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Bundesverwaltungsgericht 06.12.2011 E-8344/2007

December 6, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,231 words·~16 min·2

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. November 2007

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­8344/2007 Urteil   v om   6 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richterin Jenny de Coulon,    Gerichtsschreiberin Stella Boleki. Parteien A._______, geboren am (…)  und deren Kinder  B._______, geboren am (…) und  C._______, geboren am (…),  Eritrea, alle vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Advokatur  Kanonengasse, (…),  Beschwerdeführende,  Gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 8. November 2007 / N (…).

E­8344/2007 Sachverhalt: A.  A.a A._______,  eine  in  der Republik  Sudan  als  Kind  eritreischer  Eltern  geborene Muslimin  arabischer  Volkszugehörigkeit  aus  Kassala,  verliess  den  Sudan  gemäss  eigenen  Angaben  am  28.  September  1998  gemeinsam mit ihren Kindern D._______, geboren am 4. November 1992  und  E._______,  geboren  am  25.  Mai  1995.  Am  30.  September  1998  suchten  sie  in  der  damaligen  Empfangsstelle  erstmals  um  Asyl  nach.  Anlässlich  der  Befragung  zur  Person  am  21.  Oktober  1998  und  der  kantonalen Anhörung am 4. Januar 1999 brachte die Beschwerdeführerin  vor,  ihr  aus  Eritrea  stammender  Ehemann  sei  im  Mai  1998  durch  den  sudanesischen  Geheimdienst  verhaftet  worden,  weil  ihm  vorgeworfen  worden sei, ein Spion Eritreas zu sein. Sie sei  in der Folge mehrfach zu  Hause  aufgesucht  und  von  einem  Mitarbeiter  des  Geheimdienstes  belästigt bzw. bedroht worden; dieser habe eine sexuelle Beziehung mit  ihr eingehen wollen.  A.b  Mit  Verfügung  vom  20.  Januar  1999  trat  das  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF,  heute:  BFM)  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  und  ihrer Kinder  – mangels Abgabe  vom Papieren,  die  eine  Feststellung  der  Identität  erlauben  würden,  und  offensichtlich  haltloser  Vorbringen  –  nicht  ein  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz und deren Vollzug an. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin  am 25. Februar 1999 Beschwerde. A.c  Am  2.  April  2002  reiste  der  damalige  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  –  F._______,  geboren  am  1.  Januar  1959 –  ebenfalls in die Schweiz ein und ersuchte um Asyl. A.d  Am  28.  Juni  2004  brachte  die  Beschwerdeführerin  ihre  Tochter  B._______ zur Welt.  A.e Mit Urteil  des Amtsgerichts G._______  vom  (…) wurde  die  am  22.  Juli  1990  in  Kassala  geschlossene  Ehe  der  Beschwerdeführerin  mit  F._______ geschieden und die elterliche Sorge über den gemeinsamen  Sohn  D._______  dem  Kindesvater  zugeteilt.  Die  elterliche  Sorge  über  den gemeinsamen Sohn E._______ wurde beiden Eltern belassen.  Am 22. September 2005 verfügte das BFM für F._______ und D._______  die  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz.  Gestützt  auf  die  vorläufige 

E­8344/2007 Aufnahme  des Sohnes  der Beschwerdeführerin  und  den Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  nahm  es  deshalb  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Kinder  E._______  und  B._______  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz auf. A.f  Mit  Urteil  vom  7.  Februar  2006  wies  die  vormals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  die  Beschwerde  vom  25.  Februar 1999 in Bestätigung der vorinstanzlichen Erwägungen ab, soweit  sie  nicht  infolge  der  vorläufigen  Aufnahme  der  Beschwerdeführerin  und  ihrer Kinder als gegenstandslos geworden abgeschrieben wurde.  B.  Am 8. November 2006 wandte sich die Beschwerdeführerin mit einer als  Gesuch  um  Wiedererwägung  der  Verfügung  vom  20.  Januar  1999  bezeichneten Eingabe unter Beigabe diverser Beweismittel an das BFM.  Sie  beantragte  für  sich  und  ihre  Kinder  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl;  eventualiter  sei  festzustellen,  dass  subjektive  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art.  54  AsylG  vorliegen würden und es  sei  ihnen  eine  vorläufige Aufnahme als  Flüchtlinge zu gewähren.  Zur  Begründung  brachte  die  Beschwerdeführerin  insbesondere  vor,  die  Situation  in Eritrea habe sich für rückkehrende Asylsuchende wesentlich  verschlechtert,  weshalb  objektive  Nachfluchtgründe  vorliegen  würden.  Auch habe mit dem Erlass des Entscheides der ARK vom 20. Dezember  2005  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr.  3)  eine  wesentliche  Praxisänderung  bezüglich  eritreischer  Asylsuchender  stattgefunden. Die  Beschwerdeführerin habe sich zudem seit dem rechtskräftigen Abschluss  des ersten Asylverfahrens als Mitglied der aktiven Oppositionsbewegung  Eritrean Liberation Front ­ National Congress (ELF­NC) in einem solchen  Ausmass  exilpolitisch  betätigt,  dass  ihr  aufgrund  subjektiver  Nachfluchtgründe  die  Flüchtlingseigenschaft  zugesprochen  und  sie  vorläufig  aufgenommen  werden  müsse.  Im  Weiteren  seien  erhebliche  aktenkundige  Tatsachen  und  bestimmte  Begehren  im  erstinstanzlichen  sowie  im  Rechtsmittelentscheid  übersehen  worden;  so  sei  die  flüchtlingsrechtliche  Relevanz  der  Militärdienstverweigerung  im  vorliegenden  Falle  nicht  geprüft  worden.  Schliesslich  bestehe  aufgrund  des  hohen  Bekanntheitsgrades  und  der  politischen  Aktivitäten  des  Bruders der Beschwerdeführerin die Gefahr der Reflexverfolgung. 

