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Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 E-8247/2008

January 16, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,881 words·~14 min·2

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. November 2008

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­8247/2008 Urteil   v om   1 6 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 17. November 2008 / N (…).

E­8247/2008 Sachverhalt: A.   A.a.    Der  aus  der  Provinz  B._______  stammende  Beschwerdeführer  verliess den  Iran eigenen Angaben  zufolge am 21.  Januar 2008. Er  sei  etwa in der dritten Januarwoche 2008 mit dem Bus von C._______ nach  Teheran  gefahren,  von  wo  aus  er  mit  dem  Flugzeug  via  Istanbul  nach  Budapest gereist sei. Von Ungarn aus sei er per Auto über Deutschland  am 25. Januar 2008 in die Schweiz gelangt. A.b.    Die  deutschen  Grenzbeamten  hielten  ihn  am  Abend  des  25.  Januars 2008 beim Einreiseversuch von der Schweiz nach Deutschland  an. Er wurde von den deutschen Behörden am 26. Januar 2008 wegen  illegaler Einreise nach Deutschland befragt. Dabei erklärte er, zwei Tage  zuvor mit einem D._______ (N [...])  in der Schweiz eingetroffen zu sein,  um dort ein Asylgesuch zu stellen. Die deutschen Behörden  führten  ihn  anschliessend an die Grenze zurück. Er trug bei der (Wieder­)Einreise in  die  Schweiz  ein  Busbillett  vom  18.  September  2007  für  die  Strecke  C._______­Teheran, die Kopie eines Personalausweises einer iranischen  Person  einer  befreundeten  Familie  und  einen Kassenzettel  aus Ungarn  auf sich.  A.c.  Er stellte am 26. Januar 2008 im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  ein  Asylgesuch.  Dort  wurde  er  vom  BFM  am  11.  Februar  2008  summarisch  zu  den  Personalien,  zum  Reiseweg  und  zu  den Ausreisegründen befragt. Am 25. Februar 2008 fand die Anhörung zu  den Asylgründen in Anwesenheit einer Hilfswerksvertreterin statt. Der  Beschwerdeführer  machte  geltend,  er  sei  im  Iran  aus  politischen  Gründen  verfolgt.  Im  Jahr  2003  habe  er  seine  Gymnasialzeit  mit  dem  Diplom  abgeschlossen.  Nach  dem  von  (…)  2005  bis  (…)  2007  absolvierten Militärdienst habe er als (…) und (…) in der Stadt C._______  gearbeitet,  wo  er  im  Haus  der  verwitweten  Mutter  mit  ihr,  einem  D._______  und  dessen  Familie  gewohnt  habe.  Er  und  sein  D._______  hätten (…) gespielt. Für ihre Trainings hätten sie Zugang zum E._______  in  C._______  erhalten.  Auf  diese  Weise  hätten  sie  seit  Frühling  2006  regelmässig  –  ein­  bis  dreimal  pro  Monat,  letztmals  in  der  dritten  Novemberwoche  2007  –  regimekritische Texte  (Artikel  und Broschüren)  von  einer  im  gleichen  Quartier  wohnhaften  und  befreundeten  Person  (F._______)  übernommen  und  in  der  Sporttasche  auf  das  Areal  der  E._______  gebracht.  Auf  dem  Areal  des  (…)  hätten  sie  das  Material  G._______  ausgehändigt,  welcher  es  mutmasslich  Studenten  zur 

E­8247/2008 Verfügung  gestellt  habe.  Ende  2007  hätten  sie  von  einem  Freund  des  G._______  erfahren,  dass  dieser  in  der  ersten  Dezemberwoche  2007  verhaftet  worden  sei.  Der  D._______  habe  ihn  einige  Tage  später  aus  einer öffentlichen Telefonzelle angerufen und ihm berichtet, das elterliche  Haus sei soeben von den  iranischen Behörden gestürmt worden. Er sei  ihnen übers Hausdach entkommen. Da ihnen klar geworden sei, dass die  Suche  nur  ihnen  gegolten  habe,  hätten  sie  sich  Stunden  später  in  C._______ getroffen. Gemeinsam seien sie per Bus zu einer H._______  gefahren,  wo  sie  nach  vierzig  Minuten  Fahrt  eingetroffen  seien.  Dort  hätten  sie  sich  während  der  folgenden  Monate  versteckt  gehalten.  Während  dieser  Zeit  hätten  sie  von  ihrer Mutter  erfahren,  dass  sie  von  den Beamten auf den Posten geführt worden sei, um den Aufenthaltsort  (…)  zu  erfahren.  Anschliessend  hätten  sich  die  Behörden  nur  noch  sporadisch bei ihr zu Hause blicken lassen. Die Mutter habe in der Folge  das Haus verkauft, um die lästigen Beamten loszuwerden. Mit dem Erlös  habe  sie  die  Ausreise  finanziert  und  eine  Liegenschaft  in  I._______  erworben,  wo  sie  seit  Ende  2007  bis  heute  wohne.  In  der  dritten  Januarwoche  2008  seien  sie  per Bus  nach Teheran  gefahren. Mit Hilfe  eines  Schleppers  und  falschen  Pässen  hätten  sie  das  Land  auf  dem  Luftweg verlassen. Er habe keine anderen als die angegebenen Gründe  und  ansonsten  nie  Probleme  mit  Behörden,  Organisationen  oder  Personen  gehabt.  Er  sei  weder  inhaftiert  worden  noch  vor  Gericht  gestanden.  Er  sei  in  religiöser  und  politischer  Hinsicht,  bis  auf  das  Gesagte, nicht weiter tätig gewesen. Nach seiner Religion befragt gab er  im EVZ an Schiit  zu  sein;  er möchte aber  seine Religion wechseln  und  mache sich dazu Gedanken. A.d.  Am 10. März 2008 wurde er für das weitere Verfahren dem Kanton  (…) als Aufenthaltskanton zugewiesen.  B.  Mit Verfügung vom 17. November 2008 – eröffnet am 20. November 2008 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das  Asylgesuch  ab,  verfügte  die  Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C.  Nach  gewährter  Akteneinsicht  vom  3.  Dezember  2008  beantragte  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  22.  Dezember  2008  beim  Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der angefochtenen Verfügung,  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Asylgewährung  beziehungsweise  eventualiter  wegen  unzulässigen  oder  unzumutbaren 

