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Bundesverwaltungsgericht 29.08.2011 E-966/2010

August 29, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,080 words·~10 min·3

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Januar 2010

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­966/2010 Urteil   v om   2 9 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Walter Stöckli,    Gerichtsschreiber Simon Thurnheer. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan,   vertreten durch lic. iur. Pascale Bächler, Beratungsstelle für  Asylsuchende, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Januar  2010 / N (…).

E­966/2010 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer,  zuletzt wohnhaft  in B._______, Provinz Parwan,  gelangte eigenen Angaben zufolge über Kabul, durch Pakistan, den Iran,  die Türkei,  via Griechenland nach Frankreich und  reiste  von dort  am 6.  September 2007  in die Schweiz ein, wo er gleichentags ein Gesuch um  Asyl stellte.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  zur  Person  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) C._______ vom 17. September 2007 und der  kantonalen Anhörung  vom 4. Dezember 2007  im Wesentlichen geltend,  sein Vater  sei  von seinem  (späteren) Stiefvater ermordet worden,  seine  Mutter  habe  sich  gezwungen  gesehen,  seinen  (späteren)  Stiefvater  zu  heiraten,  der  Beschwerdeführer  sei  daraufhin  mit  seinem  Stiefvater,  seinen  beiden Halbgeschwistern  und  seiner Mutter  aufgewachsen,  sein  Stiefvater  habe  ihn  bei  Tag  und  bei  Nacht  zum  Teppichknüpfen  gezwungen  und  ihm  Schulbildung  verwehrt,  er  habe  ihn  ausserdem  misshandelt,  oft  geschlagen,  einmal mit  einem Stück Holz,  so  dass  der  Beschwerdeführer  über  Stunden  bewusstlos  gewesen  sei.  Zudem  habe  er  ihn einmal vom Dach gestossen, so dass sich der Beschwerdeführer  (…)  verletzt  habe,  und  habe  ihn  (…)  verbrannt.  Seine Mutter  habe  ihm  mitgeteilt, der Stiefvater wolle ihn töten, und habe ihm zur Flucht geraten.  Daraufhin habe er sich zu seinem (…) in Kabul begeben, von wo er seine  Flucht aus Afghanistan angetreten habe. B.  Aufgrund  seiner  damaligen  Minderjährigkeit  wurde  mit  Beschluss  vom  5. November 2007 gemäss Art. 17 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni  1998 (AsylG, SR 142.31) und Art 7 der Asylverordnung 1 vom 11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  von  der  Vormundschaftsbehörde  Basel­Stadt  eine  Beistandschaft  errichtet,  welche nach Erreichen der Mündigkeit am (…) wieder aufgehoben wurde. C.  Mit Verfügung vom 15. Januar 2010 lehnte das BFM das Asylgesuch mit  der Begründung, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft  nicht,  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug der Wegweisung an.

E­966/2010 D.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  17.  Februar  2010  (Poststempel)  erhob  der  Beschwerdeführer  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  mit  den  Begehren, unter Aufhebung der Verfügung sei die Flüchtlingseigenschaft  anzuerkennen  und  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  der  Wegweisungsvollzug  für  unzumutbar  zu  erklären  und  die  vorläufige  Aufnahme anzuordnen.  In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer, es sei  ihm  die  unentgeltliche  Prozessführung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  zu  gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Seine  Bedürftigkeit  belegte  der  Beschwerdeführer  mit  einer  Fürsorgebestätigung  vom  28.  Januar 2010.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  und  die  damit  eingereichten  Dokumente  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen. E.  Mit Zwischenverfügung vom 23. Februar 2010 trat das Bundesgericht auf  die  Beschwerde  ein.  Auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtete es und verfügte,  dass über das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen  Prozessführung  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden  werde. F.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  11.  Mai  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  die  Kopie  eines  Lehrvertrages  vom  3.  Februar  2010  ein,  wonach  er  per  2.  August  2011  eine  Lehrstelle  zum  (…)  antreten  werde. G.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  30.  Juni  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  einen  Bericht  einer  Fachpsychologin  für  Psychotherapie,  bei  der  er  (…)  in  psychotherapeutischer  Behandlung  gewesen sei, ein. Darin wird ihm eine (…) attestiert.