E­8344/2007 C.  Das BFM hörte die Beschwerdeführerin am 15. Dezember 2006 zu ihren  vorgebrachten  subjektiven  Nachfluchtgründen  sowie  zu  den  eingereichten  Beweismitteln  an.  Dabei  gab  diese  im  Wesentlichen  zu  Protokoll, sie habe sich sechs Monate zuvor dem schweizerischen Zweig  der ELF­NC angeschlossen, um Tätigkeiten auszuführen. Sie erhalte von  der  Organisation  Bulletins  und  Informationen.  Zur  Unterstützung  solle  man Mitgliederbeiträge bezahlen und an Sitzungen  teilnehmen, was  sie  inskünftig  zu  tun  gedenke.  Bei  einer  Rückkehr  nach  Eritrea  würde  die  Gefahr  bestehen,  dass  ihre  Kinder  in  den  Militärdienst  eingezogen  würden und sie selber wegen ihrer Mitgliedschaft in der Befreiungsfront in  Schwierigkeiten geraten würde.  D.  Am  21.  Dezember  2006  brachte  die  Beschwerdeführerin  ihren  Sohn  C._______ zur Welt, der in die vorläufige Aufnahme sowie in das hängige  Verfahren seiner Mutter einbezogen wurde. Gleichentags liess die Beschwerdeführerin ergänzende Bemerkungen zur  Anhörung vom 15. Dezember 2006 einreichen.  E.  Mit Entscheid vom 24. Oktober 2007 gewährte das BFM dem ehemaligen  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  sowie  den  gemeinsamen  Kindern  D._______ und B._______ Asyl in der Schweiz, nachdem dieser für sich  und die Kinder am 6. September 2006 ein zweites Asylgesuch eingereicht  hatte. F.  Das BFM nahm die Eingabe der Beschwerdeführerin  vom 8. November  2006  ebenfalls  als  zweites  Asylgesuch  entgegen  und  stellte  mit  Verfügung  vom  8.  November  2007  –  eröffnet  am  9.  November  2007 –  fest,  sie  sowie  ihre  Kinder  B._______  und  C._______  würden  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen,  weshalb  die  Asylgesuche  abgewiesen  würden.  Ausserdem  wurde  festgestellt,  dass  die  am  1.  Dezember  2005  verfügte  vorläufige Aufnahme  in  der Schweiz  bestehen  bleibe.  Auf  die  Begründung  wird  –  soweit  wesentlich  –  in  den  Erwägungen eingegangen.   G.  Dagegen  erhoben  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  10. 

E­8344/2007 Dezember  2007  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragten,  die  Verfügung  der  Vorinstanz  vom  8.  November  2007  sei  vollumfänglich  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden  festzustellen  und  ihnen  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und die vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wurde  um  Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.  H.  Mit  Verfügung  vom  14.  Dezember  2007  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  unter  der  Voraussetzung  des  Nachreichens  einer  Fürsorgebestätigung  –  was  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  3.  Januar  2008  tat  –  und  unter  Vorbehalt  einer  Veränderung  der  finanziellen  Lage  der  Beschwerdeführerin  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  wurde  die  Vorinstanz  zur  Einreichung  einer  Stellungnahme  bis  zum  8.  Januar 2008 eingeladen.  I.  Das  BFM  reichte  am  18.  Dezember  2007  eine  Vernehmlassung  ein,  machte  Ausführungen  zur  Reflexverfolgung  und  hielt  im  Übrigen  an  seinen Erwägungen vollumfänglich fest.  J.  Mit Schreiben vom 22. Januar 2008 replizierte die Beschwerdeführerin.  K.  Am  26.  April  2010  reichte  die  Beschwerdeführerin  einen  Entscheid  des  Amtsgerichts G._______ vom (…) ein, mit welchem die Personalien und  die eritreische Staatsangehörigkeit  der Beschwerdeführenden  sowie der  übrigen Kinder der Beschwerdeführerin festgestellt wurden.  L.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  26.  August  2011  wurde  die  Beschwerdeführerin  aufgefordert,  die  Familienverbindung  zum  angeblichen Bruder H._______, welcher  politisch  eine Führungsposition  innehabe und einen hohen Bekanntheitsgrad aufweise, zu belegen, und 

E­8344/2007 nähere  Ausführungen  zu  seinem  aktuellen  Aufenthalt,  seinen  allfällig  weiteren  politischen  Tätigkeiten  und  zur  Situation  der  in  Eritrea  verbliebenden übrigen Familienangehörigen zu machen. Weiter wurde sie  aufgefordert,  die  Angaben  anhand  von  entsprechenden  Unterlagen  zu  belegen.  Es  wurde  ihr  dazu  eine  dreissigtägige  Frist  ab  Erhalt  der  Verfügung gewährt.  M.  Mit  Eingabe  vom  28.  September  2011  reichte  die  Beschwerdeführerin  folgende Beweismittel in Kopie ein: Ein Internetauszug des Interviews mit  H._______  auf  Arkokabay.com,  eine Bescheinigung  der  ELF  betreffend  die Mitgliedschaft  ihres ehemaligen Ehemannes und dessen Tätigkeiten,  eine  Bestätigung  betreffend  die  Personalien  der  Beschwerdeführerin,  welche der ehemalige Ehemann dem Amtsgericht G._______ zugestellt  hat,  und  eine  Wohnsitzbestätigung  der  in  Eritrea  lebenden  Mutter  und  Schwester der Beschwerdeführerin.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.   1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt hier nicht vor. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 

E­8344/2007 Art.  48  Abs.  1,  Art.  50  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  einzutreten. 1.  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  2.1.  Die  Beschwerdeführerin  rügt  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe  unter  anderem,  die  Vorinstanz  habe  es  unterlassen,  die  von  ihr  geltend  gemachte  Reflexverfolgung  aufgrund  der  politischen  Tätigkeit  ihres  Bruders  H._______  und  derjenigen  ihres  ehemaligen  Ehemannes –  welcher auch  ihr Cousin sei – sowie dessen Bruders, der ein bekannter  ELF­Kämpfer sei, zu prüfen, obwohl von einer erheblichen Gefahr infolge  derselben  auszugehen  sei.  Damit  verstosse  das  BFM  gegen  seine  Begründungspflicht.  2.2.  Der  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass  die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört,  sorgfältig und ernsthaft prüft und  in der Entscheidfindung berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Begründung  des  Entscheids  niederschlagen  muss  (vgl.  Art.  35  Abs.  1  VwVG).  Die  Abfassung  der  Begründung  soll  es  dem  Betroffenen  möglich  machen,  den  Entscheid  gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich ist, wenn sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite des Entscheides ein Bild machen können  (BGE 129  I 232 E.  3.2  S.  236  f.).  Dabei  muss  sich  die  verfügende  Behörde  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinander  setzen,  sondern  darf  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  (BGE  126  I  97  E.  2b).  Die  Begründungsdichte  richtet  sich  nach  dem  Verfügungsgegenstand,  den  Verfahrensumständen  und  den  Interessen  des  Betroffenen,  wobei  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  bei  schwerwiegenden  Eingriffen  in  die  rechtlich  geschützten  Interessen  des  Betroffenen  eine  sorgfältige  Begründung verlangt (BGE 112 Ia 110) (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674  f.  mit  weiteren  Hinweisen).  Demgegenüber  ist  die  Beschwerdeführerin  gesetzlich verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken  http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47