E­8247/2008 Wegweisungsvollzugs  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragte  er  die Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege,  einschliesslich  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. Mit  der  Beschwerde  wurden  folgende  Unterlagen  und  Beweismittel  eingereicht:  eine  Vollmacht  vom  19.  Dezember  2008,  eine  Kopie  der  angefochtenen  Verfügung,  Bestätigungen  der  Zeitpunkte  der  Sonnenuntergänge  am 1. Dezember  2007  in  (…),  eine Bestätigung  der  Fürsorgeabhängigkeit  vom  10.  Dezember  2008,  diverse  Kopien  von  Flugblättern  der  in  der  Schweiz  tätigen  (J._______  (eine  politische  Bewegung)  in  Deutsch  und  Farsi  sowie  Fotoausdrucke  betreffend  Teilnahmen  an  Protestkundgebungen  und  Standaktionen  exilpolitischer  Anlässe (…). D.   Mit  Zwischenverfügung  vom  9.  Januar  2009  sah  der  Instruktionsrichter  von  der  Erhebung  eines  Kostenvorschuss  ab,  verschob  den  Entscheid  über  das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten auf  später, wies das  Gesuch  um  amtliche  Verbeiständung  ab  und  lud  das  BFM  zur  Vernehmlassung ein. E.  E.a.  Mit  Vernehmlassung  vom 23.  Januar  2009  nahm das BFM  zu  den  neu  vorgebrachten  Exiltätigkeiten  und  zur  behaupteten  Reflexverfolgung  Stellung,  hielt  an  seinem Entscheid  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der Beschwerde. E.b. In der Replik vom 17. Februar 2009 kritisierte der Beschwerdeführer  die  Betrachtungsweise  des  BFM,  soweit  es  zwischen  seiner  oppositionellen  Tätigigkeit  im  Iran  und  in  der  Schweiz  eine  strikte  Trennung vornehme, und hielt vollumfänglich an der Beschwerde fest. F.   F.a.  Im  Rahmen  eines  vom  Beschwerdeführerin  und  seiner  damaligen  Braut  eingeleiteten  Ehevorbereitungsverfahrens  wurden  vom  Zivilstandsamt  (…)  zu  Handen  des  BFM  seine  iranische  Identitätskarte  (Schenasnameh)  vom  (…)  und  seine  Ledigkeits­  und  Ehefähigkeitsbescheinigung vom (…) sichergestellt.

E­8247/2008 F.b. Am 25. Februar 2011 heiratete der Beschwerdeführer die Schweizer  Bürgerin (…).  G.  G.a.  Mit Zwischenverfügung vom 8. März 2011 räumte der  Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  angesichts  dieser  neuen  Sachlage  die  Gelegenheit  ein,  seine  Beschwerde  ohne  Kostenauferlegung  zurückzuziehen. Für den Fall des Festhaltens an der Beschwerde wurde  er  aufgefordert,  das  Formular  "Gesuch  um unentgeltliche Rechtspflege"  korrekt  auszufüllen  und  mit  den  erforderlichen  Beweismitteln  einzureichen,  andernfalls  werde  angenommen,  er  sei  in  prozessualer  Hinsicht nicht bedürftig.  G.b. Mit  Schreiben  vom  23.  März  2011  teilte  der  Rechtsvertreter  dem  Bundesverwaltungsgericht mit, trotz der Heirat werde "im Fluchtpunkt" an  der  Beschwerde  festgehalten.  In  der  Beilage  befanden  sich  das  ausgefüllte Gesuchsformular,  Kopien  der  Lohnabrechnung  vom Februar  2011,  der  Abrechnung  der  Arbeitslosenkasse  vom  Februar  2011,  der  Lohnübersichten der Jahre 2009 und 2010, der Versicherungspolicen per  1.  Januar  respektive  1.  Februar  2011  sowie  exilpolitische  Aktivitäten  betreffende  Dokumente  (J._______  (eine  politische  Bewegung)  ­ Mitgliedsausweis von 2010, Kopien von Flugblättern der J._______ (eine  politische  Bewegung)  in  Deutsch  und  Farsi,  Internetauszüge  und  Fotografien  des  Beschwerdeführers  bei  Teilnahmen  an  Protestkundgebungen  und  Standaktionen  exilpolitischer  Anlässe  vom  (…). H.  Mit  Bewilligungskopie  vom  (…)  2011  teilte  der  zuständige  Kanton  dem  BFM mit, dass der mit einer Schweizerin verheiratete Beschwerdeführer  eine Aufenthaltsbewilligung des Typs B besitze.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 

E­8247/2008 SR 172.021). Das BFM gehört  zu den Behörden nach Art. 33 VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG  liegt nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet des Asyls  in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG,  Art.  48  Abs.  1  und  Art.  52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  einzutreten. 1.4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  2.1.  Die Schweiz gewährt Flüchtlingen auf Gesuch hin Asyl, sofern kein  Asylausschlussgrund vorliegt (Art. 2 Abs. 1, Art. 49, Art. 50 ff. AsylG).  2.2.  Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden; als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG). Als  Flüchtlinge  gelten  auch  Personen,  die  erst  durch  ihre  Ausreise  aus  dem Heimat­ oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der  Ausreise  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  (sog.  subjektive  Nachfluchtgründe).  Massgebend  für  die  Annahme  subjektiver 

