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Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 E-560/2012

February 3, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·683 words·~3 min·3

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 26. Januar 2012

Full text

Seite 1 Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­560/2012 Urteil   v om   3 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn;  Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A._____, geboren (…), dessen Ehefrau B._____, geboren (…), und deren Kinder C._____, geboren (…), D._____, geboren (…), Syrien,  (…),   Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 26. Januar 2012 / N (…). Das Bundesverwaltungsgericht, in Anwendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver­ fahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110), der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105), des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention [FK, SR 0.142.30]), des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]), der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitglied­ staats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin II­VO), der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September  2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin II­VO (DVO Dublin), des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschä­ digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2), stellt fest, dass die Beschwerdeführenden eigenen Angaben zufolge ihr Heimatland  am  10.  November  2011  verliessen  und  über  die  Türkei  und  Frankreich  am  24.  November  2011  in  die  Schweiz  gelangten,  wo  sie  gleichentags  um Asyl nachsuchten, dass  sie  am  6.  Dezember  2011  summarisch  zu  ihren  Asylgesuchen  befragt wurden, dass  sich aufgrund einer Abfrage der Eurodac­Datenbank herausstellte,  dass  sie  am  17.  November  2011  in  Frankreich  daktyloskopisch  erfasst  worden waren, dass  ihnen das BFM anlässlich der Kurzbefragung das rechtliche Gehör  zur  möglichen  Zuständigkeit  Frankreichs  für  die  Asylverfahren  und  zu  einer allfälligen Wegweisung dorthin gewährte, dass die Beschwerdeführenden darlegten, in Frankreich kein Asylgesuch  gestellt zu haben und in der Schweiz bleiben zu wollen,  dass die Beschwerdeführende B._____ ausserdem  ihre Angst äusserte,  von den Franzosen nach Syrien ausgeschafft zu werden, dass  das  Bundesamt  am  28.  November  2011  –  gestützt  auf  die  Bestimmungen  der  Dublin II­VO  –  ein  Ersuchen  um  Übernahme  der  Beschwerdeführenden an Frankreich richtete, dass  die Beschwerdeführende B._____  am  (…)  den Sohn D._____  zur  Welt  brachte  und  dieser  in  das  Verfahren  der  Beschwerdeführenden  einbezogen wurde,  dass  dem Übernahmeersuchen  von  französischer  Seite mit  schriftlicher  Mitteilung vom 19. Januar 2012 entsprochen wurde,  dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  26.  Januar  2012  –  eröffnet  am  27.  Januar  2012  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  auf  die  Asylgesuche  nicht  eintrat,  die Wegweisung  aus  der Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  nach  Frankreich  anordnete  und  festhielt,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid  komme  keine  aufschiebende Wirkung zu, dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung  der  Frist  –  bis  spätestens  am  12.  Juli  2012  zu  erfolgen  habe, dass  das  BFM  in  seinem  Entscheid  –  unter  Verweis  auf  die  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  den  vorgängigen  Aufenthalt  der  Beschwerdeführenden  in  Frankreich  und  das  an  Frankreich  gerichtete  Gesuch um Übernahme beziehungsweise die ausdrückliche Zustimmung  der  französischen Behörden  –  auf  die  Zuständigkeit  Frankreichs  für  die  Behandlung der Asylgesuche verwies, dass  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführenden  diese  Zuständigkeit  nicht zu widerlegen vermöchten, dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs  zu  bejahen seien, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 31. Januar 2012 gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  dabei  sinngemäss  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und das Eintreten auf ihre Asylgesuche beantragten, dass  sie  vorbrachten,  sie  seien  fälschlicherweise  nach  Frankreich  gelangt, ihr eigentliches Reiseziel sei die Schweiz, dass sich die Geschwister und ein Schwager des beschwerdeführenden  Familienvaters ebenfalls in der Schweiz befinden würden, dass sie am (…) einen Sohn bekommen hätten, welcher noch über keine  Papiere verfüge, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  2.  