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Bundesverwaltungsgericht 14.07.2011 E-4883/2009

July 14, 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,497 words·~7 min·3

Summary

Nichteintreten auf Asylgesuch (nach Verfahrenswiederaufnahme) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Juli 2009 /

Full text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4883/2009 Urteil   v om   1 4 .   Juli   2011 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Jean­Pierre Monnet,    Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan,   vertreten durch Pius Schumacher, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer,  Gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 24. Juli 2009 / N _______.

E­4883/2009 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest  dass der Beschwerdeführer am 19. Juni 2006  in der Schweiz ein erstes  Asylgesuch  stellte  und  am  21.  Juli  2006  summarisch  zu  seinen  Asylgründen angehört wurde, dass dieses Gesuch  vom BFM mit Beschluss  vom 2. Oktober  2006 als  gegenstandslos  abgeschrieben  wurde,  nachdem  der  Beschwerdeführer  vom  Amt  für  Migration  des  Kantons  B._______  wegen  unbekannten  Aufenthalts per 21. August 2006 abgemeldet worden war,  dass der Beschwerdeführer am 4. Dezember 2008 erneut ein Asylgesuch  stellte, dass  er  vom  BFM  am  16.  Dezember  2008  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum Basel summarisch befragt und am 23. März 2009 zu  seinen Asylgründen angehört wurde, dass er zur Begründung seiner Asylgesuche im Wesentlichen vorbrachte,  er sei C._______ und stamme aus D._______, dass  er  im  Januar  2006 anlässlich  eines Ausflugs mit  seinem Motorrad  von  einem Wachmann  angehalten  und  zu  Unrecht  beschuldigt  worden  sei,  jemanden bei einem Verkehrsunfall  tödlich verletzt und Fahrerflucht  begangen zu haben.  dass  er  aufgrund  dieses  Vorwurfs  festgenommen  und  in  der  Folge  ein  Strafverfahren gegen ihn eingeleitet worden sei, dass die Familie des Opfers angebliche Zeugen mittels Bestechung dazu  gebracht  habe,  gegen  ihn  auszusagen,  und  er  deshalb  nach  (…)  Untersuchungshaft vom Gericht in D._______ zum Tode verurteilt worden  sei, dass  sein  Vater  einen  Monat  nach  der  Verurteilung  – wahrscheinlich  durch  Bestechung  – erreicht  habe,  dass  ein  Gefängniswärter  ihm  zur  Flucht verholfen habe, dass er sich daraufhin vier Tage bei einem Freund seines Vaters aufge­ halten und am (…) 2006 illegal in den Iran begeben habe, von wo er über  die Türkei ein erstes Mal in die Schweiz gelangt sei,

E­4883/2009 dass  er  im  September  2006  – nachdem  er  erfahren  habe,  dass  seine  Mutter  schwer  erkrankt  sei  – via  Bulgarien  und  E._______  nach  Afghanistan zurückgereist sei,  dass er sich in der Folge bis Ende 2008 bei seiner Familie in D._______  aufgehalten habe, wobei er kaum aus dem Haus gegangen sei, dass er sich schliesslich zur erneuten Ausreise entschlossen habe, weil  seine  Verfolger  von  seiner  Rückkehr  erfahren  hätten  und  er  zu  Hause  gesucht worden sei,  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  24.  Juli  2009  in  Anwendung  von  Art. 35a Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der  Beschwerdeführer  habe  widersprüchliche  und  realitätsfremde  Angaben  zu  dem  angeblich  gegen  ihn  eingeleiteten  Strafverfahren  sowie  zu  der  Flucht aus dem Gefängnis gemacht, dass er sich widersprüchlich zum Namen des zuständigen Richters sowie  zur  Frage,  ob  ein  schriftliches  Urteil  ausgestellt  worden  sei,  geäussert  habe, und nicht nachvollziehbar erscheine, dass er  so einfach aus dem  Gefängnis habe entkommen können, dass  im  Weiteren  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  zu  seiner  Rückreise aus der Schweiz nach Afghanistan im Jahre 2006 äusserst wirr  seien und die angegebenen Gründe für die Rückkehr in sein Heimatland  völlig der Logik entbehrten, dass namentlich nicht nachvollziehbar sei, dass er trotz der ihm angeblich  drohenden Todesstrafe nach D._______ zurückgekehrt  sei  und sich bei  seiner Familie  aufgehalten habe,  obwohl  er  dort  zuerst  gesucht worden  wäre, dass  sich  somit  aus  seinen Aussagen  keine Hinweise  ergeben würden,  welche geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, dass sich im Weiteren aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben  würden,  dass  ihm  im  Falle  der  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine gemäss Art. 3 der Konvention vom 

