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Bundesverwaltungsgericht 24.02.2012 E-55/2009

February 24, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,892 words·~14 min·2

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. November 2008

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­55/2009 Urteil   v om   2 4 .   Februar   2012   Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,    Gerichtsschreiber Jan Feichtinger. Parteien A._______, geboren am (…), Iran,   vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom  28. November 2008 / N (…).

E­55/2009 Sachverhalt: A.  A.a  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein  iranischer Staatsangehöriger mit  letztem Wohnsitz  in B._______, seinen  Heimatstaat am 6. Februar 2006  (Mitte Bahman 1384) zu Fuss über die  Grenze in die Türkei und gelangte mithilfe verschiedener Transportmittel  (Kleinbus,  Lastwagen,  Bus,  Motorboot,  Schiff,  Personenwagen)  über  Griechenland  und  Italien  am  13. Februar 2006  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags um Asyl nachsuchte. Am  16. Februar 2006  fand  im  Empfangszentrum  Kreuzlingen  die  Erstbefragung  statt,  am  7. März 2006  erfolgte  die  Anhörung  zu  den  Asylgründen  durch  das  BFM.  Im  Wesentlichen  machte  der  Beschwerdeführer dabei geltend, seine Probleme hätten damit begonnen,  dass  er  im  Alter  von  18 Jahren  von  seinem  Vater  zum  Militärdienst  gezwungen worden sei. Am (…).1380  ([…] 2001) habe er einen Konflikt  mit einem Vorgesetzten gehabt, auf dem Weg zum Militärgericht sei  ihm  jedoch die Flucht gelungen. Am (…) 2001 sei er verhaftet und kurz darauf  zu  einer  Gefängnisstrafe  von  (…)  verurteilt  worden,  welche  er  im  Gefängnis C._______ verbüsst habe. Im (…) 2001 habe er in einer Moschee einen Korankurs besucht und sich  dem Mullah gegenüber negativ  über  (…) geäussert. Hierauf  hätten  sich  zwei  Kursteilnehmer  als  Angehörige  des  Nachrichtendienstes  zu  erkennen  gegeben  und  ihn  über  den  Basar  abführen  wollen.  In  der  Menschenmenge habe er aber einen der Agenten von sich stossen und  anschliessend  fliehen  können.  Hiernach  habe  er  sich  während  etwa  sechs Wochen bei Verwandten versteckt gehalten. Nachdem Angehörige  des  Nachrichtendienstes  wiederholt  in  seinem  Elternhaus  erschienen  seien  und  seinen  Vater  unter  Druck  gesetzt  hätten,  habe  er  sich  auf  Anraten  des  Vaters  beim  Nachrichtendienst  gestellt.  Entgegen  seiner  irrigen Annahme, man wolle ihm nur ein paar Fragen stellen, sei er in der  Folge während (…) in einem privaten Gefängnis des Nachrichtendienstes  festgehalten und wiederholt schwer gefoltert worden, bevor er gegen eine  Kaution  sowie unter Auferlegung einer Meldepflicht  freigelassen worden  sei. Dieser sei er ab (…) 2003 nicht mehr nachgekommen. Vielmehr  habe  er  versucht,  illegal  über  die  Grenze  in  die  Türkei  zu  gelangen, sei  jedoch an der Grenze verhaftet, zu einer Geldstrafe sowie  einer  erneuten  Gefängnisstrafe  von  (…)  verurteilt  worden.  Nach  Verbüssung derselben sei er im (…) 2003 nach Teheran zurückgekehrt.  

E­55/2009 Ende Dezember  2003  habe  er  auf  der  Strasse mit  anderen Anhängern  einen  Sieg  der  iranischen  Fussball­Nationalmannschaft  gefeiert.  Regimegegner  hätten  die  Gelegenheit  dieses  Umzugs  genutzt,  um  regimekritische  Parolen  zu  verbreiten,  weshalb  die  Sicherheitskräfte  interveniert  und  Verhaftungen  vorgenommen  hätten.  Anders  als  mehreren seiner Freunde sei ihm die Flucht gelungen.  Wenig später, am (…) 2004, sei er  jedoch von Agenten erkannt worden,  als er mit dem Motorrad unterwegs gewesen sei. Dies könne nur dadurch  erklärt  werden,  dass  sein  Bild  auf  dem  Polizeiposten  hänge  oder  aber  einer  seiner  verhafteten  Freunde  ihn  verraten  habe.  Die  motorisierten  Agenten hätten ihn angefahren, wobei er sich (…) zugezogen habe. Nach  einem längeren Krankenhausaufenthalt unter ständiger Bewachung sei er  von einem Gericht in Teheran zu einer Gefängnisstrafe von (…) verurteilt  worden, welche er in D._______ verbüsst habe.  (…) 2005  sei  er  aus  gesundheitlichen  Gründen  aus  dem  Militärdienst  entlassen  worden.  Im  (…)  desselben  Jahres  seien  einige  Pasdaran  (Angehörige  der  Sepah  [Iranische  Revolutionsgarde])  an  seiner  Wohnadresse  erschienen,  um  (…).  Daraufhin  sei  es  zu  einer  handgreiflichen  Auseinandersetzung  zwischen  ihnen  und  ihm,  dem  Beschwerdeführer,  gekommen.  In  der  Befürchtung,  angesichts  seiner  Vorgeschichte  würde  er  mindestens  zu  einer  langjährigen  Haftstrafe  verurteilt werden, habe er sich schliesslich zur Ausreise entschieden. Mit  Hilfe  eines Schleppers  sei  er  am 6. Februar 2006  in  die Türkei  gelangt,  von wo er über Italien auf illegalem Weg in die Schweiz weitergereist sei. A.b Mit  Eingabe  vom  4. Juli 2006  zeigte  der  rubrizierte  Rechtsvertreter  dem  BFM  die  Mandatsübernahme  an  und  reichte  namens  des  Beschwerdeführers  weitere,  insbesondere  dessen  exilpolitische  Aktivitäten  betreffende  Beweismittel  zu  den  Akten,  welche  mit  Eingabe  vom 22. November 2006 näher erläutert wurden.  B.  Mit  Verfügung  vom  28. November 2008  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das  Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz  und deren Vollzug. C. 

