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Bundesverwaltungsgericht 22.11.2011 E-6147/2011

November 22, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,671 words·~8 min·3

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung in das Vereinigte Königreich (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 24. Oktober 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6147/2011 Urteil   v om   2 2 .   No v embe r   2011   Besetzung Einzelrichterin Christa Luterbacher, mit Zustimmung von Richter Walter Lang;   Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A. _______, geboren am (…), Sri Lanka,  (…),   Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung in das Vereinigte Königreich (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 24. Oktober 2011 / N (…).

E­6147/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  eigenen  Angaben  zufolge  ihr  Heimatland  am (…) 2011 verliess und am 19. Juni 2011 in die Schweiz gelangte, wo  sie am darauffolgenden Tag im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ)  (…) um Asyl nachsuchte, dass  sie  am 12.  Juli  2011  im EVZ  zu  ihren Ausreise­  und Asylgründen  befragt  wurde  und  zur  Stützung  ihrer  geltend  gemachten  Vorbringen  folgende  Dokumente  zu  den  Akten  reichte:  Identitätskarte  (…),  Geburtsregisterauszug  sowie  "Relief  Assistance"­Karte  aus  dem  Flüchtlingscamp (…),  dass  sie  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  dem  Kanton  B.  _______  zugewiesen wurde,  dass  Abklärungen  des  BFM  bei  der  Schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  sowie  dem  Dublin  Office  Grossbritannien  ergaben,  die  Beschwerdeführerin  sei  im  Besitze  eines  britischen  Studenten­Visums,  welches vom (…) 2011 bis zum (…) 2012 gültig sei,  dass  das  BFM  mit  Schreiben  vom  8.  September  2011  der  Beschwerdeführerin  das  rechtliche  Gehör  in  Bezug  auf  eine  allfällige  Wegweisung nach Grossbritannien gewährte, da sie mit einem britischen  Visum  in  den  Dublin­Raum  eingereist  und  deshalb  Grossbritannien  vermutlich  für  die  Durchführung  des  vorliegenden  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens zuständig sei, dass das BFM mit Schreiben vom 16. September 2011, gestützt auf Art. 9  Abs. 1, Abs. 2 oder Abs. 3 der Verordnung EG Nr. 343/2003 des Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig  ist  (Dublin­II­VO),  das  Ersuchen  um  Rückübernahme  der  Beschwerdeführerin an die britischen Behörden richtete, da Abklärungen  ergeben  hätten,  dass  die  britische  Botschaft  in  Colombo  der  Beschwerdeführerin  ein  Studenten­Visum,  welches  vom  (…)  2011  bis  zum (…) 2012 gültig sei, ausgestellt habe, dass  mit  Schreiben  vom  3.  Oktober  2011  an  das  BFM  die  Beschwerdeführerin  ausführte,  sie  habe,  als  sie  mit  dem  Studenten­ Visum in Grossbritannien einreiste, die Auskunft erhalten, das Studenten­

E­6147/2011 Visum  schliesse  einerseits  das  Recht  aus,  um  Asyl  zu  bitten,  und  andererseits  würden  die  britischen  Behörden  auf  ihr  Asylgesuch  nicht  eintreten, sondern sie nach Sri Lanka wegweisen,  dass sich die Beschwerdeführerin daher zur "Weiterflucht" in die Schweiz  entschlossen  habe,  zumal  sie  vernommen  habe,  die  Schweiz  beurteile  Asylgesuche von gefährdeten Tamilen humanitärer als Grossbritannien,  dass sie sodann Sri Lanka verlassen habe, weil sie dort verfolgt worden  sei und bei einer Wegweisung dorthin sehr gefährdet sei,  dass mit einem weiteren Schreiben vom 3. Oktober 2011 an das BFM die  Beschwerdeführerin  schilderte,  ein  Schlepper  habe  ihr  empfohlen,  kein  Asylgesuch in Grossbritannien zu stellen,  dass sie sodann für das Studium in Grossbritannien habe zahlen müssen,  jenes  sich  jedoch  nicht  habe  leisten  können  und  dort  keine  Zukunft  für  sich gesehen habe,  dass mit  Antwortschreiben  vom  18. Oktober  2011 Grossbritannien  dem  Gesuch  des  BFM  um  Übernahme  der  Beschwerdeführerin  gestützt  auf  Art. 9 Abs. 2 Dublin­II­VO zustimmte,  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  24.  Oktober  2011  –  eröffnet  am  4.  November  2011  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  der Beschwerdeführerin nicht eintrat,  ihre Wegweisung in das Vereinigte  Königreich  anordnete  und  sie  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass  es  zudem  festhielt,  einer  Beschwerde  komme  gemäss  Art.  107a  AsylG  keine  aufschiebende  Wirkung  zu  und  die  editionspflichtigen  Verfahrensakten würden der Beschwerdeführerin ausgehändigt werden, dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  gestützt  auf  die  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  (unter  anderem:  Abkommen  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der Schweiz gestellten Asylantrags [Dublin­Assoziierungsabkommen, SR  0.142.392.68]; Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 