E­4883/2009 4. No­vember  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Strafe  oder  Behandlung  drohe, zumal die vorgebrachte Verurteilung zum Tode nicht glaubhaft sei, dass  ferner  die  Lage  in  der Provinz D._______ als  grundsätzlich  sicher  einzustufen  sei  und  somit  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  als  grundsätzlich zumutbar zu erachten sei, dass  zudem  auch  keine  individuellen  Gründe  gegen  den  Vollzug  der  Wegweisung des Beschwerdeführers sprechen würden,   dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  31. Juli  2009  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  beantragte,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben,  es  sei  auf  sein Asylgesuch  einzutreten  und  es  sei  ihm die  vorläufige Aufnahme zu gewähren, dass  er  eventualiter  um  Verlängerung  der  Ausreisefrist  um mindestens  sechs Monate ersuchte, dass er  in  formeller Hinsicht um Einräumung einer Frist zur Einreichung  von  Beweismitteln  sowie  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege ersuchte, dass  der  Instruktionsrichter mit  Zwischenverfügung  vom 5. August  2009  feststellte,  der  Beschwerdeführer  dürfe  den Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  und  über  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden,  dass  er  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  einen  Beleg  seiner  Fürsorgeabhängigkeit  nachzureichen,  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses verzichtete und dem Beschwerdeführer eine Frist von  30  Tagen  zur  Einreichung  der  in  Aussicht  gestellten  Beweismittel  einräumte, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  6.  August  2009  eine  Fürsorgebestätigung der Caritas B._______ vom 30. Juli 2009 einreichte  und  um  Beiordnung  des  von  ihm  mandatierten  Rechtsvertreters  als  amtlicher Anwalt ersuchte,

E­4883/2009 dass  der  Instruktionsrichter  mit  Verfügung  vom  11.  August  2009  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG abwies, dass er ein Gesuch des Beschwerdeführers vom 4. September 2009 um  Verlängerung  der  Frist  zur  Einreichung  von  Beweismitteln  um  weitere      30 Tage mit Instruktionsverfügung vom 9. September 2009 guthiess, dass ein weiteres Fristverlängerungsgesuch vom 12. Oktober 2009 vom  Instruktionsrichter am 13. Oktober 2009 unter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2  VwVG abgewiesen wurde, dass  die  Vorinstanz  in  der  Vernehmlassung  vom  23.  Oktober  2009  an      ihrer Verfügung festhielt und die Abweisung der Beschwerde beantragte, dass  die  Vernehmlassung  dem  Beschwerdeführer  mit  Zuschrift  vom  30. Oktober 2009 ohne Replikrecht zur Kenntnis gebracht wurde, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  und  Art. 105  AsylG  i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 52 VwVG),

E­4883/2009 dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 34  E. 2.1.  S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass  das  Asylverfahren  wieder  aufgenommen  wird,  wenn  eine  Person,  deren  Asylgesuch  abgeschrieben  wurde,  erneut  ein  Asylgesuch  stellt  (Art. 35a Abs. 1 AsylG), dass  auf  ein  solches  Asylgesuch  nicht  eingetreten  wird,  ausser  es  bestehen  Hinweise,  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden  Schutzes  relevant sind (Art. 35a Abs. 2 AsylG), dass  bei  der  Prüfung  von  Hinweisen  auf  für  die  Flüchtlingseigenschaft  relevante Ereignisse, die gemäss Art. 35a Abs. 2 AsylG zum Eintreten auf  das  Gesuch  führen,  eine  summarische  materielle  Prüfung  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  der  asylsuchenden  Person  statthaft  ist,  wobei in Anlehnung an Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG die Anforderungen an  das Beweismass tief anzusetzen sind (vgl. Botschaft des Bundesrats zur  Änderung des Asylgesetzes vom 4. September 2002 [BBl 2002 6845], S.  6883 und 6886; EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3. S. 16 f.), dass  sich  dabei  die  Relevanz  der  geltend  gemachten  Verfolgung  nicht  nach  einem  weiten  Verfolgungsbegriff  richtet,  sondern  nach  jenem  von 

