Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 18.11.2011 E-6125/2011

November 18, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,542 words·~8 min·2

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Oktober 2011

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6125/2011 Urteil   v om   1 8 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas,    Gerichtsschreiberin Tu­Binh Truong. Parteien A. _______, geboren am (…), Sri Lanka,   vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 26. Oktober 2011 / N (…).

E­6125/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge am 29. Dezember  2007 sein Heimatland verlassen habe und in die Niederlande gereist sei,  wo  er  ein  Asylgesuch  gestellt  habe,  das  letztinstanzlich  im  Juni  2010  abgewiesen  worden  sei,  weshalb  er  die  Niederlande  mit  Hilfe  eines  Schleppers Richtung Türkei am 5. Oktober 2010 verlassen habe, um von  der Türkei aus nach Kanada weiterzureisen (vgl. A9/12 S. 1 und 8), dass  der  Schlepper  ihn  aber,  statt  ihn  vereinbarungsgemäss  nach  Kanada  zu  schicken,  im  Keller  seines  Hauses  eingesperrt  und  ihm  zweimal am Tag etwas zu essen gegeben habe (vgl. A9/12 S. 8), dass der Schlepper ihn am 25. Februar 2011 in einem geschlossen LKW  – durch  unbekannte  Länder  –  in  die Schweiz  gebracht  habe, wo  er  am  28. Februar 2011 eingereist sei, dass  der  Beschwerdeführer  am  2.  März  2011  in  der  Schweiz  um  Asyl  nachsuchte,  dass er am 15. März 2011  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ)  Basel  summarisch befragt  und  ihm gleichzeitig  das  rechtliche Gehör  zu  einer allfälligen Wegweisung in die Niederlande gewährt wurde, wobei er  geltend  machte,  die  Niederlande  würde  ihn  nach  Sri  Lanka  zurückschicken, wo sein Leben in Gefahr sei,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom  18.  März  2011  dem  Aufenthaltskanton Basel­Landschaft zugewiesen wurde, dass  das  BFM  am  26.  August  2011  ein  Übernahmeersuchen  an  die  zuständigen niederländischen Behörden richtete, dass  die  niederländischen  Behörden  das  Übernahmeersuchen  gleichentags ausdrücklich akzeptierten,  dass  das  BFM  am  6.  September  2011  ein  das  niederländische  Asylverfahren des Beschwerdeführers betreffendes Informationsersuchen  an die zuständige Partnerbehörde richtete, welches diese mit Schreiben  vom  19. Oktober  2011  dahingehend  beantworteten,  der  Beschwerdeführer habe am 30. Dezember 2007 in den Niederlanden ein  Asylgesuch gestellt, das am (…) 2010 letztinstanzlich vom "Dutch Higher  Court" abgelehnt worden sei, und er habe sich vor dem Untertauchen im 

E­6125/2011 Zentrum  für Asylsuchende  in B. _______ aufgehalten und danach noch  ein zweites Asylverfahren einzuleiten versucht, sei aber zum vereinbarten  Termin nicht erschienen, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  26.  Oktober  2011  –  eröffnet  am  3.  November  2011  –  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetztes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die Wegweisung  aus  der Schweiz  nach Holland  sowie  den Vollzug anordnete, dass  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  10.  November  2011  gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  dabei  inhaltlich  im  Wesentlichen  beantragte,  die  Verfügung  sei  aufzuheben,  das  BFM  sei  anzuweisen, sich  für die Beurteilung des Asylgesuches  für zuständig zu  erklären,  eventualiter  sei  die  Sache  zur  vollständigen  und  richtigen  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  an  das  BFM  zurückzuweisen  oder  das  BFM  anzuweisen,  auf  das  Asylgesuch  in  Ausübung des Selbsteintrittsrechts einzutreten, dass  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragt  wurde,  es  sei  dem  Beschwerdeführer  Einsicht  in  die  Aktenstücke  A16/5  bis  A26/1  zu  gewähren, der Vollzug der Wegweisung sei vorsorglich auszusetzen, der  Beschwerde  sei  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  dem  Rechtsvertreter sei vor Gutheissung der Beschwerde angemessene Frist  zur  Einreichung  einer  detaillierten  Kostennote  zur  Bestimmung  der  Parteientschädigung  zu  setzen  und  ihm  sei  die  Zusammensetzung  des  Spruchgremiums mitzuteilen, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 11. November 2011  die  kantonalen  Vollzugsbehörden  anwies,  den Wegweisungsvollzug  per  sofort auszusetzen, bis nach Eingang der vorinstanzlichen Akten über die  allfällige Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde nach  Art. 107a AsylG befunden werde, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  14.  November  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen,