E­966/2010 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4.  Auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels  wurde  vorliegend  verzichtet (vgl. Art. 111a Abs. 1 AsylG). 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 

E­966/2010 3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 3.3  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft,  wenn  sie  genügend  substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen  Punkten  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber  hinaus  muss  die  asylsuchende  Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  sie  ihre  Vorbringen  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt,  aber  auch dann nicht, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt  oder  unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder  die nötige Mitwirkung verweigert.  Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatze zum strikten Beweis  – ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Eine  Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn der Richter von ihrer  Wahrheit  nicht  völlig  überzeugt  ist,  sie  aber  überwiegend  für  wahr  hält,  obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht  es  demgegenüber  nicht  aus,  wenn  der  Inhalt  der  Vorbringen  zwar  möglich  ist,  aber  in Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und  überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte 

E­966/2010 Sachverhaltsdarstellung  sprechen.  Entscheidend  ist  im  Sinne  einer  Gesamtwürdigung,  ob  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht;  dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 21 E. 6.1 mit weiteren Hinweisen). 4. Das  BFM  hielt  die  Sachverhaltsdarstellung  des  Beschwerdeführers  für  nicht  glaubhaft,  weil  es  an  seinen  Ausführungen  Realitätskennzeichen  vermisste,  wie  etwa  detaillierte  Schilderung,  ein  freies  assoziatives  Erzählen,  Interaktionsschilderung  (z.B.  Dialoge)  oder  inhaltliche  Besonderheiten. Das BFM stellte fest, dass Realitätskennzeichen solcher  Art bei der Schilderung der Asylgründe vollständig fehlten, die Aussagen  des  Beschwerdeführers  wiesen  keinerlei  Detailreichtum  auf  und  es  fehlten individualisierte Aussagen, welche seine persönliche Betroffenheit  oder  ein  individualisiertes  Reaktionsmuster  zum  Ausdruck  bringen  würden.  Ausserdem  wies  das  BFM  auf  verschiedene  Widersprüche  zwischen  Aussagen,  die  bei  der  Befragung  zur  Person  gemacht  wurden,  und  solchen  anlässlich  der  Anhörung  gemäss  Art.  29  AsylG  hin.  Für  den  Inhalt  dieser  Widersprüche  wird  auf  die  Ausführungen  in  der  vorinstanzlichen Verfügung verwiesen. Den  Wahrheitsgehalt  wesentlicher  Vorbringen  zog  die  Vorinstanz  auch  deshalb  in  Zweifel,  weil  sie  ohne  zwingenden  Grund  erst  im  späteren  Verlauf  des  Verfahrens  geltend  gemacht  worden  seien  und  dabei  nicht  lediglich Konkretisierungen bereits dargelegter Ereignisse darstellten. So  wies  sie  darauf  hin,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  EVZ­Befragung  angegeben  habe,  sein  Stiefvater  habe  ihn  misshandelt,  mehrmals  geschlagen  und  (…)  verbrannt,  bei  der  Anhörung  dagegen  weitere,  schwere Misshandlungen vorgebracht habe, nämlich sein Stiefvater habe  ihn  einmal mit  einem Stück  Holz  auf  den  Kopf  geschlagen,  so  dass  er  über  mehrere  Stunden  bewusstlos  gewesen  sei,  und  habe  ihn  einmal  vom Dach  gestossen,  so  dass  er  sich  an  (…) Verletzungen  zugezogen  habe.  Für  das  BFM  war  nicht  ersichtlich,  aus  welchem  Grunde  der  Beschwerdeführer diese schwerwiegenden Misshandlungen in der ersten  Befragung nicht hätte angeben sollen. Es ging daher davon aus, dass es  sich  dabei  um  nachgeschobene  Vorbringen  handle,  mit  denen  der 

E­966/2010 Beschwerdeführer  seinen  Asylgründen  mehr  Gewicht  zu  verleihen  versucht habe.

