  offensichtlichen  Ansicht  der  Beschwerdeführerin sind  (materielle) Bestimmungen der neuen MWSTV  vorliegend  nicht  einschlägig.  Demgegenüber  ist  das  neue  mehrwertsteuerliche  Verfahrensrecht  im  Sinne  von  Art. 113  Abs. 3  MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des Inkrafttretens hängige Verfahren  anwendbar,  wobei  Art. 113  Abs. 3  MWSTG  insofern  restriktiv  zu  handhaben  ist,  als  gemäss  höchstrichterlicher  Rechtsprechung  nur  eigentliche Verfahrensnormen sofort auf hängige Verfahren anzuwenden  sind,  und  es  dabei  nicht  zu  einer  Anwendung  von  neuem  materiellen  Recht  auf  altrechtliche  Sachverhalte  kommen  darf  (anstelle  zahlreicher: 

A­1218/2011 Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1113/2009  vom  23. Februar  2010 E. 1.3). 1.3.  Gemäss  Art. 37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  soweit  das  VGG  nichts  anderes  bestimmt.  Damit  ist  u.a.  Art. 32  Abs. 2  VwVG  zu  beachten,  wonach  verspätete  Parteivorbringen,  die  ausschlaggebend  erscheinen,  trotz  Verspätung  berücksichtigt  werden  können.  Der  Begriff  der  Verspätung  ist  weit  zu  verstehen;  es  fallen  auch  verfrüht  oder  unaufgefordert  eingereichte  Stellungnahmen  darunter  (BERNHARD  WALDMANN/JÜRG  BICKEL,  in  Praxiskommentar  VwVG,  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.],  Zürich  2009,  Art. 32  N 14).  Nun  statuiert  Art. 2  Abs. 1  VwVG  für  das  Steuerverfahren  insofern  eine  Ausnahme, als dass die genannte Regelung des Art. 32 Abs. 2 VwVG auf  Steuerverfahren keine Anwendung findet. Das (neue) MWSTG macht von  der Ausnahme wiederum eine Ausnahme und hält  in Art. 81 Abs. 1  fest,  dass  Art. 2  Abs. 1  VwVG  auf  das  Mehrwertsteuerverfahren  keine  Anwendung  finde.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  Art. 81  MWSTG  ausdrücklich  und  wiederholt  unter  die  von  Art. 113  Abs. 3  MWSTG  anvisierten,  sofort  anwendbaren  Verfahrensbestimmungen  subsumiert  (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­2998/2009 vom 11. November  2010  E. 1.2  und  A­5078/2008  vom  26. Mai  2010  E. 2.1).  Damit  ist  festzuhalten,  dass  Art. 32  Abs. 2  VwVG  im  vorliegenden  Mehrwertsteuerverfahren  anwendbar  ist  und  folglich  schon  aus  diesem  Grund  die  unaufgefordert  eingereichte  Stellungnahme  der  Beschwerdeführerin grundsätzlich berücksichtigt werden kann (vgl. auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3409/2010  vom  4. April  2011  E. 1.4).  Damit  erübrigen  sich  auch  Ausführungen  zur  Frage,  ob  die  Stellungnahme  der  Beschwerdeführerin  als  unter  gehörsrechtlichen  Gesichtspunkten  noch  rechtzeitig  im  Sinne  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  gelten  könnte  (BGE  133 I 98;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5550/2008  vom  21. Oktober  2009  E. 1.1.3). 2.  2.1. Der Bund erhebt eine allgemeine Verbrauchsteuer nach dem System  der  Netto­Allphasensteuer  (Allphasensteuer  mit  Vorsteuerabzug  [Mehrwertsteuer];  Art. 130  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR 101]).  Mehrwertsteuerpflichtig wird, wer eine mit der Erzielung von Einnahmen  verbundene  gewerbliche  oder  berufliche  Tätigkeit  selbständig  ausübt, 