E­6125/2011 und das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung, dass  es  auf  dem Gebiet  des  Asyls  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31­33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde,

E­6125/2011 dass es sich bei den Aktenstücken A16/5 bis A26/1 des BFM­Dossiers  um  Dokumente  im  Zusammenhang  mit  der  Korrespondenz  des  BFM  mit seinen Dublin­Partnerbehörden handelt, dass  es  sich  dabei  grösstenteils  um  administrative  Aktenstücke  oder  um  Dokumente  handelt,  die  für  den  konkreten  Verfahrensgang  von  keinerlei  Interesse waren  (darunter auch ein Schriftenwechsel mit der  zuständigen  deutschen  Dublin­Behörden  zur  Abklärung  der  Existenz  eines  vom  Beschwerdeführer  erwähnten  deutschen  Visums  in  einem  von ihm verwendeten Reisepass), dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  in  eine  aufgrund  privater  und  öffentlicher Geheimhaltungsinteressen gemäss Art.  27 Abs.  1 Bstn.  a  und  b  VwVG  mit  Abdeckungen  versehene  Fassung  der  Zustimmungserklärung  der  niederländischen  Behörden  vom  26.  August  2011  Einsicht  gewährte  (Aktenstück  A21/1),  was  nicht  zu  beanstanden ist, dass  analoge  Geheimhaltungsinteressen  auch  bei  dem  an  die  niederländischen  Behörden  gerichteten  Informationsersuchen  des  BFM vom 6. September 2011 und der in der angefochtenen Verfügung  erwähnten Auskunft vom 19. Oktober 2011  festzustellen sind,  letztere  Mitteilung  die  entsprechenden  Angaben  des  Beschwerdeführers  im  Wesentlichen bestätigten und das BFM sich darauf somit nicht im Sinn  von  Art.  28  VwVG  zum  Nachteil  des  Beschwerdeführers  abgestützt  hat,  weshalb  eine  Bekanntgabe  des  wesentlichen  Inhalts  dieser  Korrespondenz vor dem Nichteintretensentscheid unterbleiben durfte, dass sich die Rüge der Verletzung des Akteneinsichtsrechts respektive  des  rechtlichen Gehörs nach dem Gesagten als unbegründet erweist,  dem  Beschwerdeführer  jedoch  im  Sinn  der  Verfahrenstransparenz  zusammen mit diesem Urteil auszugsweise Kenntnis von der Anfrage  des  BFM  an  die  niederländischen  Behörden  vom  26.  August  2011  (Aktenstück  A16/5)  zu  geben  ist,  soweit  darin  das  geltend  gemachte  Verlassen  des  Dublin­Raums  erwähnt  und  die  Frage  der  Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens thematisiert wird, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32­35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 

E­6125/2011 Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE  2007/8 E. 2.1),  dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass gemäss Art. 16 Abs. 1 Bst. e der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des  Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren  zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem  Drittstaatenangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  der  für  die Prüfung  zuständige Mitgliedstaat  gehalten  ist,  einen  Drittstaatsangehörigen,  dessen  Antrag  er  abgelehnt  hat  und  der  sich  unerlaubt  im  Hoheitsgebiet  eines  anderen  Mitgliedstaates aufhält, nach Massgabe von Art. 20 wieder aufzunehmen,  dass  gemäss  Art.  16  Abs.  3  Dublin­II­VO  diese  Pflicht  zur  Wiederaufnahme  erlöscht,  wenn  der  Drittstaatsangehörige  den  Dublin­ Raum für mindestens drei Monate verlassen hat,  dass gemäss Art. 4 der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission  vom  2. September  2003 mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Dublin­II­ VO  (DVO­Dublin)  das  Erlöschen  der  Zuständigkeit  nach  vorgenannter  Bestimmung  ausschliesslich  aufgrund  von  Tatsachenbeweisen  oder  umfassenden und nachprüfbaren Erklärungen des Asylbewerbers geltend  gemacht werden kann,  dass  das  BFM  zur  Begründung  des  Nichteintretensentscheids  festhielt,  die  Niederlande  sei  in  Anwendung  des  Abkommens  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­ Assoziierungsabkommen  [DAA], SR 0.142.392.6), des Übereinkommens  vom  17.  Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island  und  dem Königreich Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwendung  und  Entwicklung  des  Schengen­ Besitzstandes und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  (SR  0.362.32),  der  Dublin­II­VO 

