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Bundesverwaltungsgericht 01.02.2012 E-6153/2011

February 1, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,577 words·~8 min·2

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Oktober 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6153/2011 Urteil   v om   1 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;  Gerichtsschreiberin Laura Wayllany. Parteien A._______, geboren (…), Kongo,   vertreten durch Oliver Weber, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Oktober 2011 / N (…).

E­6153/2011 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin  –  eine  Staatsangehörige  der  Demokratischen  Republik  Kongo  mit  angeblich  letztem Wohnsitz  in  B._______  (Provinz  C._______)  –  verliess  ihren  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  im  März 2009 auf  dem Luftweg und gelangte über G._______ am 5. März  2009  in  die  Schweiz.  Gleichentags  suchte  sie  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) D._______ um Asyl nach. Am 13. März 2009  wurde sie summarisch befragt; die Anhörung erfolgte am 3. April 2009. Bei  der  Befragung  gab  die  Beschwerdeführerin  weder  einen Reisepass  noch eine Identitätskarte oder andere Dokumente zu den Akten. B.  Zur  Begründung  des  Asylgesuches  machte  die  Beschwerdeführerin  geltend,  sie  sei  eines  Tages  in  Begleitung  von  (…)  Frauen  und  einem  Mädchen  nach  E._______  geflogen,  um  dort  (…)  einzukaufen.  In  der  Nacht  seien Männer  in  (…)  gekommen, wo  sie  untergebracht  gewesen  seien.  Sie  sei  von  diesen  mehrmals  vergewaltigt  worden.  Schliesslich  habe sie einen der Vergewaltiger, der eine (…) gewesen sei, gestossen;  er  sei mit  dem Kopf  an  (…)  geflogen  und  gestorben.  Daraufhin  sei  sie  weggebracht  und  in  einem  Gefängnis  erneut  vergewaltigt  worden.  Ein  (…) habe sie schliesslich  in einem (…) nach F._______ gebracht und in  einem  seiner  Häuser  untergebracht.  Niemand  habe  sie  sehen  dürfen.  Jede Nacht habe er sie vergewaltigt. Schliesslich habe er ihr gesagt, sie  müsse das Land verlassen, denn die (…) des getöteten Mannes würden  alles über sie wissen. Er habe zu ihr gesagt, weil sie (…) und (…) ähnlich  sehe  und  er  Christ  sei,  würde  er  sie  nicht  umbringen.  Er  habe  sie  an  einem  (…)  einem Mann  anvertraut.  In  dessen  Begleitung  habe  sie  das  Land verlassen. Sie werde dort gesucht, weshalb sie nicht zurück könne. C. Mit  Verfügung  vom  11.  Oktober  2011  stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnete  deren  Vollzug  an.  Zur  Begründung  führte  die  Vorinstanz  aus,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  würden  insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  standhalten,  weshalb  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden  müsse.  Demzufolge  erfülle  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  so  dass  das  Asylgesuch 

E­6153/2011 abzulehnen sei. Das Bundesamt erachtete den Vollzug der Wegweisung  gestützt auf die allgemeine Lage in der Demokratischen Republik Kongo  und  die  individuellen Gegebenheiten  betreffend  die  Beschwerdeführerin  als zulässig, zumutbar, technisch möglich und praktisch durchführbar. D. Gegen diesen Entscheid  liess die Beschwerdeführerin mit Eingabe  ihres  Rechtsvertreters  vom  11.  November  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen,  es  sei  ihr  Asyl  zu  erteilen.  Eventualiter  sei  sie  vorläufig  in  der  Schweiz  aufzunehmen,  subeventualiter  sei  der  angefochtene  Entscheid  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  das  BFM  zurückzuweisen.  Allfällige  Wegweisungs­  und  Vollzugsmassnahmen  seien  im  Sinne  einer  vorsorglichen Massnahme  per  sofort  zu  sistieren,  und der Beschwerdeführerin  sei  der Aufenthalt  in  der Schweiz während  der Rechtshängigkeit des vorliegenden Verfahrens zu bewilligen. Es sei  ihr unter Beiordnung des Rechtsvertreters als amtlicher Anwalt das Recht  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  zu  gewähren,  alles  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge und unter Vorbehalt des Rechts zur unentgeltlichen  Prozessführung. E. Mit  Zwischenverfügung  vom  23. November  2011  bestätigte  der  Instruktionsrichter  der Beschwerdeführerin  das  ihr  von Gesetzes wegen  zustehende  Recht,  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  zu  dürfen.  Den  Antrag  auf  Anordnung  einer  vorsorglichen  Massnahme  gegenüber  den  Vollzugsbehörden  und  das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  und  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR 172.021) wies  er  ab und  forderte  die  Beschwerdeführerin  auf,  einen  Kostenvorschuss  zu  leisten.  Dieser  ging  innert der angesetzten Frist beim Gericht ein.  F. Vom  Gericht  mit  Verfügung  vom  5.  Januar  2012  zur  Stellungnahme  eingeladen  hielt  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung  ohne  nähere  Begründung vollumfänglich an seinem Entscheid vom 11. Oktober 2011  fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wird der Beschwerdeführerin mit dem vorliegenden  Urteil zur Kenntnis gebracht.

