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Bundesverwaltungsgericht 06.01.2012 E-7879/2008

January 6, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,352 words·~12 min·3

Summary

Asyl und Wegweisung | Asylgesuch und Wegweisung

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­7879/2008 Urteil   v om   6 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Markus König,    Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______, Afghanistan,   vertreten durch lic. iur. Monique Bremi, Beratungsstelle  für Asyl­ und Ausländerrecht, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. November 2008 / N (…)

E­7879/2008 Sachverhalt: A.  Gemäss  eigenen  Angaben  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein  afghanischer  Staatsangehöriger  aus  B._______,  Provinz  C._______,  seinen Heimatstaat Ende Juli 2007. Am 13. September 2007 reiste er  in  die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch.  Der Beschwerdeführer machte bei seiner Einreise geltend, erst 16 Jahre  alt  und  somit  minderjährig  zu  sein.  Das  BFM  kam  aufgrund  seines  äusseren  Erscheinungsbildes  zum  Schluss,  das  angegebene  Alter  erscheine nicht als glaubhaft. Die am 20. September 2007 durchgeführte  Knochenalteranalyse  ergab  gemäss  ärztlichem  Bericht  ein  wahrscheinliches chronologisches Alter  von 19 Jahren.  Im Rahmen des  dem  Beschwerdeführer  am  26.  September  2009  gewährten  rechtlichen  Gehörs machte er geltend, das Alter so angegeben zu haben, wie es  in  seiner  vom  Grossvater  beantragten  Identitätskarte  stehe,  und  keinen  Grund zu haben, sich als Minderjähriger auszugeben. Zum Beweis seiner  Minderjährigkeit  stellte  er  die  Einreichung  seiner  Identitätskarte  in  Aussicht.  Für  die Reise  habe er  die  eigene  ID­Karte mitgenommen,  sei  jedoch  nirgends  kontrolliert  worden.  Dem  Beschwerdeführer  wurde  mitgeteilt,  dass an seiner Minderjährigkeit  starke Zweifel bestünden und  er  im  weiteren  Verfahren  als  Volljähriger  behandelt  und  ihm  keine  Vertrauensperson beigegeben werde.  B.  Anlässlich der Kurzbefragung vom 26. September 2007 im Empfangs und  Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ und der Anhörung vom 7. Oktober  2007 zu den Asylgründen machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er habe bis zur Ausreise in B._______ gelebt. Da sein Vater den Taliban  angehört habe, habe seine Familie Probleme mit der Regierung gehabt.  Sein  Vater  sei  einige  Monate  vor  dem  Einmarsch  der  Amerikaner  bei  Kämpfen  gegen  Anhänger  Massouds  in  E._______  ums  Leben  gekommen.  Nach  der  Niederlage  der  Taliban  sei  er  (der  Beschwerdeführer)  von  deren  Gegnern,  die  an  die  Macht  gekommen  seien,  bedroht  worden.  Diese  hätten  ihn  beschuldigt,  Kalaschnikows  versteckt  zu  haben.  Die Dorfältesten  hätten  sich  über  dieses  Vorgehen  beschwert,  da  er  noch  sehr  jung  gewesen  sei  und  die Waffen  deshalb  nicht  habe  besitzen  können.  Dennoch  sei  er  weiterhin  bedroht  worden.  F._______,  der  zu  dieser  Zeit  die Provinz  regiert  habe  und  auch  heute  noch  über  grossen  Einfluss  verfüge,  habe  als  Warnung  das  Haus  des 