A­1218/2011 sofern  seine  Lieferungen,  seine  Dienstleistungen  und  sein  Eigenverbrauch  im  Inland  jährlich  gesamthaft  Fr. 75'000.­  übersteigen  (Art. 21  Abs. 1  aMWSTG).  Steuerpflichtig  sind  namentlich  natürliche  Personen,  Personengesellschaften,  juristische  Personen  des  privaten  und  öffentlichen  Rechts,  unselbstständige  öffentliche  Anstalten  sowie  Personengesamtheiten  ohne  Rechtsfähigkeit,  die  unter  gemeinsamer  Firma Umsätze tätigen (Art. 21 Abs. 2 aMWSTG). 2.2. Damit eine steuerbare Leistung vorliegt, muss sie  im Austausch mit  einer  Gegenleistung,  gegen  Entgelt,  erfolgen.  Die  Entgeltlichkeit  stellt –  vom  Eigenverbrauch  abgesehen  –  ein  unabdingbares  Tatbestandsmerkmal  einer  mehrwertsteuerlichen  Leistung  dar.  Die  Annahme  eines  Leistungsaustauschs  setzt  voraus,  dass  zwischen  Leistung  und  Gegenleistung  eine  innere  wirtschaftliche  Verknüpfung  gegeben  ist  (BGE 126 II 443 E. 6a mit Hinweisen;  IVO P. BAUMGARTNER,  in  mwst.com,  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer,  Basel/Genf/München  2000  [hiernach:  mwst.com],  N 6  und  8  zu  Art. 33  Abs. 1  und  Abs. 2).  Die  Beantwortung  der  Frage  nach  der  inneren  Verknüpfung  erfolgt  nicht  in  erster  Linie  nach  zivilrechtlichen,  sondern  nach  wirtschaftlichen,  tatsächlichen  Kriterien.  Insbesondere  ist  für  die  Annahme  eines  Leistungsaustauschs  das  Vorliegen  eines  Vertragsverhältnisses nicht zwingend (BGE 126 II 249 E. 4a). Es genügt,  dass Leistung und Gegenleistung innerlich derart verknüpft sind, dass die  Leistung eine Gegenleistung auslöst. Ausreichend kann sein, wenn einer  Leistung eine erwartete oder erwartbare Gegenleistung gegenübersteht,  d.h. dass nach den Umständen davon auszugehen ist, die Leistung löse  eine  Gegenleistung  aus.  Bei  der  Beurteilung  der  Frage  nach  dem  wirtschaftlichen  Zusammenhang  zwischen  Leistung  und  Gegenleistung  ist  sodann  primär  auf  die  Sicht  des  Leistungsempfängers  abzustellen,  was  der  Konzeption  der Mehrwertsteuer  als  Verbrauchsteuer  entspricht  (anstelle  zahlreicher:  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5745/2008 vom 11. Juni 2010 E. 2.3 und A­8058/2008 vom 13. Januar  2011  E. 3.2;  DANIEL  RIEDO,  Vom  Wesen  der  Mehrwertsteuer  als  allgemeine Verbrauchsteuer und von den entsprechenden Wirkungen auf  das schweizerische Recht, Bern 1999, S. 230 ff.). 2.3.  Besteht  zwischen  Leistungserbringer  und  ­empfänger  kein  Austauschverhältnis  in  erwähntem  Sinne,  ist  die  Aktivität  mehrwertsteuerlich  irrelevant  und  fällt  nicht  in  den  Geltungsbereich  der  Mehrwertsteuer  (BGE 132 II 353  E. 4.3,  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_59/2009  vom  3. September  2009  E. 5.1;  BVGE  2008/63  E. 2.3; 

A­1218/2011 BVGE 2009/34  E. 2.2.1;  Entscheid  der  Eidgenössischen  Steuerrekurskommission  vom  18. November  2002,  veröffentlicht  in  Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden  67.49  E. 2.a.cc;  ALOIS  CAMENZIND/NIKLAUS  HONAUER/KLAUS  A.  VALLENDER,  Handbuch  zum  Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG],  2. Aufl.,  Bern  2003,  S. 73 ff.;  BAUMGARTNER,  mwst.com,  N 70  zu  Art. 38  Abs. 1­4  und  Abs. 5  Grundsätzliches).  Es  handelt  sich  dann  aus  mehrwertsteuerlicher  Sicht  um  einen  Nichtumsatz  und  es  fehlt  an  einem  Steuerobjekt  (vgl.  Art. 5  aMWSTG;  RIEDO,  a.a.O.,  S. 225 f.;  SONJA  BOSSART,  Zum  Einfluss  von  Nichtumsätzen  auf  den  Vorsteuerabzug  bzw.  die  Vorsteuerabzugskürzung,  in Michael Beusch/ISIS  [Hrsg.], Entwicklungen  im Steuerrecht 2009, Zürich 2009, S. 363 ff.). 2.4. Das Bundesgericht hat  im Zusammenhang mit der Abgrenzung von  Spenden  (die  es  den  Nichtentgelten  zuwies)  und  Sponsorenleistungen  (welche  regelmässig  zum  steuerbaren  Umsatz  gehören)  wiederholt  festgehalten,  dass  bei  Vorliegen  von  Sponsorenleistungen  keine  Aufteilung  in  ein  Leistungsentgelt  (für  die  Bekanntmachungs­  bzw.  