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Bundesverwaltungsgericht 13.12.2011 E-5027/2009

December 13, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,274 words·~6 min·5

Summary

Asyl und Wegweisung | Wegweisungsvollzug; Verfügung des BFM vom 8. Juli 2009 / N

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­5027/2009 Urteil   v om     1 3 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter François Badoud,    Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______,  Irak,   vertreten durch Christian Hoffs, Rechtsberatungsstelle für  Asylsuchende St. Gallen/Appenzell,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Wegweisungsvollzug; Verfügung des BFM vom 8. Juli 2009 /  N (…).

E­5027/2009 Sachverhalt: A.  Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer, ein  irakischer  Staatsangehöriger  kurdischer  Ethnie,  seinen  Heimatstaat  am  15.  Dezember  2008,  reiste  über  die  Türkei  und  unbekannte  Länder  am 28.  Dezember 2008  in die Schweiz ein und ersuchte gleichentags um Asyl.  Anlässlich  der  Kurzbefragung  vom  16.  Januar  2009  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  und  der  Anhörung  vom  17.  Juni  2009 zu den Asylgründen machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er habe seit  seiner Geburt bis zur Ausreise  in C._______  (Gegend von  Mosul)  gelebt.  Die  Schule  habe  er  nie  besucht,  und  seinen  Lebensunterhalt  habe  er  seit  1997  als  (…)  verdient.  Den  Irak  habe  er  verlassen,  da  er  arm  gewesen  sei  und  als  Kurde  unter  den  Arabern  gelitten  habe.  Er  sei mehrmals  von Arabern  zusammengeschlagen  und  ausserdem von diesen aufgefordert worden, für sie zu arbeiten, wobei es  sich  bei  dieser  Arbeit  um  Diebstahl  und  Ermordung  unschuldiger  Menschen gehandelt habe. Im  Rahmen  der  Anhörung  zu  den  Asylgründen  reichte  der  Beschwerdeführer  seinen  irakischen  Nationalitätenausweis  und  seine  Identitätskarte zu den Akten. B.  Mit Verfügung vom 8. Juli 2009 (eröffnet tags darauf) lehnte das BFM das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab  und  ordnete  seine Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  deren  Vollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihren  ablehnenden  Asylentscheid  damit,  dass  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers den Anforderungen von Art. 7 des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  an die Glaubhaftmachung eines Asyl  begründenden  Sachverhalts  nicht  genügten  und  er  daher  die  Flüchtlingseigenschaft  nach  Art.  3  AsylG  nicht  erfülle.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Für  die  detaillierte  Begründung wird, soweit wesentlich, auf die Erwägungen verwiesen. C.  Mit  Beschwerdeeingabe  vom  6.  August  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht  beantragte  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung der Verfügung vom 8. Juli 2009 bezüglich der Dispositivziffern  4  und  5  (Vollzug  der  Wegweisung),  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter  Feststellung  der  Unzumutbarkeit  des 

E­5027/2009 Wegweisungsvollzuges,  eventualiter  die  Rückweisung  ans  BFM  zur  weiteren  Sachverhaltsabklärung  und  Neubeurteilung  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  den  Verzicht  auf  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Als  Beweismittel reichte er eine Fürsorgebestätigung zu den Akten.  D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  12.  August  2009  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  legalen  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers während des Verfahrens  fest, hiess das Gesuch um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und verzichtete auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  lud  es  die  Vorinstanz  zur Vernehmlassung ein. E.  Mit  Vernehmlassung  vom  14.  August  2009  beantragte  das  Bundesamt  unter  Verweis  auf  seine  bisherigen  Standpunkte  und  Erwägungen  die  Abweisung der Beschwerde. Für die detaillierte Begründung wird, soweit  wesentlich, auf die Erwägungen verwiesen.  F.  In  seiner  Replik  vom  18. März  2010  hielt  der  Beschwerdeführer  erneut  fest, dass er nie in einer der drei kurdischen Provinzen im Nordirak gelebt  habe und auch nicht von dort stamme, was durch Dokumente belegt sei.  G.  Auf  Aufforderung  des  Bundesverwaltungsgerichts  reichte  der  Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Kostennote in der Höhe von  gesamthaft Fr. 1'195.­ zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 

