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Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 E-7483/2007

February 6, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·4,218 words·~21 min·3

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Oktober 2007

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­7483/2007 Urteil   v om   6 .   Februar   2012   Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richterin Gabriela Freihofer;  Gerichtsschreiberin Sarah Diack. Parteien A._______, geboren am (…), Nepal, vertreten durch lic. iur. Thomas Tribolet, Fürsprecher,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Oktober 2007 / N (…).

E­7483/2007 Sachverhalt: A.  A.a  Der  Beschwerdeführer,  ein  aus  B._______  stammender  Nepalese  hinduistischen  Glaubens,  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  seinen  Heimatstaat  am 28.  Januar 2004 und gelangte am 16. Februar 2004  in  die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Er wurde am 18.  Februar  2004  in  der  Empfangsstelle  (heute:  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  EVZ)  (…)  und  am  24.  März  2004  durch  die  zuständige Behörde des Kantons  (…) zu seiner Person,  zum Reiseweg  und zu seinen Asylgründen befragt. Dabei  brachte  er  im  Wesentlichen  vor,  er  habe  von  2057  (2000;  Anmerkung  des Gerichts:  die  nachfolgenden  Angaben  entsprechen  der  nepalesischen  Zeitrechnung,  wobei  in  Klammern  immer  die  jeweilige  Entsprechung  in unserer Zeitrechnung angegeben wird) bis 2060 (2003)  für die Maoisten gearbeitet und sich deshalb versteckt gehalten. Er habe  dabei kleinere und grössere Versammlungen der Maoisten in seinem Dorf  organisiert. [Einer seiner Verwandten] habe als Mitglied bei den Maoisten  eine wichtige Funktion innegehabt und sei deshalb im Jahre 2060 (2003)  von  der  nepalesischen  Armee  verschleppt  und  –  an  einen  Baum  gebunden  –  erschossen  worden.  [Eine  andere  Verwandte]  sei  Vorsteherin  einer  gegen  die  Regierung  gerichteten  Frauenorganisation  gewesen  und  ebenfalls  verschleppt  und  getötet  worden.  [eine  weitere  Verwandte] sei 2058 (2001) bei lebendigem Leibe verbrannt worden; die  Polizei habe das Haus,  in dem [die Verwandte]  [sich befunden habe],  in  Brand  gesteckt.  [zwei]  Schwestern  lebten  heute  in  Kathmandu.  Die  Regierung  suche  ihn  und  würde  ihn  umbringen,  wenn  sie  ihn  finden  würde, wie sie dies bereits mit seinen [Verwandten] getan habe. Im Dorf  sei am (…) 2057 ((…) 2000) eine einflussreiche Person ermordet worden  und er sei danach deswegen am (…) 2057 ((…) 2000) angeklagt worden  beziehungsweise das Ministry Department habe am (…) 2060 ((…) 2003)  einen "Haftbefehl" erlassen und an das District Office geschickt, mit dem  Inhalt, nach ihm zu suchen und ihn sofort umzubringen, beziehungsweise  sein  Onkel  habe  ihm  dies  so  geschildert,  da  er  dieses  Schreiben  nie  gesehen  habe.  Sein  Onkel  habe  ihm  daraufhin  geraten,  das  Land  zu  verlassen, bis sich die Lage beruhigt habe beziehungsweise er habe erst  am  (…) 2060  ((…) 2003) erfahren, dass dieser Haftbefehl bestehe, und  sei  dann  sofort  ausgereist.  Im  Jahr  2059  (2002)  sei  er  verhaftet  und  während  (…)  Tagen  auf  einem  Polizeiposten  und  im  Gefängnis 

E­7483/2007 festgehalten worden; nach seiner Freilassung habe er an verschiedenen  Orten versteckt gelebt. Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  er  folgende  Dokumente  im  Original ein: Ein "School Leaving Certificate" aus dem Jahre 2055 (1998),  eine persönliche Spendenquittung an die Nepal Comunist Partei und eine  Quittung  des  einbezahlten  Mitgliederbeitrages,  beide  aus  dem  Jahre  2056  (1999),  eine  Mitglieder­Identitätskarte  der  Nepal  Comunist  Partei,  ein Schreiben der Partei, die den Tod seiner [Verwandten] bestätigt, aus  dem  Jahre  2060  (2003)  und  zwei  handschriftliche  Schreiben.  In  Kopie  legte er einen Bericht einer Zeitschrift, der vom Bürgerkrieg und dem Tod  des Anführers der Partei  im District des Beschwerdeführers handelt, mit  handschriftlichem  Verweis  auf  die  Webseite  "www.himalmag.com"  ein.  Alle  genannten  Dokumente  wurden  in  nepalesischer  Sprache  verfasst  und  sind  –  bis  auf  die  handschriftlichen  Schreiben  und  den  Zeitschriftenartikel – mit Übersetzungen versehen. A.b Mit  Verfügung  vom  22. Mai  2006  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  des Beschwerdeführers ab und ordnete gleichzeitig die Wegweisung aus  der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung hielt es  fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien angesichts nur wenig  substantiierter,  teils  nachgeschobener,  teils  unlogischer  Aussagen  nicht  glaubhaft  gemacht  worden.  Der  damalige  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  focht  die  Verfügung  mit  verspäteter  Beschwerdeeingabe  bei  der  damaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission (ARK) an. Diese trat mit Urteil vom 4. Juli 2006 auf  die  Beschwerde  nicht  ein,  womit  die  Verfügung  des  BFM  vom  22.  Mai  2006 in Rechtskraft erwuchs. A.c  Mit  Eingabe  vom  3. August  2006  (Poststempel)  reichte  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  neu mandatierten Rechtsvertreter  beim  BFM  ein  Wiedererwägungsgesuch  ein,  welches  er  mit  Eingabe  vom  17. August 2006 ergänzte. Er  beantragte,  der  Entscheid  des BFM  vom  22. Mai  2006  sei  aufgrund  des  Vorliegens  neuer  erheblicher  Tatsachen  in  Wiedererwägung  zu  ziehen,  es  sei  ihm  Asyl  und  eventualiter  in  der  Schweiz  die  vorläufige  Aufnahme zu gewähren. Aufgrund der beschafften Beweismittel könne er  die  vom  BFM  als  unglaubhaft  erachteten  Ausführungen  glaubhaft  darlegen.  Als  Mitglied  einer  Familie,  die  einer  maoistischen  Partei  angehöre, sei er nach wie vor in Nepal gefährdet. http://www.himalmag.com

E­7483/2007 Der Beschwerdeführer reichte dazu folgende Beweismittel zu den Akten:  Eine  "Student  Identity  Card"  des  [Name] Campus  aus  dem  Jahre  2056  (1999) in Kopie, ein Schreiben des Local Development Ministery vom (…)  2006,  das  den  Tod  seiner  [Verwandten]  bestätigt,  im  Original  inklusive  Übersetzung ins Deutsche, eine Bestätigung des "[Name der Institution]"  vom  (…).  Dezember  1997  im  Original  inklusive  Übersetzung  ins  Englische,  welche  das  Niederbrennen  des  Hauses  bestätigt,  einen  ihn  betreffenden, am (…) 2000 ausgestellten Haftbefehl wegen terroristischer  Handlungen  und  des  Vorwurfs  der  Ermordung  von  C._______,  einem  Einwohner  von  B._______,  im  Original  inklusive  Übersetzung  ins  Deutsche,  ein  polizeiliches  Schreiben  ("Subject:  Filing  of  Petitions")  betreffend terroristische Aktivitäten und Gewalt, datierend vom (…) 2002  im Original inklusive Übersetzung ins Englische, ein weiteres polizeiliches  Schreiben vom (…) 2002 ("Order issued from Chief District Officer, […]")  betreffend eine angebliche Verurteilung des Beschwerdeführers zu einer  zweijährigen Haft, einen englischsprachigen Bericht des UNHCR ("Report  of  investigation  into  arbitrary  detention,  torture  and  disappearances  at  Maharajgunj RNA barracks, Kathmandu, in 2003 – 2004") vom Mai 2006,  5  Internetausdrucke  einer  nepalesischen  Onlinezeitung  über  die  Ereignisse  im Zusammenhang mit Maoisten  in Nepal, alle datierend aus  dem  Jahre  2006,  und  vier  weitere  Kopien  von  Dokumenten  in  nepalesischer  Sprache,  nach  Angaben  des  Beschwerdeführers  eine  Bestätigung seiner Wohngemeinde, eine Bestätigung der nepalesischen  Polizeibehörde  und  zwei  Bestätigungen  der  maoistischen  Studentengewerkschaft. A.d Das BFM wies das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers  mit  Verfügung  vom  23. August  2006  ab  und  erklärte  gleichzeitig  seine  Verfügung  vom  22.  Mai  2006  als  rechtskräftig  und  vollstreckbar.  Es  begründete seinen ablehnenden Entscheid  im Wesentlichen damit, dass  die  eingereichten  Beweismittel  nicht  erheblich  seien,  weil  sie  einerseits  teilweise  nicht  fälschungssicher  oder  käuflich  erwerbbar  seien  und  andererseits  diverse  Unregelmässigkeiten  und  Widersprüchlichkeiten  aufweisen würden. Am 22. September 2006 focht der Beschwerdeführer  die Verfügung vom 23. August 2006 beim Bundesverwaltungsgericht an. A.e Mit Urteil vom 10. Juli 2007 hiess das Bundesverwaltungsgericht die  Beschwerde  gut,  hob  den  Entscheid  auf  und  wies  das  BFM  an,  in  der  Sache  neu  zu  entscheiden.  Zur  Begründung  führte  es  im Wesentlichen  aus,  dass  das  BFM  seine  Untersuchungs­  und  Begründungspflicht  verletzt  habe,  indem  es  den  dem Wiedererwägungsgesuch  beigelegten 