E­8247/2008 Nachfluchtgründe  ist,  ob  die  heimatlichen  Behörden  das  Verhalten  der  asylsuchenden  Person  als  staatsfeindlich  einstufen  dürften  und  diese  deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG  befürchten muss.  2.3.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  Die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht im Sinne  von  Art.  3  AsylG  sind  auch massgebend  bei  der  Ermittlung  subjektiver  Nachfluchtgründen, wobei bei Nachfluchtgründen  im Unterschied zu den  Fluchtgründen in der Regel der strikte Beweis erbracht werden kann. Personen  mit  subjektiven  Nachfluchtgründen  erhalten  gemäss  dem  Asylausschlusstatbestand von Art. 54 AsylG kein Asyl; sie werden jedoch  als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen, da der Vollzug der Wegweisung  in  den  verfolgenden  Heimatstaat  unzulässig  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG  i.V.m. Art. 83 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Der  Asylausschlussgrund  von  Art.  54  AsylG  ist  absolut  zu  verstehen  und  unabhängig  davon  anzuwenden,  ob  Nachfluchtgründe  missbräuchlich  gesetzt worden sind oder nicht.  3.  3.1. Das BFM begründete die Ablehnung des Gesuchs mit dem Umstand  einer Vielzahl von Widersprüchen, nämlich bezüglich des Zeitpunktes des  Schmuggelbeginns  (im  Frühling  2006  [während  des  Militärdienstes]  respektive  im  (…,  [vor  Beginn  des  Militärdienstes]),  der  politischen  Tätigkeiten  (eigene Vervielfältigung  und Verteilung  des Materials  an  die  Studenten respektive lediglich Transport und Übergabe des Materials an  G._______),  des  Zeitpunkts  der  Verhaftung  von  G._______  (im  […]  respektive  […])  und  des  Beginns  der  Busfahrt  zur  H._______  (17  Uhr  respektive  zwischen  19  und  20  Uhr).  Die  Angaben  seien  zudem  nicht  vereinbar mit der allgemeinen Erfahrung oder der Logik des Handelns: So  kenne  er  zwar  den  Inhalt  des  geschmuggelten  Materials,  wisse  aber 

E­8247/2008 nichts  über  den  Urheber  des  Materials  und  die  Verfasser  der  Texte.  Realitätsfremd sei auch die Behauptung, dass er nicht sagen könne, was  mit  der  letzten Ware  geschehen  sei,  die  sie  nicht  mehr  an  G._______  hätten ausliefern können. Zudem sei der Aufenthaltsort, den er sich nach  dem Eindringen der Beamten ins Haus der Eltern gewählt habe, eines der  denkbar  schlechtesten  Verstecke  gewesen:  Es  sei  unrealistisch  und  lebensfremd, sich während  (…) Monate bei einer H._______ erfolgreich  vor den Behörden zu verstecken. So habe der Beschwerdeführer selber  ausgeführt, dass die  iranischen Behörden  in einer Woche  jeden  fänden.  Weiter  habe  sich  herausgestellt,  dass  es  sich  bei  der  Verhaftung  des  Kontaktmannes  lediglich  um  eine  Vermutung  gehandelt  habe  und  er  somit  nicht  einmal  wisse,  was  G._______  tatsächlich  widerfahren  sei.  Schliesslich habe er auf die Frage, was seiner Meinung nach geschehen  wäre,  wenn  er  im  Iran  weiterhin  geblieben  wäre,  geantwortet,  dass  sie  dann  irgendwann  "aufgeflogen"  wären.  Damit  habe  er  den  Grossteil  seiner Ausführungen  umgestossen, weil  er  damit  zu  erkennen gegeben  habe, dass noch gar nicht nach  ihnen gesucht worden sei. Somit  seien  die  Asylangaben  nicht  glaubhaft,  weshalb  deren  Asylrelevanz  nicht  zu  prüfen sei. Der  Argumentation  des  BFM  wurde  in  der  Beschwerde  entgegengehalten,  die  unstimmigen  Zeitpunkte  des  Schmuggelbeginns  seien erklärbar. So habe der Beschwerdeführer  zuerst dem D._______,  der  im  Militär  gewesen  sei,  helfend  zur  Seite  gestanden.  Nach  einem  Jahr,  als  er  selber  den Militärdienst  habe  absolvieren müssen,  habe  er  sein  politisches  Engagement  intensiviert.  Ferner  seien  der  Kontext  und  die  beschriebenen  Rollen  des  F._______  und  des  G._______  in  eine  Beurteilung  einzubeziehen.  Der  widersprüchliche  Verhaftungszeitpunkt  von  G._______  sei  auf  einen  blossen  Versprecher  zurückzuführen:  G._______ sei  im (…) 2007 verhaftet worden. Ferner hätten sie sich an  der Busstation nach dem Sonnenuntergang um 17 Uhr getroffen und der  Bus  sei  nach  19  Uhr  gestartet.  Zudem  habe  ihre  Aufgabe  bloss  darin  bestanden, Botendienste auszuführen. Vom Kontaktmann sei er über die  Identitäten  der  Urheber  und  der  weiteren  involvierten  Personen  nicht  aufgeklärt  worden.  Da  sich  die  letzte  Sendung  im  Sportsack  von  F._______  befunden  habe,  habe  er  auch  nicht  wissen  können,  was  dieser  damit  gemacht  habe.  Das  Versteck  bei  H._______  sei  sicher  gewesen,  weil  H._______  relativ  weit  weg  in  einem  Dorf  in  einer  Mietwohnung  gelebt  und  jedes  Jahr  die  Wohnung  gewechselt  habe.  Zudem  seien  im  fraglichen  Dorf  noch  weitere  Verwandte  wohnhaft  gewesen.  Wegen  des  Verschwindens  des  Kontaktmannes  G._______ 