E­7879/2008 Beschwerdeführers  angezündet.  Danach  habe  seine Mutter  die  Familie  verlassen  und  erneut  geheiratet,  worauf  er  und  seine  Brüder  zum  Grossvater gezogen seien. Wegen seines vermeintlichen Waffenbesitzes  sei  er  mehrmals  verhört  und  von  Soldaten  mitgenommen  worden.  Die  Dorfältesten hätten erreichen können, dass er nach ungefähr drei Tagen  wieder  freigelassen  worden  sei.  Daraufhin  habe  der  Grossvater  ihm  mitgeteilt, er müsse Afghanistan verlassen und habe ihm das Geld für die  Reise gegeben. Der Beschwerdeführer habe sich, seit er  in der Schweiz  sei,  bemüht,  seine  Identitätskarte  zu  bekommen.  Er  habe  einen  Bekannten  angerufen,  um  mit  dem  Grossvater  in  Kontakt  zu  treten.  Dieser  Bekannte  habe  ihm  aber  mitgeteilt,  sein  Grossvater  und  seine  Brüder hätten ebenfalls fliehen müssen. Er (der Beschwerdeführer) solle  sich nicht mehr bei ihm melden, da die Telefone abgehört würden.  C.  Mit Verfügung vom 5. November 2008 – eröffnet tags darauf – lehnte das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab  und  ordnete  seine  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  den  ablehnenden  Asylentscheid  damit,  dass  die  Schilderungen des Beschwerdeführers den Anforderungen von Art. 7 des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die  Glaubhaftmachung  eines  Asyl  begründenden  Sachverhalts  nicht  genügten und er daher die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht  erfülle. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich.  Für  die  detaillierte  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  auf  die  Erwägungen verwiesen.  D.  Mit  Beschwerdeeingabe  vom  8.  Dezember  2008  beantragte  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  zur  Neubeurteilung,  eventualiter  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl,  subeventualiter  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme unter Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des  Wegweisungsvollzuges  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines Kostenvorschusses. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer  die Kopie einer Tazkara zu den Akten, aus welcher das Geburtsjahr (…)  hervorgeht. Ausserdem reichte er eine Kopie der Tazkara seines Vaters,  Kopien  von  Fotos  seines  Vaters  sowie  einen  UNHCR­Bericht  zu  den  Akten.

E­7879/2008 E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  16.  Dezember  2008  stellte  die  damals  zuständige  Instruktionsrichterin  den  legalen  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers während des Verfahrens fest und setzte ihm Frist zur  Einreichung einer Fürsorgebestätigung. F.  Mit Eingaben vom 16. beziehungsweise 30. Dezember 2008  reichte der  Beschwerdeführer seine Tazkara, die Tazkara seines Vaters, Fotografien  seines Vaters (alles  im Original) sowie eine Fürsorgebestätigung zu den  Akten. Mit Eingabe vom 11. Februar 2009 reichte der Beschwerdeführer  Übersetzungen der Tazkaras zu den Akten.  G.  Mit  Zwischenverfügung  vom  5.  Juli  2011  machte  die  nun  zuständige  Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Vorinstanz  auf  das  Grundsatzurteil  vom  16.  Juni  2011  (E­7625/2008)  betreffend  Sicherheitslage und humanitäre Situation in Afghanistan aufmerksam und  setzte Frist zur Vernehmlassung. H.  Mit  Verfügung  vom  20.  Juli  2011  hob  das  BFM wiedererwägungsweise  die Ziffern 4 und 5 der Verfügung vom 5. November 2008 auf und nahm  den Beschwerdeführer infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  in der Schweiz vorläufig auf. I.  Mit Schreiben vom 17. August 2011 hielt der Beschwerdeführer an seiner  Beschwerde  fest,  soweit  sie  aufgrund  der  vorläufigen  Aufnahme  nicht  gegenstandslos geworden war, und ergänzte diese. J.  Mit Vernehmlassung vom 2. September 2011 beantragte das BFM unter  Verweis  auf  seine  bisherigen  Standpunkte  und  Erwägungen  und  unter  Berücksichtigung der  vom Beschwerdeführer  eingereichten Beweismittel  die Abweisung der noch hängigen Beschwerdebegehren.  K.  Mit  Eingabe  vom  "17.  August  2011"  (Datum  des  Poststempels:  22.  September 2011) nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlassung des  BFM Stellung und machte unter Beilage einer Kopie der Tazkara, gemäss  welcher der Beschwerdeführer  (…) geboren sei, unter anderem geltend, 

E­7879/2008 zum  Zeitpunkt  der  Asylgesuchseinreichung  minderjährig  gewesen  zu  sein. L.  Eine beim Forensischen  Institut Zürich  in Auftrag gegebene Prüfung der  Tazkara  ergab  gemäss  Bericht  vom  18.  November  2011,  dass  es  sich  beim Dokument um einen Ausweis bescheidener Qualität handle, welcher  keinerlei  Sicherheitselemente  aufweise,  wobei  an  den  Inhaltseinträgen  keine Manipulationsspuren feststellbar seien.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten.