E­7483/2007 Beweismitteln  teilweise  voreilig  oder  mit  falscher  Begründung  die  Beweiskraft  abgesprochen  habe  und  die  Dokumente  teilweise  nicht  übersetzt habe. B.  Mit  Verfügung  vom  8. Oktober  2007  –  eröffnet  am  9. Oktober  2007  –verneinte  das BFM  die  Flüchtlingseigenschaft  des Beschwerdeführers,  lehnte dessen Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz  und ordnete den Wegweisungsvollzug an. In  materieller  Hinsicht  begründete  die  Vorinstanz  ihren  ablehnenden  Entscheid  im  Wesentlichen  damit,  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Gegebenheiten  (aktives  Engagement  für  die  Maoisten;  Tötung  [seiner  Verwandten]  durch  die  nepalesischen  Behörden;  Suche  nach dem Beschwerdeführer; Inhaftierung) seien vor seiner Ausreise am  28.  Januar  2004  geschehen,  die  Lage  in  Nepal  habe  sich  indessen  zwischenzeitlich  grundlegend  geändert.  Die  Maoisten  würden  seit  dem  Waffenstillstand Ende April 2006 von der neuen nepalesischen Regierung  nicht  mehr  als  verbotene  Terrororganisation  betrachtet.  Sie  seien  amnestiert  worden  und  würden  im  Gegenzug  auf  Gewaltanwendung  verzichten.  Gemäss  dem  Friedensvertrag  mit  der  nepalesischen  Regierung  vom  November  2006  seien  die  Maoisten  heute  sowohl  im  nepalesischen Parlament als auch im Kabinett namhaft vertreten. Bei der  Bildung  einer  neuen  Regierung  würden  sie  eine  massgebliche  und  tragende  Rolle  spielen.  Auch  wenn  die  Regierungsbildung  ein  langer,  zäher Prozess sei, so habe die aktuelle Entwicklung  insgesamt zu einer  Entspannung  und  zu  einer  massgeblichen  Verbesserung  der  Menschenrechtssituation  im  ganzen  Land  geführt.  Es  sei  daher  davon  auszugehen,  dass  für Personen, welche den Maoisten angehört  hätten,  aufgrund  der  zwischenzeitlich  geänderten  politischen  Lage  keine  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  durch  die  nepalesischen  Behörden  mehr bestehe. Diese Einschätzung werde zudem durch einen Bericht des  UNHCR vom Juli 2007 bestätigt; darin werde insbesondere festgehalten,  dass  sich  die  Situation  signifikant  verbessert  habe.  Eine  gewisse,  lokal  beschränkte  Gefährdung  von  Personen,  welche  in  Opposition  zu  den  Maoisten  gestanden  hätten,  könne  nicht  ausgeschlossen  werden.  Der  Beschwerdeführer  gehöre  jedoch  den  Maoisten  an,  welche  sich  heute  keiner  konkreten  Bedrohungssituation  mehr  ausgesetzt  sehen  würden.  Daher  sei  das  Vorbringen,  ehemaliger  Angehöriger  der  Maoisten  gewesen zu sein und deshalb durch die nepalesischen Behörden verfolgt  worden  zu  sein,  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht mehr  als  asylrelevant  zu 

E­7483/2007 bezeichnen.  Die  Echtheit  der  eingereichten  Beweismittel  könne  vorliegend  offen  gelassen  werden,  weil  diese  sich  auf  Ereignisse  beziehen  würden,  aus  welchen  keine  Asylrelevanz  mehr  abgeleitet  werden könne. Die Dokumente könnten  im Sinne der vorangegangenen  Erwägungen  keine  aktuelle  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  begründen.  Das  Asylverfahren  in  der  Schweiz  diene  zudem  nicht  dem  Ausgleich vergangenen Unrechts, sondern Asyl solle demjenigen gewährt  werden, der aktuell des Schutzes des Zufluchtslandes bedürfe. Der Wegweisungsvollzug sei zulässig und auch zumutbar, da weder die  in Nepal herrschende politische Situation noch andere Gründe gegen die  Zumutbarkeit  der  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  dorthin  sprechen  würden.  Im April  2006  sei  in Nepal  sowohl  die Regierung als  auch das  Parlament  vom  König  wieder  eingesetzt  worden.  Die  Maoisten  hätten  einen Waffenstillstand ausgerufen und  ihre Kooperationsbereitschaft mit  der  neuen  Regierung  im  Hinblick  auf  die  vorgesehene  verfassungsgebende  Versammlung  verkündet.  Darauf  habe  auch  die  Regierung  ihrerseits  mit  einem  Waffenstillstand  reagiert,  der  seither  anhalte.  Ende  Mai  2006  habe  die  Regierung  inhaftierte  Maoisten  entlassen  und  im  August  2006  hätten  sich  die  nepalesische  Regierung  und die Maoisten bezüglich der beiderseitigen Entwaffnung geeinigt. Am  22. November  2006  sei  von  beiden  Parteien  schliesslich  ein  formeller  Friedensvertrag  geschlossen  worden,  womit  in  Nepal  keine  Situation  allgemeiner Gewalt mehr bestehe. C.  Mit Eingabe  ans BFM  vom 11. Oktober  2007  führte  der Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  aus,  er  sei  erstaunt  darüber,  dass  das  Bundesamt  einen  Entscheid  fälle,  ohne  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  geforderten  Abklärungen  vorgenommen  zu  haben. Namentlich habe das Bundesverwaltungsgericht auf einen Bericht  von  Amnesty  International  aus  dem  Jahre  [1990er­Jahre]  hingewiesen.  Dieser Bericht beschreibe den Fall seines Klienten. Er gehe davon aus,  dass  es  sich  beim  Entscheid  des  BFM  um  ein  Missverständnis  handle  und der Fall noch nicht abschliessend beurteilt sei. Ansonsten oder ohne  entsprechenden  Gegenbericht  werde  er  die  unvollständige  Verfügung  anfechten.  Zur  Orientierung  lasse  er  dem  Bundesamt  den  Bericht  von  Amnesty International [1990er­Jahre] zukommen. D.  Am  29. Oktober  2007  nahm  das  Bundesamt  dazu  folgendermassen 