E­6153/2011 E­6153/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Es  liegt kein solches Auslieferungsbegehren vor, weshalb  das Bundesverwaltungsgericht vorliegend endgültig entscheidet. 1.2  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Be­ schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz­ würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  und  Art. 108  Abs. 1  AsylG,  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

E­6153/2011 4.  4.1  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1  Zur  Begründung  seines  ablehnenden Entscheides  vom 11. Oktober  2011 führte das BFM aus, die Vorbringen der Beschwerdeführerin seien  widersprüchlich.  Dies  gelte  für  Einzelheiten  bezüglich  jenes  Vergewaltigers,  den  sie  zu  Boden  gestossen  habe,  und  ebenso  hinsichtlich der Reise nach E._______. Weiter  seien  die  Ausführungen  zur  angeblichen  Haft  in  E._______  unglaubhaft.  So  wolle  sie  nicht  wissen,  in  welches  Gefängnis  sie  verbracht  worden  sei.  Zudem  habe  sie  unlogische  Aussagen  über  die  Gründe gemacht, weshalb ihr jemand geholfen habe, aus dem Gefängnis  zu entkommen, und sie nach F._______ gebracht habe.  Aufgrund dieser unlogischen und erfahrungswidrigen Vorbringen würden  schon  bestehende  Zweifel  an  der  Glaubwürdigkeit  der  Vorbringen  bestätigt.  Vorbringen  seien  dann  nicht  hinreichend  begründet,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  konkret,  detailliert  und  differenziert  dargelegt wür­den und den Eindruck vermittelten, Gesuchstellende hätten  das Geschilderte nicht selbst erlebt.

E­6153/2011 Dies  gelte  sowohl  für  Einzelheiten  zum  Gefängnis  und  zum  Haus  in  F._______, in welchem sie (…) festgehalten worden sei, als auch für die  vorgebrachten Vergewaltigungen. Die gesamten Vorbringen würden zum  Schluss führen, dass es sich dabei um ein Konstrukt handle. Somit  hielten  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  insgesamt  den  Anforderungen  an  die Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7  AsylG  nicht  stand,  weshalb  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden  müsse.  Demzufolge  erfülle  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  so  dass  das  Asylgesuch  abzulehnen sei. 5.2  In  ihrer  Rechtsmitteleingabe  vom  11.  November  2011  brachte  die  Beschwerdeführerin  nach  einlässlicher  Wiederholung  von  bereits  im  erstinstanzlichen Verfahren zur Glaubhaftigkeit ihrer Angaben hinsichtlich  des Vorfalls mit dem Vergewaltiger, den sie zu Boden gestossen haben  will, geltend Gemachtem vor, sie habe nicht im Detail überprüfen können,  ob  dieser  tatsächlich  tot  sei,  was  man  ihr  nicht  zum  Vorwurf  machen  könne. Weiter sei zwar  richtig, dass sie bezüglich der Angaben zu  ihrer  Reise  einen  Ort  verwechselt  habe,  aber  das  reiche  nicht  aus,  um  ihre  Unglaubwürdigkeit zu begründen. In Bezug auf das Gefängnis gehe es zu weit, von einer Ortsunkundigen  Einzelheiten  zu  erwarten.  Tatsächlich  habe  der  (…),  der  ihr  aus  dem  Gefängnis geholfen habe, eine seltsames Verhalten an den Tag gelegt.  Es  sei  jedoch  nicht  Sache  der  Beschwerdeführerin,  dieses  zu  deuten.  Überhaupt  falle  auf,  dass  das  BFM  die  zahlreichen  übereinstimmenden  Ausführungen nicht würdige. Das gelte etwas  für  (…)  in E._______ und  Einzelheiten der ersten Vergewaltigung. Es  sei  der  Vorinstanz  nicht  gelungen,  ein  widersprüchliches  Aussageverhalten  aufzuzeigen.  Die  angefochtene  Verfügung  sei  unausgewogen und müsse deshalb aufgehoben werden. In  Ihrem Heimatstaat müsse die Beschwerdeführerin mit der Rache von  (…)­  und  von  Familienangehörigen  des  Getöteten  rechnen.  Sie  könne  nicht auf den Schutz der Behörden des Heimatstaates zählen. Nach der  Schutztheorie erfülle sie die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG.  Ein Vollzug der Wegweisung  sei  nicht  zumutbar,  andernfalls  gegen das  Nonrefoulement­Gebot verstossen werde. Sie sei deshalb in der Schweiz  vorläufig aufzunehmen.

E­6153/2011 6. 6.1. Das Gericht hält vorweg fest: Wie  vorstehend  in  Erwägung  3  ausgeführt,  wird  die  Beschwerde  vom  Gericht  als  offensichtlich  unbegründete  qualifiziert,  weshalb  sein  Entscheid  nur  summarisch  begründet  wird.  Die  nachstehenden  Ausführungen  sind  denn  auch  als  Ergänzungen  der  vorinstanzlichen  Erwägungen zu verstehen, welche in der angefochtenen Verfügung vom  11.  Oktober  2011  ausführlich,  überzeugend  und  substanziiert  die  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  dargelegt und vor diesem Hintergrund  festgestellt hat, deren Vorbringen  genügten  den  Anforderungen  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht.  Für  das  Bundesverwaltungsgericht  besteht  nach  Überprüfung  der  Akten  keine  Veranlassung,  den  Entscheid  in  formeller  oder  materieller  Hinsicht  in  Zweifel zu ziehen. 6.2  Sodann  kommt  das  Gericht  zum  Schluss,  dass  die  Beschwerdeführerin  über  das  Ganze  gesehen  das  Bild  einer  Person  abgibt,  der  daran  gelegen  ist,  ihre  Identität  wegen  eines  allfälligen  Wegweisungsvollzuges  nicht  zu  belegen.  Den  Akten  ist  nicht  zu  entnehmen, dass sie sich seit  ihrer Ankunft  in der Schweiz auch nur  im  geringsten um die Beschaffung entsprechender Dokumente bemüht hat.  Mithin ist  ihr vorzuhalten, dass sie ihrer Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8  AsylG in grober Weise nicht nachkommt. 6.3  Ihr  stereotypes  "Ich  weiss  es  nicht."  anlässlich  der  Befragung  (vgl.  Akten BFM A 1/11 S.  7)  ist  umso  unverständlicher,  als  sie  nicht  einmal  wissen  will,  mit  welcher  Fluggesellschaft  sie  gereist  ist,  obwohl  Passagierflugzeuge  an  zahlreichen  Stellen  aussen  und  innen  den  Schriftzug  der  Gesellschaft  tragen.  Auch  ist  es  eine  Tatsache,  dass  Reisepapiere  persönlich  vorgezeigt  werden  müssen;  trotzdem  gibt  die  Beschwerdeführerin an, keine Details zum Visum zu wissen (vgl. a.a.o.).  Geradezu kurios mutet schliesslich an, dass sie auf entsprechende Frage  nach ihrem Begleiter angibt, dieser sei  in G._______ geblieben, und auf  die  Zusatzfrage,  weshalb  sie  nicht  früher  gesagt  habe,  dass  sie  in  H._______  gewesen  sei,  angibt,  sie  habe  nicht  gewusst,  dass  es  H._______  sei,  und  sie  wisse  auch  nicht,  ob  es  wirklich  G._______  gewesen sei (vgl. A 1/11 S. 8). Dieses Verhalten und so viel angebliches  Nichtwissen  ist  dem  Gericht  von  Personen  her  bekannt,  welche  die  tatsächlichen Umstände ihrer Ausreise nicht preisgeben wollen. 

E­6153/2011 6.4  Des  weiteren  hat  die  Beschwerdeführerin  bei  der  Befragung  zu  Protokoll gegeben, sie habe den Vergewaltiger zu Boden gestossen: "Er  war tot, […]" (vgl. A 1/11 S. 5). Anlässlich der Anhörung äusserte sie sich  diesbezüglich wie  folgt:  "Er  blutete  stark  und  bewegte  sich  nicht mehr."  (vgl.  B  9/24  F49).  Die  Erklärung  dazu,  sie  habe  dies  ja  nicht  im  Detail  überprüfen können (vgl. Beschwerde S. 5) ist umso unbehelflicher, als sie  zweifellos spätestens  in den  folgenden Tagen erfahren haben dürfte, ob  er noch lebte oder gestorben sei. Schliesslich  erscheint  das  zentrale  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  der (…), welcher sie zuvor vergewaltigt habe, habe sie am (…) Tag aus  der  Gefangenschaft  befreit,  mit  einem  (…)  nach  F._______  gebracht,  über  (…)  bei  sich  zu  Hause  festgehalten,  täglich  vergewaltigt  und  ihr  schliesslich,  um sie  zu  schützen,  die Ausreise  organisiert  und  finanziert  (vgl.  A  9/24  S.  6  f.  und  8),  in  keiner  Weise  nachvollziehbar  und  widerspricht jeglicher Logik des Handelns. 6.5  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren Ausführungen bezüglich Flüchtlings­ und Asylpunkt einzugehen,  da  sie  am  Ergebnis  der  vorgenommenen  Würdigung  nichts  zu  ändern  vermögen.  Nach  dem  Gesagten  erfüllt  die  Beschwerdeführerin  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht. Das Bundesamt hat ihr  Asylgesuch demnach zu Recht abgewiesen. 7. 7.1  Lehnt  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510  Nr. 21). 8. 8.1  Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht  zulässig,  nicht  zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 

E­6153/2011 vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Ru­din/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2. 8.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Nonrefoulement  nur Personen schützt,  die die Flüchtlingseigenschaft  erfüllen. Da es der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der 

E­6153/2011 Beschwerdeführerin  nach  Kongo  (Kinshasa)  ist  demnach  unter  dem  Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen).  8.2.3  Für  die  allgemeine  Lage  in  Kongo  (Kinshasa)  kann  auf  die  detaillierte,  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  EMARK  2004  Nr.  33  E.  8.1  –  8.3  S.  232  ff.  publizierte  Lageanalyse  verwiesen  werden,  welche  das  Bundesverwaltungsgericht  als  im  Wesentlichen  weiterhin  zutreffend  erachtet  (vgl.  diesbezüglich  beispielsweise  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­1177/2010  vom  24. März  2010,  D­ 7028/2008 vom 14. Juni 2008 und D­1005/2010 vom 24. August 2010).  8.3.3 Gemäss  ihren  zum Teil widersprüchlichen Angaben  ist  zwar  nicht  vollends auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin einer  in EMARK  2004  Nr.  33  definierten  Risikogruppe  angehört.  Vorliegend  ist  aber  zu  beachten, dass es die Pflicht der Asyl suchenden Person ist, im Rahmen  des ihr Zumutbaren und Möglichen an der Feststellung des Sachverhalts  mitzuwirken  und  ihre  Aussagen  zu  substanziieren.  Wegweisungshindernisse sind grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen,  doch  findet  diese  Untersuchungspflicht  nach  Treu  und  Glauben  ihre  Grenzen  an  der  Mitwirkungspflicht  der  Beschwerde  führenden  Person  (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7  AsylG);  die Beschwerdeführerin  hat  nicht  die  geringsten Anstrengungen  unternommen,  um  ihre  Herkunft  zu  dokumentieren.  Es  kann  indessen  nicht  Sache  der  Asylbehörden  sein,  nach  allfälligen  Wegweisungshindernissen zu forschen (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2).

E­6153/2011 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar,  zumal  auch  keine  individuellen  Wegweisungsvollzugshindernisse ersichtlich sind. 8.4  Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 8.5  Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 9. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  der  Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Sie sind  mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen und damit gedeckt. (Dispositiv nächste Seite)

E­6153/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die  Kosten  des  Verfahrens  in  der  Höhe  von  Fr.  600.–  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet und sind damit gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und I._______. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Laura Wayllany Versand:

E-6153/2011 — Bundesverwaltungsgericht 01.02.2012 E-6153/2011 — Swissrulings