E­6125/2011 sowie  der  DVO­Dublin  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  zuständig,  da  die  niederländischen  Asylbehörden  das  auf  Art.  16  Abs. 1  Bst.  e  Dublin­II­VO  gestützte  Übernahmeersuchen  des  BFM  mit  Schreiben  vom  26.  August  2011  ausdrücklich akzeptiert hätten, dass der Beschwerdeführer für die angebliche Aus­ und Wiedereinreise in  den  Dublin  Raum  keinerlei  Beweismittel  vorweisen  könne  und  seine  Ausführungen  nicht  detailliert  genug  seien,  um  als  glaubhaft  und  tatsächlich erlebt qualifiziert zu werden, da sowohl der Reiseweg in einem  geschlossenen Lastwagen  in  der Türkei  (ohne auch nur  ein Transitland  nennen zu können) als auch der monatelange Aufenthalt in der Türkei im  Keller des Schleppers nur oberflächlich beschrieben worden seien und es  zudem  jeglicher  Logik  entbehre,  dass  der  Gesuchsteller  sein  mit  dem  Schlepper  vereinbartes  Vorhaben,  nach  Kanada  auszureisen,  ohne  Weiteres  aufgegeben  habe,  um  erneut  in  einem  Lastwagen  durch  angeblich unbekannte Länder in die Schweiz zu reisen,  dass  das Aussageverhalten  des Beschwerdeführers  darauf  hindeute,  er  sei  sich  der  Erlöschenskriterien  des  Dubliner­Abkommens  bewusst  gewesen  und  mache  einzig  aus  diesem  Grund  ein  mehrmonatiges  Verlassen  des  Dublin­Raums  geltend,  und  bei  dieser  Aktenlage  davon  auszugehen sei, der Beschwerdeführer sei während der interessierenden  Zeitspanne im Dublin­Raum verblieben, dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde die nach Art. 16 Abs. 1  Bst.  e  Dublin­II­VO  staatsvertraglich  vorgesehene  Zuständigkeit  der  Niederlande nicht bestreitet, den vorinstanzlichen Erwägungen  indessen  entgegenhält,  die  Vorinstanz  habe  keinerlei  Beweis  für  seinen  angeblichen  Verbleib  im  Dublin­Raum  vorgelegt,  zu  Unrecht  auf  die  Unglaubhaftigkeit  seiner  Angaben  geschlossen  und  im  Übrigen  den  Sachverhalt  nicht  vollständig  festgestellt,  weil  er  zu  seiner  Reise  in  die  Türkei nur kurz und zu wenig vertieft befragt worden sei, dass sich der Beschwerdeführer fälschlicherweise auf den Standpunkt zu  stellen scheint, die Schweizer Asylbehörden hätten  ihm den Verbleib  im  Dublin­Raum nachzuweisen,  dass  es  gemäss  Art.  4  DVO­Dublin  dem Beschwerdeführer  obliegt, mit  Tatsachenbeweisen  oder  umfassenden  und  nachprüfbaren  Erklärungen  das  Erfüllen  der  Voraussetzungen  von  Art.  16  Abs.  3 