E­7483/2007 Stellung:  Der  redigierende  Sachbearbeiter  des  Bundesamtes  habe  sich  sehr  wohl  mit  den  relevanten  Akten  intensiv  auseinandergesetzt  und  diese  in  der  Entscheidfindung  mitberücksichtigt.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers würden aufgrund der Sachlage nach dem am 10. Juli  2007  ergangenen  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  als  glaubhaft  eingestuft.  Die  eingereichten  Beweismittel,  ebenso  der  Bericht  von  Amnesty  International  aus  dem  Jahr  [1990er­Jahre],  würden  sich  auf  diese als glaubhaft erachteten Vorbringen beziehen und Bezug nehmen  auf  die  Situation  des  Beschwerdeführers  vor  seiner  Ausreise.  Eine  aktuelle asylrelevante Gefährdung sei jedoch nicht anzunehmen. E.  Am  5. November  2007  liess  der  Beschwerdeführer  den  Entscheid  der  Vorinstanz  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfechten  und  die  Rückweisung  an  das  Bundesamt,  die  Neubeurteilung,  eventualiter  die  Aufhebung  des  Entscheides  und  die  Asylgewährung  beantragen.  In  formeller  Hinsicht  ersuchte  er  darum,  dass  der  Wegweisungsvollzug  ausgesetzt werde, solange die Beschwerde noch hängig sei. In  seiner  Beschwerdeschrift  führte  er  vorerst  seine  Asylvorbringen  nochmals aus. Er sei in eine Maoistenfamilie geboren worden, in der alle  Familienmitglieder  wichtige  Parteifunktionen  wahrgenommen  hätten.  Er  sei  Propagandaverantwortlicher  der  Partei  in  den  umliegenden  Dörfern  gewesen und deswegen im Frühling 2003 von der Polizei verhaftet, kurz  darauf aber wieder  freigelassen worden.  [Drei seiner Verwandten] seien  vom  Militär  ermordet  worden.  Wegen  seiner  Mitgliedschaft  bei  den  Maoisten sei gegen ihn – wie er kurz vor seiner Ausreise erfahren habe –  ein Haftbefehl erlassen worden, der seine sofortige Erschiessung fordere. Die  damalige  ARK  sei  auf  die  Beschwerde  des  vorgängigen  Rechtsvertreters  wegen  verspäteter  Eingabe  nicht  eingetreten.  In  der  Zwischenzeit habe er  jedoch entscheidrelevante Beweismittel aus seiner  Heimat  besorgen  können,  die  er  am  3.  August  2006  in  Form  eines  Wiedererwägungsgesuchs eingereicht habe. Das BFM habe dieses – mit  der  Begründung,  die  Beweismittel  seien  gefälscht  und  die  Situation  in  Nepal  habe  sich  bedeutend  beruhigt  –  abgewiesen.  Die  dagegen  erhobene  Beschwerde  sei  vom  Bundesverwaltungsgericht  am  10. Juli  2007  gutgeheissen  worden.  Das  Bundesverwaltungsgericht  habe  –  bei  vorausgesetzter  Echtheit  –  die  Erheblichkeit  der  eingereichten  Beweismittel bestätigt und  festgehalten, die Vorinstanz habe zu Unrecht  auf eine eingehende Überprüfung der Dokumente verzichtet; dadurch sei 

E­7483/2007 der  Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  verletzt  worden.  Weiter  habe  das  Gericht  auch  ausgeführt,  es  sei  ungeklärt  geblieben,  ob  ehemaligen  Maoisten  nicht  trotz  Friedensvertrag  und  Beruhigung  der  Lage  in  Nepal  weiterhin  eine  asylrelevante  Verfolgung  drohen könne.  In der nunmehr angefochtenen Verfügung argumentiere das BFM damit,  die  Lage  in  Nepal  habe  sich  grundlegend  geändert  und  stabilisiert,  weshalb  auf  eine  einlässliche Würdigung  der  vorgebrachten  Argumente  und  der  eingereichten Beweismittel  verzichtet werden  könne. Mit  dieser  Argumentation  verletze  das  BFM  erneut  den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör.  Ebenso  wenig  halte  es  die  Vorinstanz  für  nötig,  den  vom  Bundesverwaltungsgericht  erwähnten  Bericht  von  Amnesty  International  aus  dem  Jahr  [1990er­Jahre]  zu  würdigen.  Indem  das  BFM  sich  anmasse,  die  klaren  Instruktionen  des  Bundesverwaltungsgerichts  nicht  zu  befolgen,  verletze  es  zudem  den  Grundsatz  der  Gewaltenteilung.  Ausserdem stütze sich die Vorinstanz in ihrer Verfügung einzig auf einen  inhaltlich  bereits  veralteten  Bericht  des  UNHCR  von  Juli  2007,  nehme  sich  jedoch  nur  diejenigen  Aussagen  heraus,  die  eine  positive  Entwicklung  darstellen  würden  und  ignoriere  dabei  einzelne  relevante  Aussagen.  Vielmehr  sei  aber  eine  einzelfallbezogene  Prüfung  unter  Einbezug des ganzen Berichtes angezeigt gewesen. Die  Schilderungen  des  BFM  zur  allgemeinen  Lage  in  Nepal  seien  ausserdem verfehlt, da sich die aktuelle Situation labil und unsicher zeige  und  damit  gerechnet  werden  müsse,  dass  der  alte  Konflikt  wieder  aufflamme. Es  sei  zu  beachten,  dass  die  Familie  des  Beschwerdeführers  aufgrund  ihrer Aktivitäten eine beispielslose Verfolgung erlitten habe. Der vom BFM  ignorierte Bericht von Amnesty International aus dem Jahr [1990er­Jahre]  befasse  sich  nämlich  mit  seiner  Person,  wie  aus  allen  Angaben,  wie  Namen, Alter und Wohnort ersichtlich sei. Wie der Bericht zeige, sei der  Beschwerdeführer  [als  Jugendlicher]  von  den  Behörden  auf  dem  Polizeiposten  festgehalten  worden.  Seiner  Mutter  sei  mitgeteilt  worden,  ihr Sohn komme erst wieder frei, wenn sich  ihr Mann – welcher gemäss  Vermutungen  der  Polizei  bei  Attacken  der  Maoisten  in  der  Region  beteiligt  gewesen  war  –  in  Polizeigewahrsam  begebe.  Nach  [ein  paar]  Tagen  hätten  lokale  Menschenrechtsorganisation  schliesslich  seine  Freilassung  bewirken  können.  Auch  heute  noch  unterstütze  er  die  Anliegen  der  Maoistischen  Partei  Nepals,  nämlich  indem  er  sich  beim 

E­7483/2007 [Name  der  Organisation]  engagiere.  Er  sei,  so  der  Präsident  der  Organisation,  eine  der  wichtigen  Schlüsselfiguren  der  Organisation;  so  habe  er  sich  an  vorderster  Front  an  einer  Solidaritätskundgebung  von  [Name  der  Organisation]  in  (…)  beteiligt.  Er  treffe  sich  zudem  regelmässig mit  verschiedenen  internationalen  Akteuren,  beispielsweise  am  (…)  März  2007  mit  dem  Präsidenten  des  Politbüros  und  Verantwortlichen  für  die  internationalen  Beziehungen  der  Maoistischen  Partei.  Auch  aufgrund  dieser  Aktivitäten  sei  er  bei  einer  Rückkehr  gefährdet.  Ehemals  aktive  Maoisten  seien  auch  heute  vor  Verfolgung  nicht sicher, insbesondere in B._______, woher er stamme. Hochrangige  Maoistenführer  würden  sich  nur  mit  dem  Schutz  von  Bodyguards  (Mitglieder  ihrer  Armee)  fortbewegen.  Aufgrund  dessen  und  der  Tatsache,  dass  ein  Erschiessungsbefehl  –  der  höchstwahrscheinlich  immer noch aufliege und noch gültig sei – gegen ihn erlassen worden sei,  sei die Gefahr, dass er getötet werde, sehr gross. Personen,  welche  Zeugen  von  Menschenrechtsverletzungen  geworden  seien,  würden  in  Nepal  sehr  gefährlich  leben,  was  am  Beispiel  des  Rechtsanwaltes,  Journalisten  und  Menschenrechtsaktivisten  Jitman  Basnet  ersichtlich  werde.  Auch  der  Beschwerdeführer  sei  Zeuge  von  Menschenrechtsverletzungen,  namentlich  der  Ermordung  seiner  Eltern  und  seiner  Schwester,  geworden  und  aus  diesem  Grund  Zielscheibe  sowohl für die staatlichen Behörden als auch für politische Gegner. Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  legte  er  folgende  Beweismittel  bei:  Die  Kopie  eines  Schreibens  von  (…),  dem  Präsidenten  des  [Name  der  Organisation, die die Anliegen der Maoistischen Partei Nepals unterstützt]  vom 1. November 2007, die Kopie eines Fotos der Kundgebung vom (…)  Januar 2007  in  (…), die Kopie eines Fotos des Treffens vom  (…) März  2007  mit  angeblich  höheren  Mitgliedern  der  maoistischen  Partei  beziehungsweise  exilpolitischen  Kaderpersönlichkeiten,  eine  Landkarte  aus dem Asian Report Nr. 136 der International Crisis Group, den Bericht  des UNHCR über die Situation von Asylsuchenden aus Nepal, datierend  vom Juli 2007, diverse  Internetausdrucke von online­Zeitungen über die  Situation von Maoisten in Nepal, alle datierend aus dem Jahre 2007, eine  Urgent Action von Amnesty International von August 2007 zugunsten von  Jitman  Basnet  sowie  den  bereits  eingereichten  Bericht  von  Amnesty  International (…) aus dem Jahre [1990er­Jahre]. F.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  14.  November  2007  verzichtete  der 

