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Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 E-5081/2009

October 28, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,021 words·~15 min·1

Summary

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Juli 2009 / N

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­5081/2009 Urteil   v om   2 8 .   O k t ob e r   2011   Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter François Badoud, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, B._______, C._______, D._______, Iran, alle vertreten durch lic. iur. Randi von Stechow,  (…), Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 21. Juli 2009 / N (…).

E­5081/2009 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführenden  reisten  am  31.  Dezember  2006  von  Italien  herkommend in die Schweiz ein, wo sie am 2. Januar 2007 im Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  Kreuzlingen  Asylgesuche  stellten.  Nach  den  Kurzbefragungen  vom  6.  Februar  2007  wurden  sie  für  die  Dauer  des  Verfahrens dem Kanton E._______ zugeteilt. B.  Mit  Verfügung  vom  21.  Februar  2007  ordnete  das  BFM  gestützt  auf  Art. 42 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  die vorsorgliche Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Italien an.  Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 22. Februar 2007  hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 11. Mai 2007 gut, hob  die  Verfügung  vom  21.  Februar  2007  auf  und  wies  die  Sache  zur  Neubeurteilung an das BFM zurück. C.  Am  15.  Juni  2007  führte  das  BFM  direkte  Befragungen  der  Beschwerdeführenden 1 – 3 durch. Die  aus  F._______  stammenden  Beschwerdeführenden  brachten  zur  Begründung  ihrer  Asylgesuche  im Wesentlichen  vor,  sie  hätten  sich  für  die  monarchistische  Bewegung  Andjomane­e  Padeshahe­e  Iran  engagiert  und  seien  zum  zoroastrischen  Glauben  konvertiert.  Insbesondere die Beschwerdeführerin 2 habe ab August/September 2004  Propaganda  für  den  TV­Sender  der  genannten  Bewegung,  „Your  TV“,  gemacht.  Die  Beschwerdeführenden  1  und  2  seien  am  12.  Mai  2005  unter  dem  Vorwurf  der  Gefährdung  der  nationalen  Sicherheit  festgenommen  worden.  Bei  einer  darauffolgenden  Hausdurchsuchung  seien  nebst  Büchern  über  die  zaratustrische  Lehre,  Videoaufnahmen,  CDs mit verbotener Musik und ihren Identitätsdokumenten auch mehrere  Liter  selbstgemachter  Alkohol  gefunden  und  beschlagnahmt  worden.  Nach  einem  Verhör  beim  Gericht  in  F._______  seien  sie  in  Untersuchungshaft  in  der  Abteilung  209  im  Evin­Gefängnis  in  Teheran  verbracht  worden.  Der  Beschwerdeführer  1  sei  am  9.  Juli  2005,  die  Beschwerdeführerin  2  am  28. Juli  2005,  nach  Hinterlegung  von  zwei  Besitzurkunden an einem Grundstück  im Wert  von 50 beziehungsweise  100  Mio  Tuman,  freigelassen  worden.  In  der  Folge  seien  sie  im  Februar/März  2006  zweimal  vom  Revolutionsgericht  in  F._______  zusammen  vorgeladen  und  verhört  worden.  Anlässlich  des  zweiten 

E­5081/2009 Verhörs  am  7.  März  2006  sei  die  Beschwerdeführerin  2  erneut  festgenommen worden und sei bis am 21. Juli 2006 in Untersuchungshaft  in  F._______  gewesen.  Wegen  Propaganda  gegen  die  nationale  Sicherheit,  Kollaboration  mit  regimefeindlichen  Exil­Gruppierungen,  Beleidigung  der  islamischen  Heiligkeiten  und  Herstellung  alkoholischer  Getränke  sei  im  März/April  2006  vor  dem  Revolutionsgericht  in  F._______ Anklage gegen sie erhoben worden und sie seien anlässlich  einer  Vorladung  vom  Juli  2006  in  allen  Punkten  schuldig  gesprochen  worden.  Mitte  August  2006  sei  dann  das  Urteil  verkündet  worden:  Die  Beschwerdeführenden  1  und  2  seien  je  zu  sechs  Jahren Haft  verurteilt  worden, wovon  fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden seien, der  Beschwerdeführer  1  darüber  hinaus  zu  74  Peitschenhieben.  Die  ihnen  auferlegte unbedingte Haftstrafe sei ihnen erlassen worden, da sie bereits  zwei  respektive  acht  Monate  in  Untersuchungshaft  verbüsst  hätten.  Soweit  die Beschwerdeführerin  2  betreffend,  sei  die Sache  danach  ans  Appellationsgericht  (Tajdid­e  Nazar)  weitergeleitet  worden,  welches  für  religiöse  Straftatbestände  zuständig  sei.  Im  Juni/Juli  2006  habe  vor  diesem  Gericht  eine  Verhandlung  stattgefunden,  wobei  wegen  Beleidigung  des  Propheten  (Saab  Al­Nabi)  die  Todesstrafe  gefordert  worden  sei.  Die  Beschwerdeführerin  2  sei  vom  5.  bis  etwa  19. August  2006 erneut in Untersuchungshaft im Gefängnis G._______ in F._______  gewesen und dann gegen Stellung einer weiteren Kaution (Besitzurkunde  an einem Haus im Wert von 50 Mio Tuman) freigelassen worden. Am 29.  oder  30. September  2006  hätte  sie  erneut  zu  einer  Verhandlung  erscheinen sollen, sei dieser aber ferngeblieben, weil sie und ihre Familie  sich  seit  dem  17.  September  2006  in  H._______  versteckt  hätten.  Am  17. Dezember  2006  seien  sie mit  gefälschten  ägyptischen Reisepässen  mithilfe  eines  Schleppers  illegal  in  die  Türkei  ausgereist,  von wo  sie  in  einem  Lastwagen  versteckt  und  per  Zug  in  die  Schweiz  gelangt  seien.  Zur  Stützung  ihrer  Vorbringen  reichten  die  Beschwerdeführenden  ein  Urteil  des  Landesgerichts  der  islamischen  Republik  Iran  vom  (…),  betreffend  die  Beschwerdeführenden  1  und  2,  und  eine  gerichtliche  Verfügung  vom  (…)  betreffend  die  Ablehnung  der  Herausgabe  der  als  Kaution  hinterlegten  Liegenschaften,  beide  in  Kopie,  sowie  weitere  Dokumente  in Kopie  hinsichtlich  als Kaution  hinterlegter  Liegenschaften  zu den Akten. D.  Mit  Eingaben  ihrer  Rechtsvertreterin  vom  14.  November  2007  und  12. Juni  2008  reichten  die  Beschwerdeführenden  ein  Bestätigungsschreiben der Vertretung der Anjoman­e Padeshahi­e Iran in 

