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Bundesverwaltungsgericht 02.09.2011 E-7847/2009

September 2, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,885 words·~9 min·3

Summary

Asyl und Wegweisung | Wegweisung und Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 16. November 2009

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­7847/2009 Urteil   v om   2 .   S ep t embe r   2011   Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Gabriela Freihofer;   Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Albanien,  alias B._______, geboren am (…), Staat unbekannt,   und ihre Kinder C._______, geboren am (…), alias  D._______, geboren am (…), und E._______, geboren am  (…), alias F._______, geboren am (…), Staat unbekannt  beziehungsweise Albanien,  vertreten durch Annelise Gerber, (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Wegweisung und Vollzug der Wegweisung; Verfügung des  BFM vom 16. November 2009 / N._______.

E­7847/2009 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  den  Kosovo  am 3. Februar 2008 und reiste über unbekannte Länder am 12. Februar  2008 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags ein Asylgesuch stellte. Für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  wurde  sie  dem  Kanton  G._______  zugewiesen  (vgl.  jedoch  Bst.  T).  Am  19. Februar  2008  wurde  sie  im  Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) (…) und am 26. März 2008 (…)  vom  BFM  zu  ihren  Ausreise­  und  Asylgründen  befragt.  Anlässlich  ihrer  Anhörungen trug sie im Wesentlichen Folgendes vor: Sie heisse B._______, gehöre der Ethnie der Roma an und stamme aus  dem  Kosovo.  Nachdem  ihre  Eltern  und  Geschwister  den  Kosovo  bei  Kriegsausbruch  verlassen  hätten,  habe  sie  mit  [Geschwisterteil]  zusammen  in H._______  in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen  gelebt. Da  im Kosovo  zudem viele Mädchen entführt worden  seien und  [angeblicher  Geschwisterteil]  I._______  (N._______)  ihr  erzählt  habe,  dass  die  Schweiz  asylsuchende  Personen  aufnehme,  habe  sie  sich  entschlossen, hierher zu kommen.  Die  Beschwerdeführerin  reichte  zur  Stützung  der  geltend  gemachten  Vorbringen eine Kopie ihrer kosovarischen Geburtsurkunde zu den Akten. B.  (…).  C.  Mit  Schreiben  vom  (…)  2009  ersuchte  das  BFM  die  Schweizerische  Botschaft  in  Pristina  um  Abklärungen  zur  Person  und  zu  den  verwandtschaftlichen  Verhältnissen  der  Beschwerdeführerin  sowie  zu  ihrem Wohnort und den Umständen ihrer Ausreise aus dem Kosovo.  D.  Mit  Antwortschreiben  vom 7.  September  2009  teilte  die Schweizerische  Botschaft  in  Pristina  dem  BFM  unter  anderem  mit,  dass  die  Beschwerdeführerin  unter  den  angegeben  Personalien  weder  im  kosovarischen Zentralregister noch im Gemeinderegister verzeichnet sei. 