E­7483/2007 damals  zuständige  Instruktionsrichter  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. G.  Mit Vernehmlassung vom 22. November 2007 führte das BFM aus, dass  die eingereichten Beweismittel, welche im Rahmen des ersten Verfahrens  als  wenig  überzeugend  bezeichnet  worden  seien,  nunmehr  in  der  Verfügung  vom  8.  Oktober  2007  im  Sinne  des  Beschwerdeführers  gewertet  worden  seien.  Bei  der  neuen Einschätzung  des Asylgesuches  sei  das BFM  zum Schluss  gekommen,  dass  eine Person mit  dem  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  und  durch  Beweismittel  belegten  Tätigkeitsprofil zum heutigen Zeitpunkt keine asylrelevante Verfolgung in  Nepal zu befürchten habe. Bei dieser Einschätzung seien – entgegen der  Darstellung der Rechtsvertretung – sehr wohl sämtliche Dokumente, die  individuelle Vorgeschichte des Beschwerdeführers und die EInschätzung  des UNHCR – wonach die persönliche Situation vor den Hintergrund der  Lage  im  Heimatland  gestellt  werden  solle  –  berücksichtigt  worden.  Betreffend  die  eingereichten  Internetartikel  sei  festzuhalten,  dass  der  Friedensprozess  in  Nepal  unbestritten  harzig  und  langwierig  sei,  die  heutige Situation  in Nepal sich  jedoch klar von derjenigen unterscheide,  die zum Zeitpunkt geherrscht habe, als der Beschwerdeführer sein Land  verlassen habe. Es  lägen keine konkreten Hinweise vor, dass Maoisten  zum  heutigen  Zeitpunkt  einer  konkreten  Verfolgung  durch  staatliche  Behörden  ausgesetzt  wären.  Hinsichtlich  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Hinweise  auf  mögliche  subjektive  Nachfluchtgründe  sei  festzuhalten,  dass  diese  heutzutage  nicht  relevant  seien,  da  der  Beschwerdeführer  eine  Partei  unterstütze,  die  selbst  in  der  Regierung  beteiligt  sei.  Die  exilpolitische  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers  habe  daher  vorliegend  keine  asylrelevante  Verfolgung  in  seinem  Heimatland  zur Folge. H.  Mit Stellungnahme vom 18. Dezember 2007 rügte der Beschwerdeführer,  die mit  Urteil  vom  10. Juli  2007  festgestellte  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs durch das BFM sei bis anhin nicht geheilt: Denn die  verlangten  Abklärungen seien noch immer nicht durchgeführt worden, und weder sei  der Bericht  von Amnesty  International gewürdigt noch die Frage geprüft  worden,  inwiefern  ihm  konkrete Gefahren  in  seinem Heimatland  drohen  könnten.

E­7483/2007 I.  Am  7.  Juli  2009  unterbreitete  die  zuständige  kantonale  Behörde  dem  BFM  den  Antrag,  dem  Beschwerdeführer  eine  fremdenpolizeiliche  Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 14 Abs. 2 des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  (Vorliegen  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalls)  erteilen  zu  wollen.  Das  BFM  verweigerte  mit  Verfügung  vom  25.  November  2009  seine  entsprechende  Zustimmung.  Die gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht eingereichte  Beschwerde (Verfahren C­8014/2009) ist derzeit noch in der Abteilung III  des Gerichts hängig. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Ein  solches  Auslieferungsersuchen  liegt nicht vor. 1.2. Das Verfahren  richtet  sich  nach  dem VwVG,  soweit  das  VGG  und  das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 

E­7483/2007 Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG,  Art. 48  Abs. 1,  Art. 50  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Mit  seinem  Wiedererwägungsgesuch  vom  3.  August  2006  machte  der  Beschwerdeführer  sinngemäss  das  Vorliegen  von  Revisionsgründen  im  Sinne von Art. 66 VwVG (Bestehen neuer erheblicher Beweisunterlagen  zu  im  ordentlichen  Verfahren  unbewiesen  gebliebenen  Vorbringen)  geltend;  nachdem  die  im  ordentlichen  Verfahren  ergangene  Verfügung  des  BFM  nicht  von  der  Beschwerdeinstanz  materiell  überprüft  worden  war (vgl. oben Bst. A.b), hatte das BFM sich mit den Wiedererwägungs­  beziehungsweise  Revisionsgründen  zu  befassen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1998  Nr.  8).  Dass  das  BFM  das  Wiedererwägungs­  beziehungsweise  Revisionsgesuch insofern behandelt hat, als es erneut materiell über das  Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 16. Februar 2004 entschied und  eine materielle Verfügung zu den Fragen der Flüchtlingseigenschaft, der  Asylgewährung,  der  Anordnung  der  Wegweisung  und  des  Wegweisungsvollzuges  erliess,  ist  ein  sachgerechtes  und  nicht  zu  beanstandendes Vorgehen. Entgegen der Rüge des Beschwerdeführers  (vgl.  Stellungnahme  vom  18.  Dezember  2007)  war  das  BFM  nicht  gehalten,  den  Beschwerdeführer  zu  seinen  Asylvorbringen  erneut  im  Sinne  des  rechtlichen  Gehörs  anzuhören;  das  rechtliche  Gehör  wurde  vom  Beschwerdeführer  vielmehr  durch  die  Einreichung  seines  schriftlichen Gesuchs vom 3. August 2006 ausreichend wahrgenommen,  zumal er bei der Abfassung dieses Gesuchs anwaltlich vertreten war (vgl.  BVGE 2009/53 E. 5). 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

E­7483/2007 sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 5.  5.1. Der  Beschwerdeführer  macht  in  seiner  Rechtsmittelschrift  geltend,  mit  ihrer Vorgehensweise, weder die vorgebrachten Argumente noch die  eingereichten  Beweismittel  zu  würdigen,  habe  die  Vorinstanz  den  Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Zudem habe sie den Grundsatz  der  Gewaltenteilung  verletzt,  weil  sie  sich  nicht  an  die  dahingehenden  Anweisungen des Bundesverwaltungsgerichts gehalten habe. 5.2. Formelle  Rügen  sind  vorab  zu würdigen,  da  sie  allenfalls  geeignet  wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.  5.2.1.  Aus  dem  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  folgt  unmittelbar  die  behördliche  Begründungspflicht  (Art.  35  Abs.  1  VwVG),  wonach  die  verfügende Behörde  ihre Überlegungen,  von  denen  sie  sich  leiten  liess  und  auf  die  sich  ihr  Entscheid  stützt,  substantiiert  nennen  muss.  Eine  hinreichende  Begründung  bildet  die  Grundlage  für  eine  sachgerechte  Anfechtung  der  Verfügung  und  stellt  daher  eine  unabdingbare  Voraussetzung  für  die  Beurteilung  ihrer  Rechtmässigkeit  durch  die  Beschwerdeinstanz  dar.  Aus  dem  verfassungsmässigen  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  ergibt  sich  allerdings  keine  Pflicht  der  Behörden,  zu  allen  im  Verfahren  vorgetragenen  Elementen  ausführlich  Stellung  zu  nehmen; sie können sich bei der Begründung auf die  für den Entscheid  wesentlichen  Punkte  beschränken.  Der  Untersuchungsgrundsatz  fordert  (jedoch  nur)  dort  eingehende  Amtsermittlung  und  ­würdigung  des  Sachverhalts,  wo  es  sachverhaltsgerecht  erscheint.  Die  urteilende 

