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Bundesverwaltungsgericht 13.02.2012 E-734/2012

February 13, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,169 words·~6 min·2

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. Februar 2012

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­734/2012 Urteil   v om   1 3 .   Februar   2012   Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima mit  Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Stella Boleki. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…),  C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Afghanistan,  (…) Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 1. Februar 2012 / (…).

E­734/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt  in Anwendung  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver­ fahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG,  SR173.110), des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]), des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]), des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]), der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitglied­ staats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin­II­VO), der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September  2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin­II­VO (DVO Dublin), des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschä­ digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2), fest, 

E­734/2012 I dass die Beschwerdeführenden am 14. September 2010  in der Schweiz  erstmals Asylgesuche  stellten,  auf welche das BFM mit Verfügung  vom  22.  Dezember  2010  –  aufgrund  eines  EURODAC­Eintrags,  wonach  sie  am  7.  September  in  Italien  in  der  Eigenschaft  als  Asylsuchende  daktyloskopisch  erfasst  worden  waren  –  gemäss  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG nicht eintrat und die Beschwerdeführenden nach  Italien – den  für  die Durchführung des Asylverfahrens zuständigen Staat – wegwies,  dass  diese  Verfügung  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  11. Januar 2011 in Rechtskraft erwuchs,  dass  die  Beschwerdeführenden  am  23.  Januar  2011  ein  Wiedererwägungsgesuch  einreichten,  welches  mit  Verfügung  vom  17.  Februar 2011 vom BFM abgewiesen wurde,  dass das Bundesverwaltungsgericht eine dagegen erhobene Beschwerde  mit Urteil vom 24. März 2011 abwies,  dass  die  Beschwerdeführenden  am  (…)  per  Flugzeug  nach  Italien  überstellt wurden,  II dass  sie  am  (…)  in  der Schweiz  ein  zweites Mal  um Asyl  nachsuchten  und  am 30. Oktober  2011  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ)  (…) je summarisch befragt wurden,  dass der Beschwerdeführer dabei geltend machte, seine Ehefrau sei  im  sechsten Monat schwanger und am Tag der Rücküberstellung vom  (…)  sei  ihnen  am  Flughafen  in  Rom  gesagt  worden,  sie  hätten  sich  dort  aufzuhalten, bis ihnen eine Unterkunft zugewiesen werde,  dass  er  sich  gegenüber  seiner  Frau  und  seinem  Kind  schlecht  gefühlt  habe, zumal sie nichts zu essen erhalten hätten, dass  er mit  einem  Polizisten  in  einen  Streit  geraten  sei  und  dieser  ihn  geschlagen habe,  dass  er  und  seine  Familie  von  einer  unbekannten  Frau  zu  Essen,  ein  Bahnbillet  nach E._______  sowie  eine  dortige  Adresse  erhalten  hätten, 

E­734/2012 welche sie hingegen nicht gefunden hätten und auch von Polizisten dazu  keine Hilfe erhalten hätten,   dass  es  seiner  Frau  sehr  schlecht  gegangen  sei,  weshalb  die  Familie  E._______  bereits  nach  drei  Stunden  wieder  verlassen  habe,  mit  dem  Zug über Rom nach Milano und wieder in die Schweiz gereist sei,  dass  die  Beschwerdeführerin  dazu  ergänzend  ausführte,  ihr  Ehemann  und ihr Kind seien von Polizisten geschlagen worden, weil sie um Essen  gebeten hätten,  dass das BFM den Beschwerdeführenden anlässlich der Befragung das  rechtliche  Gehör  zur  Zuständigkeit  Italiens  für  die  Durchführung  des  vorliegenden Asylverfahrens und zur Wegweisung dorthin gewährte,  dass der Beschwerdeführer diesbezüglich geltend machte, seine Frau sei  schwanger  und  sie  (Beschwerdeführenden)  könnten  nicht  dorthin  zurückkehren, weil es für sie dort kein menschenwürdiges Leben gebe,  dass  die  Beschwerdeführerin  ausführte,  sie  habe  in  Italien  kein  Asylgesuch  gestellt;  sie  hätten  ihr  dort  lediglich  die  Fingerabdrücke  abgenommen,  dass  sie  nicht  dorthin  zurückkehren wolle, weil  sich die Polizei  schlecht  benehme,  Italien  kein  sicheres  Land  sei,  und  die  Menschenrechte  dort  nicht eingehalten würden,  dass  die  Ärztin  der  Beschwerdeführerin  dem BFM  einen medizinischen  Bericht  vom  (…)  Dezember  2011  zu  den  Akten  reichte  (vgl. BFM­Akte  B17/6),  dass das BFM die zuständigen Behörden Italiens am 5. Januar 2012 um  Wiederaufnahme gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO von allen  drei Personen ersuchte und dabei auf die im Januar 2012 zu erwartende  Geburt des zweiten Kindes hinwies, dass  die  zuständige  kantonale  Migrationsbehörde  dem  BFM  mit  Schreiben  vom  4. Januar  2012  (Eingangsstempel  beim BFM:  9.  Januar  2012)  die  Geburt  des  Sohnes  der  Beschwerdeführenden  vom  (…)  meldete, 