Werbeleistung) und in einen Spendenanteil (im Sinne eines Nichtentgelts)  vorgenommen  wird  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.150/2001  vom  13. Februar 2002 E. 6b;  vgl. auch Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts  A­7712/2009  vom  21. Februar  2011  E. 5.2).  In  entsprechenden  Fällen  kann  nicht  geltend  gemacht  werden,  derjenige  Teil  des  bezahlten  Betrages, der über den Werbeaufwand hinausgehe, sei nicht Bestandteil  des Entgelts (Urteile des Bundesgerichts 2A.43/2002 vom 8. Januar 2003  E. 3.3.1,  2A.526/2003  vom  1. Juli  2004  E. 1.3  und  2C_442/2009  vom  5. Februar  2010 E. 2.3.2).  Grund  dafür  ist,  dass Berechnungsgrundlage  bildet, was der Verbraucher (Abnehmer) bereit oder verpflichtet ist, für die  erhaltene Leistung aufzuwenden, also aus Sicht des Empfängers beurteilt  wird,  was  zum  Entgelt  zu  zählen  ist  (oben  E. 2.2).  Zwischen  dem  Vorliegen  eines  mehrwertsteuerlichen  Leistungsaustausches  und  eines  Nichtumsatzes gibt es mit anderen Worten keine graduellen Abstufungen.  Entweder  befinden  sich  Leistung  und  Gegenleistung  in  einem  mehrwertsteuerlichen Synallagma, oder nicht. 2.5.  2.5.1.  In  Art. 33  Abs. 6  aMWSTG  führte  der  Gesetzgeber  beispielhaft  Tatbestände  auf,  die mehrwertsteuerlich  als  Nichtumsätze  gelten.  Nicht  zum  Entgelt  gehören  u.a.  Subventionen  und  andere  Beiträge  der  öffentlichen  Hand  (Art. 33  Abs. 6  Bst. b  aMWSTG).  Das  Bundesgericht  hat sich verschiedentlich mit der Abgrenzung von Subventionen (im Sinne 

A­1218/2011 mehrwertsteuerlicher  Nichtumsätze)  und  steuerbaren  Umsätzen  auseinandergesetzt  und  dabei  u.a.  festgehalten,  nach  ökonomischem  Verständnis  erfolge  eine  Subventionierung  ohne  entsprechende  marktwirtschaftliche  Gegenleistung.  Da  der  Staat  grundsätzlich  nicht  befugt  sei,  irgendetwas  zu  «verschenken»,  setze  die  Subvention  begriffsnotwendig  voraus,  dass  der  Subventionsempfänger  bestimmte  Aufgaben  erfülle,  die  dann  als  im  öffentlichen  Interesse  liegend  bezeichnet würden (BGE 126 II 443 E. 6c mit Hinweisen; vgl. auch BVGE  2010/6 E. 3.2.2).  Für  die Subvention  ist  demnach wesentlich,  dass  sich  der Empfänger  in einer Weise verhält und Aufgaben erfüllt, die dem mit  der Subventionierung verfolgten öffentlichen Zweck entsprechen und zur  Verwirklichung  dieses  Zweckes  geeignet  scheinen.  Abgesehen  von  dieser  Verhaltensbindung  steht  der  Subvention  keine  entsprechende,  wirtschaftlich  gleichwertige  Gegenleistung  gegenüber,  wie  das  für  die  Annahme einer steuerbaren Lieferung oder Dienstleistung  im Sinne von  Art. 5 und Art. 33 Abs. 1 und 2 aMWSTG vorausgesetzt wird. Aus diesem  Grund  fallen  Leistungen,  die  im  Rahmen  eines  Austauschverhältnisses  erbracht  werden,  wie  z.B.  eines  Kaufvertrags,  Werkvertrags  oder  Auftrags,  nicht  unter  den  Begriff  der  Subvention  (Urteil  des  Bundesgerichts 2C_105/2008 vom 25. Juni 2008 E. 3.2). 2.5.2.  Der  Gesetzgeber  legte  in  Art. 33  Abs. 6  Bst. b  aMWSTG  weiter  fest, Subventionen und andere Beiträge der  öffentlichen Hand gehörten  auch  dann  nicht  zum  Entgelt,  «wenn  sie  gestützt  auf  einen  Leistungsauftrag ausgerichtet werden». Der Begriff des Leistungsauftrags  kann  jedoch  nicht  mit  demjenigen  des  Leistungsaustausches  gleichgestellt  werden  (BGE  126 II 443 E. 6f).  