Februar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der  Regel  –  so  auch  vorliegend   –  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM  entscheidet  (vgl.  dazu  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31 und 33   VGG sowie Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG oder  das AsylG nichts anderes bestimmen (vgl. Art. 37 VGG sowie Art. 6 und  105 AsylG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),  dass  auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  der  legitimierten  Beschwerdeführenden einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52  VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  die  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt  –  offensichtlich  unbegründet  ist, weshalb darüber  in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  eine  zweiten  Richtern zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Entscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),  dass  die  Beschwerdeführenden  gemäss  dem  dokumentierten  Eurodac­ Treffer  in  Frankreich  am  17.  November  2011  daktyloskopisch  erfasst  wurden und von dort her kommend in die Schweiz einreisten,  dass  bei  dieser  Sachlage  –  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  welche  anstelle  einer  Wiederholung  zu  verweisen  ist  –  Frankreich  für  die  Prüfung  des  Asylantrags der Beschwerdeführenden zuständig ist, dass  Frankreich  dem  Ersuchen  des  BFM  um  Übernahme  der  Beschwerdeführenden (Art. 10 Abs. 1 Dublin II­VO) am 19. Januar 2012  entsprochen  und  seine  Zuständigkeit  gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung akzeptiert hat,  dass  der  Umstand,  dass  sich  die  Geschwister  und  ein  Schwager  des  beschwerdeführenden Familienvaters ebenfalls  in der Schweiz aufhalten  sollen,  offensichtlich  keine  andere  Sichtweise  rechtfertigt  (vgl.  zum  Familienbegriff Art. 2 Bst. i Dublin II­VO),  dass  sich  die  Beschwerdeführenden  demnach  im  Hinblick  auf  die  Zuständigkeit  nicht  auf  im  Zusammenhang  mit  dem  Familienbegriff  stehende Bestimmungen der Dublin II­VO berufen können,  dass  damit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist,  dass Frankreich sowohl Signatarstaat der Flüchtlingskonvention als auch  der  Europäischen  Menschenrechtskonvention  ist  und  im  vorliegenden  Fall keine Hinweise darauf bestehen, Frankreich würde sich im Falle der  Beschwerdeführenden  nicht  an  seine  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  halten, dass der von den Beschwerdeführenden geäusserte Wunsch nach einem  Verbleib  in  der Schweiz  nicht  gegen eine Rückführung nach Frankreich  spricht, dass gemäss den  vorstehenden Erwägungen  für  das BFM keine Pflicht  zu  einem  Selbsteintritt  aus  völkerrechtlichen  Gründen  nach  der  Bestimmung  von  Art.  3  Abs.  2  Dublin II­VO  besteht  (vgl.  dazu  BVGE  2011/9 E. 4 S. 115),  dass  aufgrund  der  gesamten  Aktenlage  auch  ein  Selbsteintritt  aus  humanitären Gründen nach der Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1  ausgeschlossen bleibt (vgl. dazu BVGE 2011/9 E. 8 S. 121 f.), da keine  besonderen  Sachverhaltsumstände  vorliegen,  welche  eine  Behandlung  des  Asylgesuches  in  der  Schweiz  geradezu  aufdrängen  würden  (vgl.  dazu  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­4534/2011  vom  28.  Dezember 2011 E. 8),  dass  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  der  Nichteintretensentscheid  in Anwendung von Art. 34 Abs. Bst. d AsylG zu bestätigen ist,  dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Frankreich  der  Systematik  des  Dublin­Verfahrens  entspricht  und  von  daher  im  Einklang  mit  der  Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2), dass  demnach das BFM den Vollzug  der Wegweisung nach Frankreich  zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,  dass  somit  die  angefochtene  Verfügung  zu  bestätigen  und  die  eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist, dass die Kosten des Verfahrens von Fr. 600.­ den Beschwerdeführenden  aufzuerlegen sind (vgl. dazu Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1­3 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und (…). Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Sarah Straub Versand:

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