E­7483/2007 Instanz  soll  somit  in  eigener  Verantwortung  die  tatsächlichen  Geschehnisse  und  Gegebenheiten  (Urteilsgrundlagen)  ermitteln,  aus  denen sich die Rechtsfolgen ergeben.  5.2.2.  Daher  ist  im  Folgenden  zur  Beantwortung  der  Frage,  ob  die  Vorinstanz  ihrer  Begründungspflicht  nachgekommen  ist,  vorerst  zu  prüfen,  ob  sich  der  vorgetragene  Sachverhalt  tatsächlich  als  nicht  asylrelevant  erweist.  Namentlich  ist  vorliegend  zu  untersuchen,  ob  die  Vorinstanz die Sicherheitslage in Nepal zutreffend eingeschätzt hat.  6.  6.1.  Massgeblicher Zeitpunkt zur Beurteilung der Asylvorbringen ist derjenige  des  Entscheides  über  das  Asylgesuch;  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimatland  im  Zeitraum  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid sind zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4, E. 5.4, BVGE  2008/34, E. 7.1; BVGE 2010/57, E. 2.6;  je mit weiteren Hinweisen). Wie  dargelegt, drängt sich daher an dieser Stelle eine genauere Betrachtung  der aktuellen Lage in Nepal auf. 6.2. Die Lage in Nepal präsentierte sich bis zum Entscheid der ARK vom  17. Oktober 2006 (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr.  31),  der  eine  ausführliche  Lageanalyse  Nepals  beinhaltete,  folgendermassen:  Seit  Beginn  des  Krieges der Maoisten  („Communist Party  of Nepal“  [CPN­M])  gegen die  damalige  Regierung  im  Jahre  1996  wurde  erstmals  anfangs  2003  ein  Waffenstillstand  vereinbart  und  am  13.  März  2003  ein  entsprechendes  Friedensabkommen  unterzeichnet.  Doch  bereits  am  27. August  2003  brachen  die Maoisten  die Waffenruhe.  Am  1. Februar  2005  löste  König  Gyanendra die Regierung auf und  formte an deren Stelle einen Rat mit  zehn Ministern,  in dem er den Vorsitz hielt.  Im gleichen Zuge verhängte  er den Ausnahmezustand im Land und setzte damit wesentliche Teile der  Verfassung  ausser  Kraft.  Ab  diesem  Zeitpunkt  häuften  sich  die  bewaffneten Kämpfe zwischen der  "staatlichen" Armee – die dem König  als Machtinstrument diente, da sie vollkommen unter seinem Kommando  stand  –  und  den  Maoisten  zusehends.  Ende  April  2005  wurde  der  Ausnahmezustand  formell  aufgehoben,  gewisse  Grundrechte  wurden  jedoch  noch  immer  nicht  garantiert  beziehungsweise  blieben  eingeschränkt.  Das  Volk  brachte  seinen  Willen  zur  Wiedereinführung  einer  demokratisch  legitimierten  Regierung  in  öffentlichen 

E­7483/2007 Demonstrationen zum Ausdruck; dieser Wille manifestierte sich in der 7­ Parteien­Allianz,  einer  demokratischen  Front  aus  sieben  Parteien.  Aus  dieser Bewegung resultierte ein am 22. November 2005 unterzeichnetes  12­Punkte­Abkommen,  welches  die  Kriegsbeendung  und  die  Wiedereinführung  der  Demokratie  beinhaltete.  Nach Generalstreiks  und  Wahlboykotten  gegen  angesetzte  Lokalwahlen  beschloss  der  König  im  April  2006,  das  vier  Jahre  zuvor  von  ihm  aufgelöste  Parlament  wieder  einzusetzen. Die Maoisten reagierten darauf mit einem am 26. April 2006  verkündeten einseitigen Waffenstillstand, der seinerseits zur Folge hatte,  dass die neue Regierung am 3. Mai 2006 eine unbefristete Waffenruhe  proklamierte  und die Maoisten  zu Friedensverhandlungen einlud. Am 7.  Mai 2006 wurden sämtliche Verfügungen, die  in der Vergangenheit vom  König  erlassen  worden  waren,  von  der  Regierung  für  ungültig  erklärt.  Aufgrund  einer  vom  Parlament  am  18.  Mai  2006  einstimmig  beschlossenen  Resolution  wurde  König  Gyanendra  faktisch  komplett  entmachtet:  Er  verlor  die  Befehlsgewalt  über  das Militär  und  bekleidete  fortan  nur  noch  ein  repräsentatives  Amt  ohne  Einfluss  auf  die  Staatsgeschäfte. Am 15. Juni 2006 einigten sich Premierminister Koirala  und  der  oberste  Rebellenführer  Prachanda  auf  ein  8­Punkte­ Friedensabkommen,  worauf  der  Waffenstillstand  von  den  Maoisten  erneut um drei Monate verlängert wurde. Nach harzigen Verhandlungen  um  die  Frage  der  Rolle  der  zukünftigen  nepalesischen  Armee  einigten  sich die Maoisten und die Regierung Nepals schliesslich darauf, dass die  Vereinten Nationen die Regie und Überwachung des Friedensprozesses  – der demokratische Wahlen vorsah – übernehmen sollte.  Die  ARK  stellte  aufgrund  der  aufgeführten  Faktoren  fest,  dass  sich  die  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  seit  dem  Waffenstillstand  der  Maoisten  erheblich  verbessert  habe.  Zwar  sehe  sich  Nepal,  welches  einen  10­jährigen  bewaffneten  Kampf  hinter  sich  habe,  noch  immer  mit  Menschenrechtsverletzungen  konfrontiert  und  die  Zukunft  der  Friedensverhandlungen  stehe  noch  offen.  Mit  der  Entmachtung  des  Königs  jedoch,  der  Unterstellung  von  Armee,  Polizei  und  Exekutivorganen  unter  die  Führung  des  Parlaments  sowie  dem  UNO­ Monitoring  seien  deutliche  Anzeichen  für  eine  Befriedung  und  Stabilisierung  des  Landes  gesetzt  worden,  die  international  als  bedeutender Schritt für den Friedensprozess Nepals angesehen würden.  Daher könne nicht von einer allgemeinen Lage gesprochen werden, die  durch  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  durch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  gekennzeichnet sei.

E­7483/2007 6.3. Für den nachfolgenden Umriss der Entwicklungen seit Ergehen des  ARK­Entscheides und die Einschätzung der aktuellen Situation  in Nepal  wurden  insbesondere  die  nachfolgend,  in  alphabetischer  Reihenfolge  erwähnten  Dokumente  herangezogen.  Sofern  andere  Quellen  in  die  Analyse einbezogen worden sind, werden diese im Text explizit genannt. ­   [1] Human  Rights  Watch  (HRW),  Country  Summary  Nepal,          Januar 2011; ­   [2]  International  Crisis  Group  (ICG):  Update  Briefing,  Asia  Briefing           No°131,  Nepal's  Peace Process:  The Endgame Nears;  Kathman­           du/Bruxelles, 13. Dezember 2011; ­   [3] ICG:  Nepal:  Peace  and  Justice,  Asia  Report  N°184  –  14.  Januar          2010; ­   [4] ICG:  Nepal:  From  Two  Armies  to  One,  Asia  Report  N°211          – 18. August 2011; ­   [5] Konrad­Adenauer­Stiftung  (KAS),  Länderbericht,  Nepal  im         Transformationsprozess, 13. Januar 2010;  ­   [6] U.S. Department of State: 2010 Country Reports on Human Rights         Practices – Nepal, 8. April 2011. Nach mehrmaliger Verlängerungen des Waffenstillstandes vom 26. April  2006  beziehungsweise  vom  3.  Mai  2006,  die  mit  intensiven  Friedensverhandlungen  einhergingen,  schlossen  die  Maoisten  mit  der  Regierung am 21. November 2006 schliesslich einen Friedensvertrag, der  das  Ende  des  bewaffneten  Kampfes  nun  endgültig  besiegelte  ("Comprehensive Peace Agreement", vgl. ICG 2010 [Quelle 3], S. 2). Die  am 24. April 2006 konstituierte Übergangsregierung (in der die Maoisten  73  von  330  Abgeordneten  stellten)  sollte  durch  eine  neu  und  in  demokratischer Weise gewählte Regierung ersetzt werden. Am 10. April  2008 erfolgten demokratische Wahlen, an denen nun auch erstmals die  maoistische Partei  ("Unified Communist  Party  of  Nepal  (Maoist)  – CPN  (nachfolgend:  CPN])  teilnahm.  Es  kann  zwar  nicht  ausgeschlossen  werden, dass das Wahldenken der Bürgerinnen und Bürger Nepals durch 