E­8247/2008 und  der  Hausdurchsuchungen  durch  Angehörige  des  Geheimdienstes  (Ettelaat)  sei  die  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  hinreichend  begründet  und angesichts der Verhältnisse im Iran nachvollziehbar. Schliesslich sei  festzustellen,  dass  seine  Angaben  mit  denen  des  D._______  übereinstimmen  würden.  Ferner  sei  zu  berücksichtigen,  dass  er  sich  exilpolitisch  betätigt  habe.  Als  Mitglied  der  J._______  (eine  politische  Bewegung)  habe  er  an  fünf  Kundgebungen  teilgenommen.  Es  müsse  zudem davon ausgegangen werden,  dass er  bei  seiner Teilnahme  vom  (…) gefilmt worden sei. Er stamme zudem aus einer oppositionspolitisch  aktiven  Familie.  Sein  (…)  und  (…)  seien  wegen  ihrer  Tätigkeiten  innerhalb  der  J._______  (eine  politische  Bewegung)  als  Flüchtlinge  anerkannt.  Bei  (…)  und  (…)  seien  die  Asylverfahren  noch  auf  Beschwerdestufe  hängig.  Der  (…)  und  noch  weitere  Familienmitglieder  derselben lebten in der Schweiz. Schon aus diesen Gründen würde er bei  einer  Rückreise  einem  Verhör  unterzogen,  und  es  drohe  ihm  Reflexverfolgung. Mit  Vernehmlassung  vom  23.  Januar  2009  führte  das  BFM  aus,  exilpolitische  Tätigkeiten  könnten  nur  dann  im  Sinne  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Voraussetzungen  einer  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen, wenn davon auszugehen sei, dass sie im Falle einer Rückkehr in  den  Iran mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit  ernsthafte Massnahmen  für den Betroffenen zur Folge hätten. Die geschilderte Mitgliedschaft bei  der  J._______  (eine  politische  Bewegung)  vermöchte  nicht  ein  solches  Mass  zu  erreichen.  Den  Beweismitteln  liessen  sich  keine  Hinweise  entnehmen,  dass  die  iranischen  Behörden  von  der  Mitgliedschaft  Kenntnis genommen oder gar gestützt darauf irgendwelche Massnahmen  ergriffen  hätten.  Aus  den  Schilderungen  und  Beweismitteln  lasse  sich  nicht  ableiten,  dass  er  über  ein  politisches  Profil  verfüge,  das  von  den  iranischen  Behörden  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System  wahrgenommen  werde.  Die  iranischen  Behörden  wüssten  politische  Aktivisten und Regimegegner, die eine reelle Gefahr für ihr herrschendes  politisches System darstellen, von Personen, die sich oft zeitlich befristet  in  engem  Zusammenhang  mit  einem  hängigen  Asylgesuch  exilpolitisch  betätigen,  zu unterscheiden. Es bestünden keine Hinweise darauf, dass  der  Beschwerdeführer  wegen  oppositionspolitisch  aktiver  Familienmitglieder Verfolgung im Iran zu gewärtigen habe. In  der Replik  vom  17.  Februar  2009  und  der  Ergänzung  vom  23. März  2011 wurden die exilpolitischen Aktionen  (…) hervorgehoben. Das BFM  verkenne, dass der Beitritt zur J._______ (eine politische Bewegung) und 

E­8247/2008 die  Teilnahme  an  Kundgebungen  eine  logische  Fortsetzungen  der  im  Heimatland  manifestierten  politischen  Überzeugung  des  Beschwerdeführers  darstelle.  Sein  politisches  Profil  in  der  Schweiz  entspreche  nicht  demjenigen  einer  Person,  die  erst  in  der  Schweiz  in  vergleichbarem  Umfang  politisch  aktiv  geworden  sei.  Ausserdem  seien  die  bestehenden  Verwandtschaftsverhältnisse  geeignet,  in  den  Fokus  einer erhöht wachsamen iranischen Sicherheitsbehörde zu geraten. Da er  im  Iran  und  in  der  Schweiz  politisch  aktiv  gewesen  sei,  sei  die  Gefahr  einer Gefährdung durch Reflexverfolgung umso grösser. Demzufolge sei  Asyl  zu  gewähren  respektive  zumindest  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  anzuerkennen;  ein  Wegweisungsvollzug  sei  unzulässig und unzumutbar. 3.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  aus  den  nachfolgenden  Gründen  zum  Schluss,  dass  die  Betrachtungsweise  und  die  Schlussfolgerungen der Vorinstanz zutreffen. 3.2.1. Zwar mögen zwei der  vom BFM aufgelisteten Vorhalte – nämlich  bezüglich des Zeitpunkts der Verhaftung von G._______ und der Busfahrt  – durch  die  nachträglich  vorgebrachten  Argumente  des  Beschwerdeführers  (Versprecher,  unglückliche  Ausdrucksweise,  Sachzusammenhang) relativiert oder eventuell gar aufgelöst worden sein.  Indessen sind diese Aspekte  im Gesamtkontext nicht ausschlaggebend.  Hinsichtlich der Kernvorbringen – namentlich die mangelhafte Kenntnisse  über die Bezugspersonen und das Schmuggelgut,  die Beweggründe  für  ein  politisches Mittun,  Beginn,  Ende  und Umsetzung  der  Botentätigkeit,  das  eigene Verhalten,  die Umstände  der  Flucht  und  des Versteckens –  kommt das Bundesverwaltungsgericht  zum Schluss,  dass das BFM das  Gesuch  im  Ergebnis  zu  Recht  als  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht genügend erachtet hat.  Es  darf  grundsätzlich  auf  die  zutreffende  vorinstanzliche  Begründung  abgestellt werden. Einige Hinweise mögen dies ergänzend verdeutlichen:  Die Beweggründe der Teilnahme an den politischen Tätigkeiten  im  Iran,  die Schilderungen der Erlebnisse und das gezeigte Verhalten lassen eine  vertiefende Substanz vermissen. Das angebliche politische Engagement  wirkt angesichts der rudimentären Kenntnisse des Beschwerdeführers als  aufgesetzt, und den Vorbringen mangelt es an Substanz, Detailreichtum  und  konkreten  Realkennzeichen.  Es  leuchtet  nicht  ein,  weshalb  der  Beschwerdeführer  regelmässige  Botengänge mit  konspirativem Material  vorgenommen haben  soll,  ohne  über  die Herkunft,  die Herstellung,  den  Inhalt,  den  Zweck  und  die  Bestimmung  dieses  Materials  und  über  die 

