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Bundesverwaltungsgericht 27.01.2012 E-5182/2009

January 27, 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,655 words·~8 min·1

Summary

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 3. Juli 2009

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­5182/2009 Urteil   v om   2 7 .   J a nua r   2012   Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richterin Gabriela Freihofer,    Gerichtsschreiberin Esther Karpathakis. Parteien A._______ und ihre Kinder B._______, C._______ und  D._______, Sri Lanka,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 3. Juli 2009 / N_______.

E­5182/2009 Sachverhalt: A.   Die  Beschwerdeführerin  gelangte mit  Schreiben  vom  25.  April  2008  an  die Schweizerische Botschaft in Colombo und suchte für sich und ihre drei  Kinder um Asyl nach. Sie  führte dazu aus,  ihr Ehemann habe das Land  zwei Jahre zuvor verlassen müssen; er habe als  (…) gearbeitet und sei  aufgrund  der  zunehmenden  Gewalt  an  Leib  und  Leben  gefährdet  gewesen. Sie machte weiter geltend, am (…) 2008 hätten Polizisten sie  zu Hause aufgesucht und nach ihrem Ehemann gefragt. Sie hätten ihn im  Zusammenhang  mit  einer  Person  namens  E._______  befragen  wollen,  die unter dem  "Prevention of Terrorism Act"  festgenommen worden sei.  An seiner Stelle hätten sie  zunächst die Beschwerdeführerin als Zeugin  ins  (…) Camp mitnehmen wollen,  dann  aber  davon  abgesehen,  als  sie  ihnen  gesagt  habe,  dass  sie  nichts  über  E._______  wisse  und  ihr  Ehemann zwei Jahre zuvor in die Schweiz ausgereist sei. Ihrem Gesuch  legte  sie  ein  fremdsprachiges  Dokument  in  Kopie  bei  –  gemäss  der  ebenfalls eingereichten Übersetzung ins Englische eine Vorladung der Sri  Lanka Police, (…), datierend vom (…) 2008 und lautend auf F._______,  der am (…) 2008 um 9 Uhr zur Zeugenaussage in der Sache E._______  im (…) Camp zu erscheinen habe. B.  B.a Mit Schreiben vom 7. Mai 2008 forderte die Schweizerische Botschaft  in Colombo die Beschwerdeführerin auf, detailliert zu begründen, weshalb  sie Sri Lanka verlassen wolle. B.b  In  ihrer  Eingabe  vom  17.  Mai  2008  führte  die  Beschwerdeführerin  aus,  sie  sei  bereits  vor  dem  Ereignis  vom  (…)  2008  von  Polizisten  belästigt worden, nämlich am (…) und  (…) 2006 sowie am (…) und am  (…) 2007, jeweils wegen ihres Ehemannes, der für eine NGO gearbeitet  und aufgrund seiner Gefährdung das Land verlassen habe. Sie habe sich  infolge der Bedrohungen an die Human Rights Commission of Sri Lanka  (HRC)  und  das  Internationale  Komitee  für  das  Rote  Kreuz  gewandt.  Aufgrund  ihrer  tamilischen  Ethnie  und  Herkunft  aus  dem  Osten  Sri  Lankas seien sie und ihre Kinder im ganzen Land gefährdet. Schliesslich  fügte sie an,  im Jahre 1989 durch Schüsse verletzt worden zu sein. Mit  der Eingabe wurden diverse Identitätsdokumente und die Bestätigung der  Registrierung einer Klage seitens der HRC vom (…) 2008, alles in Kopie,  eingereicht.