E­5081/2009 London  vom  10. September  2007,  einen  Zeitungsartikel  mit  einem  Suchaufruf  des  Arbeitgebers  des  Beschwerdeführers  (…)  vom  14.  Oktober  2007,  inklusive  Übersetzung,  die  Mitteilung  des  Gerichts  betreffend  Kündigung  des  Beschwerdeführers  vom  25.  August  2007,  inklusive  Übersetzung,  eine  Augenbinde,  einen  Personalausweis  der  Beschwerdeführerin  2  im Original,  eine Quittung  betreffend  eine  für  die  Freilassung  bezahlte  Kautionssumme,  ein  an  das  UNHCR  gerichtetes  Bittschreiben in Kopie sowie eine Kopie der Adressetikette des Pakets mit  welchem ihnen die Beweismittel aus dem Heimatland zugestellt wurden,  ein.   E.  Mit Schreiben vom 7. August 2008 ersuchte das BFM die Schweizerische  Botschaft  in  Teheran  um  Abklärungen  betreffend  die  von  den  Beschwerdeführenden  eingereichten  Gerichtsdokumente  sowie  zur  Frage, ob diese legal ausgereist seien.  In ihrer Antwort vom 4. Dezember 2008 führte die Botschaft aus, dass der  Entscheid  des  Untersuchungsausschusses  der  (…)  betreffend  die  Entlassung  des  Beschwerdeführers  inhaltliche  Mängel  aufweise,  die  Schreiben  der  Staatsanwaltschaft  in  F._______  als  Fälschungen  zu  erachten seien und es nicht möglich sei, dass die Beschwerdeführenden  in  Teheran  für  eine  in  F._______  begangene  Tat  verfolgt  und  inhaftiert  worden seien. F.  Mit Schreiben ihrer Rechtsvertreterin vom 25. Februar 2009 machten die  Beschwerdeführenden  von  dem  ihnen  vom  BFM  mit  Verfügung  vom  16. Februar  2009  eingeräumten  Recht  zur  Stellungnahme  zur  Botschaftsauskunft  Gebrauch  und  reichten  das  Begleitschreiben  zum  Entlassungsbescheid des Beschwerdeführers 1 ein. G.  Mit  Verfügung  vom  21.  Juli  2009  stellte  das  BFM  fest,  dass  die  Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen  würden  und wies ihre Asylgesuche ab. Zur Begründung führte das Bundesamt im  Wesentlichen  aus,  ihre  Vorbringen  hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7 AsylG nicht  stand. Des Weiteren  ordnete  das  Bundesamt  die  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Auf  die  detaillierte  Begründung  wird –  soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen.

E­5081/2009 H.  Mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertreterin  vom  11.  August  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht  beantragten  die  Beschwerdeführenden  die  Aufhebung  der  Verfügung  des  BFM  vom  21.  Juli  2009  sowie  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  des  Asyls.  Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  ihnen  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  In  formeller  Hinsicht  ersuchten  sie  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  Erwägungen  eingegangen.  Zum  Beleg  ihrer  Vorbringen  reichten  die  Beschwerdeführenden folgende Dokumente ein: eine CD­Rom mit Fotos  der  Beschwerdeführerin  2  in  Haft,  eine  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft an das Strafgericht von F._______ und ein Urteil des  öffentlichen Strafgerichts von F._______ vom (…),  jeweils  in Kopie, eine  Verfügung des Gerichts von F._______ betreffend Verwertung eines von  den  Beschwerdeführenden  als  Kaution  hinterlegten  Immobilie  in  Kopie,  eine  Kopie  der  Stellungnahme  vom  25.  Februar  2009  sowie  mehrere  Ausdrucke von Aufnahmen von Demonstrationen in der Schweiz, welche  von  der  Beschwerdeführerin  auf  ihrer  Facebook­Seite  sowie  auf  www.youtube.com veröffentlicht wurden. I.  Mit  Zwischenverfügung  vom  13.  August  2009  bestätigte  der  zuständige  Instruktionsrichter den Eingang der Beschwerde und stellte fest, dass die  Beschwerdeführenden  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten könnten. J.  Mit  Zwischenverfügung  vom  27.  August  2009  forderte  der  Instruktionsrichter  die  Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführenden  auf,  eine Vollmacht  des Beschwerdeführers  einzureichen.  Ferner wurde  das  Gesuch  der  Beschwerdeführenden  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gutgeheissen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet.  Schliesslich  wurden  die  Beschwerdeführenden  aufgefordert,  die  mit  der  Beschwerde  eingereichten  fremdsprachigen  Dokumente  in  eine  Amtssprache  übersetzen zu lassen.