E­7847/2009 E.  Mit  Schreiben  vom  31.  Oktober  2009  an  das  BFM  zeigte  die  Rechtsvertreterin  die Mandatsübernahme an  und  teilte  dem Bundesamt  mit, dass die Beschwerdeführerin (…) bei ihrem Lebenspartner wohne. F.  Mit  ergänzender  Anhörung  vom  4.  November  2009  gewährte  das  BFM  der  Beschwerdeführerin  das  rechtliche  Gehör  bezüglich  der  Botschaftsabklärung  vom  7.  September  2009  wie  auch  zu  den  Widersprüchen  zu  den  Aussagen  [angeblicher  Geschwisterteil].  Dabei  setzte die Beschwerdeführerin das BFM darüber in Kenntnis, dass sie vor  etwa einem Jahr den [europäischer Staat] Staatsangehörigen J._______  (N._______),  welchen  sie  kurz  nach  ihrer  Einreise  in  die  Schweiz  kennengelernt  habe,  nach  Brauch  geheiratet  habe.  Er  sei  der  [Verwandter] [angeblicher Geschwisterteil].  G.  Mit  Verfügung  vom  16.  November  2009  –  eröffnet  am  18.  November  2009 –  lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und  ordnete  ihre  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  der  Wegweisung an.  Zur  Begründung  führte  es  aus,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  vermöchten  weder  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  noch  denjenigen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  standzuhalten,  zumal  ihre  Identität  nicht  glaubhaft  sei  und  das  Bundesamt  daher  von  einer  Identitätstäuschung  ausgehe.  Im  Übrigen  fehle den geltend gemachten Asylvorbringen – ungeachtet des massiven  Vorbehalts  zur Glaubhaftigkeit  –  auch  die  Asylrelevanz.  Ausserdem  sei  der Vollzug der Wegweisung  zulässig,  zumutbar  und möglich. Sinnvolle  Abklärungen  betreffend  allfällige  Vollzugshindernisse  seien  angesichts  der  Täuschung  über  die  Identität  sowie  der  Verletzung  der  Mitwirkungspflicht  nicht durchführbar. Somit  sei  vermutungsweise davon  auszugehen, es bestünden keine Vollzugshindernisse.  H.  Mit Eingabe vom 15. Dezember 2009 (Datum Poststempel: 17. Dezember  2009)  erhob  die  Rechtsvertreterin  namens  und  im  Auftrag  der  Beschwerdeführerin  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte insbesondere die 

E­7847/2009 Aufhebung  der  Verfügung  des  BFM  vom  16.  November  2009  im  Wegweisungsvollzugspunkt  und  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführerin  wegen  Unzulässigkeit  oder  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der Wegweisung.  Zudem  wurde  sinngemäss  die Wegweisung  als  solche  angefochten.  In  prozessualer Hinsicht wurde  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  des  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) ersucht.  (…). I.  Mit  Verfügung  vom  21.  Dezember  2009  hielt  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  die  Beschwerdeführerin  könne  den  Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten.  J.  Das  Bundesverwaltungsgericht  stellte  mit  Verfügung  vom  12.  Januar  2010 fest, die Verfügung des BFM vom 16. November 2009 sei bezüglich  der Dispositivziffern 1 und 2 (Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und  Abweisung  des  Asylgesuchs)  nicht  angefochten  worden  und  folglich  in  Rechtskraft  erwachsen,  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Prozessführung  werde  gutgeheissen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  werde verzichtet. (…).  K.  Mit  Eingabe  vom  30.  Januar  2010  teilte  die  Rechtsvertreterin  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit,  (…),  dass  für  Herrn  J._______  ein  Gesuch um Erlangung einer B­Bewilligung hängig sei.  (…).  L.  Mit Verfügung vom 25. Februar 2010  lud das Bundesverwaltungsgericht  die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.  M.  Mit  Vernehmlassung  vom  3.  März  2010  beantragte  das  BFM  die  Abweisung der Beschwerde, zumal die Beschwerdeeingabe keine neuen  erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, welche eine Änderung  des  vorinstanzlichen Standpunktes  zu  rechtfertigen  vermöchten. Auf die 