E­734/2012 dass  die  zuständigen  Behörden  Italiens  mit  Schreiben  vom  20.  Januar  2012 der Übernahme der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 16 Abs.  1 Bst. c Dublin­II­VO (hängiges Asylverfahren) zustimmten,  dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  1.  Februar  2012  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden nicht eintrat und sie nach Italien wegwies, dass es weiter anordnete, sie hätten die Schweiz – unter Androhung von  Zwangsmitteln  im Unterlassungsfall – spätestens einen Tag nach Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  Bern  mit  dem  Wegweisungsvollzug  beauftragte  und  die  editionspflichtigen  Akten  aushändigte,  dass die Beschwerdeführenden gegen diesen Entscheid mit an das BFM  adressierter  Rechtsmitteleingabe  vom  7. Februar  2012  (Eingang  BFM:  8. Februar 2012) Beschwerde erhoben, und das Bundesamt diese wegen  Unzuständigkeit an das Bundesverwaltungsgericht weiterleitete,  dass  die  Beschwerdeführenden  beantragten,  "die  Wegweisung  sei  auszusetzen, subsidiär, die Ausreisefrist sei zu verlängern, und allfällige  Vollzugsmassnahmen seien auszusetzen",  dass sie zur Begründung ausführten, der am (…) geborene Sohn sei nur  mit einer Niere zur Welt gekommen, weshalb eine Reise nach Italien so  kurz  nach  der  Geburt  des  Sohnes  ein  Risiko  sei,  insbesondere  angesichts der kalten Witterung,  dass es – entgegen der Auffassung des BFM, wonach das Kind in Italien  nicht  gefährdet  sei  –  zu  bedenken  gebe,  dass  Italien  im  Asyl­  und  Flüchtlingsbereich nicht so weit wie die Schweiz sei,  dass sie überdies den  ihren Sohn behandelnden Ärzten  in der Schweiz  vertrauen  würden,  und  sie  Schwierigkeiten  hätten  auch  mangels  ihrer  Sprachkenntnisse,  die  Gesundheitsversorgung  ihres  Sohnes  in  Italien  sicherzustellen, dass  zudem  auch  sie  (die  Beschwerdeführerin)  durch  die  Geburt  geschwächt  sei,  weshalb  sie  darum  ersuche,  die  Wegweisung  auszusetzen oder ihnen eventuell eine längere Frist zu gewähren, 