E­5081/2009 K.  Mit  Eingabe  vom  7.  September  2009  reichte  die  Rechtsvertreterin  fristgerecht eine Vollmacht des Beschwerdeführers nach. L.  Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 10. September 2009 reichten die  Beschwerdeführenden die geforderten Übersetzungen der zu den Akten  gereichten fremdsprachigen Gerichtsdokumente ein. M.  In ihrer Vernehmlassung vom 16. September 2009 hielt die Vorinstanz an  ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. N.  Mit  Zwischenverfügung  vom  22.  September  2009  wurde  den  Beschwerdeführenden  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  zur  Vernehmlassung  gegeben.  Mit  Eingabe  vom  8.  Oktober  2009  machten  sie  von  dieser  Möglichkeit  Gebrauch  und  reichten  unter  anderem  eine  Speicherkarte eines Mobiltelefons  sowie zwei Ausdrucke von auf dieser  Karte gespeicherten Fotos der Beschwerdeführerin 2 im Gefängnis ein.    O.  Mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertretung  vom  23.  März  2010  reichten  die  Beschwerdeführenden einen Artikel des Tagesanzeigers vom 28. Januar  2010  sowie  Kopien mehrere  Fotos  ein,  welche  die  Beschwerdeführerin  anlässlich einer Kundgebung vor der UNO­Niederlassung in Genf am 15.  und 16. Februar 2010 zeigen. P.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  27.  Juli  2011  forderte  der  Instruktionsrichter  die  Beschwerdeführenden  auf,  einen  Bericht  einzureichen,  welcher  Aufschluss  über  die  Situation  der  Familie  und  insbesondere Anhaltspunkte bezüglich der Integration der minderjährigen  Tochter D._______ in der Schweiz gebe. Mit  Eingabe  vom  31.  August  2011  reichten  die  Beschwerdeführenden  innert  Frist  einen  entsprechenden  Bericht  sowie  diverse  Beweismittel  (Bestätigung  der Schulen  I._______ betreffend Tochter D._______  vom  15. August  2011,  Schulberichte  beziehungsweise  ­zeugnisse  betreffend  D._______  vom  4.  Juli  2008,  2.  Juli  2010,  9.  Juli  2010,  8.  Juli  2011,  Diplom  der  Jugendmusikschule  I._______  betreffend  D._______  vom  26. Februar 2011, Unterstützungsschreiben der Arbeitgeberin der Tochter 

E­5081/2009 C._______  vom  11.  August  2011,  Lehrvertrag  von  C._______  vom  1. März  2011,  Zertifikat  telc  Deutsch  B1  betreffend  C._______  vom  16. Dezember 2010) zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  Abs. 1  AsylG  sowie  Art. 105  ASylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

E­5081/2009 sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Das BFM stellte sich zur Begründung der angefochtenen Verfügung  auf  den  Standpunkt,  es  seien  erhebliche  Zweifel  an  den  von  den  Beschwerdeführenden  vorgebrachten  politischen  Aktivitäten  und  der  daraus  erwachsenen  Verfolgung  gerechtfertigt.  So  hätten  sie  keine  Anklage­ und Urteilsschriften vorgelegt, obwohl ihnen dies zumutbar und  möglich gewesen wäre.  Ihr Erklärung,  diese Dokumente  seien noch bei  den  Gerichten  und  das  Urteil  sei  ihrem  Rechtsanwalt  nur  mündlich  eröffnet worden, entspreche nicht dem üblichen Vorgehen der iranischen  Gerichte.  Es  erscheine  zudem  vor  dem  Hintergrund  der  ihr  vorgeworfenen  Delikte  unwahrscheinlich,  dass  die  Beschwerdeführerin  immer  wieder  aus  der  Untersuchungshaft  entlassen  worden  sei.  Die  Unglaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Verfolgung  werde  durch  die  Ergebnisse  der  Botschaftsabklärung  gestützt.  Demnach  fehle  im  Kündigungsschreiben des Beschwerdeführers 1 ein Hinweis auf den von  den  Beschwerdeführenden  vorgebrachten  Hintergrund  der  Kündigung,  obwohl  eine  strafrechtliche  Verfolgung  wegen  politischer  Aktivitäten  Eingang  in  eine  derartige  Verfügung  gefunden  hätte.  Zudem  seien  im  Rahmen  der  Botschaftsabklärung  die  beiden  Gerichtsdokumente  vom  (…)  als  Fälschungen  taxiert  worden  und  es  sei  als  tatsachenwidrig  bezeichnet worden, dass die Beschwerdeführenden wegen in F._______  begangener  Delikte  in  ein  Gefängnis  in  Teheran  überführt  und  vor  ein  dortiges Gericht  gestellt worden  sein  sollen.  Es  gebe  keinen Grund,  an  diesen  Einschätzungen  zu  zweifeln,  und  die  diesbezüglichen  Einwände  der  Beschwerdeführenden  vermöchten  nicht  zu  überzeugen.  Auch  die 