E­7847/2009 Ausführungen  in  der  Vernehmlassung  wird  –  soweit  entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. N.  Das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom  12.  März  2010  die  Stellungnahme  der  Vorinstanz  zukommen und bot ihr Gelegenheit, hierzu zu replizieren.  O.  Mit Eingabe vom 30. März 2010 an das Bundesverwaltungsgericht reichte  die Rechtsvertreterin eine Replik ein, welche mit Berichtigungsschreiben  vom 9. April 2010 ergänzt wurde.  P.  (…).  Q.  Die  Rechtsvertreterin  teilte  mit  Eingabe  vom  13.  Dezember  2010  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit,  dass  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  des  riesigen  Leidensdruckes  und  der  Unsicherheit  über  ihre  Aufenthaltssituation  in  der  Schweiz   dem  Gericht  ihre  wahre  Identität  anzeigen möchte.  In Wahrheit  sei  sie  albanische Staatsangehörige  und  heisse A._______. Sie sei bei ihrer Ankunft in der Schweiz zu verängstigt  und verunsichert gewesen, um richtige Angaben zu machen. Im Übrigen  wurde  das  Gericht  darüber  in  Kenntnis  gesetzt,  dass  Herr  J._______  unterdessen eine B­Bewilligung erhalten habe.  Der  Eingabe  wurden  folgende  Dokumente  beigelegt:  eine  Kopie  des  albanischen Originalpasses der Beschwerdeführerin sowie eine Kopie der  B­Bewilligung von Herrn J._______. R.  Mit  Verfügung  vom  15.  Dezember  2010  forderte  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerdeführerin  auf,  ihren  Originalpass  zu  den  Akten  zu  reichen.  Weiter  wurde  sie  ersucht,  dem  Gericht  anzuzeigen,  ob  bei  der  kantonalen  Migrationsbehörde  im  Rahmen  eines  Familiennachzugs  eine  Aufenthaltsbewilligung  beantragt  worden sei.  S.  Mit Eingabe vom 24. Dezember 2010 liess die Beschwerdeführerin durch  ihre  Rechtsvertreterin  den  Originalpass,  ausgestellt  am  (…)  2007, 

E­7847/2009 einreichen  und  setzte  das  Gericht  darüber  in  Kenntnis,  dass  keine  Aufenthaltsbewilligung  im  Rahmen  eines  Familiennachzugs  bei  den  kantonalen Migrationsbehörden beantragt worden sei.  T.  Das  [Migrationsamt  des  Kantons  K._______]  teilte  mit  Schreiben  vom  23. Juni  2011  dem  BFM  mit,  dass  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  eines Kantonswechselgesuchs vom 4. April 2011 folgende Dokumente zu  den Akten reichte: eine Kopie ihres albanischen Reisepasses, ausgestellt  am  (…)  2011  in  Albanien,  ein  Ehefähigkeitszeugnis  die  Beschwerdeführerin  betreffend,  ausgestellt  am  (…)  2010  in  Albanien,  eine Geburtsurkunde den angeblichen Ehemann der Beschwerdeführerin  betreffend,  ausgestellt  am  (…)  2011  [europäischer  Staat],  sowie  eine  Heiratsurkunde die Beschwerdeführerin und ihren angeblichen Ehemann  betreffend, ausgestellt am (…) 2011 [europäischer Staat]. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht  (Art. 105 und  Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 VwVG). Die Beschwerdeführerin ist durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 

E­7847/2009 schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die Kinder C._______,  geboren  am  (…),  alias D._______,  geboren  am  (…), und E._______, geboren am (…), alias F._______, geboren am (…),  werden  ins  Verfahren  ihrer  Mutter  einbezogen.  Sowohl  die  Beschwerdeführerin  wie  auch  die  beiden  Kinder  sind  derzeit  in  ZEMIS  und  im  Zivilstandsregister  unter  dem  (unzutreffenden)  Aliasnamen  registriert.  Es  wird  dem  BFM  obliegen,  die  zuständigen  Zivilstandsbehörden entsprechend zu orientieren. 4.  Mit Verfügung vom 12. Januar 2010 hielt das Bundesverwaltungsgericht  fest, die Verfügung des BFM vom 16. November 2009 sei bezüglich der  Dispositivziffern  1  und  2  (Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  Abweisung  des  Asylgesuchs)  nicht  angefochten  worden  und  folglich  in  Rechtskraft erwachsen.  5.  In  der  Beschwerdeeingabe  wird  sinngemäss  die  Wegweisung  angefochten,  indem  geltend  gemacht  wird,  dass  eine Wegweisung  aus  der Schweiz den Grundsatz der Einheit der Familie verletze.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2.  Die  Beschwerdeführerin  beruft  sich  auf  den  Anspruch  auf  Familieneinheit  und macht  dabei  geltend, mit Herrn  J._______, welcher  über  eine  B­Bewilligung  verfügt,  verheiratet  zu  sein  sowie  zwei  gemeinsame  Kinder  mit  ihm  zu  haben.  Im  Verlauf  des  Asylverfahrens  wurde  ein  von  der  Beschwerdeführerin  und  Herrn  J._______  unterschriebenes Schreiben vom (…) zu den Akten gereicht, in welchem 

