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Bundesverwaltungsgericht 23.08.2011 E-6892/2008

August 23, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,238 words·~11 min·1

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. September 2008

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­6892/2008 Urteil   v om   2 3 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz),  Richter Gérald Bovier, Richterin Gabriela Freihofer,  Gerichtsschreiber Tobias Meyer. Parteien A._______, geboren (…), Iran,  vertreten durch (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 30. September 2008 / N (…).

E­6892/2008 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  ersuchte  am  24. Juni  2000  in  der  Schweiz  zum  ersten  Mal  um  Asyl.  Dieses  Gesuch  wurde  mit  Verfügung  des  BFF  (Bundesamt für Flüchtlinge; heute: BFM) vom 7. Mai 2002 abgelehnt und  der  Beschwerdeführer  aus  der  Schweiz  weggewiesen.  Die  am  10. Juni  2002  bei  der  ARK  (Asylrekurskommission;  heute:  Bundesverwaltungsgericht)  gegen  die  Verfügung  eingereichte  Beschwerde  wurde  mit  Urteil  vom  29. Juli  2002  abgewiesen.  Die  Frist  zum  Verlassen  der  Schweiz  wurde  neu  auf  den  1.  Oktober  2002  angesetzt. B.  Mit  Eingabe  an  das  BFM  vom  11. Januar  2006  stellte  der  Beschwerdeführer,  der  sich  weiterhin  ohne  Bewilligung  in  der  Schweiz  aufgehalten  hatte,  ein  zweites  Asylgesuch.  Am  24. September  2008  wurde er zu seinen Asylgründen angehört. Zur  Begründung  dieses  zweiten  Asylgesuchs  gab  er  auf  die  Frage,  weshalb  er  seiner Pflicht  zur Ausreise  nicht  nachgekommen  sei,  an,  es  sei  ihm aus politischen Gründen nicht möglich gewesen,  ins Heimatland  zurückzukehren.  Weiter  führte  er  für  die  Zeit  ab  März  2005  im  Wesentlichen  an,  er  sei  mittlerweile  ein  aktives  Mitglied  der  Demokratischen  Vereinigung  für  Flüchtlinge  (DVF)  und  der  Föderation  der Iranischen Flüchtlinge (IFIR) in der Schweiz. Er habe an zahlreichen  Demonstrationen  gegen  das  Regime  im  Iran  teilgenommen  und  im  Internet  regimekritische  Artikel  publiziert.  Zudem  pflege  er  heimlich  Kontakte  zu  verfolgten  religiösen  Minderheiten  im  Iran.  Die  dabei  gesammelten  Informationen reiche er weiter, damit sie  in verschiedenen  Publikationen  veröffentlicht  werden  könnten.  Aufgrund  dieser  exilpolitischen Aktivitäten befürchte er bei einer Rückkehr in den Iran, von  den iranischen Behörden verfolgt zu werden. C.  Mit  Verfügung  vom  30. September  2008  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  sein  Asylgesuch  ab,  verfügte  seine  Wegweisung  aus  der  Schweiz,  ordnete  den Vollzug an und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–. Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die exilpolitischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  könnten  keine  konkrete  Gefährdung 

E­6892/2008 im Falle einer Rückkehr  in den  Iran begründen. Seine Tätigkeiten seien  insgesamt nicht dazu geeignet, ein ernsthaftes Vorgehen der  iranischen  Behörden zu bewirken, zumal keine Anhaltspunkte dafür bestünden, dass  im Iran gegen ihn behördliche Massnahmen eingeleitet worden seien. D.  Mit  Eingabe  vom  31. Oktober  2008  (Poststempel)  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  30. September  2008  und  beantragte,  die  Verfügung  sei  aufzuheben,  er  sei  als  Flüchtling  anzuerkennen  und  ihm  sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Subeventualiter  sei  festzustellen,  dass  die  Wegweisung  (recte:  der  Wegweisungsvollzug)  unzulässig  sei,  weshalb ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren sei. In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  er  die  Gewährung  der  unentgeltlichen Prozessführung, die unentgeltliche Rechtsverbeiständung  und den Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. E.  Mit  undatierter  Zwischenverfügung  (Ausgang  beim  Bundesverwaltungsgericht:  5. November  2008)  verzichtete  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  verschob  die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  und  wies  das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab. Zugleich lud es  das BFM zur Vernehmlassung ein. E.a.  Mit  Eingabe  vom  20. November  2008  stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeschrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  die  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen  würde, und beantragte Abweisung der Beschwerde. E.b.  Die  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  19. November 2008 zur Kenntnis zugestellt. F.  Mit  Eingaben  vom  25. Mai  2009,  3. Juni  2009  und  8. Oktober  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  zusätzliche  Beweismittel  bezüglich  seiner  exilpolitischen Aktivitäten ein. 

E­6892/2008 G.  Insgesamt hat der Beschwerdeführer im Verfahren vor dem BFM und im  Beschwerdeverfahren die folgenden Beweismittel eingereicht: – Kopie Personalkarte DVF (gültig bis Ende 2005), – Bestätigungsschreiben des Präsidenten des DVF vom (…), – Bestätigungsschreiben des Präsidenten der IFIR Schweiz vom (…), – Liste  mit  Mitgliedern  der  IFIR,  die  gemäss  Begleitbrief  des  Präsidenten  der  IFIR  an  das  BFM  schon  lange  in  der  Schweiz  auf  Asyl warten (der Beschwerdeführer ist auf der Liste als "Mitglied" der  IFIR aufgeführt), – drei vom Beschwerdeführer 2005 verfasste Artikel inklusive deutsche  Übersetzung, – Auflistung  von  Protestkundgebungen  und  öffentlichen  Veranstaltungen  in verschiedenen Schweizer Städten, an denen der  Beschwerdeführer  zwischen  dem 12. März  2005 und  dem 4. August  2009  teilgenommen habe  (circa 10­15 pro Jahr,  inklusive Aufrufe zu  den  Kundgebungen,  Flugblätter  und  Fotos,  auf  denen  der  Beschwerdeführer zu sehen sei), – an  den  Beschwerdeführer  adressierte  Bewilligung  der  Stadtpolizei  B._______ vom (…) für eine Standaktion in B._______, – Vortrag des Beschwerdeführers anlässlich (…) in C._______ vom (…)  (Text und Foto, auf dem der Beschwerdeführer zu sehen sei), – Internetausdruck: Auszug der Liste im Iran verbotener Webseiten, – Bewilligung zum provisorischen Stellenantritt des Kantons D._______  vom (…). H.  H.a.  Gemäss Mitteilung des Migrationsamtes des Kantons D._______ hat der  Beschwerdeführer  am 20. Oktober  2010  ein Gesuch  um Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  (Härtefallgesuch) eingereicht, welchem er diverse  Beweismittel zu seiner sozialen Integration beilegte. H.b.  Mit Verfügung vom 26. Juli 2011 wurde das Gesuch abgelehnt. Die  Rechtsmittelfrist gegen diesen Entscheid beträgt 30 Tage.

E­6892/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder  Änderung.  Er  ist  daher  zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108  Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist  einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Nach  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 

E­6892/2008 Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2. Als Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG gelten auch Personen, die  erst  durch  ihre  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder  wegen  ihres  Verhaltens  nach  der  Ausreise  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind.  Massgebend  für  die  Annahme  solcher  subjektiver  Nachfluchtgründe  ist,  ob  die  heimatlichen  Behörden  das  Verhalten  des  Asylsuchenden  als  staatsfeindlich  einstufen  und  dieser  deswegen  bei  einer Rückkehr  in den Heimatstaat eine Verfolgung  im Sinne von Art.  3  AsylG  befürchten  muss.  Es  bleiben  damit  die  Anforderungen  an  den  Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG). Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten gemäss Art. 54 AsylG  kein Asyl, werden  jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen, da die  Ausschaffung  in  ihr  Heimat­  oder  Herkunftsland  unzulässig  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG  i.V.m.  Art. 83  Abs. 3  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Der  Asylausschlussgrund  von Art.  54 AsylG  ist  absolut  zu  verstehen  und  mithin  unabhängig  davon  anzuwenden,  ob  Nachfluchtgründe missbräuchlich  gesetzt worden  sind  oder  nicht. Es  ist  daher  nicht  entscheidend,  welchen  mutmasslichen  Zweck  die  asylsuchende Person durch  ihre  exilpolitischen Tätigkeiten  zu  erreichen  versucht hat. 4.  Der  Beschwerdeführer  macht  einzig  geltend,  aufgrund  seiner  exilpolitischen Aktivitäten  in der Schweiz bei einer Rückkehr  in den  Iran  einer  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Verfolgung  durch  die  iranischen  Behörden ausgesetzt zu sein. Damit ist die Beschwerde in Bezug auf das  im  Übrigen  nicht  begründete  Begehren,  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren,  bereits  wegen  Erfüllens  eines  Asylausschlussgrundes  (Art.  54  AsylG)  abzuweisen. 5.  Bei der Prüfung, ob eine exilpolitisch aktive Person aus dem Iran in ihrem  Heimatland im Sinne von Art. 3 AsylG gefährdet ist und als Folge ihrer Exil­ Tätigkeit  im  heutigen  Zeitpunkt  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt,  ist  festzuhalten,  dass  die  politische  Betätigung  für  staatsfeindliche  Organisationen  im  Ausland  seit  der  Neufassung  des  iranischen  Strafrechts  im  Jahr  1996  unter  Strafe  gestellt  ist.  Iranische 

E­6892/2008 Sicherheitsdienste  beobachten  und  erfassen  die  politischen  Aktivitäten  von  Iranerinnen  und  Iranern  im  Ausland,  insbesondere  diejenige  von  führenden  Mitgliedern  regierungskritischer  Organisationen.  Umfang  und  Intensität  der  Überwachung  sind  jedoch  nur  schwer  abzuschätzen,  seit  den Unruhen  im Anschluss an die Präsidentschaftswahlen 2009 scheint  die  Überwachung  aber  eher  zugenommen  zu  haben.  Mittels  Einsatz  moderner  Software  dürfte  es  den  iranischen  Behörden  technisch  auch  möglich  sein,  die  im  Internet  vorhandenen  grossen Datenmengen  ohne  allzu grossen Aufwand in einem gewissen Ausmass zu überwachen (vgl.  FIORENZA  KUTHAN,  Iran:  Illegale  Ausreise/Situation  von  Mitgliedern  der  PDKI/Politische  Aktivitäten  im  Exil,  Auskunft  der  SFH­Länderanalyse,  16. November  2010,  S. 10 ff.;  MICHAEL  KIRSCHNER,  Iran:  Rückkehrgefährdung  für  AktivistInnen  und  Mitglieder  exilpolitischer  Organisationen  –  Informationsgewinnung  iranischer  Behörden,  Auskunft  der SFH­Länderanalyse, 4. April 2006, S. 9 f.). Die  iranischen  Geheimdienste  scheinen  sich  auf  die  Erfassung  von  Personen  zu  konzentrieren,  die  über  die  massentypischen  und  niedrig  profilierten  Erscheinungsformen  exilpolitischer  Proteste  hinaus  Funktionen wahrnehmen und/oder Aktivitäten entwickeln, die sie aus der  Masse  der  mit  dem  Regime  Unzufriedenen  herausheben  und  als  ernsthafte  und  potentiell  gefährliche  Regimegegner  erscheinen  lassen.  Nach Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts unterliegen Mitglieder in  Exilorganisationen  von  im  Iran  verbotenen  oppositionellen  Parteien,  Teilnehmer  an  Veranstaltungen  dieser  Organisationen,  Mitwirkende  an  regimekritischen  Demonstrationen,  welche  die  dabei  üblichen  Plakate  tragen  und  Parolen  rufen,  Teilnehmer  von  sonstigen  regimekritischen  Veranstaltungen  und  Personen,  die  Büchertische  betreuen  und  Informations­  und  Propagandamaterial  in  Fussgängerzonen  verteilen,  keiner  allgemeinen  Überwachungsgefahr  durch  iranische  Exilbehörden  (vgl.  BVGE 2009/28 E.7.4.3).  Keine Rolle  spielt  dabei  die Quantität  der  exilpolitischen  Aktivitäten,  entscheidend  ist  vielmehr  deren  Qualität:  So  sind  insbesondere  exponierte Positionen  in  exilpolitischen Gruppen  und  Vereinigungen (Führungs­ und Funktionsaufgaben) sowie die Form (z.B.  gewaltsame Proteste) und der Einfluss (öffentliche Wirkung) von Aktionen  bei  der  Beurteilung  der  Gefährdung  einer  Person  von  Bedeutung  (vgl.  Kirschner, a.a.O., S. 7 f.). 5.1.  Der  Beschwerdeführer  begründet  seine  Gefährdung  bei  einer  Rückkehr  in den  Iran  im Wesentlichen damit, dass er seit 2005 Mitglied  bei  mehreren  exilpolitisch  tätigen  Organisationen  in  der  Schweiz  sei 

E­6892/2008 (zuerst bei der DVF, seit Mitte 2008 bei der IFIR Schweiz). Seither habe  er an einer Vielzahl von Demonstrationen und Standaktionen gegen das  iranische  Regime  teilgenommen.  2005  habe  er  drei  regimekritische  Artikel  geschrieben,  die  im  Internet  publiziert  worden  seien,  wobei  alle  Artikel unter seinem Namen publiziert und einer zudem mit seinem Foto  versehen worden sei. Sowohl  für die DVF als auch  für die  IFIR habe er  als  sogenannter  Menschenrechtsbeauftragter  für  die  jeweilige  Sektion  des  Kantons  D._______  Informationen  über  Menschenrechtsverletzungen  im  Iran  gesammelt  und  weitergeleitet,  die  später  von  den  zuständigen  Personen  in  Artikeln  der  Publikationen  der  jeweiligen  Organisation  veröffentlicht  worden  seien.  Zu  diesem  Zweck  habe er auch geheime Kontakte zu den E._______ gepflegt, bei denen es  sich  um  eine  im  Iran  verfolgte  religiöse  Minderheit  handle,  denen  er  selber angehöre. 5.2.  Das  BFM  zweifelte  in  der  angefochtenen  Verfügung  nicht  am  Wahrheitsgehalt  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wobei  es  sich  allerdings  zu  seiner  angeblichen  Zugehörigkeit  zu  den  E._______  nicht  äusserte,  stellte  sich  aber  auf  den  Standpunkt,  die  geltend  gemachten  exilpolitischen Aktivitäten seien nicht geeignet, eine konkrete Gefährdung  bei einer Rückkehr  in den Iran im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich  nicht  besonders  exponiert  und  es  bestünden keine Hinweise darauf, dass die  iranischen Behörden auf  ihn  aufmerksam geworden seien. 5.3. Der  Beschwerdeführer  entgegnete  in  seiner  Beschwerde,  iranische  Asylsuchende,  die  sich  in  der Schweiz  exilpolitisch betätigten,  riskierten  bei  einer  allfälligen  Ausschaffung  in  ihr  Heimatland  strafrechtliche  Verfolgung  wegen  staatsfeindlicher  Aktivitäten,  wobei  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  gravierende  Übergriffe  zu  befürchten  seien.  Er  verweist  dabei  auf  die  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 5300/2006 vom 29. August 2007 und E­7110/2006 vom 25. Juli 2007. Da  er  seit  mehreren  Jahren  an  Aktionen  gegen  das  iranische  Regime  teilnehme  und  zum  aktiven  Kern  der  Organisationen  gehöre,  könne  davon ausgegangen werden, dass er den  iranischen Behörden bekannt  sei.  6.  Auch  für  das  Bundesverwaltungsgericht  liegen  keine  Gründe  vor,  grundsätzlich  an  den  exilpolitischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  zu  zweifeln,  zumal  diese  bezüglich  der  Teilnahme  an  Demonstrationen 

E­6892/2008 und Veranstaltungen  und hinsichtlich  der  drei  von  ihm 2005  im  Internet  publizierten Artikel umfassend dokumentiert ist. Nicht  glaubhaft  machen  konnte  der  Beschwerdeführer  jedoch  die  Behauptung,  er  gehöre  den  E._______  und  damit  einer  verfolgten  religiösen Minderheit  im  Iran  an. Er machte weder  an  der Anhörung  zu  seinem zweiten Asylgesuch noch in der Beschwerdeschrift substantiierte  Angaben  zu  seiner  Mitgliedschaft  in  diesem  religiösen  Orden.  Zudem  hatte  er  diese  Behauptung  im  ersten  Asylverfahren  noch  nicht  vorgebracht.  Damit  ist  seine  Zugehörigkeit  zu  den  E._______  nicht  glaubhaft. Die Behauptung des Beschwerdeführers, er habe auch für die  IFIR  regimekritische  Artikel  geschrieben  und  publiziert,  ist  ebenfalls  unglaubhaft,  da  er  weder  diesbezügliche  Beweise  einreichte,  noch  Ausführungen zu deren Inhalt und Publikationsdatum machte. Schliesslich  ist  vorab  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  –  im  Gegensatz zu seinen Behauptungen in der Beschwerdeschrift – im ersten  Asylverfahren  nicht  glaubhaft  machen  konnte,  er  sei  bereits  im  Iran  politisch aktiv gewesen. Seine diesbezüglichen Vorbringen waren sowohl  vom BFF als auch von der ARK als unglaubhaft beurteilt worden. Damit  ist  als  Tatsache  erstellt,  dass  er  beim  Verlassen  seines  Heimatlandes  (2000) und im Zeitpunkt des erst­ und des zweitinstanzlichen Entscheides  (2002) kein politisches Profil hatte, nicht als  regimefeindliche Person  ins  Blickfeld der iranischen Behörden geraten oder gar registriert war und die  Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllte. 7.  Mit  den  vorgebrachten  exilpolitischen  Tätigkeiten  erreicht  der  Beschwerdeführer  auch  nach  Überzeugung  des  Bundesverwaltungsgerichts  keinen  Bekanntheitsgrad,  bei  dem  angenommen  werden  müsste,  dass  die  iranischen  Behörden  auf  ihn  aufmerksam geworden seien und ihn als Gefährdung betrachten könnten. 7.1.  Es  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  iranischen  Behörden  aufgrund  seiner  Teilnahme  an  friedlichen  Demonstrationen  und  Standaktionen  gegen  das  iranische  Regime  in  der  Schweiz  auf  den  Beschwerdeführer  aufmerksam  geworden  sind,  auch  wenn  von  diesen  Veranstaltungen  Berichte  und  Fotos  im  Internet  veröffentlicht  wurden.  Diese Aktivitäten sind auf einen kleinen Rahmen beschränkt und finden in  den  nationalen  und  internationalen  Medien  kein  Echo.  Der  Beschwerdeführer  war  lediglich  als  Teilnehmer  dabei  und  hatte  keine 

E­6892/2008 führende Funktion inne, weshalb nicht davon ausgegangen werden muss,  dass die iranischen Behörden ihn deshalb als staatsgefährdend ansehen  könnten.  Daran  ändert  auch  nichts,  dass  der  Beschwerdeführer  als  Adressat einer Bewilligung der Stadtpolizei B._______ vom (…)  für eine  Standaktion des DVF fungierte. Dies mag zwar als Engagement für diese  Organisation  gewertet  werden,  exponierte  den  Beschwerdeführer  aber  nicht  zusätzlich  in  der  Öffentlichkeit  und  ist  deshalb  nicht  geeignet,  die  Gefahr  einer  Identifizierung  als  Regimegegner  durch  die  iranischen  Behörden zu erhöhen. 7.2. Dass der Beschwerdeführer Mitglied einer exilpolitischen Vereinigung  ist, genügt ebenfalls nicht, eine konkrete Verfolgungsangst zu begründen.  Es  mag  sein,  dass  er  mit  der  Informationsbeschaffung  zu  Menschenrechtsverletzungen  im  Iran  beauftragt  ist.  Bei  dieser  Funktion  scheint es sich aber nicht um eine offizielle Position zu handeln, wird er  doch  in  der  Mitgliederliste  der  IFIR  Schweiz  lediglich  als  einfaches  Mitglied aufgeführt. Auch dem Bestätigungsschreiben dieser Organisation  ist  keine  solche  Funktion  zu  entnehmen.  Seine  heimlichen  Kontakte  zu  religiösen Minderheiten im Iran, die er nach seiner Behauptung per E­Mail  unterhält, werden in den diversen Beweismitteln  in keiner Art und Weise  belegt und seine diesbezüglichen Ausführungen  in der Anhörung und  in  der  Beschwerdeschrift  sind  äusserst  unsubstantiiert.  Diese  Aktivitäten  sind in keinem der beiden Bestätigungsschreiben erwähnt, und der Inhalt  des  vom Beschwerdeführer  publizierten Artikels  [Titel  des Artikels]  lässt  nicht  darauf  schliessen,  dass  er  dafür  direkte  Kontakte  zu  dieser  Religionsgemeinschaft  benutzte.  Alle  diese  Tätigkeiten  als  sogenannter  Menschenrechtsverantwortlicher  scheinen  keine  zusätzliche  Präsenz  in  der  Öffentlichkeit  zur  Folge  zu  haben,  zumal  mit  der  Aufgabe  keine  Publikationstätigkeit unter eigenem Namen verbunden ist. 7.3.  Die  drei  Artikel,  die  der  Beschwerdeführer  2005  unter  eigenem  Namen  im  Internet  publizierte,  sind  ebenfalls  nicht  geeignet,  ihn  einer  Verfolgungsgefahr  durch  die  iranischen  Behörden  auszusetzen.  Selbst  wenn die Artikel den iranischen Behörden bekannt geworden sein sollten  – wofür  keine  Hinweise  bestehen  und  was  auch  der  Beschwerdeführer  nicht  behauptet  –,  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  dieser  dadurch  in  ihren  Fokus  gerückt  wäre.  Die  Artikel  kritisieren  zwar  die  herrschenden  Zustände  im  Iran,  rufen  sie  weder  zu  aktivem  Widerstand  auf,  noch  greifen sie direkt die im Iran herrschenden Personen an.

E­6892/2008 7.4.  Der  angeblich  von  ihm  am  (…)  in  C._______  gehaltene  Vortrag  vermag  an  dieser  Beurteilung  nichts  zu  ändern,  zumal  unklar  ist,  ob  er  öffentlich  war  und  ob  der  Beschwerdeführer  ihn  in  seinem  Namen  gehalten hat. Auf dem als Beweismittel eingereichten Text ist sein Name  jedenfalls nicht vermerkt und das ebenfalls eingereichte Foto – zu sehen  ist  lediglich  der  Beschwerdeführer  auf  einer  Bühne  in  einem  geschlossenen Raum –  lässt  eher  auf  einen Anlass  im  engen Rahmen  schliessen. 7.5.  Schliesslich  sind  weder  den  Akten  noch  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  Hinweise  darauf  zu  entnehmen,  wonach  die  iranischen  Behörden  tatsächlich  auf  ihn  aufmerksam  geworden  wären  oder  er  Verfolgungshandlungen  der  iranischen  Behörden  ausgesetzt  gewesen wäre. 7.6.  Bekanntlich  geht  es  bei  der  Frage,  ob  eine  Person  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt,  nicht  nur  um  die  Frage  der  (objektiven)  Gefährdung,  sondern  vor  allem  darum,  ob  sie  begründete  Furcht  vor  einer  künftigen  Verfolgung  hat.  Diese  (subjektive)  Angst  ist  dem  Beschwerdeführer  in  keiner  Weise  abzunehmen.  Wenn  ein  in  seinem  Heimatland nicht verfolgter und dort politisch nicht aktiv gewesener, von  den  zuständigen  Behörden  der  Schweiz  rechtskräftig  abgewiesener  Asylsuchender  sich  nach  Ablauf  der  ihm  gesetzten  Ausreisefrist  und  einem  illegalen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  von  zweieinhalb  Jahren  plötzlich an einer Vielzahl von exilpolitischen Tätigkeiten beteiligt, ist dies  ein starkes Indiz dafür, dass er eben gerade keine Furcht davor hat, dass  die  heimischen  Behörden  sein  Wirken  im  Ausland  zum  Anlass  für  Verfolgung nehmen könnten. 7.7. Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass der vorliegende Fall sich  in  grundsätzlicher  Weise  von  den  beiden  in  der  Beschwerdeschrift  angeführten  Urteilen  unterscheidet,  in  denen  das  Bundesverwaltungsgericht die Existenz subjektiver Nachfluchtgründe als  glaubhaft  angesehen  hatte.  So  war  die  Situation  im  Fall  des  Urteils  D­ 5300/2006  vom  29. August  2007  dergestalt,  dass  die  dortige  Beschwerdeführerin  bereits  im  Iran  politisch  aktiv  gewesen  und  diesbezüglich  polizeilich  registriert  war. Und  im Urteil  E­7110/2006  vom  25. Juli 2007 hatte der betreffende Beschwerdeführer verwandtschaftliche  Beziehungen  zu  einer  oppositionspolitisch  aktiven  Person,  was  seine  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  verstärkte.  Beides  ist  im  vorliegenden Fall nicht gegeben.

E­6892/2008 7.8.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  geltend  gemachten  exilpolitischen  Aktivitäten  –  auch  kumuliert  –  nicht  geeignet  sind,  eine  flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht  des  Beschwerdeführers  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  zu  begründen.  Das  BFM  hat  damit  zu  Recht festgestellt, er erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. 8.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  Art.  32  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). 9.  9.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 1 AuG). 9.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG  und  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum  Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf 

E­6892/2008 niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder  Behandlung unterworfen werden. 9.3.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  bzw.  Art. 1 A  Ziff.  2  FK  nachzuweisen oder glaubhaft zu machen,  findet das  in Art. 5 AsylG und  Art. 33  Abs. 1  FK  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Refoulementverbots  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung.  Eine  Ausschaffung des Beschwerdeführers in den Iran ist demnach unter dem  Aspekt von Art. 5 AsylG und Art. 33 Abs. 1 FK rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  seinen  Heimatstaat    dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Iran  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen.  Damit  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig. 9.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.5. Im Iran besteht keine Situation allgemeiner Gewalt, die sich über das  ganze  Staatsgebiet  oder  weite  Teile  desselben  erstrecken  würde.  Eine  gänzlich  unsichere,  von  bewaffneten  Konflikten  oder  permanent  drohenden  Unruhen  dominierte  Lage,  aufgrund  derer  der  Beschwerdeführer sich bei einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten  Gefährdung ausgesetzt sehen würde, besteht nicht. Aufgrund  der  Aktenlage  besteht  kein  Grund  zur  Annahme,  der  Beschwerdeführer  gerate  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Iran  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation,  die  den  Vollzug  der  Wegweisung  als  unzumutbar  erscheinen  liesse.  Der  Beschwerdeführer  macht  keine  gesundheitlichen  Beschwerden  geltend  und  hat  nach 

E­6892/2008 eigenen Angaben  im  Iran eine dreijährige Ausbildung als  (…) absolviert  und auch auf diesem Beruf gearbeitet. Es  ist nicht  in Abrede zu stellen,  dass er bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat aufgrund seiner langen  Landesabwesenheit, die er allerdings aufgrund seiner Weigerung, seiner  Ausreiseverpflichtung  nachzukommen,  selber  und  mutwillig  verursacht  hat, mit  gewissen Schwierigkeiten  konfrontiert  sein  könnte.  Immerhin  ist  darauf hinzuweisen, dass seine Eltern, eine Schwester und ein Bruder im  Iran  leben,  womit  der  Beschwerdeführer  über  ein  intaktes  Beziehungsnetz verfügt, auf das er zurückgreifen kann. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 9.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und möglich  erachtet. Die Anordnung des  Wegweisungsvollzugs ist zu bestätigen. 10.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11.  Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  war  dem  Beschwerdeführer  mitgeteilt  worden,  dass  über  sein  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden werde. Nach Art. 65  Abs. 1  VwVG wird  eine Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint.  Gemäss  Angaben  des  Zentralen  Migrationssystems  ZEMIS  geht  der  Beschwerdeführer  seit  dem  15. Juli  2010  einer  Erwerbstätigkeit  nach.  Den  Unterlagen  seines  Härtefallgesuchs vom 20. Oktober 2010 ist zu entnehmen, dass er damit  ein monatliches Bruttoeinkommen von Fr. 3300.– erzielt. Somit ist er nicht 

E­6892/2008 bedürftig  und  sein  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  ist  abzuweisen.  Im  Übrigen  wäre  auch  das  Erfordernis  der  nicht  aussichtslosen  Prozessführung  angesichts  der  vorstehenden  Argumentation zu verneinen. 12.  Die Kosten des Verfahrens, die auf Fr. 600.– festzusetzen sind, sind bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG  und  Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Tobias Meyer

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E-6892/2008 — Bundesverwaltungsgericht 23.08.2011 E-6892/2008 — Swissrulings