E­6125/2011 Dublin­II­VO  nachzuweisen,  wobei  die  Voraussetzungen  an  diesen  Nachweis  nach  Lehre  und  Praxis  hoch  sind  (vgl.  Schweizerische  Zeitschrift  für  Asylrecht  und  ­praxis  [ASYL]  4/2011,  S. 17,  unter  Hinweis  auf  ein  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  6.  Dezember  2010  [D­1276/ 2010]), dass  er  dieser  Verpflichtung  –  wie  von  der  Vorinstanz  in  ihren  Erwägungen  zu  Recht  festgestellt  –  offensichtlich  nicht  nachgekommen ist,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  nur  keine  Tatsachenbeweise  einzureichen vermochte, sondern seine Angaben zur angeblichen Aus­  und  Wiedereinreise  in  den  Dublin­Raum  offensichtlich  unlogisch,  lebensfremd und unsubstanziiert sind, dass  dieses  Vorbringen  den  deutlichen  Eindruck  einer  zum  Zweck  der  Aushebelung  der  Dublin­Zuständigkeitsordnung  erstellten  Sachverhaltskonstruktion erweckt, dass  der  durch  einen  patentierten  Rechtsanwalt  vertretene  Beschwerdeführer,  konfrontiert  mit  dem  vorinstanzlichen  Vorwurf  der  mangelnden  Substanziiertheit  seines  zentralen  Vorbringens,  auch  in  seinem  Rechtsmittel  keine  zusätzlichen  Angaben  aktenkundig  macht  (sondern  sich  diesbezüglich  im Ergebnis  auf  die  Forderung  beschränkt,  das  BFM  habe  den  Sachverhalt  nach  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  erneut  abzuklären), was  den  eben  erwähnten Eindruck  nicht  verringert, dass bei dieser Sachlage offen bleiben kann, ob Art. 16 Abs. 3 Dublin­II­ VO  überhaupt  als  "self­executing"  zu  qualifizieren  ist  und  entsprechend  eine  "Verletzung"  geltend  gemacht  werden  kann  (vgl.  BVGE  2010/27  E. 4­6), dass  in diesem Zusammenhang  festhalten werden kann, dass das BFM  der  niederländischen  Dublin­Partnerbehörde  alle  wesentlichen  Vorbringen des Beschwerdeführers transparent gemacht hat, dass  die  Vorinstanz  vor  ihrem  Entscheid  über  eine  hinreichende  Sachverhaltsgrundlage  verfügt  hat  und  auch  von  einer  Verletzung  der  Begründungspflicht  nicht  die  Rede  sein  kann,  weshalb  der 

E­6125/2011 Eventualantrag  auf  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  abzuweisen ist,  dass  das  BFM  nach  dem  Gesagten  angesichts  der  –  nach  wie  vor  bestehenden  –  Zuständigkeit  der Niederlande  gemäss Art.  16 Abs.  1  Bst. e Dublin­II­VO zu Recht  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44  Abs.  1  AsylG)  und  vorliegend  keine  Ausnahme  von  diesem  Grundsatz  ersichtlich  ist  (vgl.  BVGE  2008/34 E. 9.2), weshalb diese zu Recht angeordnet wurde, dass  die  Frage  der  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheids  ist  (vgl.  BVGE  2010/45  E.  10.2),  weshalb  allfällige  Vollzugshindernisse  bereits  im  Rahmen  der  eventuellen  Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin­ II­VO) geprüft wurden, dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  sinngemäss  geltend  machte,  er  sei  in  den  Niederlanden  einer  so  genannten Kettenabschiebung ausgesetzt, dass die Vorinstanz demgegenüber feststellte, es würden keine Hinweise  vorliegen,  dass  die  Niederlande  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  des  Beschwerdeführers  nicht  völkerrechtskonform  durchgeführt  habe  beziehungsweise  durchführen  werde  und  das  abgeschlossene  Asylverfahren  im  Dublin­Zielstaat  keine  Änderung  der  Zuständigkeit  zu  bewirken vermöge,  dass das Bundesverwaltungsgericht diesen Erwägungen zustimmt, da die  Niederlande sowohl das Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung oder Strafe (FK) als auch die Konvention vom 4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK)  ratifiziert  hat,  und  keine  Anhaltspunkte  vorliegen,  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  würden  durch  die  niederländischen Behörden in genereller Weise missachtet (was auch der  Beschwerdeführer nicht behauptet), 