E­7847/2009 Herr  J._______  die  Vaterschaft  des  ersten  sowie  auch  des  –  dazumal  ungeboren  –  zweiten  Kindes  bestätigt.  Zudem  reichte  die  Beschwerdeführerin  eine  Heiratsurkunde,  ausgestellt  am  (…)  2011  [europäischer  Staat],  beim  [Migrationsamt  des Kantons  K._______]  ein.  Gemäss ZEMIS­Eintrag gelten allerdings sowohl die Beschwerdeführerin  als  auch  Herr  J._______  immer  noch  als  ledig.  Im  Übrigen  ist  eine  offizielle Vaterschaftsanerkennung bis dato nicht erfolgt. Ein Anspruch auf  Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aus Bundesrecht würde allerdings  auch im Falle einer Heirat respektive Vaterschaftsanerkennung – wie die  nachfolgenden Erwägungen aufzeigen – gleichwohl nicht bestehen. 5.2.1. Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG hat das BFM bei der Anordnung des  Vollzugs  der  Wegweisung  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  zu  beachten. Die Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG geht, wie bereits in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 24 festgestellt wurde, über die  Tragweite von Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze  der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) hinaus und  beinhaltet, dass die vorläufige Aufnahme des einen Familienmitglieds  in  der  Regel  auch  zur  vorläufigen  Aufnahme  dessen  Familie  führt  (vgl.  hierzu  EMARK  1998  Nr.  31  E.  8  c;  1995  Nr.  24  E.  9,  die  sich  hierfür  freilich noch auf Art. 17 Abs. 1 AsylG  in der Fassung gemäss Ziff.  I des  BB  vom  22. Juni  1990  über  das  Asylverfahren  [AS  1990  938],  welcher  inhaltlich  indessen  Art.  44  Abs.  1  AsylG  entspricht,  beziehen).  In  personeller Hinsicht umfasst der Begriff der Familie dabei den Ehepartner  und  die  minderjährigen  Kinder,  wobei  der  in  dauerhafter  eheähnlicher  Gemeinschaft  lebende  Partner  dem  Ehepartner  gleichzustellen  ist  (EMARK 1995 Nr. 24 E. 7). Bezüglich des geltend gemachten Anspruchs  auf Einheit der Familie ist festzustellen, dass ein solcher auf Art. 44 Abs.  1,  2. Halbsatz  AsylG  basierender  Anspruch  besteht,  solange  das  Verfahren  des  Ehegatten  respektive  des  in  eheähnlicher  Gemeinschaft  lebenden Partners nicht abgeschlossen  ist beziehungsweise dieser über  ein  mit  dem  Asylverfahren  im  Zusammenhang  stehendes  Anwesenheitsrecht verfügt (vgl. EMARK 1995 Nr. 24 E. 11b; 1998 Nr. 31;  1999 Nr. 1; 2002 Nr. 7). Aktuell verfügt der Partner respektive angebliche  Ehemann der Beschwerdeführerin über eine B­Bewilligung und nicht über  ein aus dem Asylrecht abgeleitetes Anwesenheitsrecht, weshalb sich die  Beschwerdeführerin  nicht  auf  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG berufen kann.  http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.258 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.258 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.258 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.258 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.258 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.258 http://links.weblaw.ch/EMARK-1998/31%20S.258 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.227 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.227 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.227 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.227 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.227 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.227 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.227 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.232 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.232 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.232 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.232 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.232 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.232 http://links.weblaw.ch/EMARK-1995/24%20S.232 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/1 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/1 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/1 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/1 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/1 http://links.weblaw.ch/EMARK-2002/7 http://links.weblaw.ch/EMARK-2002/7 http://links.weblaw.ch/EMARK-2002/7 http://links.weblaw.ch/EMARK-2002/7 http://links.weblaw.ch/EMARK-2002/7

