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Bundesverwaltungsgericht 23.12.2011 E-6843/2011

December 23, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,226 words·~6 min·3

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch (Safe Country) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Dezember 2011 / N

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6843/2011 Urteil   v om   2 3 .   D e z embe r   2011   Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher,  Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (…) (Beschwerdeführer 1) B._______, geboren am (…) (Beschwerdeführerin 2) C._______, geboren am (…) (Beschwerdeführer 3) Serbien,  (…),   Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 15. Dezember 2011 / N (…).

E­6843/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,  dass  die  Beschwerdeführenden  eigenen  Angaben  zufolge  ihren  Heimatstaat  am  26.  November  2011  verliessen  und  am  27.  November  2011 in der Schweiz um Asyl nachsuchten, dass  sie  anlässlich  der  Befragungen  zur  Person  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Basel  vom  7.  Dezember  2011  sowie  der  direkten  Anhörungen  durch  das  BFM  vom  15.  Dezember  2011  zur  Begründung  ihrer  Asylgesuch  im  Wesentlichen  vorbrachten,  sie  seien  Angehörige  der  Minderheit  der  Roma  und  stammten  aus  D._______,  Serbien, dass einer  ihrer Nachbarn ein Aufgebot des serbischen Militärs erhalten  habe und die Beschwerdeführer 1 und 3 deshalb befürchteten, ebenfalls  zum Militärdienst eingezogen zu werden, dass  sie  auf  dem  Markt,  wo  sie  Wäsche  verkauft  hätten,  durch  die  Marktpolizei schikaniert worden seien, dass  sie  zudem  als  Roma  von  den  Serben  beschimpft  und  belästigt  worden seien, dass der Beschwerdeführer 1 wegen eines Prostata­Leidens in ärztlicher  Behandlung sei und die Beschwerdeführerin 2 wegen Problemen mit dem  Blutdruck Medikamente einnehmen müsse, dass das BFM mit Verfügung vom 15. Dezember 2011 – im Anschluss an  die Anhörungen mündlich eröffnet – in Anwendung von Art. 34 Abs. 1 des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  der  Beschwerdeführenden  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, Serbien sei mit  Beschluss des Bundesrats vom 6. März 2009 als "safe country" im Sinne  von Art. 6 Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet worden, dass  sich  aus  ihren  Vorbringen  keine  Hinweise  auf  eine  relevante  Verfolgung ergeben würden, 

E­6843/2011 dass  ihre  Befürchtung,  in  den  Militärdienst  eingezogen  zu  werden,  angesichts  der  Abschaffung  der  allgemeinen  Wehrpflicht  in  Serbien  haltlos sei,  dass  Schikanen  gegenüber  der  ethnischen  Minderheit  der  Roma  vom  serbischen Staat  nicht  gebilligt  oder  unterstützt würden,  sondern  solche  Vorfälle vielmehr strafrechtlich verfolgt würden, dass  behördliche  Massnahmen  zur  Durchsetzung  einer  Marktordnung  legitim seien und keine Verfolgung darstellten, dass  sich  im  Übrigen  den  Akten  keine  Anhaltspunkte  dafür  entnehmen  liessen,  dass  den  Beschwerdeführenden  in  ihrem  Heimatstaat  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Bestrafung  oder  Behandlung  drohe  und  weder  die  dort  herrschende  politische  Situation  noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit ihrer Rückführung sprechen  würden, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  20.  Dezember  2011  (Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  dabei  beantragten,  es  sei  auf  ihr  Asylgesuch  einzutreten und ihnen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen, dass  sie  in  formeller  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  ersuchten, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  21.  Dezember  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes 

E­6843/2011 vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  die  Vorinstanz  ihre  Verfügung  mündlich  eröffnet  und  summarisch  begründet hat,  dass Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG den Parteien grundsätzlich  schriftlich  zu  eröffnen  und  diesfalls  als  solche  zu  bezeichnen,  zu  begründen  und  mit  einer  Rechtsmittelbelehrung  zu  versehen  sind  (vgl.  Art. 34 Abs. 1 und 35 Abs. 1 VwVG), dass  Verfügungen  und  Entscheidungen  im  Asylverfahren  in  geeigneten  Fällen  mündlich  eröffnet  und  summarisch  begründet  werden  können,  wobei  die  mündliche  Eröffnung  samt  Begründung  protokollarisch  festzuhalten und den Asylsuchenden ein Protokollauszug auszuhändigen  ist (vgl. Art. 13 Abs. 1 und 2 AsylG),  dass  die  mündliche  Eröffnung  des  Entscheids  im  Anschluss  an  die  Anhörung  vom  15.  Dezember  2011  erfolgte  und  den  Beschwerdeführenden  zusammen  mit  den  Anhörungsprotokollen  und  weiteren  editionspflichtigen  Akten  das  schriftliche  Entscheidprotokoll  übergeben wurde,  dass diese Vorgehensweise des BFM mithin als korrekt erscheint,  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

E­6843/2011 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass  die  Verfügung  als  Anfechtungsgegenstand  in  der  Bundesverwaltungsrechtspflege  den  äusseren Rahmen  bildet,  innerhalb  welchem  die  Parteien  der  Rechtsmittelinstanz  ein  Rechtsverhältnis  zur  Beurteilung unterbreiten können, dass der durch die Parteibegehren definierte Streitgegenstand nicht über  den  Anfechtungsgegenstand  hinaus  reichen  darf,  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  somit  grundsätzlich  nur  sein  kann,  was  Gegenstand  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  war  oder  nach  richtiger  Gesetzesauslegung  hätte  sein  sollen  (vgl.  ANDRÉ  MOSER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, Rz. 3 zu Art. 52; CHRISTOPH  AUER,  Streitgegenstand  und  Rügeprinzip  im  Spannungsfeld  der  verwaltungsrechtlichen  Prozessmaximen,  Bern  1997,  S.  63;  ALFRED 

E­6843/2011 KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 149), dass  die  angefochtene  Verfügung  keine  Regelung  betreffend  Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl enthält, dass mit dem in der Rechtsmitteleingabe gestellten Begehren, es sei die  Flüchtlingseigenschaft festzustellen, der Streitgegenstand in unzulässiger  Weise  über  den  in  der  angefochtenen  Verfügung  geregelten  Anfechtungsgegenstand  hinaus  erweitert  wird  (vgl.  AUER,  a.a.O.,  S.  63;  BGE 110 V 51 E. 3c), weshalb darauf nicht einzutreten ist, dass der Bundesrat mit Beschluss vom 6. März 2009 Serbien zum "safe  country"  erklärt  hat,  in  welchem  nach  seinen  Feststellungen  Sicherheit  vor  Verfolgung  besteht,  und  auf  diese  Einschätzung  im  Rahmen  der  periodischen  Überprüfung  (vgl.  Art.  6a  Abs.  3  AsylG)  bisher  nicht  zurückgekommen ist,  dass  somit  die  formellen  Bedingungen  für  den  Erlass  eines  Nichteintretensentscheides auf  der Grundlage  von Art.  34 Abs.  1 AsylG  erfüllt sind, dass auf Gesuche von Asylsuchenden aus verfolgungssicheren Staaten  nach  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  (sogenannte  Safe­Country­Regelung)  nicht  eingetreten  wird,  ausser  es  gebe  Hinweise  auf  eine  Verfolgung  (Art. 34 Abs. 1 AsylG), dass  die  fehlende Verfolgung  im Herkunftsland  somit  lediglich  vermutet  wird und widerlegt werden kann, dass  gemäss  Praxis  bei  der  Prüfung  des  Fehlens  von  Verfolgungshinweisen  derselbe  weite  Verfolgungsbegriff  wie  in  Art.  18,  Art. 33 Abs. 3 Bst. b und Art. 35 AsylG zur Anwendung gelangt, welcher  nicht bloss ernsthafte Nachteile nach Art. 3 AsylG, sondern auch die von  Menschenhand verursachten Wegweisungshindernisse im Sinne von Art.  44 Abs.  2 AsylG  i.V.m. Art.  83 Abs.  3  und  4  des Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  umfasst  (vgl.  BVGE  E­7087/2010  vom  29. März  2011,  E.  4.2;  EMARK 2004 Nr. 35 E. 4.3. S. 247), dass dabei ein im Vergleich zum ­ bereits erleichterten – Beweismass des  Glaubhaftmachens  nochmals  reduzierter Massstab  anzuwenden  ist  und 

E­6843/2011 auch  bei  Asylsuchenden  aus  einem  verfolgungssicheren  Staat  das  Erfüllen  der  Flüchtlingseigenschaft  geprüft  werden muss,  sobald  in  den  Akten  Hinweise  auf  Verfolgung  (im  soeben  erläuterten  Sinn)  zu  verzeichnen  sind,  deren  Unglaubhaftigkeit  nicht  schon  auf  den  ersten  Blick erkannt werden kann (vgl. BVGE a.a.O.; EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3.  S. 16 f.), dass  vorliegend  das  Bundesamt  im  Ergebnis  zu  Recht  festgestellt  hat,  dass keine konkreten Hinweise auf eine Verfolgung  im oben genannten  Sinne vorliegen, dass  zwar  Berichte  vorliegen,  wonach  das  serbische  Verteidigungsministerium  Aufgebote  für  die  militärische  Reserve  verteilt  habe (vgl. RFE/RL – Radio Free Europe/ Radio Liberty: Serbian Military  Call­Up  Notices  Spark  Sharp  Backlash,  21.  September  2011),  es  sich  dabei aber um eine rechtsstaatlich legitime Massnahme handelt, dass  auch  die  weiteren  von  den  Beschwerdeführern  geschilderten  Schikanen offenkundig kein Ausmass erreichen, welches als Verfolgung  im oben genannten Sinne zu qualifizieren wäre, dass  die  Beschwerdeführenden  auch  in  ihrer  Beschwerdeeingabe,  in  welcher sie im Wesentlichen pauschal darauf verweisen, dass die Roma  durch  die  Albaner  und  Serben  vertrieben  würden,  keine  konkreten  Hinweise  auf  eine  unmittelbar  sie  betreffende  Verfolgung  ersichtlich  zu  machen vermögen, dass  das  BFM  demnach  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs.  1  AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführenden  nicht  eingetreten  ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 

E­6843/2011 wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind, die den  Beschwerdeführenden im Heimat­ oder Herkunftsland droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

E­6843/2011 dass  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimat­  bzw.  Herkunftsstaat  der  Beschwerdeführenden  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist, dass  es  sich  insbesondere  bei  den  von  ihnen  vorgebrachten  gesundheitlichen Problemen nicht um gravierende Erkrankungen handelt,  und eine adäquate Behandlung im Herkunftsstaat gewährleistet ist,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  den  Beschwerdeführenden  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es den Beschwerdeführenden obliegt,  bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  den  Beschwerdeführenden  demnach  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass  das  mit  der  Beschwerde  gestellte  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  unbesehen  der behaupteten Bedürftigkeit  (eine entsprechende Bestätigung  liegt der  Beschwerde  nicht  bei)  abzuweisen  ist,  da  die Begehren  – wie  sich  aus  den  vorstehenden Erwägungen  ergibt  –  als  aussichtslos  zu  bezeichnen  waren,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.−  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­6843/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Das Gesuch um unentgeltliche Rechtpflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG  wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.−  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Nicholas Swain Versand:

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