E­966/2010 5.  5.1. Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe geltend,  er  habe  als  typisches  Symptom  seines  Traumas  eine  Vermeidungsstrategie  verfolgt,  ferner  sei  es  ihm  aufgrund  fehlender  Schulbildung,  seiner  familiären  Umstände  und  aus  Schamgefühl  schwergefallen,  über  seine  Erlebnisse  mit  Fremden  zu  sprechen;  die  Narben und die Verbrennungen seien überdies klar sichtbarer Beweis für  die Misshandlungen. Diese Erklärungsversuche vermögen die vom BFM  angeführten Zweifel  an der Glaubhaftigkeit  nicht  gänzlich auszuräumen.  Die  Durchsicht  der  Befragungsprotokolle  vermittelt  auch  dem  Bundesverwaltungsgericht  das Bild wenig  substanziierter Aussagen,  die  den  Eindruck  persönlicher  Betroffenheit  vermissen  lassen.  Den  Verbrennungswunden  und  Narben  als  solchen  kommt  zudem  geringe  Beweiskraft  zu,  da  sie  keinen  Aufschluss  darüber  geben,  auf  welche  Weise und durch wen sie entstanden sind.  Im Übrigen kann von einem  Asylsuchenden  erfahrungsgemäss  erwartet  werden,  dass  er  alle  seine  Gründe, die ihn zur Ausreise aus seinem Heimatland gezwungen haben,  mindestens ansatzweise bereits  in der Erstbefragung vorträgt und in der  Lage  ist,  bei  den  Anhörungen  auf  eine  seinem  Bildungsgrad  entsprechende  Weise  darüber  im  Wesentlichen  widerspruchsfrei  zu  berichten. Letztlich  kann  indessen  die  Frage  der  Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Behelligungen  durch  den  Stiefvater  offen  gelassen  werden.  Denn  selbst  wenn  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  Glauben  geschenkt  wird,  müsste  dies,  wie  nachfolgend  aufzuzeigen  ist,  zur  Verneinung  seiner  Flüchtlingseigenschaft  führen,  da  die  Vorbringen  gemäss Art. 3 AsylG nicht asylrelevant sind. So wird als Flüchtling eine ausländische Person anerkannt, wenn sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  wo  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer  Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Grundsätzlich  muss  eine  Verfolgung  solcher  Art  dem Staat  zurechenbar  sein,  um  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen.  Unter  Umständen  kann  die  Flüchtlingseigenschaft auch dann erfüllt  sein, wenn eine Verfolgung von 

E­966/2010 nichtstaatlicher  Seite  geltend  gemacht  wird.  Dies  gilt  dann,  wenn  der  betreffende  Staat  weder  fähig  noch  willens  ist,  dem  Verfolgten  ausreichenden  Schutz  zu  gewähren.  Nach  Lehre  und  Rechtsprechung  erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von  Art.  3  AsylG,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt zu werden drohen und vor denen  sie  keinen  ausreichenden  staatlichen Schutz  erwarten  kann  (vgl.  BVGE  2007/31  E. 5.2  f.  und  2008/4  E. 5  sowie  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte  Rechtsprechung  der  [damaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  in  EMARK  1995  Nr.  2  E. 3a,  2006  Nr.  18  E. 7­10  und  Nr.  32  E. 8.7).  Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  nach Art. 3  AsylG  ist  schliesslich  nicht die Situation zum Zeitpunkt der Ausreise, sondern die Situation zum  Zeitpunkt des Asylentscheides, wobei allerdings erlittene Verfolgung oder  begründete Furcht vor Verfolgung im Zeitpunkt der Ausreise Hinweis auf  weiterbestehende  Gefährdung  sein  kann  (BVGE  2008/4  E. 5.4  mit  weiteren Hinweisen). Vorliegend  macht  der  Beschwerdeführer  weder  eine  Verfolgung  von  staatlicher  Seite  noch  eine  solche  aus  den  oben  angeführten  asylrelevanten Gründen geltend. Vielmehr beschreiben seine Vorbringen  eine  Verfolgung  von  einem  Privatmann  aus  rein  privaten  Gründen.  Ein  Verfolgungsmotiv  aus  einem  der  in  Art.  3  Abs.  1  AsylG  aufgezählten  Gründe  lässt  sich  mithin  nicht  erkennen.  Der  Vollständigkeit  halber  ist  festzustellen, dass die Frage, ob der afghanische Staat zum gegebenen  Zeitpunkt  über  eine  derart  geringe  Schutzfähigkeit  verfügt,  dass  eine  Verfolgung durch einen Einzelnen ausreicht, um den in den oben zitierten  Entscheiden  dargelegten  Voraussetzungen  zur  Erfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  entsprechen,  offen  gelassen  werden  kann,  zumal  auch  die  Aktualität  der  Verfolgung  zu  verneinen  ist.  Denn  selbst  wenn  bei  einem  Minderjährigen,  der  im  Haushalt  seines  Stiefvaters  wohnt,  eine  Verfolgung  durch  jenen  zum  Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  Afghanistan bejaht würde, hätte sich die Lage für den Beschwerdeführer,  welcher  zwischenzeitlich  volljährig  geworden  ist  und  einen  eigenen  Hausstand  begründen  kann,  grundlegend  gewandelt.  Zum  heutigen  Zeitpunkt ist daher nicht mehr davon auszugehen, dass er sich bei einer  Rückkehr  nach Afghanistan  in Abhängigkeit  seines Stiefvaters  begeben  und von ihm Behelligungen erdulden müsste. Es erübrigt sich nach dem  Gesagten,  auf  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  auf 