E­5081/2009 weiteren,  von  ihnen eingereichten Beweismittel  seien nicht  geeignet,  zu  einer  anderen  Einschätzung  zu  führen.  Namentlich  habe  das  Bestätigungsschreiben  der  Anjoman­e  Padeshahi­e  Iran  keinen  Beweiswert,  da  derartige  Schreiben  leicht  erhältlich  seien  und  überwiegend Gefälligkeitscharakter hätten. 4.2.  Die  Beschwerdeführenden  brachten  zur  Begründung  ihrer  Beschwerde im Wesentlichen vor, für die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen  spreche,  dass  sie  den  komplizierten  Sachverhalt  anlässlich  der  Befragungen detailliert und ohne Widersprüche dargelegt hätten. Die  im  erstinstanzlichen  Verfahren  vorgelegten  Fotos,  welche  die  Beschwerdeführerin  in  Haft  zeigen  würden,  seien  vom  BFM  nicht  gewürdigt worden, obwohl diese geeignet seien, die Glaubhaftigkeit ihrer  Vorbringen  zu  unterstreichen.  Dass  sie  keine  weiteren  Gerichtsdokumente  vorlegen  könnten,  sei  nachvollziehbar,  da  sie  nach  der  mündlichen  Urteilsverkündigung,  aber  vor  dem  Erlass  der  schriftlichen Begründung geflohen seien. Es sei ihnen nicht möglich, sich  die  allenfalls  mittlerweile  ergangene  schriftliche  Urteilsbegründung  von  ihrem Anwalt in der Heimat zustellen zu lassen, da dieser den Kontakt mit  ihnen  aus  Angst  vor  Verfolgung  ablehne.  Im  Zusammenhang  mit  den  betreffend  die  Verwertung  der  als  Kaution  hinterlegten  Grundstückstitel  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  1  eingeleiteten  Prozessen  habe  dessen  Mutter  einen  Rechtsanwalt  mandatiert.  Dieser  habe  die  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  Dokumente  beschaffen  können.  Im  Weiteren entspreche es durchaus den  iranischen Gepflogenheiten, dass  die Behörden Personen aus nicht nachvollziehbaren Gründen inhaftieren  und  gegen  eine  hohe  Kaution  wieder  freilassen  würden,  um  sich  unrechtmässig  zu  bereichern.  Gerade  die  aufgrund  der  hohen  Strafandrohung  geforderte  hohe  Kautionssumme  lasse  die  Freilassung  als  plausibel  erscheinen.  Bezüglich  des  auf  die  Botschaftsabklärung  gestützten  Vorwurfs  der  gefälschten  beziehungsweise  untauglichen  Beweismittel  werde  auf  die  Stellungnahme  vom  25.  Februar  2009  verwiesen,  welche  vom  Bundesamt  nicht  gewürdigt  worden  sei.  Die  Arbeitgeberin  des  Beschwerdeführers  habe  seine  Kündigung  nicht  mit  dessen  Regimekritik  begründet,  da  dies  für  sie  einen  Imageverlust  bedeutet hätte. Der Vorwurf, gewisse Beweismittel seien gefälscht, werde  zurückgewiesen.  Die  Beschaffung  der  Bestätigung  der  Andjomane­e  Padeshahe­e  Iran  habe  viel  Zeit  und  Aufwand  benötigt,  was  für  deren  Authentizität spreche. Die Verfolgung durch die  iranischen Behörden sei  nach  wie  vor  aktuell.  Der  Vater  der  Beschwerdeführerin  sei  von  Angehörigen  der  Sicherheitsbehörden  der  Spionage  beschuldigt  und 

E­5081/2009 geschlagen  worden,  weil  er  in  Kontakt  zu  ihnen,  den  Beschwerdeführenden,  stehe.  Im  Übrigen  hätten  sie  sich  auch  in  der  Schweiz  politisch  betätigt.  So  habe  die  ganze  Familie  an  einer  Demonstration  in  J._______  am  9.  Juli  2009  teilgenommen  und  die  Beschwerdeführerin 2 sei bei einer Protestkundgebung in K._______ aus  Anlass  eines  Besuchs  des  Präsidenten  Ahmadinejad  anwesend  gewesen. Sie habe auf ihrer Facebook­Seite Berichte zu regimekritischen  Kundgebungen gesammelt und kommentiert. Es sei davon auszugehen,  dass diese Aktivitäten den Geheimdiensten bekannt seien.  4.3.  In  ihrer  Vernehmlassung  stellte  die  Vorinstanz  fest,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  sehr  wohl  Widersprüche  und  Ungereimtheiten  enthalten  würden,  auf  deren  Aufzählung  aber  in  Anbetracht  der  übrigen  gewichtigen  Unglaubhaftigkeitselemente  verzichtet worden sei. Die Beschwerdeführenden hätten nicht begründet,  warum die auf Beschwerdeebene eingereichten Gerichtsdokumente erst  zu diesem Zeitpunkt vorgelegt worden seien. Es handle sich zudem um  Kopien,  welche  fälschungsanfällig  und  ohne  Beweiswert  seien.  Die  drohende  Zwangsversteigerung  von  Grundstücken  der  Familie  müsse  einen  andern  Hintergrund  haben.  Schliesslich  vermöchten  auch  die  Fotoaufnahmen, welche die Beschwerdeführerin 2 in Haft zeigen sollten,  deren  Inhaftierung  nicht  zu  belegen,  da  es  sich  um  private  undatierte  Aufnahmen  handle,  welche  keine  identifizierbare  Umgebung  zeigen  würden. 4.4.  Die  Beschwerdeführenden  führten  in  ihrer  Replikeingabe  im  Wesentlichen  aus,  der  Verzicht  auf  eine  Aufzählung  der  in  ihren  Vorbringen  festgestellten  Widersprüche  erscheine  widersprüchlich,  da  gerade  die  Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Verfolgungssituation  Gegenstand des Verfahrens sei und sie diese detailliert  geschildert  und  mit  mehreren  Beweisstücken  untermauert  hätten.  Dass  die  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  Gerichtsdokumente  erst  nachträglich  hätten beschafft werden können, sei in der Beschwerdeschrift hinlänglich  erläutert  worden.  Der  Vorwurf  der  fehlenden  Fälschungssicherheit  und  damit  des  fehlenden  Beweiswerts  dieser  Dokumente  vermöge  nicht  zu  verfangen. Es sei zu beachten, dass derartige Aktenstücke an iranischen  Gerichten  in  der  Regel  handschriftlich  verfasst  würden  und  damit  den  Anschein erweckten, nicht fälschungssicher zu sein. Ferner stünden ihre  Ausführungen  zum  Hintergrund  der  drohenden  Zwangsversteigerung  eines  Familiengrundstücks  im  Einklang  mit  den  diesbezüglich  eingereichten Dokumenten. Das Bundesamt vermöge nicht einleuchtend 