E­5027/2009 Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Das  BFM  verneinte  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers,  lehnte sein Asylgesuch ab und wies  ihn aus der Schweiz weg.  In seiner  Rechtsmitteleingabe beantragte er die Aufhebung der Verfügung, soweit  den Wegweisungsvollzug betreffend (Ziffern 4 und 5 des Dispositivs). Die  Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft,  die  Ablehnung  des  Asylgesuchs und die Wegweisung an sich blieben somit unangefochten  und  sind  mit  Ablauf  der  Beschwerdefrist  in  Rechtskraft  erwachsen  (Dispositivziffern  1­3).  Es  ist  deshalb  einzig  zu  prüfen,  ob  die  Wegweisung zu vollziehen oder ob anstelle des Vollzugs eine vorläufige  Aufnahme  anzuordnen  sei  (Art. 44  AsylG  i.V.m.  Art.  83  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]). 4. 

E­5027/2009 4.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel 2009, Rz. 11.148). 4.2. Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug  der  Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit)  sind  alternativer Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748). Weil sich – wie nachfolgend dargelegt – der Vollzug der Wegweisung als  unzumutbar  erweist,  ist  auf  eine  Erörterung  der  beiden  andern  Voraussetzungen  eines  rechtmässigen  Wegweisungsvollzugs  zu  verzichten. 5.   5.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  sich  im  nach  wie  vor  gültigen  Grundsatzurteil  BVGE  2008/5  vom  14.  März  2008  ausführlich  mit  der  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  den  kurdisch  verwalteten Nordirak befasst. Es gelangte zum Schluss, dass in den drei  kurdischen  Provinzen  (Dohuk,  Erbil  und  Suleimaniya)  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht  und  die  dortige  politische  Lage  nicht  dermassen  angespannt  ist,  dass  eine  Rückführung  dorthin  als  generell 

E­5027/2009 unzumutbar  betrachtet  werden  müsste.  Zudem  ist  die  Region  mit  Direktflügen aus Europa und aus den Nachbarländern erreichbar. Damit  entfällt  das  Element  der  unzumutbaren  Rückreise  via  Bagdad  und  anschliessend auf  dem Landweg durch den  von Gewalt  heimgesuchten  Zentralirak  in  das  durch  die  kurdische  Regionalregierung  ("Kurdistan  Regional  Government"  [KRG])  dominierte  Gebiet.  Die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  setzt  jedoch voraus,  dass die betreffende Person  ursprünglich aus der Region stammt oder längere Zeit dort gelebt hat und  über  ein  soziales  Netz  (Familie,  Verwandtschaft  oder  Bekanntenkreis)  oder  über  Beziehungen  zu  den  herrschenden  Parteien  verfügt.  Andernfalls  dürfte  eine  soziale  und  wirtschaftliche  Integration  in  die  kurdische  Gesellschaft  nicht  gelingen,  da  der  Erhalt  einer  Arbeitsstelle  oder  von Wohnraum  weitgehend  von  gesellschaftlichen  und  politischen  Beziehungen  abhängt.  Zusammenfassend wurde  festgehalten,  dass  die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Regel  für  alleinstehende,  gesunde  und  junge  kurdische  Männer,  die  ursprünglich  aus  der  KRG­ Region  stammen  und  dort  nach  wie  vor  über  ein  soziales  Netz  oder  Parteibeziehungen verfügen, zumutbar ist. Für alleinstehende Frauen und  für  Familien  mit  Kindern  sowie  für  Kranke  und  Betagte  ist  bei  der  Feststellung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  grosse  Zurückhaltung angebracht. 5.2.  Von  der  Vorinstanz  wurde  in  ihrer  Verfügung  die  allgemein  angespannte  Sicherheitslage  im  Irak  nicht  in  Zweifel  gezogen.  Weiter  ging  sie  davon  aus,  dass  in  den  drei  von  der  kurdischen  Regionalregierung  kontrollierten  nordirakischen  Provinzen  Dohuk,  Erbil  und  Sulaymanyia  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrsche  und  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  grundsätzlich  zumutbar  sei.  Der  Beschwerdeführer mache zwar geltend, nicht aus einer dieser Provinzen  zu  stammen.  Der  Vollzug  seiner  Wegweisung  sei  aber  dennoch  zumutbar,  da  seine  undifferenzierten  Angaben  zu  C._______  den  Eindruck  erweckten,  dass  er  sich  seit  langer  Zeit  nicht  mehr  dort  aufgehalten  habe.  Es  sei  nicht  Aufgabe  des  BFM  nach  etwaigen  Wegweisungsvollzugshindernissen  in  hypothetischen  Aufenthaltsorten  des  Beschwerdeführers  zu  forschen.  Ausserdem  verfüge  der  Beschwerdeführer  über  eine  Schwester  in  D._______,  Provinz  Dohuk,  weshalb es ihm zumutbar sei, sich dort niederzulassen. Da er zudem für  seine  Ausreise  10'000  US­Dollar  zur  Verfügung  gehabt  habe,  könne  davon ausgegangen werden, dass er und / oder seine Verwandten über  erhebliche finanzielle Mittel verfügen würden.