E­4883/2009 Art.  3  AsylG,  weshalb  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten  wird,  wenn  eines  der  Elemente  des  Flüchtlingsbegriffs  gemäss  Art.  3  AsylG  offensichtlich nicht erfüllt ist (vgl. EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.5. S. 18), dass im vorliegenden Fall nach Prüfung der Akten durch das Gericht − in  Übereinstimmung  mit  den  vorinstanzlichen  Erwägungen  –  festzustellen  ist,  dass  keine  glaubhaften  Hinweise  bestehen,  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  vor­  übergehenden Schutzes relevant sind,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs überaus oberflächlich und undetailliert ausgefallen sind und  insgesamt  nicht  den  Eindruck  der  Schilderung  realer  Erlebnisse  er­ wecken, weshalb ihnen jede glaubhafte Grundlage fehlt, dass ebenso die Darstellung des Beschwerdeführers, er sei nach seinem  Untertauchen  im  September  2006  nach  Afghanistan  zurückgekehrt,  um  seine  kranke  Mutter  zu  besuchen,  angesichts  seiner  widersprüchlichen  und  realitätsfremden  diesbezüglichen  Aussagen  als  nicht  glaubhaft  gemacht bezeichnet werden muss, dass  der  Umstand,  dass  er  offenkundig  seinen  tatsächlichen  Aufenthaltsort  im  Zeitraum  zwischen  September  2006  und  Dezember  2008  zu  verschleiern  versucht,  Anlass  zu  weiteren  Zweifeln  an  seiner  Glaubwürdigkeit gibt, dass  im  Übrigen  zwecks  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  die  zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen zu verweisen ist, dass  die  Ausführungen  in  der  Beschwerdeeingabe,  in  welcher  im  Wesentlichen  auf  die  Ausführungen  im  erstinstanzlichen  Verfahren  verwiesen und an deren Glaubhaftigkeit festgehalten sowie bezüglich der  festgestellten Widersprüche auf mögliche Fehler bei der Umrechnung der  Kalenderdaten  und  die  emotionale  Belastung  des  Beschwerdeführers  verwiesen  wird,  nicht  geeignet  sind,  zu  einer  anderen  Einschätzung  zu  führen, dass er bezeichnenderweise die zum Beleg seiner Vorbringen in Aussicht  gestellten  Gerichtsdokumente  bisher  ohne  plausible  Begründung  nicht  eingereicht hat, 

E­4883/2009 dass  das BFM nach  dem Gesagten  in Anwendung  von Art. 35a Abs.  2  AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733),  weshalb  die  verfügte Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte Beweis möglich  ist, und andernfalls sind sie wenigstens glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, Hinweise  im Sinne von         

E­4883/2009 Art.  35a  AsylG  vorzubringen,  weshalb  das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu  Art. 3 EMRK ersichtlich  sind,  die  dem Beschwerdeführer  im Heimatland  droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  das  Bundesverwaltungsgericht  vor  dem  Hintergrund  der  anhaltenden Übergriffe  der Taliban auf militärische und  zivile Ziele  eine  Überprüfung der bisherigen Rechtsprechung gemäss EMARK 2006 Nr. 9  vorgenommen hat,  dass  es  im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011  unter  anderem  festhielt,  in  weiten  Teilen  von  Afghanistan –  ausser  allenfalls  in  den  Grossstädten  −  würde  eine  derart  prekäre  Sicherheitslage  herrschen,  dass  die  Situation  als  existenzbedrohend  im  Sinne von    Art. 83 Abs. 2 AuG zu qualifizieren sei, dass  es  von  dieser  allgemeinen  Feststellung  die  Situation  in  der  Hauptstadt Kabul unterschied und angesichts des Umstandes, dass sich  dort die Sicherheitslage  im Verlauf des vergangenen Jahres nicht weiter  verschlechtert  habe  und  die  humanitäre  Situation  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  etwas  weniger  dramatisch  sei,  den  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  unter  bestimmten  Umständen  als  zumutbar erachtete, dass  es  darauf  hinwies,  solche  Umstände  könnten  grundsätzlich  namentlich dann gegeben sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen  jungen, gesunden Mann handle, wobei es sich  indessen angesichts der  konstanten  Verschlechterung  der  Lage  über  die  vergangenen  Jahre  hinweg  und  auch  in  Kabul  schwierigen  Situation  von  selbst  verstehe,  dass  die  bereits  in  EMARK  2003  Nr.  10  formulierten  strengen 

