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Bundesverwaltungsgericht 02.02.2012 E-6923/2011

February 2, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·776 words·~4 min·1

Summary

Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid) | Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 23. November 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6923/2011 Urteil   v om   2 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Markus König, Mit Zustimmung von Richter Hans Schürch,  Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, geboren am (…), Kongo (Kinshasa),   vertreten durch lic. iur. Kathrin Stutz, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…) Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid);  Verfügung des BFM vom 23. November 2011 / N (…).

E­6923/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  am  16.  November  2011  durch  ihre  Rechtsvertreterin beim BFM ein Wiedererwägungsgesuch einreichen und  unter  anderem  einen  Bericht  von  Amnesty  International  (gleichen  Datums)  beilegen  liess,  der  auch  Bezug  auf  die  Situation  der  Beschwerdeführerin nahm, dass  das  Bundesamt  das  Gesuch  um  Wiedererwägung  mit  Verfügung  vom  23.  November  2011  abwies  und  die  Rechtskraft  sowie  die  Vollstreckbarkeit  des  negativen  Asylentscheids  vom  11.  Februar  2003  feststellte, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  23.  Dezember  2011  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  unter  anderem  beantragen  liess,  es  sei  der  Vollzug der Wegweisung für die Dauer des Verfahrens auszusetzen, dass  weiter  der  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sowie  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  beantragt  wurden, dass  der  Instruktionsrichter  mit  Verfügung  vom  5.  Januar  2012  die  Gesuche  um  Aussetzung  des  Vollzugs  der  Wegweisung  für  die  Dauer  des  Beschwerdeverfahrens  und  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinn  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  abwies  und  der  Beschwerdeführerin  Frist  zur  Leistung  eines  Kostenvorschusses ansetzte, dass der einverlangte Kostenvorschuss in der Folge fristgerecht geleistet  wurde, und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG  beurteilt,  sofern  keine  Ausnahme  im  Sinn  von  Art.  32  VGG  vorliegt,  dazu  Verfügungen  des  BFM  gestützt  auf  das  Asylgesetz  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  gehören  und  das  Bundesverwaltungsgericht  in  diesem  Bereich  endgültig entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsgesuches  des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht, 

E­6923/2011 (Art.  105 AsylG, Art.  83 Bst.  d  Ziff.  1  des Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),  dass  aus  diesen  Bestimmungen  die  Zuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  für  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM betreffend Wiedererwägungsgesuche zwar nicht explizit hervorgeht,  sich  indes  aus  dem  in  Lehre  und Praxis  anerkannten Grundsatz  ergibt,  wonach  gegen  negative  Entscheide  der  Vorinstanz  über  Wiedererwägungsgesuche  diejenigen  Rechtsmittel  ergriffen  werden  können,  welche  gemäss  Rechtsmittelordnung  gegen  die  vor  dem  Wiedererwägungsgesuch  ergangene  Verfügung  offenstehen  (vgl.  die  weiterhin  gültige  Praxis  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [ARK]  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  ARK [EMARK] 2003 Nr. 7 E. 2 a.aa),  dass  die  Beschwerde  frist­  und  formgerecht  eingereicht  worden  ist,  die  Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen hat,  sie  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung hat, weshalb sie zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  ein  Anspruch  auf  Wiedererwägung  unter  anderem  dann  besteht,  wenn  sich  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid  in  wesentlicher  Weise  verändert  hat  und  mithin  die  ursprünglich  fehlerfreie  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene  Veränderungen  der  Sachlage  anzupassen  ist  (vgl.  EMARK  2003  Nr. 7  E. 1 und EMARK 1995 Nr. 21 E. 1), dass  die  Vorinstanz  vorliegend  den  Anspruch  auf  Behandlung  als  Wiedererwägungsgesuch  nicht  in  Abrede  gestellt  hat,  materiell  auf  das  Gesuch  eingetreten  ist  und  dieses  abgelehnt  hat,  womit  das 

E­6923/2011 Bundesverwaltungsgericht  zu  prüfen  hat,  ob  das  BFM  das  Gesuch  zu  Recht abgewiesen hat, dass  sich  die  Rechtsbegehren  in  der  Beschwerde  vom  23.  Dezember  2011  ausdrücklich  auf  die  Frage  des  Vollzugs  der  Wegweisung  beschränken, weshalb  vorliegend  entsprechend  nur  das Vorhandensein  allfälliger Vollzugshindernisse  vor  dem Hintergrund  der  Frage  zu  prüfen  ist,  ob  sich  diesbezüglich  seit  Eintritt  der  in  Rechtskraft  erwachsenen  Verfügung  vom  11.  Februar  2003  (am  30.  Juni  2003)  eine  entscheidwesentliche Veränderung im oben erwähnten Sinn ergeben hat, dass  –  unter  Hinweis  auf  die  ausführliche  Zwischenverfügung  vom  5.  Januar 2012 – festzustellen ist, dass die Vorinstanz die Relevanz der von  der  Beschwerdeführerin  wiedererwägungsweise  geltend  gemachten  Vorbringen  mit  nachvollziehbarer  und  überzeugender  Argumentation  verneint hat, dass sich die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen  auf  die  Wiederholung  der  hinlänglich  bekannten  Sachverhaltselemente  und auf die Bestreitung der vorinstanzlichen Ausführungen beschränken,  dabei  jedoch  keine  substanziellen  Argumente  vorgebracht  werden,  welche  die  vorinstanzlichen  Schlussfolgerungen  zu  relativieren  vermöchten, dass  den  Akten,  wie  vom  BFM  zutreffend  festgestellt  worden  ist,  verschiedene  Hinweise  auf  ein  familiäres  und  soziales  Beziehungsnetz  der Beschwerdeführerin in ihrer Heimatregion zu entnehmen sind, dass  die  Beschwerdeführerin  sich  diesbezüglich  auf  die  nicht  weiter  begründete  Behauptung  beschränkt,  sie  habe  den  Kontakt  zu  diesen  Personen  verloren  und  später  allerdings  (trotzdem)  erfahren,  dass  der  Bruder ebenfalls ausgereist sei,  dass  dieses  Vorbringen  nicht  zu  überzeugen  vermag,  zumal  in  diesem  Zusammenhang  auch  festzuhalten  ist,  dass  die  ursprünglich  geltend  gemachten Asylgründe sich als unglaubhaft herausgestellt hatten, dass  die  Beschwerdeführerin  wiedererwägungsweise  keine  gesundheitlichen Beeinträchtigungen geltend macht,  dass  im  Wiedererwägungsgesuch  und  in  der  Beschwerde  vorgebracht  wird, der Vollzug der Wegweisung von abgewiesenen Asylbewerberinnen  aus  Kongo  (Kinshasa)  müsse  –  angesichts  des  hohen  Risikos,  Opfer  sexueller Gewalt zu werden – als generell unzumutbar qualifiziert werden, 

E­6923/2011 ausserdem habe sich die Sicherheitslage generell eher zum Schlechten  gewendet, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  diese  auf  das  ganze  Staatsgebiet  bezogene  Schlussfolgerung  in  konstanter  Praxis  nicht  teilt  und  beispielsweise  im  Jahr  2011  den  Vollzug  von  Wegweisungen  alleinstehender         – insbesondere  aus  der  Hauptstadt  Kinshasa  stammender – Frauen in mehreren Urteilen als zumutbar bezeichnet hat  (vgl.  etwa  die  Urteile  D­3773/2010  vom  26.  Oktober  2011,  D­513/2009  vom 27. Juli 2011, D­3149/2008 vom 26. Juli 2011, D­1498/2009 vom 27.  Juni  2011,  E­6471/2008  vom  28.  April  2011  und  E­8392/2010  vom  28.  Januar 2011), dass  die  lange  Dauer  der  Landesabwesenheit  die  Reintegration  zwar  erschweren dürfte (was das BFM beim Erlass seiner Verfügung zu Recht  in Betracht gezogen hatte), dass in diesem Zusammenhang allerdings festzuhalten ist, dass die lange  Anwesenheit der Beschwerdeführerin im Wesentlichen (seit Anfang 2003)  auf  ihr  Verweilen  in  der  Schweiz  ohne  Aufenthaltsrecht  zurückzuführen  ist, dass  zudem  eine  allfällige  Integration  bezüglich  der  Schweiz  grundsätzlich  nicht  im  Rahmen  eines  Asyl­Wiedererwägungsverfahrens  zu  prüfen,  sondern mit  einem Gesuch  an  die  kantonalen  Behörden  um  Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung aus humanitären Gründen (gemäss  Art. 14 Abs. 2 AsylG) geltend zu machen wäre, dass  entgegen  ihrer  Auffassung  schliesslich  festzuhalten  ist,  dass  sich  namentlich  in  Kinshasa  und  generell  im  Westen  des  Heimatlands  der  Beschwerdeführerin die Sicherheitslage  in den  letzten Jahren stabilisiert  hat  (vgl.  etwa  PETER  K.  MEYER  /  SCHWEIZERISCHE  FLÜCHTLINGSHILFE,  Demokratische  Republik  Kongo:  Aktuelle  Entwicklungen  [Update],  6.  Oktober 2011, S. 6 f. und 17 f.), dass  an  diesen  Feststellungen  auch  die  Ausführungen  in  der  Stellungnahme von Amnesty International nichts zu ändern vermögen, dass  nach  dem  Gesagten  festzustellen  ist,  dass  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  der  Beschwerdeführerin  zu  Recht  und  mit  zutreffender Begründung abgelehnt hat, dass die Beschwerde vom 23. Dezember 2011 daher abzuweisen ist,

E­6923/2011 dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  1'200.–  (Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG),  mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen und  damit bereits beglichen sind.

E­6923/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  1'200.–  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt;  sie  werden  mit  dem  am  19.  Januar  2012  geleisteten  Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an die Rechtsvertreterin, das BFM und die kantonale  Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand:

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