KGE (Strafgericht I) vom 12. Juni 2008 i.S. X. c. Y. (Berufung). Anforderungen an die Berufung in Strafsachen bei Mehrfachbegründung des angefochtenen Entscheids (Art. 185 Ziff. 2 StPO). Beruht der vorinstanzliche Entscheid auf zwei selbstständigen Begründungen und wird bloss eine davon beanstandet, so ist die Berufung nicht gehörig begründet und das Kantonsgericht tritt folglich darauf nicht ein. Exigences de contenu de l’appel pénal en cas de motivation multiple de la décision attaquée (art. 185 ch. 2 CPP). Dans la mesure où la décision de l’instance précédente repose sur deux motifs indépendants et que seul l’un d’eux est contesté, l’appel n’est pas motivé en bonne et due forme et, par conséquent, le Tribunal cantonal n’entre pas en matière. Aus den Erwägungen (...) c) Die prozessuale Verpflichtung nach Art. 185 Ziff. 2 StPO, das Rechtsmittel zu begründen, verlangt, dass der Berufungskläger bei einer Mehrfachbegründung des angefochtenen Urteils jede einzelne Begründung anficht. Beruht der vorinstanzliche Entscheid also auf zwei selbstständigen Begründungen, die je für sich den Ausgang des Rechtsstreits besiegeln, und wird bloss eine davon beanstandet, so ist die Berufung nicht gehörig begründet. Diesfalls tritt das Kantonsgericht auf die Berufung nicht ein; das erstinstanzliche Urteil bleibt der Überprüfung durch die Rechtsmittelinstanz entzogen, weil es aufgrund der nicht kritisierten Begründung Bestand hat (BGE 133 IV 119; 121 IV 94, 121 III 46, 131 III 595 E. 2.2, Bundesgerichtsurteil 1C_77/2007 vom 27. August 2007 E. 4.1; ZWR 2003 S. 315 f., 2002 S. 193 f., 2001 S. 169 f.; Piquerez, Traité de procédure pénale suisse, 2. A., Genf/Zürich/Basel 2006, § 167 N. 1353/4; Merz, Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, N. 73 zu Art. 42 BGG). Der Bezirksrichter erwog, der Beschuldigte habe bloss fahrlässig gehandelt, womit die Sachbeschädigung straflos bleibe. Aber selbst bei Annahme einer eventualvorsätzlichen Sachbeschädigung bleibe sein Verhalten gemäss Art. 14 StGB i.V.m. Art. 240 SchKG rechtmässig. Mithin beruht der Freispruch auf einer doppelten, alternativen Begründung. In seiner Berufung beanstandet der Strafkläger ausschliesslich die dem Beschuldigten zugestandene Fahrlässigkeit, wobei er zumindest Eventualvorsatz als gegeben erachtet. Die Alternativbegründung, wonach die Handlung des Betreibungs- und Konkursbeamten gemäss Art. 14 StGB aufgrund seiner Pflichten laut SchKG gesetzlich erlaubt gewesen sei, ficht er demgegenüber mit keinem Wort an. Im Sinne der obigen Erwägungen ist demzufolge auf die Berufung nicht einzutreten. 324 RVJ/ZWR 2008 ceg Texte tapé à la machine KGVS P1 07 88 ceg Texte tapé à la machine
Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 12.06.2008 P1 07 88
Summary
KGE (Strafgericht I) vom 12. Juni 2008 i.S. X. c. Y. (Berufung). Anforderungen an die Berufung in Strafsachen bei Mehrfachbegründung des angefochtenen Entscheids (Art. 185 Ziff. 2 StPO). Beruht der vorinstanzliche Entscheid auf zwei selbstständigen Begründungen und wird bloss eine davon beanstandet, so ist die Berufung nicht gehörig begründet und das Kantonsgericht tritt folglich darauf nicht ein. Exigences de contenu de l’appel pénal en cas de motivation multiple de la déci- sion attaquée (art. 185 ch. 2 CPP). Dans la mesure où la décision de l’instance précédente repose sur deux motifs indé- pendants et que seul l’un d’eux est contesté, l’appel n’est pas motivé en bonne et due forme et, par conséquent, le Tribunal cantonal n’entre pas en matière. Aus den Erwägungen (...) c) Die prozessuale Verpflichtung nach Art. 185 Ziff. 2 StPO, das Rechtsmittel zu begründen, verlangt, dass der Berufungskläger bei einer Mehrfachbegründung des angefochtenen Urteils jede einzelne Begrün- dung anficht. Beruht der vorinstanzliche Entscheid also auf zwei selbst- ständigen Begründungen, die je für sich den Ausgang des Rechtsstreits besiegeln, und wird bloss eine davon beanstandet, so ist die Berufung