E­7879/2008 1.4. Der Gegenstand der vorliegenden Beschwerde ist aufgrund der von  der  Vorinstanz  im  Rahmen  der  Vernehmlassung  gewährten  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  infolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  auf  die  Ziffern  1  bis  3  des  Dispositivs  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom  5.  November  2008  (Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft,  Ablehnung  des  Asylgesuchs,  Wegweisungsanordnung als solche) beschränkt.  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.   Vorab  ist  zu  prüfen,  ob  das  BFM  zu  Recht  von  der  Volljährigkeit  des  Beschwerdeführers ausging und auf die Beigabe einer Vertrauensperson  verzichtete. 3.1.  Die  behördliche  Untersuchungspflicht  wird  im  Asylverfahren  durch  die  der  asylsuchenden  Person  gestützt  auf  Art.  8  AsylG  auferlegte  Mitwirkungspflicht  eingeschränkt,  wobei  sie  insbesondere  auch  ihre  Identität  offenzulegen  und  in  der  Empfangsstelle  Reisepapiere  und  Identitätsausweise abzugeben hat (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG).  Mit Bezug auf das Beweismass, dem Altersangaben zu genügen haben,  ist von der allgemeinen Regel von Art. 7 AsylG auszugehen, das heisst  die  behauptete  Minderjährigkeit  muss  zumindest  glaubhaft  erscheinen.  Dabei ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung eine Abwägung sämtlicher  Anhaltspunkte,  welche  für  oder  gegen  die  Richtigkeit  der  betreffenden  Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Es gilt der Grundsatz der  freien  Beweiswürdigung  (vgl.  Art.  40  des  Bundesgesetzes  vom  4.  Dezember  1947 über den Bundeszivilprozess  [BZP, SR 273]  i.V.m. Art. 19 VwVG).  Zur  Altersabklärung  stehen  grundsätzlich  die  in  Art.  12  Bst.  a­e  VwVG  aufgezählten  Beweismittel  zur  Verfügung,  das  heisst  Urkunden,  Auskünfte  der  Parteien,  Auskünfte  oder  Zeugnis  von  Drittpersonen,  Augenschein  und  Gutachten  von  Sachverständigen.  Liegen  keine  schlüssigen  Identitätsdokumente  vor,  fallen  mit  Blick  auf  die  Altersfeststellung  als  Beweismittel  sodann  Abklärungsergebnisse  in  Betracht,  welche  auf  "wissenschaftliche Methoden"  im Sinne  von  Art.  7  Abs. 1 der Asylverordnung über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311)  abstellen.  In der Praxis des BFM handelt es sich dabei  in der Regel um  sogenannte  Knochenalteranalysen.  Hinsichtlich  der  Frage,  ob  eine 

E­7879/2008 Person  das  18. Altersjahr  tatsächlich  bereits  erreicht  hat,  sind  aufgrund  dieser  Analyse  jedoch  keine  wissenschaftlich  zuverlässigen  Aussagen  möglich. Auch aufgrund des äusseren Erscheinungsbildes kann das Alter  meist nur grob geschätzt werden. Angesichts des geringen Beweiswertes  der beiden zuletzt genannten Beweismittel kommt bei der vorfrageweisen  Prüfung  des  Alters  einer  ihre  Minderjährigkeit  behauptenden  asylsuchenden  Person  der  Würdigung  ihrer  eigenen  Angaben,  die  sie  einerseits zu  ihrem Alter selbst, andererseits zur unterbliebenen Abgabe  von  Identitätspapieren  macht,  in  aller  Regel  entscheidende  Bedeutung  zu. Der Beweiswert ihrer Aussagen über das Alter kann reduziert werden,  wenn  sie  neben nicht  schlüssigen Aussagen  zu den  soeben genannten  Punkten ganz offensichtlich unzutreffende Angaben über ihren Reiseweg  macht oder wenn ihr elementare Kenntnisse über ihr angebliches Heimat­  oder Herkunftsland fehlen (vgl. zum Ganzen Entscheide und Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004 Nr.  30  E.  5  und 6 S. 208 ff.). 3.2. Vorab ist festzustellen, dass, nachdem der Untersuchungsbericht des   Forensischen  Instituts  Zürich  vom  18.  November  2011  dem  Beschwerdeführer  vorgängig  nicht  zur  Kenntnis  gebracht  worden  ist,  dieser in den nachfolgenden Erwägungen nicht weiter berücksichtigt wird.  Eine  Kopie  des  Berichts  wird  zusammen  mit  dem  Urteil  dem  Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht. 3.3. Das  BFM  stellte  bei  seiner  Feststellung,  der  Beschwerdeführer  sei  volljährig, hauptsächlich auf die Knochenalteranalyse vom 20. September  2007  ab.  Anlässlich  der  diesbezüglichen  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  zur  Altersbestimmung  begründete  es  dem  Beschwerdeführer  gegenüber seine Auffassung, es erachte ihn als volljährig, damit, dass er  keine  Identitätspapiere  abgegeben  habe,  die  Knochenalteranalyse  zum  Resultat habe, dass er 19 Jahre oder älter sei, und er älter aussehe als  es  sich  aus  dem  von  ihm  angegebenen  Geburtsdatum  ergebe.  In  der  angefochtenen  Verfügung  stützte  sich  das  BFM  betreffend  die  Unglaubhaftigkeit  der  Minderjährigkeit  ebenfalls  auf  das  Resultat  der  Knochenalteranalyse  und  darauf,  dass  er  bis  zum  Entscheiddatum  keinerlei Ausweispapiere zu den Akten gereicht habe.  3.4.  In  seiner  Beschwerde  beantragte  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der Verfügung  der Vorinstanz  und  die Rückweisung  zwecks  Neubeurteilung.  Da  die  Minderjährigkeit  von  der  Vorinstanz  nicht  habe  widerlegt werden können, hätte diese unter Anerkennung derselben  ihm 