E­7847/2009 5.2.2.  Stellt  sich  die  Frage,  ob  eine  asylsuchende  Person  während  hängigem Asylverfahren ein fremdenpolizeiliches Verfahren um Erteilung  einer Aufenthaltsbewilligung einleiten darf, so ist zunächst vorfrageweise  zu  prüfen,  ob  sich  die  betroffene  Person  grundsätzlich  auf  einen  Anspruch im Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG berufen kann. Dabei ist die  ausländerrechtliche  Gesetzgebung  sowie  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  zu  Art.  8  EMRK  massgeblich.  Ist  ein  grundsätzlicher  Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu bejahen,  fällt  die  konkrete Beurteilung des geltend gemachten Anspruchs und damit auch  der  Entscheid  über  die  Wegweisung  in  die  Zuständigkeit  der  fremdenpolizeilichen  Behörden.  Hat  die  asylsuchende  Person  die  zuständige  fremdenpolizeiliche Behörde mit einem Gesuch um Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  befasst,  so  hat  das  BFM  nach  Ablehnung  des  Asylgesuchs  keine Wegweisung  zu  verfügen  beziehungsweise  das  Bundesverwaltungsgericht  eine  vom  BFM  angeordnete  Wegweisung  aufzuheben,  sofern  die  Asylbehörde  gestützt  auf  eine  vorfrageweise  Prüfung  zum  Schluss  gelangt,  dass  die  asylsuchende  Person  grundsätzlich  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  im  oben  umschriebenen  Sinne  hat.  Hat  die  im  ausländerrechtlichen  Verfahren  zuständige  Behörde  über  das  Gesuch  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  entschieden  und  dabei  das  Bestehen  eines  Anspruchs  verneint,  haben  sich  die  Asylbehörden  bei  der  Prüfung  der  Zulässigkeit  des Wegweisungsvollzugs  nicht  mehr  mit  Art.  8  EMRK  zu  befassen  (vgl.  zum Ganzen  ausführlich  EMARK  2001 Nr.  21). Wie  aus  dem  Schreiben  der  Rechtsvertreterin  vom  24.  Dezember  2010  hervorgeht,  sei  keine  Aufenthaltsbewilligung  im  Rahmen  eines  Familiennachzugs  bei  den  kantonalen  Migrationsbehörden  beantragt  worden;  andernfalls  wäre  es  der  Beschwerdeführerin  im  Rahmen  ihrer  Mitwirkungspflicht  oblegen,  das  Bundesverwaltungsgericht  darüber  in  Kenntnis zu setzen, wenn aktuell ein Verfahren eingeleitet worden wäre.  In casu hat sich demnach keine Ausländerbehörde mit dem Fall befasst,  weshalb  für  eine  vorfrageweise  Prüfung  durch  das  Bundesverwaltungsgericht Raum bleibt. Das  Bundesgericht  anerkennt  in  seiner  mit  BGE  109  Ib  183  ff.  eingeleiteten und seither bestätigten Rechtsprechung, dass Art. 8 EMRK  unter gewissen Voraussetzungen einem Ausländer einen – nur  unter den  Voraussetzungen  von Art.  8 Abs.  2 EMRK beschränkbaren  – Anspruch  auf eine Anwesenheitsberechtigung in der Schweiz verleiht. Die Berufung  auf  die Bestimmung  von Art.  8 EMRK  setzt  voraus,  dass  einerseits  die  familiäre  Beziehung  gelebt  wird  sowie  intakt  ist  und  andererseits  eine  http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/BGE-109-IB-183 http://links.weblaw.ch/BGE-109-IB-183 http://links.weblaw.ch/BGE-109-IB-183 http://links.weblaw.ch/BGE-109-IB-183 http://links.weblaw.ch/BGE-109-IB-183