E­734/2012 dass  die  zuständige  Instruktionsrichterin mit  Verfügung  vom  9.  Februar  2012  den  Vollzug  gemäss  Art.  56  VwVG  vorsorglich  per  Telefax  aussetzte,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  9.  Februar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 31 ­ 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  für  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  die  Frist  fünf  Arbeitstage beträgt,  dass die Verfügung des BFM vom 1. Februar 2012 gemäss Rückschein  (vgl. BFM­Akte B35) am 2. Februar 2012 bei der Post aufgegeben wurde,  dass dieser Rückschein am 6. Februar 2012 dem BFM zurück geschickt  wurde,  weshalb  davon  auszugehen  ist,  dass  die  Verfügung  den  Beschwerdeführenden  spätestens  am  6.  Februar  2012  eröffnet  wurde,  womit die Beschwerdefrist am 13. Februar 2012 ablief,  dass selbst wenn die Verfügung – wie von den Beschwerdeführenden in  ihrer  Rechtsmitteleingabe  angegeben  –  am  4.  Februar  eröffnet  worden  sein  sollte,  die  auf  den  7.  Februar  2012  datierte  beim  BFM  am  8.  und  beim  Bundesverwaltungsgericht  am  9.  Februar  2012  eingegangene  Beschwerde als rechtzeitig eingereicht erachtet werden kann,   

E­734/2012 dass  die  Rechtsbegehren  zwar  nicht  sehr  klar  formuliert  sind,  es  sich  indessen  bei  der  vorliegenden  Rechtsmitteleingabe  um  eine  Laienbeschwerde  handelt,  an  die  keine  hohen  formellen Anforderungen  zu  stellen  sind,  weshalb  zu Gunsten  der  Beschwerdeführenden  auf  die  insoweit  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 33 VGG und Art. 52  VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 ­ 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  der  implizit  gestellte  Antrag  um  Gewährung  der  aufschiebende  Wirkung der Beschwerde mit vorliegendem Endentscheid gegenstandslos  geworden ist,  dass  sich  die  Schweiz  mit  der  Umsetzung  des  Dublin­ Assoziierungsabkommens verpflichtet hat, die Dublin­II­VO anzuwenden,  dass die Zuständigkeit Italiens anlässlich der Gewährung des rechtlichen  Gehörs  bei  der  Vorinstanz  nur  von  der  Beschwerdeführerin  bestritten 

E­734/2012 wurde, indem sie geltend machte, sie habe dort kein Asylgesuch gestellt,  sondern es seien ihr lediglich die Fingerabdrücke abgenommen worden,  dass dieser Einwand haltlos ist, weil die Beschwerdeführenden einerseits  am  7. September  2010  in  Italien  in  der  Eigenschaft  als  Asylsuchende  daktyloskopisch  erfasst  wurden,  und  Italien  andererseits  dem  Übernahmeersuchen der Schweiz  vom 5.  Januar  2012 gestützt  auf Art.  16 Abs. 1 Bst. c explizit zustimmte,  dass die Zuständigkeit Italiens in der Rechtsmitteleingabe überdies auch  nicht mehr bestritten wird,   dass das Bundesamt angesichts dieser klaren Faktenlage vorliegend zu  Recht  von  der  Zuständigkeit  Italiens  ausging,  weshalb  die  gesetzliche  Grundlage  für einen Nichteintretensentscheid nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG grundsätzlich erfüllt ist, dass  weiter  zu  prüfen  ist,  ob  die  Beschwerdeführenden  auch  dorthin  ausreisen können oder ob Überstellungshindernisse bestehen,  dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  dass  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  auch  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK  2001 Nr. 21), dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  nach  Hindernissen  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  BVGE  E­2010/45  E.  10.2)  und  allfällige völkerrechtliche und humanitäre Vollzugshindernisse im Rahmen  der eventuellen Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3  Abs.  2  Dublin­II­VO  i.V.m.  Art.  29a  Abs.  3  AsylV 1)  zu  prüfen  sind,  weshalb kein Raum für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2  i.V.m.  Art.  83  Abs.  1­4  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  AuG besteht, dass aufgrund der geltend gemachten Vorbringen, wonach der im Januar  geborene  Sohn,  welcher  nur  eine  Niere  habe,  bei  den  aktuell  herrschenden Temperaturen  in  Italien  gefährdet  sei,  davon auszugehen  http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2001/21