E­5027/2009 5.3. Der Beschwerdeführer entgegnete  in seiner Rechtsmitteleingabe, er  habe  nicht  über  längere  Zeit  in  einer  der  drei  kurdischen  Provinzen  gelebt.  Alleine  der  Aufenthalt  seiner  verheirateten  Schwester  in  D._______  könne  nicht  als  ausreichendes  soziales  Netz  bezeichnet  werden. Weiter seien seine Antworten betreffend seines Heimatdorfes in  Anbetracht  seines  niedrigen  Bildungsstandes  ­  er  sei  Analphabet  ­  nachvollziehbar.  Wenn  das  BFM  von  einem  längeren  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  in  einer  der  drei  zumutbaren Provinzen  im Nordirak  ausgehe, hätte es eine genaue Herkunftsanalyse mittels eines LINGUA­ Gutachtens erstellen müssen.  Indem es dies unterlassen habe, habe es  den Untersuchungsgrundsatz verletzt. 5.4. Die  Vorinstanz  argumentierte  in  ihrer  Vernehmlassung  erneut,  der  Beschwerdeführer  habe  auf  Fragen  zu  seinem  Herkunftsort  C._______  nur  sehr  allgemein  geantwortet  und  sei  den  Fragen  ausgewichen.  Die  Kenntnisse  betreffend  seines Heimatortes würden  ausserdem  nicht  von  seinem Bildungsstand abhängen. Weiter spreche das völlige Fehlen von  Kenntnissen der arabischen Sprache dafür, dass er sich schon seit langer  Zeit nicht mehr dort aufgehalten habe. Alleine der Umstand, dass seine  Ausweispapiere  in C._______ ausgestellt worden seien, sei kein Beweis  dafür, dass er die  letzten Jahre auch tatsächlich dort gelebt habe. Da er  eine Schwester  in D._______ habe, könne davon ausgegangen werden,  dass er  für einen allfälligen Neustart  in den Nordirak gehen und auf die  Unterstützung seiner Familie zählen könne, weshalb offen bleiben könne,  ob  er  tatsächlich  aus C._______  stamme, womit  sich  die Durchführung  einer Herkunftsanalyse erübrige.  5.5.    In seiner Replik wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass er nie  in einer der drei kurdischen Provinzen im Nordirak gelebt habe und auch  nicht  von  dort  stamme,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  unzumutbar  sei.  Es  sei  durch  Dokumente,  welche  von  der  Vorinstanz  nicht angezweifelt worden seien, nachgewiesen, dass er aus C._______  stamme. 5.6. Der Argumentation  der  Vorinstanz,  es  sei  nicht  Aufgabe  des BFM,  nach  etwaigen  Wegweisungsvollzugshindernissen  in  hypothetischen  Aufenthaltsorten des Beschwerdeführers zu  forschen und es sei diesem  zumutbar, sich bei seiner Schwester  in D._______ niederzulassen, kann  nicht zugestimmt werden. Die Herkunft des Beschwerdeführers, welcher  seine  Identitätskarte  und  seinen  Nationalitätenausweis  zu  den  Akten  gereicht  hat,  steht  fest  und  wird  auch  von  der  Vorinstanz  nicht 