E­8344/2007 und anzugeben, weshalb sie um Asyl nachsucht (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. c  AsylG).  Die  Beschwerdeführerin  hat  in  ihrer  Eingabe  ("Gesuch  um  Wiedererwägung")  vom  8. November  2006  auf  die  Befürchtung  der  Reflexverfolgung wegen  der Aktivitäten  ihres Bruders H._______  in  der  Oppositionsbewegung  hingewiesen.  Hingegen  hat  sie  weder  bezüglich  der politischen Aktivitäten  ihres Ex­Ehemannes noch derjenigen dessen  Bruders  Befürchtungen  geäussert.  Das  BFM  hat  es  anlässlich  der  ergänzenden  Anhörung  vom  15. Dezember  2006  indessen  unterlassen  die  Beschwerdeführerin  zu  ihren  Befürchtungen  vor  einer  allfälligen  Reflexverfolgung  wegen  des  Bruders  H._______  oder  zu  ihrem  Verwandtschaftsverhältnis  mit  ihm  zu  befragen.  Wie  von  der  Beschwerdeführerin zu Recht bemängelt, hat sich die Vorinstanz sodann  in der angefochtenen Verfügung mit keinem Wort zur geltend gemachten  Reflexverfolgung  geäussert.  In  diesem  Sinne  hat  sie  es  versäumt,  die  diesbezüglichen  Vorbringen  –  welche  durchaus  für  die  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der  Gewährung  von  Asyl  von  wesentlicher  Bedeutung  sind  –  rechtlich  zu  würdigen  und  somit  in  den  Entscheid  einfliessen zu  lassen. Die Vorinstanz hat  folglich die Begründungspflicht  verletzt.  2.3.  Eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  führt  grundsätzlich  –  das  heisst  ungeachtet  der  materiellen  Auswirkungen  –  zur  Aufhebung  des  daraufhin  ergangenen Entscheides. Die Heilung einer Gehörsverletzung  aus  prozessökonomischen  Gründen  auf  Beschwerdeebene  ist  jedoch  möglich,  sofern  das  Versäumte  nachgeholt  wird,  der  Beschwerdeführer  dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen Fall  die  freie  Überprüfungsbefugnis  in  Bezug  auf  Tatbestand  und  Rechtsanwendung  zukommt,  sowie  die  festgestellte  Verletzung  nicht  schwerwiegender  Natur  ist  und  die  fehlende  Entscheidreife  durch  die  Beschwerdeinstanz  mit  vertretbarem  Aufwand  hergestellt  werden  kann  (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f. mit weiteren Hinweisen). Im  Rahmen  der  auf  Beschwerdeebene  eingeleiteten  Vernehmlassung  holte  die  Vorinstanz  ihr  Versäumnis  –  wie  die  Ausführungen  in  E.  4.3  nachfolgend  zeigen  werden  –  nach.  Die  Beschwerdeführerin  ihrerseits  legte  bereits  in  ihrer Rechtsmitteleingabe  entsprechende Argumente  ins  Recht  (vgl.  E.4.2)  und  nahm  in  ihrer  Replik  zu  den  diesbezüglich  rechtlichen  Ausführungen  der  Vorinstanz  Stellung  (vgl.  E.4.4).  Infolgedessen  ist  ihr  aus  der  unzureichenden  Begründung  der  http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47

E­8344/2007 vorinstanzlichen  Verfügung  kein  Rechtsnachteil  erwachsen.  Eine  Rückweisung  des  Verfahrens  an  die  Vorinstanz  käme  einem  prozessrechtlichen Leerlauf  gleich,  insbesondere auch deshalb, weil  die  Beschwerdeinstanz  über  eine  umfassende  Kognition  verfügt;  daraus  erhellt,  dass  die  vorgängig  festgestellte  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs auf Beschwerdeebene geheilt worden ist.  3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihrer  Verfügung  vom  8.  November  2007  aus,  es  könne  ausgeschlossen  werden,  dass  die  Beschwerdeführerin  bei  einer  eventuellen  Rückkehr  nach  Eritrea  eine  Bestrafung wegen Desertion oder Refraktion aus der eritreischen Armee  zu befürchten habe, da sie zwar eritreischer Abstammung sei, jedoch nie  in  Eritrea,  sondern  bis  zu  ihrer  Ausreise  im  Sudan  gelebt  habe,  und  weder aus den Akten noch aus ihren Aussagen hervorgehe, dass sie die  eritreische Staatsangehörigkeit erworben habe. Zudem sei sie als Mutter 