E­966/2010 Beschwerdeebene  noch  näher  einzugehen,  da  sie  an  diesen  Schlussfolgerungen  nichts  zu  ändern  vermögen.  Das  BFM  hat  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Die  Wegweisung  wird  nicht  verfügt,  wenn  die  asylsuchende  Person  im  Besitz  einer  gültigen  Aufenthalts­  oder  Niederlassungsbewilligung ist oder Anspruch darauf hat.  Da  der  Beschwerdeführer  weder  im  Besitz  einer  aufenthaltsrechtlichen  Bewilligung  ist noch einen Anspruch darauf hat, wurde die Wegweisung  vom BFM zu Recht verfügt.  6.2.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den  Wegweisungsvollzug  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind alternativer Natur. Sobald eine dieser Bedingungen erfüllt ist, ist der  Vollzug  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  der betroffenen Person in der Schweiz nach den Bestimmungen über die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  dazu  BVGE  2009/51  E.  5.4  mit  weiteren  Hinweisen).  Gegen  eine  allfällige  spätere  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  würde  der  betroffenen  asylsuchenden  Person  wieder  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen  stehen  (vgl.  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  44  Abs.  2  AsylG),  wobei  in  einem  Aufhebungsverfahren  alle  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach  Massgabe der  in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse erneut zu  prüfen wären (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2, EMARK 1997 Nr. 27). Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  für  Ausländerinnen  oder  Ausländer als unzumutbar, wenn sie  im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt  oder  medizinischer  Notlage  allgemein  gefährdet  sind  (Art. 83  Abs.  4  AuG).  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 

E­966/2010 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818). Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung – aus den nachfolgend  aufgezeigten  Gründen  –  als  unzumutbar  erweist,  kann  von  einer  Erörterung  der  übrigen  Voraussetzungen  eines  rechtmässigen  Wegweisungsvollzugs abgesehen werden. 7. Das BFM räumte ein, dass die allgemeine Sicherheitslage in Afghanistan  angespannt sei, die aufständischen Kräfte  ihre Tätigkeit verstärkt hätten  und  ihren  Einfluss  in  den  südlichen  und  südöstlichen  Provinzen  sowie  teilweise  im Norden und Westen des Landes hätten ausdehnen können.  Die  internationale  Truppenpräsenz  sei  zahlenmässig  zu  schwach  vertreten, als dass sie flächendeckend wirksam wäre. Ausserdem hätten  sich  in vielen Regionen funktionierende staatliche Strukturen noch kaum  entwickeln  können.  Trotzdem ging  das BFM davon aus,  dass  nicht  von  einer  konkreten  Gefährdung  der  gesamten  Bevölkerung  in  Afghanistan  oder eine Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG  ausgegangen werden könne. Die  Vorinstanz  stufte  trotz  vereinzelter  Anschläge  die  Lage  in  den  nördlichen  Provinzen  wie  etwa  Parwan  sowie  in  Kabul  und  weiteren  Landesteilen  als  weiterhin  vergleichsweise  sicher  ein.  Von  einer  permanent instabilen Lage könne nicht gesprochen werden. Zudem  verneinte  es  das  Vorliegen  individueller  Gründe,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  des  Beschwerdeführers  sprächen, zumal er zuletzt  in der Provinz Parwan wohnhaft gewesen sei  und  über  einen Onkel  in Kabul  verfüge. Da  seine Vorbringen  bezüglich  seines Stiefvaters nicht geglaubt werden könnten, sei von einem intakten  sozialen Beziehungsnetz auszugehen. 8.  Die ARK setzte sich in EMARK 2003 Nr. 10 einlässlich mit der damaligen  Lage in Afghanistan, insbesondere in der Hauptstadt Kabul, auseinander  und umschrieb in EMARK 2003 Nr. 30 die Mindestanforderungen für die  Durchführung eines Wegweisungsvollzugs nach Afghanistan.  Infolge der  damals  im  Vergleich  zu  anderen Regionen  etwas  günstigeren  Situation  erachtete  die  ARK  den  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  unter 

