Skip to content

Zürich Obergericht Zivilkammern 06.10.2025 PF250043

October 6, 2025·Deutsch·Zurich·Obergericht Zivilkammern·PDF·1,653 words·~8 min·8

Summary

Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege

Full text

Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer Geschäfts-Nr.: PF250043-O/U Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. E. Lichti Aschwanden, Vorsitzende, Oberrichterin lic. iur. R. Bantli Keller und Oberrichter Dr. M. Sarbach sowie Gerichtsschreiber MLaw B. Lakic Beschluss und Urteil vom 6. Oktober 2025 in Sachen A._____, Gesuchsteller und Beschwerdeführer betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege Beschwerde gegen eine Verfügung der 1. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 12. August 2025 (ED250017)

- 2 - Erwägungen: 1.1. Der Beschwerdeführer reichte gegen die B._____ Stiftung (fortan: Stiftung) am 23. September 2021 beim Friedensrichteramt der Stadt Zürich, Kreise … + …, (fortan: Friedensrichteramt) ein Schlichtungsgesuch ein. Nachdem das Friedensrichteramt vom Beschwerdeführer gleichentags einen Kostenvorschuss verlangt hatte, ersuchte der Beschwerdeführer die Vorinstanz am 21. Oktober 2021 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren. Mit Urteil vom 13. Dezember 2022 wies die Vorinstanz das Gesuch ab (Geschäfts-Nr. ED210061). Auf die dagegen erhobene Beschwerde trat die Kammer mit Beschluss vom 6. März 2023 nicht ein (OGer ZH RU230002). Das Bundesgericht wies die dagegen gerichtete Beschwerde mit Entscheid vom 30. Oktober 2023 ab, soweit sie darauf eintrat (BGer 5A_276/2023; vgl. zur Prozessgeschichte bis dahin die vorstehend zitierten Entscheide; vgl. auch act. 6 E. I.2.). 1.2.1. Mit Verfügung vom 8. April 2025 setzte das Friedensrichteramt dem Beschwerdeführer erneut Frist an, um den Kostenvorschuss für das Schlichtungsverfahren zu leisten (act. 7/2/1). Daraufhin reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz wiederum ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren ein (act. 7/1). Mit Verfügung vom 12. August 2025 trat die Vorinstanz auf das Gesuch nicht ein (act. 7/10 = act. 3 = act. 6 [Aktenexemplar]). 1.2.2. Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. August 2025 (Datum der elektronischen Abgabe) rechtzeitig Beschwerde (act. 2, zur Rechtzeitigkeit act. 7/11). In prozessualer Hinsicht verlangt er die Sistierung des Beschwerdeverfahrens sowie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren (act. 2 Rechtsbegehren-Ziffer 1 und 3). 1.3. Die vorinstanzlichen Akten wurden von Amtes wegen beigezogen (act. 7/1-12). Das Verfahren ist spruchreif. Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers ist nur insoweit einzugehen, als sie für den Beschwerdeentscheid relevant sind.

- 3 - 2. Im Beschwerdeverfahren können die unrichtige Rechtsanwendung und die offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (Art. 320 ZPO). Die Beschwerde ist innerhalb der Rechtsmittelfrist schriftlich, begründet und mit Rechtsmittelanträgen versehen einzureichen (Art. 321 ZPO). Bei Rechtsmitteleingaben von Laien genügt als Antrag eine Formulierung, aus der sich mit gutem Willen herauslesen lässt, wie das Obergericht entscheiden soll. Zur Begründung reicht aus, wenn auch nur ganz rudimentär zum Ausdruck kommt, an welchen Mängeln der angefochtene Entscheid leidet bzw. weshalb der angefochtene Entscheid nach Auffassung der die Beschwerde führenden Partei unrichtig sein soll. Sind auch diese Voraussetzungen nicht gegeben, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Neue Anträge, neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel sind im Beschwerdeverfahren ausgeschlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO). 3. Die Vorinstanz hielt im Zusammenhang mit ihrem Nichteintretensentscheid zunächst fest, das erste Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sei wegen Aussichtslosigkeit abgewiesen worden. Ein neues Gesuch sei zum vornherein ausgeschlossen, da sich der der Klage zugrundeliegende Sachverhalt in der Vergangenheit zugetragen habe und somit keiner Veränderung mehr zugänglich sei; auch echte Noven bringe der Beschwerdeführer keine vor (act. 6 E. III.1.). Im Anschluss prüfte die Vorinstanz, ob der Beschwerdeführer unechte Noven anführen könne, womit sein Gesuch sinngemäss als Revisionsbegehren entgegenzunehmen wäre. In diesem Zusammenhang kam die Vorinstanz zusammengefasst zum Schluss, die Begründung für seine erneut vorgebrachten Behauptungen entspreche derjenigen in seinem ersten Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Diese Vorbringen des Beschwerdeführers zur Begründung seiner Klage seien somit weder neu, noch reiche er neue Unterlagen/Beweismittel dazu ein. Die genannten Vorbringen seien bereits mit Entscheid der Vorinstanz im Verfahren ED210061 vom 13. Dezember 2022 einer Prüfung unterzogen worden und es sei festgestellt worden, dass sie nicht überzeugend bzw. nicht nachvollziehbar seien. Selbst wenn die Begründung des erneuten Gesuches neue Elemente enthielte – was aufgrund der wirren Ausführungen des Beschwerdeführers nicht gänzlich ausgeschlossen werden könne –, so

- 4 sei auf jeden Fall klar, dass er nicht darlege, welche seiner Behauptungen neu sein sollen und weshalb er nicht in der Lage gewesen sein sollte, diese Behauptungen bereits in seinem ersten Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege einzubringen (act. 6 E. 2.2.2.). Auch in Bezug auf seine neuen Rechtsbegehren Ziffern 3 und 4, die auf Tatsachen beruhen würden, die bereits Gegenstand früherer Gerichtsverfahren gewesen seien, würden keine neuen Behauptungen und/oder Beweismittel zugrunde liegen (act. 6 E. 2.2.3.). 4.1. Der Beschwerdeführer kritisiert einleitend die Erwägungen der Vorinstanz zu ihrer Zuständigkeit und stellt sich auf den Standpunkt, es könne keine Zuständigkeit des Gerichts begründet werden in einem Prozess gegen eine Familienstiftung in Form eines verbotenen Familienfideikommisses. Soweit verständlich spricht er der B._____ Stiftung die Rechtspersönlichkeit ab (act. 2 S. 3 unten ff. sowie act. 2 S. 17 ff.). In diesem Zusammenhang ist allerdings (nochmals) in Erinnerung zu rufen, dass es der Beschwerdeführer selbst war, der die Klage beim Friedensrichteramt mit der Stiftung auf der Beklagtenseite eingereicht hatte (vgl. act. 7/2/1; vgl. bereits OGer ZH RU230002 vom 6. März 2023 E. II.2.2.). Er verhält sich widersprüchlich, wenn er nun geltend macht, die Stiftung, die er selbst eingeklagt hat, könne gar nicht eingeklagt werden. Dieses Verhalten mutet damit insoweit rechtsmissbräuchlich an. Zur Frage der Zuständigkeit und der Partei- bzw. Prozessfähigkeit kann im Übrigen auf die Erwägungen im Urteil der Kammer vom 6. März 2023 verwiesen werden; entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist nach wie vor davon auszugehen, dass die aktuell im Handelsregister eingetragene Stiftung identisch mit der früher eingetragenen Stiftung ist (OGer ZH RU230002 vom 6. März 2023 E. II.2.2.). Dass die fragliche juristische Person widerrechtliche Zwecke in Form eines Familienfideikommisses verfolge, bleibt eine unbelegte Konstruktion des Beschwerdeführers. Damit hat es sein Bewenden. 4.2. Der vorinstanzlichen Feststellung, der Beschwerdeführer lege nicht dar, welche seiner Behauptungen neu sein sollen und weshalb er nicht in der Lage gewesen sein sollte, diese Behauptungen bereits in seinem ersten Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege einzubringen, entgegnet dieser, diese Ausführungen seien widersprüchlich und mangelhaft: Die Vorinstanz gebe zu, dass seine Be-