E­8344/2007 von  vier  Kindern  und  daher  –  gemäss  den  Erkenntnissen  des  BFM –  generell  vom  Militärdienst  befreit,  weshalb  sie  auch  bei  einer  Anerkennung der eritreischen Staatsangehörigkeit durch die eritreischen  Behörden nicht befürchten müsse, zu diesem aufgeboten zu werden.  In  Bezug  auf  die  geltend  gemachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  sei  zu  bemerken,  dass  die  Beschwerdeführerin  im  Rahmen  ihres  ersten  Asylgesuches  keine  politische  Aktivität  vorgebracht  habe,  weshalb  kein  Anlass zur Annahme bestehe, dass sie vor Verlassen des Sudan im Jahr  1998  in  irgendeiner  Form  als  Gegnerin  der  eritreischen  Regimes  oder  politische  Aktivistin  registriert  worden  sei.  Darum  sei  auch  nicht  davon  auszugehen, dass sie nach ihrer Ankunft  in der Schweiz unter spezieller  Beobachtung  der  eritreischen  Behörden  gestanden  habe;  dazu  seien  diese schon personell  nicht  im Stande. Es stehe  lediglich  fest, dass die  Beschwerdeführerin  im  Juni  2006  in  der  Schweiz  Mitglied  der  ELF­NC  geworden sei, wobei  sich  ihre Aktivität  auf den Erhalt  von Bulletins und  Informationen  beschränke.  Die  eritreischen  Behörden  hätten  indes  nur  dann  ein  Interesse  an  der  Identifizierung  einer  Person,  wenn  deren  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System  wahrgenommen würden, wofür vorliegend keine Anhaltspunkte bestehen  würden.  4.2.  Die  Beschwerdeführerin  hielt  dem  in  ihrer  Beschwerde  vom  10.  Dezember 2007 entgegen, ihr Bruder – H._______ – habe innerhalb der  Eritrean Anti Tyranny Global Solidarity eine Führungsposition inne. Weiter  sei  ihr  Exmann  –  dessen  zweites  Asylgesuch  gutgeheissen  wurde –  einerseits  ein  Wehrdienstverweigerer,  andererseits  auch  sonst  politisch  äusserst aktiv. So sei er Vorsitzender der ELF­NC Sektion Luzern, die er  praktisch  im  Alleingang  aufgebaut  habe.  Einer  seiner  Brüder  sei  seit  längerem  in  Eritrea  inhaftiert,  ein  anderer  gehöre  zu  den  bekanntesten  Dichtern  und  Musikern  Eritreas  und  lebe  als  politischer  Flüchtling  in  Deutschland. Er gehöre aufgrund seines Bekanntheitsgrades und seiner  regimekritischen  Texte  zu  den meist  gesuchten  Oppositionellen.  Da  ihr  ehemaliger  Ehemann  zugleich  ihr  Cousin  väterlicherseits  sei  und  die  Beschwerdeführerin  somit  mehrfach  mit  äusserst  exponierten  Oppositionspolitikern eng verwandt sei, sei davon auszugehen, dass sie  bei  einer  allfälligen  Rückkehr  einer  erheblichen  Verfolgungsgefahr  ausgesetzt wäre. Auch durch  ihre Mitgliedschaft bei der ELF­NC sei sie  gefährdet,  da  die  eritreischen  Geheimdienste  exilpolitische  Aktivitäten  umfassend kontrollieren würden und sie aufgrund ihrer Verwandtschaften  unter  besonderer  Beobachtung  stehen  dürfte.  Da  sie  schliesslich  ein  Asylgesuch in der Schweiz gestellt habe und sich seit vielen Jahren hier 

E­8344/2007 aufhalte, stehe die Beschwerdeführerin unter dem Generalverdacht, sich  subversiv gegen die eritreische Regierung betätigt  zu haben. Sie erfülle  damit  wegen  objektiven  und  subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Flüchtlingseigenschaft. Sollte ihr dennoch aufgrund dieser Umstände kein  Asyl gewährt werden, so sei ihr dieses gestützt auf Art. 51 Abs. 2 AsylG  (Familienasyl) zu gewähren, da sie zwei Söhne habe, welche bereits als  Flüchtlinge anerkannt seien und Asyl erhalten hätten.  Zum Beweis  ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin das zweite  Asylgesuch  ihres  ehemaligen  Ehemannes  und  den  ihn  betreffenden  Asylentscheid,  ein  Schreiben  ihres  Cousins  bzw.  des  Bruders  ihres  früheren  Ehemannes  und  eine  Kopie  seines  Ausweises  sowie  einen  Auszug  eines  Urteils  des  Verwaltungsgerichtshofes  Hessen  vom  21.  März 2007 zu den Akten. 4.3.  In seiner Vernehmlassung führte das BFM in Bezug auf die geltend  gemachte  Reflexverfolgung  aus,  es  seien  keine  konkreten  Beweismittel  dafür  eingereicht  worden,  die  belegen  würden,  dass  H._______  tatsächlich  der  Bruder  der  Beschwerdeführerin  sei.  Auch  die  im  Zusammenhang mit dem Ex­Schwager der Beschwerdeführerin – der als  politischer  Flüchtling  in  Deutschland  lebe  –  eingereichten  Beweismittel  (Schreiben  und  Passkopie  des  Schwagers)  würden  eine  grundsätzliche  Gefährdung  der  Beschwerdeführerin  nicht  belegen.  Gemäss  den  Erkenntnissen  des  BFM  würden  sich  bei  Reflexverfolgungen  die  Massnahmen  der  eritreischen  Behörden  in  aller  Regel  gegen  nahe  Verwandte der betreffenden Person und nicht gegen eine entfernte oder  angeheiratete  Verwandtschaft  richten.  Schliesslich  komme  hinzu,  dass  die  Beschwerdeführerin  zwar  zweifelsohne  eritreischer  Herkunft  sei,  jedoch  selber  die  eritreische  Staatsangehörigkeit  nie  erlangt  habe.  Es  könne  daher  insgesamt  nicht  von  einer  begründeten  Furcht  vor  einer  Reflexverfolgung durch die eritreischen Behörden ausgegangen werden. 4.4.  Die  Beschwerdeführerin  hielt  demgegenüber  in  ihrer  Replik  vom  22. Januar 2008 fest, die Vorinstanz habe die durch sie geltend gemachte  Verwandtschaft  mit  ihrem  Bruder  H._______  in  der  ablehnenden  Verfügung vom 8. November 2007 in keiner Art und Weise bestritten. Im  Gegenteil  halte  diese  sogar  ausdrücklich  fest,  dass  u.a.  die  auf  erstinstanzlicher  Ebene  eingereichten  Dokumente  (Internetartikel,  Fotos  und  Kopien  von  Identitätspapieren  von  Familienangehörigen)  die  eritreische  Abstammung  der  Beschwerdeführerin  belegen  würden.  Das  BFM  verstosse  mit  seiner  Argumentation  gegen  den  Grundsatz  des 