E­7847/2009 Beziehung  mit  einer  nah  verwandten  Person  besteht,  welche  ein  gefestigtes Anwesenheitsrecht – die schweizerische Staatsangehörigkeit,  die  Niederlassungsbewilligung  oder  eine  Aufenthaltsbewilligung,  auf  deren Verlängerung ein Anspruch besteht –, besitzt (vgl. statt vieler BGE  130 II 281, 135 I 143, je mit weiteren Hinweisen). In  casu  verfügt  der  Lebenspartner  respektive  angebliche  Ehemann  der  Beschwerdeführerin sowie Vater der beiden Kinder über kein gefestigtes  Anwesenheitsrecht  in  der  Schweiz  im  Sinne  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung.  Die  Beschwerdeführerin  kann  sich  deshalb  nicht  auf  Art. 8 EMRK berufen.  5.3.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführerin  folglich  weder  aus  Art.  44  Abs.  1  AsylG  noch  aus  Art.  8  EMRK  einen  Anspruch für sich und ihre Kinder ableiten kann, weil sie weder über eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen  verfügt.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht angeordnet (vgl. EMARK 2001 Nr. 21).  6.  Da sich die Beschwerde explizit gegen den Wegweisungsvollzug, mithin  gegen  die  Dispositivziffern  4  sowie  5  der  angefochtenen  Verfügung  richtet, ist zu prüfen, ob die Vorinstanz jenen zu Recht angeordnet hat.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls wenigstens  glaubhaft  zu machen  (vgl. WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht,  2.  Auflage,  Basel  2009, Rz. 11.148).  6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21

E­7847/2009 Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in  ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs.   AsylG gefährdet  ist oder  in dem sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden. 6.2.1.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  sowie  nochmals  in  ihrer Vernehmlassung  vom 3. März 2010 zutreffend darauf  hin, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer mangelhaften Mitwirkung  respektive  Verheimlichung  ihrer  wahren  Identität  die  daraus  resultierenden  Folgen  zu  tragen  habe,  indem  vermutungsweise  davon  auszugehen  sei,  es  würden  einer  Wegweisung  in  den  tatsächlichen  Heimatstaat keine  landes­ oder völkerrechtlichen Vollzugshindernisse  im  Sinne  von  Art.  44  Abs. 2  AsylG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  2  bis  4  AuG  entgegenstehen,  zumal  die  von  ihr  geltend  gemachten  Gründe  für  das  Verlassen  ihres  Heimatlandes  aufgrund  der  festgestellten  Identitätstäuschung  jeglicher  Grundlage  entbehren  würden  und  somit  keine  stichhaltigen  Gründe  für  die  Annahme  einer  ihr  drohenden  Gefährdung darzustellen vermöchten.  Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat – mit Eingabe vom 13. Dezember 2010  teilte  die  Rechtsvertreterin  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit,  dass  es  sich  bei  der  Beschwerdeführerin  um  eine  albanische  Staatsangehörige  handle (vgl. auch den mit Eingabe vom 24. Dezember 2010 eingereichten  albanischen Originalpass der Beschwerdeführerin) – dort mit beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung 

E­7847/2009 drohen würde  (vgl. EMARK 2001 Nr.  16 E.6  a S.  122; EGMR,  [Grosse  Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  vorliegend  aufgrund der unglaubhaften Vorbringen zu verneinen.  Im  Übrigen  hat  der  Bundesrat  mit  Beschluss  vom  5.  Oktober  1993  Albanien  nach  sorgfältiger  Prüfung  als  verfolgungssicheren  Staat  (safe  country)  im  Sinne  von  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  bezeichnet.  Die  Bezeichnung  eines  Landes  als  "safe  country"  beinhaltet  die  Regelvermutung, dass asylrelevante staatliche Verfolgung nicht stattfinde  und  Schutz  vor  nichtstaatlicher  Verfolgung  gewährleistet  sei.  Hinweise  auf Verfolgung sind denn auch vorliegend aus den Akten nicht ersichtlich. Schliesslich  ist  – wie  unter E.  5  ausgeführt wurde  –  auch Art.  8 EMRK  vorliegend nicht verletzt.  6.2.2. Somit  ist  der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­  als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818). 6.3.1.  [Die  Rechtsvertreterin  führte  aus],  es  sei  undenkbar,  dass  die  Beschwerdeführerin  als  alleinstehende  Frau  mit  zwei  Kindern  eine  Lebensexistenz in ihrem Heimatland aufbauen könne. Im Übrigen sei die  Einheit  der  Familie  zu  beachten.  Der  angebliche  Ehemann  der  Beschwerdeführerin sei – und nach Erhalt der B­Bewilligung noch besser  – in der Lage, für seine Familie aufzukommen.  6.3.2. In ihrer Vernehmlassung vom 3. März 2010 führte die Vorinstanz in  eingehenden  Erwägungen  aus,  gemäss  gängiger  Praxis  und  Rechtsprechung  erachte  man  den  Wegweisungsvollzug  für  alleinerziehende  Mütter  mit  Kleinkindern  grundsätzlich  dann  als  zumutbar,  wenn  diese  in  ihrem  Herkunftsland  über  ein  tragfähiges  soziales  Beziehungsnetz  verfügen  würden,  durch  welches  es  als  sichergestellt gelten könne, dass die betreffenden Mütter und ihre Kinder  http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/16 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/16 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/16 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/16 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/16 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/16 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/16 http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3818 http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3818 http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3818 http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3818 http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3818