E­6147/2011 2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  [Dublin­II­VO];  Verordnung  [EG]  Nr. 1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  [DVO  Dublin])  sei  das  Vereinigte  Königreich  für  die  Durchführung  des  vorliegenden  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens zuständig, dass  Grossbritannien  dem  Ersuchen  des  BFM  um  Übernahme  der  Beschwerdeführerin nach Art. 9 Abs. 2 Dublin­II­VO zustimme, dass  die  Rückführung  nach  Grossbritannien  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung  –  bis  spätestens  am  18.  April 2012 zu erfolgen habe, dass  die Beschwerdeführerin  anlässlich  der Gewährung des  rechtlichen  Gehörs  grundsätzlich  keine  Einwände  vorgebracht  habe,  die  gegen  die  Zuständigkeit  Grossbritanniens  im  vorliegenden  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  sprechen  würden  oder  Hindernisse  für  den  Vollzug der Wegweisung nach Grossbritannien darzustellen vermöchten, dass die Beschwerdeführerin in einen Drittstaat reisen könne, in welchem  sie Schutz  vor Rückschiebung  im Sinne  von Art.  5  Abs.  1 AsylG  finde,  und  daher  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich  des  Heimat­  oder  Herkunftsstaates nicht zu prüfen sei,  dass  im  Übrigen  keine  Hinweise  auf  eine  Verletzung  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  im  Falle  einer  Rückkehr  der  Beschwerdeführerin nach Grossbritannien bestehen würden, dass der Vollzug der Wegweisung nach Grossbritannien somit  zulässig,  zumutbar und möglich sei, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  11.  November  2011  (Datum  Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei beantragte, der  Entscheid des BFM sei aufzuheben und das Bundesamt sei anzuweisen,  auf  das  Asylgesuch  einzutreten,  beziehungsweise  die  Sache  sei  zur  Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, 

E­6147/2011 dass  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  darum  ersucht  wurde,  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, dass im Übrigen beantragt wurde, der Beschwerde sei die aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden  seien  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  superprovisorisch  anzuweisen,  von  Vollzugshandlungen  bis  zu  einem  Entscheid  über  das  Gesuch  um  Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde abzusehen,  dass  zur  Begründung  insbesondere  angeführt  wurde,  der  Verlobte  der  Beschwerdeführerin,  welchen  sie  seit  ihrer  Kindheit  kenne,  sei  in  der  Schweiz vorläufig aufgenommen (N_______),  dass  sich  ihre  Beziehung  seit  der  Einreise  der  Beschwerdeführerin  am  19. Juni  2011  vertieft  habe,  die  beiden  sich  in  der  Folge  verlobt  hätten  und  nun  bemüht  seien,  alle  Dokumente,  welche  für  die  Heirat  benötigt  würden, zu besorgen,  dass die Beschwerdeführerin und ihr Partner eine dauerhafte und ernste  Liebesbeziehung  leben  würden  und  er  folglich  unter  den  Begriff  des  "Familienangehörigen" im Sinne von Art. 2 Bst. i Dublin­II­VO falle, dass  im  Falle  einer  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  nach  Grossbritannien  die  beiden  die  Ehe  nicht  schliessen  könnten  und  die  Schweiz  deswegen  aus  humanitären  Gründen  gemäss  Art.  15  Abs.  2  Dublin­II­VO  für  das  vorliegende  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  zuständig sei,  dass  im  Übrigen  die  Gefahr  des  Refoulements  bestehe,  da  Grossbritannien  voraussichtlich  die  Beschwerdeführerin  nach  Sri  Lanka  abschiebe,  dass mit Telefax vom 14. November 2011 das Bundesverwaltungsgericht  gestützt  auf Art.  56  des Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968 über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  den  Vollzug  der  Wegweisung sofort einstweilen aussetzte,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  15.  November  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

E­6147/2011 und zieht in Erwägung: dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  eine  solche  Ausnahme  im Sinne  von  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  BGG  in  casu  nicht  vorliegt,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  entscheidet, dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 

E­6147/2011 zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig  ist  (Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG)  und  sich  die  Prüfung  der  staatsvertraglichen  Zuständigkeit  zur  materiellen  Behandlung  eines  Asylgesuches dabei nach den Kriterien der Dublin­II­VO richtet,  dass  im  Weiteren  Art.  34  Abs. 2  Bst.  d  AsylG  voraussetzt,  dass  der  staatsvertraglich  zuständige  Staat  einer  Übernahme  der  asylsuchenden  Person  zugestimmt  hat  (vgl.  Art.  29a  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]),  dass  falls  die  asylsuchende  Person  ein  gültiges  Visum  besitzt,  der  Mitgliedstaat, welcher für die Visumsaustellung verantwortlich ist, ebenso  für die Prüfung des Asylantrags zuständig ist, es sei denn, das Visum sei  in  Vertretung  oder  mit  schriftlicher  Zustimmung  eines  anderen  Mitgliedstaates  erteilt  worden;  in  diesem  Fall  ist  der  letztgenannte  Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylantrags zuständig (vgl. Art. 9 Abs. 2  Satz 1 und 2 Dublin­II­VO), dass  die  britischen  Behörden  am  18.  Oktober 2011  dem  Ersuchen  des  Bundesamtes um Übernahme der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 9  Abs.  2  Dublin­II­VO  zustimmten  und  die  Vorinstanz  aufgrund  dieser  Sachlage  zu  Recht  und  mit  zutreffender  Begründung  von  der  Zuständigkeit Grossbritanniens ausging,  dass Grossbritannien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30),  der  EMRK  und  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen 

E­6147/2011 Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  ist  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  dieses  Land werde  sich  im  vorliegenden  Fall  nicht  an  die  aus  diesen Übereinkommen  resultierenden Verpflichtungen  halten, dass  im  Einzelnen  kein  konkreter  Grund  zur  Annahme  besteht,  die  Beschwerdeführerin  würde  von  Grossbritannien  ohne  korrekte  Prüfung  ihrer Gesuchsgründe in die Heimat zurückgeführt, dass  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin,  sie  wolle  nicht  nach  Grossbritannien  zurückkehren,  da  ihr  dort  aufgrund  ihres  Studenten­ Visums  das  Recht  verweigert  werde,  um  Asyl  nachzusuchen,  sie  in  Grossbritannien zudem ihr Studium selber bezahlen müsse und ohnehin  für sich dort keine Zukunft sehe, die Zuständigkeit Grossbritanniens – wie  das BFM richtig feststellte – nicht zu widerlegen vermögen, dass  in  der  Rechtsmitteleingabe  des  Weiteren  vorgebracht  wurde,  der  zukünftige  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  lebe  in  der  Schweiz  und  verfüge  hier  über  eine  vorläufige  Aufnahme,  was  im  Hinblick  auf  die  Einheit  der  Familie  gemäss  der  humanitären  Klausel,  Art. 15  Abs.  2  Dublin­II­VO,  zu  berücksichtigen  sei,  und  die  vom  BFM  verfügte  Wegweisung in einen Drittstaat verletze die gesetzliche Bestimmung,  dass  namentlich  an  dieser  Stelle  festzuhalten  ist,  dass  die  Kriterien  für  eine  Zuständigkeit  der  Schweiz  gestützt  auf  Art.  7  oder  8  Dublin­II­VO  bereits aus dem Grund nicht erfüllt sind, weil der zukünftige Ehemann der  Beschwerdeführerin in der Schweiz nicht als Flüchtling anerkannt worden  ist und sein Asylverfahren nicht mehr hängig, sondern abgeschlossen ist, dass  eine  entsprechende  Zuständigkeitsbegründung  denn  auch  im  Beschwerdeverfahren zu Recht nicht geltend gemacht wurde, dass  gemäss  Art.  15  Abs.  1  Dublin­II­VO  jeder  Mitgliedstaat  aus  humanitären  Gründen,  die  sich  insbesondere  aus  dem  familiären  oder  kulturellen  Kontext  ergeben,  Familienmitglieder  und  andere  abhängige  Familienangehörige  zusammenführen  kann,  auch  wenn  er  dafür  nach  den Kriterien der Verordnung nicht zuständig ist, dass  gemäss  Art.  15  Abs.  2  Dublin­II­VO  in  Fällen,  in  denen  die  betroffene  Person  wegen  Schwangerschaft,  einer  schweren  Krankheit  oder  hohen  Alters  und  ähnlichen  Gründen  auf  die  Unterstützung  der 