E­7483/2007 verschiedene  Randfaktoren,  die  eine  "Angst"  vor  den  Maoisten  begünstigten  –  namentlich  die  undankbare  geographische  Position  Nepals  als  "Pufferstaat"  zwischen  Indien  und  China  (vgl.  Opendemocracy, Nepal: Maoists'  lock,  India's  door,  9. Dezember  2010,   http://www.opendemocracy.net/manjushree­thapa/nepal­containing­ maoists­handling­india,  abgerufen  am  20. Dezember  2011),  die  prekäre  wirtschaftliche  Lage  (vgl.  Weltbank,  Nepal  at  a  glance,  http://devdata.world bank.org/AAG/npl_aag.pdf, Februar 2011, abgerufen  am  19. Dezember  2011)  und  die  ausgeprägte  Korruption  der  Behörden  (vgl.  Transparency  International,  Nepal  Brochure,  http://www.tinepal.  org/TIN_Brochure2010.pdf,  abgerufen  am  21. Dezember  2011)  –  mit  beeinflusst  wurde,  aber  dennoch  löste  der  haushohe  Sieg  der  CPN  weltweites  Erstaunen  aus.  Die  Maoisten  erlangten  229  von  601  Abgeordnetensitze  in  der  neu  gewählten  verfassungsgebenden  Nationalversammlung  (Constituent  Assembly  –  CA)  Nepals  und  hatten  dadurch einen spektakulären Statuswandel von einer Rebellenpartei zur  Mehrheitspartei  in  der  Regierung  vollzogen.  Das  Resultat  kam  insbesondere  auch  für  die  indische  Regierung  –  welche  selbst  in  bewaffneter  Form  gegen  Maoisten  vorging  –  sehr  unerwartet  (Opendemocracy,  Nepal’s  Maoist  landslide,  16. April  2008,   http://www.opendemocracy.  net/article/nepal_s_maoist_  landslide,  abgerufen  am  20. Dezember  2011).  Am  15. August  2008  wurde  der  Führer  der  CPN,  Pushpa  Kamal  Dahal,  bekannt  unter  dem  Rebellennamen  Prachanda,  zum  Premierminister  Nepals  ernannt  (vgl. http://articles.cnn.com/2008­08­15/world/  nepal.  prime.  minister_  1_pushpa­kamal­dahal­prachanda­601­member­constituent­assembly?_  s=PM:  WORLD,  abgerufen  am  30. Dezember  2011).  In  einer  Übergangsverfassung wurden aufgrund des Friedensvertrages von 2006  die  Grundzüge  der  parlamentarischen  Aufgaben  normiert.  Es  bestand  Einigung darüber, dass die nepalesische Verfassung bis Ende Mai 2010  ausgearbeitet  werden  sollte  (KAS  [Quelle  5],  S. 2).  Dabei  erwies  sich  jedoch  insbesondere  die  Frage  der  Integration  der  ehemaligen  maoistischen Kämpfer  in die nationale Armee als konfliktreich, denn der  damalige  Armeechef  General  Katuwal  wehrte  sich  –  entgegen  den  Vereinbarungen im Comprehensive Peace Agreement – vehement gegen  die  Eingliederung  ehemaliger  Rebellen  in  "seine"  Armee.  Prachanda  entliess  daraufhin  den  Armeechef,  worauf  aber  der  nepalesische  Präsident  Ram  Baran  Yadav  (Nepali  Congress)  diesen  wieder  ins  Amt  rief.  Prachanda  reagierte  seinerseits  mit  Generalstreiks,  da  die  Verhandlungen  aber  weiterhin  stagnierten,  quittierte  er  sein  Amt  als  Premierminister  im  Mai  2009,  womit  die  CPN  wieder  in  die  Opposition  http://www.opendemocracy.net/manjushree-thapa/nepal-containing-maois%20ts-handling-india http://www.opendemocracy.net/manjushree-thapa/nepal-containing-maois%20ts-handling-india

E­7483/2007 ging  (KAS  [Quelle  5],  S. 2).  In  der  Folge  bildeten  die  beiden  anderen  grossen  anti­maoistischen  Parteien  (der  Nepali  Congress  [NC]  und  die  Communist  Party  of  Nepal­Unified  Marxist­Leninist  [CPN­UML])  mit  20  anderen  anti­maoistischen  Parteien  eine  Vielparteienkoalition.  Das  Amt  des  Premierministers  übernahm Madhav  Kumar  Nepal  (CPN­UML).  Da  aber  einziges  Bindungselement  der  Parteienkoalition  ihre  anti­ maoistische  Haltung  war,  gelang  es  ihnen  nicht,  die  angestrebte  Verfassungsreform  bis  zum  Ablauf  der  gesetzlichen  Frist  vom  28.  Mai  2010 durchzuführen, da es an der erforderlichen Mehrheit mangelte (KAS  [Quelle 5], S. 3). Es folgten von der Jugendorganisation der maoistischen  Partei,  der  "Young  Comunist  Leage"  (YCL)  angeführte  landesweite,  gewaltsame Demonstrationen, die viele Tote und Verletzte  forderten.  Im  Dezember  2009  kam  es  zu  einem  mehrtägigen  landesweiten  Generalstreik  (vgl.  Hindustantimes,  Maoist  strike  cripples  Nepal,  7. Dezember 2009, http://www.hindustantimes.com/Maoist­strike­cripples­ Nepal/Article1­483  743.aspx,  abgerufen  am  20. Dezember  2011).  Im  Zuge  des  Generalstreiks  begannen  die  Maoisten,  in  eigenmächtiger  Vorgehensweise Nepal in autonome Regionen aufzuteilen, womit sie sich  von  der  Regierung  den  Vorwurf  gefallen  lassen  mussten,  verfassungswidrig  zu  handeln  und  die  Friedensbestrebungen  zu  boykottieren  (The  Indian Express, Outrage: Maoists declare Kathmandu  ‘free’,  17. Dezember  2009,  http://www.indianexpress.com/news/outrage­ maoists­declare­kathmandu­free/555205/,  abgerufen  am  20. Dezember  2011). Trotz einer grossen Anhängerschaft in der Bevölkerung besassen  die  Maoisten  nicht  genug  Macht,  die  Regierung  umzustossen.  Die  unerwartete Distanzierung Chinas von Prachandas Vorgehensweise und  der  steigende  internationale  Druck  zwangen  den  Maoistenführer  zur  Beendigung des Generalstreiks und zur Erklärung, sich zukünftig (wieder)  aktiv  in  den  Friedensprozess  und mithin  in  die Regierung  einbinden  zu  wollen  (vgl.  KAS  [Quelle  5],  S. 5).  Nach  langem  Hin  und  Her  an  der  Regierungsspitze wurde schliesslich im August 2011 der stellvertretenden  Parteichef der Maoisten, Baburam Bhattarai, vom Parlament zum neuen  Ministerpräsidenten  gewählt  (Der  Standard,  Stellvertretender  Maoisten­ Chef  neuer  Ministerpräsident,  28. August  2011,   http://derstandard.at/1313025368887/  Stellvertretender­Maoisten­Chef­ neuer­Ministerpraesident,  abgerufen  am  20.  Dezember  2011).  In  der  Folge  gab  auch  Indien  die  Unterstützung  von  anti­maoistischen  Bewegungen  in  Nepal  auf  (ICG,  Update  Briefing  [Quelle  2],  S. 3).  Die  Bildung einer maoistisch geführten Regierung war der ausschlaggebende  Faktor für einen Fortschritt (ICG, Update Briefing [Quelle 2], S. 1); durch  die Wahl  von Bhattarai,  der  sich  der Herausforderungen  sofort  annahm  http://www.hindustantimes.com/Maoist-strike-cripples-Nepal/Article1-483%20743.aspx http://www.hindustantimes.com/Maoist-strike-cripples-Nepal/Article1-483%20743.aspx http://www.hindustantimes.com/Maoist-strike-cripples-Nepal/Article1-483%20743.aspx http://www.hindustantimes.com/Maoist-strike-cripples-Nepal/Article1-483%20743.aspx http://www.indianexpress.com/news/outrage-maoists-declare-kathmandu-free/555205/ http://www.indianexpress.com/news/outrage-maoists-declare-kathmandu-free/555205/