E­6125/2011 dass  auf  Beschwerdeebene  vorgebracht  wurde,  die  Schwester  des  Beschwerdeführers  lebe  in  der  Schweiz  und  er  verfüge  in  den  Niederlanden  über  keinerlei  soziales  Netz,  weshalb  das  BFM  aus  humanitären  Gründen  vom  Selbsteintrittsrecht  gemäss  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO hätte Gebrauch machen müssen, dass  hinsichtlich  des  Selbsteintrittsrechts  der  Mitgliedstaaten  festzustellen ist, dass es, da Art. 3 Abs. 2 Dublin­Il­VO keine inhaltlichen  Vorgaben bietet, primär im Ermessen des einzelnen Mitgliedstaates liegt,  zu  bestimmen,  unter  welchen  Voraussetzungen  ein  Selbsteintritt  in  die  Prüfung des Asylantrages erfolgt, sich indessen gemäss ständiger Praxis  (vgl.  statt  vieler  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­384/2010  vom  24.  Juni  2010,  mit  weiteren  Hinweisen)  die  Pflicht  zur  Prüfung  eines  Asylantrags und das damit verbundene Ausüben des Selbsteintrittsrechts  aus einer durch die EMRK geschützten Rechtsstellung des Antragstellers  ergeben kann, dass  nach  der  Rechtsprechung  der  Strassburger  Organe  grundsätzlich  auch  über  die  Kernfamilie  hinausgehende  verwandtschaftliche  Bande  unter  den  Schutz  der  Einheit  der  Familie  gemäss  Art.  8  EMRK  fallen,  sofern eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung zwischen den  Angehörigen  besteht  (vgl.  ARTHUR  HÄFLIGER/FRANK  SCHÜRMANN,  Die  Europäische Menschenrechtskonvention und die Schweiz, 2. Aufl., Bern  1999,  S. 259;  MARK  E.  VILLIGER,  Handbuch  der  Europäischen  Menschenrechtskonvention,  2.  Aufl.,  Zürich  1999,  S.  365;  MARTINA  CARONI,  Schriften  zum  Europäischen  Recht,  Band  58,  Privat­  und  Familienleben zwischen Menschenrecht und Migration, S. 25 und S. 35), dass im Weiteren gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine über  die  eigentliche  Kernfamilie  hinausgehende  schützenswerte  verwandtschaftliche  Beziehung  voraussetzt,  dass  zwischen  diesen  Personen ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis besteht (vgl. BGE 115  Ib  5  E.  2c),  wobei  die  schweizerischen  Asylbehörden  sich  dieser  bundesgerichtlichen  Umschreibung  des  Familienbegriffs  angeschlossen  haben (vgl. etwa EMARK 1995 Nr. 24 und EMARK 2000 Nr. 4 E. 5b),  dass  diese  Kriterien  vorliegend  nicht  erfüllt  sind,  nachdem  keine  konkreten Anhaltspunkte für die Annahme ersichtlich sind, zwischen dem  Beschwerdeführer und der  in der Schweiz  lebenden Schwester bestehe  eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung oder ein eigentliches  persönliches Abhängigkeitsverhältnis,

E­6125/2011 dass  der  Beschwerdeführer  für  die  Einleitung  seines  Asylverfahrens  im  Jahre 2007 von Sri Lanka aus denn auch nicht zu seiner Schwester in die  Schweiz, sondern in die Niederlande reiste, dass  er  zudem  anlässlich  der  Befragung  durch  die  Vorinstanz  das  Verwandtschaftsverhältnis  zu  seiner  Schwester  nicht  speziell  hervorgehoben hat und deshalb eine argumentative Auseinandersetzung  des BFM zur familiären Situation offensichtlich nicht geboten war, dass  zusammenfassend  weder  angesichts  der  Verhältnisse  in  den  Niederlanden  noch  aufgrund  der  individuellen  Situation  des  Beschwerdeführers  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittes  der  Schweiz im Sinn von Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 der  Asylverordnung  1  vom  11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  (Asylverordnung  1,  AsylV  1)  besteht,  weshalb  der  vom  Bundesamt  verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder  unangemessen  sei  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist,  dass mit dem vorliegenden Urteil in der Sache der Antrag auf Gewährung  der  aufschiebenden Wirkung  der  Beschwerde  gemäss  Art.  107a  AsylG  gegenstandslos wird und bezüglich des Ersuchens um Bekanntgabe des  Spruchgremiums  auf  das  Rubrum  des  vorliegenden  Urteils  verwiesen  werden kann,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  (Dispositiv nächste Seite)

E­6125/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale  Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Tu­Binh Truong Versand:

E-6125/2011 — Bundesverwaltungsgericht 18.11.2011 E-6125/2011 — Swissrulings