E­5081/2009 zu begründen, weshalb diese aus einem anderen Grund erfolgen sollte.  Auf der eingereichten Speicherkarte, auf welcher die Fotoaufnahmen der  Beschwerdeführerin  gespeichert  seien,  seien  die Daten  der  Aufnahmen  klar  ersichtlich  (25. Dezember  1384  und  3.  Januar  1385).  Diese Bilder,  welche sie beim Telefonieren hinter einer vergitterten Glasscheibe zeigen  würden, seien kaum manipulierbar, zumal weitere Häftlinge zu erkennen  seien, und sie seien demnach entgegen der Auffassung des Bundesamts  geeignet, ihre Inhaftierung zu belegen.  5.  5.1. Bei der Beurteilung, ob die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht  ist,  geht  es  um  eine  Gesamtwürdigung  aller  Sachverhaltselemente,  die  für oder gegen die asylsuchende Person sprechen (vgl. Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1996 Nr. 28 E. 3a S. 270). Für die Glaubhaftigkeit von Fluchtvorbringen  sprechen  insbesondere: Übereinstimmung (zwischen den verschiedenen  Befragungen,  mit  den  Beweismitteln  und  Indizien,  mit  der  allgemeinen  Lage im Heimatgebiet, Vereinbarkeit mit dem dortigen Verfolgungsmuster  etc.), Kohärenz, Substanziiertheit, Plausibilität, Schlüssigkeit, Korrektheit  und Originalität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit und Offenheit  sowie gegebenenfalls die Weiterführung der  im Heimatland begonnenen  politischen  Aktivität.  Gegen  die  Glaubhaftigkeit  sprechen  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  sowie  aufgeblähte  Schilderungen  und  nachgeschobene  Vorbringen.  Glaubhaft  ist  eine  Sachverhaltsschilderung  dann,  wenn  die  positiven  Elemente  überwiegen.  Die  blosse  Plausibilität  reicht  aber  nicht  aus,  wenn  gewichtige  Umstände  gegen  die  Sachverhaltsdarstellung  sprechen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Peter  Uebersax/Beat  Rudin/Thomas  Hugi  Yar/Thomas  Geiser  {Hrsg.},  Ausländerrecht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis,  Band VIII,  Basel  u.a.  2009, S.  568, Rz.  11.149; EMARK  1996  Nr.  28  E.  3a  S. 270).  An  die  Glaubhaftmachung  dürfen  nicht  zu  strenge  Anforderungen  gestellt  werden  und  die  Argumentation  der  Behörden  darf  sich  nicht  in  blossen  Gegenbehauptungen  oder  allgemeinen  Vermutungen  erschöpfen.  Angesichts  des  reduzierten  Beweismasses  der  Glaubhaftmachung  besteht  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers. 

E­5081/2009 Entscheidend ist, ob eine Gesamtwürdigung aller Vorbringen ergibt, dass  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Gesuchstellers sprechen, überwiegen oder nicht (EMARK 2004 Nr. 1 E. 5  S. 4 ff., mit weiteren Hinweisen, EMARK 1993 Nr. 21 S. 134 ff., EMARK  1993 Nr. 11 S. 67 ff.). 5.2. Für die Glaubhaftigkeit der Beschwerdeführenden spricht vorab, dass  ihre Ausführungen anlässlich der Befragungen zu dem von ihnen geltend  gemachten  politischen  Engagement  und  den  gegen  sie  eingeleiteten  Gerichtsverfahren  sehr  detailreich  und  weitgehend  widerspruchsfrei  ausgefallen sind. Insbesondere haben sie die Umstände ihrer Verhaftung  am 12. Mai 2005 überaus ausführlich und detailliert geschildert und auch  bezüglich des Ablaufs der gegen sie eingeleiteten Gerichtsverfahren und  der  Umstände  der  verbüssten  Untersuchungshaft  enthalten  ihre  Darstellungen  viele  Einzelheiten  (Bezeichnung  und  Adressen  der  Gerichte  und  Gefängnisse,  Namen  der  beteiligten  Richter  und  Rechtsanwälte), welche als Realkennzeichen zu bewerten sind. 5.3.  Im  Weiteren  kann  der  Argumentation  des  BFM,  das  von  den  Beschwerdeführenden  geschilderte  Vorgehen  der  Gerichtsbehörden  sei  in  verschiedener  Hinsicht  realitätsfremd,  aus  nachfolgenden  Gründen  nicht gefolgt werden:  Die  iranischen  Gerichte  sind,  obwohl  ihre  Unabhängigkeit  in  der  Verfassung Irans vorgesehen ist, korrupt und unterliegen politischem und  religiösem Einfluss. Es liegen Berichte über willkürliche Verhaftungen und  Inhaftierungen  sowie  unfaire  Gerichtsverfahren  vor.  Die  gesetzlich  verankerten Verfahrensrechte der Angeklagten werden in der Praxis nicht  geachtet  (vgl.  hierzu  US  Department  of  State,  2010  Human  Rights  Report:  Iran,  8.  April  2011,  Section  1  e;  Amnesty  International  Report  2011  ­  Zur  weltweiten  Lage  der  Menschenrechte,  13.  Mai  2011,  Iran;  Bericht  des  Menschenrechtsrats  der  Vereinten  Nationen  (UN)  zur  Situation  der Menschenrechte  im  Iran  vom 14. März  2011).  Vor  diesem  Hintergrund  fällt  es  schwer,  zuverlässige  Aussagen  über  den  Verfahrensablauf  vor  iranischen  Gerichten  zu  machen  und  es  ist  demnach  bei  der  Bewertung  der  Realitätskonformität  diesbezüglicher  Vorbringen Zurückhaltung zu üben.  Ein  Transfer  der  Beschwerdeführenden  ins  Evin­Gefängnis  kann  jedenfalls entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht ausgeschlossen  werden,  zumal  ihnen  politische  Vergehen  vorgeworfen  wurden  und  im 