E­8247/2008 beiden wesentlichen Bezugspersonen Genaueres zu wissen, zumal  ihm  das Verbotene und Gefährliche an seiner Tätigkeit offensichtlich bewusst  war.  Das  Fehlen  von  Absprachen  und  Vorkehrungen  im  Falle  von  Notsituationen ist ebenfalls realitätsfern. Dass ein Schmuggler verbotener  Texte  sich  selbst  dann  mit  dem  konspirativem  Material  im  Sportsack  freiwillig  auf  E._______  begeben  und  dort  aufhalten  würde,  wenn  er  bereits beim Zutritt erfahren hätte, dass die Zielperson verhaftet worden  sei,  ist  völlig  unrealistisch.  Darüber  hinaus  blieben  der  persönliche  politische Meinungsbildungsprozesses des Beschwerdeführers und seine  Motivation  für  seine  gegen  das  Regime  gerichtete  Tätigkeit  in  seinen  Schilderung  ausgeblendet  oder  erschienen  unwirklich  blass.  So  wurde  vom  Beschwerdeführer  lediglich  erklärt,  er  habe  die  Idee  eines  Botendienstes von regimekritischem Material  für gut befunden und habe  sie  gerne  für  den  in  seinem  Quartier  wohnenden  Freund  F._______  verwirklicht  (A10  S.  2),  denn  schliesslich  müsse  er  doch  etwas  gegen  eine  Regierung  tun,  die  er  nicht  leiden  könne;  er  und  sein  D._______  hätten gemeint,  sei  seien derjenige Funke, der das nötige Feuer gegen  diese Regierung  entfachen  könne  (A10  S.  3).  Solche  Aussagen wirken  nicht einfach nur naiv, sondern sind auch schlichtweg unvereinbar mit der  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  angeben  kann,  für  welche  politische  Bewegung,  welche  politische  Idee  und  welchen  Urheber  des  Informations­ und Propagandamaterials er tätig gewesen sei, obschon er  angeblich den Inhalt des transportierten Materials gekannt haben will. Ein  solcher  merkwürdiger,  lebensfremder,  unkritischer  und  gleichzeitig  selbstgefährdender  Einsatz  einer  normal  intelligenten  Person  über  Monate hinweg  für eine unbekannte Sache kann nicht geglaubt werden.  Nicht  das  Selbe  ist  ferner,  ob  das  Wohnhaus  von  Beamten  gestürmt  worden  ist  (A1 S. 5) oder ob zwei Zivilbeamte eines Geheimdienstes an  die Tür geklopft haben (A10 S. 1 und 4). Es erübrigt sich angesichts dieser  beispielhaft  aufgezeigten  Unstimmigkeiten,  auf  die  weiteren  Behauptungen und Beweismittel einzugehen. Dem Beschwerdeführer  ist  zusammenfassend nicht zu glauben, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise  aus dem Iran Grund zur Befürchtung hatte, verfolgt zu werden. 3.2.2. Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  nach  Art. 3 AsylG ist indessen nicht nur die Situation im Zeitpunkt der Ausreise,  sondern  insbesondere  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Datums  des  Asylentscheides,  wobei  allerdings  erlittene  Verfolgung  oder  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  Hinweis  auf  weiterbestehende  Gefährdung  sein  kann  (BVGE  2008/4  E.  5.4,  mit  weiteren Hinweisen).