E­5182/2009 C.  Mit  Notiz  vom  24.  Juni  2008  überwies  die  Schweizerische  Botschaft  in  Colombo die Eingaben der Beschwerdeführerin dem BFM zur Prüfung. D.  In  ihren  Schreiben  an  die  Botschaft  vom  24.  Juli,  7.  Oktober  und  22.  Dezember  2008  suchte  die Beschwerdeführerin  um  rasche Behandlung  ihres Gesuches  nach;  Entführungen  und  Tötungen  in  G._______  seien  häufig, man  fordere Geld von  ihr und sie werde bedroht.  Inzwischen sei  ihr  Ehemann  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommen  worden,  und  sie  ersuche darum, mit ihren Kindern möglichst rasch zu ihm in die Schweiz  reisen zu können.  Ihren Eingaben  legte sie ein Unterstützungsschreiben  eines  Rechtsanwalts  aus  G._______  vom  16.  Juli  2008  und  ein  Bestätigungsschreiben der HRC vom 27. November 2008 bei. In  einem  weiteren  Schreiben  vom  18.  März  2009  führte  die  Beschwerdeführerin  aus,  am  11.  Februar  2009  habe  sich  eine  unbekannte Person  telefonisch nach  ihrem Ehemann erkundigt und von  ihr  Geld  gefordert.  Für  den  Fall,  dass  sie  der  Forderung  nicht  nachkomme,  habe  man  ihr  mit  einem  Bombenattentat  und  Entführung  gedroht.  Am  25.  Februar  2009  habe  sie  erneut  einen  solchen  Anruf  erhalten, und nachdem sie geantwortet habe, dass sie nicht so viel Geld  besitze, sei sie beschimpft und mit weiteren Anrufen bedroht worden. Sie  befürchte das Schlimmste, zumal drei Tage zuvor in G._______ ein Kind  entführt  und,  als  die  Eltern  den  Geldforderungen  nicht  nachgekommen  seien, umgebracht worden sei. E.  Mit  Schreiben  vom  22.  April  2009  gab  das  BFM  der  Schweizerischen  Botschaft  in  Colombo  Einsicht  in  die  Akten  des  Ehemannes  der  Beschwerdeführerin und bat, diese zu befragen. F.  Am  (…)  2009  wurde  die  Beschwerdeführerin  auf  der  Schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  zu  ihren  Ausreisegründen  angehört  (Protokoll:  B13).  Sie  machte  geltend,  1989  sei  ihre  Mutter  von  Mitgliedern  der   Eelam  People's  Democratic  Party  (EPDP)  erschossen  und  sie  selbst  durch  Schüsse  verletzt  worden.  Seit  2006  werde  sie  von  Angehörigen  unbekannter  Gruppierungen  bedroht.  Im  Oktober  2007  seien  zwei  unbekannte Personen zu ihr nach Hause gekommen, hätten nach ihrem  Ehemann gefragt und das Haus durchsucht;  sie hätten sie angewiesen, 

E­5182/2009 niemandem von ihrem Kommen zu erzählen. Aufgrund der Geschehnisse  von  1989  gehe  sie  davon  aus,  dass  die Urheber wiederum Angehörige  der  EPDP  gewesen  seien, möglicherweise  auch Anhänger  der  Karuna­ Gruppe,  jedenfalls  arbeiteten  sie  mit  der  sri­lankischen  Regierung  zusammen. Im Februar 2009 hätten unbekannte Personen sie telefonisch  aufgefordert, eine Summe von – umgerechnet – Fr. 3000.− zu zahlen. Für  den  Fall,  dass  sie  der  Forderung  nicht  nachkomme,  habe  man  ihr  gedroht, eine Bombe zu legen oder sie und ihre Kinder zu entführen. Sie  habe  der  Person  gesagt,  dass  sie  nicht  über  einen  solchen  Betrag  verfüge; später sei sie nochmals auf die gleiche Weise bedroht worden. Die  Beschwerdeführerin  machte  weiter  geltend,  auch  von  srilankischen  Sicherheitskräften  belästigt  worden  zu  sein.  Am  (…)  2008  hätten  Angehörige der  (…) Police Station sie aufgesucht und sie anstelle  ihres  Ehegatten  als  Zeugin  ins  (…)  Camp  mitnehmen  wollen.  Sie  habe  sich  geweigert mitzugehen und sich an das HRC in G._______ gewandt, das  gegenüber  den  Polizisten  bestätigt  habe,  dass  sie  nichts  mit  den  Häftlingen  zu  tun  habe,  in  deren  Zusammenhang  ihr  Ehemann  hätte  befragt werden sollen. Einen Monat  später  seien wieder  zwei Polizisten  zu  ihr nach Hause gekommen, hätten sich als Angehörige des Criminal  Investigation  Department  (CID)  ausgewiesen  und  ihr  auf  grobe  Art  und  Weise Vorwürfe gemacht, weil sie sich ans HRC gewandt habe.  Zu ihren Lebensverhältnissen führte die Beschwerdeführerin aus, sie sei  in  H._______  geboren,  wo  sich  noch  ihr  Vater,  ein  Bruder  und  eine  Schwester  mit  ihren  Familien  aufhielten.  In  Jaffna  wohnten  weitere  Verwandte; und sie selbst  lebe seit 14 Jahren in G._______, zusammen  mit  ihren  drei  Kindern,  ihrer  Neffen  und  Nichten  und  ihrer  Schwiegermutter.  Ebenfalls  in  G._______  lebe  eine  weitere  Schwester  mit  ihrer  Familie.  Sie  gehe  keiner  Erwerbstätigkeit  nach,  sondern  bestreite den Lebensunterhalt aus der Unterstützung, die ihr Ehemann ihr  aus der Schweiz zukommen lasse. F.a Mit Begleitschreiben, in welchem sich die Verfasserin abschätzig über  die Erscheinung und das Verhalten der Beschwerdeführerin äusserte und  sie  namentlich  als  unglaubwürdig  bezeichnete,  überwies  die  Schweizerische Botschaft in Colombo das Protokoll der Befragung vom 4.  Juni 2009 am selben Tag dem BFM zur abschliessenden Beurteilung. G.  Mit  Schreiben  vom  5.  Juni  2009  stellte  die  Beschwerdeführerin  der 

E­5182/2009 Schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  eine  Kopie  des  Reisepasses  ihres Ehemannes zu und bat um förderliche Behandlung ihres Gesuches. H.  Mit  Verfügung  vom  3. Juli  2009  lehnte  das  BFM  die  Gesuche  der  Beschwerdeführerin um Einreise  in die Schweiz und um Asylgewährung  ab. Zur Begründung führte es aus, behördliche Nachforschungen, wie sie die  Beschwerdeführerin  für  den  (…)  2008  geltend mache,  stellten  aufgrund  der geringen Eingriffsintensität keine ernsthaften Nachteile  im Sinne des  Asylgesetzes dar. Aus den Akten gehe zudem hervor, dass sie seit über  einem Jahr von Seiten der sri­lankischen Behörden keine Schwierigkeiten  mehr  gehabt  habe;  ausserdem  sei  sie  am  3.  Juni  2009  problemlos mit  dem Zug  von G._______  nach Colombo  gelangt,  was  zweifellos  gegen  ein  Verfolgungsinteresse  der  Behörden  an  ihr  spreche.  Demzufolge  bestehe  auch  kein  Grund  zur  Annahme,  sie  werde  in  Zukunft  behördlicherseits  von  Schwierigkeiten  betroffen  sein,  die  für  die  Bewilligung  einer  Einreise  in  die  Schweiz  relevant  sein  könnten.  Die  geltend  gemachten  Belästigungen  seitens  unbekannter  Gruppierungen  beziehungsweise der EPDP in den Jahren 2006 und 2007 stellten keine  ernsthaften Nachteile dar, zumal die Ereignisse weit zurücklägen. Ebenso  wenig bedinge der Telefonanruf eines Unbekannten im Frühjahr 2009 die  Schutzgewährung  durch  die  Schweiz;  die  Beschwerdeführerin  habe  vielmehr  die  Möglichkeit,  sich  in  ihrem  Heimatland  gegen  derartige  Belästigungen  zur  Wehr  zu  setzen.  Die  eingereichten  Unterlagen  vermöchten nichts daran zu ändern, dass ihre Vorbringen keine Relevanz  hinsichtlich  einer  allfälligen  Einreisebewilligung  besässen,  weshalb  die  Frage  der  Glaubhaftigkeit  offen  gelassen  werden  könne.  Im  Übrigen  berechtige der Status ihres Ehemannes (vorläufige Aufnahme) nicht zum  Familiennachzug, weshalb die Einreise  in die Schweiz auch aus diesem  Grund zu verweigern sei. Die  Schweizerische  Vertretung  in  Colombo  leitete  diese  Verfügung  mit  Begleitschreiben vom 17. Juli 2009 an die Beschwerdeführerin weiter. I.  I.a.  Mit Eingabe vom 7. August 2009 gelangte die Beschwerdeführerin an  die Schweizerische Botschaft in Colombo und rekurrierte gegen die BFM­ Verfügung  vom  3.  Juli  2009;  sie  beantragte  sinngemäss  deren  Aufhebung,  die  Bewilligung  zur  Einreise  in  die  Schweiz  und  die 

E­5182/2009 Asylerteilung. Zur Begründung machte  sie  im Wesentlichen geltend,  sie  habe sich wegen der Drohungen zeitweise bei Verwandten und Freunden  aufgehalten,  auch wenn  sie  die Eingaben an die Schweizer Botschaft –  der  Erreichbarkeit  wegen  –  stets  mit  dem  gleichen  Absender  versehen  habe.  Sie  sei  absichtlich  mit  dem  Zug  nach  Colombo  gereist,  weil  sie  davon  ausgegangen  sei,  wegen  der  vielen  Passagiere  viel  weniger  gefährdet  zu  sein  als  in  einem  kleinen  Bus.  Im  Übrigen  würden  die  Belästigungen  andauern;  nach  ihrer  Rückkehr  aus  Colombo  habe  sie  erneut  nächtliche  Telefonanrufe  erhalten.  Man  habe  sie  nach  dem  Aufenthaltsort  ihres  Ehegatten  gefragt  und  Geld  von  ihr  gefordert.  Ihr  Sohn  E._______  sei  am  27.  Juni  2009  von  unbekannten  Personen  entführt,  nach  seinem  Vater  gefragt  und  nach  einigen  Stunden  freigelassen worden.  I.b.  Die  Botschaft  überwies  die  Beschwerde  mit  Schreiben  vom  18.  August  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht.  Dieses  bestätigte  mit  Zwischenverfügung vom 26. August 2009 den Eingang der Beschwerde. J.  Mit Eingaben vom 10. Oktober 2010 und vom 27. August 2011 teilte die  Beschwerdeführerin  mit,  sie  habe  mit  ihrer  Familie  den  Aufenthaltsort  gewechselt  wegen  der  ständigen  Belästigungen.  Unbekannte  Personen  würden Minderheiten,  insbesondere Frauen, angreifen. Die Situation sei  für  sie  als  alleinstehende  Mutter  sehr  schwierig,  weshalb  sie  bitte,  mit  ihrem Mann in der Schweiz zusammenleben zu können. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021). Das BFM gehört  zu den Behörden nach Art. 33 VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG  liegt nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asylrechts  in  der  Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  (Art. 105  des 

E­5182/2009 Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1  des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das  VGG  nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2  Die  angefochtene  Verfügung  wurde  der  Beschwerdeführerin  frühestens  am  17.  Juli  2009  (vgl.  so  datiertes  Begleitschreiben)  weitergeleitet.  Die  Beschwerde  vom  7.  August  2009  ging  dann  laut  entsprechendem  Eingangsstempel  am  11.  August  2009  bei  der  Schweizerischen Botschaft in Colombo ein. Damit ist die Beschwerdefrist  offensichtlich  gewahrt;  die  Rechtsmitteleingabe  entspricht  auch  den  einschlägigen  Formvorschriften  (Art. 108  Abs. 1  AsylG,  Art. 37  VGG  i.V.m. Art. 52 VwVG). Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  ist  daher  zur  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf  die Beschwerde wird einzutreten. Das  BFM  hat  die  angefochtene  Verfügung  einzig  an  die  Beschwerdeführerin adressiert. Diese hat  jedoch  ihre – damals alle noch  minderjährigen – Kinder von Beginn an in ihr Asylgesuch eingeschlossen.  Diese  sind  mithin,  soweit  im  Zeitpunkt  des  Beschwerdeentscheides  immer  noch  minderjährig,  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  ebenfalls legitimiert.  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.   3.1  Wird  im  Ausland  ein  Asylgesuch  gestellt,  so  überweist  die  schweizerische  Vertretung  das  Asylgesuch  mit  einem  Bericht  dem  Bundesamt. Dieses bewilligt Asylsuchenden die Einreise  in die Schweiz  zur  Abklärung  des  Sachverhalts,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden  kann, am Wohnsitz­ oder Aufenthaltsort zu bleiben oder in einen anderen  Staat auszureisen (Art. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib am  Wohnsitz­  oder Aufenthaltsort  namentlich  dann, wenn die  asylsuchende  Person  schutzbedürftig  ist.  Schutzbedürftig  im  Sinne  des  Asylgesetzes  sind  Personen,  die  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  gefährdet  sind,  also  in 

E­5182/2009 ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie wohnen, wegen ihrer Rasse,  Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken;  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen. 3.2  Die  Einreisebewilligung  kann  einer  gesuchstellenden  Person  entweder  im  Hinblick  auf  eine  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Asylgewährung  oder  im  Hinblick  auf  die  Abklärung  des  Sachverhaltes erteilt werden. Wird die Erteilung einer Einreisebewilligung  verweigert, weil die gesuchstellende Person keine Gefährdung  im Sinne  von Art. 3 und  7  AsylG  darzutun  vermochte  oder  ihr  zugemutet  werden  kann,  einen  Drittstaat  um  Schutz  zu  ersuchen,  kann  das  BFM  mit  der  Verweigerung der Einreisebewilligung das Asylgesuch materiell ablehnen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 12 E. 7 mit Hinweis). 3.3    Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive  Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungsmöglichkeiten  in  der  Schweiz  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  BVGE 2011/10 E. 3.3 mit Hinweisen). 4.  4.1.   Ausschlaggebend  für die Erteilung der Einreisebewilligung  ist nach  dem Gesagten zunächst die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Person,  mithin  die  Prüfung  der  Frage,  ob  eine Gefährdung  im Sinne  von  Art.  3  AsylG glaubhaft gemacht wurde (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3).  Nach  Lehre  und  Rechtsprechung  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  die  Flüchtlingseigenschaft  im Sinne von Art. 3 AsylG – beziehungsweise  ist,  wenn  sie  sich  im  Ausland  aufhält,  in  diesem  Sinne  schutzbedürftig  –,  wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und  in absehbarer Zukunft  mit  gutem Grund  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  befürchten muss, 

E­5182/2009 die  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  zugefügt  zu  werden  drohen  und  vor  denen  sie  keinen  ausreichenden  staatlichen  Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f., 2008/4 E. 5.2 jeweils  mit weiteren Hinweisen). 4.2.  Das  BFM  hat  die  Frage  der  Glaubhaftigkeit  der  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  Vorbringen  offengelassen.  Tatsächlich  erübrigt  sich  aufgrund  der  nachfolgenden Erwägungen  eine  abschliessende Prüfung.  In Anbetracht  von  im Befragungsprotokoll  vom  4.  Juni  2009  (B13)  enthaltenen  unnötigen  und  zynischen Bemerkungen  seitens der befragenden Person und dem  in ebensolcher Art  verfassten  Bericht vom selben Datum, den die Schweizerische Botschaft in Colombo  ans  BFM  überwies,  wird  der  guten  Ordnung  halber  hier  festgehalten,  dass  das Bundesverwaltungsgericht  seinerseits  keinen Anlass  sieht,  an  der  persönlichen  Glaubwürdigkeit  der  Beschwerdeführerin  zu  zweifeln,  zumal sie ihre und die Identität ihrer Kinder offengelegt hat, ihre Angaben  weitgehend  stimmig  ausgefallen  sind  und  ihre  Ausführungen  sich  ohne  Weiteres mit  jenen ihres Ehegatten in seinem Asylverfahren vereinbaren  lassen  (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­6079/2006 vom 21.  Dezember 2011). 4.3.  Das  BFM  erachtete  in  der  angefochtenen  Verfügung  die  Schutzbedürftigkeit  der  Beschwerdeführenden  im  Sinne  der  massgeblichen  Bestimmung  nicht  als  gegeben.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  aus  folgenden  Gründen  zum  selben  Schluss:  4.3.1. Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Belästigungen  und Drohungen sind zwar nicht zu verniedlichen, das BFM qualifiziert sie  aber zutreffend mangels Intensität nicht als ernsthafte Nachteile im Sinne  von  Art.3  AsylG.  Das  gilt  ebenso  für  die  auf  Beschwerdestufe  geltend  gemachten  weiteren  Übergriffe  wie  etwa  die  anonymen  Telefonanrufe,  mit  welchen  man  von  der  Beschwerdeführerin  unter  Drohungen  Geld  gefordert habe, und für die Entführung von D._______. Diesbezüglich ist  festzuhalten, dass dessen Entführung nur einige Stunden gedauert habe  und  offenbar  nicht  mit  Misshandlungen  verbunden  gewesen  ist.  Die  geltend gemachten Belästigungen gereichen schliesslich auch insgesamt  nicht zur Annahme eines "unerträglichen psychischen Druckes" im Sinne  von Art. 3 Abs. 2 AsylG. Die Anforderungen an einen solchen Druck sind  hoch; er  ist erst dann anzunehmen, wenn die Betroffenen aus objektiver  Sicht aufgrund der Benachteiligungen einem so starken Druck ausgesetzt 

E­5182/2009 sind,  dass  ein  menschenwürdiges  Leben  verunmöglicht  oder  in  unzumutbarer  Weise  erschwert  wird  und  eine  derart  unerträgliche  psychische Belastung darstellt, dass sie sich nur durch Flucht ins Ausland  entziehen  können  (vgl.  BVGE  2010/28  E.  3.3.1.1 mit  Hinweisen).  Auch  wenn  die  Beschwerdeführenden  sich  laut  ihren  Angaben  zeitweise  bei  Verwandten  oder  Freunden  aufgehalten  haben  –  laut  zwei  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  des  Ehemannes  eingereichten  Bestätigungsschreiben vom November 2011 leben sie nun wieder an der  ursprünglichen  Adresse  –,  lag  und  liegt  hier  eine  solchermassen  umschriebene Situation nicht vor. Dazu  fehlt es sowohl an der Schwere  der einzelnen Eingriffe als auch an deren Häufigkeit. Bezeichnenderweise  scheinen  die  Kinder,  Neffen  und  Nichten  der  Beschwerdeführerin  auch  ihre  Ausbildung  wahrnehmen  zu  können  (jedenfalls  im  Zeitpunkt  der  Befragung, (…) 2009, B13 S. 8). Die  von  der  Beschwerdeführerin  erwähnten  Ereignisse  aus  dem  Jahr  1989  fallen  im Hinblick  auf  eine  aktuelle  Schutzbedürftigkeit  nicht mehr  ins  Gewicht.  Die  Beschwerdeführerin  selbst  leitet  daraus  nichts  Entscheidendes ab, sondern zieht sie nur heran, um zu erklären, weshalb  sie annahm, bei den unbekannten Personen, die sie belästigten, hätte es  sich  um  Angehörige  der  damals  verantwortlichen  EPDP  gehandelt.  Im  Übrigen  führt  sie  alle  Belästigungen,  die  sie  und  ihre  Familie  seit  der  Ausreise des Ehemannes und Vaters betroffen hätten – abgesehen von  der  nicht  weiter  präzisierten  Bemerkung  in  der  jüngsten  Eingabe,  die  Minderheiten,  darunter  insbesondere  die  Frauen,  würden  von  unbekannten Personen angegriffen – auf die Nachforschungen nach ihm  zurück. 4.3.2.  Nachdem  die  Beschwerdeführenden  ihre  eigene  Gefährdung  im  Wesentlichen  auf  jene  ihres  Ehemannes  beziehungsweise  Vaters  zurückführen, fällt schliesslich entscheidend gegen ihre geltend gemachte  Schutzbedürftigkeit  ins  Gewicht,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  in  Bezug auf den Ehemann jüngst zum Schluss gekommen ist, dieser sei im  heutigen  Zeitpunkt  in  Sri  Lanka  nicht  in  asylrechtlich  relevanter  Weise  gefährdet (vgl. E. 7.4.1 und 7.4.2 seines Urteils). Seit der Beendigung des  militärischen Konflikts zwischen der sri­lankischen Armee und den LTTE  ist  abschliessend  ganz  allgemein  auf  die  erheblich  verbesserte  Lage  in  Sri Lanka hinzuweisen, wobei nicht übersehen wird, dass sich das Land  noch  in  einem  Entwicklungsprozess  befindet.  Zu  diesem  Schluss  kam  das Bundesverwaltungsgericht in einer umfassenden Analyse der Lage in  Sri  Lanka,  die  es  im  vergangenen  Herbst  im  Rahmen  eines  Urteils  http://www.ark-cra.ch/emark/2000/17.htm#158

E­5182/2009 vorgenommen hat;  insbesondere die Sicherheitslage habe sich nach der  militärischen  Vernichtung  der  LTTE  im  Frühjahr  2009  in  bedeutsamer  Weise stabilisiert (BVGE E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011).  4.3.3.  Insgesamt  erfüllen  die  Beschwerdeführenden  die  Anforderungen  an  die  Schutzbedürftigkeit  im  Sinne  der  massgeblichen  Bestimmungen  bereits deshalb nicht, weil sie weder bisher ernsthafte Nachteile im Sinne  von Art. 3 AsylG erlitten, noch solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  und  in absehbarer Zukunft zu befürchten haben. Damit erübrigt es sich,  auf die weiteren Ausführungen  in den Eingaben der Beschwerdeführerin  und die eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzugehen.  4.4. Das BFM erwog  in der angefochtenen Verfügung schliesslich, auch  unter  dem  Aspekt  einer  Familienzusammenführung  könne  der  Beschwerdeführerin  keine  Einreisebewilligung  erteilt  werden,  da  sein  Aufenthalt  mit  dem  Status  eines  vorläufig  Aufgenommenen  nicht  zu  einem Familiennachzug berechtige.  Diesbezüglich  ist  allerdings  ausdrücklich  festzuhalten,  dass  entgegen  dieser Erwägung der Status des Ehemannes der Beschwerdeführerin als  vorläufig  aufgenommene Person  nach Schweizer Recht  unter  gewissen  Voraussetzungen  sehr  wohl  einen  Familiennachzug  des  Ehegatten  und  der  ledigen  Kinder  unter  18  ermöglicht  (vgl.  Art.  85  Abs.  7  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]),  wobei  namentlich  eine  dreijährige  Aufenthaltsdauer  nach  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  gegeben  sein  muss.  Nachdem  dieses  Zeiterfordernis  mittlerweile  erfüllt  ist  –  der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  wurde  am  18.  März  2008  vorläufig  aufgenommen  –  wäre  ein  allenfalls  von  ihm  einzureichendes  entsprechendes Gesuch vom BFM unter diesem Aspekt zu prüfen.  4.5. Zusammenfassend  hat  das BFM  zu Recht  der  Beschwerdeführerin  die Bewilligung der Einreise in die Schweiz verweigert und ihr Asylgesuch  abgewiesen.  5.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.

E­5182/2009 6.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die zu erhebenden Kosten  im  Umfang von Fr. 600.−  (Art. 1  ff. des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  den  Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).  (Dispositiv nächste Seite)  

E­5182/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.− werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  die  Schweizerische  Vertretung in Colombo und das BFM. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Stöckli Esther Karpathakis Versand:  

E­5182/2009 Zustellung erfolgt an: – die  Beschwerdeführenden,  durch  Vermittlung  der  Schweizerischen  Vertretung  in  Colombo,  Srik  Lanka  (per  EDA­Kurier;  Beilage:  Einzahlungsschein) – die Schweizerische Vertretung in Colombo, Sri Lanka mit der Bitte um  Eröffnung  des  Urteils  an  die  Beschwerdeführenden  und  um  Zustellung  der  beiliegenden  Empfangsbestätigung  an  das  Bundesverwaltungsgericht (Ref.­Nr. 131.41 COF/KTS 8128 (in Kopie) – das BFM, Asyl und Rückkehr, Zentrale Verfahren und Rückkehr, mit  den Akten N_______ (in Kopie)

E-5182/2009 — Bundesverwaltungsgericht 27.01.2012 E-5182/2009 — Swissrulings