E­4883/2009 Bedingungen  in  jedem  Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und  erfüllt  sein  müssten,  um  einen  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  als  zumutbar  zu  erachten  und  insbesondere  das  Vorhandensein  eines  sozialen  Netzes  unabdingbar sei, dass das Bundesverwaltungsgericht die Frage, ob  im Falle der Erfüllung  dieser  Kriterien  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  auch  hinsichtlich  anderer  grösserer  Städte  in  Afghanistan,  namentlich  Herat,  grundsätzlich bejaht werden könne, ausdrücklich offen gelassen hat, dass eine Situation allgemeiner Gewalt  in einem Land nicht automatisch  zur Annahme einer  konkreten Gefährdung  führt,  vielmehr die betroffene  Person  darlegen  muss,  dass  die  Situation  für  sie  eine  konkrete  Gefährdung darstellt, dass mithin in der Regel eine Einzelfallbeurteilung unter Berücksichtigung  der  individuellen Lebensumstände der betroffenen Person vorzunehmen  ist  (vgl.  RUEDI  ILLES,  zu  Art.  83  VwVG,  in:  MARTINA  CARONI  /  THOMAS  GÄCHTER  /  DANIELA  THURNHERR  (Hrsg.):  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, S. 799, Rz. 33.), dass  zwar  von  einer  Verschlechterung  der  Sicherheitslage  im  Westen  Afghanistans  in  den  letzten  Jahren  auszugehen  ist  und  gerade  auch  in  der Provinz Herat  die Zahl  sicherheitsrelevanter Ereignisse angestiegen  ist (vgl. SFH­Länderanalyse: Afghanistan: Sicherheitslage in Herat, Bern,  05.05.2010), dass die Situation in der Stadt D._______ aber in neuesten Berichten als  verhältnismässig  ruhig  beschrieben  wird  (vgl.  Afghanistan  NGO  Safety  Office [ANSO], ANSO Reports, June 2011 (16 – 20) S. 13 und June 2011         (1 ­ 15)  S.  17;  Congressional  Research  Service,  Afghanistan:  Post­ Taliban Governance, Security, and U.S. Policy, June 3, 2011, S. 37),  dass  D._______  denn  auch  zu  den  Orten  gehört,  in  denen  die  Sicherheitsverantwortung  ab  Juli  2011  schrittweise  von  der  internationalen  Gemeinschaft  an  die  afghanische  Regierung  übergeben  werden soll (NZZ, Mehr Macht für Kabul, 23.3.2011), dass  sich  die  registrierten  Anschläge  und  Überfälle  meist  gegen  afghanische  und  internationale  Sicherheitskräfte  richten  und  Zivilisten  eher zufällig in Mitleidenschaft gezogen werden,

E­4883/2009 dass in Anbetracht dieser Umstände die Lage in der Stadt D._______ mit  derjenigen  in  Kabul  zumindest  vergleichbar  erscheint  und  es  sich  nicht  rechtfertigt,  von  einer  generellen  Unzumutbarkeit  der  Rückkehr  dorthin  aufgrund der allgemeinen Situation auszugehen,  dass sich vorliegend aus den Akten zudem keine individuellen Umstände  ergeben, welche  es  rechtfertigen würden,  den Vollzug  der Wegweisung  des Beschwerdeführers als unzumutbar zu qualifizieren, dass  es  sich  bei  ihm  vielmehr  um  einen  jungen  und  gesunden  Mann  handelt,  welcher  über  eine  gewisse  Schulbildung  und  berufliche  Erfahrung verfügt, dass  zudem  gemäss  den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  anlässlich der Befragungen seine Eltern und weitere Familienangehörige  in  D._______  leben  und  seine  Familie  wohlhabend  ist,  woraus  geschlossen  werden  kann,  dass  er  auf  deren  Unterstützung  sowohl  hinsichtlich  der  Existenzsicherung  als  auch  der  Wohnsituation  zählen  kann, dass es sich bei der in der Eingabe vom 4. September 2009 erhobenen,  nicht weiter ausgeführten Behauptung,  seine Eltern seien momentan  im  Iran  wohnhaft,  offenkundig  um  eine  Schutzbehauptung  handelt,  welche  nicht  geeignet  ist,  die  Existenz  eines  tragfähigen  Familiennetzes  im  Heimatland in Frage zu stellen, dass demnach der Vollzug der Wegweisung vorliegend als zumutbar zu  erachten ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dem  Beschwerdeführer  nach  Afghanistan  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 

E­4883/2009 unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  das  Gesuch  um  Erstreckung  der  Ausreisefrist  nach  Italien  an  die  dafür zuständige Behörde (BFM) zu richten ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass  jedoch  die  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  ausgewiesen  ist  und  die  Rechtsbegehren  nicht  als  aussichtslos  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG bezeichnet werden  konnten, weshalb  in Gutheissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  von  einer  Kostenerhebung abzusehen ist. (Dispositiv nächste Seite)

E­4883/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Nicholas Swain Versand:

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