Er  zeigt  lediglich  an,  dass  die  Subvention  voraussetzt,  dass  der  Subventionsempfänger  eine  im  öffentlichen Interesse liegende Aufgabe wahrnimmt und die Subvention in  der  Regel  davon  abhängig  gemacht  wird,  dass  die  Aufgabe  fortgeführt  wird. Insofern geht der Gesetzgeber auch hier von einer Bindungswirkung  der  Subvention  aus  (BGE  126 II 443  E. 6f;  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_105/2008  vom 25. Juni  2008 E. 3.3; BVGE 2010/6 E. 3.2.2). Anlass  für den Gesetzgeber zur Ergänzung des Art. 33 Abs. 6 Bst. b aMWSTG  gab  der  Umstand,  dass  Subventionen  zunehmend  aufgrund  sog.  Leistungsaufträge  ausgerichtet  wurden.  Bei  den  Subventionen  muss  namentlich  sichergestellt  sein,  dass  sie  im  vorgegebenen  öffentlichen  Interesse  verwendet  werden  und  der  Empfänger  der  Subvention  nicht  einseitig auf die Erfüllung der im öffentlichen Interesse liegenden Aufgabe  verzichtet. Das erfolgt durch Verfügungen oder Subventionsverträge und  die  Pflicht  zur  Berichterstattung.  Der  Leistungsauftrag  im  Sinne  von 

A­1218/2011 Art. 33  Abs. 6  Bst. b  aMWSTG  muss  deshalb  Subventionscharakter  haben, damit er keinen Leistungsaustausch bewirkt und in diesem Sinne  unschädlich ist im Hinblick auf die Qualifikation des öffentlichen Beitrages  als  Subvention  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2A.273/2004  vom  1. September  2005  E. 2.4  und  2C_105/2008  vom  25. Juni  2008  E. 3.3;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­8437/2007  vom  14.  Dezember  2009). 2.5.3.  Für  einen  Leistungsaustausch  (und  gegen  das  Vorliegen  einer  Subvention  im  mehrwertsteuerlichen  Sinne)  spricht  in  der  Regel  die  Tatsache,  dass  sich  das  Gemeinwesen  durch  die  Beitragsempfängerin  Leistungen  erbringen  lässt,  die  es  selber  zu  erbringen  hätte  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1442/2006  vom  11. Dezember  2007  E. 3.3, bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts 2C_105/2008 vom 25. Juni  2008  [Aids­Hilfe  Schweiz]).  Der  Grund  liegt  darin,  dass  die  Beitragsempfängerin,  die  vertraglich  zur  Bereitstellung  entsprechender  Leistungen  verpflichtet  wurde,  in  einem  solchen  Fall  –  anders  als  bei  Subventionen typisch – gerade nicht frei wählen kann, ob sie die Tätigkeit  ausüben  will  oder  nicht  (Urteil  des  Bundesgerichts  2A.273/2004  vom  1. September  2005  E. 3.2;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­6213/2007 vom 24. August 2009 E. 2.4.2). 2.5.4. Das Bundesverwaltungsgericht hat denn auch  in Fällen,  in denen  der  Staat  eine  ihm  gesetzlich  zugewiesene Aufgabe  an Dritte  übertrug,  das  Vorliegen  eines  Leistungsaustausches  zwischen  Staat  und  beauftragter Organisation regelmässig bejaht. So lag beispielsweise dem  Urteil  A­1346/2006  vom 4. Mai  2007  ein  Fall  zugrunde,  in welchem der  Kanton Bern eine Stiftung mit der Führung einer Schule zur Ausbildung  von Spitalpersonal beauftragte. Die Pflicht des Kantons zur Sicherstellung  des  entsprechenden  schulischen  Angebotes  ergab  sich  aus  dem  kantonalen  Spitalgesetz.  Die  Stiftung  wurde  vom  Kanton  u.a.  dazu  angehalten, die Schule entsprechend seinen Vorgaben der Gesundheits­  und  Fürsorgeplanung  zu  organisieren.  Die  vertraglich  festgehaltenen  Vorgaben  und Bedingungen waren  so  detailliert,  dass  die Stiftung  nicht  autonom darüber  entscheiden  konnte, wie  sie  die  Lehrtätigkeit  ausüben  und  welche  Bildungsinhalte  und  ­ziele  sie  vermitteln  wollte.  Das  Bundesverwaltungsgericht  erkannte  deshalb,  die  Stiftung  habe  eine  individualisierte  und  konkretisierte  Aufgabe  übernommen  und  nicht  lediglich  einen  –  wie  bei  Subventionen  üblich  –  allgemein  gehaltenen  Leistungsauftrag zu erfüllen, den sie auf eine selbst gewählte Weise hätte  ausführen können.

A­1218/2011 Weiter  ist  auf  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1626/2006  vom 20. April  2009 hinzuweisen, dem  folgende Konstellation  zu Grunde  lag: Versicherer  im Sinne des Bundesgesetzes vom 18. März 1994 über  die  Krankenversicherung  (KVG,  SR 832.10)  sind  aufgrund  von  Art. 19  Abs. 1  KVG  verpflichtet,  die  Verhütung  von  Krankheiten  zu  fördern.  Gestützt  auf  Art. 19  Abs. 2  KVG  errichteten  verschiedene  Versicherer  eine  Institution,  welcher  sie  alsdann  die  Erfüllung  dieses  Förderungsauftrages  übertrugen.  Den  Vorgang  zwischen  Versicherern  und  Institution  qualifizierte  das  Bundesverwaltungsgericht  ebenfalls  als  mehrwertsteuerlichen  Leistungsaustausch,  denn die Versicherer  kauften  bei der betroffenen Institution lediglich Leistungen ein, die geeignet seien,  ihre  eigene  gesetzliche  Leistungspflicht  (Förderung  der  Verhütung  von  Krankheiten)  zu  erfüllen  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1626/2006 vom 20. April 2009 E. 4.2.2). 2.6.  Neben  den  Subventionen  im  Sinne  von  Art. 33  Abs. 6  Bst. b  aMWSTG gehören gemäss Art. 33 Abs. 6 Bst. c aMWSTG auch Beiträge  zur  Unterstützung  der  wissenschaftlichen  Forschung  und  Entwicklung,  namentlich an Hochschulen und ähnlichen Forschungsinstitutionen, nicht  zum  Entgelt.  Jedoch  nur,  soweit  der  Beitragsempfänger  die  Forschung  oder  Entwicklung  nicht  im  Auftrag  und  für  die  Bedürfnisse  des  Beitragszahlers betreibt. Das bedeutet, dass Beiträge für Forschung und  Entwicklung, die  im Auftrag und  für die Bedürfnisse des Beitragszahlers  erfolgt, zum steuerbaren Entgelt gehören (vgl. Urteil des Bundesgerichts  2C_105/2008  vom  25. Juni  2008  E. 3.4  in  fine  [betreffend  der  gleichen  Formulierung bei den Subventionen]), was systemgerecht und folgerichtig  ist,  denn  sie  werden  regelmässig  im  mehrwertsteuerlichen  Leistungsaustausch stehen. Allerdings spricht einiges dafür, dass mit der  Formulierung «Subventionen und andere Beiträge der öffentlichen Hand»  alle  staatlichen Beiträge  bereits  abschliessend  von Art. 33 Abs. 6 Bst. b  aMWSTG  erfasst  sind  und  diese  Formulierung,  auf  die  abzustellen  ist  (vgl. BGE 131 II 697 E. 4.1), für die Anwendung von Art. 33 Abs. 6 Bst. c  aMWSTG  auf  staatliche  Beiträge  keinen  Raum  belässt.  Nach  dieser  Ansicht  regelt  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  einzig  die  mehrwertsteuerliche  Behandlung  von  Beiträgen  Privater  (vgl.  THOMAS  J. KAUFMANN,  in  mwst.com,  N 19  zu  Art. 33  Bst. c,  der  von  «privaten  Subventionen»  spricht  und  auf  die  Spenden  verweist).  Die  Frage,  ob  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  auch  staatliche  Beiträge  erfasst,  kann  vorliegend jedoch offen bleiben. 2.7. 