E­7483/2007 (ICG, Update Briefing [Quelle 2], S. 8), wurde der Friedensprozess stark  beschleunigt. Die neue Regierung setzte sich dafür ein, dass Strafklagen  aus  der  Kriegszeit  zurückgezogen  werden,  die  politischen  Charakter  haben.  Allgemeine  Bestrebungen  einer  Amnestie  für  (schwere)  im  Rahmen der Rebellenkämpfe begangene Verbrechen, um die Umsetzung  des Comprehensive Peace Agreement voranzutreiben, will Bhattarai aber  dahingehend  einschränken,  dass  das  internationale  Recht  nicht  beschnitten  wird.  Bereits  seit  2007  wurden  immer  wieder  Strafklagen  zurückgezogen,  was  zu  Protesten  von  Menschenrechtlern  geführt  hat  (Human  Rights  Watch  and  Advocacy  Forum,  Nepal:  Adding  Insult  to  Injury;  Continued  Impunity  for  Wartime,   http://www.hrw.  org/sites/default/files/reports/nepal1211Upload_0.pdf,  abgerufen  am  21. Dezember  2011,  S.  25ff.).  Sodann  unterzeichneten  die  vier  wichtigsten  Parteien  Nepals  am  1.  November  2011  ein  bedeutendes  Abkommen,  welches  erstmals  konkrete  Lösungen  beinhaltet;  ein  Drittel  der ehemaligen maoistischen Kämpfer sollen nun in die nationale Armee  aufgenommen, die übrigen finanziell entschädigt werden (NZZ, Ein Schritt  Richtung  Normalität  in  Nepal,  3. November  2011),  und  bis  zu  den  nächsten Wahlen  soll  innerhalb  der  Armee  vorerst  ein  "Power­sharing"  erfolgen. Dieser Schritt war nur möglich, weil sich die Regierungsvertreter  teilweise  auf  eine  politische  Neuorientierung  einliessen,  und  stellt  insgesamt  einen  bedeutenden  Durchbruch  im  zentralen  Punkt  der  Friedensverhandlungen dar (ICG, Update Briefing [Quelle 2], S. 1). 6.4. Die neueren Entwicklungen zeigen, dass sich –  trotz verschiedener  Schwerpunktverlagerungen  innerhalb  der  im  Jahre  2006  konstituierten  Regierung  Nepals  –  der  Friedensprozess  nun  in  einer  definitiven  Fortschrittsphase befindet. Die alten Konflikte haben sich abgeflacht und  sich  in zwar teilweise noch harzige, aber dennoch voranschreitende und  schliesslich  konstruktive  Entwicklungsprozesse  transformiert.  Der  sich  entwickelnde  Konsens,  die  internationale  Erwartungshaltung  gegenüber  Nepal,  einhergehend  mit  wachsendem  Vertrauen  in  die  Regierung,  zeigten sich bereits im Jahre 2009 so stark, dass die damals auftretenden  Spannungen  innerhalb  der  Regierung  den  erlangten  Frieden  in  Nepal  nicht  mehr  gefährden  konnten;  potentiell  gefährliche  Abspaltungen  innerhalb  der  Maoistenpartei  werden  immer  unwahrscheinlicher.  Die  Tatsache,  dass  sich  der  Friedensprozess  seit  dem  Friedensabkommen  aus  dem  Jahre  2006  auf  diese  Frage  der  Verschmelzung  der  beiden  Armeen – und  nicht  auf  den  gesamten  Inhalt  des  Friedensabkommens  –  zu  konzentrieren  scheint,  ist  ebenfalls  Zeichen  dafür,  dass  das  politische 

E­7483/2007 Konfliktpotential  weitgehend  abgebaut  worden  ist.  Die  Amnestiebestrebungen  für  (auch  schwere)  während  des  Krieges  begangene  Verbrechen  und  die  Bemühungen,  die  ehemaligen  Maoistenkämpfer in die nationale Armee zu integrieren, zeigen klar, dass  der  Fokus  nicht  dem  Vergeltungsgedanken  gilt,  sondern  auf  einen  nachhaltigen Frieden ausgerichtet  ist.  Letztere Bestrebungen haben am  1.  November  2011  nun  einen  deutlichen  Durchbruch  erreicht  und  den  aufgebauten politischen Konsens und den Willen, einen demokratischen  Staat zu schaffen, untermauert. Nach dem Gesagten steht fest, dass sich  die  im  erwähnten  Entscheid  der  ARK  vom  17. Oktober  2006  (EMARK  2006  Nr.  31)  festgestellte  Verbesserung  der  Sicherheitslage  in  Nepal  seither kontinuierlich verbessert und konsolidiert hat. 7.  Aufgrund  des  Gesagten  haben Maoisten  zum  heutigen  Zeitpunkt  keine  politische  Verfolgung  mehr  zu  befürchten.  Das  BFM  ist  in  der  angefochtenen Verfügung somit zu Recht davon ausgegangen, aufgrund  der heute  in Nepal bestehenden generellen Lage müsse nicht mehr von  einer  Gefahr  der  Verfolgung  gegen  exponierte  Maoisten  ausgegangen  werden. Damit ging das BFM auch zu Recht davon aus, die Vorbringen  des Beschwerdeführers seien heute nicht mehr asylrelevant.  8.  Zu  Recht  ist  das  BFM  sodann  in  der  angefochtenen  Verfügung  davon  ausgegangen, dass die vom Beschwerdeführer vorgelegten Beweismittel  sich  auf  nicht  mehr  als  asylrelevant  einzuschätzende  Vorbringen  beziehen  würden,  weshalb  auf  eine  einlässliche  und  ausführliche  Beweiswürdigung verzichtet werden könne.  8.1.  Der  Beschwerdeführer  reichte  diverse  öffentliche  Berichte  des  UNHCR, von Swisspeace sowie zahlreiche Artikel aus dem Internet ein,  die  aus  den  Jahren  2006  oder  2007  datieren.  Diese  Unterlagen  beschreiben  die  damalige  allgemeine  Sicherheitssituation  Nepals,  die  heute – wie soeben erörtert – nicht mehr aktuell ist. Insbesondere haben  diese  Dokumente  lediglich  allgemeinen  Charakter  und  weisen  keinen  konkreten  Bezug  zum  Beschwerdeführer  auf.  Einzig  beim  Bericht  von  Amnesty  International  aus  dem  Jahr  [1990er­Jahre]  ist  zwar  anzunehmen,  dass  aufgrund  der  gänzlichen  Übereinstimmung  der  Angaben davon ausgegangen werden kann, dass der Beschwerdeführer  persönlich  darin  genannt  wird.  Dieser  Bericht  stammt  jedoch  aus  dem  Jahre  [1990er­Jahre]  und  bezieht  sich  ebenfalls  auf  Ereignisse,  die mit 