E­55/2009 C.a  Mit  Eingabe  vom  30. Dezember 2008  an  das  BFM,  zuständigkeitshalber  weitergeleitet  an  das  Bundesverwaltungsgericht,  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  Beschwerde  erheben  und  dabei  in  materieller  Hinsicht  beantragen,  es  sei  die  Verfügung  des  BFM  vom  28. November 2008  aufzuheben,  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  respektive  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen und  ihm die vorläufige Aufnahme zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wurde  beantragt,  dem  Beschwerdeführer  sei  unter  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren. C.b  Mit  prozessleitender  Verfügung  vom  9. Januar 2009  hiess  die  zuständige  Instruktionsrichterin  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  sowie  um  Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut.  D.  Mit  Vernehmlassung  vom  16. Januar 2009  hielt  das  BFM  an  seinen  Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  E.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  24. März 2010  liess  der  Beschwerdeführer  ein  in  arabischer  Sprache  verfasstes  Beweismittel  (gerichtliche Vorladung vom (…) samt Übersetzung zu den Akten reichen.   Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

E­55/2009 entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]);  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  48  Abs.  1  und  52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4. 

E­55/2009 4.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  da  seine  Vorbringen  teilweise  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  (vgl.  Ziff.  4.1.1.)  und  teilweise  denjenigen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  (vgl.  Ziff.  4.1.2.)  nicht  zu  genügen vermöchten. 4.1.1. Seine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der zentralen Vorbringen des  Beschwerdeführers begründete das BFM zunächst damit, dass er diese  zu wenig konkret, detailliert und differenziert dargelegt habe. Namentlich  entbehrten  seine  Angaben  zum  Korankurs,  seinen  regierungskritischen  Äusserungen  und  der  hieraus  entstandenen  Probleme  jeglicher  Substanz. So habe er den besagten Kurs bei der Erstbefragung zeitlich  nicht einordnen können und auch auf Nachfrage lediglich angegeben, er  habe  vor  dem  Winter,  etwa  anderthalb  bis  zwei  Monate  nach  seiner  Strafverbüssung wegen Desertion, stattgefunden. Auch habe er  lediglich  behauptet, seine Verfolger seien Geheimdienstangehörige, ihren Ausweis  habe er aussagegemäss nicht genauer gesehen. Schliesslich seien auch  seine Angaben betreffend den missglückten Verhaftungsversuch und die  behördlichen  Nachfragen  vage  und  undifferenziert,  zumal  er  etwa  nicht  habe  beziffern  können,  wie  oft  Agenten  an  seiner  Wohnadresse  erschienen seien. Im Weiteren widerspreche seine Darstellung in wesentlichen Punkten der  allgemeinen  Erfahrung  respektive  der  Logik  des  Handelns.  Namentlich  erscheine  die  Erklärung,  wonach  die  Geheimdienstleute  den  vorgenannten  Korankurs  besucht  hätten,  um  andere  Regimeleute  (sic.  [vgl. angefochtene Verfügung S. 4 sowie Akten BFM A10 S. 7]; gemeint  wohl: Regimegegner) zu finden, wenig plausibel. Auch seien Agenten des  Nachrichtendienstes  bekanntermassen  für  Verhaftungen  geschult  und  liessen sich nicht leichthin durch ein Ablenkungsmanöver ausser Gefecht  setzen.  Die  Darstellung  seiner  Flucht,  wonach  er  sich  dem  Zugriff  gewaltsam  entledigt  und  die  Flucht  über  den  stark  bevölkerten  Basar  angetreten  habe,  sei  vor  diesem  Hintergrund  als  realitätsfremd  zu  bezeichnen.  Auch  die  Schilderung  seines  nachfolgenden  Vorgehens,  wonach er sich nach der misslungenen Verhaftung bei seiner Schwester  und weiteren Verwandten aufgehalten habe, widerspreche der Logik des  Handelns,  da  er  dort  jederzeit  mit  einer  Verhaftung  hätte  rechnen  müssen. Insgesamt  könnten  dem  Beschwerdeführer  die  geltend  gemachte  Inhaftierung  und  Misshandlung  aus  politischen  Gründen  nicht  geglaubt 

E­55/2009 werden. Es sei damit nicht davon auszugehen, dass er den heimatlichen  Behörden vor seiner Ausreise bekannt gewesen sei. 4.1.2.  Hinsichtlich  der  weiteren  Vorbringen  führte  das  BFM  aus,  diese  vermöchten den Anforderungen an Art. 3  AsylG nicht zu genügen. Soweit  der  Beschwerdeführer  geltend  mache,  infolge  seiner  Refraktion   sowie  seines  illegalen  Grenzübertrittes  behelligt  worden  zu  sein,  sei  festzustellen,  dass  hiermit  insoweit  keine  asylrelevante  Verfolgung  zum  Ausdruck  gebracht  werde,  als  dieser  keiner  der  in  Art.  3  AsylG  abschliessend  genannten  Gründe  zugrunde  liege.  Zudem  habe  der  Beschwerdeführer – nach erfolgter Bestrafung wegen des Grenzübertritts  und  der  Dispensation  aus  dem Militärdienst  –   zum  heutigen  Zeitpunkt  keine weitergehenden Behelligungen mehr zu befürchten. Weiter  führe der Beschwerdeführer an, dass die Pasdaran  im  (…) 2005  versucht hätten, (…), wobei er in eine handgreifliche Auseinandersetzung  verwickelt worden sei. Auch diese Schikane könne aufgrund ihrer Art und  ihres Ausmasses nicht als asylrelevanter Nachteil eingestuft werden, da  hierdurch  dem  Beschwerdeführer  ein  weiterer  Verbleib  im  Heimatstaat  nicht verunmöglicht oder in unzumutbarer Weise erschwert worden sei. Schliesslich  bestehe  auch  aufgrund  der  exilpolitischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  kein  begründeter  Anlass  zur  Annahme,  dass  dieser  künftig mit  asylrelevanter  Verfolgung  zu  rechnen  habe.  Aufgrund  seiner  Angaben  sowie  der  eingereichten  Beweismittel  sei  nämlich  nicht  davon  auszugehen, dass er über ein derartiges politisches Profil  verfüge, dass  er  dadurch  das  Interesse  der  heimatlichen  Behörden  auf  sich  gezogen  hätte. Seine Furcht vor Verfolgung aus diesen Gründen sei deshalb nicht  als begründet im Sinne des Asylgesetzes zu erachten.  4.2. Aus der Rechtsmitteleingabe ergibt sich als Rüge die Verletzung von  Bundesrecht,  indem  zu  Unrecht  festgestellt  worden  sei,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  genügten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  (vgl.  hierzu  Ziff.  4.3.)  respektive  an  die  Flüchtlingseigenschaft (vgl. hierzu Ziff. 4.5.) nicht.  4.3.  Nachfolgend  ist  zunächst  auf  die  vom  BFM  festgestellten  Ungereimtheiten  der  geltend  gemachten  Verfolgung  einzugehen.  Das  BFM  bezeichnete  die  entsprechenden  Vorbringen  als  nicht  hinreichend  begründet  (vgl.  hierzu  Ziff.  4.3.1.)  respektive  nicht  nachvollziehbar  (vgl.  Ziff. 4.3.2.).

E­55/2009 4.3.1. Die vorinstanzliche Feststellung, der Beschwerdeführer habe seine  Teilnahme  am  Korankurs,  die  dort  geäusserte  Regimekritik  und  die  darauf  zurückzuführenden  Verfolgungshandlungen  zu  vage  und  unsubstanziiert  geschildert,  um  den  Eindruck  des  Selbsterlebten  zu  erwecken  wird  in  der  Rechtsmitteleingabe  als  überspitzt  formalistisch  bezeichnet. Diese Auffassung ist, wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird,  nicht von der Hand zu weisen. Die  Behauptung  des  BFM, wonach  der  Beschwerdeführer  beim Kanton  nicht  genauer  habe  angeben  können,  wann  der  geltend  gemachte  Korankurs  stattgefunden  habe,  findet  im  nämlichen  Befragungsprotokoll  keinerlei  Entsprechung.  Vielmehr  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  von  sich  aus  mit  keinem  Wort  zum  Zeitpunkt  seiner Kursteilnahme geäussert hat ("[…] als ich im Basar meinem Vater  beim  (…)  half,  war  dort  ein  Geistlicher  namens  E._______,  der  uns  Jugendlichen den Koran gelehrt und ihn interpretiert hat. Eines Tages war  die  Rede  von  […];  vgl.  A1  S.  6)  und  mangels  Nachfrage  auch  nicht  ersichtlich  ist,  was  ihn  zu  einer  dahingehenden  Konkretisierung  hätte  veranlassen  sollen.  Im  Rahmen  der  direkten  Anhörung  wurde  der  Beschwerdeführer  angehalten,  den  Kursbeginn  zeitlich  einzuordnen,  worauf er angab, dies sei im Winter gewesen, eineinhalb bis zwei Monate  nach Verbüssung seiner Haftstrafe (A10 S. 7), welchen Zeitpunkt er zuvor  auf  "anfangs  (…)  Monat  1380"  (letzte  Woche  […]  2001)  datiert  hatte.  Hieraus  ergibt  sich  ein  relativ  konkretes,  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit durchaus genügendes Zeitfenster von zweiter Hälfte (…)  2001,  innert  welchem  der  Korankurs  begonnen  habe.  Dabei  ist  zu  berücksichtigen,  dass  das  nämliche  Ereignis  –  bei  welchem  es  sich  im  Übrigen  keineswegs  um  einen  "wesentlichen  Punkt"  seiner  Vorbringen  handelt, wurde doch nach dem Beginn des Kurses und nicht etwa nach  der  später  erfolgten  Auseinandersetzung  und  Flucht  gefragt  –  zum  Zeitpunkt der Befragung bereits über vier Jahre zurücklag. Auch  der  Vorwurf  des  BFM,  der  Beschwerdeführer  habe  nicht  sagen  können,  ob  es  sich  bei  seinen  Verfolgern  tatsächlich  um  Geheimdienstleute  gehandelt  habe,  ist  entschieden  zurückzuweisen.  Jener gab im Rahmen der Anhörung an, er habe die kleinformatige Karte,  welche die beiden Männer ihm gezeigt hätten, nicht genau sehen können,  jedoch  hätten  sich  diese  als  Geheimdienstleute  vorgestellt  (A10  S.  7).  Entsprechend  der  nachvollziehbaren  Entgegnung  in  der  Rechtsmitteleingabe  konnte  der  Beschwerdeführer  naturgemäss  nicht  wissen, ob die Angaben seiner Verfolger der Wahrheit entsprachen. 

E­55/2009 Schliesslich  lässt  auch  die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  die  genaue  Anzahl  der  nachfolgenden  Hausbesuche  nicht  zu  nennen  vermochte,  nicht  darauf  schliessen,  dass  dieselben  nicht  stattgefunden  hätten.  Es  wäre  dem  Beschwerdeführer  gewiss  ein  Leichtes  gewesen,  sich  auf  eine  willkürliche  Anzahl  festzulegen.  Da  es  sich  aber  bei  den  Hausbesuchen nicht um selbsterlebte Ereignisse handelt und die  für  ihn  entscheidende  Information  darin  bestand,  dass  die  Behörden  nach  ihm  suchten, lässt sich aus seiner Aussage ("Ich weiss es überhaupt nicht, ich  war nicht zu Hause gewesen.  […] Er  [der Vater] sagte mir nur, dass  ich  auf mich aufpassen solle und mich nicht im Quartier blicken lassen solle",  vgl. A10 S. 9) nichts zu seinen Ungunsten ableiten. Vielmehr handelt es  sich  beim  Eingeständnis  dieser  nachvollziehbaren  Unkenntnis  um  ein  Realkennzeichen,  welches  eher  für  die  Glaubhaftigkeit  seines  Sachvortrages spricht. 4.3.2.  Das  BFM  erachtet  den  geltend  gemachten  Verfolgungskomplex  rund um den vorgenannten Korankurs auch insoweit als unglaubhaft, als  die  entsprechenden  Ausführungen  in  wesentlichen  Punkten  der  allgemeinen  Erfahrung  respektive  der  Logik  des  Handelns  widersprächen.  Auch  diese  Feststellung  vermag  in  verschiedener  Hinsicht nicht zu überzeugen, wie nachfolgend aufzuzeigen ist. Zunächst  stellt  das  BFM  in  Abrede,  dass  Geheimdienstagenten  einen  religiöses Wissen vermittelnden Kurs besuchen würden, da sie dort keine  Leute  finden  würden,  welche  für  sie  von  Interesse  wären.  Wie  jedoch  allgemein  bekannt  ist,  überwachen  die  iranischen  Behörden  –  dies  gilt  auch für den Zeitraum vor dem Machtantritt von Präsident Ahmadinejad –  die  politischen  Aktivitäten  ihrer  Staatsangehörigen  im  In­  und  Ausland  sehr  genau  und  erfassen  dieselben  systematisch.  Vor  diesem  Hintergrund ist ohne Weiteres denkbar, dass Angehörige eines iranischen  Geheimdienstes  –  zu  denken  ist  nebst  dem  Nachrichtendienst  Etelaat  etwa  an  die  paramilitärische Miliz  der Basitschi  –  dem Korankurs  eines  Mullahs  beiwohnen,  sofern  dieser  zuvor  durch  gemässigte  oder  gar  regimekritische  Interpretationen  heiliger  Schriften  ins  Blickfeld  der  Behörden geraten  ist. Über die Beweggründe  für  die Kursteilnahme der  mutmasslichen  Geheimdienstleute  stellt  der  Beschwerdeführer  auf  Nachfrage  zwar  Mutmassungen  an  ("Ich  habe  keine  Ahnung,  aber  sie  wollten andere Regimeleute [sic.] finden"; vgl. A10 S. 7), ob ihr Interesse  jedoch den anderen Kursteilnehmern  oder  aber  dem Mullah  selbst  galt,  kann  er  letztlich  nur  erahnen.  Dass  iranische  Geheimdienstleute  auf  öffentliche  Regimekritik  mit  harschem  Einschreiten  reagieren,  ist 

E­55/2009 wiederum gerichtsnotorisch. Angesichts der Gegebenheiten im Iran lässt  sich  die  Darstellung  des  Beschwerdeführers  –  entgegen  der  vorinstanzlichen  Feststellung  –  ohne  weiteres  mit  der  allgemeinen  Erfahrung und der Logik des Handelns vereinbaren. Weiter  erachtet  es  das  BFM  als wenig  nachvollziehbar,  dass  der  Vater  des  Beschwerdeführers,  welcher  ihn  aussagegemäss  zur  Vorsicht  geraten  habe,  ihn  nach  dem  Korankurs  selbst  der  Polizei  ausgeliefert  habe. Dabei verkennt die Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer dieses  Vorgehen durchaus plausibel zu begründen vermag. So seien wiederholt  Agenten im Elternhaus des Beschwerdeführers in F._______ erschienen,  hätten den Vater  unter Druck gesetzt  und  ihm  insbesondere angedroht,  ihn anstelle des Beschwerdeführers zu verhaften, sollte sich dieser nicht  stellen. Aus diesem Grund habe sich der Vater gezwungen gesehen, das  Haus zu vermieten und mit der Familie nach G._______ zu ziehen. Die  Bedrohungslage habe sich im (…) Monat des Jahres 1382 (entsprechend  dem  Zeitraum  zwischen  […]  2003)  akzentuiert,  da  sein  Bruder  H._______,  welcher  nichts  mit  der  Angelegenheit  zu  tun  gehabt  habe,  festgenommen worden sei (A10 S. 9 f.). Bei dieser Sachlage vermag die  klärende  Darstellung  in  der  Rechtsmitteleingabe,  wonach  zur  Lösung  dieses Dilemmas habe abgewogen werden müssen, welcher Umstand –  Untertauchen  des  Beschwerdeführers  mit  weiteren  Schikanen  für  die  Familienangehörigen  oder  Zusammenarbeit  mit  den  Behörden –  erträglicher  sei,  zu  überzeugen.  Dass  sich  der  Beschwerdeführer  angesichts  des  verstärkten  Leidensdrucks  seiner  Angehörigen  und  in  Unkenntnis  des  Ausmasses  der  ihm  drohenden  Konsequenzen  auf  Anraten des Vaters dazu entschieden hat, sich den Behörden zu stellen,  kann vernünftigerweise nachvollzogen werden. Die dem Gericht bekannte  und  glaubhaft  geschilderte  Vorgehensweise  der  iranischen  Behörden,  Druck  auf  Angehörige  einer  gesuchten  Person  auszuüben,  wird  schliesslich zusätzlich gestützt durch das am 24. März 2010 eingereichte  Beweismittel  (gerichtliche Vorladung vom […]). Diesem Dokument  ist zu  entnehmen,  dass  das Haus  des Vaters  nach  dessen Wegzug mit  einer  Kaution  belegt wurde  und  in  den Besitz  der Stadt  übergehe,  sollte  sich  der Beschwerdeführer nicht – wohl  im Zusammenhang mit den jüngeren  Ereignissen (vgl. hierzu Ziff. 4.5.) – bei den Behörden melden. Weiter  ist  nicht  einsehbar,  weshalb  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen sein sollte, auf dem Basar einen der  ihn abführenden Agenten  zur Seite zu stossen und durch die Menschenmenge zu entfliehen. Dabei  ist  zu  berücksichtigen,  dass  es  sich  bei  ihm  um  (…)  handelt.  Dem 

E­55/2009 psychiatrischen  Gutachten  vom  18. November 2008  ist  zudem  zu  entnehmen,  dass  er  bei  einer  Körpergrösse  von  (…)  zeitweilig  (…)  gewogen  habe  (S.  36),  er  mithin  (…).  Bei  dieser  Sachlage  ist  ohne  weiteres denkbar, dass er auf einem stark bevölkerten öffentlichen Platz  die Situation in der geschilderten Weise für sich nutzen vermochte. Schliesslich  hält  es  das  BFM  für  unlogisch,  dass  sich  der  Beschwerdeführer nach der misslungenen Verhaftung zuerst nach Hause  und  anschliessend  zu  seiner  Schwester  sowie  weiteren  Verwandten  begeben  haben  will.  Allerdings  drängt  sich  die  Frage  auf,  welche  Handlungsalternativen  ihm  denn  zur  Verfügung  gestanden  hätten.  So  kann nicht  leichthin  angenommen werden,  dass  dem Beschwerdeführer  ein  sichereres  Versteck  zugänglich  gewesen  wäre.  Die  in  der  Rechtsmitteleingabe  geschilderte  Vorgehensweise,  wonach  er  sich  tagsüber  ausser  Haus  und  nachts  abwechselnd  bei  verschiedenen  Angehörigen  aufgehalten  habe,  steht  nach  Auffassung  des  Bundesverwaltungsgerichts  mit  der  allgemeinen  Logik  durchaus  im  Einklang. 4.3.3. Zu den geltend gemachten Konsequenzen dieser Ereignisse – der    Inhaftierung  in  einem Gefängnis  des  Nachrichtendienstes  und  den  dort  erfolgten Misshandlungen – äussert sich das BFM nicht weiter. Vielmehr  schliesst  die  Vorinstanz  aus  der  Feststellung,  dass  dem  Beschwerdeführer  die  Vorgeschichte  nicht  geglaubt  werden  könne,  gleichsam auf Unglaubhaftigkeit der Folgeereignisse.  Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist vorab festzustellen, dass der  Beschwerdeführer  die  geltend  gemachte  Inhaftierung  in  einen  glaubhaften Kontext  bettete, welcher mit  der  typischen Vorgehensweise  der iranischen Sicherheitskräfte vereinbar ist. Die Darstellung, wonach er  nach erfolgter Festnahme wiederholt danach gefragt worden sei, welcher  Partei  oder Gruppierung er angehöre,  fügt  sich nahtlos  in das stimmige  Bild.  Mit  Blick  auf  die  Schilderung  der  erlittenen  Misshandlungen  ist  zudem  festzustellen,  dass  diese  in  beklemmender  Weise  authentisch  wirkt. Die entsprechende Protokollstelle (vgl. A10 S. 10) weist diverse, für  die Glaubhaftigkeit des Sachvortrages sprechende Realkennzeichen auf,  so beispielsweise die Wiedergabe von Gesprächen ("Sie sagten mir, dass  hier  der  Nachrichtendienst  der  Judikativen  sei"),  die  Schilderung  ausgefallener  und  nebensächlicher  Einzelheiten  ("[...]  in  einem  Auto  fuhren sie mich irgendwo innerhalb der Stadt B._______. Ich konnte dies  vom  Lärm  hören.";  "Als  ich  unter  der  Dusche  war,  habe  ich  plötzlich 

E­55/2009 angefangen zu zittern. Sie haben eine freigelegte Leitung  in der Dusche  gehabt und diese wurde nass"), Eingeständnisse von Erinnerungslücken  ("Ich wurde nach ein paar Sekunden ohnmächtig. [...] Als ich zu mir kam,  sah  ich,  dass  ich  allein  und  nackt  in  einem  Einzelzimmer  war.  ")  und  raum­zeitliche Verknüpfungen  ("Nach Beendigung  der Befragung wurde  ich  wieder  in  die  Zelle  zurückgebracht.  Immer  nach  ein  paar  Tagen  passierte  wieder  das  gleiche.  Sie  bestellten  mich  nach  oben  zur  Befragung und dann erfolgte die Folter. Ich kann sagen, im ersten Monat  als  ich  dort  war,  wurde  ich  drei  bis  vier  Mal  so  gefoltert").  Auch  wenn  solche Realkennzeichen  nur  einen  indiziellen Wert  haben,  ist  ein  hoher  qualitativer  und  quantitativer  Ausprägungsgrad  der  Realkennzeichen  doch  typisch  für  eine  Richtigaussage  und  lässt  immerhin  eine  Charakterisierung der zu beurteilenden Aussagen zu. 4.4. Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzuhalten, dass  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  ein  stimmiges  Gesamtbild  ergeben. Nach Abwägung der  dafür  und dagegen  sprechenden Gründe  im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  erachtet  es  das  Bundesverwaltungsgericht  als  glaubhaft,  dass  Angehörige  des  Nachrichtendienstes  im  (…)  2001  versuchten,  den  Beschwerdeführer  festzunehmen,  dieser  zunächst  fliehen  und  in  der  Folge  untertauchen  konnte  und  sich  schliesslich  infolge  des  auf  seine  Angehörigen  ausgeübten  Drucks  den  Behörden  gestellt  hat.  Auch  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  (…)  in  einem  privaten  Gefängnis  des  Nachrichtendienstes  festgehalten  und  in  der  geschilderten  Weise  misshandelt wurde.    4.5.  Hinsichtlich  der  weiteren  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  (Haftstrafe  wegen  unerlaubten  Verlassens  des  Militärdienstes  […],  Haftstrafe  wegen  illegalen  Grenzübertritts  […],  Handgemenge  mit  den  Pasdaran  […])  erkannte  das  BFM,  diese  vermöchten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zu  genügen. Indem  das  BFM  diese  Vorfälle  jeweils  losgelöst  von  ihrem  Kontext  abhandelt,  verkennt  es,  dass  eine  schlüssige  Beurteilung  der  Asylrelevanz der vorstehend behandelten Vorfälle und  insbesondere der  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  begründete  Furcht  vor  künftigen  ernsthaften Nachteilen hat, nur unter Vornahme einer Gesamtbetrachtung  sinnvoll möglich ist.

E­55/2009 Exemplarisch  kann  dies  anhand  des  Vorfalls  aus  dem  Jahr  2004  verdeutlicht  werden.  Dabei  wurde  der  Beschwerdeführer  unbestrittenermassen  von  Geheimdienstagenten,  die  ihn  im  Nachgang  einer  Kundgebungsteilnahme  wiedererkannt  hatten,  mit  dem  Auto  angefahren. Nach  der  Behandlung  seiner  Verletzung wurde  er  zu  einer  Haftstrafe  von  (…)  verurteilt.  Es  fällt  auf,  dass  die  zuvor  erfolgten  Verurteilungen  wegen  gravierender  Verfehlungen  (Militärdienstverweigerung,  illegale  Ausreise)  mit  Haftstrafen  von  (…)  erheblich milder ausgefallen sind. Mithin entsteht der Eindruck, dass sich  das  behördliche  Interesse  an  der Ruhigstellung  des Beschwerdeführers  im Laufe der  letzten Jahre gesteigert hat. Vor diesem Hintergrund kann  die Feststellung des BFM, wonach nicht davon auszugehen sei, dass der  Beschwerdeführer  den  iranischen  Behörden  vor  seiner  Ausreise  aus  politischen Gründen bekannt gewesen sei, nicht geteilt werden.  4.6. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG  liegt  vor,  wenn  konkreter  Anlass  zur  Annahme  besteht,  die  Verfolgung  werde mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit geschehen,  wobei  eine  vor  der  Ausreise  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  stattgefundene  Verfolgung  die  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  als  wohlbegründet  erscheinen  lassen  kann.  Dabei  genügt  es  nicht,  wenn  diese  Furcht  lediglich  mit  Vorkommnissen  oder  Umständen,  die  sich  früher oder später möglicherweise ereignen könnten, begründet wird. Ob  in  einem  bestimmten  Fall  eine  solche  Wahrscheinlichkeit  besteht,  ist  aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es müssen damit hinreichend Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung  vorhanden sein,  die bei  jedem Menschen  in  vergleichbarer  Lage Furcht  vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden.  Dennoch  ist  für  die  Bestimmung  der  begründeten  Furcht  nicht  allein  massgebend, was ein hypothetischer Durchschnittsmensch  in derselben  Situation  empfinden  würde.  Diese  rein  objektive  Betrachtungsweise  ist  zusätzlich durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das  gesicherte  Wissen  um  Konsequenzen  in  vergleichbaren  Fällen  zu  ergänzen: Wer bereits Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war und/oder  von  der  Verfolgung  von  Personen  mit  vergleichbarem  Risikoprofil  zuverlässig  weiss,  hat  objektive  Gründe  für  eine  ausgeprägtere  (subjektive)  Furcht.  Die  subjektive  Furcht  ist  diesfalls  bereits  dann  begründet, wenn  sie  zwar  diejenige eines  sich  in  der  gleichen Situation  befindlichen  Durchschnittsmenschen  übersteigt,  aber  trotzdem  nachvollziehbar  bleibt.  Die  erlittene  Verfolgung  beziehungsweise  die 

E­55/2009 begründete  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  muss  zudem  sachlich  und  zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat­ oder Herkunftsstaat und  grundsätzlich  auch  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  noch  aktuell  sein.  Schliesslich  muss  feststehen,  dass  die  von  einer  Verfolgung  bedrohte  asylsuchende Person über keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt  (vgl.  BVGE  2007/31  E.  5.2  ff.,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr.  32  E.  5,  EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.1  ff., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a, EMARK 1998  Nr. 4 E. 5d, EMARK 1994 Nr. 24 E. 8b.). Die begründete Furcht des Beschwerdeführers,  im Falle einer Rückkehr  in  den  Iran  asylrelevante  Nachteile  zu  erleiden,  erschliesst  sich  vorliegend  zunächst  aus  der  neuerlichen  gerichtlichen  Vorladung  vom  (…).  Hiermit  ist  die  geltend  gemachte  behördlichen  Suche  nach  ihm  belegt, weshalb davon auszugehen  ist, dass er  im Falle einer Rückkehr  bereits  am  Flughafen  in  Teheran  verhaftet  würde.   Angesichts  des  jahrelangen,  renitenten  Verhaltens  des  Beschwerdeführers  erscheint  im  länderspezifischen Kontext überwiegend wahrscheinlich, dass er diesfalls  mit  einer  politisch  motivierten  übermässigen  Bestrafung  (sog.  Polit­ Malus),  mithin mit  behördlichen  Verfolgungsmassnahmen  im  Sinne  von  Art. 3 AsylG zu rechnen hätte. Von einer landesinternen Fluchtalternative  ist  bei  einer  von  den  Behörden  des  Zentralstaates  ausgehenden  Verfolgungsgefahr nicht auszugehen, zumal der Beschwerdeführer in den  Verzeichnissen  der  Geheimdienste  vermerkt  sein  dürfte.  Nach  dem  Gesagten, erscheint seine subjektive Furchtvor Verfolgung im Sinne von  Art. 3 Abs. 1 AsylG unter auch objektiven Gesichtspunkten begründet. Ob  sich  die  Gefahr  einer  künftigen,  asylrelevanten  Verfolgung  durch  seine  exilpolitischen  Aktivitäten  (vgl.  Eingaben  vom  4. Juli 2006  und  vom  22. November 2006) weiter akzentuiert hat, kann vorliegend offenbleiben.  4.7.  Aus  den  angestellten  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. 4.8.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich Asyl. Flüchtlingen wird kein Asyl gewährt, wenn sie wegen  verwerflicher Handlungen dessen unwürdig sind oder wenn sie die innere  oder  äussere  Sicherheit  der  Schweiz  verletzt  haben  oder  gefährden  (Art. 53 AsylG). 

E­55/2009 Mit Urteil des Obergerichts des Kantons I._______ vom (…) 2009 wurde  der  Beschwerdeführer  der  (…)  schuldig  gesprochen  und  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  (…)  verurteilt.  Angesichts  dessen  ist  nachfolgend  zu  prüfen, ob Asylausschlussgründe im Sinne von Art. 53 AsylG vorliegen. 4.8.1.  Unter  den  Begriff  der  „verwerflichen  Handlungen“  (vgl.  EMARK  1993  Nr. 8  E. 6  S. 49 ff.,  1996  Nr. 18  E. 5 ff.,  2002  Nr. 9)  fallen  solche  Delikte,  die  dem  abstrakten  Verbrechensbegriff  von  Art. 9  Abs. 1  des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom  21. Dezember  1937  (StGB,  SR  311.0)  in  dessen  bis  zum  31. Dezember  2006  gültigen  Fassung  entsprechen.  Als  Verbrechen  definiert  wird  dort  jede  mit  Zuchthaus  bedrohte  Straftat.  Das  nach  der  am  1. Januar  2007  in  Kraft  getretenen  Teilrevision heute geltende StGB definiert in Art. 10 Abs. 2 jene Straftaten  als Verbrechen, die mit mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht sind.  4.8.2. Liegt eine entsprechende Delinquenz vor, ist ausserdem zu prüfen,  ob  die  Rechtsfolge  des  Asylausschlusses  auch  eine  verhältnismässige  Massnahme  darstellt  (siehe  EMARK  1996  Nr. 40  S. 354 f.,  2002  Nr. 9  S. 82  ff.).  In Betracht zu ziehen sind dabei unter anderem das Alter des  Beschwerdeführers  im  Zeitpunkt  der  Tatbegehung,  allfällige  Veränderungen  der  Lebensverhältnisse  nach  der  Tat,  die  Wahrscheinlichkeit  der  erneuten  Begehung  von  Straftaten  sowie  die  Frage,  wie  lange  die  Tat  bereits  zurückliegt,  wobei  die  strafrechtlichen  Verjährungsbestimmungen zu berücksichtigen sind. 4.8.3. Die Strafdrohung  für  eine  (…)  liegt  bei  (…) Freiheitsstrafe. Damit  handelt  es  sich  beim  vom  Beschwerdeführer  begangenen  Delikt  klarerweise um ein Verbrechen im Sinne von Art. 10 Abs. 2 StGB. Damit  ist die erste Tatbestandsvariante von Art. 53 AsylG erfüllt. 4.8.4.  Aufgrund  einer  Abwägung  aller  Umstände  im  vorliegenden  Einzelfall  ist  ferner  nicht  von  der  Unverhältnismässigkeit  des  Asylausschlusses auszugehen.  Zugunsten des Beschwerdeführers ist insbesondere die Einschätzung der  Psychiatrischen  Universitätsklinik  I._______  im  Gutachten  vom  18. November 2008  anzuführen.  Hieraus  sind  namentlich  keine  Umstände  ersichtlich,  die  darauf  schliessen  lassen  würden,  beim  Beschwerdeführer  handle  es  sich  um  eine  grundsätzlich  gewaltbereite  Person,  von welcher  eine Gefahr  für  die Sicherheit  und Ordnung  in der  Schweiz  ausgehen  könnte.  Vielmehr  wird  hier  das  Bild  eines  jungen 

E­55/2009 Mannes gezeichnet, der – wenngleich die aussergewöhnliche Bedrohung  durch die iranischen Sicherheitskräfte offenbar nicht zu einer Belastungs­  oder Persönlichkeitsstörung  geführt  hat  –  seinen  leidvollen Erfahrungen  und seiner Wut über Jahre (…). Mithin wurde (…) diagnostiziert, dies als  "spezifische  Reaktion  auf  das  Gefühl  lebensbelastender  Ereignisse"  (S. 71).  Gerade  die  im  Gutachten  rekapitulierte  Lebensgeschichte  (vgl.  S. 31 bis 51) des Beschwerdeführers  lässt diese  letztgenannte Reaktion  zumindest nachvollziehbar erscheinen. Andererseits  ist  zu  beachten,  dass  der  Beschwerdeführer  als  vorläufig  aufgenommener Flüchtling ohnehin in der Schweiz bleiben kann. Sodann  ist die von  ihm begangene,  (…) als schwere Straftat zu bezeichnen. Da  der  Begehungszeitpunkt  (…)  2007 war,  träte  die  Verfolgungsverjährung  erst  im Jahr 2022 ein  (vgl. Art. 97 Abs. 1 Bst. b StGB).   Im Sinne einer  Gesamtbetrachtung  erscheint  ein  Asylausschluss  infolge  "verwerflicher  Handlungen" im Sinne von Art. 53 AsylG als gerechtfertigt.  5.  Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 und  Art. 7 AsylG erfüllt sind. Indessen ist dem Beschwerdeführer infolge zuvor  festgestellter Asylunwürdigkeit die Gewährung von Asyl zu verweigern. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Da der Beschwerdeführer weder über eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen  verfügen,  wurde  die  Wegweisung  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  EMARK 2001 Nr. 21). 6.2.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 6.3. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 