E­7847/2009 nicht  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  würden.  Die  Vermutung,  dass  bei  einer  Verheimlichung  der  Identität  oder  der  Herkunftsregion  davon  auszugehen  sei,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  an  den  tatsächlichen  Herkunftsort  für  die  Beschwerdeführerin  nicht  unzumutbar  sei,  beziehe  sich  auch  auf  das  Kriterium  des  Bestehens  eines  tragfähigen  sozialen  Beziehungsnetzes.  Diese Regelvermutung würde auch im Falle von alleinstehenden Frauen  respektive Müttern angewandt. Somit könne davon ausgegangen werden,  dass  die  Beschwerdeführerin  an  ihrem  wahren  Herkunftsort  über  ein  tragfähiges familiäres Beziehungsnetz verfüge, wodurch die Aussicht auf  existenzsichernde Lebensgrundlagen sichergestellt sei.  Diese Einschätzung  ist  zu bestätigen. Die Beschwerdeführerin  hat  zwar  damit zu rechnen, dass die wirtschaftlichen Bedingungen in Albanien vor  dem  Hintergrund  der  dort  weit  verbreiteten  Armut  bei  Weitem  nicht  denjenigen  der  Schweiz  entsprechen;  allerdings  sind  keine  weiteren  Gründe  aus  den  Akten  ersichtlich,  aufgrund  derer  geschlossen  werden  könnte,  die  junge  und  offenbar  gesunde  Beschwerdeführerin  gerate  im  Falle  der  Rückkehr  in  eine  existenzbedrohende  Situation,  weshalb  der  Vollzug der Wegweisung in Übereinstimmung mit der Vorinstanz auch als  zumutbar zu bezeichnen ist. 6.4.  Im  Übrigen  ist  festzuhalten,  dass  bei  der  kantonalen  Migrationsbehörde  im  Rahmen  eines  Familiennachzugs  auch  weiterhin  eine  Aufenthaltsbewilligung  beantragt  werden  kann;  die  kantonale  Ausländerbehörde  kann  nämlich  Ausländerinnen  und  Ausländern  mit  Aufenthaltsbewilligung  den  Nachzug  des  Ehepartners  und  der  ledigen  Kinder unter 18 Jahren bewilligen (Art. 44 AuG).  6.5. Die Beschwerdeführerin  verfügt  über einen albanischen Reisepass,  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.6.  Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  deren  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung  der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

E­7847/2009 vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Mit Verfügung vom 12. Januar 2010 hiess das Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Prozessführung  gut.  Aufgrund  der  Aktenlage  muss  die  Beschwerdeführerin  auch  weiterhin  als  bedürftig  betrachtet  werden.  Folglich  besteht  kein  Anlass,  auf  die  gewährte  unentgeltliche  Prozessführung  zurückzukommen.  Auf  die  Erhebung  von  Verfahrenskosten ist demnach zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­7847/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand:

E-7847/2009 — Bundesverwaltungsgericht 02.09.2011 E-7847/2009 — Swissrulings