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Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 E-6840/2008

August 10, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,917 words·~10 min·2

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. September 2008 / N

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­6840/2008 Urteil   v om   1 0 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz),  Richter Bruno Huber, Richterin Emilia Antonioni,    Gerichtsschreiber Tobias Meyer. Parteien A._______, geboren (…), Iran,  vertreten durch Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Advokatur  Kanonengasse, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 26. September 2008 / N (…).

E­6840/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer ersuchte am 11. Februar 2000 in der Schweiz zum  ersten  Mal  um  Asyl.  Dieses  Gesuch  wurde  mit  Verfügung  des  BFF  (Bundesamt  für  Flüchtlinge;  heute:  BFM)  vom 14. März  2002  abgelehnt  und  der  Beschwerdeführer  wurde  aus  der  Schweiz  weggewiesen.  Die  Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.  B.  Mit  Eingabe  an  das  BFM  vom  16. Januar  2008  stellte  der  Beschwerdeführer ein zweites Asylgesuch. Am 1. April 2008 wurde er zu  seinen Asylgründen angehört. Er  machte  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  seit  August  2005  Sympathisant und seit Juli 2006 Mitglied des Demokratischen Vereins für  Flüchtlinge (DVF), einer Exil­Iraner­Organisation mit Sitz  in der Schweiz,  die sich zum Ziel gesetzt habe, die Menschenrechte im Iran auszubauen,  die soziale Lage zu verbessern und einer demokratischen Regierung an  die Macht zu verhelfen. Er nehme regelmässig an dessen Sitzungen teil  und beteilige sich an Demonstrationen und Kundgebungen, an denen er  Flugblätter verteile und Plakate mit Slogans  trage. Seit Anfang 2008 sei  er Politikverantwortlicher der Sektion B._______, zuständig für Politik und  Menschenrechte.  Er  habe  zwei  regimekritische  Artikel  im  Internet  veröffentlicht. Aufgrund dieser exilpolitischen Aktivitäten befürchte er, bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  von  den  iranischen  Behörden  verfolgt  zu  werden. Als Beweise  für seine Mitgliedschaft beim DVF und seine exilpolitischen  Aktivitäten reichte er beim BFM folgende Unterlagen ein:  Kopie  seines  kantonalen  Ausweises  für  Asylsuchende  (gültig  längstens bis […]),  Kopie Personalkarte DVF (gültig bis Ende 2007),  Auflistung  von  insgesamt  12 Protestkundgebungen  und  öffentlichen  Veranstaltungen  in  verschiedenen  Schweizer  Städten,  an  denen  er  zwischen  dem  26. August  2006  und  15.  Dezember  2007  teilgenommen  habe  (inklusive  Aufrufe  zu  den  Kundgebungen,  Flugblätter  und  Fotos,  auf  denen  der  Beschwerdeführer  zu  sehen  sei),  Unterlagen und Fotos der (…),  Bestätigungsschreiben des DVF­Präsidenten vom (…),