E­55/2009 den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in  ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet  ist oder in dem sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG  und  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Der  Beschwerdeführer  erfüllt  die  Flüchtlingseigenschaft.  Er  darf  damit  aufgrund  des  flüchtlingsrechtlichen  Refoulementverbots  nach  Art. 5  Abs. 1 AsylG und Art. 33 Abs. 1 FK nicht zur Ausreise in sein Heimatland  gezwungen werden. Das BFM hat den Vollzug der Wegweisung damit zu  Unrecht als zulässig bezeichnet.  Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung des  BFM vom 28. November 2008 teilweise Bundesrecht verletzt. In teilweiser  Gutheissung  der  Berschwerde  sind  die  Ziffern 1  (Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft)  und  4  (Vollzug  der  Wegweisung)  der  angefochtenen  Verfügung  aufzuheben.  Im  Übrigen  ist  die  Beschwerde  abzuweisen.  Das  BFM  ist  anzuweisen,  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers anzuerkennen und  ihn als Flüchtling  in der Schweiz  vorläufig aufzunehmen. 7.  7.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  von  insgesamt Fr. 600.– nach dem Grad des Durchdringens praxisgemäss zu  einem Drittel dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5  VwVG; Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Da  sein  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  jedoch  mit  prozessleitender  Verfügung  vom  9. Januar 2009  gutgeheissen  wurde,  werden keine Kosten auferlegt. 7.2. In einem nicht aussichtslosen Verfahren wird einer mittellosen Partei  ein Anwalt bestellt wird, wenn dies zur Wahrung  ihrer Rechte notwendig  ist  (Art.  65  Abs.  2  VwVG).  Für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  ist  ausschlaggebend,  ob  die  Partei  zur Wahrung  ihrer Rechte notwendigerweise der professionellen juristischen Hilfe eines  Anwaltes bedarf (vgl. dazu BGE 122 I 49 E. 2c S. 51 ff.; BGE 120 Ia 43 E.  2a  S.  44  ff.).  In  Verfahren,  welche  –  wie  das  vorliegende  –  vom 

E­55/2009 Untersuchungsgrundsatz beherrscht sind, sind strenge Massstäbe an die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  anzusetzen  (vgl.  EMARK 2000 Nr.  6  sowie BGE 122  I  8 E.  2c S.  10)  Im asylrechtlichen  Beschwerdeverfahren geht es  im Wesentlichen um die Feststellung des  rechtserheblichen  Sachverhalts.  Daher  sind  zur  wirksamen  Beschwerdeführung  besondere  Rechtskenntnisse  im  Regelfall  nicht  unbedingt  erforderlich,  weshalb  praxisgemäss  die  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  2  VwVG  nur  in  den  besonderen  Fällen  gewährt  wird,  in  welchen  in  rechtlicher  oder  tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten bestehen. Das vorliegende  Verfahren  erscheint  weder  in  tatsächlicher  noch  in  rechtlicher  Hinsicht  besonders  komplex,  weshalb  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist. 7.3.  Dem  teilweise  obsiegenden  und  im  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  vertretenen  Beschwerdeführer  ist  zu  Lasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen  (Art. 64  Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  Es  wurde  vom  Rechtsvertreter  keine  Kostennote  eingereicht.  Der  notwendige Vertretungsaufwand lässt sich  indes aufgrund der Aktenlage  zuverlässig  abschätzen,  weshalb  praxisgemäss  auf  die  Einholung  einer  solchen  verzichtet  wird  (Art.  14  Abs.  2  VGKE).  In  Anwendung  der  genannten  Bestimmungen  und  unter  Berücksichtigung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (Art.  8  ff.  VGKE)  ist  die  Parteientschädigung  von  Amtes  wegen  grundsätzlich  auf  pauschal  Fr. 1800.–  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteueranteil)  festzusetzen.  Dabei  ist  die  hohe  Qualität  der  Beschwerdeeingabe  einerseits  und  andererseits  der  Umstand  zu  berücksichtigen,  dass  die  umfangreich  dokumentierten,  exilpolitischen  Tätigkeiten  des  Beschwerdeführers  vorliegend keinen Einfluss auf den Verfahrensausgang hatten. Nach dem  Grad  des  Durchdringens  ist  die  Parteientschädigung  praxisgemäss  um  einen  Drittel  zu  reduzieren.  Die  vom  BFM  auszurichtende  Parteientschädigung beträgt damit Fr. 1'200.–.  (Dispositiv nächste Seite)

E­55/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  darin  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  infolge  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  beantragt  wird.  Weitergehend wird die Beschwerde abgewiesen. 2.  Die  Ziffern  1  und  4  des  Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom  28. November 2008 werden aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, den  Beschwerdeführer  wegen  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  als  Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wird abgewiesen. 5.  Dem  Beschwerdeführer  wird  zu  Lasten  des  BFM  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 1'200.–  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteueranteil) zugesprochen. 6.   Dieses  Urteil  geht  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Jan Feichtinger

E-55/2009 — Bundesverwaltungsgericht 24.02.2012 E-55/2009 — Swissrulings