E­8247/2008 Eine  asylsuchende  Person  ist  auch  dann  als  Flüchtling  anzuerkennen,  wenn sie erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise im Falle einer  Rückkehr  in  ihren  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  in  flüchtlingsrechtlich  relevanter  Weise  verfolgt  würde.  Zu  unterscheiden  ist  dabei  zwischen  objektiven  und  subjektiven  Nachfluchtgründen.  Objektive  Nachfluchtgründe (nachfolgend Ziff. 3.2.3) liegen dann vor, wenn äussere  Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen  konnte,  zur  drohenden  Verfolgung  führen;  der  von  einer  Verfolgung  bedrohten  Person  ist  in  solchen  Fällen  die  Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen  und  Asyl  zu  gewähren.  Subjektive  Nachfluchtgründe  (nachfolgend Ziff.  3.2.3)  sind gemäss Art.  54 AsylG dann anzunehmen,  wenn eine asylsuchende Person erst durch die unerlaubte Ausreise aus  dem Heimat­ oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der  Ausreise  eine Verfolgung  im Sinne  von Art.  3 AsylG  zu  befürchten  hat.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  können  insbesondere  ein  illegales  Verlassen des Heimatstaates  (sog. Republikflucht) oder die Einreichung  eines  Asylgesuchs  im  Ausland  sowie  eine  politische  Betätigung  im  Exil  darstellen, sofern sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung begründen.  Eine  Person,  die  sich  darauf  beruft,  dass  durch  ihr  Verhalten  nach  der  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  –  insbesondere  durch  politische  Exilaktivitäten  –  oder  durch  die  Ausreise  als  solche  eine  Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, hat begründeten Anlass  zur  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung,  wenn  davon  auszugehen  ist,  sie  würde  aufgrund  solcher  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  bekannt  gewordenen  Handlungen  bei  einer  Rückkehr  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  in  flüchtlingsrechtlich  relevanter  Weise  verfolgt.  Die  vom Gesetzgeber  bezweckte  Bestimmung  subjektiver  Nachfluchtgründe  als  Asylausschlussgrund  verbietet  ein  Addieren  solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen,  die  für  sich  allein  nicht  zur  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft ausreichen.  3.2.3.    Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  nachfolgend  zu  prüfen,  ob  erhebliche  Gründe  für  die  Annahme  einer  begründeten  Furcht  des  Beschwerdeführers  vor  aktueller  oder  künftiger  Reflexverfolgung  bestehen und dieser damit die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Begründete  Furcht  vor  Verfolgung  liegt  vor,  wenn  konkreter  Anlass  zur  Annahme  besteht,  eine  Verfolgung  werde  sich  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen,  welche  den  Eintritt  der  erwarteten  und  aus  einem  der  vom  Gesetz 

E­8247/2008 aufgezählten Motive erfolgenden Benachteiligung als wahrscheinlich und  dementsprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar  erscheinen lassen. Gemäss den dem Bundesverwaltungsgericht vorliegenden Erkenntnissen  ist  es  im  Iran  in  der  Vergangenheit  wiederholt  zu  Verfolgung  von  Familienangehörigen  politischer  Aktivisten,  nach  denen  gefahndet  wird,  gekommen. Familienangehörige von Personen, die von den Behörden in  besonderer  Weise  oppositioneller  oder  staatsfeindlicher  Aktivitäten  verdächtigt  werden  und  sich  ins  Ausland  abgesetzt  haben  oder  anderweitig  untergetaucht  sind,  laufen  Gefahr,  von  den  iranischen  Behörden gesucht, verhört und inhaftiert zu werden. Mithin wäre denkbar, dass die in der Schweiz begonnenen oder allenfalls  verdichteten  Kontakte  zu  politisch  verfolgten,  im  Exil  lebenden  Verwandten,  die  teilweise  anerkannte  Flüchtlinge  sind,  Grund  für  eine  drohende Verfolgung des Beschwerdeführers sein könnten. Dazu gibt es  allerdings  in  den  Akten  keinerlei  Hinweise.  Während  all  der  Jahre,  in  denen  sich  Verwandte  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  aufgehalten  haben  und  er  sich  noch  im  Iran  befunden  hat,  hat  ihm  gegenüber  keine  Reflexverfolgung  eingesetzt.  Es  ist  auch  nicht  anzunehmen,  dass  sich  daran  bei  seiner  Rückkehr  in  den  Iran  etwas  ändert. Der mit dem Beschwerdeführer ausgereiste D._______ ist im Jahr  (…)  freiwillig  in  den  Iran  zurückgereist  (vgl.  Abschreibung  dessen  Beschwerdeverfahrens  wegen  Rückzugs  zwecks  Heimkehr,  Entscheid  vom  […]),  was  darauf  schliessen  lässt,  dass  dieser  keine  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  durch  die  iranischen  Behörden  gehabt  hat.  Nachdem der D._______ wieder in die Schweiz zurückgekehrt ist, gibt er  in seiner Anhörung im zweiten Asylverfahren (N [...], B7 S. 7 ff.) nicht an,  Reflexverfolgungen wegen  seiner  in  der  Schweiz  lebenden Verwandten  ausgesetzt  zu  sein.  Hingegen  erzählt  er  von  Erlebnissen  nach  seiner  Rückkehr, die im Zusammenhang mit dem – im vorliegenden Fall soweit  den  Beschwerdeführer  betreffend  als  nicht  glaubhaft  erkannten –  Transport von Flugblättern ins E._______ stehen.  Bei allen übrigen in der Beschwerdeschrift angeführten Verwandten in der  Schweiz  finden  sich  teilweise  exilpolitische  Interessen  und  Aktivitäten,  aber keine engeren Verbindungen oder Kontakte zum Beschwerdeführer.  Es  ist  nicht  erkennbar,  dass  die  iranischen  Behörden  im  heutigen  Zeitpunkt ihretwegen ein Interesse an der Person des Beschwerdeführers  haben könnten. Eine begründete Furcht  vor künftiger Verfolgung wegen  der Verwandtschaft mit Personen in der Schweiz ist unwahrscheinlich. 

E­8247/2008 Zusammenfassend  wird  festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  ihm  drohende,  flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgung  im  Sinne  einer  Reflexverfolgung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. 3.3.  3.3.1. Der Beschwerdeführer reichte im Laufe des Beschwerdeverfahrens  eine  Fülle  von  Beweismitteln  zu  seiner  exilpolitischen  Tätigkeit  ein.  Er  machte  geltend,  jedenfalls  aufgrund  seiner  Aktivitäten  in  der  Schweiz  einer  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Verfolgung  durch  die  iranischen  Behörden  ausgesetzt  zu  sein.  Die  dokumentierten  Aktivitäten  in  der  Schweiz  umfassen  die  J._______  (eine  politische  Bewegung)­ Mitgliedschaft und rund 18 Teilnahmen an Anlässen in Schweizer Städten  im Zeitraum vom 8. März 2008 bis 15. Februar 2010. 3.3.2.   Bei der Prüfung, ob eine exilpolitisch aktive Person aus dem Iran  in ihrem Heimatland im Sinne von Art. 3 AsylG gefährdet ist und als Folge  ihrer Exiltätigkeit  im heutigen Zeitpunkt die Flüchtlingseigenschaft erfüllt,  ist  festzuhalten,  dass  die  politische  Betätigung  für  staatsfeindliche  Organisationen  im  Ausland  seit  der  Neufassung  des  iranischen  Strafrechts  im  Jahr  1996  unter  Strafe  gestellt  ist.  Iranische  Sicherheitsdienste  pflegen  die  politischen  Aktivitäten  ihrer  Bürger  im  Ausland,  insbesondere  diejenige  von  führenden  Mitgliedern  regierungskritischer  Organisationen,  zu  beobachten  und  zu  erfassen.  Umfang  und  Intensität  der  Überwachung  sind  jedoch  nur  schwer  abzuschätzen;  sie  scheint  aber  seit  den  Unruhen  im  Anschluss  an  die  Präsidentschaftswahlen  2009  eher  zugenommen  zu  haben.  Mittels  Einsatz  moderner  Software  dürfte  es  den  iranischen  Behörden  heute  technisch  auch  möglich  sein,  die  im  Internet  vorhandenen  grossen  Datenmengen ohne allzu grossen Aufwand in einem gewissen Ausmass  zu  überwachen  (vgl.  FIORENZA KUTHAN,  Iran:  Illegale  Ausreise/Situation  von Mitgliedern der PDKI/Politische Aktivitäten im Exil, Auskunft der SFH­ Länderanalyse,  16. November  2010,  S. 10 ff.; MICHAEL KIRSCHNER,  Iran:  Rückkehrgefährdung  für  AktivistInnen  und  Mitglieder  exilpolitischer  Organisationen  –  Informationsgewinnung  iranischer  Behörden,  Auskunft  der  SFH­Länderanalyse,  4. April  2006,  S.  9 f.).  Die  iranischen  Geheimdienste scheinen sich heute auf die Erfassung von Personen zu  konzentrieren,  die  über  die  massentypischen  und  niedrig  profilierten  Erscheinungsformen  exilpolitischer  Proteste  hinaus  Funktionen  wahrnehmen und/oder Aktivitäten entwickeln, die sie aus der Masse der  mit dem Regime Unzufriedenen besonders herausheben und gleichzeitig  als  ernsthafte  und  potentiell  gefährliche  Regimegegner  erscheinen 

E­8247/2008 lassen.  Nach  Erkenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  unterliegen  Mitglieder  in  Exilorganisationen  von  im  Iran  verbotenen  oppositionellen  Parteien,  Teilnehmer  an  Veranstaltungen  dieser  Organisationen,  Mitwirkende  an  regimekritischen  Demonstrationen,  welche  die  dabei  üblichen  Plakate  tragen  und  Parolen  rufen,  Teilnehmer  von  sonstigen  regimekritischen  Veranstaltungen  und  Personen,  die  Büchertische  betreuen und Informations­ und Propagandamaterial in Fussgängerzonen  verteilen,  allerdings  keiner  allgemeinen  Überwachungsgefahr  durch  iranische  Exilbehörden  (vgl.  dazu  BVGE  2009/28  E.7.4.3).  Keine  Rolle  spielt dabei die Quantität der exilpolitischen Aktivitäten, entscheidend  ist  vielmehr  deren Qualität:  So  sind  insbesondere  exponierte  Positionen  in  exilpolitischen  Gruppen  und  Vereinigungen  (Führungs­  und  Funktionsaufgaben) sowie die Form (z.B. gewaltsame Proteste) und der  Einfluss  (öffentliche  Wirkung)  von  Aktionen  bei  der  Beurteilung  der  Gefährdung einer Person von Bedeutung (vgl. KIRSCHNER, a.a.O., S. 7 f.). 3.3.3.    Die  Auffassung  des  Beschwerdeführers,  seine  im  Iran  manifestierte  politische  Überzeugung  habe  die  Fortsetzung  in  der  exiliranischen Gesellschaft, seine Mitgliedschaft bei der J._______ (eine  politische  Bewegung)  und  bei  regimekritischen  Kundgebungsmassnahmen  innerhalb der Schweiz gefunden, weshalb er  heute  ein  besonderes  Profil  innerhalb  der  exiliranischen  Gesellschaft  aufweise (Schreiben vom 17. Februar 2009), ist aufgesetzt. So konnte er  nicht  glaubhaft  machen,  er  sei  bereits  im  Iran  politisch  aktiv  gewesen.  Mithin  hat  er  beim  Verlassen  des  Heimatlandes  (2008)  kein  politisches  Profil  aufgewiesen  und  er  kann  nicht  als  regimefeindliche  Person  ins  Blickfeld  der  iranischen Behörden  geraten  sein. Daran  ändern  auch  die  gegenteiligen  Behauptungen  des  D._______  in  dessem  zweiten  Asylgesuch  nichts.  Das  in  den  Anhörungen  gezeigte  politische  Wissen  und das angebliche Engagement um politische Vorgänge ging kaum über  die  von  ihm  geschilderten  unglaubhaften  Botendienste  hinaus.  Ein  solches  vertieftes  Wissen  und  politisches  Bewusstsein  wäre  bei  tatsächlich politisch interessierten und engagierten Personen, die sich mit  ihren Handlungen bewusst der Gefahr politischer Verfolgung aussetzen,  zu erwarten. Von einer Fortsetzung politischer Aktivität kann mithin nicht  die Rede sein. 3.3.4.  Mit  den  im  Beschwerdeverfahren  vorgebrachten  exilpolitischen  Tätigkeiten erreichte der Beschwerdeführer keinen Bekanntheitsgrad, bei  dem angenommen werden müsste, dass die iranischen Behörden auf ihn  aufmerksam geworden seien beziehungsweise darüber hinaus in ihm ein 

E­8247/2008 Person  erkennen,  die  das  politische  System  gefährden  könnte.  Bis  auf  die dokumentierten Tätigkeiten und die Mitgliedschaft bei der J._______  (eine  politische  Bewegung)  scheint  keine  zusätzliche  ausserordentliche  Präsenz  in  der  Öffentlichkeit  erfolgt  zu  sein.  Die  dokumentierten  Aktivitäten  waren  auch  mehrheitlich  auf  einen  kleineren  Rahmen  beschränkt und fanden in den nationalen und internationalen Medien kein  grosses  Echo.  Der  Beschwerdeführer  vermittelte  als  Demonstrationsteilnehmer nie das Bild einer gegen das iranische Regime  aus der Masse der üblichen Demonstrierenden herausgehobenen aktiven  und ernstzunehmenden Person, die letzten Endes eine Tatkraft entwickelt  hätte oder  in der Zukunft  über eine solche verfügen könnte, die  für das  Regime  zur  Gefahr  werden  könnte.  An  dieser  Situation  ändern  die  bei  den  Demonstrationsteilnahmen  mitgeführten  Plakate  mit  markigen  Slogans nichts. Schliesslich sind den Aussagen des Beschwerdeführers  keine  besonderen  Hinweise  darauf  zu  entnehmen,  dass  die  iranischen  Behörden  tatsächlich  auf  ihn  aufmerksam  geworden  wären  und  er  Verfolgungshandlungen  der  iranischen  Behörden  zu  befürchten  hätte.  Diesbezüglich  sind  die  gegenteiligen  Behauptungen  des  D._______,  welcher  bekanntlich  keine  Angst  vor  der  Heimreise  gehabt  hatte,  nicht  entscheidrelevant. 3.4. Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die  Flüchtlingseigenschaft  auch  unter  den  Aspekten  der  objektiven  und  subjektiven Nachfluchtgründe nicht erfüllt. 3.5.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren, die Flüchtlingseigenschaft beschlagenden Ausführungen in der  Beschwerde  oder  auf  weitere  Beweismittel  einzugehen,  da  sie  am  Ausgang dieses Verfahrens nichts ändern können. Der Beschwerdeführer  hat  bei  einer  allfälligen Rückkehr  in  den  Iran nicht mit  einer  ernsthaften  Benachteiligung seitens der dortigen Behörden zu rechnen; seine Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  ist  objektiv  nicht  begründet.  Das  BFM  hat  das  Asylgesuch  demnach  zu  Recht  abgelehnt  und  die  Beschwerde  ist  hinsichtlich der Ziffern 1 und 2 der angefochtenen Verfügung abzuweisen. 4.  4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 

E­8247/2008 4.2. Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung verfügte der  Beschwerdeführer  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  vom  BFM  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG,  Art.  32  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Im Laufe  des  Beschwerdeverfahrens  heiratete  er  eine  Schweizer  Bürgerin  und  erlangte eine Aufenthaltsberechtigung. Bei dieser Sachlage sind die vom  Bundesamt angeordnete Wegweisung und deren Vollzug ohne weiteres  dahin gefallen, weshalb die Beschwerde diesbezüglich  (Ziffern 3  ­ 5 der  angefochtenen Verfügung) als gegenstandslos geworden abzuschreiben  ist. 5.  Mithin  hat  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und sie ist  angemessen  (Art.  106 AsylG). Die Beschwerde  ist  nach dem Gesagten  abzuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist. 6.   6.1.    Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  9.  Januar  2009  war  dem  Beschwerdeführer  mitgeteilt  worden,  dass  über  sein  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden werde.  Am  8. März  2011 wurde  er  ersucht,  zum Beleg seiner prozessualen Bedürftigkeit  das Formular des  Gerichts ausgefüllt einzureichen, was er am 23. März 2011 getan hat.  Nach  Art. 65  Abs. 1  VwVG  wird  eine  Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint. Den eingereichten Unterlagen  ist  zu entnehmen, dass er und  seine Ehefrau ein monatliches Bruttoeinkommen von Fr. 4856.– erzielen  und  monatliche  Ausgaben  in  der  Höhe  von  Fr.  4425.–  (inkl.  der  monatlichen Schuldenrückzahlungsrate von Fr. 200.–) haben. Ausgehend  von  der  Richtigkeit  dieser  Angaben  und  unter  Berücksichtigung  der  ehelichen Beistandspflicht  ist der Beschwerdeführer nicht als prozessual  bedürftig  anzusehen,  zumal  ihm  die  Gerichtskasse  auf  Antrag  die  ratenweise  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  bewilligen  dürfte.  Sein 

E­8247/2008 Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art.  65 Abs. 1 VwVG ist demzufolge abzuweisen. 6.2. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind somit die Kosten  nach  dem  Grad  des  Durchdringens,  welcher  praxisgemäss  als  hälftig  anzunehmen  ist,  im  Umfang  von  Fr.  300.–  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1 ­ 3 des Reglements vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  6.3.  Es  ist  keine  Parteientschädigung  auszurichten,  weil  die  teilweise  Gegenstandlosigkeit  nicht  durch  prozessual  anrechenbares  Zutun  des  Beschwerdeführers  entstanden  ist  und  die  Gutheissungsaussichten  im  Zeitpunkt  des  Eintritts  der  Gegenstandslosigkeit  auch  hinsichtlich  des  gegenstandslos gewordenen Streitgegenstandes gering waren (Art. 5 und  Art.  15  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2). (Dispositiv nächste Seite)

E­8247/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  gegenstandslos  geworden ist. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 300.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger

E-8247/2008 — Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 E-8247/2008 — Swissrulings