E­6147/2011 anderen  Person  angewiesen  ist,  die  Mitgliedstaaten  im  Regelfall  entscheiden,  die  asylsuchende  Person  und  den  anderen  Familienangehörigen,  der  sich  im  Hoheitsgebiet  eines  Mitgliedstaates  aufhält,  nicht  zu  trennen  beziehungsweise  sie  zusammenführen,  sofern  die familiäre Bindung bereits im Herkunftsland bestanden hat,  dass  der  Aufenthalt  des  Asylsuchenden  im  Ausland  in  den  von  Art. 15  Abs.  2  Dublin­II­VO  genannten  Fällen  nicht  Voraussetzung  für  dessen  Anwendbarkeit  ist  (dies  im  Gegensatz  zu  Abs.  1,  welcher  nur  die  Vereinigung  eines  im  Ausland  lebenden  Asylsuchenden  mit  einem  Familienangehörigen  in  der  Schweiz  regelt  und  deshalb  nach  einem  Aufnahmeersuchen  vom  Ausland  verlangt  [vgl.  statt  vieler  Urteil  D­ 1211/2011  vom  28. März  2011;  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung  –  Das  Europäische  Asylzuständigkeitssystem,  3.,  überarbeitete Auflage, Wien/Graz 2010, K4 zu Art. 15]), d.h. dass Abs. 2  von  Art.  15  Dublin­II­VO  auch  Konstellationen  umfasst,  in  denen  sich  sowohl  der  Familienangehörige  als  auch  der  Asylsuchende  im  selben  Mitgliedstaat befinden (vgl. z.B. Urteile E­2087/2010 vom 14. April 2010,  E­1727/2011 vom 6. September 2011),  dass mit dem "Familienangehörigen" gemäss Art. 15 Abs. 2 Dublin­II­VO  ein  weiter  Familienbegriff  angesprochen  wird,  der  demjenigen  des  "anderen  abhängigen  Familienangehörigen"  des  Abs.  1  entspricht,  allerdings  mit  der  Abweichung,  dass  in  Abs.  2  die  familiäre  Bindung  bereits  im  Heimatland  bestanden  haben  muss  (vgl.  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, a.a.O., K8 und K14 zu Art. 15), dass vorliegend nicht ersichtlich ist, weshalb die Beschwerdeführerin auf  die Unterstützung ihres Verlobten angewiesen sein sollte, zumal aus den  Akten nicht hervorgeht, dass es sich bei  ihr um eine verletzliche Person  im Sinne des Art. 15 Abs. 2 Dublin­II­VO handelt,  dass sie zudem angibt, mit ihrem jetzigen Verlobten in Sri Lanka lediglich  eine  freundschaftliche  Beziehung  gepflegt  zu  haben  und  folglich  keine  familiäre Bindung im Heimatland bestanden hat,  dass  somit  Art.  15  Abs.  2  Dublin­II­VO  im  vorliegenden  Fall  keine  Anwendung findet, dass  wenn  sich  sowohl  die  asylsuchende  Person  als  auch  das  Familienmitglied  im gleichen Staat aufhalten und keine Verletzlichkeit  im  oben  umschriebenen  Sinne  vorliegt,  eine  Verhinderung  einer  Trennung 

E­6147/2011 der Familienmitglieder allenfalls über das Selbsteintrittsrecht nach Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  erfolgen  kann  (FILZWIESER/SPRUNG,  a.a.O.,  K11  zu  Art. 15),  dass  nach  der  in  Art.  3  Abs. 2  Dublin­II­VO  verankerten  Souveränitätsklausel  jeder  Mitgliedstaat  einen  von  einem  Drittstaatsangehörigen eingereichten Asylantrag prüfen kann, auch wenn  er nach den in der Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung  zuständig ist, und der betreffende Mitgliedstaat dadurch zum zuständigen  Mitgliedstaat  im  Sinne  der  Verordnung  wird  und  die  mit  dieser  Zuständigkeit einhergehenden Verpflichtungen übernimmt,  dass eine selbstständige Rüge der Verletzung von Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­ VO  nur  möglich  ist,  wenn  mit  der  Forderung  nach  einem  Selbsteintritt  gleichzeitig  geltend  gemacht  wird,  mit  der  Durchsetzung  der  nach  der  Dublin­II­VO  feststehenden  Zuständigkeit  würde  eine  Norm  des  Völkerrechts  oder  aber  eine  Norm  des  innerstaatlichen  Rechts  verletzt  (vgl. BVGE 2010/45 E. 5),  dass  in  der  Beschwerdeeingabe  ausgeführt  wurde,  eine  Ausschaffung  nach Grossbritannien verstosse gegen Art. 8 EMRK, dass sich gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung jemand  auf  den  Schutz  des  Familienlebens  nach  Art.  8  EMRK  berufen  kann,  wenn  er  sich  auf  eine  Beziehung  zu  einer  Person  mit  gefestigtem  Anwesenheitsrecht  (Bürgerrecht  oder  Niederlassungsbewilligung)  in  der  Schweiz  bezieht,  und  eine  blosse  Aufenthaltsbewilligung  hierzu  nur  genügt,  soweit  sie  ihrerseits  auf  einem  gefestigten  Rechtsanspruch  beruht  (vgl. statt  vieler  BGE  130  II  281,  135  I  143,  je  mit  weiteren  Hinweisen), dass  die  Beschwerdeführerin  auch  aus  dem  Recht  auf  Achtung  des  Familienlebens  nach  Art.  8  EMRK  keinen  Anspruch  für  sich  ableiten  kann,  da  die  vorläufige  Aufnahme  ihres  zukünftigen  Ehemannes  kein  gefestigtes Anwesenheitsrecht im Sinne der Rechtsprechung darstellt, dass angesichts der gesamten Umstände keine Gründe ersichtlich sind,  die eine Veranlassung zu einem Selbsteintritt unter dem Aspekt von Art. 3  Abs. 2 Dublin­II­VO i.V.m. Art. 8 EMRK auslösen würden, dass  nach  dem  Gesagten  keine  Veranlassung  besteht,  die  Vorinstanz  anzuweisen, die Ausübung ihres Selbsteintrittsrechts zu erklären, 

E­6147/2011 dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu Recht  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  nicht  eingetreten  ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vorliegend  keine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  wurde  und  auch  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach zu bestätigen ist, dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  im  Sinne  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d AsylG, bei dem es sich um ein Überstellungsverfahren  in den  für  die Prüfung des Asylgesuches zuständigen Staat handelt, systembedingt  kein  Raum  für  Ersatzmassnahmen  im  Sinne  von  Art. 44  Abs. 2  AsylG  i.V.m. Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG besteht und eine entsprechende Prüfung,  soweit  notwendig,  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Nichteintretensentscheides stattzufinden hat (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.2.3  und 10.2), dass die Vorinstanz  in diesem Sinne den Vollzug der Wegweisung nach  Grossbritannien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet  hat, dass  es  der  Beschwerdeführerin  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder  unangemessen  sei  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass mit  dem vorliegenden Entscheid  in der Sache selber die Gesuche  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  um  Einräumung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  gegenstandslos werden, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG).

E­6147/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–   werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand:

E-6147/2011 — Bundesverwaltungsgericht 22.11.2011 E-6147/2011 — Swissrulings