E­7879/2008 eine  Vertrauensperson  zuweisen  müssen.  Indem  sie  dies  unterlassen  habe,  habe  sie  den Anspruch  auf  rechtliches Gehör,  den Anspruch  auf  unentgeltliche Rechtsverbeiständung sowie Art. 17 Abs. 3 AsylG verletzt,  weshalb sich die Kassation der Verfügung aufdränge. 3.5. Mit den Aussagen, die Knochenalteranalyse habe ergeben, dass der  Beschwerdeführer  mindestens  19  Jahre  alt  sei  und  seine  persönliche  Glaubwürdigkeit  durch  seine  Falschangabe  zu  seiner  Identität  massiv  beeinträchtigt sei, verkennt das BFM, dass einer Knochenalteranalyse mit  Bezug  auf  die  Frage  der  Minderjährigkeit  nur  ein  geringer  Beweiswert  zukommt  und  das  Bundesverwaltungsgericht  von  einer  Standardabweichung  von  zweieinhalb  bis  drei  Jahren  ausgeht  (vgl.  EMARK 2000 Nr. 19). Dennoch  ist die Einschätzung der Vorinstanz, die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte  Minderjährigkeit  sei  unglaubhaft,  im Ergebnis zu stützen. Bei  fraglicher Minderjährigkeit  trägt  nach der Bestimmung von Art.  8  des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs  vom  10. Dezember  1907  (ZGB,  SR  210)  die  als  allgemeiner  Rechtsgrundsatz  auch  im  öffentlichen  Recht  Anwendung  findet,  die  asylsuchende  Person  dafür  die  Beweislast  und  damit  die  Folgen  der  Beweislosigkeit  (vgl.  EMARK  2000  Nr.  19,  Erw.  8b,  S.  188).  Dieser  Grundsatz wirkt sich allerdings erst dann zu Ungunsten der betreffenden  Person  aus,  wenn  die  Behauptung  der  Minderjährigkeit  tatsächlich  unbewiesen  bleibt,  weil  sich  andernfalls  die  Frage  der  Beweislastverteilung gar nicht stellt (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 Erw. 5.2, S.  208).  Bis  zum  Entscheiddatum  hatte  der  Beschwerdeführer  keine  Identitätspapiere  eingereicht,  welche  sein  angebliches  Geburtsdatum  belegen könnten. Seine Aussagen anlässlich des rechtlichen Gehörs zur  Knochenalteranalyse  fielen  unsubstantiiert  aus.  So  konnte  der  Beschwerdeführer  kaum  Angaben  zum  Alter  seiner  Eltern  machen.  Anlässlich der Befragung zur Person und auch bei der Anhörung zu den  Asylgründen  machte  er  geltend,  er  könne  seine  Identitätskarte  nicht  einreichen,  da  sie  ihm  vom Schlepper  abgenommen worden  sei  und  er  sie  von  diesem  nicht mehr  zurückbekommen  habe  (vgl.  vorinstanzliche  Akten A1 S.4 und A20 S. 3). Wie ihm diese dann doch zugestellt werden  konnte,  wird  weder  in  der  Beschwerde  noch  in  einer  seiner  späteren  Eingaben  erklärt.  Auch  die  Angaben  zum  Reiseweg,  welche  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  zur  Person machte,  werfen  Fragen auf und sind als unglaubhaft zu beurteilen. Weiter  fällt auf, dass  er  sowohl  bei  der  Befragung  zur  Person  (vgl.  A1  S.1)  als  auch  beim  rechtlichen  Gehör  (vgl.  A12  S.2)  und  bei  der  Anhörung  zu  den  Asylgründen  (vgl.  A20  S.2)  stets  angab,  im  Jahr  (…)  geboren  zu  sein. 