E­734/2012 ist, dass die Beschwerdeführenden  implizit einen Selbsteintrittsrecht aus  humanitären Gründen beantragen,   dass sie ihre Vorbringen indessen in keiner Weise zu belegen vermögen,  da  sie  keinen  ärztlichen  den  Sohn  betreffenden  Bericht  zu  den  Akten  gereicht haben,  dass  ferner  aufgrund  ihrer  Schilderungen  betreffend  den  kurzen  Aufenthalt  in  Italien nach  ihrer Rücküberstellung vom  (…)  (vier Stunden  im Flughafen von Rom, ein paar Tage  in Rom, Lecce und Milano) noch  keine  Indizien  vorliegen, wonach  sie  in  Italien  keine Unterkunft  erhalten  würden,  dass das italienische Fürsorgesystem zwar in der Kritik steht (vgl. BVGE  6038/2010 vom 3. September 2010; Bericht von Maria Bethka & Dominik  Bender  zur  Situation  von  Flüchtlingen  in  Italien  vom  28. Februar  2011,  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  "Asylum  procedure  and  reception condition, with focus on Dublin returnees" Berne and Oslo vom  Mai  2011),  indessen  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist,  dass  es  dem  Dublin­System  inhärent  ist,  dass  an  sich  davon  ausgegangen  werden  kann,  der  betreffende  Dublinstaat  könne  die  nötigen  medizinischen  Versorgungsleistungen  erbringen,  ist  doch  jeder  Staat an die Aufnahmerichtlinie (Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27.  Januar  2003  zur  Festlegung  von Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von  Asylbewerbern  in den Mitgliedstaaten), welche medizinische Versorgung  garantiert, gebunden,  dass  deshalb  grundsätzlich  davon  ausgegangen  werden  darf,  in  Italien  sei eine angemessene medizinische Versorgung vorhanden, dass  aus  der  eingereichten  Zustimmungserklärung  der  italienischen  Behörden das Ersuchen hervorgeht, sie seien über die Überstellung von  sogenannten  verletzlichen  Personen  –  wie  beispielsweise  Kranken,  schwangeren  Frauen  oder  Eltern  mit  Kleinkindern  –  in  angemessener  Weise vorab rechtzeitig zu informieren,  dass  die  zuständigen  Schweizer  Behörden  anlässlich  der  Überstellung  dieser Aufforderung Folge leisten dürften, 

E­734/2012 dass  somit  nicht  ersichtlich  ist,  weshalb  bei  einer  Überstellung  (Wegweisungsvollzug) nach Italien mit einer Gefährdung der Gesundheit  des neugeborenen Kindes zu rechnen ist, dass  ein  Überstellungshindernis  der  Beschwerdeführenden  nach  Italien  demnach  grundsätzlich  aufgrund  einer  angeblich  mangelnden  Unterkunftslage  und  medizinischen  Versorgung  sowie  der  damit  verbundenen gesundheitlichen Gefährdung nicht angenommen wird und  davon ausgegangen werden kann, das neugeborene Kind werde in Italien  – sofern notwendig – medizinisch adäquat betreut, dass  das  BFM  dafür  besorgt  zu  sein  hat,  der  Familie  mit  dem  Neugeborenen  während  der  Überstellung  die  allfällig  notwendige  medizinische Versorgung zukommen zu lassen,  dass indessen nach dem oben Gesagten keine Veranlassung besteht, die  Vorinstanz  anzuweisen,  die  Ausübung  ihres  Selbsteintrittsrechts  zu  erklären, dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten  ist, dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­   (Art. 1 – 3  VGKE)  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­734/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Das BFM wird  angewiesen,  die Überstellung  der Beschwerdeführenden  nach  Italien  im  Sinne  der  Erwägungen  durchzuführen  und  die  italienischen  Behörden  über  die  gesundheitliche  Situation  und  das  Schutzbedürfnis  der  Beschwerdeführenden  (Familie  mit  neugeborenem  Kind mit einer Niere) vorgehend rechtzeitig zu informieren. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Stella Boleki Versand:

E-734/2012 — Bundesverwaltungsgericht 13.02.2012 E-734/2012 — Swissrulings