318 RVJ / ZWR 2013 Strafprozessrecht - Beweise - Rechtsmittel - KGE (Einzelrichter der Strafkammer) vom 18. Februar 2013, X. c. Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis - TCV P3 12 134 Beweisentscheid im Untersuchungsverfahren: Anfechtbarkeit, Beweisverwertungsverbot - Die Beschwerde gegen die Ablehnung von Beweisanträgen durch die Staatsanwaltschaft ist ausnahmsweise zulässig, wenn der Beschwerdeführer zu begründen bzw. nachzuweisen vermag, dass der strittige Beweis für den Ausgang des Strafverfahrens erheblich und dessen spätere Abnahme vor dem erstinstanzlichen Gericht voraussichtlich ausgeschlossen ist (Art. 139 Abs. 1 und 2 [e contrario], Art. 318 sowie Art. 394 lit. b StPO; E. 1c). - Grundsätzlich entscheidet das Sachgericht, eventuell auf Vorfrage einer Partei, über die Verwertbarkeit erhobener Beweise (Art. 140 f., Art. 339 Abs. 1 lit. d und Art. 350 Abs. 2 StPO); ausser bei einem krassen Fall eines eindeutigen Beweisverwertungsverbots besteht kein Rechtsschutzinteresse, diese Frage in einem vorgängigen Beschwerdeverfahren klären zu lassen (E. 1d). Décision sur preuve en procédure d’instruction: voie de droit, interdiction d’utiliser une preuve - Le recours contre le rejet d’une preuve par le ministère public est admissible à titre exceptionnel, lorsque le recourant est en mesure de motiver, respectivement de prouver, que l’administration de la preuve litigieuse est susceptible d’influer sur l'issue de la procédure pénale et que sa mise en œuvre ultérieure devant le tribunal de première instance est vraisemblablement exclue (art. 139 al. 1 et 2 a contrario, art. 318 et 394 let. b CPP ; consid. 1c). - En principe, c’est au tribunal compétent qu’il appartient de statuer, le cas échéant, sur la question préalable d’une partie, au sujet du caractère exploitable des preuves recueillies (art. 140 ss, art. 339 al. 1 let. d et art. 350 al. 2 CPP). A l’exception du cas flagrant d’une évidente interdiction d’exploiter une preuve, il n’y a pas d’intérêt juridique protégé à faire examiner cette question dans une procédure de recours antérieure (consid. 1d).
Aus den Erwägungen
1. c) Die Beschwerde richtet sich einerseits gegen den ablehnenden Beweisergänzungsentscheid (Art. 139 ff. StPO) vom 20. Juli 2012. Art. 318 Abs. 3 StPO hält fest, dass Mitteilungen nach Abs. 1 und Entscheide nach Abs. 2 nicht anfechtbar sind. Art. 394 lit. b StPO bestimmt ausserdem, dass gegen die Ablehnung von Beweisanträgen durch die Staatsanwaltschaft keine Beschwerde erhoben werden kann, ausser wenn der Antrag vor dem erstinstanzlichen Gericht nicht
RVJ / ZWR 2013 319 ohne Rechtsnachteil wiederholt werden kann. Die Lehre ist sich einig, dass die Ausnahmebestimmung gemäss Art. 394 lit. b StPO auch auf Entscheide nach Art. 318 Abs. 2 und 3 StPO anzuwenden ist, d.h. dass ablehnende Beweisentscheide ausnahmsweise dann angefochten werden können, wenn der Partei ansonsten ein Rechtsnachteil drohen würde (Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2009 [zit. Praxiskommentar], N. 9 zu Art. 318 StPO; Schmid, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich/St.Gallen 2009 [zit. Handbuch], N. 1245 FN 11; Cornu, in: Kuhn/Jeanneret [Hrsg.], Commentaire Romand, Code de procédure pénale suisse, Basel 2011, N. 19 zu Art. 318 StPO; Landshut, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], Zürich 2010, N. 13 zu Art. 318 StPO; Steiner, Basler Kommentar, N. 14 zu Art. 318 StPO). Mithin ist eine Beschwerde gegen die Ablehnung von Beweisanträgen nicht generell ausgeschlossen, sondern lediglich dann, wenn der Beweisantrag vor dem erstinstanzlichen Gericht ohne Rechtsnachteil wiederholt werden kann (ZWR 2012 S. 322 E. 1/b/bb). Der Begriff „Rechtsnachteil“ ist nicht formal, sondern materiell auszulegen. Ist beispielsweise ein Zeuge hoch betagt, schwer erkrankt oder ist mit seiner Ausreise in ein Land ohne staatsvertraglich vorgesehene Rechtshilfemöglichkeit zu rechnen, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass eine Beweisabnahme vor Gericht aus tatsächlichen Gründen nicht durchgeführt werden kann. In diesen Fällen soll die Beschwerde gegen eine Abweisung eines Beweisantrages zugelassen werden (vgl. Keller, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., N. 3 zu Art. 394 StPO). Es geht dabei nur um Fälle von drohenden, nicht oder nur schwer wieder gutzumachenden Nachteilen. Der Nachweis des drohenden und schwer wiegenden Beweisverlusts obliegt dem Beschwerdeführer. Somit hat der Beschwerdeführer einerseits zu begründen, weshalb der beantragte (und von der Staatsanwaltschaft abgelehnte) Beweis von entscheidender Bedeutung für das Verfahren ist und nicht unter Art. 139 Abs. 2 StPO fällt, und andererseits muss er den Nachweis erbringen, dass ein Zuwarten mit der Beweisabnahme aller Voraussicht nach zu einem Beweisverlust führen würde (vgl. Stephenson/Thiriet, Basler Kommentar, N. 6 zu Art. 394 StPO; vgl. zum Ganzen auch Schmid, Handbuch, N. 1515; ders., Praxiskommentar, N. 3 zu Art. 394 StPO).