E­6840/2008  zwei vom Beschwerdeführer verfasste Artikel samt Übersetzung. C.  Mit  Verfügung  vom  26. September  2008  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  sein  Asylgesuch  ab,  verfügte  seine  Wegweisung  aus  der  Schweiz,  ordnete  den  Wegweisungsvollzug  an,  beauftragte  den  Kanton  Zürich  mit  dem  Vollzug der Wegweisungsvollzug und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–­. Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die exilpolitischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  könnten  keine  konkrete  Gefährdung  im Falle einer Rückkehr  in den  Iran begründen. Seine Tätigkeiten seien  insgesamt nicht dazu geeignet, ein ernsthaftes Vorgehen der  iranischen  Behörden zu bewirken, zumal keine Anhaltspunkte dafür bestünden, dass  im Iran gegen ihn behördliche Massnahmen eingeleitet worden seien. D.  Mit  Eingabe  vom  29. Oktober  2008  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  26. September  2008  und  beantragte,  es  sei  die  Verfügung  vollumfänglich  aufzuheben,  seine  Flüchtlingseigenschaft  sowie  die  Unzulässigkeit  oder  zumindest  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  Er  nannte  folgende,  im  erstinstanzlichen  Verfahren  noch  nicht genannten Veranstaltungen und Aktionen als neue Tatsachen:  Treffen der DVF­Mitglieder vor der (…) in B._______ am (…),  Kundgebung des DVF an der (…) in B._______ vom (…),  Versammlung/Demonstration vor der (…) in C._______ vom (…),  Protest der DVF­Mitglieder am (…),  Kundgebung "Bleiberecht jetzt!" vom (…),  Verteilen  der  DVF­Monatszeitschrift  an  Mitglieder  des  Parlaments  des Kantons B._______ vom (…). In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  er  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Prozessführung  und  Rechtsverbeiständung)  und  Verzicht  auf  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. E.  Mit  undatierter  Zwischenverfügung  (Ausgang  beim  Bundesverwaltungsgericht:  5. November  2008)  verzichtete  das 

E­6840/2008 Bundesverwaltungsgericht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  verschob  die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  und  wies  das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab. Zugleich lud es  das BFM zur Vernehmlassung ein. E.a.  Mit  Eingabe  vom  11. November  2008  stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeschrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  die  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen  würde, und beantragte Abweisung der Beschwerde. E.b.  Die  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  19. November 2008 zur Kenntnis zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht bestimmt sich nach  dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

E­6840/2008 und  Art. 108  Abs. 1  AsylG,  Art. 48  Abs. 1  und  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Nach  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2. Als Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG gelten auch Personen, die  erst  durch  ihre  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder  wegen  ihres  Verhaltens  nach  der  Ausreise  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt sind  (sog. subjektive Nachfluchtgründe). Massgebend  für die  Annahme subjektiver Nachfluchtgründe ist, ob die heimatlichen Behörden  das  Verhalten  der  asylsuchenden  Person  als  staatsfeindlich  einstufen  und  diese  deswegen  bei  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  eine  Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit  die  Anforderungen  an  den  Nachweis  einer  begründeten  Furcht  massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG). Personen  mit  subjektiven  Nachfluchtgründen  erhalten  gemäss  Art.  54  AsylG kein Asyl, werden  jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen,  da  die  Ausschaffung  in  ihr  Heimat­  oder  Herkunftsland  unzulässig  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG  i.V.m.  Art. 83  Abs. 3  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Der  Asylausschlussgrund  von Art.  54 AsylG  ist  absolut  zu  verstehen  und  mithin  unabhängig  davon  anzuwenden,  ob  Nachfluchtgründe missbräuchlich  gesetzt worden  sind  oder  nicht. Es  ist  daher  nicht  entscheidend,  welchen  mutmasslichen  Zweck  die  asylsuchende Person durch  ihre  exilpolitischen Tätigkeiten  zu  erreichen  versucht hat.

E­6840/2008 4.  Das Geburtsdatum des Beschwerdeführers wird  in  den Akten  des BFM  wahlweise  mit  (…)  (1.  Asylverfahren)  oder  (…)  (2.  Asylverfahren;  zusätzlich als Alias­Identitäten: […] und […[) angegeben. Da er selber bei  der Erstregistrierung den  (…) gemäss  iranischem Kalender genannt hat  und  kein  gültiges  Identitätsdokument  vorliegt,  wird  das  nach  Umrechnungstabelle  richtige  Datum  nach  abendländischem  Kalender,  nämlich der (…), als das korrekte Geburtsdatum angenommen (vgl. auch  Akten BFM A13 S. 1). 5.  Der  Beschwerdeführer  macht  geltend,  aufgrund  seiner  exilpolitischen  Aktivitäten  in  der  Schweiz  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  einer  flüchtlingsrelavanten  Verfolgung  durch  die  iranischen  Behörden  ausgesetzt zu sein. 5.1.  Bezüglich  der  Gefährdung  exilpolitisch  aktiver  Personen  aus  dem  Iran  ist  festzuhalten,  dass  die  politische  Betätigung  für  staatsfeindliche  Organisationen  im  Ausland  seit  der  Neufassung  des  iranischen  Strafrechts  im  Jahr  1996  unter  Strafe  gestellt  ist.  Iranische  Sicherheitsdienste  beobachten  und  erfassen  die  politischen  Aktivitäten  von  Iranerinnen  und  Iranern  im  Ausland,  insbesondere  von  führenden  Mitgliedern  regierungskritischer  Organisationen.  Umfang  und  Intensität  der  Überwachung  sind  nur  schwer  abzuschätzen,  seit  den  Unruhen  im  Anschluss an die Präsidentschaftswahlen 2009 scheint die Überwachung  aber  eher  zugenommen  zu  haben.  Mittels  Einsatz  moderner  Software  dürfte  es  den  iranischen Behörden  technisch  auch möglich  sein,  die  im  Internet  vorhandenen  grossen  Datenmengen  ohne  allzu  grossen  Aufwand  in  einem  gewissen  Ausmass  zu  überwachen  (vgl.  FIORENZA  KUTHAN,  Iran:  Illegale  Ausreise  /  Situation  von  Mitgliedern  der  PDKI  /  Politische  Aktivitäten  im  Exil,  Auskunft  der  SFH­Länderanalyse,  16. November  2010,  S. 10 ff.;  MICHAEL  KIRSCHNER,  Iran:  Rückkehrgefährdung  für  AktivistInnen  und  Mitglieder  exilpolitischer  Organisationen  –  Informationsgewinnung  iranischer  Behörden,  Auskunft  der SFH­Länderanalyse, 4. April 2006, S. 9 f.). Die  iranischen  Geheimdienste  scheinen  sich  auf  die  Erfassung  von  Personen  zu  konzentrieren,  die  über  die  massentypischen  und  niedrig  profilierten  Erscheinungsformen  exilpolitischer  Proteste  hinaus  Funktionen wahrnehmen und/oder Aktivitäten entwickeln, die sie aus der  Masse  der  mit  dem  Regime  Unzufriedenen  herausheben  und  als 

E­6840/2008 ernsthafte  und  potenziell  gefährliche  Regimegegner  erscheinen  lassen.  Nach Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts unterliegen Mitglieder in  Exilorganisationen  von  im  Iran  verbotenen  oppositionellen  Parteien,  Teilnehmer  an  Veranstaltungen  dieser  Organisationen,  Mitwirkende  an  regimekritischen  Demonstrationen,  welche  die  dabei  üblichen  Plakate  tragen  und  Parolen  rufen,  Teilnehmer  von  sonstigen  regimekritischen  Veranstaltungen  und  Personen,  die  Büchertische  betreuen  und  Informations­  und  Propagandamaterial  in  Fussgängerzonen  verteilen,  keiner  allgemeinen  Überwachungsgefahr  durch  iranische  Exilbehörden  (vgl.  BVGE 2009/28 E.7.4.3).  Keine Rolle  spielt  dabei  die Quantität  der  exilpolitischen  Aktivitäten,  entscheidend  ist  vielmehr  deren  Qualität:  So  sind  insbesondere  exponierte Positionen  in  exilpolitischen Gruppen  und  Vereinigungen (Führungs­ und Funktionsaufgaben) sowie die Form (z.B.  gewaltsame Proteste) und der Einfluss (öffentliche Wirkung) von Aktionen  bei  der  Beurteilung  der  Gefährdung  einer  Person  von  Bedeutung  (vgl.  KIRSCHNER, a.a.O., S. 7 f.). 5.2.  Der  Beschwerdeführer  begründet  seine  Gefährdung  bei  einer  Rückkehr  im Wesentlichen  damit,  dass  er  zwischen Sommer  2006  und  Sommer 2008 (neuere Angaben liegen nicht vor) als Mitglied des DVF an  verschiedenen  Demonstrationen  und  Standaktionen  teilgenommen  hat,  seit  Anfang  2008  als  Politikverantwortlicher  der  Sektion  B._______  des  DVF  amtet  und  im  Jahre  2006  zwei  regimekritische  Artikel  im  Internet  veröffentlicht  hat.  Es  ist  im  vorliegenden  Verfahren  davon  auszugehen,  dass  es  auch  keine  neueren  Aktivitäten  gibt,  die  nach  Auffassung  des  Beschwerdeführers  für  das  Verfahren  von  Bedeutung  sein  könnten,  zumal  dieser  durch  einen  in  einschlägigen  Verfahren  bewanderten  Rechtsanwalt  vertreten  ist,  welcher  sich  der  allfälligen  Notwendigkeit  einer Aktualisierung bewusst ist (vgl. auch S. 3 f. der Beschwerde). 5.3.  Das  BFM  zweifelte  in  der  angefochtenen  Verfügung  nicht  am  Wahrheitsgehalt  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  stellte  sich  jedoch  auf  den  Standpunkt,  die  geltend  gemachten  exilpolitischen  Aktivitäten  seien  nicht  geeignet,  eine  konkrete  Gefährdung  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  zu  begründen.  Der  Beschwerdeführer habe sich nicht besonders exponiert und es bestünden  keine Hinweise darauf, dass die iranischen Behörden auf ihn aufmerksam  geworden seien. 5.4. Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Beschwerde, mit seinem  dreijährige Engagement  im DVF,  bei  dem  es  sich  um  eine  zielstrebige, 

E­6840/2008 kämpferische Organisation handle, habe er unter Beweis gestellt, dass er  als ernst zu nehmende Gefahr für das iranische Regime zu gelten habe.  Er  rage  dadurch  aus  der  Menge  von  Iranern  heraus,  die  aus  ihrer  Unzufriedenheit  mit  dem  iranischen  Regime  keinen  Hehl  machten.  Er  habe  sich  bewusst  exponiert  und  das  Risiko  künftiger  Verfolgungsmassnahmen durch die iranischen Behörden nicht gescheut. 6.  6.1. Auch für das Bundesverwaltungsgericht liegen keine Gründe vor, am  exilpolitischen  Engagement  des  Beschwerdeführers  zu  zweifeln,  zumal  dieses  umfassend  dokumentiert  ist.  Es  ist  deshalb  als  erstellt  zu  erachten,  dass  der  Beschwerdeführer  Mitglied  des  DVF  ist,  an  verschiedenen  Demonstrationen  und  Standaktionen  dieses  Vereins  teilgenommen  hat,  seit  Anfang  2008  das  Amt  des  "Politikverantwortlichen" in der Sektion B._______ des DVF bekleidet und  im  Jahr  2006  zwei  regimekritische  Artikel  verfasst  und  im  Internet  publiziert hat. 6.2.  Damit  erreicht  der  Beschwerdeführer  allerdings  auch  nach  Überzeugung  des  Bundesverwaltungsgerichts  keinen  Bekanntheitsgrad,  bei dem angenommen werden müsste, dass die iranischen Behörden auf  ihn  aufmerksam  geworden  seien  und  ihn  als  Gefährdung  betrachten  könnten. 6.2.1.  Es  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  iranischen  Behörden  aufgrund  der  Teilnahme  an  friedlichen  Demonstrationen  und  Standaktionen  gegen  das  iranische  Regime  in  der  Schweiz  auf  den  Beschwerdeführer  aufmerksam  geworden  sind,  auch  wenn  von  diesen  Veranstaltungen  Berichte  und  Fotos  im  Internet  veröffentlicht  wurden.  Diese Aktivitäten finden in einem kleinen Rahmen statt und finden weder  in  den  nationalen  noch  in  den  internationalen  Medien  ein  Echo.  Der  Beschwerdeführer war  jeweils nur als Teilnehmer dabei und hatte keine  führende Funktion inne, weshalb nicht davon ausgegangen werden muss,  dass  die  iranischen  Behörden  ihn  deshalb  als  Gefährdung  ansehen  könnten. 6.2.2.  Die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  Mitglied  eines  exilpolitischen  Vereins  ist,  genügt  ebenfalls  nicht,  eine  konkrete  Verfolgungsangst  zu  begründen.  Daran  ändert  auch  nichts,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  Anfang  2008  als  so  genannter  Politikverantwortlicher der Sektion B._______ des DVF ein Amt bekleidet. 

E­6840/2008 Bei der Sektion B._______ des DVF handelt es sich gemäss Aussagen  des  Beschwerdeführers  um  eine  Gruppe  von  fünf  bis  sechs  Personen.  Die  Aufgabe  des  Beschwerdeführers  besteht  hauptsächlich  darin,  die  öffentlich  zugänglichen  Medien  und  iranische  Exilpublikationen  nach  Informationen  zu  Menschenrechtsverletzungen  im  Iran  zu  durchsuchen  und  die  gefundenen  Informationen  weiterzuleiten  sowie  in  der  Schweiz  Unterschriften  zur  Verurteilung  verschiedener  Aktivitäten  des  Irans  zu  sammeln.  Die  damit  zusammenhängende  zusätzliche  Präsenz  in  der  Öffentlichkeit  dürfte  gering  sein,  zumal  mit  der  Position  keine  Publikationstätigkeit unter eigenem Namen verbunden ist. 6.2.3.  Die  beiden  ein­  bis  eineinhalb  Seiten  langen  Artikel,  die  der  Beschwerdeführer  2006  unter  eigenem  Namen  im  Internet  publizierte,  sind  ebenfalls  nicht  geeignet,  ihn  einer  Verfolgungsgefahr  durch  die  iranischen  Behörden  auszusetzen.  [Angaben  zum  Inhalt  der  Artikel].  Selbst wenn die Artikel den iranischen Behörden bekannt geworden sein  sollten  –  wofür  keine  Hinweise  bestehen  und  was  auch  der  Beschwerdeführer  nicht  geltend  macht  –,  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass dieser dadurch in ihren Fokus gerückt wäre. Die Artikel mögen zwar  die  herrschenden  Zustände  im  Iran  kritisieren,  rufen  aber  weder  zu  aktivem Widerstand auf, noch greifen sie direkt die im Iran herrschenden  Personen an. 6.2.4. Zudem ist dem ersten rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahren  des Beschwerdeführers (vgl. Verfügung des BFF vom 14. März 2002) zu  entnehmen, dass der Beschwerdeführer weder eine Vorverfolgung noch  eine  zum  Zeitpunkt  der  Ausreise  aktuell  bestehende  flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen  vermochte. Der Beschwerdeführer machte  im ersten Asylverfahren nicht  geltend, sich im Iran politisch betätigt zu haben. Daher steht fest, dass er  vor  dem  Verlassen  seines  Heimatlandes  nicht  als  regimefeindliche  Person  ins Blickfeld der  iranischen Behörden geraten und entsprechend  durch  die  iranischen  Behörden  jedenfalls  nicht  als  staatsgefährdender  Politaktivist registriert war. Dies vermindert die Gefahr zusätzlich, dass er  aufgrund  seiner  exilpolitischen  Aktivitäten  in  der  Schweiz  bei  einer  Rückkehr in den Iran einer Verfolgung ausgesetzt wäre. 6.2.5.  Schliesslich  sind  weder  den  Akten  noch  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers Hinweise darauf  zu entnehmen,  dass die  iranischen  Behörden  tatsächlich  auf  den Beschwerdeführer  aufmerksam  geworden  wären  oder  seine  im  Iran  verbliebene  Familie  irgendwelchen 

E­6840/2008 Verfolgungshandlungen  seitens  der  iranischen  Behörden  ausgesetzt  gewesen wäre. 6.3.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  geltend  gemachten  exilpolitischen  Aktivitäten  –  auch  kumuliert  –  nicht  geeignet  sind,  eine  flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht  des  Beschwerdeführers  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  zu  begründen.  Das  BFM  hat  damit  zu  Recht  festgestellt,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und dessen Asylgesuch abgelehnt. 7.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  Art.  32  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). 8.  8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 1 AuG). 8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG  und  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 

E­6840/2008 Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum  Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf  niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder  Behandlung unterworfen werden. 8.3.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  bzw.  Art. 1 A  Ziff.  2  FK  nachzuweisen oder glaubhaft zu machen,  findet das  in Art. 5 AsylG und  Art. 33  Abs. 1  FK  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Refoulementverbots  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung.  Eine  Ausschaffung des Beschwerdeführers in den Iran ist demnach unter dem  Aspekt von Art. 5 AsylG und Art. 33 Abs. 1 FK rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  seinen  Heimatstaat    dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Iran  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen.  Damit  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig. 8.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.5. Im Iran besteht keine Situation allgemeiner Gewalt, die sich über das  ganze  Staatsgebiet  oder  weite  Teile  desselben  erstrecken  würde.  Eine  gänzlich  unsichere,  von  bewaffneten  Konflikten  oder  permanent  drohenden  Unruhen  dominierte  Lage,  aufgrund  derer  der  Beschwerdeführer sich bei einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten  Gefährdung ausgesetzt sehen würde, besteht nicht. Aufgrund  der  Aktenlage  besteht  kein  Grund  zur  Annahme,  der  Beschwerdeführer  gerate  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Iran  aus 

E­6840/2008 individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation,  die  den  Vollzug  der  Wegweisung  unzumutbar  machen.  Der  Beschwerdeführer  führt  keine  gesundheitlichen  Beschwerden  an,  hat  nach  eigenen  Angaben  langjährige Berufserfahrung als  (…) und als  (…) und  (…) gearbeitet. Es  ist  nicht  in  Abrede  zu  stellen,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  aufgrund  seiner  langen  Landesabwesenheit  mit  gewissen  Schwierigkeiten  konfrontiert  sein  könnte.  Indessen verfügt er auch nach  der Scheidung von seiner Frau mit seinen Eltern und zwei in D._______  wohnhaften  Schwestern  über  ein  intaktes  Beziehungsnetz,  auf  das  er  zurückgreifen kann. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich mithin als  zumutbar. 8.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und möglich  erachtet. Die Anordnung des  Wegweisungsvollzugs ist zu bestätigen. 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  war  dem  Beschwerdeführer mitgeteilt  worden,  dass  über  sein Gesuch  um Erlass  der  Verfahrenskosten  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden  werde.  Nach  Art. 65  Abs. 1  VwVG  wird  eine  Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint.  Gemäss  den  Angaben  in  der  Beschwerdeschrift  und  dem  Zentralen Migrationssystem ZEMIS geht der Beschwerdeführer seit dem  1. Mai 2008 einer Erwerbstätigkeit nach und erzielt damit ein monatliches  Bruttoeinkommen  von  Fr. 3300.­.  Somit  ist  er  nicht  bedürftig,  und  sein 

E­6840/2008 Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  ist  abzuweisen. Die Kosten des Verfahrens, die auf Fr. 600.– festzusetzen sind, sind bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG  und  Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­6840/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Tobias Meyer Versand:

E-6840/2008 — Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 E-6840/2008 — Swissrulings