E­8344/2007 widerspruchsfreien  Verhaltens  der  Behörden.  Im  Weiteren  sei  die  Verwandtschaft  zu  ihrem  Bruder  sehr  wohl  eine  nahe  Verbindung  und  auch die Ehe müsse – obwohl in der Schweiz geschieden – insbesondere  aufgrund der gemeinsamen Kinder als nahe Verwandtschaft im Sinne der  Ausführungen der Vorinstanz erachtet werden. Die Vorinstanz verkenne  schliesslich,  dass  im  vorliegenden  Fall  die  Verfolgungsgefahr  auch  aufgrund einer Kumulierung der Gefährdungsmomente gegeben sei.  4.5. Mit dem am 26. April 2010 zu den Akten gereichten zivilrechtlichen  Feststellungstellungsurteil  vom  (…)  betreffend  ihre  eritreische  Staatsangehörigkeit  untermauert  die  Beschwerdeführerin  ihre Aussagen  bezüglich Herkunft und Verwandtschaftsverhältnissen. 5.  Vorab ist die Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin zu klären. Gab  die Beschwerdeführerin anlässlich  ihres ersten Verfahrens an, die Eltern  seien  zwar  eritreischer  Herkunft,  doch  infolge  ihrer  Geburt  und  des  langjährigen  Aufenthalts  im  Sudan  sei  sie  sudanesische  Staatsangehörige, führte sie im Rahmen des zweiten Asylverfahrens aus,  sie  sei  eritreische  Staatsangehörige.  Die  Vorinstanz  und  auch  die  ARK  haben  im  ersten  Asylverfahren  die  angebliche  sudanesische  Staatsangehörigkeit  aufgrund  der  mangelhaften  Kenntnisse  der  Beschwerdeführerin über das Land und dessen Bräuche stark in Zweifel  gezogen. Diese mangelhaften Kenntnisse wurden ihr bei der Beurteilung,  ob  es  Hinweise  auf  Verfolgung  gebe,  denn  auch  angelastet.  Zum  heutigen Zeitpunkt  ist die eritreische Herkunft  ihrer Eltern mittels Kopien  eritreischer  Identitätskarten  belegt.  Gemäss  der  eritreischen  Staatsangehörigkeitsverordnung  von  1992  ist  eritreische  Staatsangehörige, wer  in Eritrea oder  im Ausland als Kind eines Vaters  oder  einer Mutter  eritreischer  Abstammung  geboren  ist  (vgl.  Gazette  of  Eritrean  Laws,  Eritrean  Nationality  Proclamation  (No.  21/1992),  http://www.unhcr.org/cgi­bin/texis/vtx/refworld/rwmain?docid=3ae6b4e0­ 26,  besucht  im  Mai  2011).  Die  Staatsangehörigkeit  wird  dabei  durch  Abstammung  originär  übertragen  (vgl.  BERGMANN/FERID/HENRICH,  Internationales  Ehe­  und  Kindschaftsrecht,  Eritrea,  Frankfurt  am  Main/Berlin  2005,  S.  7).  Somit  ist  von  der  eritreischen  Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführerin  auszugehen.  Sollte  die  Beschwerdeführerin  tatsächlich  im  Sudan  geboren  sein,  ist  sie  alleine  dadurch  noch  nicht  sudanesische  Staatsangehörige,  denn  nach  Sec.  5  Ziff  2  des  sudanesischen  Staatsangehörigkeitsgesetzes  ist  dazu 

E­8344/2007 erforderlich,  dass  bei  ihrer  Geburt  auch  ihr  Vater  bereits  durch  Abstammung  Sudanese  war.  Letzteres  trifft  –  wie  soeben  ausgeführt –  nicht  zu,  weshalb  nicht  von  einer  doppelten  Staatsangehörigkeit  auszugehen ist.  6.  6.1.  Prüfungsgegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  sind  die  Flüchtlingseigenschaft  und  das  Asyl  sowie  die  Wegweisung.  Die  Beschwerdeführerin  begründet  diese Rechtsbegehren  hauptsächlich mit  objektiven  und  subjektiven  Nachfluchtgründen,  verzichtet  indessen  auf  die erneute Geltendmachung ihrer eigenen Vorfluchtgründe.  6.2.  Dabei  ist  festzuhalten,  dass  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht die Situation  im Zeitpunkt  der  Ausreise,  sondern  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  massgeblich  ist.  Nebst  subjektiven  Nachfluchtgründen  sind  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  zu  Gunsten  und  zu  Lasten  der  asylsuchenden  Person  zu  berücksichtigen  (BVGE  2008/4  E.  5.4  und  BVGE  2008/12  E.  5.2  je  mit  weiteren  Hinweisen).  Solchermassen  objektive  Nachfluchtgründe  liegen  vor,  wenn  äussere  Umstände,  auf  welche  die  asylsuchende  Person  keinen  Einfluss  nehmen  konnte,  zur  drohenden  Verfolgung  führen;  der  von  einer  Verfolgung  bedrohten  Person ist in solchen Fällen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und  – im Gegensatz  zu  Personen mit  subjektiven Nachfluchtgründen  –  Asyl  zu  gewähren.  In  casu  stellt  sich  die  Frage,  ob  seit  der  Ausreise  der  Beschwerdeführerin aus dem Sudan (Drittstaat) im Jahre 2002 objektive,  von  ihr  nicht  beeinflussbare Umstände und Ereignisse  eingetreten  sind,  welche ihre erklärte Furcht vor Verfolgung (in Eritrea) heute als begründet  und mithin flüchtlingsrechtlich erheblich erscheinen lassen. 6.3.  Als  objektive  Nachfluchtgründe  macht  die  Beschwerdeführerin  explizit geltend, sie befürchte zum heutigen Zeitpunkt bei einer allfälligen  Rückkehr  nach  Eritrea  eine  Reflexverfolgung  infolge  der  politischen  gegen  das  eritreische Regime  gerichteten  Tätigkeiten  ihres  ehemaligen  Ehemannes  (Cousin),  dessen  Bruders  (Ex­Schwager)  sowie  ihres  Bruders H._______.  Zudem sei  sie  einer  übermässig  hohen Bestrafung  ausgesetzt, weil sie sich dem Militärdienst entzogen habe (EMARK 2006  Nr. 3).  http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/12 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/12 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/12

