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Bundesverwaltungsgericht 23.02.2012 E-6769/2011

February 23, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·788 words·~4 min·3

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch (kein Asylgesuch gemäss AsylG) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­6769/2011 Urteil   v om   2 3 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli;  Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, Türkei,   vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Gehrig,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2011 / N (…).

E­6769/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 10. Januar 2005 ein erstes Asylgesuch in  der  Schweiz  stellte,  welches  das  BFM  mit  Verfügung  vom  21.  Januar  2005  unter  Hinweis  auf  die  Unglaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  ablehnte, dass  der  Beschwerdeführer  eine  gegen  diese  Verfügung  erhobene  Beschwerde zurückzog, nachdem er eine Schweizer Bürgerin geheiratet  und aus diesem Grund eine Aufenthaltsbewilligung erteilt erhalten hatte, dass die zuständige kantonale Behörde nach der Scheidung dieser Ehe  die  Aufenthaltsbewilligung  nicht  mehr  verlängerte  und  dem  Beschwerdeführer  eine  Frist  bis  (…)  2010  zum  Verlassen  der  Schweiz  gesetzt wurde, dass  der  Beschwerdeführer  am  23.  November  2011  ein  zweites  Asylgesuch stellte, zu dem er am 2. Dezember 2011 summarisch und am  8. Dezember 2011 einlässlich befragt wurde, dass  er  zur  Begründung  im  Wesentlichen  geltend  machte,  er  sei  (…)  2010  in  die  Türkei  zurückgekehrt  und  nun  wiederum  in  die  Schweiz  gekommen, weil  er  hier  eine Schweizer  Freundin  habe,  die  er  vielleicht  später  heiraten wolle,  respektive weil  er  diese  unbedingt  heiraten wolle  und die  für eine Eheschliessung notwendigen Schritte bereits eingeleitet  seien, dass  seine  Familie  in  der  Türkei  wünsche,  dass  er  dort  eine  Cousine  heirate,  die  er  jedoch  nicht  liebe,  und  er  von  der  Mutter  und  seinen  Geschwistern deswegen unter Druck gesetzt worden sei, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  12.  Dezember  2011  –  eröffnet  am  selben  Tag  –  in  Anwendung  von Art.  32 Abs.  1  des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers nicht eintrat und seine Wegweisung aus der Schweiz  sowie den Vollzug anordnete, dass das BFM zur Begründung namentlich ausführte, auf ein Asylgesuch  werde eingetreten, wenn ein Ausländer in irgendeiner Weise zu erkennen  gebe, dass er die Schweiz um Schutz vor Verfolgung ersuche, wobei er  namentlich geltend machen müsse, im Sinn von Art. 3 AsylG oder Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 

E­6769/2011 Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verfolgt  zu  werden, dass  dies  vorliegend  nicht  der  Fall  sei,  da  der  Beschwerdeführer  sein  Asylgesuch mit einer beabsichtigten Eheschliessung mit einer Schweizer  Bürgerin  sowie  damit  begründet  habe,  er  wolle  nicht,  wie  von  seiner  Familie gewünscht, seine Cousine in der Türkei heiraten, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. Dezember 2011 durch  seinen  Rechtsvertreter  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  in  prozessualer  Hinsicht  einerseits  um  Sistierung  des  Beschwerdeverfahrens  (bis  ein  Gesuch  des  Beschwerdeführers  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung entscheiden sei) und andererseits um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinn  von Art.  65 Abs.  1  und 2 des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchen liess,  dass mit Zwischenverfügung des  Instruktionsrichters vom 21. Dezember  2011 der Antrag auf Sistierung des Beschwerdeverfahrens, die Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinn  von  Art.  65  Abs. 1  und  2  VwVG  sowie  um  Verzicht  auf  eine  Kostenvorschusserhebung abgewiesen wurden, dass  der  Beschwerdeführer  mit  gleicher  Verfügung  zur  Leistung  eines  Kostenvorschusses  innert  Frist  aufgefordert  wurde  und  er  diesen  fristgerecht einbezahlte, und das Bundesverwaltungsgericht erwägt, dass  es  im  Asylbereich  –  vorbehältlich  des  Vorliegens  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht – endgültig über Beschwerden  gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG  i.V.m.  Art.  31­34  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

E­6769/2011 dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  beziehungsweise Änderung hat,  daher  zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  ist  (Art.  48  Abs.  1  VwVG),  und  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG, Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32  bis  35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte  Praxis  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 34  E. 2.1),  die  Beurteilungszuständigkeit  des  Gerichts  in  der  Frage der Wegweisung und deren Vollzugs  jedoch nicht  beschränkt  ist,  weil das BFM sich diesbezüglich gemäss Art. 44 AsylG in Verbindung mit  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20])  auch  materiell  zu  äussern hatte, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art.  111 Bst.  e AsylG), es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass als Asylgesuch gemäss Art. 18 AsylG  jede Äusserung gilt, mit der  eine  Person  zu  erkennen  gibt,  dass  sie  die  Schweiz  um  Schutz  vor  Verfolgung nachsucht,  dass auf Asylgesuche, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, gemäss  Art. 32 Abs. 1 AsylG nicht eingetreten wird,

E­6769/2011 dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  seiner  Befragungen  zur  Begründung  seines Asylgesuchs  einzig  geltend  gemacht  hatte,  er wolle  eine  Schweizer  Bürgerin  heiraten,  während  seine  Familie  in  der  Türkei  wünsche, dass er eine Cousine eheliche, dass das Vorbringen  in der Beschwerde nicht überzeugend  ist, der (…),  männliche  Beschwerdeführer  –  der  schon  längere  Zeit  in  der  Schweiz  gelebt  hatte  und  sich  im Jahr  (…)  von einer  anderen Schweizerin  hatte  scheiden  lassen  –  müsse  berechtigterweise  befürchten,  in  der  Türkei  Opfer einer Zwangsheirat zu werden (vgl. Beschwerde S. 4 ff.), dass  den  Vorakten  keine  konkreten  Hinweise  für  die  Annahme  zu  entnehmen  sind,  der  Beschwerdeführer  sei  in  seiner  Heimat  überhaupt  irgendeiner Gefährdung ausgesetzt, dass  die  diesbezüglichen Erwägungen  in  der  angefochtenen Verfügung  vom 12. Dezember 2011 zu bestätigen sind, dass die Vorinstanz demnach zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 1  AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat, vorliegend der Beschwerdeführer weder  eine Aufenthaltsbewilligung noch einen Anspruch auf die Erteilung einer  solchen  hat,  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  zu  bestätigen  ist  (Art.  44  Abs.  1  AsylG,  Art.  32  Bst.  a  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  [AsylV 1, SR 142.311]; vgl. auch BVGE 2009/50 E. 9), dass  zu  prüfen  bleibt,  ob  es  Gründe  gibt,  die  dem  Vollzug  der  Wegweisung  entgegenstehen,  da  im  Fall  eines  unzulässigen,  unzumutbaren  oder  unmöglichen  Vollzugs  das  Anwesenheitsverhältnis  nach den Bestimmungen des AuG zu regeln ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG, Art.  83 Abs. 1 AuG), dass der Beschwerdeführer die Feststellung des BFM, er unterhalte keine  eheähnliche  Beziehung  zu  seiner  Schweizer  Freundin,  nicht  bestritten  hat, womit den Akten in der Tat keine Anhaltspunkte für einer Verletzung  der Bestimmung von Art. 8 Abs. 1 EMRK (Schutz des Familienlebens) zu  entnehmen sind, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  sonst  in  Beachtung  der  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, 

E­6769/2011 weil  keine  Anhaltspunkte  für  eine  Verletzung  des  flüchtlingsrechtlichen  Refoulement­Verbots  oder  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer  in  seinem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat drohen würde (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimat­  bzw.  Herkunftsstaat  des  Beschwerdeführers noch individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit des  Wegweisungsvollzugs des Beschwerdeführers sprechen, dass  Vorbereitungsmassnahmen  im  Hinblick  auf  eine  allfällige  Eheschliessung  mit  einer  Schweizer  Bürgerin  auch  vom  Ausland  aus  weiter geführt werden könnten, dass  sich  aufgrund  der  Akten  keine  Hinweise  auf  das  Vorliegen  technischer  Vollzugshindernisse  ergeben,  weshalb  der  Vollzug  als  möglich erscheint (Art. 83 Abs. 2 AuG), dass  nach  dem  Gesagten  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  zulässig,  zumutbar und möglich im Sinn von Art. 83 Abs. 1­4 AuG zu erachten ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder  unangemessen  sei  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2  und  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2], Art. 63 Abs. 1 VwVG), diese mit dem am 4. Januar 2012  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen  und  damit  bereits beglichen sind. (Dispositiv nächste Seite)

E­6769/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale  Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand:

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