E­5027/2009 grundsätzlich  angezweifelt.  Der  Beschwerdeführer  hat  die  Mitwirkungs­  und Wahrheitspflicht  nicht  in  solch  grober Weise  verletzt,  dass  es  dem  BFM  unmöglich  wäre,  sich  zur  Zumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  zu  äussern.  Da  der  Wegweisungsvollzug  in  seinen  Heimatort C._______, in der Gegend von Mosul nicht zumutbar ist, ist zu  prüfen,  ob  die  für  eine  Aufenthaltsalternative  in  einer  der  drei  nordirakischen  Provinzen  Dohuk,  Erbil  und  Sulaymanyia  geforderten  Bedingungen erfüllt sind.  Beim  Beschwerdeführer  handelt  es  sich  um  einen  alleinstehenden,  jungen und gemäss Akten gesunden Mann, der aus C._______ stammt  und gemäss eigenen Angaben  immer dort gelebt hat. Sein Vater sei  im  Jahr 1999 verstorben, seine Mutter und ein Bruder sowie eine Tante und  zwei  Cousins  lebten  in  C._______  und  ein  Onkel  wohne  in Mosul.  Ein  Schwester  lebt  in  D._______,  der  Provinz  Dohuk.  Da  der  Beschwerdeführer  jedoch weder ursprünglich aus dieser Provinz stammt  noch während  längerer  Zeit  dort  gelebt  hat,  reicht  alleine  der Wohnsitz  seiner  Schwester  nicht  aus,  um  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  dorthin  zu  begründen.  Aus  den  Akten  ergeben  sich zudem keine Hinweise, welche darauf schliessen liessen, dass er in  einer  der  drei  von  der  kurdischen  Regionalregierung  kontrollierten  nordirakischen Provinzen über  ein  tragfähiges Beziehungsnetz  verfügen  würde.  Weiter  fehlen  Anhaltspunkte  für  eine  Sicherung  des  Existenzminimums  und  eine  gesicherte  Wohnsituation  bei  einem  Wegweisungsvollzug  in  diese  drei  Provinzen.  Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss seinen Angaben Analphabet und verfügt über keine Ausbildung.  Entgegen  der  Ansicht  der  Vorinstanz  ergeben  sich  überdies  aus  den  Akten  keine  hinreichenden Hinweise,  wonach  davon  auszugehen wäre,  dass der Beschwerdeführer und / oder seine Verwandten über erhebliche  finanzielle  Mittel  verfügen  würden,  zumal  er  geltend  gemacht  hat,  sein  Land unter anderem wegen der Armut, in welcher er und seine Familie in  Irak lebten, verlassen zu haben.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  ist  somit  als  unzumutbar zu bezeichnen. Die Voraussetzungen für die Gewährung der  vorläufigen Aufnahme sind erfüllt. Den Akten lassen sich keine Hinweise  entnehmen, wonach er Beschwerdeführer einen der Tatbestände von Art.  83 Abs. 7 AuG erfüllen würde.  6.  Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die Ziffern 4 und 

E­5027/2009 5  des Dispositivs  der  angefochtenen Verfügung  des BFM  vom 22.  Juni  2009  sind  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  ist  anzuweisen,  den  Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.  7.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  und  aufgrund  der  mit  Zwischenverfügung  vom  22.  Juli  2009  gewährten  unentgeltlichen  Rechtspflege sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 8.  Dem  Beschwerdeführer  ist  angesichts  des  Obsiegens  im  Beschwerdeverfahren  in  Anwendung  von  Art.  64  Abs.  1  VwVG  eine  Parteientschädigung  für  ihm  erwachsene  notwendige  Vertretungskosten  zuzusprechen (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR  173.320.2]).  Mit  Eingabe  vom  7.  Dezember  2012  hat  der  Rechtsvertreter eine Honorarnote im Umfang von total Fr. 1'195 (inklusive  Auslagen)  eingereicht,  welche  als  leicht  überhöht  zu  beurteilen  ist.  Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 7 ff.  VGKE) wird die Parteientschädigung auf  angemessene Fr.  1'000.­  (inkl.  Auslagen)  festgesetzt.  Dieser  Betrag  ist  dem  Beschwerdeführer  durch  das BFM zu entrichten.  (Dispositiv nächste Seite)

E­5027/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung vom 22.  Juni  2009  werden  aufgehoben.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr.  1'000.­  (inkl.  Auslagen)  zu  entrichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel Versand:

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