- 5 gründung neue Elemente enthalte und diese Beweismittel nicht gänzlich ausgeschlossen werden könnten. Diese neuen Elemente erwähne die Vorinstanz jedoch nicht, damit das Urteil habe angefochten werden können (act. 2 S. 7). Inwiefern die einleitend wiedergegebene Feststellung der Vorinstanz falsch sein sollte, legt der Beschwerdeführer damit nicht dar; entgegen seiner Ansicht hat die Vorinstanz nicht festgehalten, seine Begründung enthalte neue Elemente und Beweismittel. Auf seine im Anschluss über mehrere Seiten gemachten Ausführungen über die von der Vorinstanz – angeblich – erwähnten und nicht beachteten Beweismittel (vgl. act. 2 S. 7 unten ff.), ist folglich nicht einzugehen. Die Behauptung, die fraglichen neuen Tatsachenvorbringen und Beweismittel seien durch das Rechtsmittelverfahren OGer ZH RU230002 veranlasst worden (act. 2 S. 9 unten f.), bringt der Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren zum ersten Mal vor. Aufgrund des Novenverbots ist er damit nicht zu hören. Mit der vorinstanzlichen Erwägung, wonach sein Rechtsbegehren Ziffer 3 durch die richterlichen Erwägungen im Urteil vom 2. April 2012 (Geschäfts- Nr. FV110277) motiviert sei, setzt sich der Beschwerdeführer schliesslich nicht auseinander. Vielmehr setzt er dieser Erwägung bloss entgegen, die Ansicht sei offensichtlich nicht richtig, da mit dem Urteil vom 2. April 2012 (Geschäfts- Nr. FV110277) das Konkursamt die Stiftung in den Kollokationsplan eingetragen habe (act. 2 S. 16 Mitte). Inwiefern die vorinstanzlichen Erwägungen – und insbesondere die Feststellung, im fraglichen Urteil sei festgehalten worden, der Beschwerdeführer habe den Straftatbestand von Art. 145 StGB erfüllt (act. 6 E. 2.2.3.) – falsch sein sollen, zeigt der Beschwerdeführer damit nicht ansatzweise auf. Dasselbe gilt im Zusammenhang mit der vorinstanzlichen Erwägung in Bezug auf das Rechtsbegehren Ziffer 4 des Beschwerdeführers, der diese bereits im Verfahren CG210071 erhoben habe (act. 6 E. 2.2.3.) 4.3. Was die – angeblich – neuen Tatsachen über die aktuell eingetragene Stiftung als Familienfideikommiss betrifft (vgl. act. 2 S. 18 f.), so kann auf die vorstehende Erwägung 4.1. verwiesen werden. Im Übrigen blieb auch hier offen, weshalb er seine neuen Behauptung nicht bereits im Rahmen des ersten Verfahrens um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege vorbringen konnte.

- 6 - 4.4. Schliesslich kann der Vorinstanz auch keine Rechtsverweigerung bezüglich des Antrags auf Sistierung vorgeworfen werden (act. 2 S. 3 unten), zumal sie mit ihrem Nichteintretensentscheid in der Sache selbst – zumindest implizit – auch über den diesen Antrag entschieden hat. 4.5. Zusammengefasst ist die Beschwerde abzuweisen. Der prozessuale Antrag auf Sistierung des Beschwerdeverfahrens ist damit gegenstandslos und abzuschreiben. 5.1. Ausgangsgemäss wird der Beschwerdeführer für das zweitinstanzliche Verfahren kostenpflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 95 ZPO). Die Gerichtsgebühr für das zweitinstanzliche Verfahren ist in Anwendung von § 12 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit § 3 Abs. 1 sowie § 8 Abs. 1 GebV OG auf CHF 500.– festzusetzen und dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Eine Parteientschädigung beantragt der Beschwerdeführer nicht und wäre ihm ohnehin infolge seines Unterliegens nicht zuzusprechen. 5.2. Der Beschwerdeführer beantragt für das Beschwerdeverfahren die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Rechtsbegehren Ziffer 3). Das Gesuch ist jedoch ohne Weiteres abzuweisen, zumal die Beschwerde nach dem Dargelegten als aussichtslos im Sinne von Art. 117 lit. b ZPO zu qualifizieren ist. Es wird beschlossen: 1. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren wird abgewiesen. 2. Der Antrag auf Sistierung des Beschwerdeverfahrens wird abgeschrieben. 3. Schriftliche Mitteilung und Rechtsmittel mit nachfolgendem Erkenntnis. Es wird erkannt: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

- 7 - 2. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf CHF 500.– festgesetzt und dem Beschwerdeführer auferlegt. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Schriftliche Mitteilung an den Beschwerdeführer, an das Friedensrichteramt der Stadt Zürich, Kreise … + …, sowie an das Bezirksgericht Zürich, je gegen Empfangsschein. Die erstinstanzlichen Akten gehen nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist an die Vorinstanz zurück. 5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um eine vermögensrechtliche Angelegenheit. Der Streitwert beträgt CHF 600'000.–. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer Der Gerichtsschreiber: MLaw B. Lakic versandt am:

PF250043 — Zürich Obergericht Zivilkammern 06.10.2025 PF250043 — Swissrulings