E­5081/2009 Evin­Gefängnis eine spezielle Abteilung für politische Gefangene besteht.  Derartige  Transfers  sind  denn  auch  mehrfach  durch  Menschenrechtsorganisationen  dokumentiert  worden  (vgl.  Iran  Human  Rights  Documentation  Center,  Islamic  Republic  of  Iran,  NGO Report  in  Response to the List of Issues Presented to the Islamic Republic of Iran,  Mai  2011,  S.  31;  Human  Rights  Activists  News  Agency  (HRANA),  Mohammad  Seyfzadeh  Transferred  to  Evin  Prison,  31.  Mai  2011,  publiziert  unter:  http://www.en­hrana.  org/index.php?option=com_content&view=article&id=348:mohammad­ seyfzadeh­transferred­to­evin­prison&catid=12:prisoners&Itemid=12).  Das Bundesverwaltungsgericht hat überdies in einem früheren Entscheid  eine  solche  Überführung  bereits  als  glaubhaft  bezeichnet  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­4310/2006  vom  30.  April  2007  E. 5.3.1,  S. 11).  Ebenso  ist  es  nach  Erkenntnissen  des Gerichts  nicht  unüblich,  dass  in  politischen  Verfahren  im  Iran  die  Urteile  den  Angeklagten  beziehungsweise  ihren Rechtsvertretern nicht ausgehändigt werden (UK  Home Office  Iran,  Country  of  Origin  Information  Report,  28.  Juni  2011,  Ziff.  11.54).  Zudem  ist  zu  beachten,  dass  die  iranischen  Gerichte  bezüglich  der  Frage,  ob  eine  Freilassung  auf  Kaution  gewährt  werden  soll,  und  der  Festlegung  der  Kautionssumme  einen  grossen  Ermessensspielraum haben. Freilassungen gegen Kaution werden auch  bei  schwerwiegenden  Anklagen  und  auch  bei  vor  Revolutionsgerichten  verhandelten Fällen  gewährt  (vgl.  Bericht  des  Immigration  and Refugee  Board  of  Canada  vom  10.  Juni  2003,  publiziert  unter  http://www.ecoi.net/local_link/53398/262019_de.html;  MICHAEL  KIRSCHNER/SCHWEIZERISCHE  FLÜCHTLINGSHILFE,  Iran:  Die  Praxis  von  iranischen Gerichten bei Hafturlaub und Kaution  für politische Häftlinge,  Auskunft der SFH­Länderanalyse, 31. Oktober 2005, S. 4f.). Die von den  Beschwerdeführenden  geschilderten  wiederholten  Freilassungen  der  Beschwerdeführerin auf Kaution erscheinen demnach nicht unrealistisch.  Auch die von den Beschwerdeführenden genannte Höhe der Kaution und  der  Umstand,  dass  diese  durch  die  Übertragung  von  Besitzurkunden  betreffend  Liegenschaften  beglichen  wurde,  entspricht  den  realen  Gegebenheiten  (UK  Home  Office,  Iran  ­  Country  of  Origin  Information  (COI) Report, 28. Juni 2011, Rz. 11.25). 5.4.  Soweit  sich  die  angefochtene  Verfügung  auf  das  Ergebnis  der  Botschaftsanfrage abstützt, ist Folgendes festzuhalten: 

E­5081/2009 Die beiden von den Beschwerdeführenden im erstinstanzlichen Verfahren  eingereichten  Gerichtsdokumente  vom  (…)  wurden  als  Fälschungen  bezeichnet,  mit  der  Begründung,  dass  eine  Codeformatnummer  am  Rande  des  Dokuments  fehle  und  nicht  das  Briefpapier  der  Justizadministration  verwendet  worden  sei.  Die  Beschreibung  der  festgestellten Mängel ist aber zu unsubstanziiert, als dass nachvollzogen  werden  könnte,  ob  es  sich  rechtfertigt,  daraus  auf  eine  Fälschung  der  Dokumente  zu  schliessen.  Insbesondere  ist  unklar,  was  mit  der  Bemerkung  "they  are  not  typed  on  the  stationary  of  Justice  Administration"  (vgl.  Schreiben  des  Vertrauensanwalts  der  Schweizerischen  Botschaft,  S.  2)  gemeint  ist.  Der  Begriff  "stationary"  wurde  in  der  Zwischenverfügung  des  BFM  vom  16.  Februar  2009  als  "Schreibgerät" wiedergegeben, wäre aber richtigerweise als "Briefpapier"  zu  übersetzen  gewesen.  In  diesem  Zusammenhang  ist  zu  berücksichtigen, dass die Dokumente lediglich in Kopie vorliegen. Zudem  führte die Beschwerdeführerin anlässlich der Befragung durch das BFM  aus, das Dokument Nr. 2  (Mitteilung des Urteils des Landesgerichts der  islamischen  Republik  Iran  vom  […])  sei  von  einem  Assistenzrichter  verfasst  worden.  Da  es  vom  zuständigen  Richter  als  nicht  rechtsgültig  erachtet  worden  sei,  habe  der  Assistenzrichter  in  der  Folge  das  Dokument  Nr.  1  (Ablehnung  der  Aushändigung  von  als  Sicherheit  hinterlegten  Besitzurkunden  vom  […])  ausgestellt  (vgl.  Anhörungsprotokoll  vom  15.  Juni  2007,  A38/18,  Seite  15).  Diese  Umstände  vermögen  gewisse  formale  Unzulänglichkeiten  des  erstgenannten  Dokuments  zu  erklären.  Bezüglich  des  Kündigungsschreibens  des  Arbeitgebers  des  Beschwerdeführers  erscheinen  angesichts  der  festgestellten  Unzulänglichkeiten  erhebliche  Zweifel an der Echtheit gerechtfertigt. Insbesondere erstaunt, dass die mit  der Abwesenheit  vom Arbeitsplatz  begründete Kündigung erst  nach der  Ausreise  der  Beschwerdeführenden  erfolgte  und  nicht  bereits  zum  Zeitpunkt,  als  er  knapp  zwei  Monate  in  Untersuchungshaft  verbrachte.  Aber  auch  wenn  es  sich  bei  diesem  Dokument  um  eine  Fälschung  handeln  sollte,  würde  dieser  Umstand  zwar  gewisse  Zweifel  an  der  Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführenden rechtfertigen, es kann daraus  aber  nicht  ohne  Weiteres  auf  die  Unglaubhaftigkeit  der  von  ihnen  vorgebrachten Asylgründe geschlossen werden. 5.5.  Im  Weiteren  lässt  sich  der  Vorhalt  der  Vorinstanz,  die  Beschwerdeführenden  hätten  keine  Anklage­  und  Urteilsschriften  eingereicht,  obwohl  ihnen  dies möglich  gewesen  sein  sollte,  nicht mehr  aufrechterhalten,  nachdem  sie  auf  Beschwerdeebene  entsprechende 