E­7483/2007 der  damaligen  Sicherheitssituation  alltäglich  waren,  heute  aber  nicht  mehr  aktuell  sind.  Auch  wenn  der  Beschwerdeführer  damals  wegen  seines  Vaters  behelligt  wurde,  ist  nicht  anzunehmen,  dass  er  heute  aufgrund dieser Vorfälle noch begründete Furcht hat, erneut behelligt zu  werden.  Die  Erheblichkeit  der  eingereichten  Student  Identity  Card  ist  vorliegend  ebenso  wenig  ersichtlich,  da  der  Beschwerdeführer  auch  aufgrund  der  Tatsache,  dass  er  im  Jahre  (…) Student war,  heute  nicht  mehr gefährdet ist.  Weitere  Unterlagen  beziehen  sich  sodann  auf  die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Maoisten  angehört  habe  (Spendenbestätigung,  Quittung für einen Mitgliederbeitrag; Identitätsausweis der Maoisten), und  auf  die  Vorfälle  aus  den  Jahren  2001  und  2003,  als  das  Haus  [der  Verwandten]  niedergebrannt  wurde  und  die  [Verwandten]  des  Beschwerdeführers  getötet  wurden  (Bestätigungsschreiben  der  Nepal  Communist  Party  aus  dem  Jahr  2003;  Schreiben  des  [Name  der  Organisation];  Bestätigungsschreiben  des  Local  Development  Ministery  vom  (…)  2006).  Diese  Vorfälle  ereigneten  sich  ebenfalls  zu  einem  Zeitpunkt, als der Konflikt zwischen der Regierung und den rebellischen  Maoisten  in  vollem  Gange  war.  Die  weiteren,  ausschliesslich  in  Kopie  eingereichten,  Bestätigungsschreiben  sind  schliesslich  (ungeachtet  der  Tatsache,  dass  sie  teilweise  nur  in  nepalesischer  Sprache  vorliegen)  auch  nicht  relevant,  da  diesen  lediglich  Gefälligkeitscharakter  zuzuschreiben ist. 8.2.  Die  eingereichten  Haftbefehle  beziehungsweise  polizeilichen  Schreiben,  die  zusammen  mit  dem  Wiedererwägungsgesuch  vom  3.  August  2006  vorgelegt  wurden  (vgl.  oben  Bst.  A.c)  datieren  aus  den  Jahren 2000 beziehungsweise 2002. Sie stammen mithin aus einer Zeit,  als der ehemalige König Birendra (2000) und sodann sein Bruder, König  Gyanendra  (2002),  an  der Macht  waren. Wie  oben  dargelegt,  hatte  die  Regierung am 7. Mai 2006 sämtliche Verfügungen, welche während der  Alleinherrschaft  des Königs  erlassen worden waren,  für  ungültig  erklärt.  Den  Haftbefehlen  und  polizeilichen  Schreiben,  die  Ausdruck  eines  zwischen  dem König  und  den Maoisten  geführten  Krieges waren,  kann  heute – ungeachtet ihrer Authentizität, die denn auch offenbleiben kann –  keine  Relevanz  mehr  zugeschrieben  werden.  Der  im  Jahre  2000  herrschende  König  lebt  heute  nicht  mehr  und  sein  2001  ins  Amt  getretener Nachfolger hat seine Macht  in Nepal  faktisch verloren. Somit  existieren  auch  die  entsprechenden Behörden  teilweise  gar  nicht mehr;  die  im  Jahre  2000  und  2002  agierende  Durchsetzungsbehörde,  die 

E­7483/2007 Armee,  bildete  damals  allein  das  Instrument  des  königlichen  Willens,  heute  aber  operiert  die  nationale  Armee  nicht  mehr  in  den  damaligen  diktatorischen  Strukturen,  sondern  ist  der  neu  gewählten  Regierung  unterstellt.  Wie  oben  dargelegt,  will  die  nepalesische  Regierung  "politisch"  motivierte  Strafklagen  zurückziehen  lassen.  Sind  die  eingereichten  Haftbefehle  aus  dem  Jahre  2000  und  2002  solchen  Charakters, würden diese  insofern gegenstandslos. Besteht  jedoch eine  Anklage  wegen  Mordverdachts  alleine  aufgrund  des  Strafrechts,  ist  es  Sache  der  nepalesischen  Strafbehörde,  dies  im  Rahmen  eines  gerichtlichen  Verfahrens  zu  klären.  Ein  solcher  Prozess  steht   nicht  in  einem  asylrelevanten  Kontext.  Aus  dem  Gesagten  folgt,  dass  die  Haftbefehle zum heutigen Zeitpunkt unerheblich sind. 8.3.  Auch  die  eingereichten  Kopien  von  Fotos  mit  angeblichen  maoistischen  und  exilpolitischen  Kaderpersönlichkeiten  sind  schliesslich  nicht erheblich, denn die exilpolitische Tätigkeit eines Maoisten vermag –  in  Bestätigung  der  vorinstanzlichen  Erwägungen  –  zum  heutigen  Zeitpunkt keine subjektive Nachfluchtgründe zu begründen, nachdem die  Maoisten heute selbst fester Bestandteil der Regierung sind. 8.4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  den  Sachverhalt vollständig abgeklärt und ihn zu Recht als nicht asylerheblich  qualifiziert  hat.  Daraus  ergibt  sich,  dass  das  BFM  seine  Begründungspflicht  nicht  verletzt  hat,  wenn  es  von  einer  einlässlichen  Würdigung  der  Beweismittel  abgesehen  hat,  die  lediglich  den  glaubhaft  vorgetragenen Sachverhalt untermauern. Das BFM hat die eingereichten  Beweismittel  korrekt  gewürdigt  und  ist  seiner  Begründungspflicht  nachgekommen. 8.5. Die Vorinstanz hat sodann zu Recht in Erwägung gezogen, aufgrund  der  massgeblichen  Änderungen  der  poltischen  Lage,  seit  der  Beschwerdeführer  im  Jahr  2004  sein  Heimatland  verlassen  hat,  müsse  heute  nicht  mehr  davon  ausgegangen  werden,  der  Beschwerdeführer  müsse  wegen  seiner  Zugehörigkeit  zu  einer  maoistisch  engagierten  Familie, die  in den Jahren zwischen 2001 und 2004 verfolgt wurde, und  wegen  seines  eigenen  Engagements  für  die  Maoisten  eine  zukünftige  asylrelevante Verfolgung in begründeter Weise befürchten. Das BFM hat  somit  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  verneint und sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 9. 

E­7483/2007 9.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 9.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Dem  Antrag  der  zuständigen  kantonalen  Behörde,  dem  Beschwerdeführer  eine  fremdenpolizeiliche  Aufenthaltsbewilligung  gestützt  auf  Art.  14  Abs.  2  AsylG  erteilen  zu  wollen,  hat  das  BFM mit  Verfügung  vom  25.  November  2009  seine  entsprechende  Zustimmung  verweigert;  das  diesbezügliche  Beschwerdeverfahren  ist  beim  Bundesverwaltungsgericht  derzeit  noch  hängig  (vgl.  oben  Bst.  I).  Die  Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG;  EMARK 2001 Nr. 21).  10.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 10.1.  10.1.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner  Form zur Ausreise  in  ein  Land gezwungen werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung unterworfen werden.

E­7483/2007 10.1.2. Die Vorinstanz  wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5  AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführers nach Nepal ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5  AsylG  rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung nach Nepal  dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK  verbotenen Strafe  oder Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Nepal lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Die  Ausführungen  in  der  Beschwerde  sind  ebenfalls  nicht  geeignet, zu einer anderen Einschätzung zu führen. Nach dem Gesagten  ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 10.2.  10.2.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818). 10.2.2.  Zwar  bleiben  hinsichtlich  der  menschenrechtlichen  Situation  Nepals  noch  gewisse  Zweifel  bestehen,  jedoch  herrscht  in Nepal  keine 

E­7483/2007 durch  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  durch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  gekennzeichnete  allgemeine  Lage.  Daher  erweist  sich  ein  Wegweisungsvollzug nach Nepal generell als zumutbar. 10.2.3. Den Akten sind sodann auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  nach  Nepal  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher  und  sozialer  Natur  in  eine existenzbedrohende Situation geraten würde. Aus seinen Vorbringen  ergibt  sich,  dass  [diverse Angehörige]  in  seinem Heimatland  leben  (vgl.  A8 S. 5), weshalb er bei einer Rückkehr auf ein tragfähiges soziales Netz  zurückgreifen  kann.  Der  Beschwerdeführer  verfügt  gemäss  seinen  Angaben über eine [mehr]jährige Schulbildung (vgl. A8 S. 5), womit er die  Voraussetzungen mitbringt, bei einer Rückkehr beruflich Fuss  fassen zu  können. Daher ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich in  Nepal  reintegrieren  und  aus  eigenen  Kräften  ein  Auskommen  finden  kann.  Aus  den  Akten  ist  zudem  nicht  ersichtlich,  dass  der  Beschwerdeführer  unter  gesundheitlichen  Problemen  leiden  würde,  die  allenfalls bei der Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  relevant sein könnten.   Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 10.3.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG)  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG, BVGE 2008/34 E.12).  10.4.  Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  angeordnete  Wegweisungsvollzug zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art.  83  Abs. 1­4 AuG). 11.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

E­7483/2007 12.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Diese  sind  auf  Fr. 600.­  festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­7483/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM,  die  zuständige  kantonale  Behörde  sowie  die  Abteilung  III  des  Bundesverwaltungsgerichts. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sarah Diack Versand: