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Bundesverwaltungsgericht 07.12.2011 E-6448/2011

December 7, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,333 words·~7 min·2

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 21. November 2011 /

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6448/2011 Urteil   v om   7 .   D e z embe r   2011   Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher,   Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, B._______, C._______, Nigeria,  (…)   Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­ Verfahren);  Verfügung des BFM vom 21. November 2011 / N (…).

E­6448/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,  dass die Beschwerdeführenden am 28. März 2010 ein erstes Mal  in der  Schweiz um Asyl nachsuchten, dass das Kind C._______ am (…) in der Schweiz geboren wurde, dass das BFM mit Verfügung vom 11. August 2010 gestützt auf Art. 34  Abs.  2 Bst.  d  des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eintrat  und  ihre  Wegweisung nach Italien sowie den Vollzug anordnete, dass  eine  gegen  diese  Verfügung  eingereichte  Beschwerde  vom  18.  August  2010  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgericht  vom  20.  August  2010 abgewiesen wurde, dass  die  Beschwerdeführenden  am  16.  September  2010  nach  Italien  rücküberführt wurden, dass das BFM auf weitere Asylgesuche der Beschwerdeführenden vom  18.  September  2010  respektive  25.  Januar  2011  mit  unangefochten  in  Rechtskraft  erwachsenen  Verfügungen  vom  26.  November  2010  respektive  18.  März  2011  nicht  eintrat  und  die  Beschwerdeführenden  jeweils nach Italien rücküberführt wurden, dass  die  Beschwerdeführenden  am  17.  September  2011  erneut  in  der  Schweiz um Asyl ersuchten, dass Fingerabdruckvergleiche mit der Eurodac­Datenbank ergaben, dass  der Beschwerdeführer am 24. September 2008 und am 11. Mai 2011, die  Beschwerdeführerin  am  11.  Mai  2011  in  Italien  erkennungsdienstlich  erfasst wurden, dass am 29. September 2011 im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (…)  summarische  Befragungen  der  Beschwerdeführenden  stattfanden  und  ihnen  dabei  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  möglichen  Zuständigkeit  Italiens  für  das  vorliegende  Verfahren  sowie  zu  einer  allfälligen  Wegweisung dorthin gewährt wurde, dass  der  Beschwerdeführer  dabei  im Wesentlichen  bestätigte,  in  Italien  daktyloskopisch  erfasst  worden  zu  sein  und  darauf  verwies,  man  habe  sich in Italien nicht um ihn und seine Familie gekümmert,

E­6448/2011 dass sich zudem in Italien Mitglieder der Gruppe "Black Axe", welche ihn  verfolge, aufhalten würden,   dass  die  Beschwerdeführerin  vorbrachte,  sie  habe  die  benötigte  medizinische Behandlung nicht erhalten und sei im Flüchtlings­Camp von  ihrem Ehemann getrennt worden, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  21.  November  2011  –  eröffnet  am  24. November 2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung nach Italien sowie den Vollzug der Wegweisung anordnete,  dass das Bundesamt die Beschwerdeführenden aufforderte, die Schweiz  spätestens  am Tag  nach Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  D._______  verpflichtete,  die  Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  feststellte, eine allfällige Beschwerde gegen diese Verfügung  habe  keine  aufschiebende Wirkung,  und  den Beschwerdeführenden  die  editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, dass  es  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausführte,  die  Beschwerdeführenden  seien  am  16.  September  2010,  24.  Januar  2011  und  4.  Mai  2011  nach  Italien  überstellt  worden  und  hätten  dort  nachweislich am 11. Mai 2011 Asylgesuche gestellt,  dass das BFM gestützt auf einen Eurodac­Treffer an Italien ein Ersuchen  um Übernahme  der  Beschwerdeführenden  im Sinne  von Art. 16  Abs.  1  Bst. e  der  Verordnung  (EG)  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrags  zuständig  ist,  den  ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mitgliedstaat gestellt hat  (Dublin­II­VO), gestellt habe, dass Italien innerhalb der festgelegten Frist nicht geantwortet habe, wes­ halb gestützt auf Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO die Zuständigkeit  für  die Durchführung des Asylverfahrens auf Italien übergegangen sei, dass  somit  Italien  gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA,  SR  0.142.392.68]),  auf  das  Übereinkommen  vom  17. Dezember 

E­6448/2011 2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung  und Entwicklung des Schengen­Besitzstands und über die Kriterien und  Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  (Übereinkommen  vom  17.  Dezember  2004,  SR 0.362.32)  und  in  Berücksichtigung  der  Dublin­II­VO  sowie  der  Verordnung  (EG)  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Dublin­II­VO  (Dublin­DVO)  für  die  Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei, dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung der Frist – bis spätestens am 3. Mai 2012 zu erfolgen habe, dass  die  von  der  Beschwerdeführenden  anlässlich  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  geltend  gemachten  Gründe  praxisgemäss  nicht  geeignet seien, ihre Rückführung nach Italien zu verhindern,  dass  namentlich  Italien  die  Sicherheit  des  Beschwerdeführenden  gewährleisten könne und er sich im Falle von Drohungen durch Dritte an  die italienischen Behörden wenden könne, dass keine Hinweise auf eine mögliche Verletzung des Non­Refoulement­ Gebots  oder  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101)  im  Falle einer Rückführung der Beschwerdeführenden nach Italien bestehen  und weder die dort herrschende Situation noch andere Gründe gegen die  Zumutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat sprechen würden, dass  keine  Anhaltspunkte  dafür  bestehen  würden,  dass  Italien  den  Zugang  zu  einer  notwendigen  medizinischen  Behandlung  nicht  gewährleiste  und  eine  vorübergehende  Trennung  der  Beschwerdeführenden  keine  Verletzung  des  Rechts  auf  Achtung  des  Privat­ und Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK darstelle, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  28.  November  2011  gegen  die  Verfügung  des  BFM  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  beantragten,  diese  sei  aufzuheben  und  die  Vorinstanz anzuweisen,  ihr Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich  als für das vorliegende Asylgesuch zuständig zu erachten, 

E­6448/2011 dass sie  in  formeller Hinsicht beantragten, der Vollzug der Wegweisung  sei auszusetzen und die zuständige Fremdenpolizeibehörde anzuweisen,  einstweilen von allfälligen Vollzugsmassnahmen abzusehen, dass sie ferner um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchten, dass für den Inhalt der Beschwerde auf die Akten verwiesen und − soweit  entscheidwesentlich  −  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  darauf  eingegangen wird, dass  die  Beschwerdeführenden  zur  Stützung  ihrer  Vorbringen  ein  ärztliches Zeugnis von Dr. E._______, vom 25. November 2011 inklusive  Beilagen  sowie  ein  handschriftliches  Schreiben  hinsichtlich  ihrer  Probleme im Heimatstaat zu den Akten reichten,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  1.  Dezember  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerde  frist­  und  formgerecht  eingereicht  wurde,  die  Beschwerdeführenden am Verfahren vor dem BFM teilgenommen haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und  Art. 48  Abs.  1  und  Art. 52  VwVG),  weshalb  auf  die  Beschwerde  einzutreten ist,

E­6448/2011 dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  auf  einen  Schriftenwechsel  verzichtet wurde, dass  im vorliegenden Beschwerdeverfahren einzig zu prüfen  ist, ob das  BFM  gestützt  auf  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführenden  zu Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolgedessen  die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,  dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung  enthält,  die  angefochtene  Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zur  neuen  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.), dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs  indes  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheids stellen, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  der  vorgängige  Aufenthalt  der  Beschwerdeführenden  in  Italien  feststeht und die Beschwerdeführenden diesen nicht bestreiten,

E­6448/2011 dass das BFM am 19. Oktober 2011 an Italien Ersuchen um Übernahme  der  Beschwerdeführenden  gestellt  und  dieser  Staat  innert  der  festgelegten  Frist  nicht  geantwortet  hat,  weshalb  das  Bundesamt  in  seiner Verfügung zu Recht feststellte, gestützt auf die Dublin­II­VO sei die  Zuständigkeit auf Italien übergegangen, dass  Italien  unter  anderem Signatarstaat  des Abkommens  vom 28.  Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, dass  keine  Hinweise  dafür  bestehen,  dass  Italien  sich  nicht  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten  würde,  dass aufgrund der Aktenlage  insbesondere nicht davon auszugehen  ist,  Italien werde die Beschwerdeführenden  in Verletzung der  vorgenannten  völkerrechtlichen Abkommen in ihr Heimatland zurückschaffen, dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  auch  im  Übrigen  keine  Gründe  ersichtlich sind, die das BFM zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der  Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) hätten veranlassen sollen, dass  sich  das  italienische  Asylsystem  aufgrund  der  jüngsten  Entwicklungen  im  nordafrikanischen Raum  verbunden mit  einer  starken  Zunahme von Asylsuchenden zwar mit erheblichen Kapazitätsproblemen  konfrontiert sieht, dass  indessen vorliegend keine konkreten Hinweise dafür bestehen, der  italienische  Staat  würde  den  Zugang  zu  einem  funktionierenden  Asylverfahren nicht gewährleisten, dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  zwar  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können,  wobei  sich  bereits  vorbestandene  Kapazitätsprobleme in der jüngsten Zeit akzentuiert haben dürften, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und  Lebensbedingungen  –  eine  Betreuung  durch  die 

E­6448/2011 italienischen Behörden oder durch die privaten karitativen Organisationen  ist nicht  in  jedem Fall gewährleistet – nicht zum Schluss gelangt,  Italien  verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie  Nr. 2003/9/EG, dass  angesichts  dieser  Sachlage  keine  Veranlassung  besteht,  die  Regelvermutung  in  Frage  zu  stellen,  wonach  sich  Italien  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK  und  der FoK, hält (BVGE 2010/45 E. 7.5. und 7.7.),  dass  diese  Regelvermutung  umgestossen  werden  kann,  wenn  im  konkreten  Einzelfall  ernsthafte  Indizien  dafür  vorliegen,  dass  die  Behörden des betreffenden Signatarstaates Völkerrecht verletzen (BVGE  2010/45 a.a.O.), dass indessen solche Indizien im vorliegenden Fall nicht ersichtlich sind, dass  die  von  den  Beschwerdeführenden  in  ihrer  Beschwerdeeingabe  allgemein geäusserte Kritik am italienischen Asylverfahren sowie an den  Unterbringungs­ und medizinischen Versorgungsmodalitäten und die von  ihnen  daraus  gezogene  Folgerung,  als  verletzliche  Personen  sei  ihnen  die  Rücküberstellung  nach  Italien  unzumutbar,  nicht  zu  überzeugen  vermag, dass  gemäss  Informationen,  die  dem  Bundesverwaltungsgericht  vom  UNHCR  zu  dieser  Problematik  zugegangen  sind,  die  Überstellung  von  Personen,  die  als  besonders  "vulnerable"  gelten,  normalerweise  nach  Rom oder Milano organisiert wird, wo ihnen Unterkunft und Unterstützung  organisiert  werden,  vorausgesetzt,  die  zuständigen  Stellen  werden  im  Voraus über die besonderen Schutzbedürfnisse  informiert, wie das auch  vorliegend vom BFM zu erwarten ist, dass  Dublin­Rückkehrende  und  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  –  neben  den  staatlichen Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen annehmen, dass  beispielsweise  die  Organisation  "Arci  con  Fraternità"  seit  dem  1. Januar  2009  die  Betreuung  der  Flüchtlinge  im  Flughafen  Fiumicino  (Rom)  organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose 

E­6448/2011 Rechtsberatung anbietet (s. Urteil des BVGer D­7654/2010 vom 20. April  2011), dass somit keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, dass die  Beschwerdeführenden  im  Falle  ihrer  Überstellung  nach  Italien  eine  existenzgefährdende Situation zu gewärtigen hätte,  dass  grundsätzlich  davon  auszugehen  ist,  dass  alle  Dublin­Staaten  die  grundlegenden  medizinischen  Bedürfnisse  der  Asylsuchenden  erfüllen  (BVGE  E­5644/2009  vom  31. August  2010  E. 8.2.2)  und  deshalb  die  Notwendigkeit  einer  Betreuung  im  Rahmen  der  ärztlichen  Grundversorgung  für sich allein keinen genügenden Grund darstellt,  um  vom  Selbsteintrittsrecht  Gebrauch  zu  machen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­1244/2010  vom  13. Januar  2011,  E.  3.4.4.),  dass  in  Anbetracht  des  Gesagten  nach  Auffassung  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Beschwerdeführenden  in  Italien  bei  Bedarf  eine  adäquate  medizinische  Betreuung  in  Anspruch  nehmen  können,  zumal  Italien  über  entsprechende  Gesundheitsinstitutionen  verfügt  und  bei  Bedarf  eine  Mitteilung  über  allfällige  gesundheitliche  Befindlichkeiten  der  zu  übernehmenden  Personen  an  die  italienischen  Behörden  erfolgen  kann  (vgl.  auch  BVGE  2010/45,  E.  7.6.3  und  7.6.4  sowie E. 8),  dass  die  angeführten  gesundheitlichen  Beschwerden  der  Beschwerdeführerin  zudem  derzeit  nicht  so  gravierend  erscheinen,  als  dass sie gesamthaft betrachtet eine Wegweisung aus humanitärer Sicht  problematisch  erscheinen  lassen  und  folglich  der  Selbsteintritt  der  Schweiz aus diesem Blickwinkel geboten wäre, dass  es  dem  BFM  obliegt,  den  besonderen  Bedürfnissen  der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Sohnes  im  Kleinkindalter  bei  der  Organisation  der  konkreten  Überstellungsmodalitäten  Rechnung  zu  tragen,  dass  namentlich  die  Reise  nach  Italien  mit  geeigneten  Medikamenten  begleitet werden kann, dass  insgesamt  keine  schwerwiegenden  humanitären Gründe  im  Sinne  von  Art.  29a  Abs.  3  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  zu  erkennen  sind,  die  einer 

E­6448/2011 Überstellung der Beschwerdeführenden nach Italien entgegenstehen und  aus diesem Grunde einen Selbsteintritt als angezeigt erscheinen  lassen  würden, dass  im Übrigen eine allfällige Gefährdung der Beschwerdeführenden  in  ihrem Heimatstaat nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist und  daher auf die diesbezüglichen Ausführungen  in der Beschwerdeeingabe  nicht einzugehen ist, dass das BFM nach dem Gesagten zu Recht  in Anwendung von Art. 34  Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht unter dem Aspekt von  Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]) stellt, sondern vor  der  Prüfung  des  Nichteintretens  im  Rahmen  der  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  (Art.  3  Dublin­II­VO)  oder  gegebenenfalls  –  wenn  sich Familienmitglieder  in verschiedenen Dublin­Mitgliedstaaten befinden  und  zusammengeführt  werden  sollen  –  bei  der  Ausübung  der  sogenannten Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin­II­VO), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  die  Beschwerdeführenden  nicht  darzutun  vermögen,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist  (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,  dass mit dem Entscheid  in der Hauptsache ohne vorgängige  Instruktion  die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  hinfällig  werden, dass  das  mit  der  Beschwerde  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  unbesehen  der behaupteten Bedürftigkeit  (eine entsprechende Bestätigung  liegt der  Beschwerde  nicht  bei)  abzuweisen  ist,  da  diese  –  wie  sich  aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  –  als  aussichtslos  zu  bezeichnen  waren, 

E­6448/2011 dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,                      SR  173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art.  63  Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­6448/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Nicholas Swain Versand:

E-6448/2011 — Bundesverwaltungsgericht 07.12.2011 E-6448/2011 — Swissrulings