RVJ / ZWR 2014 9 Bauwesen - KGE (öffentlichrechtliche Abteilung) A1 12 206 vom 8. Mai 2013 Baubewilligung: Orts- und Landschaftsbild; Ästhetikklausel - Aufstellen von Plakatgerüst mit Werbefläche. Die kantonalen Vorschriften zum Ortsund Landschaftsbild beschränken sich nicht auf ein blosses Verunstaltungsverbot, sondern verlangen positiv eine Eingliederung, die eine befriedigende Gesamtwirkung ergibt. Den Behörden kommt praxisgemäss ein erheblicher Beurteilungsspielraum zu (Art. 17 Abs. 1 BauG, Art. 24 lit.d und e BauV; E. 4). - Untersagt sind Strassenreklamen, welche die Verkehrssicherheit beeinträchtigen könnten (Art. 6 Abs. 1 SVG, Art. 95 ff. SSV, Art. 188 Abs. 1 StrG; E. 5). - Die Bauverweigerung ist verhältnismässig und mit der Eigentumsgarantie und der Wirtschaftsfreiheit vereinbar (Art. 26, 27 und 36 BV; E. 6). Autorisation de construire : protection des sites et du paysage ; clause d’esthétique - Installation d'une structure pour affiches publicitaires. Les prescriptions cantonales en matière de protection des sites et du paysage ne se limitent pas à interdire toute altération, mais exigent positivement une intégration aboutissant à un effet d’ensemble satisfaisant. Selon la pratique, une marge d’appréciation considérable est reconnue aux autorités dans ce domaine (art. 17 al. 1 LC, art. 24 let. d et e OC ; consid. 4). - Des publicités susceptibles de mettre en danger la sûreté du trafic sont interdites le long des routes (art. 6 al. 1 LCR, art. 95 ss OSR, art. 188 al. 1 LR ; consid. 5). - Le refus d’autorisation de construire est proportionné et compatible avec la garantie de la propriété et la liberté économique (art. 26, 27 et 36 Cst. ; consid. 6).
Erwägungen (…) 4. Die Beschwerdeführerin rügt, die Auffassung der Vorinstanzen, das in diesem Format vorgesehene Plakat beeinträchtige das Ortsund Landschaftsbild, sei unhaltbar und sachlich nicht begründet. 4.1 Die Vorschriften über die Ästhetik bezwecken als baurechtliche Gestaltungsvorschriften – entsprechend den Planungsgrundsätzen von Art. 3 Abs. 2 lit. b und Art. 17 des Bundesgesetzes vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG, SR 700) den Schutz des Landschafts-, Orts- und Strassenbildes, der historischen Stätten sowie der Natur- und Kunstdenkmäler. Generalklauseln enthalten meist ein allgemeines Verunstaltungs- oder Beeinträchtigungsverbot (negative ästhetische Generalklausel) oder verlangen eine gute Einordnung oder befriedigende Gesamtwirkung (positive
10 RVJ / ZWR 2014 ästhetische Generalklausel; ZBl 8/2006, S. 426 f.). Ästhetikvorschriften sind somit baurechtlich materiellrechtliche Vorschriften, die eine eigenständige Bedeutung haben und durchaus zur Verweigerung oder Reduktion einer Baubewilligung oder zu bestimmten Auflagen führen können (Walter Haller/Peter Karlen, Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht, 3. A., Zürich 1999, N. 653; Peter Hänni, Planungs-, Bauund besonderes Umweltschutzrecht, 4. A., S. 303; BGE 115 Ia 370 E. 5; Urteil des Kantonsgerichts A1 09 49 vom 17. Juli 2009 E. 4b). Solche Vorschriften finden sich im kantonalen und kommunalen Baurecht. 4.2 Gemäss Art. 44 lit. a des kommunalen Bau- und Zonenreglements vom 6. November 2000 (BZR), vom Staatsrat homologiert am 10. April 2002, sowie nach Art. 17 Abs. 1 des kantonalen Baugesetzes vom 8. Februar 1996 (BauG; SGS/VS 705.1) müssen sich Bauten und Anlagen namentlich hinsichtlich Grösse, Stellung, Material und Farbe in die bauliche und landschaftliche Umgebung derart einordnen, dass eine befriedigende Gesamtwirkung entsteht. Nach Art. 24 lit. d und e BauV sind Bauten und Anlagen zu bewilligen, wenn sie in ästhetischer Hinsicht befriedigen und das Orts- und Landschaftsbild nicht beeinträchtigen. 4.3 Die kommunalen und kantonalen Vorschriften beschränken sich nicht auf ein blosses Verunstaltungsverbot, sondern verlangen beide positiv eine Eingliederung, die eine befriedigende Gesamtwirkung ergibt (Einordnungs- oder Eingliederungsgebot; Walter Haller/Peter Karlen, a.a.O., N 653; Marcel Steiner, Die Ästhetikgeneralklauseln, in: Baurecht, 1994, S. 118). Ein solches Eingliederungsgebot geht weiter als das blosse Verunstaltungsverbot, welches eine Bauverweigerung nur rechtfertigt, wenn eine eigentliche Verunstaltung bewirkt wird. Verlangt das Gesetz ausdrücklich eine positiv gute Gestaltung zur Sicherstellung einer befriedigenden Gesamtwirkung, so dürfen strengere Massstäbe angelegt werden. Das Eingliederungsgebot erfasst Beeinträchtigungen schlechthin (Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 9/10 N. 13). Die positive, einordnende architektonische Gestaltung hat sicherzustellen, dass für die Bauten selbst und auch für das Ensemble und die bauliche und landschaftliche Umgebung eine gute Gestaltung und eine befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird. Bei der Beurteilung darf die Behörde jedoch nicht auf ein beliebiges, subjektives architektonisches Empfinden oder Gefühl abstellen, sondern hat sich