E­966/2010 bestimmten  strengen  Voraussetzungen,  namentlich  einem  tragfähigen  Beziehungsnetz  und  einer  gesicherten  Wohnsituation,  als  zumutbar.  In  EMARK 2006 Nr. 9 ergänzte sie ihre Rechtsprechung aus dem Jahr 2003  und bezeichnete auch den Wegweisungsvollzug  in diejenigen Regionen  Afghanistans,  in  welchen  seit  2004  keine  signifikanten  militärischen  Aktivitäten  stattgefunden  hatten  (namentlich  die  Provinzen  Parwan,  Baghlan,  Takhar,  Badakhshan,  Kunduz,  Balkh,  Sari  Pul,  Herat  und  der  Teil  der  Gegend  von  Samangan,  der  nicht  zum  Hazarajat  gehört),  als  grundsätzlich  zumutbar.  In  den  anderen  östlichen,  südlichen  und  südöstlichen  Provinzen  bestehe  hingegen  weiterhin  eine  allgemeine  Gewaltsituation,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  als  grundsätzlich unzumutbar zu betrachten sei. Seit  der  von  der  ARK  festgelegten  Praxis,  welche  vom  Bundesverwaltungsgericht  weitergeführt  wurde,  hat  sich  die  Sicherheitslage  in  fast  allen  Teilen  Afghanistans  verschlechtert.  In  mehreren  der  vormals  von  der  ARK  für  eine  Rückkehr  noch  als  vergleichsweise  sicher  eingestuften  Provinzen  und  auch  in  der  Hauptstadt Kabul hat die Gefährdung der Zivilbevölkerung, namentlich als  Folge  der  erstarkten  Taliban  und  ihrer  zahlreichen  Angriffe,  zugenommen.  Die  blutigen Gewaltaktionen  reissen  in  Afghanistan  nicht  ab,  und  die Sicherheitslage  bleibt  in  den meisten Gebieten  des  Landes  prekär,  was  ansatzweise  aus  den  regelmässigen  Medienberichten  betreffend  Kampfeinsätze,  Verlustmeldungen  von  Angehörigen  der  Schutztruppen,  zivile  Opfer  und  landesweit  verübte  Anschläge  hervorgeht.  Im  zur  Publikation  vorgesehenen  Grundsatzurteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  BVGE  E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011  hat  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  erneut  einlässlich  mit  der  Sicherheitslage  in  Afghanistan  auseinandergesetzt  und  befunden,  dass  aufgrund  der  jüngsten  Verschlechterung  der  Sicherheits­  und  Versorgungslage  auch  der  Wegweisungsvollzug  in  vormals  noch  als  vergleichsweise  sicher  eingestufte  Provinzen,  darunter  Parwan,  inzwischen nicht mehr zumutbar ist. Unter  strengen  Voraussetzungen  (BVGE  E­7625/2008,  E.  9.9.2  mit  Verweis auf EMARK 2003 Nr. 10 E. 10 cc) hat es einzig den Vollzug nach  Kabul gegebenenfalls als zumutbar erachtet  (und diese Frage bezüglich  anderer Grossstädte Afghanistans vorderhand offen gelassen).

E­966/2010 9.  Die  Auffassung  des  BFM,  wonach  der  Beschwerdeführer  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  verfüge,  weshalb  ihm  diesbezüglich  keine  Nachteile in Afghanistan drohten, beruht auf Spekulation. Abgesehen von  den  nächsten  Angehörigen  in  der  Provinz  Parwan,  ist  lediglich  (…)  in  Kabul aktenkundig, bei welchem der Beschwerdeführer eigenen Angaben  zufolge  wenige  Nächte  blieb  und  der  ihm  bei  der  Ausreise  aus  Afghanistan  behilflich  war.  Damit  kann  in  der  hier  vorliegenden  Konstellation  entgegen  der  Auffassung  des  BFM  nicht  mit  genügender  Wahrscheinlichkeit  auf  eine  ausreichende  Tragfähigkeit  des  Beziehungsnetzes  in  Kabul  geschlossen  werden.  Der  Umstand,  dass  gewisse  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  zentralen  Asylangaben  bestehen,  spielt  für  die  Beantwortung  der  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nach  Afghanistan  insofern  keine  Rolle,  als  das  BFM  jedenfalls  seine  Herkunft  aus  der  Provinz  Parwan  nicht  in  Frage  stellte  und  auch  für  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Veranlassung  besteht,  dies  zu  tun.  Dass  seit  der  Ausreise  aus  Afghanistan  mehrere  Jahre  verflossen  sind,  würde  die  Anknüpfung  an  alte  Beziehungen  und  ein Appellieren an familiäre und freundschaftliche Unterstützungspflichten  nicht einfacher machen. Eine allfällige Benötigung psychotherapeutischer  und  medikamentöser  Hilfe  (der  Beschwerdeführer  befand  sich  aktenkundigerweise  bis  zum  Juni  2010  wegen  Vorliegens  einer  (…)  in  entsprechender  Behandlung)  würden  den  Aufbau  einer  Existenzgrundlage überdies noch zusätzlich erschweren. In  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  ist  somit  ein  Wegweisungsvollzug nach Afghanistan als nicht zumutbar zu erachten. 10. Die  Beschwerde  ist  somit  bezüglich  des  Wegweisungsvollzugs  gutzuheissen  und  die  Dispositivziffern  4  und  5  der  angefochtenen  Verfügung sind aufzuheben. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.  Das BFM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen  (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 AuG).  11. Gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  eine  Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  wenn  ihr  Begehren  im  Zeitpunkt  der  Gesuchseinreichung nicht aussichtslos erscheint.

E­966/2010 Nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  wer  ohne  Beeinträchtigung  des  notwendigen  Lebensunterhaltes  die  Prozesskosten  nicht  zu  bestreiten vermag. Aussichtslos  ist  eine  Beschwerde,  wenn  die  Gewinnaussichten  beträchtlich  geringer  sind  als  die  Verlustgefahr  und  deshalb  kaum  als  ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. BGE 128 I 235 E. 2.5.3 S. 235  f., BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Für die Beurteilung der Prozesschancen  ist eine summarische Prüfung vorzunehmen. Die  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  ergibt  sich  aus  der  eingereichten  Fürsorgebestätigung  vom  8.  Februar  2010.  Die  Rechtsbegehren  erschienen  zudem  nicht  als  aussichtslos.  Das Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  ist  somit  gutzuheissen.  Auf  die  Erhebung  von  Verfahrenskosten ist daher zu verzichten.  12.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  im  Punkt  des  Wegweisungsvollzugs  –insofern  teilweise  –  obsiegt  hat,  ist  ihm  eine  angemessene,  um  die  Hälfte  reduzierte  Parteientschädigung  zu  entrichten  (vgl.  Art.  64  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  37  VGG;  Art.  7  ff.  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  Mit  Eingabe  vom  17.  Februar  2010  reichte  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers beim Bundesverwaltungsgericht eine Kostennote ein,  in  der  sie  für  das Beschwerdeverfahren  einen Arbeitsaufwand  von  11.5  Stunden  à  Fr.  150.–  bzw.  insgesamt  Fr.  1'725.–  ausweist.  Dieser  Vertretungsaufwand ist im Vergleich mit gleichgelagerten Fällen als leicht  überhöht  zu  beurteilen.  Unter  Berücksichtigung  der  massgebenden  Berechnungsfaktoren  (Art.  7­13  VGKE)  erscheint  ein  Zeitaufwand  von  7 Stunden  als  angemessen,  weshalb  die  Vertretungskosten  auf  Fr. 1'050.–  (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer)  festzusetzen sind und  die  Parteientschädigung  –  um  die  Hälfte  gekürzt  –  auf  Fr.  525.–  festzulegen ist. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das BFM  zu entrichten.

E­966/2010 (Dispositiv nächste Seite)

E­966/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird,  soweit  sie  den  Wegweisungsvollzug  betrifft,  gutgeheissen,  im Übrigen wird  sie abgewiesen. Die Ziffern 4 und 5 des  Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom  15.  Januar  2010  werden  aufgehoben. 2.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  wegen  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. 3.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung im Betrag von Fr. 525.– auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Simon Thurnheer

E-966/2010 — Bundesverwaltungsgericht 29.08.2011 E-966/2010 — Swissrulings