E­8344/2007 6.3.1. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflexverfolgung zu werden, ist  dann  gegeben,  wenn  nach  einem  flüchtigen  Familienmitglied  gefahndet  wird,  und  die  Behörden  des  Verfolgerstaates  Anlass  zur  Vermutung  haben,  der  Betroffene  stehe  mit  dem  Gesuchten  in  engem  Kontakt  (vgl. EMARK  2005  Nr.  21).  Dabei  hängen  die  Wahrscheinlichkeit  einer  Reflexverfolgung  und  deren  Intensität  stark  von  den  konkreten  Umständen  des  Einzelfalles  ab,  wobei  zur  Zeit  in  Eritrea  besonders  Familienangehörige  von  ins Ausland  geflüchteten Wehrdienstpflichtigen,  Militärangehörigen  und  Dissidenten  von  einer  Reflexverfolgung  bedroht  sind.  Dabei  kann  hinter  einer  Reflexverfolgung  auch  nur  die  Absicht  liegen,  die  gesamte  Familie  für  Taten  eines  Familienmitglieds  zu  bestrafen (Sippenhaft) oder einzuschüchtern. 6.3.2. Eine allfällige Reflexverfolgung der Beschwerdeführerin wegen des  oppositionell  aktiven  Ex­Ehemannes  setzt  voraus,  dass  die  eritreischen  Behörden  Kenntnis  von  dessen  Aktivitäten  und  der  Ehe  mit  der  Beschwerdeführerin  haben und aus diesen Gründen,  ein  asylrelevantes  Interesse an ihr haben könnten.  6.3.2.1 Das BFM stellte mit Verfügung vom 24. Oktober 2007  fest, dass  der Ex­Ehemann die Flüchtlingseigenschaft erfülle und gewährte ihm und  den beiden gemeinsamen Söhnen Asyl in der Schweiz. Dieser Entscheid  der  Vorinstanz  lässt  darauf  schliessen,  dass  sie  dessen  politisches  Engagement  bei  der  ELF  gegen  das  eritreische  Regime  sowohl  vor  seiner Ausreise im Jahre 1987 in Asmara (damals Provinz Äthiopiens) als  auch  im  Sudan  und  in  der  Schweiz  als  glaubhaft  erachtete  und  infolgedessen  von  einem  ausserordentlichen  politischen  Profil  des  ehemaligen  Ehemannes  der  Beschwerdeführerin  ausging.  Weiter  ist  anzunehmen,  dass  auch  die  Asylgewährung  seines  Bruders  in  Deutschland,  welcher  ebenfalls  langjähriges  Mitglied  der  ELF/ELF­NC  und einer  regimekritischen Folklore­ und Musikgruppe  ist,  sich  im Sinne  eines  objektiven  Nachfluchtgrundes  (begründete  Furcht  vor  Reflexverfolgung)  auswirkte,  so  dass  das  Zusammenspiel  sämtlicher  vorgenannter  Faktoren  zur  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  Asylgewährung führten (vgl. BFM­Akte D5, D10 und D18).  6.3.2.2  Die  eritreischen  Behörden  dürften  von  der  im  Jahre  1991  im  Sudan geschlossenen Ehe der Beschwerdeführerin mit  ihrem damaligen  Ehemann keine Kenntnis haben. Gemäss eigenen Angaben hat sie nie in  Eritrea  gewohnt,  weshalb  nicht  anzunehmen  ist,  dass  die  im  Sudan  geschlossene Ehe in Eritrea registriert wurde. Den Akten sind auch keine 

E­8344/2007 andern  Anhaltspunkte  zu  entnehmen,  dass  die  eritreischen  Behörden  Kenntnis  darüber  erhalten  hätten.  Auch  haben  die  Beschwerdeführerin  und ihr Ex­Ehemann während vieler Jahre (von 1991 bis 2002) im Sudan  gelebt,  ohne  seitens  der  eritreischen  Behörden  irgendwelchen  Behelligungen  ausgesetzt  zu  sein  –  der  Ex­Ehemann  fuhr  mit  seinem  eigenen Bus regelmässig die Strecke "Kassala­Eritrea" (vgl. BFM­Akte A3  S.4).  Erst  mit  seiner  seit  dem  Jahre  2004  verstärkten  exilpolitischen  Tätigkeit  in  der  Schweiz  dürfte  der  damalige  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  das  Interesse  der  eritreischen  Behörden  an  seinen  politischen  oppositionellen  Aktivitäten  geweckt  haben,  zumal  er  innert  Kürze eine Führungsposition der ELF­NC Schweiz innehatte. Deshalb ist  – wie das BFM in seiner Verfügung vom 24. Oktober 2007 angenommen  hat – eher davon auszugehen, dass er erst ab diesem Zeitpunkt ins Visier  der  eritreischen  Behörden  geraten  ist  und  deshalb  unter  Beobachtung  steht. Das bedeutet aber nicht, dass den heimatlichen Behörden dadurch  auch  die  damalige  Ehe  mit  der  Beschwerdeführerin  bekannt  wurde,  zumal diese am 20. Juli 2005 geschieden wurde. Weiter ist festzustellen,  dass  die  in  Eritrea  wohnhafte  Mutter  und  die  Schwester  der  Beschwerdeführerin gemäss  ihrer  jüngsten Eingabe vom 28. September  2011  keine  Probleme  seitens  der  eritreischen  Behörden  zu  scheinen  haben  und  ein  Bruder  der  Beschwerdeführerin  Militärdienst  leistet.  In  Abwägung  der  vorgenannten  Faktoren  überwiegen  diejenigen,  die  den  Schluss  zulassen,  dass  die  eritreischen  Behörden  –  selbst  wenn  ihnen  die  Ehe  bekannt  sein  sollte  –  kein  Verfolgungsinteresse  an  der  Beschwerdeführerin  haben  dürften,  ansonsten  sie  sich  gegen  deren  Familienangehörigen  hätte  wenden  können.  Aus  dem  Gesagten  folgt,  dass der Beschwerdeführerin bei einer allfälligen Rückkehr nach Eritrea  keine  Reflexverfolgung  wegen  der  exilpolitischen  Tätigkeiten  des  Ex­ Ehemannes droht.  6.3.3. Weiter  führte  sie  an,  wegen  der  exilpolitischen  Tätigkeiten  des  Bruders H._______ gegen das eritreische Regime eine Reflexverfolgung  seitens  der  heimatlichen  Behörden  befürchten  zu  müssen.  Im  Rahmen  der  Vernehmlassung  entgegnete  die  Vorinstanz,  mit  dem  eingereichten  Internetartikel  betreffend  den  bekannten Oppositionspolitiker  H._______  sei  das  geltend  gemachte  nahe  Verwandtschaftsverhältnis  nicht  belegt  und  somit  fraglich.  Seitens  der  Beschwerdeführerin  wurde  dem  entgegenhalten,  die  Vorinstanz  verletze  das  Gebot  des  widerspruchsfreien  Verhaltens,  denn  sie  habe  in  der  Verfügung  vom  8. November  2007  nicht  bestritten,  dass  H._______  der  Bruder  der  Beschwerdeführerin  sei,  sondern  vielmehr  die  diesbezüglich 

E­8344/2007 eingereichten Dokumente als Beweis für deren Herkunft gewertet. Hierzu  ist  festzuhalten,  dass  das  BFM  sich  in  seiner  Verfügung  nicht  zum  geltend  gemachten  Geschwisterverhältnis  äusserte,  mithin  der  Schluss  gezogen werden könnte,  es bezweifle deren  familiäre Verbindung nicht.  Auch  ist  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  diesbezüglich  nie  befragt wurde, aber angab zwei Brüder zu haben, deren Namen hingegen  nie  protokollarisch  festgehalten  wurden.  Die  Beschwerdeführerin  erhielt  indes  auf  Beschwerdeebene  die  Gelegenheit,  die  geltend  gemachte  Familienverbindung  nachzuweisen  und  Unterlagen  betreffend  die  exilpolitischen Aktivitäten des angeblichen Bruders und seinen Aufenthalt  einzureichen. Mit  Eingabe  vom  28.  September  2011  führte  sie  lediglich  ergänzend  aus,  er  wohne  als  anerkannter  Flüchtling  in  England  und  infolge  des  hohen  Bekanntheitsgrads  sei  er  derart  beschäftigt,  dass  er  schwer erreichbar sei. Es kann offen bleiben, ob die Beschwerdeführerin  damit  das  behauptete  Familienverhältnis  nachgewiesen  hat  bzw.  glaubhaft darzulegen vermochte, da sie daraus kaum eine asylrelevante  Reflexverfolgung  zu befürchten  haben dürfte,  zumal  auch diesbezüglich  keine  Hinweise  in  den  Akten  bestehen,  dass  die  in  Eritrea  lebenden  Familienangehörigen  (Mutter  und  Geschwister)  von  den  eritreischen  Behörden behelligt worden wären.  6.3.4.  Schliesslich  machte  die  Beschwerdeführerin  als  weiteren  objektiven  Nachfluchtgrund  geltend,  mit  EMARK  2006  Nr.  3  habe  die  ARK  ihre  Praxis  betreffend  eritreische  Asylsuchende  geändert  bzw.  verschärft,  indem  sie  festgelegt  habe,  dass  die  übermässig  hohe  Bestrafung  für  Militärdienstverweigerung  und  Desertion  durch  die  eritreischen  Behörden  als  politisch  motiviert  einzustufen  sei  (absoluter  Malus).  Bei  einer  hypothetischen  Rückkehr  befürchte  sie  deshalb  aufgrund der  langjährigen Landesabwesenheit und des nicht geleisteten  Militärdienstes,  einer  übermässig  hohen Bestrafung  ausgesetzt  zu  sein.  Die  Vorinstanz  würdigt  diese  Vorbringen  in  ihrer  Verfügung  als  asylrechtlich  unzureichend.  Vorab  berief  sie  sich  darauf,  dass  die  Beschwerdeführerin zwar eritreischer Herkunft sei und Anspruch auf die  eritreische  Staatsangehörigkeit  habe,  dass  aber  aus  den  Akten  hervorgehe,  dass  sie  diese  nicht  erworben  habe, weshalb  sie  bei  einer  allfälligen Rückkehr keine Bestrafung wegen Desertion oder Refraktion zu  gewärtigen  hätte.  Zudem  sei  sie  als  Verheiratete  und  Mutter  von  vier  Kindern,  deren  jüngstes  gerade  einjährig  sei,  gemäss  ihren  Erkenntnissen  von  der  Militärdienstpflicht  befreit.  Diesbezüglich  ist  zunächst  hinsichtlich  der  nach  wie  vor  gültigen  Rechtsprechung  von  EMARK  2006  Nr.  3  festzuhalten,  dass  die  Rekrutierung  für  den  http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/3 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/3 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/3 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/3 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/3 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/3 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/3

E­8344/2007 Nationaldienst  für  sich  alleine  nicht  die  nach  Art.  3  AsylG  erforderliche  Intensität aufweist. Für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft wird  vielmehr  vorausgesetzt,  dass  eine  begründete  Furcht  vor  einer  Bestrafung wegen Dienstverweigerung oder Desertion vorliegt. Davon ist  gemäss  zitierter  Rechtsprechung  auszugehen,  wenn  die  betroffene  Person  in  einem  konkreten  Kontakt  zu  den  Militärbehörden  stand  oder  aus  einem  Kontakt  zu  den  Behörden  erkennbar  wurde,  dass  die  betroffene Person  rekrutiert werden sollte. Zu einem solchen Kontakt  ist  es  im vorliegenden Verfahren offensichtlich nie gekommen, was von der  Beschwerdeführerin  auch  nicht  bestritten  wird.  Die  Beschwerdeführerin  ist  im  Sudan  geboren  und  aufgewachsen  und  hat  sich  nie  in  ihrem  Heimatstaat Eritrea aufgehalten. Sie  ist somit nicht erst nach Einführung  des  National  Service  ins  Ausland  ausgewandert,  sondern  hat  seit  ihrer  Geburt und bis zur Ausreise  im Sudan gelebt.  Inwiefern die eritreischen  Behörden  darin  eine  Dienstverweigerung  sehen  könnten,  ist  nicht  ersichtlich.  Bei  dieser  Schlussfolgerung  erübrigt  es  sich  zu  prüfen,  ob  Mütter  mit  Kleinkindern  in  Eritrea  generell  von  der  Militärdienstpflicht  befreit sind.  6.3.5. Vor  dem Hintergrund  dieser  Ausführungen  ergibt  sich,  dass  sich  die  geltend  gemachten  Gefährdungsmomente  aus  objektiven  Nachfluchtgründen  nicht  als  begründet  erweisen,  mithin  in  Bestätigung  der vorinstanzlichen Verfügung kein Asyl zu gewähren ist.  6.4.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  gelten  insbesondere  illegales  Verlassen  des  Heimatlandes  (sogenannte  Republikflucht),  Einreichung  eines Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der heimatstaatlichen  Behörden  unerwünschte  exilpolitische  Betätigung,  wenn  sie  die  Gefahr  einer  zukünftigen  Verfolgung  begründen.  Personen  mit  subjektiven  Nachfluchtgründen  erhalten  zwar  gemäss  Art.  54  AsylG  kein  Asyl,  werden  jedoch  als  Flüchtlinge  vorläufig  aufgenommen.  Durch  Republikflucht  zum  Flüchtling  wird,  wer  sich  aufgrund  der  unerlaubten  Ausreise  mit  Sanktionen  seines  Heimatstaates  konfrontiert  sieht,  die  bezüglich  ihrer  Intensität  und  der  politischen  Motivation  des  Staates  ernsthafte  Nachteile  gemäss  Art.  3  Abs.  2  AsylG  darstellen  (vgl.  (vgl.  BVGE 2009/29 E. 5.2 mit weiteren Hinweisen;  D­3892/2008 E.5.3.3). 6.4.1.  Die  Beschwerdeführerin  machte  als  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend,  die  langjährige  Landesabwesenheit  und  das  Stellen  eines  Asylgesuchs stelle sie bereits unter den Generalverdacht, sich subversiv  gegen  das  eritreische  Regime  zu  verhalten;  dazu  komme  noch  ihre  http://links.weblaw.ch/BVGer-D-3892/2008

E­8344/2007 exilpolitische  Tätigkeit  beziehungsweise  die  Mitgliedschaft  zur  ELF­NC,  die diesen Verdacht  verstärken würde. Es  ist  deshalb  zu prüfen, ob die  Beschwerdeführerin  durch  ihr  Verhalten  ein  Grund  für  eine  zukünftige  Verfolgung  seitens  der  eritreischen  Behörden  gesetzt  hat  und  infolgedessen die Flüchtlingseigenschaft festzustellen ist. 6.4.2. Es  ist  nicht  von  der Hand  zu weisen,  dass  durch  die  langjährige  Landesabwesenheit  und  das  Stellen  eines  Asylgesuchs  im Ausland  bei  den eritreischen Behörden grundsätzlich ein Verdacht geschöpft werden  kann,  regimefeindliche  Aktivitäten  auszuüben.  Im  vorliegenden  Fall  hat  die  Beschwerdeführerin  indessen  seit  ihrer  Geburt  im  Sudan  gelebt,  weshalb es sich allein daraus ergibt, dass sie zeitlebens landesabwesend  war. Hinsichtlich  ihrer  exilpolitischen Aktivität  lässt  sich  feststellen,  dass  die Beschwerdeführerin – wie sie selber ausführt und in einem Schreiben  der ELF­NC vom (…) bestätigt wird – ein einfaches Mitglied der ELF­NC  ist,  aber  keine  weitergehenden  Aktivitäten  im  Zusammenhang  mit  der  oppositionellen  Partei  geltend  macht,  weshalb  nicht  von  einer  qualifizierten politischen Betätigung der Beschwerdeführerin auszugehen  ist. Angesichts dieser Umstände ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit  nicht anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin eine Bedrohung für das  eritreische Regime darstellt und deswegen bei einer allfälligen Rückkehr  nach  Eritrea  –  selbst  wenn  sie  einer  intensiven  Befragung  unterzogen  werden würde – in asylrelevanter Weise gefährdet wäre.  6.4.3.  Insgesamt  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführerin  keine  subjektiven Nachfluchtgründe hat glaubhaft machen können und deshalb  die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt.  7.  Schliesslich  machte  die  Beschwerdeführerin  geltend,  es  sei  ihr  Familienasyl  gemäss  Art.  51  Abs.  2  AsylG  zu  gewähren,  da  sie  zwei  Söhne  habe,  welche  bereits  als  Flüchtlinge  anerkannt  seien  und  Asyl  erhalten hätten. Dazu ist festzuhalten, dass die beiden Söhne in das Asyl  des Kindsvaters und geschiedenen Ehemannes einbezogen wurden und  somit  lediglich  über  die  abgeleitete  Flüchtlingseigenschaft  verfügen,  welche  nicht  übertragbar  ist  (vgl.  EMARK  2000  Nr.  23  E.  3c  und  3d).  Deshalb  kann  die  Beschwerdeführerin  nicht  in  das  Familienasyl  der  Söhne eingeschlossen werden. 8.  Zusammenfassend ergibt die Prüfung der Akten, dass die Vorinstanz das 

E­8344/2007 Asylgesuch der Beschwerdeführenden zurecht abgewiesen hat, weshalb  die Verfügung des BFM diesbezüglich zu bestätigen ist.  9.  9.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Ist der Vollzug der Wegweisung nicht  zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1  des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 9.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 9.3. Die erwähnten Bedingungen  für einen Verzicht auf den Vollzug der  Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind  alternativer  Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.).  Gegen eine allfällige spätere Aufhebung der vorläufigen Aufnahme würde  den  betroffenen  Asylsuchenden  wiederum  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen  stehen  (vgl.  Art.  105  AsylG),  wobei  in  jenem  Verfahren  alle  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach  Massgabe der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse von neuem  zu  prüfen  sind  (vgl.  EMARK  1997  Nr.  27  S.  205  ff.).  Da  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Kinder  E._______  und  B._______  mit  Verfügung des BFM vom 1. Dezember 2005 infolge des Grundsatzes der  Familieneinheit  gemäss  Art.  44  Abs.  1  AsylG  wegen  Unzumutbarkeit  wiedererwägungsweise  vorläufig  aufgenommen  wurden,  erübrigen  sich  weitere Ausführungen zur Frage der Durchführbarkeit des Vollzuges. 10.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/6 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/6 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/27 http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/27

E­8344/2007 vollständig  festgestellt  hat  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist abzuweisen. 11.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Verfahrenskosten  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art.  63 Abs.  1  und 5 VwVG; Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Angesichts  der mit  Zwischenverfügung  vom  14.  Dezember  2007  gewährten  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  der  Tatsache,  dass  weiterhin von der Fürsorgeabhängigkeit auszugehen ist (trotz vor Kurzem  aufgenommener  Tätigkeit  der  Beschwerdeführerin  als  Lingerieangestellte), ist von der Kostenauferlegung abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Stella Boleki Versand:

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E-8344/2007 — Bundesverwaltungsgericht 06.12.2011 E-8344/2007 — Swissrulings