A­1218/2011 2.7.1.  Die  im  Sinne  von  Art. 33  Abs. 6  aMWSTG  nicht  zum  Entgelt  gehörenden  Beiträge  werden  auf  Verordnungsstufe  erläutert.  Kein  Leistungsaustausch  liegt  gemäss  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  aMWSTGV  namentlich  dann  vor,  wenn  im  Bereich  von  Forschungsbeiträgen  dem  Beitragszahler  kein  Exklusivanspruch  auf  die  Resultate  der  Forschung  zusteht. 2.7.2.  Bei  der  erwähnten  Bestimmung  von  Art. 8  Abs. 2  aMWSTGV  handelt  es  sich  materiell  um  eine  Vollziehungsverordnung.  Vollziehungsverordnungen  haben  den  Gedanken  des  Gesetzgebers  durch  Detailvorschriften  näher  auszuführen  und  auf  diese  Weise  die  Anwendbarkeit  der  Gesetze  zu  ermöglichen.  Sie  dürfen  das  auszuführende  Gesetz  –  wie  auch  alle  anderen  Gesetze  –  weder  aufheben  noch  abändern;  sie  müssen  der  Zielsetzung  des  Gesetzes  folgen  und  dürfen  dabei  lediglich  die  Regelung,  die  in  grundsätzlicher  Weise bereits im Gesetz Gestalt angenommen hat, aus­ und weiterführen  (BGE 136 I 29 E. 3.3 mit Hinweisen). Die Kompetenz der Exekutive zum  Erlass  solcher  Vollziehungsverordnungen  ergibt  sich  aus  der  allgemeinen,  ihr  von  der  Verfassung  eingeräumten  Vollzugskompetenz  (Art. 182  Abs. 2  BV;  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, N 139). 2.7.3.  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  aMWSTGV  vermag  demnach  die  in  Art. 33  Abs. 6 Bst. c aMWSTG statuierten Voraussetzungen  für die Behandlung  von  Beiträgen  für  Forschung  und  Entwicklung  –  seien  es  nun  ausschliesslich  private  oder  auch  staatliche  –  als  Nichtentgelt  näher  auszuführen,  aber  nicht  abzuändern.  Wenn  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  aMWSTGV  das  Vorliegen  eines  Leistungsaustauschs  für  den  Fall  verneint,  dass  der  Beitragszahler  keinen  Exklusivanspruch  auf  die  Resultate  der  Forschung  hat,  geschieht  dies  grundsätzlich  im  Rahmen  von  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  und  damit  zur  Beurteilung,  ob  im  Auftrag  und  für  die  Bedürfnisse  des  Beitragszahlers  geforscht  und  entwickelt wurde. Die Grundregel von Art. 33 Abs. 6 Bst. c aMWSTG zur  Abgrenzung  von Entgelt  und Nichtentgelt  im Bereich  von Beiträgen  zur  Unterstützung  der  wissenschaftlichen  Forschung  und  Entwicklung  wird  nicht berührt. 3.  3.1. Streitgegenstand bildet  vorliegend die  von der ESTV mit Entscheid  vom  4. September  2009  verfügte Mehrwertsteuerbelastung  in  der  Höhe  von Fr. 13'770.— für das 1. Quartal 2009. Im Kern ist strittig, ob aufgrund 

A­1218/2011 des zwischen der Beschwerdeführerin und dem BVET abgeschlossenen  Vertrages  ein  mehrwertsteuerlicher  Leistungsaustausch  stattfand.  Nicht  strittig sind die von der ESTV vorgenommene rechnerische Ermittlung der  allenfalls  geschuldeten  Mehrwertsteuer  und  die  Anwendung  eines  Pauschalsteuersatzes von 5.1%. Die Beschwerdeführerin macht sodann  nicht geltend, dem  im Sachverhalt  (oben A und B) dargestellten Vertrag  sei  in Wirklichkeit nicht bzw. anders als nachgelebt worden, als dies der  Wortlaut  vermuten  lässt.  Entsprechend  kann  für  die  nachfolgende  Beurteilung auf den Vertrag abgestellt werden. 3.2.  Vorab  ist  festzuhalten,  dass  der  vom  BVET  an  die  Beschwerdeführerin  ausbezahlte  Betrag  nicht  als  solcher  im  Sinne  von  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  (Beiträge  zur  Unterstützung  der  wissenschaftlichen Forschung und Entwicklung) gelten kann. Abgesehen  davon,  dass  die  Anwendung  von  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  auf  staatliche  Beiträge  ohnehin  fraglich  ist  (oben  E. 2.6),  könnte  selbst  bei  einer  Anwendung  dieser  Bestimmung  nichts  zu  Gunsten  der  Beschwerdeführerin  abgeleitet  werden.  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  nennt  nämlich  als  Kriterien  für  das  Vorliegen  eines  nicht  entgeltlichen  Vorganges,  dass  die  Beitragsempfängerin  die  Forschung  bzw.  Entwicklung nicht im Auftrag und für die Bedürfnisse des Beitragszahlers  durchführt.  Vorliegend wurde  jedoch  im Auftrag  und  für  die Bedürfnisse  des  BVET  geforscht,  was  sich  insbesondere  darin  zeigt,  dass  Art. 42  Abs. 1 des Tierseuchengesetzes vom 1. Juli 1966 (TSG, SR 916.40), auf  den sich der Vertrag ausdrücklich stützt, den Bund zur Erforschung und  Beschaffung  der  für  die  Anwendung  des  TSG  erforderlichen  wissenschaftlichen  Grundlagen  verpflichtet.  Der  Tatbestand  von  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  ist  demnach  schon  aus  diesem  Grund  nicht  erfüllt. 3.3. Nichts zu  ihren Gunsten abzuleiten vermag die Beschwerdeführerin  sodann  aus  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  aMWSTGV,  wonach  kein  Leistungsaustausch vorliege, wenn  im Bereich von Forschungsbeiträgen  dem  Beitragszahler  kein  Exklusivanspruch  auf  die  Resultate  der  Forschung  zusteht.  Davon  abgesehen,  dass  sich  diese  Verordnungsbestimmung  auf  Art. 33  Abs. 6  Bst. c  aMWSTG  bezieht,  dessen Anwendbarkeit wie erwähnt  fraglich  ist, vermag die Bestimmung  die  im  Gesetz  verankerten  Voraussetzungen  für  das  Vorliegen  eines  Leistungsaustausches  («im  Auftrag  und  für  die  Bedürfnisse  des  Beitragszahlers»)  nicht  abzuändern  (oben  E. 2.7.3).  Im  Übrigen  besagt  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  aMWSTGV  lediglich,  dass  dann  kein 

A­1218/2011 Leistungsaustausch  vorliege,  wenn  im  Bereich  von  Forschungsarbeiten  dem Beitragszahler kein Exklusivrecht «auf die Resultate der Forschung»  zustehe. Vorliegend aber haben die Beschwerdeführerin und das BVET  lediglich  bezüglich  den  Schutzrechten  des  geistigen  Eigentums  eine  spezielle  Regelung  getroffen  und  nicht  generell  bezüglich  sämtlicher  «Resultate  der  Forschung»,  wie  dies  Art. 8  Abs. 2  Bst. c  aMWSTGV  verlangte.  Schliesslich  ist  es  entgegen  der  in  Ziff. 2.9  der  Beschwerde  geäusserten  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  nicht  so,  dass  das  BVET  ausdrücklich  auf  die  Schutzrechte  des  geistigen  Eigentums  verzichtet  hätte.  Vielmehr  hielten  die  Vertragsparteien  fest,  alle  durch  Vertragserfüllung  entstehenden  Schutzrechte  des  geistigen  Eigentums  gehörten  den  Vertragspartnern  –  also  ihnen  gemeinsam  –  und  nicht  exklusiv  dem  Bund.  Das  Argument  der  Beschwerdeführerin,  die  ESTV  versuche  den  vorliegenden  Fall  lediglich  als  «Einkauf  einer  Leistung»  durch den Bund bzw. als «Outsourcing» darzustellen und vermeide eine  weiterführende  Würdigung,  insbesondere  unter  dem  Aspekt  der  wissenschaftlichen  Forschung  und  Entwicklung  gemäss  Art. 33  Abs. 6  Bst. c aMWSTG  in Verbindung mit Art. 8 Abs. 2 Bst. c aMWSTGV, geht  demnach fehl. 3.4.  Hingegen  erweist  sich  der  Hinweis  der  Beschwerdeführerin  als  korrekt, die ESTV selber habe bezüglich Art. 33 Abs. 6 Bst. c aMWSTG  (Forschung  und  Entwicklung)  in  ihrer  Branchenbroschüre  Nr. 19  («Bildung und Forschung», gültig ab 1. Januar 2008, abrufbar im Internet  unter  http://www.estv.admin.ch/mwst/dokumentation/00130/00221/index.html?l ang=de [zuletzt besucht am 25. Januar 2012]) unter Ziff. 9.2, 9.3 und 11  Beispiele aufgelistet,  in welchen die öffentliche Hand als Unterstützende  oder Geldgeberin auftrete. Unter Ziff. 9.1 der genannten Broschüre wird  Folgendes  ausgeführt:  «Bei  der  mehrwertsteuerlichen  Beurteilung  von  Forschungs­, Entwicklungs­ und Analysearbeiten spielt es keine Rolle, ob  die  Beiträge  von  der  öffentlichen  Hand  oder  von  der  Privatwirtschaft  ausgerichtet werden. Ebenfalls nicht von Bedeutung ist, ob das Ergebnis  einer  solchen  Leistung  vom  Auftraggeber  in  der  Folge  genutzt  werden  kann oder nicht». Unter Ziff. 9.2 der Broschüre wird als Beispiel  für eine  «Forschung als wissenschaftliche Dienstleistung» u.a. folgendes Beispiel  genannt: «Eine Universität erhält von einem Bundesamt den Auftrag, die  Auswirkungen  des  Ozonlochs  auf  die  Gesundheit  der  Bevölkerung  zu  untersuchen  (erforschen)».  Davon  abgesehen,  dass  eine  Branchenbroschüre  das  Bundesverwaltungsgericht  nicht  zu  binden  vermag  (BVGE  2010/33  E. 3.3.1),  bleibt  aber  nochmals  darauf  hin  http://www.estv.admin.ch/mwst/dokumentation/00130/00221/index.html?lang=de http://www.estv.admin.ch/mwst/dokumentation/00130/00221/index.html?lang=de