E­7879/2008 Dies  stehe  so  in  seiner  Identitätskarte.  In  der  von  ihm  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  Identitätskarte  ist  jedoch  das  Jahr  (…)  als Geburtsjahr eingetragen. Dazu kommt, dass gemäss Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  einer  afghanischen  Tazkara  aufgrund  fehlender  Sicherheitselemente  nur  ein  sehr  geringer  Beweiswert  zukommt (vgl. beispielsweise D­4472/2008).  Die  Argumentation  in  der  Beschwerde  vermag  ebenfalls  nicht  zu  überzeugen. So ist der Aussage, die Vorbringen des Beschwerdeführers  zu  seinem  Alter  seien  grundsätzlich  glaubhaft  und  ausführlich,  zu  widersprechen.  Weiter  wird  in  der  Beschwerde  am  Geburtsjahr  (…)  festgehalten, während der Tazkara das Jahr  (…) zu entnehmen  ist  (vgl.  Beschwerde S. 3). Die Aussage, das vom Beschwerdeführer angegebene  Alter  habe  nicht  widerlegt  werden  können,  weshalb  die  Vorinstanz  von  dessen  Minderjährigkeit  hätte  ausgehen  müssen,  verkennt,  dass  die  Beweislast  für  die  Glaubhaftmachung  der  Minderjährigkeit  beim  Beschwerdeführer  und  nicht  bei  der  Vorinstanz  liegt  (vgl.  obige  Ausführungen, 3.1.). Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  behauptete  Minderjährigkeit  im  vorinstanzlichen  und  auch  im  Beschwerdeverfahren  nicht  glaubhaft  gemacht  worden  ist.  Auf  die  Beiordnung  einer Vertrauensperson  im Sinne  von Art.  17 Abs.  3 Bst.  b  bzw. c AsylG wurde demnach zu Recht verzichtet.  4.   Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind;  sie  dürfen  sich nicht  in  vagen Schilderungen erschöpfen oder den Tatsachen oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen  und  sie  dürfen  nicht 

E­7879/2008 widersprüchlich  sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren. Darüber  hinaus  muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  sie  ihre  Vorbringen  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt  (Art. 7  Abs. 3  AsylG),  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des Verfahrens Vorbringen  auswechselt  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  –  im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  Raum  für  gewisse  Einwände und Zweifel  an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine  Behauptung  gilt  bereits  als  glaubhaft  gemacht,  wenn  das  Gericht  von  ihrer Wahrheit  nicht  völlig  überzeugt  ist,  sie  aber  überwiegend  für wahr  hält,  obwohl  nicht  alle Zweifel  beseitigt  sind. Für  die Glaubhaftmachung  reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der  Inhalt der Vorbringen zwar  möglich  ist,  aber  in Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und  überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte  Sachverhaltsdarstellung sprechen. 5.  5.1. Die Vorinstanz begründete  ihren ablehnenden Asylentscheid damit,  dass die Schilderungen des Beschwerdeführers den Anforderungen von  Art.  7  AsylG  an  die  Glaubhaftmachung  eines  Asyl  begründenden  Sachverhalts  nicht  genügten,  und  er  daher  die  Flüchtlingseigenschaft  nach  Art. 3  AsylG  nicht  erfülle.  So  werde  seine  persönliche  Glaubwürdigkeit  durch  die  Falschaussage  zu  seiner  Identität  (Minderjährigkeit) massiv beeinträchtigt. Soweit  er  geltend mache, unter  dem Verdacht des Waffenbesitzes  inhaftiert worden zu sein, sei er auch  nach  wiederholter  Aufforderung  nicht  in  der  Lage  gewesen,  die  entsprechenden Ereignisse glaubhaft zu schildern, seine Antworten seien  oberflächlich  und  ausweichend  ausgefallen.  Die  angeblichen  Befragungen und Drohungen habe er zeitlich nicht einzuordnen vermocht  und  die  Aussagen  zur  Inhaftierung  seien  widersprüchlich  gewesen.  Während er bei der Befragung zur Person von einer zweiwöchigen Haft  gesprochen  habe,  habe  er  im  Rahmen  der  Anhörung  angegeben,  während  ungefähr  drei  Tagen  in  Haft  gewesen  zu  sein.  Diese  Ungereimtheiten würden bestätigen, dass sich der Beschwerdeführer auf  einen konstruierten Sachverhalt beziehe. 5.2.  In  seiner  Rechtsmitteleingabe  wiederholt  der  Beschwerdeführer  zunächst weitgehend seine bei der Vorinstanz vorgebrachten Asylgründe, 

E­7879/2008 um  dann  im  Einzelnen  auf  die  Erwägungen  des  BFM  einzugehen.  So  seien die in der Verfügung gemachten Ausführungen betreffend sein Alter  unzutreffend,  da  im  Untersuchungsbericht  selber  auf  die  Ungenauigkeit  einer  solchen  Altersfeststellung  hingewiesen  worden  sei  und  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seiner  Praxis  von  einer  Standardabweichung  von  zweieinhalb  bis  drei  Jahren  ausgehe.  Weiter  führe  das  BFM  aus,  die  Antworten  des  Beschwerdeführers  seien  sehr  oberflächlich  und  ausweichend  ausgefallen.  Dies  sei  nicht  nachvollziehbar,  zumal  er  substanziierte  Angaben  zu  den Bedrohungen  gemacht habe. Namentlich habe er ausführliche und genaue Angaben zu  den  Personen  gemacht,  die  ihn  bedroht  und  befragt  hätten.  Es  sei  hervorzuheben, dass er detaillierte Aussagen habe machen können trotz  der  Tatsache,  dass  er  Analphabet  sei.  Ausserdem  falle  auf,  dass  der  Befragungsstil  bei  der  Anhörung  sehr  aggressiv  gewesen  sei,  was  den  Beschwerdeführer  verunsichert  habe.  Daten  könne  er  sehr  wohl  angeben,  es  könne  jedoch  nicht  erwartet  werden,  dass  er  bei  etwa  20  Befragungen  eine  genaue  zeitliche  Einordnung  machen  könne.  Auch  habe  der  Beschwerdeführer  klar  erklärt,  inwiefern  sich  die  ausgesprochenen  Drohungen  zugespitzt  hätten;  ein  Bekannter  seines  Vaters  habe  seinem  Grossvater  erzählt,  der  Beschwerdeführer  würde  eine  erneute  Verhaftung  wohl  nicht  überleben.  Bei  dem  vom  BFM  angeführten  Widerspruch  bezüglich  der  Haft  handle  es  sich  um  einen  Übersetzungsfehler. Überhaupt  gebe es einige Ungenauigkeiten bei  der  Übersetzung. Der Beschwerdeführer habe sich beim Übersetzer beklagt,  dass  dieser  seine  Antworten  nur  in  sehr  zusammengefasster  Form  übersetzt  habe.  Dieser  habe  ihm  versichert,  dass  dies  unproblematisch  sei. Ausserdem sei die Befragung zur Person und die Anhörung nicht  in  seiner Muttersprache Paschtu durchgeführt worden. Die Vorinstanz habe  aus  all  diesen  Gründen  die  Glaubhaftigkeit  der  Ausführungen  des  Beschwerdeführers zu Unrecht verneint.  5.3.  Mit  Beschwerdeergänzung  vom  17.  August  2011  hält  der  Beschwerdeführer  hinsichtlich  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der  Asylgewährung  an  seiner  Beschwerde  fest  und  macht  auf  die  angespannte Situation im Distrikt G._______ aufmerksam. Weiter führt er  aus,  er  sei  nach  wie  vor  gefährdet,  da  F._______,  der  für  seine  Verfolgung  mitverantwortlich  gewesen  sei,  immer  noch  zu  den  einflussreichsten  Persönlichkeiten  in  G._______  gehöre.  Dies  belegt  er  mit Zitaten aus einem Artikel des "Afghanistan Analysts Network" vom 19.  Juli 2011. 

E­7879/2008 5.4.  In  seiner  die  Ablehnung  der  Beschwerde  beantragenden  Vernehmlassung  vom  2.  September  2011  verweist  das  Bundesamt  vollumfänglich  auf  seine  bisherigen  Standpunkte  und  Erwägungen.  Weiter  macht  es  auf  einen  Fehler  in  der  vom  Beschwerdeführer  eingereichten Übersetzung seiner Tazkara aufmerksam und weist darauf  hin,  dass  der  Stempel  über  dem  Foto  der  Tazkara  unleserlicher  und  mangelhafter Qualität sei und solche Dokumente leicht käuflich seien.  5.5.  In  seiner  Replik  vom  "17.  August  2011"  (Eingang  beim  Bundesverwaltungsgericht am 23. September 2011) entschuldigt sich der  Beschwerdeführer  für  die  mangelhafte  Übersetzung  und  gibt  in  handschriftlicher  Übersetzung  die  fraglichen  Stellen,  so  wie  sie  lauten  sollten,  wieder.  Weiter  hält  er  an  seinen  früheren  Ausführungen  im  Beschwerdeverfahren fest.  6.  6.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  zur  Erkenntnis,  dass  die  in  der  angefochtenen  Verfügung  (dort  E.  I)  getroffene  Glaubhaftigkeitsprüfung  den  durch  Gesetz  und  Praxis  festgelegten  Ansprüchen  genügt.  Zur Vermeidung  von Wiederholungen  kann  auf  die  betreffenden  Erwägungen  verwiesen  werden.  Die  Vorinstanz  ist  insbesondere in der Feststellung zu stützen, dass die Ausführungen des  Beschwerdeführers  betreffend  seine  Inhaftierung  und  seine  Freilassung  sehr  unsubstantiiert  sind  und  sich  ausserdem  seine  Aussagen  diesbezüglich  bei  der  Anhörung  zu  den  Asylgründen  von  jenen  bei  der  Befragung  zur Person  unterscheiden.  Auch  kann  der Beschwerdeführer  seine  Aussagen  zeitlich  nicht  genügend  einordnen.  Seine  Antworten  fallen,  wie  vom  BFM  richtig  festgestellt,  durchs  Band  vage  und  ausweichend aus. Er erzählt  nicht  frei,  sondern muss bei  der Anhörung  immer  wieder  auf  Aussagen  hingewiesen  werden,  die  er  bei  der  Befragung  zur  Person  gemacht  hat.  Die  Ungenauigkeit  und  Oberflächlichkeit seiner Aussagen lassen darauf schliessen, dass er das  Erzählte nicht tatsächlich erlebt hat.  Die  in  der  Beschwerdeschrift  angeführten  Entkräftungsversuche  und  Gegenargumente  überzeugen  nicht  und  bleiben  erfolglos.  So  wird  die  widersprüchliche Aussage bezüglich der Haft des Beschwerdeführers mit  einem  Übersetzungsfehler  erklärt.  Die  Qualität  der  Übersetzung  sei  mittelmässig  gewesen  und  der  Übersetzer  habe  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers nur  in sehr zusammengefasster Form rückübersetzt. 

E­7879/2008 Ausserdem sei er auf Dari befragt worden, nicht  in seiner Muttersprache  Paschtu.  Dazu  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Frage,  wie  er  den  Dolmetscher  verstanden  habe,  mit  "sehr  gut"  beantwortete (vgl. A20 S.12). Ausserdem gab er anlässlich der Befragung  zur  Person  an,  er  spreche  fliessend  Dari,  da  dies  die  Sprache  seines  Vaters  sei,  und  erklärte  sich  einverstanden,  auf Dari  befragt  zu werden  (vgl.  A1  S.3).  Auf  dem  Personalienblatt  gab  er  sogar  Dari  als  Muttersprache  an  (vgl.  A2  Nr.  9).  Hinweise  auf  eine  unvollständige  Übersetzung  der  Aussagen  des  Beschwerdeführers  lassen  sich  den  Protokollen  keine  entnehmen.  Die  auf  Beschwerdeebene  vorgebrachte  Misshandlung  kann  dem  Beschwerdeführer  nicht  geglaubt  werden,  da  diese zuvor in keiner der Befragungen geltend gemacht worden ist und in  der  Beschwerdeschrift  nur  kurz  erwähnt  wird,  ohne  Begründung  dafür,  warum  sie  nicht  schon  früher  vorgebracht  wurde.  Im  Verlaufe  des  nun  beinahe  dreijährigen  Verfahrens  hätte  er  ausserdem  genügend  Gelegenheit  gehabt,  das  in  diesem  Zusammenhang  erwähnte  ärztliche  Zeugnis beizubringen.  6.2.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  flüchtlingsrechtlich  beachtlichen  Benachteiligungen  oder  Befürchtungen hat glaubhaft machen können. Aufgrund dieser Sachlage  und  in  Würdigung  der  gesamten  Umstände  und  Vorbringen  des  Beschwerdeführers ergibt sich, dass dieser die Voraussetzungen  für die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt.  Die  Vorinstanz  hat  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt.  Auf  die  weiteren  durch  den  Beschwerdeführer  eingereichten  Beweismittel,  namentlich  die  Fotografien,  die  Tazkaras  und  den  UNHCR­Bericht,  ist  nicht  näher  einzugehen,  da  diese  aufgrund  der  festgestellten  Unglaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  nicht  zu  einem  anderen  Ausgang  des  Verfahrens  zu  führen vermögen. 7.  Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Da  der  Beschwerdeführer  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen  verfügt,  wurde  die  Wegweisung  zu  Recht  angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9)

E­7879/2008 8.  Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit)  sind  alternativer  Natur: Sobald eine von  ihnen erfüllt  ist,  ist der Vollzug der Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748). Nachdem  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführer  wiedererwägungsweise  wegen  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommen  hat,  ist  auf  eine  Erörterung  der  beiden  andern  Voraussetzungen eines rechtmässigen Wegweisungsvollzugs zur Zeit zu  verzichten. 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  hinsichtlich  der  Ziffern  1  bis  3  des  Dispositivs  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  festgestellt hat und angemessen  ist  (Art. 106 AsylG);  die  Beschwerde  ist  entsprechend  abzuweisen.  Bezüglich  der  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  ist  die  Beschwerde  aufgrund  der  durch  die  Vorinstanz  gewährten  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  gegen­standslos geworden und abzuschreiben.  10.  Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung sind  grundsätzlich  nach  dem  Verhältnis  von  Obsiegen  und  Unterliegen  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen beziehungsweise  zuzusprechen  (Art. 63  Abs. 1  und  Art.  64  Abs.  1  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  bezüglich  seiner  Anträge  auf  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  der  Asylgewährung  und  der  Aufhebung  der  Wegweisung  unterlegen.  Bezüglich  der  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  hat  er  obsiegt.  Praxisgemäss bedeutet dies ein hälftiges Obsiegen. Nach dem Gesagten wären die Verfahrenskosten grundsätzlich zur Hälfte  dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  wurde  bisher  noch  nicht  beurteilt.  Die  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  ist  aufgrund  der  eingereichten  Fürsorgebestätigung  vom  30.  Dezember  2008  jedoch  als  erstellt  zu  erachten,  und  die  Beschwerde war zudem nicht  von vornherein aussichtslos. Das Gesuch 

E­7879/2008 um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  somit  gutgeheissen, weshalb keine Verfahrenskosten zu erheben sind. Der Beschwerdeführer ist im Umfang seines Obsiegens – hier also hälftig  – für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten zu entschädigen (Art. 64  Abs.  1  VwVG,  Art.  7  ff.  VGKE).  Er  reichte mit  seiner  Eingabe  vom  17.  August  2011  eine  Kostennote  seiner  Rechtsvertreterin  mit  dem  Gesamtrechnungsbetrag  von  Fr.  1205.50  ein,  welche  angemessen  erscheint. Nach diesem Zeitpunkt machte die Rechtsvertreterin noch eine  Eingabe, welche als notwendig zu beurteilen und zu entschädigen ist. Der  Gesamtrechnungsbetrag  ist  deshalb  auf  angemessene  Fr.  1300.­­  zu  erhöhen.  Die  durch  die  Vorinstanz  auszurichtende  Parteientschädigung  ist somit auf Fr. 650.­­ (inkl. Auslagen) festzusetzen.  (Dispositiv nächste Seite) Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird hinsichtlich der Ziffern 1 bis 3 der vorinstanzlichen  Verfügung abgewiesen. 2.  Die  Beschwerde  betreffend  die  Ziffern  4  und  5  der  vorinstanzlichen  Verfügung wird zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Die Parteientschädigung wird auf gesamthaft Fr. 650.­­  festgesetzt. Das  BFM  wird  angewiesen,  diesen  Betrag  an  den  Beschwerdeführer  auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde.

E­7879/2008 Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel Versand:

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