E­5081/2009 Dokumente  (Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  an  das  Strafgericht  von F._______, Urteil des öffentlichen Strafgerichts von F._______ vom  (…),  Verfügung  des  Gerichts  von  F._______  betreffend  Verwertung)  eingereicht  haben.  Zwar  liegen  diese  nur  in  Form  von  Kopien  vor,  welchen  praxisgemäss  aufgrund  der  leichten  Manipulierbarkeit  lediglich  ein  reduzierter Beweiswert beigemessen werden kann.  Immerhin  lassen  sie sich aber  inhaltlich mit den Ausführungen der Beschwerdeführenden  in Einklang bringen und es  liegen keine klaren Hinweise dafür vor, dass  es sich um Fälschungen handelt. 5.6. Unter  Abwägung  der  geschilderten  Umstände  gelangt  das  Gericht  zum  Schluss,  dass  die  Beschwerdeführenden  zwar  gewisse  Zweifel  an  der  Echtheit  einiger  der  von  ihnen  als  Beweismittel  eingereichten  Dokumente nicht auszuräumen vermögen, dass aber ihre Asylvorbringen  mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als glaubhaft zu erachten sind. Bei  diesem  Zwischenergebnis  erübrigt  es  sich,  auf  die  Rüge  der  Beschwerdeführenden, das BFM habe zu Unrecht die von Ihnen zu den  Akten gegebenen Fotos der Beschwerdeführerin  in Haft nicht gewürdigt,  einzugehen. 6.  6.1.  Im  Folgenden  ist  somit  zu  prüfen,  ob  den  Beschwerdeführenden  wegen  ihres  Engagements  für  die  Organisation  Anjoman­e  Padeshahi  und den aufgrund dessen gegen sie eingeleiteten Gerichtsverfahren eine  asylrelevante Verfolgung droht. 6.2.  Es  ist  nach  dem  Gesagten  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführenden  im  August  2006  wegen  Propaganda  gegen  die  nationale  Sicherheit,  Kollaboration  mit  regimefeindlichen  Exil­ Gruppierungen, Beleidigung der islamischen Heiligkeiten und Herstellung  alkoholischer Getränke zu einem Jahr unbedingter Haft und  fünf Jahren  Haft  auf  Bewährung,  der  Beschwerdeführer  1  darüber  hinaus  zu  74  Peitschenhieben,  verurteilt  wurden.  Die  unbedingt  ausgesprochene  Haftstrafe sei ihnen aufgrund der verbüssten Untersuchungshaft von zwei  respektive  acht  Monaten  erlassen  worden.  Der  Beschwerdeführerin  2  drohte  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  eine  weitere  Verurteilung  wegen  Beleidigung  des  Propheten,  wobei  ihr  bei  einem  Schuldspruch  gemäss  diesem  Tatbestand  die  Todesstrafe  drohte.  Demnach  hatte  sie  zum  Zeitpunkt  ihrer Ausreise  im Dezember 2006 hinreichend Anlass, weitere 

E­5081/2009 Verfolgungsmassnahmen  in  asylbeachtlichem  Ausmass  durch  die  iranischen  Behörden  zu  befürchten.  Auch  der  Beschwerdeführer  hat  begründete  Furcht  vor  einer  Vollstreckung  der  zur  Bewährung  ausgesetzten  Gefängnisstrafe,  zumal  er  aufgrund  seiner  Verurteilung  wegen oppositioneller Aktivitäten mit einer strengen Überwachung durch  die Sicherheitskräfte zu rechnen hat. Zudem bestand sowohl in zeitlicher  als auch  in sachlicher Hinsicht ein Kausalzusammenhang zwischen den  fluchtauslösenden  Ereignissen  und  der  Ausreise.  Die  Beschwerdeführenden erfüllten somit im Zeitpunkt der Ausreise aus dem  Heimatstaat die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG. 6.3.  6.3.1.  Für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  jedoch  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheids  massgebend  (vgl.  E. 3.3).  Entscheidend  ist somit, ob die Verfolgung heute noch andauert oder die  Furcht  vor  Verfolgung  aktuell  noch  begründet  erscheint.  Dabei  ist  eine  allenfalls  eingetretene  Veränderung  der  objektiven  Situation  im  Heimatland  seit  der  Ausreise  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/12  E. 5.2 S. 154 f.). 6.3.2. Am  17. Juni  2005  trat  mit  der Wahl  des  neuen  erzkonservativen  Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad das Ende der parlamentarischen  Reformer  ein  und  mit  seiner  konfrontativen  Aussen­  sowie  repressiven  Innenpolitik  nahm  die  internationale  Isolation  zu.  Seine  Wiederwahl  im  Jahre 2009 wurde von zahlreichen Manipulationsvorwürfen begleitet und  führte  zu  massiven  Protesten,  welche  von  den  Sicherheitskräften  gewaltsam  niedergeschlagen  wurden.  Die  Menschenrechtssituation  im  Iran ist weiterhin generell schlecht, wobei insbesondere politische Rechte  und  die  Meinungsäusserungsfreiheit  nicht  ausgeübt  werden  können.  Auch  die  Versammlungsfreiheit  und  die  Religionsfreiheit  unterliegen  erheblichen  Einschränkungen  (vgl.  BVGE  2009/28  E. 7.3.1).  Es  wird  unverändert  in  zahlreichen  Fällen  von  Verletzungen  grundlegender  Menschenrechte  im  Iran  berichtet,  so  ist  es  zu  einer  intensiven  Niederschlagung  von  Menschenrechts­  und  Frauenrechtunterstützern,  Journalisten  und  Regierungsgegnern  gekommen  sowie  zu  Folter,  willkürlichen  Verhaftungen,  unfairen  Gerichtsverfahren  und  Amputationen.  Die  iranischen  Behörden  hielten  2010  die  drastischen  Beschränkungen der Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs­  und  Versammlungsfreiheit,  Pressefreiheit  und  Bewegungsfreiheit  weiterhin  aufrecht  (vgl.  Bericht  des  Menschenrechtsrats  der  Vereinten 