A­1218/2011 zuweisen,  dass  selbst  dann, wenn Art. 33 Abs. 6 Bst. c  aMWSTG auch  staatliche Beiträge zu erfassen vermöchte, die übrigen  in der nämlichen  Bestimmung aufgestellten Voraussetzungen vorliegend nicht erfüllt  sind,  denn die Beschwerdeführerin wurde – wie oben gezeigt – im Auftrag und  für die Bedürfnisse des BVET tätig. In der erwähnten Branchenbroschüre  wird  denn  auch  ausdrücklich  darauf  hingewiesen,  es  müsse  abgeklärt  oder  überprüft  werden,  ob  im  Auftrag  und  für  die  Bedürfnisse  des  Beitragszahlers  geforscht  wurde.  Die  Beschwerdeführerin  vermag  demnach aus der erwähnten Branchenbroschüre nichts zu ihren Gunsten  abzuleiten. 3.5.  Zu  prüfen  bleibt,  ob  die  fraglichen,  vom  BVET  an  die  Beschwerdeführerin  geleisteten  Beiträge  unter  die  Bestimmung  von  Art. 33  Abs. 6  Bst. b  aMWSTG  (Subventionen  und  andere  Beiträge  der  öffentlichen Hand) fallen. Diesbezüglich ist erneut zu beachten, dass sich  der  zwischen  BVET  und  Beschwerdeführerin  abgeschlossene  Vertrag  ausdrücklich  auf  Art. 42  TSG  stützte.  Ähnlich  wie  in  vom  Bundesverwaltungsgericht  früher  beurteilten  Fällen  (oben  E. 2.5.4),  waren  dabei  die  vertraglich  festgehaltenen  Vorgaben  und  Bedingungen  so  detailliert,  dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  eigentlich  autonom  darüber  entscheiden  konnte,  wie  sie  das  vom  BVET  bezahlte  Geld  einsetzte. Sie übernahm eine individualisierte und konkretisierte Aufgabe  und  musste  nicht  lediglich  einen  –  wie  bei  Subventionen  –  allgemein  gehaltenen  Leistungsauftrag  erfüllen,  den  sie  zudem  auf  eine  selbst  gewählte Weise  hätte  ausführen  können.  Das  BVET  verlangte  von  der  Beschwerdeführerin eine ganz bestimmte Gegenleistung und richtete die  Beiträge nicht lediglich zum Zwecke aus, bei ihr ein bestimmtes Verhalten  zu  veranlassen.  Es  ging  auch  nicht  bloss  darum,  die  Tätigkeit  der  Beschwerdeführerin zu unterstützten, zu  fördern oder zu  ihrer Erhaltung  beizutragen oder bloss die finanziellen Lasten der Beschwerdeführerin zu  mildern  oder  auszugleichen. Das Vorliegen  von Subventionen  im Sinne  mehrwertsteuerlicher Nichtumsätze  ist demnach zu verneinen. Zwischen  der  Beschwerdeführerin  und  dem  BVET  lag  gesamthaft  ein  mehrwertsteuerlicher Leistungsaustausch vor, den die ESTV zu Recht als  Auftrag  zum Betrieb  eines  Labors  qualifizierte  und mit Mehrwertsteuern  belastete. 4.  Demzufolge  ist  die  Beschwerde  vollumfänglich  abzuweisen.  Ausgangsgemäss  hat  die  unterliegende  Beschwerdeführerin  die  Verfahrenskosten  zu  tragen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Diese  sind  auf  Fr. 

A­1218/2011 2'500.—  festzulegen  (vgl.  Art. 2  Abs. 1  in  Verbindung  mit  Art. 4  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen.  Parteientschädigungen  sind  bei  diesem  Verfahrensausgang  nicht  zuzusprechen  (vgl.  Art. 64  Abs. 1  VwVG  e  contrario  und  Art. 7  Abs. 1  VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE).

A­1218/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  2'500.—  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Michael Beusch Urban Broger Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30  Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art.  82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

A-1218/2011 — Bundesverwaltungsgericht 24.01.2012 A-1218/2011 — Swissrulings