E­5081/2009 Nationen  (UN)  zur  Situation  der Menschenrechte  im  Iran  vom  14. März  2011; US Department of State, 2010 Country Reports on Human Rights  Practices:  Iran, vom 8. April 2011; Amnesty  International, Report 2011 –  Iran). 6.3.3.  Angesichts  der  beschriebenen  Situation  im  Iran  kann  auch  im  heutigen  Zeitpunkt  nicht  davon  ausgegangen  werden,  dass  den  Beschwerdeführenden  keine  ernsthaften  Nachteile  drohen.  Vielmehr  muss  angenommen  werden,  dass  sie  registriert  sind  und  deshalb  das  Augenmerk  der  Behörden  in  besonderem  Mass  auf  sich  ziehen.  Unter  diesen  Umständen  ist  das  Risiko,  bei  der  Einreise  festgenommen  und  aufgrund ihrer Vorgeschichte in Haft genommen zu werden, als erheblich  einzuschätzen,  zumal  davon  auszugehen  ist,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  Abwesenheit  verurteilt  worden  ist,  und  sie  mit  einer  Vollstreckung  der  gegen  sie  ausgesprochenen  Strafe  rechnen  muss.  In  Anbetracht  dieser Umstände muss  den Beschwerdeführenden  eine  begründete  Furcht,  auch  künftig  ernsthafte  Nachteile  zu  erleiden,  auch  aus  heutiger  Sicht  zuerkannt  werden  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 21  E. 7.1.  S. 193;  EMARK  2004  Nr. 1  E. 6a­b  S. 9 f.,  mit  weiteren  Hinweisen).  7.  7.1.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  von  den  Beschwerdeführenden  zur  Begründung  ihrer  Asylgesuche  geltend  gemachte  Sachverhalt  glaubhaft  ist  und  sie  aufgrund  desselben  die  Voraussetzungen  für  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  erfüllen.  Da  den  Akten  keine  Anhaltspunkte  zu  entnehmen sind, die auf das Vorliegen von Ausschlussgründen im Sinne  von  Art. 52  ff.  AsylG  hindeuten,  ist  ihnen  in  der  Schweiz  Asyl  zu  gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). 7.2. Gemäss  Art.  51  Abs.  1  AsylG  werden  Ehegatten  von  Flüchtlingen  und  ihre  minderjährigen  Kinder  als  Flüchtlinge  anerkannt  und  erhalten  Asyl,  wenn  keine  besonderen  Umstände  dagegen  sprechen.  In  der  Schweiz  geborene Kinder  von Flüchtlingen werden nach Art.  51 Abs.  3  AsylG  als  Flüchtlinge  anerkannt,  sofern  keine  besonderen  Umstände  dagegen sprechen. Solche besonderen Umstände ergeben sich aus den  Akten  nicht.  Das  BFM  ist  deshalb  anzuweisen,  den  minderjährigen 

E­5081/2009 Kindern der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 51 AsylG das Asyl zu  gewähren. Dies gilt insbesondere auch für die ältere Tochter C._______.  Gemäss nach wie vor geltender Rechtsprechung ist für den Einbezug von  Kindern  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihrer Eltern  das Alter  im Zeitpunkt  der Einreise in die Schweiz massgeblich (vgl. EMARK 1996 Nr. 18 E. 14e  S. 190). Demnach  ist sie, obwohl sie  inzwischen volljährig geworden  ist,  rückbezogen  auf  den  Zeitpunkt  der  Einreise  als  damals  noch  minderjähriges Kind und als Bestandteil der Kernfamilie nach Art. 51 Abs.  1  AsylG  in  das  Asyl  der  Familie  einzubeziehen  (vgl.  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­4719/2006  vom  13.  Dezember  2010,  E. 6.2).  8.  Nach  dem  Gesagten  ist  in  Gutheissung  der  Beschwerde  die  angefochtene Verfügung aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, die  Beschwerdeführenden und ihre Kinder als Flüchtlinge anzuerkennen und  ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Kosten  aufzuerlegen  (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 10.  Sodann  ist  den  vertretenen  Beschwerdeführenden  angesichts  ihres  Obsiegens  in  Anwendung  von  Art.  64  VwVG  und  Art.  7  Abs.  1  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  eine  Entschädigung  für  die  ihnen  notwendigerweise  erwachsenen  Parteikosten  zuzusprechen.  Es  wurde  keine  Kostennote  zu  den  Akten  gereicht.  Der  notwendige  Vertretungsaufwand  lässt  sich  aber  aufgrund  der  Aktenlage  zuverlässig  abschätzen.  Die  Parteientschädigung  ist  auf  Grund  der  Akten  (Art. 14  Abs. 2  in  fine  VGKE)  sowie  unter  Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren  (vgl. Art. 8  ff.  VGKE) auf pauschal Fr. 3000.–  (inkl. Auslagen)  festzusetzen. Das BFM  ist  anzuweisen,  den  Beschwerdeführenden  diesen  Betrag  als  Parteientschädigung zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­5081/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen.  2.  Die  Verfügung  des  BFM  vom  21.  Juli  2009  wird  aufgehoben  und  das  Bundesamt  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  und  ihren  Kindern in der Schweiz Asyl zu gewähren. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Die  Vorinstanz  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  in der Höhe von Fr. 3000.­ (inklusive Auslagen) zu entrichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführenden,  das BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Nicholas Swain Versand: